Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 23 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 33 Wien, Freitag £Tü&sdM« VolkaHatt. 3. Juni 1904 Seite 6 ettvas mehr berücksichtigt. Die Obmänner der katholisch-politischen, päpstlichen Vereine, die Ausschußmikglieder der Maria-Taferl-, Maria-Zeller- und anderer geistreichen Bruderschaften, deren weibliche Mitglieder man in den Straßen Wiens mit den blauen Vandelri hcrnmrenncn sieht, sind jetzt wieder besonders an der Futterkrippe zu finden. Angeekelt durch den Verrat vieler Personen, auf welche man felsenfest bauen zu können glaubte, haben sich im Verlaufe der Jahre Zahlreiche Männer vom öffentlichen Leben, von jedlveder politischen Betätigung zurückgezogen. Diesem Umstande allein haben es aber unsere Gegner zu danken, daß sie hier in Wien einen Sieg nach dem anderen erringen. Man beachte'nur die Anzahl der abgegebenen Stimmen. Kaum ein Drittel der Wählerschaft geht zur Urne. Und diejenigen, welche zu Hause bleiben, sind eben alles eher als christlichsozial. Die herrschende Partei macht alle ihre Anhänger mobil, außerdem gehen noch die Juden zur Wahl, um ihre Stimmen zugunsten der Sozialdemokratie oder in ein bis zlvei Bezirken noch für den Judcnliberalismus seligen Angedenkens abzugcben, sonst aber bleibt, wie gesagt, alles daheim." * * * „Zsidö n6plap“ kontra „Egyenlösäg“. Das in Budapcst erscheinende „jüdische" Blatt der ungarischen Assimilation: „Egyenlöseg" (Gleichheit) übt seit seinem Bestände seine perverse Freude an der Verunglimpfung, Besudelung und Verleumdung unserer Brüder im Osten. Eine wahre Gänsehaut überläuft den edlen S z a b o l c s i, wenn er erfährt, daß einige Juden, denen Verfolgung, Not und Elend ihre Heimat unleidlich gemacht, den Versuch machen wollen, die ungarische Grenze zu überschreiten und sich im liberalen Ungarn eine ehrliche Existenz zu gründen. Da ist es das offizielle „jüdische" Blatt, welches nach Polizei und Gendarmerie ruft und fordert, das Land vor diesem „Gesindel, dieser gemeingefährlichen Rotte zu schützen". Wir haben keine Gelegenheit vorübergehen lassen, diese Treibereien des Vertreters des offiziellen ungarischen Judentums gebührend zurückzuweisen, denn in Ungarn selbst schien niemand den Mut zu haben, den Jubel, der im Gefolge solcher Hetzartikel im Lager der assimilatorischen Wortführer erscholl, zu unterbrechen. Nun scheint denr „Egyenlöseg" in dem vor kurzem gegründeten „Zsido neplap" (Jüdisches Bolksblatt) der richtige Gegner entstanden zu sein, der entschlossen ist, die Gemeinheiten des Herrn Szabolcsi nicht ruhig geschehen zu lassen. Auf einen der jüngster; Ausbrüche des „Eghenlöseg" gegen die Einwanderung galizischer Juden schreibt „Zs. n." unter anderem: „ . . Aber wir müssen uns dagegen verwahren, daß in einem jüdisch-konfessionellen Blatte die in einzelnen Ländern zur Auswanderung gezwungenen Juden „d er A u s w u r f", „die Rotte" tituliert werden. Das ist nichts anderes, als die Verhöhnung des Elends, als das Hohnlachen des Wohlhabenden über den Bedürftigen, als die Verletzung der Ehre der Menschheit. Der Umstaüd ... .f,Vr c-rr «aein, ** je,™,* ä„m Wandele „reife,, mich, «achten noch ÄS Ä nicht zum Paria, zum Ehrlo,en. Der geehrte Artikelschrerber > x^rpf werden alte ihr Bestes leisten. Die häufiger ein Gesetz ahnt es vielleicht gar nicht, dasz diese auswandernden Juden ebenso übertreten, werden eben häufiger dem Arm der Gerechtigkeit her fallen, dazu bedarf es keines besonderen Gesetzes. vorgeschlagenen zwei Bewerber; die Hermann Freiherr von Todcsco'sche Waisenstiftuug (3 Plätze von je K. 600.