Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 26 (24.6.1904)
- Date
- 1904-06-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wta, Stotäig JüdlMh«« TftUftMftit. 24. Juni 1904 Nr. 26 SM4 gestellt ist. Und bei uns Juden? Da zeigt sich das traurige System! Nur gegen eine —• nicht angemessene — sondern sehr hohe Entschädigung ist'ein Rabbiner dazu zu bewegen,, am Leichenbegräbnisse teilzunehmen und den Hinterbliebenen Worte des Trostes zu spenden. Die Prager Gemeinde verfügt über eme ansehnliche Anzahl von Gemeinderabbinern, deren Zeit durch ihre Amtspflichten nur sehr wenig in Anspruch genommen wird. Denen könnte es ja zur Pflicht gemacht werden, den Beerdigungszeremonien durch ihre Anwesenheit eine gewisse Weihe zu verleihen und das gewerbsmäßige Herunterleiern der Grabgebete seitens der Friedhofsfunktionäre hintanzuhalten. Schon vor längerer Zeit gab die Frage der Assistenz eines Rabbiners bei Begräbnissen Anlaß zu Auslassungen des „Prävo Lidu“, das bei der Bestattung eines Soldaten die Assistenz des Feldrabbiners vermißte. Und in eingeweihten Kreisen spricht man davon, daß der „orthodoxe" Oberrabbiner Dr. Ehren selb gegen gute Bezahlung auch zur Teilnahme an Begräbnissen von Männern, die mit dem Judentums ganz gebrochen haben, zu bewegen sei. Wir erinnern bloß an die Namen Kersch und Dr. E g e r. Für einen Mann aber, der trotz aller Hindernisse, die ihm entgegengestellt wurden, dem Glauben seiner Väter treu blieb, für den hat man kein Wort des Gedenkens? Kein Wort des Trostes galt den Hinterbliebenen von den Herren, die sich )a auf die Retter und Erhalter des Judentums herausspielen wollen! Sowohl die Kultusgemeinde als auch die Beerdigungsbrüderschaft verfügen über große Fonde und Stiftungen, die unbenutzt bleiben. Wie wäre es denn, wenn man einen Rabbiner und einen Kantor anstellen würde, die mit Würde ihr Amt versehen und den Leidtragenden kein überflüssiges Herzleid zufügen würden? Wir übergeben diese Frage den maßgebenden Faktoren zur Beratung und hoffen, daß diese zu einem günstigen Resultate führen wird. Wir werden auch in Zukunft nicht ermangeln, den Verhältnissen in der Prager Gemeindewirtschaft etwas mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden und allen Schlendrian aufdecken, der sich in den letzten Jahrzehnten angehäuft hat, damit die älteste Gemeinde Böhmens endlich dasjenige für das Judentum leiste, was ihre Pflicht und Schuldigkeit ist. .-. i Liberale Journalisten und christlichfozialer Champagner. Wir find es gewöhnt, von verschisdenen Seiten deshalb angegriffen zu werden, weil wir uns bei Beurteilung der christlichsozialen Partei nicht von dem Gedanken einer unmöglichen „Wiedereroberung . Wiens durch die Liberalen" leiten lassen, sondern nur von den wohlverstandenen Interessen der jüdischen Wählerschaft. Unsere ruhige Haltung paßt den „Rufern im Streite" nicht in den Kram. Man muß Zeter und Mdrdio rufen, sonst ist man kein Patriot. Aber jüngst bewiesen die Herren liberalen Journalisten, daß sie doch nicht unerbittlich sind. Ihr Haß hört auf beim Anblick eines christlichsozialen Festsrühstücks. Die Berichte der Blätter darüber lauten folgendermaßen: » - - > - - An die Besichtigung schloß sich ein Frühstück, welches Ratha u ske lle rw ir t Dombacher - servierte. Während des Frühstückes begrüßte Bürgermeister Dr. Lueger die Vertreter der Presse auf das Herzlichste. Vizevürgermeister