Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-07-01 · 27 (1.7.1904) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
27 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433050--2475-2436345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Jüdisches Volksblatt. 1. Juli 1904 kr. 27 Wien, Freitag schieht. Erst wenn jemand uns den Willen kundgibt, daß er nach rechts gehen und Gutes tun will, und dennoch nach links geht und schlecht handelt, können wir ihn durch Vernunftgründe vom Wege abbringen, indem wir auf den Gegensatz zwischen seinem Wollen und Handeln Hinweisen." Dr. Elias Jacob gibt aber dem ganzen Aufsatze einen Anstrich, als wäre ec nach langem Suchen und Ringen auf dem Wege der Evolution zu seinem Schluffe gelangt, und als müßte man in ihm die Verkörperung des Judentums erblicken, welches am besten tut, wenn es ihm nrit einem großen Salto mortale in das Nichts folgt. Der Lemberger Ghettojüngling ist glücklich beim Atheismus angelangt. Gut. Als Atheist fühlt er einen unwiderstehlichen Widerwillen gegen alle religiösen Feste, einen unausrottbaren Hatz gegen das Zeremonialgesetz, welches durch die Naturwissenschaften überholt sei. Einverstanden. Warum aber dann nicht lieber die einzig richtige Konsequenz des Atheisten ziehen und sich von jeder Religion frei machen? Warum soll das Judentum seine, der Ansicht des Verfassers nach überwundene Religion mit angeblich unhaltbaren Dogmen, in eine andere, mit den Naturgesetzen gewiß nicht so vereinbare Religion, wie es die jüdische ist, inntauschen? Oder um deutlicher zu werden : Wenn es bloß um Religion und Dogmen geht, was könnte uns veranlassen, unser Judentum aufzugeben und dafür das Christentum anzunehmen? Der Verfasser fühlt diesen Widerspruch zwischen Prämisse und! Schlußfolgerung und versucht sich aus demselben in einer Weise herauszuwinden, die seiner Logik, auf welche er sich gar so viel zugute tut, keine große Ehre macht. Er sagt: „Gewiß: früher oderspäter werden die arischen Völker die semitische Zwangsjacke abstreifen. Das aber ist eine Sache, die diese Völker unter sich abzumachen haben. Drängt ihr euch aber an diese Bewegung heran, so werdet ihr sie in Mißkredit bringen und für lange Zeit hemmen. Sehet zu, daß ihr euren Wirtsvölkern gleich werdet! Sehet zu, daß ihr die aus der Logik, Aestlhetik und Ethik resultierende Linie erreicht, die die Zivilisation bezeichnet und auf der eure Wirtsvölker, trotz ihrem Christentum, fortschreiten; dann dürft ihr mitreden und mittun! Um aber diese Linie zu erreichen, müßt ihr als Juden untertauchen und spurlos verschwinden!" Was bedeutet das in einer etwas klareren Sprache? Das Judentum soll einfach spurlos verschwinden und sein Schicksal seinen sogenannten Wirisvölkern überantworten. Zum Glücke wird das Rezept des Dr. Elias Jacob nur von einzelnen Individuen in Anwendung gebracht, die über das Judentum überhaript nicht nachgedacht oder mit demselben Mangel an Logik und unanfechtbarer Geschichtskenntnis sich mit ihm beschäftigt haben, wie es Dr. Jacob getan. Die große Masse im Judentum, geführt von motdernen Männern, sind zu einer anderen Üeberzeugung gelcmgt.. Die Religionsgesetze allein reichen nicht mehr hin, die Existenz des jüdischjen Volkes auf die Dauer zu sichern. Mit den Waffen der modernen Wissenschaften und des Kulturfortschrittes ausgerüstet, gewappnet mit bcnr Vertrauen auf die Kraft des Willens zum Leben, welchen das Volk aus der tausendjährigen Geschichte geschöpft, will es für seine Existenz weiterkämpfen