Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-05-27 · 22 (27.5.1904) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433045--2433-2436298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 22 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 27. Mai 1904 Seite 5 Blut übergegangen, ivas er sich dabei zu denken hat. Er hat sich nicht erst lange zu besinnen; er fühlt, worauf es ankommt: me Dinge im schärfsten Gegensätze zu unserer deutschen Art aufzufassen und zu behandeln, die durchaus individuell ist und vom Rechte der Persönlichkeit ausgeht. Wer dabei im Vorteil ist, lehrt die Geschichte des letzten Menschenalters, die nichts anderes als emen unwiderstehlichen Siegeszug des Judentums bedeutet. Mit dem Reichsgesetze vom 3. Juli 1969 haben wir uns seinem zielbewussten Gesamtwillen in aller Form ausgeliefert. Im Grunde ist dadurch aber nur beschleunigt und erleichtert worden, was schon längst im Gange war und sich unter unseren Augen noch heute da vollzreht, wo die Juden der gesetzlichen Gleichberechtigung noch ermangeln, wie vor allem in Rußland. Die harte und wegwerfende Behandlung, die die Juden dort amtlich erfahren, hindert sie durchaus nicht, hinter den Kulissen einen Einfluß auszuüben, von dem man sich bei uns kaum eine Vorstellung macht, ganz abgesehen davon, Laß dem getauften Juden, besonders wenn er sich der griechischorthodoxen Staatskirche anschließt, alle Wege offen stehen, die ihm sonst äußerlich verschlossen sind. Doch dies nur nebenbei. Um auf die Gründung des „Verbandes deutscher Juden" Zurückzukommen, so müssen wir uns vor Unterschätzung der Tatsache hüten, wenn wir sie andererseits auch nicht für grundlegend halten. Sie schafft nicht Neues, allein sie hilft die vorhandenen Kräftve noch einheitlicher und geschlossener zu gebrauchen als bisher und wir fürchten sehr, daß wir das zu unserem Schaden zu fühlen bekommen werden. Denn alles, was liberal ist, wird sich dem Judentum nun erst recht zur Heeresfolge verpflichtet fühlen und sich unter das caudinische Joch seiner unerbittlichen Herrschaft beugen." * ch * - Die JuderrerlSfse Plehwes. Das „Berliner Tageblatt" meldet auS Petersburg, daß der Minister dos Inner», Herr v. Plehwe, neuerdings ein geheimes Zirkular an alle Gouverneure erlassen hat, in dem der Polizei vorgeschrieben wird, daß sie keine Juden mehr Ausweisen darf, selbst wenn deren Anwesenheit in Städten und Ortschaften entdeckt wird, in denen ihnen der Aufenthalt sonst untersagt ist. (Wir fügen hinzu, daß wir diese Mitteilung des „Berl. Tageblatt" mit äußerstem Mißtrauen aufnshmen. Das „B. T." hat neuerdings einen russenfreundlichen Kurs eingeschlagen. Unsere Nachrichten widersprechen aber den Mitteilungen deS ,*8. T." Dagegen sind wir in dev Lage die Nachrichen über blutige Exzesse in Odessa, die daS „Jüd.Tageblatt" gebracht hat, auf Grund genauer Informationen zu dementieren. Anm. d. „Jüd. Volksbl.") * * * Professor Christian von Ehrenfels, obwohl selbst überzeugter R a s s e n t h e o r e t i k e r, nimmt in Nr. 18 der „W a g e" entschieden Stellung gegen die Uebertreibungen, wie sie von Seiten deutscher Chauvinisten versucht werden. Er schreibt: .... Auch in unserem Falle bewährt sich die Wahrheit, auf welche schon Nietzsche hingewiesen hat, daß, wenn -neue Gedanken sich den Beifall der Menge erwerben, dies gewöhnlich auf Grund irgendwelcher Mißverständnisse geschieht. An Stelle der dargelegten sozialpolitischen Einsichten, die "uns der Darwinismus eröffnet hat, finden wir