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Jüdisches Volksblatt · 1904-06-10 · 24 (10.6.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
24 (10.6.1904)
Date
1904-06-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. genannt. Und an dieser haben sich die Moskauer Kaufleute,mit folgender Inschrift anbringen: „Juden haben keinen Zutritt". in ausgedehntem Maßstabe beteiligt. Aber auch davon abge sehen konnte von einer Beteiligung der jüdischen Kaufmannschaft Moskaus an einer Anleihe schon deshalb nicht geredet werden, weil dank der zärtlichen Fürsorge des Großfürsten S e r g e y, des Gouverneurs von Moskau nur eine verschwindent geringe Anzahl von Juden in Moskau wohnt. Die „Deutsche Zeitung" hat also wieder einmal dumm und frech gelogen. Der „tonische" Dichter. Eine besondere Spielart der Assimilanten ist der „deutsche" Dichter jüdischen Blutes. Ich will hier nicht davon sprechen, daß ein feiner Takt einen Dichter, wie Hugo Salus, abhalten sollte, in seinen Gedichten immer davon zu sprechen, er sei in der „Kirche" getraut worden, und seine Mutter sei in die „Kirche" gegangen, nur, damit einige mit den Verhältnissen nicht betraute Leser ihn nicht für einen Juden halten; ich will diesmal ein Tierchen beschreiben, das zum „Jüngst"-Wien gehört. Seine Vorfahren trugen den Namen einer polnischen Handelsstadt, die zu 90 Prozent von Juden bewohnt ist. Auch seine Vorfahren gehörten zu den 90Prozent und nicht zu den lOProzent; sie hießen Brody. Selbstverständlich trug der Jüngling, kaum daß er getauft war, Sorge, seinen Namen zu ändern. Er heißt jetzt, als „Teutscher" anders — den Namen verschweigt des Sängers Höflichkeit. Herr B. ist ängstlich bemüht, jeden ln jeder Geselle schaft darüber aufzuklären, daß er nicht Jude sei- Das ist sehr notwendig, denn er verkehrt, wie fast alle Wiener Marranen, nur in jüdischer Gesellschaft. Fällt nun in der Gesellschaft das Wort „Wir Juden", oder ein ähnliches, sofort protestiert Herr B. (denn wegen der Wäsche hat er den Anfangsbuchstaben beibehalten), er sei kein Jude, er sei Christ. Als ein Bekannter ihm jüngst die Photographie einer Synagoge zeigte, meinte er naiv: „So sieht also eine Synagoge im Innern aus?" „Ja, haben Sie denn noch keine Synagoge gesehen?" fragte erstaunt sein Bekannter. „Nein," sagte Herr B.; nach längerem Nachdenken sagte er zögernd, „einmal allerdings, bei einer Trauung, denn ich habe Verwandte, die Juden sind." Das sind kleine Züge in dem Bilde des großen Dichters. Doch sie allein genügen nicht, um als „Nichtjude" bekannt zu sein. Er tut noch ein übriges. Er dichtet „tief empfundene" Marienlieder. Doch auch diese „Hin zu Rom"-Lieder genügen dem Herrn B. nicht; er tut noch ein übrigeres. Im „Scherer", diesem edlen, dem Kultus Wuotaus und des Ritu almordes geweihten Matte veröffentlicht ebenderselbe Herr B. ebenso tiefempfundene „Los von Nom"-Lieder. Und das alles hilft doch nichts. Der Schatten Brodys zieht drohend hinter B und w'-ll ihn nicht freilassen. Armer B. Für den Fall aber, daß jüdische Kurgäste trotz dieser Tafeln ins Lokal kommen, gab der Pächter seinen Angestellten den Auftrag, an diese Gaste Getränke nur in solchenGläsern zu verabreichen, welche die Aufschrift trugen: «Nur für Juden". Als dies zur Kenntnis der Behörde kam, wurde ihm seitens der Bezirkshauptmannschaft Karlsbad folgender Präsidialerlaß zugemittelt: „Durch die gepflogenen Erhebungen erscheint sichergestellt, daß Sie über mehrere Türen Ihrer Gast- und Schanklokalitäten Tafeln mit der Aufschrift: «Inden haben keinen