und gerade die Naturgesetze, auf welche sich Dr. Jacob beruft, lehren uns, daß dieser Kampf nicht nutzlos sein und uns zum Siege führen wird. Wir können das Gefühl nicht unterdrücken, daß Dr. Jacob derselben Ansicht ist, wie wir, und sein Aufsatz nicht ganzseine mfreienWillen entsprungen ist. Wie ist es denn sonst denkbar, daß ein Mann vom Schlage Dr. Elias Jacobs, der in Lemberg lebt und vorgibt, Stürmenden aus einem Revolver eine Kugel durch ben Mund jagten. Sie hatten gut gezielt: Die Kugel drang durch den Mund undkam rückwärts beim Halse heraus und Nute fiel blutüberströmt zu den Füßen seines Sohnes nieder. Dieser stand da mit blitzenden Augen, in der Hand eine Hacke, der Angreifer gewärtig. „Nimm mich auf!" röchelte der Alte, „rette mich, ich mag nicht, daß sie mich auf die Gasse werfen." Der Sohn warf das Beil fort, nahm ein langes Messer zwischen die Zähne, hob seinen Vater auf die Schulter und rannte durch die rückwärtige Türe des Hauses hinaus. Der Alte betete laut, dann blieb er eine Weile still. , »Gib acht! Sei vorsichtig! Bring mich nach Haufe, damit ich als Jude sterbe und begraben werde!" Dann betete er weiter; plötzlich kam ein tiefes Röcheln aus seiner Brust und dann — verstummte er. Er war tot. Der Sohn war schon am Ende der Stadt angelangt, wo die S t r u m i fließt. Er legte den Vater am User nieder, wusch das Blut aus dem Gesichte des Toten, beugte sich nieder zu ihm und küßte ihn. Dann sprang er auf, sein Gesicht nahm einen wilden Ausdruck cm und mit seiner kräftigen, geballten Faust deutete er nach der Richtung hin, woher die geborstene Glocke der wilden Masse noch immer zutönte: Vorwärts! Los! Liebevoll hob er nun den Leichnam seines Vaters von: Boden auf und machte sich mit ihm auf den Weg zum Judenviertel. Plötzlich wurde sein Weg hell beleuchtet. Aus dem jüdischen Quartiar schlugen Flammen empor, welche rasch um sich griffen. Nun hat auch die Brandlegung begonnen. Ein flüchtender Haufe kam Efraim entgegen : Männer, Frauen und Kinder. Er aber eilt mit seiner Last weiter in der Richtung ihres kleinen Häuschens; er muß seinen Vater waschen und ihm das lange Leichenhemde anzichen ... . Im Judenvwrtel tobte eine wüste Schlägerei. Eine einen Ausweg aus dem Dilemma gesucht zu.- haben, in welches ihn seine Zugehörigkeit zum Judentum gebracht hat und erst nach Erforschung aller Mittel zu seinem entsagenden Entschlüsse gekommen sei, auf seiner Forschungsreise der neuen Bewegung im Judentum nicht begegnet wäre? Aber Dr. Elias Jacob weiß, daß er dieser Bewegung gegenüber mit seinen „Vernunftgründen" und mit seiner' „aus der Logik, Aesthetik und Ethik resultierenden Linie" das Auslangen nicht finden könnte und so tat er etwas, was wohl nicht schön, aber in seiner Situation erklärlich ist: er hat sie einfach totgeschwiegen. Wir wollen zunr Schluffe nur noch einen Abschnitt aus der oft zitierten Abhandlung hier wiedergeben und möchten im Anschlüsse an denselben doch die etwas indiskrete Frage an Herrn Dr. Elias Jacob richten: Hat er diese Sittlichkeitsgesetze, ldie er seinem verhaßten Talmud entnommen, bei unseren Wirtsvölkern wirklich vorgefunden und hat er nicht einen Moment daran gedacht, daß wir gerade diesen religiös-nationalen Gesetzen unseren Fortbestand verdanken und in ihnen auch den Schlüssel für unser weiteres Bestehen zu erblicken hoben? Diese Stelle lautet: Um die Juden unter diesen abnormen Lebensbedingungen geistig und physisch zu erhalten, wurde ihnen das Studium des Talmuds, des aus den verschiedensten