Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 25 (17.6.1904)
- Date
- 1904-06-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite* Wien, Freitag «Tüditohfei VMtzdtaG. 17. Juni 1904 Nr. 25 Wir sind unS dessen bewußt, daß unsere obigen Ausführungen weder den Pfarrern noch den Rabbinern gefallen werden. Nichtsdestoweniger bleibt es aber eine Wahrheit, daß die je häufigere Eheschließung zwischen Juden und Christen, die Vermischung der Konfessionen und Raffen, das wichtigste Interesse des Landes bildet. (?) Das Verschwinden der Raffentypen, die Verschmelzung und Ausgleichung der verschiedenen Eigenarten, die Entwicklung einer starken, gesunden nationalen Raffe stehen höher als alle konfessionellen Jntereffen. Dies müffen Juden und Christen gleichmäßig anstreben/ So schreibt ein ultraliberales Blatt, das in Ungarn als judenfreundlich gilt, dessen Eigentümer und Begründer getaufte Juden sind. Wir können aus diesem Artikel ersehen, was die von den neologen Juden angestrebte Autonomie im Judentume kosten müßte und wie diese Autonomie anssehen muß, wenn sie die Unterstützung auch nur der liberalen öffentlichen Meinung Ungarns haben will. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die neologen Juden, welche die Autonomie anstreben, eine vollständige Unterdrückung des orthodoxen Elementes im Judentume bezwecken und daß sie sich demnach ihre Autonomie genau so ausmalen, wie „Pesti Hirlap" es. tut. Unter solchen Umständen können wir nur den einen Wunsch haben: lieber gar keine Autonomie als eine solche, die die Assimilation befördern soll. Wir stehen daher diesen Bestrebungen mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Aus Rußland. (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksblatt".) Mit der Aufhebung des Verbotes, innerhalb der Grenzzonen zu wohnen, scheint es doch vielleicht Ernst werden zu wollen. Wenigstens schließe ich das daraus, daß die „Now. Wremj." ihrem Aerger bereits Luft macht. Sie wirft den Juden vor, daß sie den Schmuggel an der Grenze betreiben, und daß im Falle sie das Wohnrecht hätten, ihn noch mehr betreiben werden. Aus diesen Berläumdungen spricht ein schlecht verhaltener Aerger, daß eine den Juden günstige Maßregel bevorstehe. Sonst geben wir aber der „Now. Wr." den Rat, ihre Weisheit" doch nicht immer an der Judenfrage zu verschwenden; es wäre viel patriotischer, wenn sie sich . mit der Ruffensrage beschäftigte. Das Geplänkel zwischen Suworin-Vater und S u w o r i n-S o h n in der „Nowoje Wremja", resp. dem „Ruß" dauert fort. Die jüngsteStreitfrage ist eine sehr verfärbteBrotfrage. Der alte Suworin hat nämlich die Zeitungskioske vieler Bahnstationen gepachtet, wodurch er die Möglichkeit gewann, in den betreffenden Stationen ein Monopol feiner „Now. Wr." herzustellen. Suworin der jüngere fühlte sich dadurch sehr benachteiligt, denn auch seine Zeitung, der „Ruß", fand keine Gnade bei dem Alten. Der „Rüß" initiierte' Hierauf unter direktem Hinweise auf die Umtriebe der „Now. Wr." einen publizistischen Kampf, in welchem er forderte, daß Zeitungsherausgeber aus der Pachtung von Zeitungskiosken auf den Bahnstationen in Zukunft ausgeschloffen werden. Wie nun „Ruß" meldet, wird er aus diesem Kampfe als Sieger hervorgehen und dem Monopol der „Now. Wr." soll durch Ausschluß der Herausgeber von der Kioskpachtung demnächst schon ein Ende gemacht werden. Der englische Generalkonsul in Petersburg machte seiner Regierung die Mitteilung, daß fremden Handelsschiffen die Einfahrt in den Hafen von Kronstadt verwehrt wurde. Die „Krönst. W." fügen zu dieser Nachricht die Erklärung hinzu, daß dieser Verfügung gar kein politisches Motiv zugrunde liege (?) und nur deshalb notwendig war, weil der Hasen, in welchem jetzt wegen des Krieges große Schiffsarbeiten, Verladungen