Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 25 (17.6.1904)
- Date
- 1904-06-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Wien, Freitag Srtföfcdtt» YoiMfet*. 17. Juni 1904 und Kinder. Um den fliehenden Juden, auf den von allen Seiten losgehauen wurde, zu retten, trat Zwolinski der Menge entgegen, wurde aber von dieser umringt und in eine Seitengasse gedrängt, damit er nicht etwa Gendarmen zu Hilfe rufe; seine Bemühungen, Klein aus den Händen der wutentbrannten Erzedenten zu befreien, blieben erfolglos. Inzwischen rissen zwei Individuen Fensterrahmen an Häusern von Juden heraus. Die Menge schritt weiter und machte vor der Wohnung Zwolinskis Halt. Hier wurden aber Fensterscheiben nicht zertrümmert, trotzdem Juden daselbst auf d-em Balkon Zuflucht gefunden hatten. Zwolinski. der wegen seiner in der Wohnung befindlichen Kinder in Angst war, wurde gewaltsam auf der Straße zurückgehalten. Auf dem weiteren Wege hatten sich Gendarmen eingefunden, welche zur Attacke bereit waren. Die Menge schlug sich aber seitwärts, um dem erwarteten Angriffe auszuweichen. Die Gendarmen schickten sich an, ein Weib zu verhaften, was aber die Exzedenten zu verhindern trachteten. Zwolinski riet den Gendarmen, zur Vermeidung von Blutvrgeießen von der Verhaftung Umgang zu nehmen. Angesichts der bedrohlichen.Situation verzichteten auch die Gendarmen auf die Festnahme der Frauensperson. Die Menge strömte sodann gruppenweise durch Nebenstraßen dem Ningplatze zu. Die Frage des Vorsitzenden, ob sich Zwolinski selbst davon überzeugt habe, daß die Juden beim Brande der Ortskirche Schadenfreude bekundeten und die Christen deswegen „frozzelten", wird vom Zeugen verneint. Wie die Alten sungen .... In Galizien werden die polnischen Kinder bereits in ihrem zartesten Alter zum gemütverrohenden Antisemitismus herangebildet. Mitunter zeigen sich diese jugendlichen Jagellonen bereits in Antisemiticis so sehr ausgebildet, daß sie sogar ihre erfahrenen Alten übertreffen. So wird aus Boje ch o w folgender Fall berichtet. Vor einigen Tagen veranstaltete die hiesige Schule eine Junialis-Feier mit einem Ausfluge in das in der Nähe der Stadt befindliche Wäldchen. Obgleich die christlichen Schüler ihren jüdischen Mitschülern rechtzeitig drohten, der Waldfeier durch eine allgemeine Judenprügelei eine höhere Weihe zu verleihen, schlossen sich die jüdischen Kinder dennoch dem Ausfluge an. Im Walde angelangt, zogen sich die Lehrer in eine Kneipe zurück und überliehen die Schuljugend ihrem Schicksale. Kaum hatten sich die Lehrer entfernt, da begann auf ein gegebenes Losungswort eine förmliche Schlacht unter den Kindern, welche mit der nicht unerheblichen Verwundung dev meisten jüdischen Schüler Als der löbliche Lehrkörper nach reichlichem Schmause zu den endete.. , . ,;. Schülern zurückkehrte und die Klagen der jüdischen Schüler vernahm', fällte er das echt galizische Urteil, daß die jüdischen Kinder zur aierunasvertreterl die Talmud Strafe für ihre Unverträglichkeit Zurückbleiben und an den weiteren S' e r u ngs v e r rr e re r, o r e * a r m u o „Vergnügungen" des Tages nicht teilnehmen dürfen. Es sei noch zum Schlüsse die ebenfalls echt galizische Tatsache konstatiert, daß der wohlweise Lehrkörper dieses Urteil nach dem reichlichen Genüsse des vom jüdischen P r op in a ti o n s p ä ch te r und K ultu s v o r st c h e r