Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-06-10 · 24 (10.6.1904) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
24 (10.6.1904)
Date
1904-06-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433047--2450-2436317
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Wien, Freitag JföaMtos VcäLMM. 10. Juni 1904 Nr. 24 Neugewählten haben den Amtseid in der Synagoge abzulegen. Die Bestätigung darf verweigert werden, wenn 1. die Wähler ihre Stimmen aus Eigennutz oder Mißgunst oder aus anderen unlauteren Absichten gegeben haben; 2. wenn nicht die fähigsten und bestverhaltendsten Leute gewählt worden sind oder 3. solche, welche ihre Steuerschuldigkeit vom verflossenen Jahre nicht abgetragen haben oder die miteinander im zweiten Grade verwandt oder die „unter sich Handelskompagnons sind".'") Rat und Gemeindeausschuß sollen in ihren Gemeindeangelegenheiten nach ihrem Gutdünken mit Stimmenmehrheit entscheiden. Ihre Beschlüsse sind für die Gemeinden verbindlich. Die Verhandlungen finden in deutscher Sprache statt. Vorsteher der Judengemeinden sind in Ausübung ihrer Amtsgewalt als Beamte anzusehen, sie können sich daher des Verbrechens des Mißbrauches der Amtsgewalt durch Geschenkannahme schuldig machen?") In jeder Gemeinde sollen ein Rabbiner, ein Schächter, ein-Schulsinger und Beglaubte angestellt sein. Der Rabbiner, der österreichischer Staatsbürger sein und seine Befähigung durch eine Prüfung vor dem Landrabbiner oder dessen Vertreter Nachweisen soll, hat vor allem den jüdischen Unterricht als Religionslehrer über sich. Die sonstigen Funktionen, wie Mitwirkung bei Beschneidungen, Vornahme von Trauungen, Führung der Geburts-, Trauungs¬ und Sterbebücher bedürfen keiner besonderen Erwähnung. Nach Erledigung eines Rabbinerpostens hat die sofortige Anzeige an den Landesrabbiner zu erfolgen, der gleichzeitig um einen geeigneten Vorschlag anzugehen ist. Wenn diese Anzeige innerhalb vier Wochen nach Erledigung des betreffenden Postens nicht erfolgt, dann hat der Landesrabbiner das Recht, die freigewordene Stelle nach Gutdünken zu besetzen. Die wichtigste Stellung in der Organisation der mährischen Judengemeinden nahm der Landesrabbiner ein, dessen Pflichten sich auf die Erhaltung der Einigkeit und Schlichtung von Zwistigkeiten in Religionssachen zwischen jüdischen Gemeindemitgliedern und auf die Einschärfung und Erhaltung der Gottesfurcht beziehen?') Seinen Wohnsitz sollte der Landesrabbiner in Nikolsburg haben. In seiner Abwesenheit vertritt ihn ein Stellvertreter, der nach einem vom Landesrabbiner selbst zu erstattenden Ternavorschlage von der Landesstelle bestimmt wird. Nur der Landesrabbiner oder dessen Stellvertreter haben das Recht, den Titel eines doppelten Rab (Morenutitel), welches einen zweifachen und Juragelehrten bedeutet, zweimal des Jahres, nämlich zu den Oster- und Laubhüttenfeste«, zu erteilen. Den Namen eines einfache» Rab können aber auch zwei Gemeinderabbine« i» jedem Kreise, jedoch nur zur selbigen Zeit, wenn sie 10 Studenten in Lehr und Verhalt haben, einem oder dem anderen aus der Gemeinde ihres Ortes, und welcher wenigstens zwei Jahre verheiratet ist, nach Ermeffung der Gelehrsamkeit beilegen?") Die Wahl des Landesrabbiners erfolgte durch sechs Landesälteste (aus jedem der drei Kreise, in welche die mährische Judenschaft zerfiel zwei) und sechs aus jedem der drei Kreise gewählten Deputierten, also im ganzen 24 Wähler. Die Landesältesten, die weder mit einander noch mit dem Landesrabbiner bis in den dritten Grad verwandt oder verschwägert sein durften, wurden alle drei Jahre durch Deputierte der Gemeinde in Brünn gewählt. Die Regierung mar bemüht, stabile Landesälteste sich zu erhalten und die Wahlen