Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433046--2440-2436306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 23 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 3. Juni 1904 S»tt»S das Reskript vom 30. Jänner 1720, das zwar den Rabbinern die Judikatur in erster Instanz beließ, hat mit dieser feudalen Auffassung des Rechtsbegriffes aufgeräumt und den Landesrabbiner nur auf eine gewisse Verwaltungstätigkeit und insbesondere auf die schiedsgerichtliche Entscheidung in schwierigen Fällen, zum Beispiel bei Wahlstreitigkeiten in den Kultusgemeinden, beschränkt."') Eine Ausnahme von der Unterwerfung unter die Jurisdiktion der Judenrichter respektive Landesrabbiner bildeten die in den königlichen Städten begangenen Vergehen und geschlossenen Kontrakte, derentwegen die Juden sich bei den Stad»magistraten zu verantworten hatten. Wegen sonstiger Uebertretungen, wegen Schulden und Mißhandlung sollten sie „bei ihrer Ordinari-Obrigkeit Rede und Antwort geben". (Reskript vom 30. August 1708.) Dem Beschädigten stand es jedoch frei sie da oder dort zu verklagen. Sehr „Wichtiges und Strafwürtiges" war aber bei dem k. Amte Landeshauptmannschaft oder dem' k. Landesunterkämmerer anzuzeigen. (Fortsetzung folgt.) Der Parteitag der jüdischen Arbeiter und Handelsangestelltcn in Kraka«. Zweiter Tag. V o r m i t t ag s s i tz u n g. Nach Verlesung des Einlaufes wird die Debatte über das Referat über die Stellung im Zionismus und zur Sozialdemokratie - eröffnet. Gg. H e r z - Lemberg hält das Referat für völlig unzu-! reichend. Die Stellung im Zionismus sei zu wenig klar betont.' Er wünscht stärkere Hervorhebung des Klassenstandpunktes. Die wirtschaftliche Gegenwartsarbeit sei nach seiner Meinung das Prii wtäre, der Zionismus, der unterstützt werden soll, das Sekundäre.' Eine Stellungnahme zur Sozialdemokratie hält er für überflüssig, da wir selbst eine sozialdemokratische Partei seien und die anderen uns nichts angehen. Dabei empfiehlt er aber ein Zusammengehen mit der sozialdemokratischen Partei dort, wo dies notwendig und opportun sei. Gg. Feld bl um - Krakau spricht polnisch. Er wendet sich gegen die Verleumdungstaktik der österreichischen Sozialdemokraten Und wünscht einen energischen Kampf gegen diese. ,J5r verlangt nachdrückliche! Hervorkehrung des Klassenstandpunktes. Wo idey. Klassenkampf möglich ist, soll er schonungs- und rücksichtslos durchgeführt werden. Cr schlägt eine Resolution vor, mit der dem gesamten Proletariat die Sympathie ausgesprochen werden, die Verleumdungstaktik der österreichischen Sozialdemokraten jedoch aufs schärfste verurteilt wird. , Gg. Bloch - Krakau erklärt sich mit dem Referate einverstanden und empfiehlt die Mitarbeit mit den Sozialdemokraten dort, wo dies möglich ist. Gg. Steinmetz- Czernowitz spricht sich gleichfalls für die wirtschaftliche, Betätigung innerhalb der zionistischen Organisation, aus.. Dieselbe sei unbedingt notwendig, wenn die jüdischen Arbeiter und.. Hande.lsangestellten. für die Sache gewönnest werden sollen Wenn für deren .W2schastliche Lage nichts geschieht, werden sie dem Zionismus nichtHmgeführt werden können., . H . Gg. Ka p I a n - Wien erklärt sich mit dem' Referate, einverstanden und bespricht jeden Punkt der Thesen, für deren Notwendigkeit und . richtige .Flrgumentation er Eintritt, u. .. (gg Rubi n st e t n - Wien bekämpft die Argumentation des, Referenten,'die er als unrichtig bezeichnet. Er wendet sich lveiters gegen den-Schlußpassus der These. 