—, 5 Plätze von je K. 400.—) an 8 nach Wien zuständige und unter dem Schutze des Wpisenvereines steheude Waisen. Zn Mitgliedern des Bethausvorstairdes für den 1. und 2. Kultusgcmeindebezirk werden im Sinne des Paragraphen 87 des Statutes nach Anhörung von Vertrauensmännern aus der Mitte der ständigen Besucher der in Betracht kommenden Bethäuser ernannt: Die Herren Anton Beck, Karl Lemberger und Dr. Hermann Löwh. Für die Restaurierung des Ottakringer Gemeindebcthuases wird ein entsprechender Kredit eingeräuiut und die Durchführung dieser Angelegenheit dem Vertreter-Kollegium im Einvernehmen mit dem Bau-Komitee übertragen. Subventionen werden bewilligt: Dem Tempelvereine im 8. Bezirke, Neudcggergassc; dem Bethausvereiue „Emunas-Awes" und dem Bethausvcreine „Mikdosch m'at". Nach Erledigung einer mit den kantoralen Funktionen im Stadttempel im Zusammenhänge stehenden Personal-Angelegenheit wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. B. Carneri hat in seinem berühmten Buche „Der moderne Mensch" über den Antisemitismus folgendes Urteil gefällt: „Es taucht nun, wer weiß zum wicvieltenmale und mit einer des rohesten Mittelalters würdigen Erbitterung, die Judenverfolgung wieder auf. Selbstverständlich gibt sie sich einen zivilisierten Namen und nennt sich Antisemitismus. Die innersten Triebfedern dieser Be Ivegung sind Habsucht und Neid. Da der Aufklärung unserer Zeit ein Hervorkehren des religiösen Moments widerstrebt, so wurde laut erklärt, der jüdische Glaube bleibe ganz aus dem Spiel, und nur der jüdischen Rasse gelte der Krieg. Daß die Antisemiten, seit der Klerus sich ihnen anschloß, den Namen „Vereinigte Christen" angenommen haben, wirft nur auf den Charakter der Kirche ein seltsames Licht; an der Sache selbst wird dadurch nichts geändert, denn eigentlich gilt der Krieg dem jüdischen Gelde. Den Namen kehrt man je nach Bedarf hervor und es ist natürlich, daß in einer Zeit, in der die Wogen des Nationalitätenstreitcs hoch gehen, diese Bewegung durch die Bezeichnung Rassenkampf Kreise erfaßt, in die sie sonst nie gedrungen wäre. Für die niedersten Volksschichten bleibt nach wie vor der Religionshaß das entsclieidende Motiv und bei der herrschenden Verarmung, die Aussicht auf Plünderung eine wirksame und altgewohnte Verstärkung des Fanatismus. Die Gebildeten, welche zu zarte Hände haben, um an Gewalttätigkeiten sich 3» beteiligen, begnügen sich mit einem indirekten Vorteil. Sie fordern nichts, als daß der Jude von allen Geschäften und Unternehmuugcn fcrngehalten werde, bei welchen er ihnen, sei es durch eine Eignung oder weil sie selbst sich nicht gerne stark anstrengen, Konkurrenz macht. Ilm das Begehren plausibel zu machen, begründen sie es mit der Behauptung, daß die semitische Rasse gemeinschädliche Charaktereigenschaften aufweise und fordern gesetzliche Abhilfe. Wir begreifen die offenen und geheimen Plünderer. Hs geht ihnen schlecht und sie wünschen eine rasche Verbesserung ihrer Lage. Die lvir nicht begreifen, sind jene, die von gesetzlichen Maßregeln gegen die Juden einen Aufschwung der Zivilisation erhoffen. empfänglich sind für das Schöne und Edle, wie er, und daß ihre Liebe zu ihrem verlassenen Vaterlande ebenso groß ist, wie seine t Vaterlandsliebe. Darüber wollen wir aber gar nicht sprechen und es wäre auch überflüssig, denn, wen die Tatsachen nicht überzeugen, der wird durch Worte noch weniger