griechisch-römischen und persischen Wissens- und Erkenntnisgcbieten zusammengerafftcn Schatzes, den man von dem Geiste des Golus zersetzen und aufsaugen ließ und durch eine vor keiner Willkürlichkeit zurückscheuenden Interpretation durch die engen, unlvegsamen Kanäle der biblischen Weltanschauung gepreßt hatte, zur wichtigsten Lebensailfgabe gemacht. Dann wurden sie, die unter den schwierigsten und traurigsten Verhältnissen zu leben hatten, mit einer Menge guter, vernünftiger Lebcnsregeln versehen. Von der Ansicht ausgehend, daß ein reines, tugendhaftes Familienleben die Grundbedingungen der Lebenskraft und Lebensfähigkeit sei, haben die Talmudisten den Vorschriften iiber die Eheschließung, das Zusammenleben der Eheleute und die Kindererzichung die größte Sorgfalt gewidmet. Nicht Geld und Schönheit, sondern Tüchtigkeit und Tugend sollten bei dem Eingehen einer Ehe entscheidend sein. Der Mann mußte das Weib höher als sich achten; das Benehmen der Eheleute gegeneinander sollte ernst und schamhaft sein. Doch durfte das freundliche Entgegenkommen, das den Aufenthalt Gottes ini Hause ermöglicht, nicht fehlen. Besonders streng wurde das Laster bekämpft. Das achtzehnte Lebensjahr war der letzte Termin für den Junggesellen. Wer bis dahin nicht geheiratet hatte, verfiel dem Fluche Gottes. Die Sclbstbeflcckuug war ein ungeheurer Frevel und selbst ein unsittlicher Gedanke schon ein Verbrechen. Verboten war, eine fremde Frau anzusehen oder mit ihr allein im Zimmer zu verweilen. Und wie das Familienleben, wurde auch das Gesellschaftsleben durch einen reinen, gesunden und guten Ton gekrästigt, gehoben und geklärt. Stolz und Uebermut Maren einer Gotteslästerung gleich. Freundliches und liebevolles Betragen gegen jedermann wurde dringend empfohlen. Gastfreundschaft gehörte zu den schönsten Tugenden und Mildtätigkeit war die Wellstützc. Wer nicht schamhaft, barmherzig und dankbar war, durfte sich nicht znm jüdischen Stamm zählen. Auch für die Erhaltung der Gesundheit wurde gesorgt. Wer nicht täglich ein Bad nehmen konnte, mußte es wenigstens jeden Freitag tu>u Freiwilliges Fasten, der Verzicht auf den Genuß des Fleisches und des Weines ist eine Sünde. Nur dürfen auch nicht die Grenzen der Mäßigkeit und Bescheidenheit überschritten werden. Der Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems muß durch manche Entbehrungen im Essen und Trinken, in der Kleidungmnd häuslichen Einrichtung Ausdruck "gegeben werden, ^-ang Und Tanz und Zechgelage, die zu den rituellen Festlichkeiten nicht gehören, sind untersagt. Hazardspieler sind ihrer Glaubwürdigkeit verlustig uud düsten zu keiner Zeugenaussage zugelassen werden. Aus Rußland. Der Staatsrat hat seine Beratungen bis zum Herbste vertagt. Aus dem über die im nächsten Winter zur Beratung gelangenden Angelegenbeiten bereits jetzt herausgegebenen Verzeichnisse geht hervor, daß die nächste Beratungssession auch die Aufhebung der jüdischen Fleisch- und Handvoll kräftiger, mit Knütteln, Messern und Hacken bewaffneter Jünglinge stellte sich den Brandlegern entgegen. Bald wird das Haus erreicht sein. Es brennt noch nicht. Vielleicht' wird der Wind das Feuer von ihm äbwenden. Mein Gott, nur noch einige Schritte, und er kann den Alten hinstrecken in der Hütte seiner Vorfahren. Da ertönte Trompeteusch all, und ein Bataillon Kosaken stampfte über die Kämpfenden hinweg: über Christen und Juden. Efraim drückte sich' an die Wand, aber ein Kosak versetzte ihm Zeinen solch wuchtigen Kopfhieb, daß er taumelte. Er legte den Leichnam