6, den er gestrichen wissen will. Cr spricht sich für die Unterstützung aller Aktionen der Sozialdemo- , kratie aus und rollt dann die Frage des Territorialismrls auf, zu der der Parteitag Stellung nehmen sollte. Er empfiehlt aufs nachdrücklichste unter längerer Begründung,.daß der Parteitag sich für das ostafrikanische Projekt, wie überhaupt für den Territorialismus erkläre und legt eine diesbezügliche Resolution vor.. Gg. G o l d st e i n - Przemysl bezeichnet den Referenten als den'Typus des westlichen Zionisten, der an stramme Ergebenheit gegenüber der Parteileitung nichts zu wünschen übrig läßt. Solcher Servilismus sei verderblich und verdammenswert. Er tadelt den Mangel an Radikalismus und verurteilt die Politik im Zionismus,, die zum Verhandeln mit Potentaten und Regierungen führt. Mit! einem S u l t a n, miteiitemPlehwe dürfe nicht verhandelt werden. Die Heimstätte, der Zukunftsstaat, müsse auf sozialistischer Basis aufgebaut werden, sonst hätten wir keine Lösung der sozialen Frage im .Judentum. i°) Mähr.-schles. Korrespondent, Jahrg. 1887, Nr. 104. respektable Perfektion in der Ausführung. Seine zwei Büsten nehmen unter so vielen anderen einen hervorragenden Platz ein' Das Bas-Relief in Marmor von Josef As coli, „Eva" von Jules Combos, ferner die Büsten von Armand- Lucien Bloch und das „Porträt des Kontre - Admirals Marquer" von Frau Elisa Bloch sind lauter Werke vorzüglicher Arbeiter, die alle Kunstgriffe ihrer Vorgänger genau kennen und sie zu verwerten verstehen. Die „Kleine Familie" von Malvine Brach ist ein reizendes Stück. Die Kinderfiguren und die Blumen sind besonders sein ausgeführt. Beachtenswert sind noch die Bronzestatuette „Die Schnitterin" von Leon Deschamps, die Marmorbüste von Sylvain Kinsburger, „Evas Erwachen" von Noöl-Marcel Lambert und die Marmorstatue „Josef in E g h'p t e n" von Jules B e r q u e t, eine ganz bedeutende Arbeit. E. A. Univers. Zum Ostasrikaprojekt. Im ungarischen Nationalmuseum in Budapest ist jetzt eine Ausstellung zu sehen, die auch für uns Juden von Bedeutung ist. Baron Bornemißza stellt seine in O stafr ika gesammelten ethnographischen und Kunstgegenstände aus. Die meisten dieser Gegenstände stammen aus Ungand a, wo bekanntlich die englische Regierung den Juden ein Ansiedlungsgebiet anbot. Ein Mitarbeiter des Budapester Blattes „Zsidö nöplap“ hatte vor einigen Tagen eine Unterredung mit dem Baro» Bornemißza, welcher wir folgende Stellen entnehmen : Gg. Bienenstock- Tarnow spricht polnisch. Er wendet sich gegen die Kollegen Herz und Goldftein, deren Ausführungen! er widerlegt. Mit Bezug auf die Bemerkung seines Vorredners, ver jiidische Staat müsse auf sozialistischer Basis aufgebaut werden, I weist Redner auf Franz Oppenheimer hin, dessen von ver zionistischeitI Organisation akzeptierten Vorschläge den sozialistischen Aufbau der Kolonien verbürgen. Gg. Rebe »zahl-Wien bezeichnet die Thesen als äußerst gelungen, >veil sie die richtige Mitte zwischen der Zugehörigkeit zu der allgemeinen zionistischen Organisation einerseits und der Betätigung der