in der Gunst der Menge das Dogmengebäude des. arischen R a s s e n chauv inism u s,,:«n dessen Ausgestaltung gegenwärtig eifrig gearbeitet wird. Dieses Gebäude enthält neben zweifellos Nichtigem auch viele noch unbewiesene und nicht wenige nachweislich falsche Annahmen ... Nichtig ist 1.: die Opposition gegen das unsinnige.Dogma von der konstitutiven Gleichheit aller Menschen, speziell der kulturellen Gleichwertigkeit aller Menschenrassen, 2. die Betonung der Tatsache, daß unter den gegenwärtig lebenden Menschenrassen die arische die höchsten kulturellen Leistungen vollzogen hat und somit als höchstwertige anzusehen ist, 3. die Einsicht in die Gefahren der Mischung hochwertiger mit minderwertigen Rassen im allgemeinen, -und speziell die Einsichtdaß der Untergang der vergangenen Kulturen zum großen Teil auf unglückliche Nassenmischung zurückzuführen ist. Zweifelhaft ist 1. das Bild, das von der Rassenzusammensetzung der gegenwärtigen Menschheit entworfen wird (hier ist noch vieles hypothetisch und unaufgeklärt), 2. der Grad der Präponderanz der arischen Rasse und die Triftigkeit jener vom französischen Grafen Gobineau inaugurierten Geschichtsauffassung, die der arischen Rasse so ziemlich alle kulturellen Leistungen der Menschen zuzuschreiben versucht. Falsch ist 1. die Geringschätzung namentlich d e r j ü d i s ch e n Ra s s e , die auf Grund ihrer kulturellen Leistungen jedenfalls den höchstbegabten Nassen beizuzählen ist. Mit dieser Geringschätzung des Wertes der jüdischen Nasse geht eine Ueberschätzung ihrer Verschiedenheit von der arischen Hand in Hand, sowie ein Uebersehen der viel wichtigeren und einschneidenderen Rassenprobleme, die in der Mongolenfrage der Lösung harren. . Falsch ist 2. die Auffassung, als seien Rasseukreuzuug und das Gegenteil davon, die Erhaltung der Rassenreinheit oder Inzucht, die einziger: Fakto'ren, welche die Konstitution der Rasse beeinflussen, sowie die Meinung, daß erstere immer von Nebel, letztere immer von Vorteil sei. Wenn man sich zur Bekräftigung dieses Satzes auf die Autorität Darlvins beruft, so bezeugt man gänzliches Unverstärrdnis seiner Lehre. Durch Inzucht können alle möglichen Merkmale gezüchtet werden; iirdifferente Merkmale ebenso gut wie konstitutiv ausschlaggebende, schlechte so wie grrte, Idiotismus ebenso wie Intelligenz. Das Bestimmende sind die äußeren Leberrsbedingurrgen und die.Richtung resp. das Vorhandensein einer Auslese in dem dirrch Inzucht abgeschlossenen Stamme — was von den Dogmatikern des R a s s e n ch a u v i n i s m u s durchaus ignoriert wird. Ebenso können durch Kreuzung vorzügliche Bildungen entstehen;^rramentlich auch — wie die Erfahrung zeigt — durch Kreuzung zwische n Ariern rr n d I u d e it. Auch erwüchse dem Bestände der arischen Rasse selbst bei vollständigem Aufgehen der jüdischen irr ihr keine wesentliche Gefahr, da wegen des starker: numerischen Ueberwiegens der Arier die Mischrasse doch wesentlich arischen Typus behielte. F a l s ch ist endlich 3. die Auffassung, als besäßen wir in der arischen Rasse schon die den Lebeirsbedingruigen der Gegenwart und der voraussichtlichen Zukrrnft bestangepaßte Merrscheirvarietät. Diese Auffassung ist extrem undarwinisch, denn die arische Rasse ist gezüchtet unter Lebensbedingllngeu, noch rrrrr ein gut Stück barbarischer als etwa bie_iu der Ilias oder Odyssee geschilderterr. Diesen Lebensbedirrgungen rurd rricht denen der Gegerrivrrrt ist die arische Rasse daher angepaßt. Seit der Veränderrurg dieser