für Lebensdauer vorzunehmen. Später einigten sich Regierung und Juden dahin, daß die Amtsdauer der Landesältesten auf sechs Jahre festgesetzt wurde?") Gleichzeitig wurde die alte Kreiseinteilung der Judenschaft aufgehoben und sechs politische Kreise festbestimmt, fo daß auf jeden Kreis ein Landesältester entfiel. Dieser wurde aber nicht mehr von den Gemeindedeputierten seines Kreises gewählt, sondern 18 Deputierte (aus jedem Kreise drei) wählten -gemeinschaftlich die Kandidaten. Diese Landesältesten tamen mit den erwähnten zur Landesrabbinerwahl berichtigten Deputierten an einem bestimmten Tage in Brünn zusammen, um die Neuwahl des erledigten Landesrabbinerpostens vorzunehmen. Nachdem sie einen Eid abgelegt, sich bei der Wahl von keinerlei Parteilichkeiten leiten lassen zu wollen, hatten sie Kandidaten dem Gubernium durch die Landesältesten zu normieren, welche den ganzen Wahlakt vorzulegen und darüber genau Bericht zu erstatten hatten. Die Akten gingen mitdem Gutachten des Guberniums zur Bestätigung nach Wien. Der so gewählte Landesrabiner hatte in der Nikolsburger Synagoge in Gegenwart oller jüdischen Landesältesten und des tzandschreibers den Eid der Treue gegen dem Kaiser abzulegen und zu geloben, daß er seiner Amtspflicht gegen die mährische Jude ns chaft auf das genaueste und ohne die mindeste Nebenabsicht Nachkommen wolle?*) . (Schluß folgt.) Aus Rußland. (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksblatt".) Nicht minder bedrohlich als die Niederlagen, die Rußland im Kriege erleidet, ist die Gärung im Innern. Ich habe zuverlässige Nachrichten, daß z. B. in Charkow die Rekruten sich weigerten, in den Krieg zu ziehen und erst ") Scari. S. 54. Scan. S. 54. ") Scari, Seite 83. ») Polizeiordnung, Art. JI. ") Müller, Seit« l04. ") Poltzeiordnung, Art. HI. von Kosaken mit Knuten in die Waggons getrieben werden mußten. Ich erinnere an die Explosion am Borde des Panzerschiffes „Orel". Soeben erhalte ich die Nachricht, daß verschiedene öffentliche Gebäude in Petersburg in Feuer aufgingen, so das Versatzamt und das Sommertheater Olympia. Dabei ist zu bemerken, daß das Sommertheater sich in unmittelbarer Nähe des kaiserlichen Generalstabes befindet, das aber vom Brande nicht ergriffen wurde. Die Stimmung im Volke charakterisiert auch ein Brief einer russischen Mutter, den die N o w. W r^e m j a publiziert. Derselbe gipfelt in dem Ausrufe: „Sorgt denn niemand dafür, daß unsere Söhne nicht wie Vieh zur Schlachtbank getrieben werden?!" Das klingt ein bischen anders wie die von offizieller Seite gemeldete Hurrastimmung. Die „Now. Wremja", die Nährmutter des Antisemitismus gibt sich manchmal selbst eine Ohrfeige. Der Schriftsteller P i a t k o w s k i ist gestorben. Er erfreute sich anfangs eines gewissen Ansehens, warf sich aber später dem Antisemitismus in die Arme und verlor an Bedeutung. Er gab die Zeitschrift „Nabludatjel" (Der Beobachter) heraus, die aber in der letzten Zeit wohlgezählte 100 Abonnenten zählte. Die „Now. Wremja" schreibt nun über diesen Mann folgendes: „Piatkowski war ursprünglich ein bedeutender Schriftsteller, bald aber zeigten sich bei ihm krankhafte Erscheinungen und zwar verfiel er dem Antisemitismus. Diese Krankheit verdichtete sich bei ihm zu einer fixen Idee. So ein geisteskranker Antisemit glaubt, daß an allem die Juden schuld sind. Piatkowski stieß natürlich hiedurch sämtliche intelligente Schichten ab". Zeichnet sich nicht Surowin selbst in diesem Bilde? Die „Now. Wremja" leidet selbst an fixen Ideen. Eine dieser fixen Ideen ist die von der gelben Gefahr. Wenn man sie liest, so müßte man glauben, daß nicht die Ruffen mitten im Frieden die Mandschurei, die Amur-Provinz und Port-Arthur in den