sozialistischen Gesinnung andererseits darstellen. Eine stärkere, Betonung des Klassenstandpunktes sei nicht zu billigen. Er polemisiert gegen Gg. Herz, der eine reine Klassenpolitik betreiben imll, sowie gegen Gg. Rubinstein, der sich für die Unterstützung aller Aktionen der Sozialdemokratie erklärt; man dürfe nur dann! seilte Unterstützung zuteil werden lassen, wenn hiedurch dem Judentum kein Schaden erwächst. Er wünscht Abänderung der 7. These dahin, daß jene politischen Aktionen der Sozialdemokratie zu unterstützen seien» durch welche die nationalem Interessen des jüdischen Volkes nicht gefährdet werden. Weiters ivünscht er, daß in den Thesen zum Ansdruck komme, daß die Rücksichtnahme ans die Parteizugehörigkeit uns nicht hindern dürfe? erforderlichenfalls .den Ivirtschaftlichen Kampf auch gegen organisierte Zionisten durchzuführcn. Der Referent weildete sich ttt seinem Schlußworte ganz besonders gegen den Gg. Goldsteiu, der als östlicher Jude mit den realen Verhältnissen nicht zit rechnen verstehe. Man müsse mit den jeweiligen Vertretern der Völker und Nationen verhandeln; so lange dies die Negierungen und Potentaten seien, müsse man sich an diese wenden. Wenn die Sozialdemokraten an der Spitze stäildcil, würde man mit ihnen verhandeln, doch ist zu bezweifeln, daß diese unserer Sache mehr Verständnis und Sympathie entgegenbrächtcn. Der Referent spricht sich gegen eine Stellungnahme zum territorialistischen Problem aus, da diese Frage eine furchtbare^Gefahr iit sich berge; S die so mühsam und unter so großen Opfern tzergestellte Einheit der Organisation könnte tit die Brüche gehen. Aus taktischen Gründen sei er daher gegen eine Stellungnahme zu dieser Frage. D i e S i e d l u n g s g e n o s s e n s ch a f t. Oppenheimers bezeichnet er als c t tt Experi m e n t, das ebensogut mißlingen als gelingen könnte; daher dürfe sich der Zionismus damit nicht identifizieren. Der Zionismus bedeute auch gar nicht die Lösung der soziale,t Frage im Judentum, er ermögliche diese nur, indem er die Voratlssetzuugeu für eine twrmale Klassenentwicklung schafft. Er besteht auf Beibehaltung des Schlußpassus der 6. These und akkomodiert sich dem Acnderungsvorschlage Nebenzahl. N a ch m i t t a g s s i tz u n g. Gg. Obernik - Wien, referiert über Organisation. Cr bemängelt das Fehlen eines gemeinsamen Programmes und schreibt es diesem Umstande, svwie dem, daß die Zentrale nicht im Osten ist, wo die jüdischen Proletariermassen vorhanden sind, zu, daß eine Stagnation herrsche. Er schlägt die Gründung eines Reichsvcrbandes „Poale Zion" vor, der ganz Oesterreich umfassen und sowohl Vereine als auch Einzelpersonen zu Mitgliedern haben nnd dessen Leitung sich in Krakau befinden soll. Dieser Verband sollte sich in 3 Agitations-Zentren (1 für Westösterreich, 1 für Westgalizien und 1 für Ostgalizien Mit der Bukowina) gliedern, welche die agitatorische und sonstige Arbeit in ihren Kreisen zu veri richten haben. Durch den Reichsberband soll eine Verbindung mit den Arbeiterorganisationen aller Länder ermöglicht werden. Es sei eine Föderation aller Poale Zion anMtreben, die auf dem zionistischen Kongresse durch eine eigene Gruppe vertreten! sein soll. Er tritt für eine Vertretung -dieser Poale Zion-Föderation auf den sozialistischen Arbeiterkongresfen "ein;."dött' sei das Forum, wo wir Nus mit' den sozrulisttscheu, Paeiieken' 'anKetl,astöersetzen können; dann werde es nicht mehr vorkommen-Ännen, daß man allen unterdrückten Nationen und Natiönchen seiye Sympathie ausspreche, dem jüdischen Proletariate aber.die Sympathiekundgebung verweigere'. Sodann referiert er über „Stellungvermittlung und Konditionslosenfonds". Die Lage des jüdischen Proletariats sei eine geradezu, unhaltbare, weshalb er sich von der Stellenvermittlung nicht viel verspreche. Doch sei dieselbe unbedingt notwendig. Für diese sowohl, wie für die Arbeitslosermnterstützung schlägt er die Zentralisation vor. Dabei müsse aber auch Dezentralisation herrschen. Zentralisation durch ein leitendes Bureau, das in stetem, ununterbrochenem Kontaktemit den einzelnen Organisationen und Vertrauensmännern, die jeden sreiwerd.enden Posten anznzeigen und über dessen Besetzung zu berichten haben, stehen müsse. In Bezug auf die Arbeitslosenunterstützung schlägt er vor, daß jeder Arbeiter einen wöchentlichen vom Verbände zu bestimmenden Beitrag zu leisten habe, wofür er im Falle der Stellenlosigkeit einen von vorneherein fixierten Betrag erhalten soll. Er wünscht, daß mit einem Grundkapital von mindestens 3000 K. be-! gönnen werde. Sei dieser Betrag nicht aufzubringen, so sollten Unterstützungen erst nach einem Jahre verabreicht werden. In der hierauf folgenden Debatte über die Referate werden verschiedene Wünsche laut, von denen wir nur folgende erwähtten -wollen: Anlegung eines Fonds zur Unterstützung durchwandernder Kollegen; Einführung von fachmännischen Kursen über Zionismus und Sozialwissenschaften, deren Besuch für die Mitglieder obliga- „Jm Monate Februar dieses Jahres ist in Uganda eine Truppe von Juden aus Südafrika eingetroffen: Alle gutgeartete Leute, die schon seit mehreren Jahren in Transwaal gewohnt und dort als A ck e r b a u e r, Bergwerksarbeiter oder Kaufleute schönes Vermögen erworben haben. Die englischen Behörden haben diese neuen Ansiedler sehr freundlich ausgenommen. Die Juden , sind zumeist vor 10—12 Jahren ans Rußland nach Südafrika gekommen. Unter ihnen befinden sich recht geschickte Gewerbetreibende, deren Mittelpunkt Johannesburg ist. Besonders berühmt sind die jüdischen Schmiede, die vor einigen Jahren viel Geld verdient haben und heute sämtlich vermögend sind. Der andere Teil der südafrikanischen Juden beschäftigt sich mit Ackerbau und Handel. Die An''edler kommen gewöhnlich notleidend, ohne einen Kreuzer Geld an. Die erste Hilfe erhalten sie von der Gemeinde. Sie bekommen 20—30 Gulden als Darlehen und damit beginnt der eingewanderte Jude zu arbeiten. Ihre zuerst bescheidene, lange Jahre hindurch andauernde, eifrige Arbeit bringt ihnen schließlich eine gesicherte Existenz. Die eingewanderten russischen Juden werden von den Einheimischen sehr geliebt, weil sie ohne Ausnahme durchaus ehrliche Leute sind. Natürlich sieht man heute schon solche Ansiedler recht gern. Ich wundere mich nicht darüber, daß die englische Negierung ihnen so freundlich eutgegenkommt. .. Der Lord-Oberrichter von Kapland T.