Dr. Neumaher brachte sein Glas der Presse, worauf Redakteur Schultheiß („N eues Wiener Tagblatt") antwortete; er hob hervor, daß auch die gegnerische Presse immer anerkenne, wenn von der jetzigen Gemeindeverwaltung große Werke ausgeführt werden und brachte sein Glas auf die Zufriedenheit und auf das Wohl derjenigen, welche hier demnächst einziehen werden. Redakteur• Faschingbauer („Deu tsches Volksblatt") trank auf den Bürgermeister, das Präsidium des Gemeinderates und die jetzige Gemeindevertretung. Redakteur Grabt („W i e n e r Allgemein e Z e i t u n g") trank auf die Mtarbeiter und Mithelfer des Bürgermeisters. Vizebürgermeister Dr. Neumaher brachte sein Glas den Gartenkünstlern, welche in der Anlage des Versorgungsheimes ihr Bestes getan hatten. Redakteur kaiserlicher Rat Lichten st adt („Wiener Morgen-Zeitung) pries den Magi st ratsdirektor Dr. Weiskirchner, welchem das Wiener System der Armenpflege zu verdanken sei, worauf Dr. Lueger den Reigen der offiziellen Toaste mit einem Hoch au fdie heutü erschienenen Gäste schloß. (Wir wissen nicht, was Herr Lichtenstadt unter dem Wiener System versteht; vielleicht das System, daß jüdische Armen nichts bekommen und an die Kultusgemeinden gewiesen werden?! Anm. d. „I. V.") Es sprachen dann noch kaiserlicher Rat Hostnig auf die Ruhe und den Frieden 'der Stadt Wien, Redakteur Herrnfeld („Oesterreichische VolkS- Zeitung") auf die Bauleitung, namentlich auf Vizebcmdirektoc Helmreich, worauf dieser dankte. Vizebürgermeister Strobach erhob sein Glas <nif sämtliche Faktoren, welche an dem Werke mitgearbeitet harten. Redakteur Barbolani („Deutsches Tagblatt") sprach «ruf das Gedeihen und die Fortentwicklung der Stadt Wien und «Mich Bürgermeister Dr. Lueger auf..unsere liebe Vaterstadt Wien". Den Kommentar zu diesem Benehrnen der liberalen Mei- . rmngsfabrikanten kann sich jeder Leser selbst Machen. Oesterreichische Liberale. Wir haben schon in der vorigen Nummer darauf hingewiesen, daß die Frage der Berufung deS Professors Lewel (nicht Lenel, wie die Wiener Presse berichtet) uns Juden eigentlich kalt lassen könne, da Professor Lewel längst nicht mehr dem' jüdischen Glauben angehört. Deshalb bleibt aber die Haltung einiger Professoren, die zu den Stützen des österreichischen Liberalismus gehören, es aber als ihre eigentliche Aufgabe betrachten, die Berufung von Professoren, die nur jüdischer Herkunft sind, zu verhindern, nicht minder interessant. Wir haben längst die Hohlheit und Hinterlistigkeit der deutschen Liberalen erkannt. Interessant ist eS aber, daß selbst ein Wiener liberales Blatt, die „Wiener Allgemeine Zeitung", ganz unsere diesbezüglichen Anschauungen teilt. Die ,,W. A. Z." schreibt in ihrer Nummer vom 16. ds. M.: Die Geschichte einer Berufung. Herr Professor Otto Lenel, einer der hervorragendsten Romanisten von heute, wenn nicht der hervorragendste, dessen monumentales Werk, die Herausgabe des „Edictum Perpetuum", geradezu ein Ereignis in der Geschichte der romanistischen Wissenschaft ist, wird nicht an der Wiener Universität römisches Recht tradieren. Die Gefahr, daß ein ausgezeichneter, weltberühmter Gelehrter zu uns käme, ist glücklich beseitigt; Herr Hofrat Czyhlarz und Se. Durchlaucht Fürst Alois Liechtenstein können nun beruhigt schlafen: Herr Professor Lenel kommt nicht nach Wien. Herr Professor Lenel aus Straßburg ist unbestritten heute eine