Zutritt!" angebracht haben und in Ihrem Gewerbebetriebe Gläser mit der Aufschrift: „Nur für Juden" bereit halten. Der Inhaber eines Gast- und Schankgewerbes ist vermöge seiner Konzession gehalten, Speisen und Getränke an Gäste ohne Unterschied der Nationalität und Konfession zu verabreichen, die Verweigerung normiert sogar nach Paragraph 482 des Strafgesetzes eine Strafsanktion. Ihre Geschäftsgebarung erscheint daher in den angegebenen Punkten unzulässig und geeignet, das für den Betrieb des konzessionierten Gewerbes gesetzlich normierte (Paragraph 23 Gewerbeordnung) Erfordernis der Verläßlichkeit zu beeinträchtigen. Sie erhalten deswegen hiemik im Grunde des Paragraphen 138 c Gewerbeordnung die erste Warnung mit dem Aufträge, die eingangs erwähnten Tafeln und Gläser sofort aus Ihrem Gewerbebetriebe zu beseitigen. Der k. k. Statthaltereirat: Dr. Maurig m. p." — Der Name der Restauration ist „Elisab e t y - H o f'" in der Lothringerstraße. Der Name des Pächters W. N. Thomas. Hoffentlich werden die Juden freiwillig diese Antisemitenbude meiden. Kaiserin Elisabeth am Grabe Heines. Aus London wird uns geschriebenen einem hier soeben publizierten Buche „Die Bekenntnisse eines Journalisten" schildert der Verfasser (Healy) eine rührende Szene. auf dem Pariser Friedhofe von Montmartre. Es heißt da: „Eines Tages war ich überrascht, an dem Grabe Heinrich Heines eine wohlgekleidete Dame zu gewahren, die für die Seele des vielgeprüften Dichters betete. Sie war früher sichtlich einmal schön gewesen, aber Sorgen und das zunehmende Alter hatten auf ihrem Antlitze tiefe Falten hinterlassen. „Das Grab ist in einer abscheulichen Verfassung," sagte sie in englischer Sprache zu ihrer Begleiterin. „Ich will an die Behörden schreiben und veranlassen, daß man danach sieht." Sobald die Dame den Friedhof verlassen, wendete ich mich an den Totengräber, der, wie ich, die Szene beobachtet hatte. „Wer ist diese Dame?" fragte ich. „Es ist die Kaiserin von Oesterreich, Monsieur," gab er mir zur Antwort. „Wenn immer sie in Paris weilt, besucht sie das Grab Henri Heines." Als ich das nächste Mal das Grab besuchte, fand ich den Hügel in bester Ordnung und mit den schönsten Blumen bedeckt. Die verwitterten Visitenkarten waren entfernt, die Einfriedigung wiederhergestellt und die Grabstätte hatte ein würdevolles Aeußere. Wie ich später vernahm, hatte die Kaiserin einen jährlichen Beitrag bestimmt, um das Grab in guter Ordnung zu erhalten." Die ostafrikanische ethnographische Ausstellung im Budapester Nationalmuseum ist gestern geschlossen worden. Ein großer Teil der Ausstellungsobjekte wurde bei der gestern vormittags stattgehabien Auktion veräußert. Baron Bornemisßa, der mit dieser Ausstellung einen großen Erfolg zu verzeichnen hatte, kehrt im Herbst wieder in seine zweite Heimat, nach Ostafrika zurück. Ein jüdischer Kolonisationsverein in Ungarn. Die Idee einer systematischen Hilfsaktion zugunsten -der aus ihren Wohnsitzen durch völlige Existenzmöglichkeit hinausgedrängten Juden Rußlands, Galiziens und Rumäniens hat nun auch in Ungarn Wurzel geschlagen. An der Sammlung von Fonds für die Zwecke einer prompten Abhilfe haben sich ja die ungarischen Juden bekanntlich in rühmlichster W>eise beteiligt; aber auch nun, wo es gilt, durch Ankauf von Terrains und Ansiedelung der Emigrantenfamilien an der dauernden und planvollen Lösung des Problems des jüdischen Elends teilzunehmen, wollen sie nicht zurückstehen. Die Erkenntnis, daß aus allen Gruppen der jüdischen Bevölkerung, die nicht selbst zu