seines Vaters nieder und sank neben ihm hin. Man jagte über ihre Körper hinweg. Er verlor das Bewußtsein. Als er zn sich kam, befand!er sich im Haufe seines Nachbars K a i m. „Wo ist mein Vater?" war seine erste Frage. „Ich weiß es rlicht, mein Sohn. Wer vermag es zu sagen, in wieviele Richtungen wir diese Nacht verschlagen wllrden?" „Meinen Vater hat man ermordet. Seinen Körper brachte ich hieher. Neben ihm schlug man auch mich nieder. Wohin ist er geraten? „Wenn er gestorben ist, 'erging es ihm noch gut. Er leidet nicht mehr, da er die Leiden Anderer nicht mit ansieht." „Aber wo mag sich nur sein Leichnam befinden?" „Ich werde es dir sagen. Als der Sturm der Kosaken die Rebellen hinwegfegte, erschien die Polizei, die Toten aufzulesen. Die Juden wurden fortgetragen, ich weiß nicht wohin, um sie zu verscharren, ohne Rabbiner, ohne Abschiedssegen. Die jüdischen Verwundeten wurden in Juden- Häuser geschafft (so kamst du zu mir), und es wurde allen aufgetragen, sich nicht zu melden, und daß auch keiner sich zu mllcksen wage. Die russischen Toten wurden in die Jfakskirche gebracht. Die russischen Verwundeten beförderte man ins Krankenhaus. Morgen wird es dann allgemein heißen: „Seht ihr, wieviel Schaden die Jllden den rechtgläubigen Russen zugefügt haben!" Das nennt man Gerechtigkeit, mein Sohn, beklage daher im Geheimen Kerzen st euer bringen wird. An Stelle dieser Steuer soll nun eine andere „modernere" eingeführt werden! Alljährlich «m die Badesaison beschäftigen sich die hiesigen kompetenten Behörden mit der Frage, ob den Juden die Benützung derjenigen Heilbäder und Kurorte gestattet sei, welche außerhalb des Ansiedlungsrayons liegen. Heue» bestürmen die im Kaukasus gelegenen Bäder die Regierung mit der Bitte um Zulassung der Juden in dieselben. Obgleich es notorisch ist, daß jährlich nicht weniger als 40.000 russische Jude» ausländische Bäder und Kurorte aufsuchen und obgleich der jüngste balneologische Kongreß in Petersburg die uneingeschränkte Benützung dieser Heilplätze schon aus volkshygienischen Gründen für dringend geboten erklärt hatte, hat die Regierung die Aufhebung dieses barbarischen Verbotes noch nicht verfügt. Hingegen propagiert sie die Wallfahrten von Kranken zu den Gebeinen des heiligen Seraphin. Interessant ist dieMeldung der „Odeskija Nowosti", daß ein Rabbiner sich mit einem Gesuche an den Kriegsmunster gewendet habe, auf den Kriegsschauplatz fahren zu dürfen, um den jüdischen Soldaten religiösen Beistand zu leisten. Der Gouverneur hat dieses eigenartige Gesuch unterstützt. Der Rabbiner will die Reise auf eigene Kosten unternehmen. Der unpopulärste Mensch in ganz Rußland ist heute vielleicht der Minister des Innern, Herr v. P l e h w e. Er ist unbeliebt zunächst bei den übrigen Ministerkollegen, denn es fällt ihm nicht ein, noch mit diesen und ihren Absichten zu rechnen und sie wenigstens wie eine „Art Minister" zu behandeln. Höchstens, daß er noch gewisse Rücksichten auf Graf L a m s d o r f f nimmt. Ein Zeichen großer ftaatsmännischer Klugheit können wir darin nicht sehen. Herr Plehwe fühlt sich zwar augenblicklich bei Hofe sehr stark, weil er hier die Ueberzeugung beigebracht hat. daß er durch sein „strammes" Regiment die Sicherheit des Hofes am besten verbürgt, aber Hofguust ist etwas sehr wandelbares,und sogar P lehw es Intimus, der Staatssekretär Besobrasow, durch den Herr Plehwe immer alle Dinge au die richtige Adresse brachte, für die er selbst seinen Namen nicht engagieren wollte, ist dieser traurigen