-S. Graham hat bekanntlich die Verordnung erlassen, daß der jüdische Jargon ebenso wie alle europäischen Schachen, mit Hilfe von Dolmetschen amtlich in Gebrauch kommen kann. Bei dieser humanen Behandlung wunderte es mich, daß Juden aus Südafrika nach Uganda übersiedelten. Vielleicht zieht sie das torisch sein soll; Herausgabe einer Broschüre über die jüdische Arbeiterfrage. v Sodann referiert Frl. H e r st e i n - Krakau (Arbeiterinnenverent „Judith") über Frauenorganisation. Sie spricht, wiewohl Llickenbüßerin für eine erkrankte Kollegin, fließenv und schön. Sie betont und begründet die Wichtigkeit der Frauenorganisation, berichtet über die Lage der arbeitenden Mädchen und Frauen, die noch viel mehr ausgebeutet werden, als ihre männlichen Kollegen. Die Debatte, an der sich Herr Hilfsstcin vom Distrikts-Komitee Krakau, Kollege Herz-Lemberg, Obernik-Wien, Kenner und Bienenstork-Tarnow beteiligten, zeigte, wie wichtig dieser Gegenstand sei und brachte manch fruchtbare Anregung. Darauf folgte das Referat des Gg. Kaplan-Wien über „Presse". Er berichtet über die Gründung des „Jüdischen Arbeiter" sowie über den derzeitigen Vermögensstand desselben, betont die Notwendigkeit eines eigenen Organes, tadelt die geradezu unbegreifliche Interesselosigkeit der jüdischen Arbeiter und Handelsangestelltcn gegenüber ihrem Blatte. Er verlangt, daß das Blatt ins Eigentum des Verbundes übergehe, daß die Leitung desselben von einem dreigliedrigen, vom Parteitage zu wählenden und diesem verantwortlichen Preßkomitee besorgt werde, daß jedes Mitglied der Organisatioit 1b Heller monatlich für die deutsche und Jargon- Ausgabe des Blattes triff. Postzusendung cm den Verband zu zahle» habe. Gg. O b e r n i k - Wien wirft den Organisationen vor,' daß sic fast nichts für ihr Organ tun; es werde viel zu wenig Preßfonds gesammelt,^ die bezogenen Blätter iverden nicht bezahlt, man schreibe dem Preßkomitee Preise vor, die es nicht akzeptieren könne. „Der jüdische Arbeiter" iverde mit der größten Selbstaufopferung seitens der Mitglieder des Preßkomitees erhalten,; das gehe so riicht weiter. Frl. H e r st e i n - Krakau verlangt, daß die Presse sich mehr mit der Frauenorganisation befasse und daß „Der jüdische Arbeiter" dieser Frage eine, eigene Rubrik widme, ferner, daß jeder Verein 2 K. monatlich Subvention dem „Jüdischen Arbeiter" zuführe: In der hierauf folgenden Abstimii'.iü.g irerden folgende Beschlüsse und Resolutionen gefaßt. Resolution bezgl. Verkürzung der Arbeitszeit. Die Aktion zur Verkürzung, der Arbeitszeit i ft sofort von den zionistischen Proletarierorganisationen! (womöglich int Einvernehmen mit den Sozialdemokraten) in Angriff zu nehmen. Es ist zu diesem Zwecke: 1. Lebhafte Propaganda unter den Handelsangestellten und Arbeitern zu entfalten und die Notwendigkeit der Organisation zstr Bekämpfung der unmenschlichen Zustände zu beweisen, ebentl. . zu Demonstrationen gegen die Unternehmer zu greifen; 2. Durch populäre Flugblätter die Sympathien des Publikums zu gewinnen; 3. Die Gründung eines Konditionslosenfonds energisch in Angriff zu nehmen, und zwar eines allgemeinen. 4. Es ist in Galizien der Samstag als 36stün'diger Ruhetag der jüdischen Angestellten und Arbeiter anzustreben. Beschlüsse And Resolutionen zum Punkte Organisation. 