den Aermsten und Verfolgten gehören, das „nobile officium" lastet, an dem von Baron Edmund Rothschild und Baron Moritz Hirsch inaugurierten Kolonisationswerke nach Kräften mitzuarbeiten, hat sich hier darum langsamer Bahn gebrochen, weil Ungarn infolge der starken jüdischen Einwanderung gewissermaßen sein eigenes Galizien und Rumänien hat. Gerade dieser Umstand jedoch hat schließlich Ivesentlich mit dazu beigetragen, die Einsicht in die Notwendigkeit einer auswärtigen Kolonisationsaktion reifen zu lassen. Mehr als anderswo hat man in Ungarn Gelegenheit, sich handgreiflich davon 311 überzeugen, daß die Infiltration der jüdischen Emigrantenmassen in die westlichen, liberalen Länder mit erheblicher ansässiger jüdischer Bevölkerung geradezu verhängnisvoll wirkt, indem sie einerseits die Einwanderer dem schwersten Existenzkampf, aussetzt, andererseits die Harmonie der einheimischen Juden mit der Landesbevölkerung erschüttert. Die jüdischen Emigranten bringen die jüdische Frage mit siclsi sollen nicht alle zivilisierten Staaten von der letzteren angesteckt werden, so müssen die äuswanderungsbedürftigen jüdischen Elemente auf leeren ccher dünnbevölkerten Gebieten angesiedelt werden, wo sie, weit entfernt, die soziale Frage zu verschärfen', neue Kulturarbeit leisten können. Für die Ztvecke der jüdischen Kolonisation eignet sich nun ganz besonders der Orient: das haben die bisherigen Ansiedelungsversuche zur Evidenz dargetan. Diese, Erwägungen haben eine Reihe der einflußreichsten Persönlichkeiten" der jüdischen Gemeinde Budapests veranlaßt, die Gründung eines jüdischen Kolonisationsvereins ili Ungarn ins Auge zu fassen und in einer VersammUlng, welche Ende Mai stattfand, eingehend zu erörtern. Ein Telegramm der Pariser Zentralleitung der Kolonisationsvereine, welches sofort beantwortet wurde, hatte die Verbindung mit den gleichstrebenden Organisationen hergestellt. Die dauernde Aufrechterhaltung dieser Verbindung wurde von den Mitgliedern der Versammlung als wichtiges Erfordernis bezeichnet. Allgemein machte sich die Ansicht geltend, daß die Mittel eines noch so blühenden Einzelvereines zu gering wären, um auf eigene Hand in gedeihlicher Weise Kolonisation treiben zu können; mrr auf dem Wege der Sammlung der Fonds und ihrer gemeinsamen Verwendung durch ein Zentralorgan sei eine rationelle und wirklich bedeutende Aktion durchzuführen. Im toeiteren Perlaufe der Diskussion wurde noch eine Reihe anderer leitender Prinzipiell für den geplanten Kolonisationsverein festgestellt, u. a., daß er llicht etwa die Auswanderung voll Jubelt aris Ungarn, sondern ausschließlich allslälldrscher Juden zu fördern hätte. Die Versammlurlg beschloß, sich zunächst betreffs dieser leiterldell Ideell der ganzen Kolonisationsaktion mit dem Pariser Zentralkomitee ulld den Vorständen der übrigen Kolonisationsvereine zu verständigen. Sobald, wie zu erwarten ist, in den allgemeinen Fragen volle Uebereinstimmllng festgestellt wird, soll im Herbst an die defillitive Gründung des Kolonisationsvereines geschritten werdell. Für das rasche Aufblühen und die finanzielle Leistungsfähigkeit der neuen Organisation bieten die Persönlichkeiten, 'welche derselben ihr Jntevesse zugchvendet habeil, vollauf Gewähr. Ein Erlaß der Bezirkshautztmannschaft Karlsbad. Alis Karlsbad wird berichtet: Der Pächter einer Restauration in Karlsbad ließ an den Türen, welche zlt seiner Gastwirtschaft führen, Tafeln Der Ausfall dev Wahlen in den Vorstand der Lemberger Knltnsgemeinde hat uns nicht überrascht, da wir ihn in diesen