Sack gesteckt haben, sondern daß die Japaner in Petersburg eingedrungen wären. Nach der „Now. Wremja" wiegeln die Japaner nicht nur die Juden ans, sondern auch die Mazedonier, Armenier und die Türken. Kurz und gut, überall wo Aufstände sind, sieht die „Now. Wremja" die Japaner die Hand im Spiele haben. Man sieht, der Antijapanismus gibt dem Antisemitismus an Tiefsinnigkeit nichts nach. Die einzigen Ventile für die erregte öffentliche Meinung bilden in Rußland neben den gelegentlichen Attentaten die Zeitungen. Selbstverständlich dürfen diese nicht offtn mit der Farbe heraus. Aber zwischen den Zeilen machen einzelne mutige Schriftsteller Revolution, die freilich vorläufig auf dem Papiere bleibt. So schreibt Syromiatikof, der geistreiche Feuilletonist der „Now. Wremja": „Die Japaner bestreben sich, die asiatischen Völker aus ihrem Stumpfsinn aufzuwecken, um Selbstbewußtsein unter ihnen zu verbreiten. Sie spielen in Asien dieselbe Rolle wie Frankreich im Anfänge des 18. Jahrhunderts in Europa. Sie verbreiten also europäische Ideen in Asien. Gegen Ideen kann man nur kämpfen — mit Ideen. Darüber muß man ncchdenken." Man sieht, Syromiatikof wagt sich bis an die Grenzen. Ein Schritt über diese Grenze und er kann die Fortsetzung dieser Artikel in der Peter-Paulsfestung schreiben. Vielfach kommentiert wird hier ein Unfall, der vor einigen Tagen dem chinesischen Botschafter in Petersburg zustieß. Der Botschafter fuhr am 26. Mai in Begleitung seiner Frau mit dem Personenzug nach dem unweit von Petersburg gelegenen deutschen Orte Sestrorezk. Bei der Station „Kurort" entgleiste plötzlich aus bisher unaufgeklärten Gründen der Waggon zweiter Klasse, in welchem sich der Botschafter samt Gemahlin befanden. Zum Glücke wurde die Entgleisung rechtzeitig entdeckt, so daß kein weiteres Unglück geschah. Dieser Unfall verursachte in der Stadt Gerüchte über ein Attentat gegen den chinesischen Botschafter. In Fortsetzung meiner statistischen Berichte über die zum Kriegsdienst beorderten jüdischen Aerzte teile ich Ihnen mit, daß sitzt auch aus dem Wilna er Bezirke 43 Aerzte einberufen wurden, von denen neununddreißig Juden sind. Aus Charkow erfahre ich. daß daselbst jetzt eine große Nachfrage nach Lehrern für die japanische Sprache herrscht. Die Kaufleute, Beamte», sogar die „Barmherziger» Schwestern", welche nach den» fernen Asien gehen wollen, suchen japanisch sprechende Lehrer eventuell zur Begleitung. Einzelne Chinesen, die in der Stadt wohnen und das Japanische beherrschen, verdingen sich gegen hohe Bezahlung als Lehrer für japanische Sprache oder als „japanische Reisebegleiter". Als merkwürdiges Symptom kann folgender Brief des Polizeichefs der südrussischen Hafenstadt Kertsch am Schwarzen Meer, P. Janow, betrachtet werden. Den Anlaß zur Veröffentlichung dieses Briefes in dem sttdrussischen Blatte „Juschny Kcaj" bot eine im Petersburger panslawlstisch-nationalistischen Hetzblatte des Operettengenerals Komarow erschienene „Korrespondenz" aus Kertsch, worin mitgeteilt wurde, daß eine Jüdin wegen Beschimpfung der russischen Armee und Verherrlichung der Japaner von einem Christen d»»rchgeprügelt wurde. Eben durch solche Märchen gelang es seinerzeit der Clique Suworin (..Nowoje Wremja"), Komarow („Swjet") und Kruschewan („Bessarab'tz") die Votksleidenschaften gegen die Juden aufzuhetzen. Damals stand aber die Polizei auf Seiten der Hetzer und Lügenverbreiter, weil sie sich nach den Weisungen v.Plehwes richtete. Das Geschichtsblatt bat sich aber gewendet. Und nun erklärt der Polizeimeifter von Kertsch, Janow, in seinem offenen Schreiben: „Ich stellte in bezug auf den Inhalt der in der Zeitung „Swjet" veröffentlichten Korrespondenz über die Jüdin eine