Aron Schmorak beigestellten Gratis- Bieres gefällt hat ling; der Komponist Serli — Singer; Hyacint Ronai — Leininger; Gejza Gardony — Ziegler; Moriz Ditroi — Himmelstein; der Baumeister Alpar — Schöckl; die Fai Serena — Jeitteles; der Universitätsprofessor F. Koranyi — Kornfeldt; Professor Ketly Kettl; der Statistiker Körosi — Hajduska; der Historiker Kerekgyarto — Wagner. Der bekannte Maler Munkacsi hieß vordem Lieb; der Maler Laszlo — Laub; der Bildhauer Matrai — Muderlak; der Historiker Marcali — Morgenstern; der Schauspieler Nadai — Navratil; der Universitätsprofessor Negyessi — Vierter; die Schauspielerin Palmai — Petrasek; die Malerin Vilma Parlagy — Brachfeld; der Violinvirtuose Remenyi — Hoffmann; der Professor der Medizin Reczei — Kacenka. Szana hieß vordem Silbermann; Szinnyei — Färber; der bekannte Schauspieler Ujhazy — Neuhäuser; der gelehrte Orientalist Vambery — Weinberger; der bekannte Bildhauer Zala — Mayer; der Direktor der Theaterakademie Vavadi — Weber. Der Dichter Petöfi war der Sohn eines serbischen Fleischhauers Petrovic aus dessen Ehe mit der Slovakin Marte Hruza aus Turiec; der berühmte Kossuth — ein Sohn des slovakischen Zeman Kosut aus Turiec; der Minister Baroß — ein Slovake aus Trencin usw." (Wie aus dieser Statistik hervorgeht, sind mehr als zwei Drittel dieser Neumagyacen frühere Deutsche und Slovaken, also Christen. Die p. t. antisemittschen deutschen und slavischen Blätter mögen also, wenn sie von 60 Kreuzer- Magyaren sprechen, sich selbst bei der Nase nehmen. Anm. d. „I. V.") „Wir Juden haben nichts dagegen!" In Budapest hat während der letzten Woche eine Schulkonferenz getagt. Anlaß hiezu gab der neue Volksschulgesetz-Entwurf des Unterrichtsministers v. Berzeviczy. An der Konferenz nahmen auch einige Abgeordnete teil, die zufällig Juden sind. Der Gesetzentwurf tangiert in . manchen Punkten auch die Autonomie der Konfessionen und die Selbständigkeit der Konfessionellen. Man mutzte sich also auch mit den jüdisch-konfessionellen Schulen beschäftigen und da bot sich das in Ungarn nicht mehr ungewohnte Schauspiel, daß der R e - Th o ra- Schul e unter Berufung auf den Liberalismus gegen zwei „jüdische" Abgeordnete in Schutz nehmen mußte. Der Abgeordnete Edmund B a r t a beantragte nämlich, daß die Talmud-Thora-Schulen, sowie alle diejenigen Schulen, in welchen vor und nach den gesetzlichen Unterrichtsstunden Unterricht Journalistisches. Das tschechisch-antisemitische Blatt „Cesky! erteilt wird, als Wi n ke ls ch u len zu bezeichnen und demzufolge List" ist nach Mitteilung der „Pod. Lisch" eingegangen. zu verbieten sind. Sektionsrat Franz Halasz erklärte hier- Statistisches «er die Jude« I» K-akau. Während die Ge- «* b“& ^dem Liheralismus "icht vereinbar samtb-vW-rung der Stadt Krakau in narmaler Zunahme begrifseu b°"<*** «M..»« «-uder auch autzerhE d-r ist. wird die Zahl de- Juden immer geringer, abgheich viele Juden U'^"'»ftund°n lernen zu lassen, zu verkürzen. H,-rauf ruft von! der Provinz, nach «ralau kommen, um sich daselbst uiederzu- »a- »f V°sz, d-M,scheu: ..W,r «ud°u haben n,chts lasten. Den Rückgang der jüdischen Einwohnerzahl in Krakau! Y“* ® ‘ ’ f’"b •*'**'*• leuchten am besten die setzenden offiziellen statistischen Daten. Die j wrb/f? Mmchate d-n Jnden, der Erstersogar °usschl,°stl,ch Zahl der Gebufteu bei Juden waren im Fahr- 1900 - 1028, im! °r " ° b ° r " un d ch ° I s, d, sch - n Juden, denen d.e Talmud. Jahre 1901 - 919. im Jahre 1902 - »10 und im Jahre 1903! **«“ L°b°nsb°durfms ,t. Ba rt, hat alle-dmgs seine K, n. -912. Todesfälle bei Juden waren im Jahre 1900 - 527, im b^"^.tauf en lasten, dafubtvar V eszr der Schlepptrager Jahre 1901 — 672 im Jahre 1902 — 553 des gewesenen Mrmsterprasrdenten-Szell, der für das Aufblühen im Jahre 1903 - 518. Diese . Abnahme der jüdischen?n^7"ismus in Ungarn b-mntwe-tlich ist. Fm übftg-n wohnerschaft in den letzten 4 Jahren wird einesteils den immer?°> -rwahnt daß der Unmechtatsprofessor Zsolt B° h h (Christ) schlechter werdenden sozialen Zuständen, andererseits der mit diesen ™ *“7™ s haupis adtrscher Juden an den Minister das Er j suchen stellte, den Unterricht der hebräischen Sprache im Religions- ' unterricht zu verbieten. Das sind die Früchte der ungarisch-neologen anstalten den Sommer zu verbringen, aber die Armen werden nur mit einer kleinen Gabe abgespeift. — Im Winter bekommen wir bereits allwöchentlich angenehmen Besuch eines Wunderrabbis, der den abergläubischen Frauen für Kindersegen Geld abpreßt und ein jeder dieser Käuze hat beim Verlassen unserer Stadt einen gespickten Beutel mit vielen Hundertrubelscheinen, aber den Unglücklichen wird nicht geholfen. Da ich jeden Tag diese Unglücklichen sehe, in ihre schmerzerfüllten Augen und leiddurchfurchten Gesichter blicke, möchte ich mit dem klagenden Propheten ausrufen: „Ich bin der Mann, der das Elend schaut". — In Radomisel existiereu 2 Schule», eine jüdische Staatsschule und eine russische. Die jüdische Schule ist immer überfüllt. Es wäre also erwünscht, wenn die russischen jüdischen Millionäre eine besondere Aufmerksamkeit darauf richten, Mittel zu finden, um die religiösmoralische und erzieherische Einwirkung auf die jüdischen Schüler zu fördern. Um diese religiösen Aufgaben vollkommen zu lösen, müssen jüdische Pensionats geschaffen werden, in denen die Zöglinge die entsprechende Religionsbildung erhalten können. In Kiew wird jetzt an einem Gebäude gearbeitet, das den Zweck haben soll, jüdische Zöglinge von 9—15 Jahren zu Handwerkern auszubilden. Das Gebäude steht auf einer der Hauptstraßen Kiews, es wird in roten Backsteinen errichtet und macht schon auf den Beschauer einen ausgezeichneten Mndruck. Die Kosten des Baues inklusive des Bauplatzes sollen sich auf zirka 250.000 Rubel belaufen, eine Summe, die der Philantrop Lasar Brodcky spendete. Die hebräische und russische Sprache werden auch da von tüchtigen Lehrern gelehrt werden. In Kiew herrscht gegenwärtig unter einem Teile der Glaubensgenossen, die das Recht besitzen ihren Wohnort hier zu haben, eine drückende Not und Armut. Diese Erscheinung dürfte zunächst in dem allgemeinen gewerblichen Niedergang ihren Grund haben, von welchem diese einst so blühende Handelsstadt durch den jetzigen Krieg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zwar sind in neuester Zeit in Kiew manche Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen worden, aber alles ist kaum imstande oder richtiger geeignet, der Not wirksam zu begegnen. Im Kontor des Herrn Brodcky wird alltäglich „Zedokoh" den Wanderbettlern verteilt, aber für den Mittelmann, den verschämten Armen, der Hab und Gut und damit zugleich auch seine Freunde, nur nicht sein Ehrgefühl verloren hat, der sich schon mit