Bedingungen urrd dem Einsetzen der Zivilisation hat sich an der Rasse lverrig mehr verändert, rnindesterrs lvenig gebessert. Der arische Jdealtypus ist den somit umgestaltetenLebensbedingungen, wie die neue Zeit sie geschaffen, ebenso lverrig angepaßt, als etwa der Kürassier den Forderungen der modernen Kriegstechnik. Wer es versuchen wollte, mit Kürassieren gegen Hinterlader aufzrtmarschieren, tvürde einfach nredergeschosserr werderr. Die Rasse, wie wir sie für die Leberisbedingungerr der Gegerrlvart urrd — so weit sie vorauszBeheir sirrd — der Zukunft brauchen, haben wir noch rricht. Sie umß erst gezüchtet tverderrl Chronik. Inland. Gedenktage. I u n i. 1. 1846 geb. in Budapest Karoline Gomperz-Bettelheim, Korrzertsängerin. 1901 st. in Paris Eugene Manuel, bek. franz. Gelehrter und Dichter. 2. 1894 st. in Breslau der Lexikogr. Dr. Will). Freund. 3. 1879 st. Lionel Nath. v. Rothschild. 1886 st. in Zawitz Ed. Dreier, Schriftst. 4. 1838 geb. in Breslau der Ophthalmologe Prof. Herm. Cohn, Geh. Rat 6. 1848 geb. in Breslau Prof. Ludwig Geiger. 1896 st. in Berlin Maximilian Kraemer, d. Humor. Schriftst. 1899 st. irr Paris Gustave Bedarrides. 6. 1242 w. in Paris 14 Wagenladungen hebr. Schr. verbrannt. 7. 1874 st. der Kartier Abr. Firkowitsch. 1879 st. in Pisa Dr. Siegfr. Kapper, Arzt und Schriftsteller. 8. 1818 st. in Wien Fanny v. Arnstein geb. Jtzig aus Berlin. Silvan- 10. 1103 st. in Lucena N. Isaak b. Jakob Alfasi (Nif). 1902 st. in Berlin Rabb. Dr. B. Bär aus Graudenz. 11. 1823 geb. in Rosenberg Dr. David Rosin. 12. 1880 st. in Berlin Dr. Josef Aub, Rabb. in Bayreuth, Mainz und Berlin. 13. 1529 wurderr in Bösing (bei Preßburg) 30 Juden verbrannt und deren Kinder gewaltsam getauft. 45. 1827 geb. Rabb. Dr. Wolf Feilchenfeld in Posen. Die 11. ordentliche Generalversammlung des Tempel- und Schul-Vereins 6. Bez., Stumpergaffe 42, hat Sonntag den 8. Mai unter Vorsitz des Herrn Moriz Felsenburg bei zahlreicher Beteiligung stattgefundcn. Dieselbe nahm einen sehr interessanten Verlauf. An den Debatten, die mitunter recht lebhaft geführt wurden, beteiligten sich die Herren Färber, Teweles, Leib, sowie viele andere Vereinsmitglieder. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Moriz Felsenburg, Leopold Fürst, Leop. Werter, Em. Max Weiß, Max Knöpfelmacher, Heinrich Zollschan, Heinrich Münzer, Ignatz Braun und Isidor Duldner. Bei der Dienstag den 17. ds. konstituierenden Vorstands-Sitzung wurden die Herren Moriz Felsenburg zum Präsidenten, Leopold Fürst zum Vizepräsidenten, Heinrich Zollschan zum Schriftführer, Em. Max Weiß zum Kassier und I. Braun zum Kontrollor gewählt. Wien. Ueber Einladung des Mädchenvereines „Moria" hält Herr M. Berkowitz einen Zyklus von Vorträgen über „Die Geschichte der neuhebräischen Literatur" jeden Dienstag-Abend von 8—9 Uhr ab. Der stächste Vortrag findet Dienstag, den 31. ds. im Kongreßbureau statt. Gäste herzlich willkommen. Wien. Der Mädchenberein „M o r i a" veranstaltet Sonntag den 29. ds. einen Ausflug nach Neuwaldegg, von dort weitere Fußpartien. Zusammenkunft halb 2 Uhr nachmittags 1. Bezirk, Liebenberg-Platz. Gäste herzlich willkommen. Und grüß mich nicht unter den Linde«. . . . Welche traurige Rolle die Juden in der deutschen Fortschrittspartei spielen, beweist folgende Mitteilung der „Extrapost": „Nicht nur Gutmütigkeit, Vertrauensseligkeit und Lässigkeit bringen die fortschrittliche Partei vollends um, sondern auch Unaufrichtigkeit und Feigheit.