eines Besseren belehrt. Der geehrte Artikelschreiber behauptet auch, daß die Sitten dieser Auswanderer gemeingefährlich seien. Wir müssen annehmen, daß der Artikelschreiber dies selbst nicht ernstlich glaubt. Die jüdische Religion kann nicht Sitten enthalten, welche gemeingefährlich sind. Nun schöpft aber jeder Jude seine Sitten aus derjenigen Religion, welche die Religion, aller Juden ist. Diese Behauptung könnte aber nur unter der Prämisse bestehen, daß der einzige Urquell der jüdischen Sitten, die jüdische Religion selbst, korrupt und gefährlich sei. Dies ist aber eine Behauptung, die schon i viel weiter führt als zur Assimilation, ihre Konsequenz ist die j vollständige Loslösuug vom Judentum: d a s T a u f b e ck e n . . . . Chronik. Gedenktage. Juni. 9. 1171 st. i. Rameru R. Jak. b. Meir (N. Tam). 1704 geb. in Halberstadt Jul. Rubo, Rechtslehrer an der Universität Halle. 10. 1869 st. in Brody d. Talm. R. Sal. Kluger. 1893 st. in Braunschweig Oberkantor H. Goldberg. 1895 st. in London Dr. Mor. Grünwald, Oberrabb. v. Bulgarien. 1898 fr. in Bialystok R. Sam. Mo hi lewer. 11. 1847 st.'Abr. Muhr v. Pleß. 13. 1822 geb. in Austerlitz Nabb. Elias Karpcles. 1845 geb. in Emdeir Lion Wolsf, Prediger und Schriftst. 1851 st. in Frankfurt a. M. Pred. Jos. Johlsohn. 14. 1841 geb. in Wien Friedrich Singer (S. Fritz), Schriftst. 16. 1832 geb. in Waag- Neustadtl Siegmund Schlesinger. 1888 st. Kaiser Friedrich der Dritte. S i w a n. 18. 1776 geb. in Newport Jndah Touro, ein Philantr. in d. weitest. Bedeutung des Wortes. 1880 st. in Wien Mor. R a p p a p o r t, Dichter. 19. 1790 geb. in Lemberg S. L. Rapparot. 20. 1171 Judenverfolgung in Blois, 34 Männer und 17 Frauen starben den Märtyrertod. 1048 w. a. 0009 I. in Memicow getötet (Chmeluicki). 21. 1321 schwebten die Juden Roms in großer Gefahr. 1885 st. in München Abr. Merzbacher. 22. 1880 st. in Frankfurt a. M. N. Mos. Mainz. 1898 st. in Frankfurt a. M. Nabb. Seligm. Fromm, Hausrabb. des Frcih. Wilh. Carl von Rothschild. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 29. Mai 1904, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe iverdeu bekanutgegebeu: Ali Spendeil: Von Herrn Dr. Heinrich Beilies anläßlich dcS Sterbetages seiner fei. Mutter an jüd. Arme K. 00.—; von Frau Fanny Weinstein als Spende einer Dame für den Betsaal der Versorgungs-Anstalt ein Thora-Baud aus Seide. Den Spendern wird der Dank ausgesprochen. Weiters befindet sich im Eitlkaufe eine Zuschrift der Chewra-Kadischa mit der Mitteilung von der einstimmig erfolgte» Wahl des Herrn Salo Cohn zum Präsidenten dieses Vereines und ein Dankschreiben des Herrn S. Steiner für die erfolgte Ernemniilg zum Vorsteher der Chelvra-Kadischa. (Zur Kenntnis.) Verliehen tverdeil: Die Eitel Goldschmidtische Stiftung für Bautechniker (2 Plätze von je K. 800.—) mi die vom Präsentanten dieser Stiftung, Herrn Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt, Alle Gesetze sind da für alle, 'wie der Staat für alle da ist und nicht bloß für diesen und jenen. Mit dem Beginne einer Ausnahmsgesetzgebung, die immer bedenklich ist, selbst 'wenn sie auf einen vorübergehenden Fall sich bezieht, betreten wir eine schiefe Ebene, auf welcher der Grundpfeiler des Liberalismus: Gleiches Recht für alle — keinen Halt mehr findet. Heute mir, morgen dir, heißt' es dann. Der Liberalismus ist nicht der Hyrt der Ideale einzelner: seine Ideale sind Ideale der Menschheit. Das Ideal, das sie alle umfaßt, ist die Zivilisation und da cs diese