Erfahrung nicht entgangen, und muß jetzt „fern von Madrid" weilen. Die russische Gesellschaft, soweit sie nicht durch den auf ihr lastenden Drnck völlig apathisch geworden ist und überhaupt aus jeder öffentlichen Betätigung flüchtet, ist von dem eiren Gefühl durchdrungen, daß irgend eine Aenderung eintreten muß, daß der Minister des Innern denn doch noch ein anderes Programm haben muß, als jede Unterbindung des öffentlichen Lebens und Vermehrung der Polizeiposten in den Dörfern und kleinen Flecken. Ueberall fängt die allgemeine Unzufriedenheit an, sich Ausdruck zu verschaffen, und daß der Minister emsig bei der Arbeit ist, gerade die kleine Provinzpreffe zu maßregeln, wird ihm wenig helfen, sondern die Erbitterung in immer weitere Kreise tragen. Plehwe mißt die zähe Agitation gegen ihn im Auslande den Juden zu, die ihn mit bitterem Haffe verfolgten. Wenn dem so sein sollte, so kann sich Plehwe darüber nicht wundern. Als er auf seinen hohen, verantwortlichen Posten gestellt wurde, wußte in Rußland jeder Mensch, daß die Ansichten des Ministers über die Juden nicht die eines Kulturmenschen sind, nicht einmal die eines Staatsmannes, der in den russischen Untertanen mosaischer Konfession noch eine Abart von Menschen sieht. Was die allmächtige Administration hat tun können, um die Juden materiell wie moralisch einzuschnüren, das ist getan worden und die schändliche Kischinewer Affaire ist, wie man sich jetzt auch bestrebt, die Schuld dafür von dem Ministerium Plehwe abzuwälzen, alles, nur kein Ruhmesblatt für dasselbe. deinen Vater, dessen Leichnam du nimrnev wiederfinden wirst, und —schweige." .... Me Häuser wurden wieder aufgebaut, die Geschäfte geöffnet und Efraim stand wieder in der Fleischbank feines Vaters und! hackte das Fleisch aus. Er forschte noch immer nach, um zu erfahren, wo man in jener schrecklichen Nacht die Inden begraben hatte. Des Nachts oder an Feiertagen wanderte er in den Straßen und in der Umgebung muh er und spürte wie ein Jagdhund nach den Leichnamen. Aber vergebens. Die Gräber sind stumm und die Schergen des Zaren sind' womöglich noch stummer. Niemals werden deine Tränen, Än hingebungsvoller Sohn, auf das Grab deines Vaters herniederfallen! Der Frühling kam und ging, ihm folgte der Sommer. Das Gras sproß aus den unbekannten Gräben: und verdorrte auf ihnen. Der Schnee!var medergefallen. Da machte sich in der Stadt eine große Bewegung bemerkbar: Das Kiewer Infanterieregiment wurde mobilisiert. Weit, viele tausend Meilen weit weg brach der Krieg mit dm Ungläubigen aus und die Heiden schlugen dem Reiche des Zaren aller Reußen tiefgehende Wunden. Und eines Tages gingen Polizeimänner von Haus zu Hans, blieben vor der Fleischbank stehen und übergaben Efraim den Einberufungsschein. Und nachmittags erschien die kräftig gebaute Jugend aus dem Judenviertel im Hofe der großen, gelbgetünchten Kaserne, und schwur dort mit geschultertem Gewehr, mit der schweren Last auf dem Rücken, zusammen mit der übrigen Mannschaft bei dem hochgehaltenen Kreuze des Popen: „U n s er L e b en für de n Z a r e n u n d u n sergelte b t e s russisches Vaterland!" .... Und Efraim dachte an den Leichnam seines Vaters, den: das russische Vaterland nicht einmal ein friedliches Grab gegönnt hat . . . .... Das Regiment wurde dcrrch Kanonendonner aus dem Schlafe geweckt. Die Offiziere stellten sich in die Reihen. „H ente gibt's einen b l ut i g en Tag!" sagten sie zu einander. Als Eftaim dies hörte, nahm er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.