bescheidenen Mitteln wieder aufraffen möchte und könnte, so ihm nur die helfende Hand dazu geboten würde, für solche Hülfsbedürftige gibt es in Kiew wenig oder gar keine Hülfe. — In Zitomir hat man kürzlich bei einem Herrn Sack 250.000 Rubel entwendet und noch am nämlichen Tage wurden die Diebe ermittelt und das Geld erhielt der Millionär wieder. Als man gleich darauf zu ihm kam und Almosen abverlangte, sagte der fragliche Herr, daß er, um die Diebe zu ermitteln, 200 Rubel geben mußte und deshalb nichts mehr für Arme geben könne. Die Ursache von Plehwes, Plötzlicher Judenfreundlichkeit., Die Londoner „Times" befaßt sich in einem längeren Artikel mit dev plötzlichen Wendung, welche die Politik Plehwes zugunsten der „ Juden in letzterer Zeit genommen hat und sagte unter anderem: „Der Grund hiefür ist ein ganz prosaischer. Nachdem die Regierung . alle ihr zu Gebote stehenden Geldmittel auf den Krieg verwenden muß, sieht sie sich in die Zwangslage versetzt, verschiedene öffent- . liche Bauten und Notstandsarbeiten einzuftellen, weil sie für die. Kosten derselben keine Deckung hat. Da aber eme solche Maßregel die auch schon ausgebrochene Unzufriedenheit unter dem Volke nur > noch mehr steigern würde, und dieselbe auch unbedingt zu sehr be- Zuständen zusammenhängenden Auswanderungsbewegung zugeschrieben. Die Zahl der Eheschließungen bei Juden betrug im ... , , „ . a m t Jahre 1900 - 140, im Jahr- 1901 - 100, im Fahre 1902 Ass-Milatwn. d.e das ungarische Judentum noch ganz ms Verderben 228, im Jahre 1903 — 238. Diese Steigerungder Eheschlietzun-. Mren werden! gen ist jedoch keine natürliche, da die meisten dieser Eheschließungen Der Liberalismus in der ungarischen Unabhängigkeitspartei. zumeist sog. Approbationen sind. Die Betreffenden hätten näm- Bekanntlich pocht die ungarische Unabhängigkeitspartei darauf, für lich schon früher die rituelle Trauung vorgenommen, welche jedoch, die alleinige waschechte liberale Partei gehalten zu werden. Ebenso Demonstrationen füfiren müßte entschloß sich Herr von gesetzlich nicht anerkannt wurde und erst später die Legitimation er-, legen die Reformierten Gewicht darauf, im Gegensätze zu den' S ™Lf!*i ™ZI? »LS®”? halten hat und immatrikuliert wurde. Katholiken für antiklerikal und jndenfreundlich gehalten zu iverden. . Exekutiv-Komitee für die Bukowinaer Landtagswahlen, Die Bei der jüngsten Debatte über das Budget des Finanzministers hat von Dr. Aurel v. Onciul eingeladenen Herren sind Samstag sich nun der Abgeordnete Peter Marjay, der die beiden obenabends im „Hotel Central" (ausgenommen Mar i n und K o ch a -' erwähnten Eigenschaften in sich vereinigt, indem er Mitglied der n o w s k t) vollzählig erschienen, haben sich als V o l I z u g s a u s-; schuß der freisinnigen Deutschen, Juden, Rumänen und Ruthenen! liabhanglgkeilsparter und nebenher auch reformierter konstituiert und als leitenden Vorstand die Herren: S k e d l. Pa st o r ist. als waschechter Antisemit entpuppt. In ferner Jnter- S t r a u ch e r, S m a l - S t o c k i und Llurel v. Onciul gepellation an den Finanzminister richtete er an denselben die Frage, Herr Marjay wird von allen Seiten mit Vorwürfen überhäuft, weil er aus der Schule geschwatzt hat. _ warum er bei Vergebung der Großtrafiken konsequent „Leute be- Jfr. Kultnsgemeittde in Czernowitz. Die Wahl des Doktor rücksichtige, deren Ahnen