Blättern vorausgesagt haben. Zunächst scheinen die schlimmen wirtschaftlichen Verhältnisse den politischen Bürgermut ganz zu erdrücken. Wenn man mit Kaufleuten spricht, so findet man sie von der ständigen. Sorge um das Medio und Ultimo bewegt. Wenn man einen solchen Kaufmann anffordert, er soll sich für die Gemeindeangelegenheiten interessieren, so antwortet er: „Herr,-interessieren Sie sich für meine Zahlungen." Zudem wurde der hiesige Kaufmannsstand seitens der Hypothekengewaltigen in Abhängigkeit gebracht. Das Triumvirat, Direktor Lazarus, Dc. Schaff und v. Horowitz, herrscht unbeschränkt. Wer also könnte ihnen den Rang ablanfen? Unsere Zionisten weisen wohl einige redegewandte junge Leute auf und haben sicher einen guten Willen für die Sache unseres Volkes. Aber sie haben noch nicht das Vertrauen der großen Masse gewonnen. Jedenfalls haben die Zionisten eine beachtenswerte Minorität von einem Drittel der Wähler in sich vereinigt. Ein Beweis, daß der assimilatorische Geist immer mehr im Schwinden begriffen ist. Man muß aber andererseits znqeben, daß sich in dem heutigen Kultusvorstand auch Männer befinden, die sehr verdienstvoll für das Judentum wirken. Der Verein „Schomer Israel" verkannte nicht die Stimmung in der Wählerschaft und beschränkte sich darauf, sein Arbeitsprogramm zu veröffentlichen und die Judenschaft zur Realisierung desselben anzueifern. Der Kultusvorstand hat versvrochen, daß er in Sachen des Hebräismus einen günstigen Wandel schaffen will. Wenigstens gab der Referent. Landesadvokat Dr. Tschescher, am Religionstag in Lemberg eine derartige Erklärung ab. Zum Schluffe will ich noch die Hoffnung aussprechen, daß der Lemberger Kultusvorstand auch dem neuen. Kurse in der Wiener Kultusgemeinde folgen und einen Verein zur praktischen Kolonisation Palästinas gründen wird. Wahl eines Kultuspräfidenten in Krakau. An Stelle des verstorbenen Kultuspräsidenten Hirsch Landau, wurde in Krakau, wie uns von dort berichtet wurde, der bisherige Vizepräsident' Max Ehrenpreis zum Knltnsprästdenten gewählt. Vizepräsident wurde Bernhard Eichhorn. Jüdische Statistik in Ungarn. Die ersten Vorarbeiten für eine systematische Inangriffnahme der jüdischen Statistik in Ungarn wurden von einer aus sechs Mitgliedern bestehenden Kommission geführt, die der „Verein ungarisch-jüdischer Hochschüler" ausgesetzt hatte. Als Ergebnis dieser ersten Bemühungen veröffentlichte Lavoslav Schick eine Reihe jüdisch-statistischer Aufsätze im „Egyenlöfeg" und sandte der Zentrale des „V. f. j. St." eine Mhandlung ein, die der Veröffentlichung entgegensteht. Behufs Lauernder Organisierung der jüdischen Statistik in Ungarn auf wissenschaftlicher Basis versammelte sich nun am 26. Mai ein Kreis angesehener Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde Budapests im Präsidialzimmer des Gemeindehauses. Die Beratungen wurden von Prof. Dr. Max Schächter als Mitglied des Kuratoriums des „V. f. j. S." eröffnet. Prof. Schächter schilderte die Entwicklung der Mischen Statistik in anderen Ländern und wies auf die Notwendigkeit hiNj auch in Ungarn, wo ein so erheblicher Bruchteil der jüdischen Bevölkerung lebt — die Budapester Gemeinde zählt gegen 170 000 Seelen — die statistischen Arbeiten entsprechend zu organisieren. Der Präsident der Budapester Knltnsgemeinde, Hofrat Sigmund Kohner, legte die in den lokalen und politischen Verhältnissen wurzelnden Schwierigkeiten dar. die sich der Uebernahme der Statistik durch die offizieller! jüdischen Vertretungen entgegenstellen, erklärte sich jedoch