ohne Kapital nicht gibt, so ist es Pflicht, das Kapital zu schützen. Der Antisemitismus ist der Krieg gegen das Kapital, aber nicht im kommunistischen Sinne, um es zu vernichten, sondern um es in andere Hände zu bringen. Die retograden Aristokraten, welche aus religiösen Gründen den „vereinigten Christen" sich auschließen, sind so tüchtige Nationalökonomeu, daß sie unter Kapital nur das des Börsenspekulanten verstehen. Ihre Latifundien sind ebenso Kapital, wie jedes andere aus Geld oder Geldeswert bestehende Vermögen und käme eines Tages der von ihnen vertretene Grundsatz, der das Kapital vogelfrei erklärt, zur Durchführung, so würde ihnen die Erfahrung nicht erspart bleiben, wie schön sich Kapital schlagen läßt aus ihrem Grundbesitz und wie nützlich ihnen die Erkenntnis gewesen lväre, daß die Duldsamkeit auch den" schützt, der sie übt. Ilcbrigeus sind die schlimmsten Juden unter den Christen zu finden und schon daraus erhellt, daß eine künftige Reform der Vcrmögeusverhältnisse nicht von antisemitischen Grundsätzen ausgehen könnte. Der ganze Antisemitismus ist eine Begriffsverwirrung." Prag. Ihre kaiscrl. Hoheit Frau Fürstin Elisabeth Windisch- Graetz erschien kürzlich in Begleitung der Fürstin Karl Schwarzenberg auf dein alten jüdischen Friedhofe, um denselben zu besichtigen. Die Fürstin äußerte wiederholt ihr Interesse für die historische Merkwürdigkeit dieses stillen Fleckens Erde in der geräuschvollen Stadt, dejseu Romantik in der jetzigen Zeit durch die Schönheit der aufblüheudeu Natur einen besonderen Reiz erhält und blätterte mit besonderem Interesse in dem Gedenkbuche der Friedhofsverwaltung. Dr. H. P. Chajes, ehemaliger Mitarbeiter unseres Blattes, Professor am Rabbiuerseminar in Floren z, hat sich als Dozent au der dortigen Universität habilitiert. Dr. Chajes, der seine Studien am hiesigen Rabbinerseminar absolvierte, hat sich bereits ' als Exeget einen bekannten Namen erworben. Viel beachtet wurde in Gelehrtenkreiseu seine jüngste Arbeit, ein kritischer Kommentar zu den Psalmen in hebräischer Sprache. * * * Nabb. Dr. Philipp Goldberger in Marienbad verlobte sich mit Fräulein Louise Schneider, der Tochter des Herrn Sigmund Schneider, Chefs der Firma Brüder Schneider, Billenbesitzer und Kassier des galiz. Hilfsvereines (Ortsgruppe Marienbad). * * Organisation der jüdischen Kaufleute in Galizien. Die eifrige Propaganda der unter Patronanz der Schlacht« stehenden „Kolka Wrolnice" gegen die jüdischen Kauf- Teute hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die jüdischen Kauflente nub Gewerbetreibenden verarmen immer mehr, und da sie nicht organisiert sind, stehen sie diesen Treibereien gegenüber machtlos da. Wir haben von jeher die Organisation als bestes, und jedenfalls als Nächstliegendes Schutzmittel empfohlen. Nun scheinen die Inden in einzelnen Teilen Galiziens zum Bewußtsein der Situation gelangt zu sein, in welcher sie sich befinden, und den einzig möglichen Ausweg — die Vereinigung — anzustreben. Wie uns nämlich ausStanislau berichtet wird, hat am 32. Mai daselbst unter Vorsitz des Dr. Schor eine Versammlung von jüdischen Kaufleuten stattgefundeu. Nach einem Referate des Dr. Süßmann vom Vereine „Erez Israel" wurde beschlossen, zur Gründung eines „kaufmännischen Klubs" ein Komitee einzusetzen, welches beauftragt wurde, schleuuigst die Statuten auszuarbeiten und alle übrigen Vorarbeiten durchzuführen. Wir begrüßen diesen Schritt unserer Stauislauer Brüder aufs freudigste und hoffen, daß ihre