noch vor nicht allzulanger Zeit mit Strauch er zum Kulttlsprascs hat Nicht allem rn Czernowitz/ m, . f * r, r . „ ~ „ sondern im ganzen Lande die freudigste Genugtuung bei der gut- ™ ** f " " 1 n n gehandelt haben . Herr jüdisch gesinnten Bevölkerung hervorgcrnfen. Dies beweisen auch, Marzay hat sich, wie schon m früheren Fallen wiederholt, auch letzt die zahlreichen schriftlich und telegraphisch einlaufendeu Beglück-! gründlich blamiert. Der Finanzminister Herr v. Luk a cs war wilnschuugen. sowie die Ovationen, welche mam dem Dr. Straucher in der „angenehmen" Lage, die Unrichtigkeit aller von Herrn ii, Czernolmtz spontan darbringt. So begab sich eme nach Hiwderj , voraebrackiten Källe sofort nacki-nmeisen u 9ul(u-s kn zählende Abordnung von Bürgern aus chleii Schichten der jüdivorgeviachren rfailc tosort nachzuweisen. Herr v. Lllkar» scheu Bevölki'Nlug am Donnerstag vormittags in das Präsidial-! durfte selbst am meisten überrascht gewesen sem, daß er einer Vorbnreaii der israelitische,i Kültnsgemeinde, um dem Abg. Doktor i eingenommenheit für die Juden geziehen wurde. In der Urlab- Strancher anläßlich seiner tags vorher erfolgten Wahl zum Präses der Gemeinde ihre Ovation darzubringen. Herr Z. Pulmann feierte im Namen der Versarmnelteu in schivungvollen Worten den Gewählten und lieh den Sympathien für den Gefeierten beredten Ausdriick. Die Nemnagyaren. Der Budapester „Alkotmanh", ein Organ des magyarischen Grafen Zichy, charakterisierte unlängst probelveise die Nerunaghaven ihrer Herkunft nach in nachstehender Weise: „Der bekannte Politiker Gejza Polonyi hieß vordem Polacek; der jwssuthist Soma Visontai früher Weinberger; Edrmrd Zsedenhi aber Pfannenschmidt; K. Legradi heißt eigentlich Pollaf; Baron H. Levai tvar Löwy; Karl Movzsanyi heißt eigentlich Brezlicka; Mezei war Grünfeldt; der ehemalige Obergespann OrmoS hieß vordem Spitzer; M. Gelleci früher Goldstein; F. Heltai ursprünglich Hoffer; Jranyi aber Halbschllh. Der jüngste I. Hüvös hieß vordem Hirschler; der Abgeordnete Fr. Komlosiy —> Kleinkind; der Volkswirt M. Aranyi — Aufricht; der Demokrat Csatar — Löffelhoffer; Enyedy — Eisenstädter; der große Patriot I. Cndrei — Engel; der Obergespann von Vesprim F. Fenhvessi — Sinirkovsky; der bekannte Maler und Jokais Schwiegersohn Arpad Feszty — Nehrenbeck; Gejza und Ednumd Gajarr — Bettclheim; der Mnisterialrat Jarmai — Fachmann; Mavar —- Mandl; der Kurialrichter Paizs — Schild; der Vizebürgermeister Plehwe, bei den namhafteren jüdischen Bankhäusern vorsprechen 3»' lassen, um sie zur Gewährung einer größeren Anleihe zu bewegen. . Wie nuu die „Times" behauptet, hätten diese jüdischen Bankiers erklärt, selbst in die Unterhandlungen über diese Anleihe nicht eher emireten zu wollen, bis Herr Plehwe Beweise dafür erbringt, daß er geneigt ist, die Verbesserung der Lage der Juden in Rußland ernstlich anzubahnen. Hierauf erließ Plehwe den bekannten Geheimerlaß, betreffend die bessere Behandlung der Juden und brachte später bcn Antrag auf Aufhebung. des Wohnverbotes innerhalb 60 Wjerst des Grenzgebietes ein. Die jüdischen Geldgeber sollen nun nach den Mitteilungen der „Times", gewitzigt durch i>ie, bisherige Unverläßlichkeit Plehwes, die Verhandlungen erst dann aufnehmcn lvollen, wenn die vorläufig platonische Judenliebe des Herrn v. Plehwe zur unwiderruflichen Tat geworden ist. Chowewe Zion. Aus