rc. vorgenommen werden müssen, auch ohnehin zu klein ist, und daher auswärtige Handelsschiffe nicht aufnehmen könne. Sonst find die russischen Blätter angefüllt mit Betrachtungen über Port Arthur und man merkt ihnen das deutliche Bemühen an, das Publikum auf den Fall der Festung vorzubereiten. Der Schluß läuft darauf hinaus, daß Rußland selbst dann nicht zu zittern brauche. Sie haben in ihren letzten Leitartikeln die Phantasien des Herrn v. T a t i s ch e f f nach Gebühr gewürdigt. Es ist wirklich eine bewußte Lüge, zu erklären, die nichtrussische Presse hätte die Rachricht von der Aufhebuug des Verbotes, Liegenschaften innerhalb des Ansiedlungsrayons zu erwerben, totgeschwiegen. Hat doch die „Franks. Zeit.", das „Berl. Tageblatt" und die Wiener Tagespreffe, von anderen Blättern zu schweigen, darüber berichtet. Nur beschränkten sich die Blätter nicht darauf, sondern ergänzten diese Nachricht. Ich reproduziere zur größeren Verständlichkeit, was ich in der Nr. 24 vom.J. 1903 im „Jüd. Volksblatte" schrieb: „Als eine böse Ironie wird das eben erschienene russische Judengesetz in jüdischen Kreisen betrachtet. In dem engen Wohndistrikte der Juden in Rußland sind 101 Dörfer offiziell zu Kleinstädten erhoben worden, um mit dem Städtereglement auch die ausgedehntere polizeiliche Beaufsichtigung zu bekommen. Da sich diese neuen Kleinstädte in dem Wohndistrikte der Juden befinden, so erstreckt sich auf dieselben nicht mehr daim Uebrigen bestehen bleibende Verbot für die Juden, in einem Dorfe zu übernachten. Sie dürfen in diesen 101 Ortschaften fortan sich ansiedeln. Trotz dieser anscheinenden Vergünstigung stellt aber das neue Gnadengesetz für Juden, wie eS von gewisser Seite bezeichnet wird, doch eine Ausdehnung der grausamen Judengesetze dar, die 1882 vom damaligen Minister des Innern. Jgnatiew, erlassen worden sind. Denn das neue Gesetz verbietet auch den privilegierten Juden, die das Recht, außerhalb des Ghettos zu wohnen, besaßen und für die in den außerhalb des JudendistrikteS gelegenen Gouvernements keine Beschränkung bezüglich deS Erwerbes von Land und Immobilien, sowie der Nutznießung derselben bestand, gleich denJuden des Ghettoden Erwerb von Immobilien außerhalb der Städte. Somit wird auch dem Betriebe irgend welcher industrieller Unternehmungen seitens jüdischer Großkaufleute, die als Steuerzahler erster Gilde zu den privilegierten Juden gehörten, ein Riegel vorgeschoben. Die Errichtung von Fabriken ist nämlich in den Städten durch hygienische, ökonomische und polizeiliche Rücksichten sowieso äußerst beschränkt." Das genügt wol, um zu beleuchten, wie die Reformen des Herrn v. Plehwe „zu Gunsten der Juden" aussehen. Ich bin neugierig auf das Kommende. Der japanische Gesandte in Peking hatte mit der chinesischen Zentralregierung eine Reorganisierung der chinesischen Armee nach japanisch-preußischem Muster vereinbart. Er hat auch unlängst den chinesischen Generalissimus Juans ch i k a j, den Vizekönig in Tjanczin, besucht. Das Ergebnis wurde am Dienstag aus Peking nach St. Petersburg abtelegraphiert. Hiernach werden jährlich 100 junge Chinesen von regierungswegen nach Japan kommandiert, wo Spezialmilitärschulen für sie von der japanischen Regierung errichtet werden. Der Kurs ist auf vier Jahre festgesetzt. Die chinesische Regierung bezahlt hiebei die japanischen Instruktoren: im ersten Jahre mit 40-, im zweiten 70-, im dritten 100-, im vierten 130tausend Lan. Alex ei. Chronik. Inland. Gedenktage. Juni. 24. 1809 geb. in Zülz Louis Löwe, Sekr. von Moses Montefiore.. 1862 geb. in Hirschberg, Schriftsteller Heinrich Landsberger (Lee). 26. 1298 wurden in Rothenburg a. d. Tauber 250 Juden erschlagen. 1836 geb. in Opatow der Dichter Fried. Kempner. 26. 1670 st. in Safet d. Kabbalist Moses Corduero. 