1. Der Parteitag beschließt die Gründung eines Reichsverbandes, der den Namen „Poale Zion" führen soll. Die Statuten hat das zu wählende Preßkomitee bis Ende Juni, auszuarbeiten und im Einverständnisse mit Dem Verbände der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter in Galizien und mit den westösterreichischen Organisationen den Behörden einzureichen. 2. Die zu wählende Exekutive wird beauftragt: u) dem allgemeinen.Verbände „Poale Zion" beizutreten; . b) die Konstituierung -des „Poale Zion" Mer selb ständigst- - . in prinzipiellen zionistischen Fragen direkt'dem A.-K. unter- . stehenden Föderation 'durchgusetzen; c) die Einberufung eines allgemeinen „Poale Zion "-Kongresses behufs Bildung eines konkreten Programmes durchzusetzen; ' d) den nächsten österreichischen Parteitag erst nach diesem Kongresse einzuberufen; e) dasCxekutiv-Komitee wird ferner beauftragt, die Hebung der wirtschaftlichen Lage des jüdischen Proletariats in Oesterreich mit allen Prüften anzustreben und dieser Angelegenheit ganz besondere Aufmerksamkeit zu widmen. 3. Der Parteitag erteilt dem Exekutiv-Komitee die Direktive, für eine gediegene und billige Broschüre Sorge zu tragen, welche die jüdische -Arbeiterfrage von unserem Standpunkte behandeln sollte. 4. Aktionen in gewerblichen Angelegenheiten, dürfen seitens der Organisationen nur im Einverständnis mit der Verbandsleitung eingelcitet werden. 5. Sämtliche Proletarisch-Zionistischen Organisationen mögen Kurse für fachmännische Vorträge über den Zionismus und Sozialwissenscyaft abhalten, welche von allen Mitgliedern obligatorisch besucht werden. Beschlüsse zum Punkte „Presse". 1. „Der jüdische Arbeiter" wird zum Zentral-Organ und als Eigentum des Verbandes „Poale Zion" in Oesterreich erklärt.. Bewußtsein hin, daß sie eine besondere Autonomie besitzen werden oder der Umstand, daß Uganda ein ausgezeichnetes Landwirtschaftsgebiet ist. Das zukünftige Heim der Juden ist ein Gebiet von ungefähr fünftausend englischen Quadratmeilen, dreißig Stunden vom Meeresufer entfernt und voraussichtlich dürfte dieses Gebiet, wenn die Eisenbahn Kairo-Kapstadt ausgebaut wird, den Seehandel vermitteln. In Uganda gibt es jetzt vortreffliche Probrkolontcn, wo Versuche mit Tabak und Zuckerrohr gemacht werden. Von .Zeit zu Zeit entsendet die englische Regierung Fachgelehrte nach Ostasrika, die dort die wirtschaftlichen Verhältnisse studieren. Die Pflanzungen sind in dieser sehr heißen Gegend der Verwüstung durch Insekten ausgesetzt, gegen welche ein Schutz unmöglich ist. Die jüdischen Ackerbauer werden vielleicht vorläufig ihre Produkte schwer anbringen können, aber schon nach einigen Jahren wird die Eisenbahn fertig sein, wodann sie ein dauerndes, gutes Absatzgebiet haben werden. Ostafnka und besonders das Ugandagebiet ist frei vom gelben Fieber, die Luft ist dort gesund, so daß diesbezüglich nichts zu befürchten steht. Das angebotene Land ist für die Inden besonders deshalb empfehlenswert, weil es jetzt ganz unbewohnt ist und kein anderes Volk seine Interessen verletzt sehen wird. Höchstens werden die benachbarten Kaufleute, zumeist eingewanderte Engländer und Grieche», anfangs ein wenig eifersüchtig sein. Indessen gibt es in Afrika noch so viel Platz für den Handel, daß die bereits Angesiedelten durch die Entwicklung und Vermehrung der jüdischen Einwanderer keine Schwächung oder gar Ruinierung zu befürchten haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.