Odessa wird uns gemeldet: DaS Odeffaer „Komitee zur Kolonisation Palästtnas" beschloß in seinev hängigkeitspartei ist man über diesen Vorfall sehr mißgestimmt und! Atzung eine Statusänderung, die wir seinerzeit auch gemeb Ausland. Aus dem Ansiedlungsrayon. Der Sommer hat diese- Jahr mit außerordentlich schlechtem Wetter begonnen. In den letzten drei Wochen hatten wir beständig Frostwetter. Hier in R a d 0 m i s e l (Ruff. Polen) steht da- Wetter in wohlgefälliger Uebereinstimmung mit der Gemütsstimmung unserer hiefigen Glaubensgenossen. Man hört nur das Wort „Arbeitsnot". Diese- Wort ist wirklich schreckerregend Hofrar'und man sieht hier nur betrübte Gesichter, Hungersnot und zerlumpte Kinder taumeln auf der Straße herum. Der Zustand der hiesigen jüdischen Arbeiter, der in der besten Zeit ein sehr trauriger ist, wird jetzt, beim Ausbruch des gewaltigen Krieges, äußerst kritisch. Daran ist noch dafatalste, daß die materielle Not in- Dasein die schlechtesten Sitten hervorruft, denn die hungernden Menschen geben sich dem Müßiggänge hin und der Müßiggang ist bekanntlich aller Laster Anfang. In unserem Städtchen befinden sich zwar mehrere jüdische Millionäre und von Budapest Nozsavölgyi — Rosenfeld; der hauptstädtische Notar sogenannte Philantropen, die beim Anfang de- Sommers ihre Renyi — Richter; der ugronisttsche Abgeordnete Ferd. Szederkenyi eleganten Koffer packen und mit Mann und Maus nach den Schönnagel; der hauptstädtische Schulinspektor Veredy — Sper- Weltkurorten eilen, um in den luxuriös ausgestatteten Badedet haben, derzufolge das Komitee auch in-'Rußland eine jüdische Kolonie errichten will: Diese Statutenän-srung-lvurde vom Ministerium bewilligt. Die ökonomische Lage hier ist-sehr deprimierend. Viel Aufsehen erregte die Mitteilung, daß die. russische Staatsbahn ihren Notenumlauf von sechshundertdveißig Millionen im Febmar dieses Jahres auf siebenhundert Millionen erhöht hat. Verschärfung der amerikanischen Einwanderungsvorschriften. Das Auswanderungsfieber, das die Völker Osteuropas ergriffen hat, ist die Ursache, daß die Einwanderungsfrage, deren Aktualität sich in den letzten zweiJahren verschärft hat, in denVereinigtenStaaten nicht zur Ruhe kommen will. Nachdem der Kongreß es abgelehnt hat, sich mit der Eintvanderungsfragc in der vergangenen Session zu beschäftigen, ist die Einwandentngsbehörde bemüht, auf administrativem Wege die Einwandenmgsgesetze zu verschärfen mrd die Einwanderer Chikanen auszusetzen-. Laut einer den verschiedenen Dampfergesellschaften zugestellten Verordnung des General-Eintvandcrilllgskommissärs Sargent muß jeder Eintvanderer, der iveiter reist, arißer feinem Bahnbillet genügende Bannittel haben, um einer Detenienmg auf Ellis Island zu entgehen. Das Zirkular lautet folgendennaßen: „Eintvanderer werdeil oft mit geringen Geldsummen, die tlngenügend sind, sie zu erhalten, bis sie selbst für sich sorgen können, nach Nelv-Uork gebracht. Die Eintvanderungsbehörde wird solche Eintvanderer detenieren und solchen, die im übrigen landungsfähig sind, die Landung gestatten, nachdem sie genügende Mittssl für den obgenannten Zlveck erhalten haben tverden. Sie können zur Verminderung der Deteniernngen wesentlich beitragen, wenn Sie dem Vorhergehenden tveite Verbreitung im Auslande verschaffen.'^ So das Zirkttlar. Die Vtassendetenierungen auf Ellis Island wer-