Arbeit von Erfolg sein und bald auch in anderen Städten Galiziens Nachahmung finden wird. Der Renommier-Arier. Aus Pardubitz wird uns berichtet: In der der Firma D. Fauto u. Co. gehörigen Mitieralölraffinerie in Pardubitz stellten von den zirka 1000 Arbeitern alle, bis auf 3 Juden die Arbeit ein. Herr Dawid Fauto — ein Galizianer — gilöt, so viel an ihm liegt, Jlchen Arbeitsgelegenheit. Sein juridischer Berater ist ei» Jude, der Arzt ein Jude, der Fabrikswirt, dep früher du armer Schammes war, ist heute ein gut situierter Mann, der seine Tochter in Dresden verziehen läßt, sämtliche Fabriksbeamten bis auf einen Renommier-Arier sind Juden. Was in der Fabrik borkam, und bei der Masse beschäftigter Leute kommt ja hie und da etwas vor, ivar in einigen Tagen in einer antisemitischen Pardubitzer Zeitung, welche die Tochter des getauften Juden Chajim Goldstein, die an den gewesenen sozialdemokratischen Reichsratskaudidateu Stepanek verehelicht ist, herausgibt, zu lesen. Wer die Zeitung berichtet, konnte nicht eruiert werden. Zinn wird unser fanatischer Renommier-Arier krank ins Spital gebracht. Seine Angehörigen besuchen ihn nicht, wohl aber seine jüdischen Kollegen und selbst der Prokurist. Der Kranke wird weich gestimmt und berichtet dem ihn besuchenden Prokuristen, daß er die Antisemiten von den Fabriksereignissen verständigt habe. Auf die Hetzereien der oben genannten antisemitischen Zeitung ist der Ausstaud von 997 Arbeitern, der aber schon beendet ist, zurückzuführen. Auch über so manche für die Öffentlichkeit nicht bestimmte Angelegenheit der Spiritusraffinerie Wertheimer war die antisemitische Judenstämmlingin verständigt und auch da stellte cs sich heraus, daß ihr Reporter ein Fabriksrenommier-Arier war. Die Firma Wertheimer will die Fabrik vergrößern, stößt aber aus große Schwierigkeiten, die dem Einflüsse jener Zeitung zu verdanken sind. Der Antisemitismus packt nun auch unsere Großen bei d<-r Gurgel. Werden diese den Weg zu ihrem Volke finden und duschen, welche Früchte ihnen ihre Vorurteilslosigkeit und ihr Liberalismus einträglt oder werden sie ihr Volk verlassen? Der Sohn des Galizianers Dawid Fauto hat letzteres getan, er ließ sich, um Mitglied einer arischen Burschenschaft sein zu können, protestantisch t a u f e n I!! Achtung vor Mädchenhändlern! Wie uns aus Lemberg mitgeteilt wird, treibenMch jetzt^in Galizien mehrere Agenten herum, die jüdische Mädchen überreden, mit ihnen zur Weltausstellung «ach St. Louis zu gehen, wo sie angeblich lohnende Beschäftigung finden würden. Diese „Agenten" sind aber berüchtigte Mädchenhändler, welche die galizische Not ausnützen und die jüdischen Mädchen unter verschiedenen Vorspiegelungen in die Schande locken. Wir warnen daher die Eltern vor diesen abgefeimten Schurken! Anekdoten aus dem Nadautzer Sozialdemokraten-Leven. Bekanntlich hat jede Stadt etwas Merkwürdiges an sich. Auch der Stadt Radautz ist dies Geschick nicht entgangen. Auch sie hat etwas Merkivürdiges. Wer viele liebt, der möge seinen Wohnsitz in Radautz aufschlagen. Ein großes Anekdotenbuch würde er verfertigen können, wenn er die Dummheiten und Narrheiten der hiesigen „internationalen" Sozialdemokraten sammeln würde. Ein wahres Büfumervolk. Hier mögen einige Anekdoten der letzteren Zeit folgen. Vor kurzer Zeit hielt hier eine Sozialdemokrcsiin, eine gewisse Frau Ulrich ans Czeruowitz, im Lokale „Hotel Moldavie" einen Vortrag. . In diesem Lokale befanden nitd befinden sich auch heute noch zwei Bilder an den