bereit, die diesbezügliche Privatinitiative entsprechend zu förderu.?lls Vertreter des „V. f. j. St." beleuchtere hierauf Dr. Alfred Nossig die hervorragende Bedeutung 10. Juni 1904 Seite 5 der Statistik der Juden sin Ungarn, welche selbst in ihren staatlich bearbeiteten Teilen mit Rücksicht auf die ungarische Amtssprache bis jetzt für das Ausland unzugänglich war. Die Leitung der ungarisch-jüdischen Statistik durch ein Zentralburcau im Anslande wäre aus Zahlreichen Rücksichten unerwünscht und undurchführbar; die ungarische Judenheit müsse die statistische Erfassung ihrer Lebensäußerungen durch ein eigenes Organ in völlig selbständiger Weise ins Werk setzen. Doch könne in Ungarn nicht die Gründung eines Vereines für jüdische Statistik, wie in anderen Ländern, sondern bloß die Einsetzung einer dotierten wissenschaftlichen Kommission ins Auge gefaßt werden. Rechtsanwalt Dr. David Pap, welcher sich auf dem Gebiete der Statistik der Juden in Ungarn bereits betätigt hat, plädierte für die Verteilung der einzelnen Zweige der Statistik an arbeitslustige und qualifizierte Persönlichkeiten. Dem gegenüber wies D. Franz Mezei auf die Ausdehnung des Arbeitsfeldes hin, welche die Einsetzung einer organisierten Kommission unerläßlich mache. Doch sei' es ratsamer, statt eine selbständige Körperschaft zu gründen, die Bearbeitung der Statistik der Jüdisch- Literarischen Gesellschaft zu überweisen, welche eine spezielle Kommission hierfür einsetzen, die erforderlichen Mittel beschaffen und alle arbeitslustigen Kräfte kooptieren würde. Da die Mehrzahl der Direktionsmitglieder der I. L. G. anwesend war, so wurde der Vorschlag Dr. Mezeis eingehend erörtert und durchaus praktisch befunden. Es ergab sich aus den Ausführungen von Prof. Schächter, Prof. Mahler, Prof. Rethy und Dr. Farkas, daß die I. L. G. tatsächlich die besten Garantien für eine echt wissenschaftlrche und dauernde Führung der Statistik der Juden in Ungarn biete. Prof. Schächter schloß die Versammlung, der. auch Oberrabb. Dr. Kayserling und andere Vertreter des Budapester Rabbinats beiwohnten, indem er die baldige Eröffnung jber jüdisch-statistischen Arbeiten unter der Aegidc der I. L. G. trt Aussicht stellte. Juden im Bunde der Deutschen Südmkihrens. Der Judenpunkt ist nunmehr auch im „Bund der Deutschen Süd mäh re ns", der seine Tätigkeit im südlichen Mähren betreibt, aktuell geworden. Selbstverständlich werden auch hier die immer hilfsbereiten „deutschfreundlichen Israeliten" ausgiebig zu Beiträgen herangezogen, wenn sie auch sonst in der Brreinstätigkeit nicht besonders angestrengt werden. Wenn sie nur zahlen.. . . Also nunmehr kommen, wie im „Bunde der Deutschen Nordmährens" auch hier die Juden an die Reihe. Die .Bundesgruppe in W i e n bereitet, wie schon früher, auch für die diesjährige Generalversammlung einen Antrag auf Ausschließung der Juden aus dem „Bunde" vor. Die Antragsteller, we che das Terrain wohl gut sondiert haben, versichern, daß sie sich keine große Debatte versprechen, „sondern nur der in jedem unabhängigen und ehrlichen Deutschen vorhandenen und tief wurzelnden Abneigung vor jüdischer Lebensauffassung Worte leihen wollen", was übrigens auch von den. Liberalen gelte. Auch auf dem „hartbedrängten Boden Südmährens" müssen alle Deutschs sich znsammenschließen und die fremden Elemente abschütteln. Leider komme „dieser Weckruf angesichts der starken Vwjndunz der meisten Städte Südmährens sehr spät". Aber man werde sich in der Judenfrage vom Gängelbande losmachen und selbständig Vorgehen. Darum : „Hinaus mit den Inden aus dem Südmährerbnnde!" Natürlich ist man im Lager jenes Teiles der „Fortschrittlichen", welche schon von Geburt ans vor dem Bazillus des Antisemitismus geschützt sind, sehr entrüstet über das „Bubenstück" und droht den „kecken Bübchen", daß sie in Znaim „von selbstbewußten dentschrn Männern moralisch an gespuckt werden würden". Vom Bunde ergeht nun an die vom Antisemitismus noch nicht infizierten Gruppen eine Aufforderung, daß sie sich zum 12. Juni, wo in Znaim über den „Hinanswurf der Inden" vrrhandelt werden soll, „gegen die mutwilligen Friedensstörer wappnen". Möglicherweise hat die Aktion vorläufig keine Aussicht ans Erfolg, die Sache wird mit einer „I rdendebatte" abgeschlossen werden, bei der es allerdings zu den ärgsten Beleidigungen der Juden kommen wird. (Inzwischen ist die Generalversammlung bis zum Herb ste verschoben worden. Anm. d. R:d.) Daran sind aber unsere Herren Assimilanten schon gewöhnt, ihr starkes Fell verträgt viel mehr als Verbalinjurien! Wenn sie nur noch weiter an Germanins Brüsten sangen können und man sie nicht di r ekt becauswirft! Wozu übrigens diese Aufregung? Die Wiener Antisemiten leisten in Bezug auf „Judenhaß" ganz Erkleckliches aber trotzdem sitzen die Führer der Partei, welche den ..deutschfreundlichen Israeliten" angehören, mit dem christlichsozialen und dem nationalen Antisemiten im trauten Kämmerlein des Viereransschnsses beisammen und haben einander so lieb! Man wird auch im Südmährerbunde die Antisemitenpille einstweilen hrrunterschlucken. die Herren „Deutschen mosaischer Konfession" werden froh sein, daß man sie noch duldet und ihr Geld nimmt und auf ton, eildgiltigen Heranswnrf warten. Ganz nach der Assimilanten-Moral! Die Pester Chewra-Kadischa hielt bei überaus zcchlreicher Beteiligung der Mitglieder unter dem Vorsitze Jako- Boschans ihre ordentliche Generalversammlung. Der Anwalt und Generalsekretär Dr. Franz Mezei unterbreitete den Jahresbericht, welchen die Generalversammlung als verlesen betrachtete. Der Vorstehung wurde infolgedessen das Absolutorium erteilt. Die bedeutenderen Daten des Jahresberichtes dieses in seiner Art einzig dastehenden heiligen Vereines sind die folgenden: Die Kosten des Siechenhauses im Stadtwäldchen (Präsident Karl Gomperz) betrugen im vorigen Jahre 42 607 K. 88 H. Das Siechenhaus wurde rnit einem Kostenaufwande von 147 600 K. durch ein neues Flügelgebäude erweitert, so daß jetzt 120 Insassen nntergebracht sind. Der Verein hat zur Erhaltung des israelitischen Krankenhauses 48 000 K., zu den Kosten des Adele-Brody-Kinderspitales 10 000 Kronen beigetragen, seine Stefanie-Kinderspital-Stiftung auf 4800 K. ergänzt, mit einem Kostenaufwande von 4000 K. Kranke häuslich gepflegt und an Arme 116 000 K. verteilt. Die Organe des Vereines haben im abgelaufenen Jahre 2660 Tote bestattet; 472 Familien ersetzten einen Bruchteil der Eigenkosten, 1621 mittellose Familien leisteten gar keinen Beitrag. Auf gar vielen anderen Wegen hat sich aber noch das philanthropische und humanitäre Wirken des Vereines betätigt, der im Jahre 1903 zu humanitären Zwecken aufgewendete Betrag belief sich auf 684 709 Kronen. Großem Beifalle begegnete der Antrag dev Vorstehung, für solche unheilbare alte Kranke, die wegen ihrere Krankheit im Siechen- Hanse keine Aufnahme finden können, ein Institut zu errichten. Es wurde ferner beschlossen, im Kerepeser Friedhöfe neue Grüfte, im Zentralfriedhofe arkadenartige Gräber und Grüfte zu erbauen und

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