1821 geb. in Drslawitz der Prediger Dr. Ad. Jellinek. 1831 geb. in Rodenberg Schriftsteller Jul. Rodenberg (Levy). 27. 1824geb. in Groningen der Maler Jos. Israels. 1846 geb. in Magdeburg Martin.Philippson. 29. 1827 st. Mos. Belifante, Herausgeber der 1. jüdischen Zeitung in holländischer Sprache. 1863 st. in Landsberg a. d. W. Eduard Boas, Schriftsteller. 30. 1271 in Pforzheim Judenverfolgung. 1676 st. der Rabbiner-R. Ahron Samuel Kaidenower. Tammus. 1. 67 fiel die Bergfeste Jotapata, Josephus ward gefangen. 4. 1171 st. R. Jakob Tarn. 1899 starb in Berlin Rabb. Dr. Jsr. Hildesheimer. 5. 1749 starben in Breslau bei der Explosion des Pulverturms 30 Jude«. 6. 1288 Judenverfolgung in Bonn. 7. 1096 Judenverfolgung in Moers. 1870 starb in Berlin Michael Landsberg/ Rabbinats-Assessor. Böhmische Streiflichter. 1. G. „Trotz moralischer Ohrfeigen, trotz offener Verachtung stramm deutsch sein" ist die Devise der böhmischen „Liberalen". Vor einiger Zeit veranstaltete die judenreine „Liedertafel der deutschen Studenten i,n P ra g" einen Ausflug nach Brüx; selbstverständlich konnten hie deutschen Blätter und besonders die „liberalen" nicht genug hierüber berichten.. Einen Umstand konnten sie aber nicht genug totschweigen, daß nämlich das Brüxer Fest ganz — j u d enrei n war, was auch beim kurz darauf stattgefundenen Fahnenweihfeste des dortigen Schützenvereines zutraf. Diese Ignorierung kränkte selbstverständlich die „Germanen israelitischer Konfession" und der Stadtverordnete Dr. Spitz brachte diese Angelegenheit im Namen seiner „Glaubensgenossen" zur Sprache. Er sagte folgendes: „Kurz nach dem Saazer Parteitag fand auch in unserer Stadt über Einladung des Ersten deutschen Gesang- und Musikvereines das Fest der Liedertafel der deutschen Studenten Prags und kurz darauf die Fahnenweihe des Schützenkorps statt. Bei diesen Festen hat es sich ereignet, daß „ein großer Teil der Fortschrittspartei, aus der wir zum größten Teile hervorgegangen sind", (lies: die Juden. Anm. d. Red.) in einer Weise zurückgesetzt wurde, der nicht mit Stillschweigen übergangen werden kann. Ich hebe hervor, daß Männer bei diesen Festen übergangen worden sind, die sich während der kurzen Zeit ihrer öffentlichen Wirksamkeit große V e y d i efti st e um die Jujtieressen der Stadt erworben haben; ich hebe hervor, daß der Verein „Stauffia" (sic!) von diesem Feste ausgeschlossen wuvde, ebenso der Deutsche (?) Turnverein, welchem Männer angehören, die sich zur deutschfortschrittlichen Idee bekennen. Ich will nicht untersuchen, ob das mit Wissen und Willen des Gesangsvereines und des Schützenkorps geschah, daß eine ganze Partei an die Wand gedrückt wurde, ich will auch nicht darüber rechten, ob das dem Anstand entspricht oder politisch klug gewesen ist, eine Partei, die derzeit die herrschende ist (aber auf sehr schwachen Füßen steht), an die Wand zu drücken, aber ich kann nicht unterlassen, Aufklärung vom Herrn Bürgermeister zu verlangen, ob ihm bekannt ist, daß «ein wesentlicher Teil der Bevölkerung, welcher der de ntschfovtschrittlichen Parteirichtung angehöstt" (soviel Worte für e in Wort!), übergangen.werden sollte und ob der Herr Bürgermeister geneigt ist, bei wieder vorkommenden Fällen zu sorge:,, daß die deutsche Fortschrittspartei von solchen moralischen Ohrfeigen (sic!) verschont bleibt. Diese Sache bedarf der öffentlichen Aufllärung." Diese Interpellation des Dr. Spitz rief eine lebhafte Debatte hervor, in der es auch an Beleidigungen der Juden nicht fehlte. Die Antwort des liberalen Stadtverordneten Dr. Lettner zeigt aber am besten, wie die Liberalen selbst über die Juden in der Fortschrittspartei denken. Er sagte, die Angelegenheit sei für ihn selbst persönlich und die ganze Stadt höchst unangenehm. Es wäre angezeigt gewesen, sich darüber hinwegzusetzen (d. h. Juden müssen die moralischen Ohrfeigen einstecken), wie es ja schon lviederholt geschehen ist, tvenn es sich um die Interessen des deutschen Volkes und der Gemeinbürgschaft gehandelt hat. Bei einigem Takte hätte alles vermieden werden können. Toleranz müsse von allen Seiten geübt werden. Es sei nicht die gesamte F o r t - schrittsparteidurchdieVorgängebeleidigtword e n, sondern die Juden, welche mit dem deutschen Volke kärnpfen und die man bei den Wahlen in die Bezirkskvankenkassa gegen die Sozialdemokraten als Bundesgenossen sucht, seien beiseite gesetzt worden. Von der gegnerischen Seite wird behauptet, die Juden gehören nicht zum deutschen Volke, sie seien dis Schutztruppe der Liberalen. Dieses Vorgehen sei ein terroristische- und nicht geeignet, unser Ansehen zu heben. (Das soll das Pflaster sein. Anm. d. Red.) Die ganze Fortschrittspartei sei aber durch diese Vorfälle nicht zur Seite gedrückt worden, ebenso dürfe gegen die Gemeinde nicht der Vorwurf erhoben werden, daß sie vom nationalen und Parteistandpunkte aus etwas versäumt habe. Der Vorwurf trifft nur diejenigen, welche bei solchen Anlässen Kapital für sich herausschlagen wollen und intolerant bis auf die Knochen sind. Ein nettes Bild', das uns recht tief in die Geheimniffe der „deutschliberalen" Partei Einblick gewährt! Auf der einen Seite sind die Juden liebe Bundesgenossen, deren Geld, Zeit und Arbeit man recht gerne zum Kampfe für das Deutschtum in Böhmen mittun läßt, andererseits bleiben sie selbst bei den Deutschfortschrittlichen nichts anderes als Juden, die sich auch dort aufdrängen, wo sie nicht erwünscht sind, „die Kapital hermlsschlagen wollen und intolerant bis auf die Knochen sind." Wenn man die Juden einfach beiseite schiebt, ist es keine Beleidigung der deutschen Fortschrittspartei, deren feste Stütze sie in Böhmen stets gebildet haben. Es ist jedenfalls ein eigentümliches Zeichen der deutschen Gemeinbürgschaft, die allzu deutlich zeigt, wie man die „Deutschen israelitischer Konfession" selbst dort schätzt und achtet, wo der Antisemitismus offen nicht bekundet werden darf. Man merkt es doch, daß eine neue Strömung selbst bei den „liberalen" Elementen platzgreift, die auf einen recht baldigen Heranswurf der Juden schließen läßt. Hier Turnerkreis, dort Südmährerbund l Hoffentlich gelangen auch die „mosaischen Deutschen" recht bald zur Ueberzeugung, daß nur eine zielbewutzte Politik auf nationaler Grundlage ihnen Achtung und Ehre verschaffen kann! Wenn aber nicht, so müssen sie die ihnen von den Deutschen empfohlene Taktik, die moralischen Ohrfeigen einfach einzustecken, in ihr Programm aufnehmen. Tertium non datur. Der Verein jüd. jugendl. Arbeiter veranstaltet Sonntag den 19. ds. einen Ausflug nach Hütteldorf-Knödelhütte, verbunden mit Musikvorträgen, Akademie usw. usw. Regicbeitrag 20 Heller. Abfahrt in zwei Gruppen um halb 2 Uhr an den Stadtbahnstationen „Brigittabrücke" und „Schottenring". Gäste willkommen. Eine Klage gegen den evangelischen Religionsunterricht erhebt der „Cech". Das Blatt stellt den jüdischen Religionslehrern im Gegensätze dazu das Zeugnis aus, daß sie es besser verstehen, die religiösen Gefühle der Andersgläubigen bei ihrem Unterrichte zu schonen und diejenigen der eigenen Jugend zu heben. Auch konstatiert das Blatt, daß bei jüdischen Kindern vielleicht nicht ein einziger Fall vorgekommen ist, in welchem sich diese in die Religion ihrer Mitschüler gemengt oder mit denselben über sie debattiert hätten. (Wir sind leider nicht in der Lage, das Kompliment an die katholischen Religionslehrer zurückzugeben, da diese oft den Grund znm Hasse gegen die Juden bei den Schulkindern legen. Anm. d. „J.B.") """ ' '. Wiedervermählung des Baron Hermann Königswarter. Baron Hermann Königswarter ging Dienstag nach