der allerersten Kapazitäten auf dem Gebiete des römischen Rechtes; Herr Professor Lenel ist aber ebenso unbestritten nicht arischer Abstammung. Und so mag es gekommen sein, daß er zwar ein Auserwählter, aber kein Berufener ward. Und in diesem Fall trat das unseres Wissens noch nicht dagewesene Ereignis ein, daß ein Mitglied des Professoren-Kollegiums selbst das konfessionelle oder, wenn man lieber will, das Rassenmoment bei einer rein wissenschaftlichen Frage offen in den Vordergrund stellte. Selb st der stündlich war eseinem „Liberalen" Vorbehalten, diese Neuerung in unserem akademischen Leben einzuführen. Wohl ist es früher schon vorgekommen, daß im Geheimen das Motiv des Antisemitismus bei Vorschlägen des einen oder des anderen Professorenkollegiums eine Rolle spielte; aber daß ein Vertreter der „voraussetzungslosen" Wissenschaft ungescheut und offen sich auf denStandpunkt der„WienerBewegung"stellt, in Gegenwart aller seiner Kollegen die Nicht-Opportunität, einen Nicht-Arier vorzuschlagen, vertritt — diesen Fortschritt hat der Antisemitismus Herrn Hofrat Professor Czyhlarz zu verdanken. Herr Hofrat Czyhlarz, wie gesagt, eine Stühe des „Liberalismus", wie er bei uns so herrlich gedeiht, sah sich nämlich veranlaßt, im Professoren-Kollegium auf den Umstand aufmerksam zu machen, daß Herr Professor Lenel, dessen wissenschaftliche Bedeutung Herr Hofvat Czyhlarz nicht bestritt, jüdischer Abstammung sei. Und Herr Hofrat Czyhlarz meinte, es sei doch sehr schwer, einen Juden für die Lehrkanzel des römischen Rechtes in Vorschlag zu bringen. Das Professoren-Kollegium aber fand dieses Argument des Herrn Hofrates nicht stichhältig. Mit allen gegen vier Sttmmen ward Herr Professor Lenel in Vorschlag gebracht: nur die Herren Professoren Czyhlarz, Lammasch, Zallingerund Groß fanden Herrn Professor Lenel nicht füv würdig, an der Mener Universität römisches Recht zu tradieren. Die Mehrheit des Professoren-Kollegiums war offenbar noch nicht vorgeschritten genug, den abgeklärten Liberalismus des Herrn Hofrates Czyhlarz zu begreifen. Sie verstand nicht das Junktim, welches Herr Hofrat Czyhlarz zwischen Abstammung und wissenschaftlicher Bedeutung schuf, ebensowenig, wie es die großen Juristen verstanden hatten, deren Lehren zu interpretieren der Beruf des Herrn Hofrat Czyhlarz ist. Aus dem Corpus juris hätte der Herr Hofrat Vorurteilsfreiheit lernen können, wenn er es hätte wollen. Aber Herr Hofrat Czyhlarz ist „Liberaler", österreichischer Liberaler, und das erklärt alles; es ist nur bedauerlich, daß die neuen Rechtsgrundsätze, die Herr Hofvat Czyhlarz zur Berufung von Professoren cmfftellte, nicht schon früher zur Geltung gelangten, denn dann wäre der Wiener Universität die Schmach erspart geblieben, daß,ein Joseph Unger an der Alma maier Viennensis römisches Recht hätte tradieren dürfen. Herr Hofrat Czyhlarz, dieser Typus eines österreichischen Liberalen/-kann wohl gegen die wissenschastliche Bedeutung des Herrn Professor Lenel nichts einwenden, denn in den Werken des Herrn Hofrat Czyhlarz finden sich überaus zahlreiche Zitate aus den Arbeiten des Herrn Professor Lenel, dessen Stellung übrigens in der Gelehrtenwelt eine unbestrittene ist. Sonst wäre auch Herr Professor Lenel nicht ausersehen worden, in Straßburg römisches Recht zu lehren, da die deutsche Regierung gerade auf die Universität von Straßburg ihre größte Aufmerksamkeit