genaue Untersuchung an. Ich habe dabei feststellen können, daß die Nachricht der Zeitung „Swjet" vollkommen aus der Luft gegriffen und nichts anderes ist, als die Frucht böswilliger Erfindung, die anständiger Leute unwürdig ist, und die nur den Zweck verfolgt, zwischen den Vertretern verschiedener Nationalitäten Haß und Feindschaft zu säen, sowie das ungebildete Volk irrezuftihren. Infolgedessen muß man sich zu derartigen böswillige» Lügen, »vie die in der Zeitung „Swjet" veröffentlichte, »nit Mißtrauen verhalten. Ein derartiges Verfahren der Redaktion der Zeitung „Swjet" ist eine einfache böswillige Hetze, die der Presse unwürdig ist." Alexei. Chronik. Inland. (Gedenktage. S i w a n. 23. 1641 st. Jak. Pollak, hervorrage,»der Tallnudist. 24. 1591 gcb. in Kandia Jos. Salomon del Medigo. 1808 geb. in Hamburg Rabbiner Samson Raphael Hirsch. 26. 67 Blutbad in Jaffa unter Titus. 27. 1744 st. in Eisenstadt R. Meir Eisenstadt (Mehararn Asch), bedeut. Talmudist. 1887 sti. Locarno Kommerzienrat Leon Rosenthal aus Petersburg, Philanthrop. Juni. 16. 1221 w. in Erfurt 21, 1844 b. Nischni Nowgorod 11 Inden ermordet. 1898 st. Josef Lehmann, Kommissionsrat. 17. 1854 geb. in Prag Lola K i r s ch n e r (Ossip Schubin). Schriftsteller. 1816 geb. in Kaidan (Rußland) Senior Sachs. 1829 gcb. in Hannover Dr. M. Kayserling, Rabbiner in Budapest. 18. 1857 geb. in Aurich d. Novellist Jsaac Herzberg (Bromberg). 19. 1863 st. in Lemberg N. Mord. Oettinge. 20. 1391 Verfolg, in Toledo. 1847 geb. in Paris Abrah. Dreyfutz, franz. Dichter. 21. 1819 geb. in Pleß Jul. Muhr, Maler. 1896 st. in Gries Dr. S. A. Weiß, Dichter. 22. 1850 geb. in Stühlweissenburg Prof. Jgn. Goldziyer. 23. 1786 st. i. Metz R. Ascher Löw (Lion Asser). 1901 st. in London Charles Kensington Salomon, Koinp. Israelitische Allianz. Do»»nerstag den 2. Juni fand im Zunfthaussaale über Einladung der Vorstände der isr. Knltusgcmeinden von Bielitz und Biala eine Versammlung statt, die den Zweck hatte, in Bielitz-Biala eine Filiale der Israelitischen Allianz z»l gründen. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht, der Saal erwies sich beinahe als zu klein. Der Vorsteher der isr. Kultusgemeinde in Bielitz, Herr Salomon- Pollak, eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in welcher er auf die um die Mitte des vorige»» Jahrhunderts erfolgte Gründung der Alliance israelite universelle in Paris durch den Philanthropen Cremieux hinwies. Diese Vereinigung erstreckte sich über alle Kulturstaaten und bemühte sich vornehmlich um die Hebung der Bildungsstufe der Juden in Osteuropa Und dem Orient. Die späteren Verfassungsänderungen in den europäischen Staaten führten zu einer Teilung der Alliance israelite in eine Anzahl gleichstrebender Vereine, von denen jeder sich ans einen Staat beschränken mußte. Aus den früheren österreichischen Mitgliedern der Alliance israelite tvurde in Wien die Israelitische Allianz gegründet. lieber die Zwecke und Ziele dieser letzteren zu berichten, sei der Sekretär derselben, Rabbiner Dr. Kaminka, nach Bietrtz-Biala gekommen, den Redner der Versammlung vorstellt. Dr. Kaminka, mit Beifall begrüßt, gibt nun in zirka einstündigem Vortrage ein Bild der Tätigkeit der Israelitischen Allianz in Wien in Verbindung mit der Lage der Juden in Rußland und Rumänien. Er erinnert an die Judenverfolgungen in Mähren, Schlesien und Galizien im 17. Jahrhundert und betont, daß damals keinerlei Organisation bestand, die sich der Verfolgten angenommen hätte. Er. weist ans die Austreibung der Juden ans Spanien hin und auf die historische Merkwürdigkeit, daß die damals aus dern Westen Europas vertriebe»»err Juden im freieren Osten, in der Türkei und in Polen, Aufnahme