einer Meldung des „Neuen Pester Journal" vor dem sechsten Bezirksmatrikelamte eine zweite Ehe mit der Tochter eines verstorbenen Wiener Amtsdicners ein. In erster Che war Baron Königsivarter bekanntlich mit Melanie Vlaskovich v. Ebeck vermählt, und ztvar hatte er mit ihr eine Zivilehe geschlossen. (Der Ehe ist ein jetzt 14 Jahre alter Sohn, Baron Johann Alexander Josef entsprossen.) Erst nach dem Ableben seines Vaters, trat Baron Hermann zum Katholizismus über, wodurch er infolge einer testamentarischen Bestimmung seines Vaters die Anwartschaft auf zwei Millionen Kronen verlor. Vor einiger Zeit erregte es nickst geringes Aufsehen, als es hieß, daß" sich Baron Königswarter von seiner Gattin scheiden lasse. Die Scheidung wurde, tatsächlich in allen Instanzen durchgeführt. Für die geschiedene Gattin sorgte Baron Königsivarter in entspvechender Weise. Auch ist sie berechtigt, den Namen Baronin Königswarter weiterzuführen. Dieser Tage hat nun Baron Königsivarter vor dem Oberbürgermeister in Budapest um Dispens vom Aufgebot zur Eingehung einer zweiten Ehe angcsucht, die ihm auch heute bewilligt wurde. Die Braut des -Barous Königsivarter heißt Adolfine Sosina, ist eine gebürtige Wienerin und die Tochter eines Amtsdieners. Sie hat am 10. ds. mittags beim Oberbürgermeister den ungarischen Staatsbürgereid abgelegt, da sie als Ausländerin keinen Dispens erhalten hätte. (Abnahme der österreichisch-ungarischen Auswanderung nach Amerika.) Die Einwanderung in die Vereinigten Staaten betrug im ersten Quartal 1904 140 679 Ankömmlinge, gegen 179 784 und 137 480 in der korrespondierenden Periode der Jahre 1903, be-> ziehungsweist 1902. Hiervon langten 132 696 Einwanderer aus den Ländern Europas an, 4292 Einwanderer kamen aus dem asiatischen Kontinent, während auf Westindien bloß 2016 Einwanderer entfielen. Oesterreich-Ungarn, Italien und Rußland sind nach wie vor die stärksten Auswanderungsländer mit einem Gesamtkontingent von 99 510 Einwanderern für die drei ersten Monate des Jahres, gegen 126 366 während des gleichen Zeitraumes des vorigen Jahres. Die erwähnten Länder partizipieren an der oben ausgewiesenen' Gesamteinjoanderung mit etwas über 71 Prozent. Unter den erwähnten Gebieten stärkster Answanderungsfrequenz jedoch loird nur für die Einwanderung russischer Provenicirz eine neuerliche Zunahme um etiva 3600 Individuen ausgewiesen, dagegen ist die Abnahme der österreichisch-ungarischen Ansivanderung mit einem Ausfälle von 21 380 Personen bemerkenswert und dürfte namentlich dem Daniederliegen der amerikanischen Eisen- und Stahlindustrie znzuschreiben sein. Professor Lewel. In den antisemitischen Zeitungen wurde 'wieder einmal mächtig Lärm geschlagen. Man höre und staune: An der juridischen Fakultät wird ein Lehrstuhl frei. Die Fakultät tat sich zu einer Beratung zusammen und beschloß mit allen gegen vier Stimmen, den Straßburger Universitätsprofessor Lewel prnno loco als Nachfolger in Vorschlag zu bringen. Das Ereignis wird nun von unserer christlichsozialen Presse, vom „Deutschen Volksblatt". von der „Reichspost" liub der „Deutschen Zeitung" in Leitartikeln heftig beklagt, obtvohl der iu Frage stehende Kandidat längst nicht mehr Jude ist! Schaffa. (W o h l t ä t i g k e i t s a k t.) Das kürzlich von der hiesigen Jugend veranstaltete Kränzchen ergab ein Reinerträgnis von 206 Kronen, welcher Betrag dem israelitischen Frauenwohltätigkeitsvereine angewiesen wurde. Die Exzesse gegen die Juden in Uhnow. 14. Juni. Der Zeuge Finanzlvachaufseher Zwolinski schildert in eingehender Weise den Verkauf der Tumulte in Uhnow. Der Jude Klein sei von mehreren Leuten verfolgt worden, weil man ihn während deS Brandes in der Nähe der Ortskirche gesehen hatte. Die Zahl der Verfolger wurde imme gößer; in de Menge befanden sich auch Weiber