konzentriert, um aus derselben eine Hochschule allerersten Ranges zu machen. In Straßburg doziert die Elite der deutschen Gelehrten. Bei uns aber in Wien, bei uns hört man nichts als Klagen über den Rückgang der Universität, über die Dekadenz unserer einst so blühenden Alma mater. Die großen Alten sterben weg und es gelingt nicht mehr, aus dem Auslande einen halbwegs eberibürtigen Ersatz heranzuziehen. Mittelmäßige Gelehrte, deren hauptsächliches Verdienst es ist, daß sie keine Ausländer sind, werden an die wichtigsten Lehrkanzeln berufen und es hat sich an unseren Universitäten ein gefährliches System, wir möchten sagen der wissenschaftlichen Inzucht, herausgebildet. Warum aber deutsche Gelehrte nicht wie in früherer Zeit gerne nach Wien kommen, warum die Wiener Universität immer mehr und mehr herabsinkt? Der Fall Neiffer an der medizinischen Fakultät, die Geschichte der Berufung des Herrn Professor Lenel an der juridischen Fakultät, sie geben eine beredte Antwort. Wien ist nicht mehr die Stätte für eine voraussetzungslose Wissenschaft und die Gelehrten scheuen sich, an einer Hochschule ihr Amt auszuüben, die zum Gegenstand des Parteihaders gemacht wird. Dr. Ludwig Karell schreibt in der „Wage" über: Konfessionelle und andere Gewächse der Riviera. — Wer die letzten zehn Jahre in Wien zubrachte, hat die Unterscheidung in „jüdisch" und „christlich" auf die verschiedenartigsten Dinge, auf Parteien, Zeitungen, Bühnen, Geschäfte usw. anwenden gehört. Nur von jüdischen und christlichen Pflanzen war bisher noch nicht die Rede. Dennoch besteht auch eine solche Differenzierung; sie ist aber nicht von einem christlichsozialen Parteimanne ausgegangen, sondern sie wird an einem Punkte der Code gemacht, cm dem man den Angehörigen beider Konfessionen mit gleich „gewinnender" Freundlichkeit entgegenkommt — an der Riviera. Ob Jud, ob Christ, ist hier wirklich einerlei, wenn sie nur beide genug Geld an. den herrlichen Meeresstrand mitbringen. Professor Strasburger erzählt in seinem mit prächtigen Bllmrenbildern geschmückten Buche, daß ibte meisten der berühmten Palmenwedel Bovdigheras zur Feier des Palmsonntags nach Rom versendet werden. Diese Wedel sind übrigens kein urchristliches Symbol, die Kirche hat sie vielmehr dem Oriente entlehnt. Bein: Feste des Osiris in Aegypten und bei den olympischen Spielen Griechenlands fcmbert sie bereits Verwendung. Statt frei in den Lüften ihre Wedel zu entfalten, müssen die meisten Palmen von Bordighera zur Herbstzeit es erdulden, daß man die inneren Teile ihrer Kronen pferdeschweifartig zusammenbindet. Durch dieses Verfahren tvird eine bestimmte Ausbildung der neu hervorwachsenden Wedel bezweckt. Nicht alle Palmenbäume sind übrigens einer solchen Behandlung in gleichem Maße zugänglich und unter ihnen werden dann lveiter noch solche unterschieden, die mehr für den katholischen und solche, die mehr für den jüdischen Ritus sich eignen. Denn auch die Juden brauchen Palmwedel: bei dem Laubhüttenfeste. Der Bordighese bezeichnet kurzweg die eine Dattelpalme als „Cattolica", die andere als „Ebrea". Die Blätter der katholischen Palme sind schlanker — hier würde man sie „arisch" nennen — die der jüdischen kürzer und gedrungener. An der katholischen Palme bindet man die mittleren Teile der Krone fest zusammen, damit die neuen Wedel bei tunlichstem Lichtabschlus; sich entwickeln und so möglichst