Wänden, welche Persönlichkeiten und .berühmte Männer des jüdischen Volkes darstellen; wie Maimonidcs und viele ehrwürdige Rabbis, Mäimer, die, da sie schon lange tot sind, weder Zionisten noch Sozialdemokraten sind. Nun verlangte ein Sozialdemokrat — e t n I u d e, ein Photograph, einer, der bei den Sozialdemokrateit die Rolle eines' Gebildeten spielt iittd sich gebildet neunen läßt — vom Wirte, daß er für die Dauer des Vortrages die beiden uuschuldigett Bilder aus dem Zimmer entferne. Welch ein dummer Einfall? Welch eine Forderung? . Dank dem Frl. Schaffer, der Tochter des Wirtes, daß es nicht geschehen ist. Aber wie kann einem gebildeten Menschen so was Dummes eiitfallen? Gera.de, tote wenn ich von einem Christen verlangen sollte, daß er, so lauge ich bei ihm im Zimmer bin, seine Heiligenbilder von den Wändeir herunternehme. Eine hübsche Anekdote! Traurig ist es, daß die jüdischen Sozialdemokraten das Judentum verwerfet! zu müssen glauben. — Ein jüdischer Sozialdemokrat sagte, als man ihn fragte, warum er Sozialdemokrat sei, er sei deswegen Sozialdemokrat, weil sein Vater auf Dr. Vierer, den Obmann deS Nadautzer Ziouvereines, böse ist. Ein schöner Grund, um Sozialdemokrat zu werden. Wenn einer auf den Doktor Nothnagel böse ist, so soll er nicht mehr Medizin studieren? — Ein anderer, auch ein Jude, ist deswegen internationaler Sozialdemokrat, weil er auf den Radautzer Zionverein böse ist. Er wurde nämlich aus gewissen und gewichtigen Gründen in diesen Verein als Mitglied iticht ausgenommen und deshalb ist er jetzt Sozialdemokrat, und zwar internationaler, geworden und als solcher ein großer Gegner des Zionismus; denn die Lebensregel der hiesigen Sozialdemokraten lautet: „§ 1. Bist du ein Sozialdemokrat, so kannst du nicht national, sondern du m u ß t international sein. § 2. Du mutzt der größte Gegner des Zionismus werden. 8 3. Für dich muh Zionismus das seilt, was für fromme Juden Schweinefleisch ist . . . und noch derartiges. —; Wie dankbar die christlichen Sozialdemokraten — diese nennen sich nicht international — den sich zu assimilieren suchenden Juden sind, zeigt folgende Begebenheit. Vor zwei Jahren hatten die Maurer — nur Christen — einen Streik. Mit diesen lief Herr Doktor Chomed, ein Jude, ein sich international nennender Sozialdemokrat, in allen Straßen und Gassen, bei Nacht und bei Tag herum und half ihnen ihr Ziel erreichen. Aber was ivar der Lohn dafür? Die haben ihn gut belohnt. Sie haben ihn, als er unlängst bei einer öffentlichen Versammlung das Wort sich erbeten hatte, tüchtig ansgepfiffen, ja so stark gepfiffen, daß er zu sprechen aufhören mußte. Auch gescheit gehandelt. Anstatt Brüdern zu helfen, Fremde zu unterstützen. Man sieht, wie es mit dem jüdischen Sozialdemokraten bestellt ist. Hat ihn der christliche nötig, so schmeichelt er ihn, bedarf er seiner nicht mehr, so pfeift er ihn aus. Ueber die Militärgeistlichen der verschiedene« Konfessionen entspann sich eine Debatte in der jüngste» Sitzung des HeereS-Ausschusies der ungarischen Delegation. Bet diesem Anlasse gab Kriegsminister Pitreich folgende Auskünfte: Bezüglich der Verteilung der Militärgeistlichen der verschiedenen Konfessionen bestehen keine besonderen Unterschiede. So entfallen z. B. auf einen Militärgeistlichen bei den Römisch-Katholischen 3720, bei den Griechisch-Katholischen 2626, bei den Griechisch- Orientalischen 2315, bei den E v a n g e l i s ch e n A. B. 3350 und bei den E v a n g e l i s ch - R e f o r m i e r t e n 3009