fanden, tvährend es gegenlvärtig umgekehrt »st, die aus dem Oste»», aus Rußland und Rumänien ausgewiesenen oder zur Auswanderung gezwungenen Juden i»n Westen, in England, Frankreich, Amerika eine neue Heimat finden. Es sei eine Eigentümlichkeit in der Geschichte der Juden, daß immer zwei Lager vorhan.de»» waren, von denen das eilte, bedrängt und verfolgt, beim andern eine Stütze finden konnte. Ausführlich schildert der Vortragende die Greueltaten in Kischenetv und Hömel, die als Symptome für die rechtliche Lage der Inden zu betrachten seien, bespricht die Beschränkungen, tvelme von Gesetzes lvegcn den russischen Juden hi,»sichtlich ihres Wohnsitzes, ihrer Betätigung in» sozialen itiib wirtschaftlichen Verkehr, im Heeresdienst auferlegt sind. Unter diesen Ausnahmsgesetzen leide»» gegen 5 Millionen Juden, d. ». die Hälfte aller Juden der Wielt. Noch vor weiiigen Jahre»» »vohnte in Rußland die Mehrzahl aller Inden, allein seit den russischen Judenverfolgungen vor 20 Jahren sind gegen 800 000 Juden aus Rußland vorwiegend nach Amerika ausgewandert, ivo sie heute die energischesten Kämpfer gegen die judenfeindliche Politik Rußlands sind mtb durch ihr bekanntes Auftreten nach den Vorfällen in Kischenew tvenigstel»s erreicht haben, daß solche Greueltaten nicht, »vie es ivohl in der Absicht maßgebender Faktorei» in Rußland lag, allgemein wurden. Der Vortragende bespricht auch die Leistungen der Isr. Allianz für die rumänischen Juden, die darin bestanden. daß den zur Auswanderung gezwungenen Annen die Mittel zur Niederlassung in England, Frankreich »»nd Amerika geboten wurden, den in Ruinänien gebliebenen Inden dagegen durch Subventionierung von Schulen für die Zukunft die Möglichkeit geschaffen lvird, sich anderivärts einen Erwerb zu suchen. Der Bortraa schließt unter sehr lebhaftem Beifall der Versammlung mit dem Aüsdrucke der Hoffnung, daß in Bielltz-Diala eine Ortsgruppe der Allianz sich bilde. An den Vortrag schloß sich eine längere Debatte, die Herr Dr. Blun» »nit einer zionistischen Rede eröffnete, dessen Ausführungen von den folgenden Rednern, den Herren S. Tugend h at, Dr. Klein und Salomon Pollak bekämpft wurden. In dieser Debatte, an welcher sich auch noch die Herren R abin owi cz , Dr. Kami n k a »lnd R i t t e r m a»» n beteiligten, wurde llge»nein die Förderung der Isr. Allianz als notwenölg anerkannt >gnd die Gründung einer Filiale sympathisch begrüßt. In das Komitee für die Arbeiten zur Errichtllng dieser Ortsgruppe wurden Salomon Pollak, Moritz Kohn, die Rabbiner Dr. Steiner und Dr. Glaser, Dr. Ludwig Reich, Samuel Tugendhat gewählt. Der Antrag §eZ"Vorsihenden auf. Gründung der Filiale lvurde angenomrncn, ein Teil der Versammelten meldete sofort seine»» Beitritt an, für welchen ein Jahresbeitrag von 6 Kronen zu entrichte»» ist. Erzbischof Bauer — ein Judenstiimmling. Wie das „Pravo Lidu" von Perso»»e>» aus der nächsten Uingebung des »»euen Erzbischofs von Olmütz erfahren haben will, ist auch der Nachfolger Theodor Kohns ein Judenstämmling, dessen Familie sich erst seit zlvei Generatiorien zum Christentum beke»»nt. Die „Deutsche Zeitung" hat wieder einmal ihren Ruf als die dümmste Zeitung von Wien gerettet. Die „Peterbursk. Wj." verbreitete nämlich die Machricht, daß ein großer Teil der japanischen Kriegsanleihe von der Moskauer Kaufmannschaft subkribiert worden wäre. Die Wiener „Deutsche Zeitungreproduziert nun diese Mitteilung und fügt, perfid und verlogen wie sie ist. hinzu, daß sich das auf die jüdische Kaufmannschaft Moskaus beziehe. Nun hat aber diese Lüge kurze Beine. Die russische Anleihe für den Krieg gegen Japan wurde nämlich im Volksmunde kurzweg „die japanische"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.