farblos bleiben. Denn bei der Feier des Palmsonntags sollen sie nicht allein ein Siegeszeichen, sondern auch ein Bild himmlischer Reinheit sein. Fm Dunklen werden diese Wedel zugleich schlank und lang; sie laufen spitz an ihren Enden aus und bleiben biegsam uttb weich, so daß sie leicht in beliebige Form geflochten werden können. An den jüdischen Palmen bindet man die älteren Wedel weniger stark zusammen, das Licht ist von den jüngeren Blättern nicht ganz ausgeschlossen, diese können somit auch ergrünen; sie bleiben zugleich kürzer, schließen mit stumpfer Spitze ab und werden härter. Mit dem Palmwedel verbinden die Juden beim Laubhüttenfeste die Myrte und die Bachweide zum Feststrauß. Es tvaren das die Insignien ihres Erntefestes. Nicht minder schön repräsentiert sich der Judasbaum CerciS filiquastrum. Er senkt seine blütenbeladenen Zweige dem rauschenden Meere zu, während die meisten anderen Bäume noch kahl sind. Die prachtvollen, dichtgedrängten Blüte,: entspringen auch aus altem Holze, so daß die gcn^e Baumkrone ein einziges rosenrotes Blumengewinde zu bilden scheint. Häufig schmückte schon in alter Zeit dieser Baum die Gärten um Jerusalem, was wohl Veranlassung zu der Sage gab, Judas habe sich an ihm erhängt. Wer von der Riviera spricht, fühlt schon in Gedanken den duftigen Hauch des Meeres. Was die Natur hier an Wohlgerüchen bietet, haben die Menschen schon frühzeittg verwertet. Dies lehrt im hohen Matze das am Abhange des Rocavignon liegende Städtchen Graste, das seine Wohlgerüche fast ausschließlich dem Pflanzenreiche entnimmt. Tatsächlich sind auch die meisten natürlichen Parfüms pflanzlichen Ursprungs; nur Moschus, Ambra, Bibergeil und Zibet entstammen dem Tierreiche. Sowohl zu den Parfüms als auch zu den konfessionellen Gewächsen gehört der Judenweihrauch. Er heißt mich Storax und wird durch Einschnitte in den Stamm eines Bäumchens, des Styrax officinalis, das üppig in La Mortola gedeiht, gewonnen. In seiner Belaubung gleicht das Gewächs fast einem Ouittenbaum und eS entfaltet auch im Mai und Juni in La Mortola seine weißen, mit goldgelben Staubfäden verzierten, duftenden Blüten. Jetzt sind eS — nach Strasburger — Liquidambar-Arten, die den Storax liefern, vornehmlich der sogenannte morgenländische Amberbaum, Liquidambar orienialis, der die kleinasiatischen Landschaften Carlen und Lycien bewohnt und in seinem Aussehen an eine Platane erinnert. Der flüssige Balsam, den man ihm verdankt, wird viel ahS Parfüm zum Räuchern und in Salben benützt. Chronik. Inland. Gedenktage. Juli. 1. 1849 st. i. Breslau Prediger Doktor Isaak Assur Francolm. 1879 st. in Bromberg Dichter Julius Koffarski. 2. 1863 st. in Wilna Isaak Benjakob, Bibliograph. 3. 1838 geb. in Wien Daniel Spitzer, Schriftsteller. 1860 geb. in St. Germain-en-Laye Theodor Reinach, Historiker. 1881 verbrannten in Minsk 22 Syn. und 2000 Häuser. 4. 1270 sielen Märtyrer in Weißenburg. 1842 st. R. Menachem Trebitsch, mähr. Landesrabbiner. 1842 geb. in Coswig (Anhalt) Geh. Regierungsrat und Prof. Herm. Cohen. 6. 1894 st. in Baden (bei Wien) Betty Paolh (Elisab. Glück), Schriftstellerin. 6. 1836 geb. in Hirschberg Ottilie Bach, Schriftst. 1846 geb. in Bucz aez (Galizien) Prof. David Heinrich Müller. 8. 1831 geb. in Raudnitz Prof. S e l i g m. Heller, Dichter. . Tammus. 8. 1982 st. in Würzburg Justizminister Mich» Godefroi a. Amsterdam. 1916 geb. in Roth Jannowitz (Böhmen) Dr. W. A. Meisel, 10. 4809 geb. in Mz Dr. Louis Löwe. 1.3. 1270 fielen in Weißenburg 7 Märtyrer. . 1870 st. in Emden Landrabb. Herm. Hamburger. 16. 1900 st. in Salzbrunn Rabb. Dr. Michael Rosenstein. KremS. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Weiß in Krems a. D. begeht am 3. Juli 1904 seinen 80. Geburtstag. Da er nebst seinem Rabbinatsamte Jahrzehnte lang Religionslehrer der Volks-, Bürger- und Mittelschulen in Krems war, so will ich hiemit die große Schar seiner gewesenen Schüler aufmerksam machen, den 80. Geburtstag ihres großen, hochwürdigen und verdienstvollen Lehrers und Meisters nicht bederttungslos vorübergehen zu lassen. M. Personalnachricht. Frl. Mimi Berliner hat sich mit Herrn Kaufmann Sigfried Lindenfeld verlobt. Unentgeltliche Ferial-Stenographiekurse. Anfangs Juli d. I. werden neue, zweimonatliche Abend-Freikurse für Herren und Damen (Schüler und Erwachsene) eröffnet. Die Einschreibungen finden Montag den 4. Juli und Donnerstag den 7. .Juli 1904 von halb 7 Uhr bis halb 9 Uhr abends in den städtischen Schulen im 4. Bezirke, Alleegasse 11, im 7. Bezirke, Zieglergaffe 49 und rm 8. Bezirke, Albertplatz 7, ferner 1. Bez., Wollzeile 6 (Schreibschule Pick), 6. Bez., Alserstraße 7 (Mafchknenschreibfchule), 18. Bez., Neubaugürtel 36 (Realschule Speneder) statt. Auch brieflich wird unentgeltlich Unterricht erteilt. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an den Zentralverein für Faulmann'sche Stenographie, Wien, 2/8, Engerthstraße 238. ,• Die Exzesse in Nhnow. Aus Lemberg, den 28. d». wird geschrieben: Im Uhnower Prozesse wurde gestern abends das Beweisverfahren zum Abschlüsse gebracht. Der Gerichtshof hat den Anträgen des Verteidigers Dr. Lewicki, die Anklage Wider einzelne Beschuldigte auszuscheiden und die Durchführung des Prozesses wieder diese Angeklagten dem Schwurgerichte zu übertragen, keine Folge gegeben. Heute hat der StaatscnUvalt das Wort zu seinem Schlußqntmge ergriffen. Nachmittags finden die PlardoyerS der Verteidiger statt. Die Geschichte einer mißlungenen Taufe. Wir hohen gleich nach dem Tode JvkaiS darauf hingewiesen, daß gewisse Kreise in Ungarn bemüht find, der Witwe des verstorbenen Dichters, die bekanntlich Jüdin geblieben ist, das Leben zu verbittern. Wir wiesen auch darauf hin, daß man zunächst die erste Frau Zokais, die verstorbene Rosa Laborfalvy, gegen die jüdische Witwe Bella Groß au-zuspielen bemüht ist. Die Machinationen blieben nicht dabei stehen, und vor ungefähr einer Woche erschien in Budapest eine Broschüre, welche der jungen, gramersüllten Witwe, die rohesten und geradezu haarsträubendsten B«schuldigungen an den Kopf wirft aiit 'dem sichtbaren Zwecke die jüdische Bella Groß in der ungarischen Gesellschaft unmöglich zu machen. Auf diese Broschüre erschien hald eine Gegenschrift und der Skandal hatte die größten Dimensionen angenommen. Ursprünglich hatten wir nicht die Absicht, uns in diesen von vorneherein anrüchigen Streit zu mengen, doch stnd * wir hiezu durch da- Borgehe« de- „Deutschen Bolksblatte^". welchein seiner bekannten „Unparteilichkeit" yur die Angriffe reproduzierte, um darau- Kapital gegen alle Juden zu schmieden und die Verteidigungsschrift einfach todtschwieg, hiezu direkt gezwungen. Die ganze W»t gewisser ungarischer Kreise -egen die jüdische Dichter-Witwe ist einfach auf die aller Welt bekannte Tatsache -urückzuführe»,