- Als in T e t s ch e« kürzlich Gemeindewahlen stattfanden, ließen die „Fortschrittler" die Jüdin nicht einmal zu den Wählerversammlungen zu uud als ihre Führer darob interpelliert wurden, warum wan Wählern den Zutritt zu Wahlbesprechungen verbiete, da meinten diese Heldvn^ „Ja,.wir sind keine Antisemiten, aber die Radikalen könnten uns daroo vngretferu" Glaubt die „Gabl. Ztg.", daß «an solch einer Partei eine Zukunft prophezeien könne? Die meiste« Stimmen haben die Fortschrittler ins radikale Lager getrieben, weil sie nicht Farbe bekennen, mau geht lieber mit einer unsympathischen Partei, als mit einer feigen. Der Saazer Tag ändert daran nichts. Dr. Eppinger ist ein sehr anständiger Mensch, ein noch besserer Redner: Zu« Führer aber fehlt ihm das Talent der Autorität und ohne das kann ein Führer nicht wirken." Diese wackeren Tetschener „gelernten Deutschfortschrittlichen" schämen sich also ihrer jüdischen Anhänger. Wenn sich die Tetschener Jude» diese Bloßstellung ruhig gefallen lassen, so verdienen sie keine andere Behandlung. Wann werde« die Juden der Sudetenländer endlich einsehen, daß sie für den Liberalen nicht einmal gedankte Helotendienste tun! Der ReligiorrSlehrertag i« Lemberg. Das herrliche Pfingstfest, oder richtiger Schebuothfest hat uns Gäste aus ganz Galizien gebracht, die von uns mit lebhafter Sympatie begrüßt wurden. Die jüdischen Religionslehrer in Galizien gäbe» sich in Lemberg ein Stelldichein, um nicht bloß über ihre materielle Lage, sondern über die eminentesten Interessen unsere- Volkes — über den Religionsunterricht zu beraten. Daß ein solcher Beratungsdrang aus dem Innern jenes Teile» der Religionslehrer, schaft fließt, welcher über das nötige jüdische Wiffenskapital einerseits, wie über «ationales Empfinden andererseits verfügt, ist selbstredend. ES gibt aber noch eine Anzahl von Lehrern, denen die Qualifikation noch mangelt. Wir plaudern kaum ein Geheimnis aus, wenn wir Mitteilen, daß eS solche Religionslehrer gibt, die vielleicht gut qualifizierte polnische Sprachlehrer an den Volksschulen ehemals abgaben, aber absolut keine Befähigung zum Religionsunterricht haben. Konnte ja selbst ein christlicher Spaßvogel um einen Gulden — ein „Religionszeugnis" aus den Händen ei«es Rabbiners entgegennehmen. Jndeß tritt beim Le mb erg er Kultusvorstande das anerkennungswerte Strebe» zutage, akademisch und seminaristisch vorgebildete Religionsprofessoren an de« Mittelschulen anzustellen, was ihm auch gelingt. Und diese jungen Männer find ihrerseits vom heiligen Eifer beseelt, jüdisches Wisse» und jüdisches Wesen zu lehren. Sache des ReligionslehrertageS wird es nun fein, zu erkläre», daß bei uns der katechismenartig» Religionsunterricht gar nicht angeht; er verfehlt jeden ethischen Zweck. I» der Bibel im Urtexte liegt unsere Religionsquelle. Wir begrüßen daher diesen ersten und ernsten Religionslehrertag mit Freuden — als der gekommen» Moment der Erhebung unseres «ationalreligiösen Wesens aus seiner Erniedrigung. G a m u e l s o h n. , Antisemitismus im Heere. Wir haben wiederholt darauf hingewicscn, wie schwer es einem Juden gemacht wird, im Militärdienste vorwärts zu kommen. Wenn auch einzelne Dienstzweige in letzterer Zeit eine scheinbare Wönduirg zürn Besseren anfweisen, so sind dies eben Ausnahmen, die als Sensatiorr die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Die starrste Form des Antisemitismns hat unsere Marineberwaltung bewahrt. Hier wird auch das größte Talent nicht respektiert, ivenn cs das Unglück hat, einem Juden anzuhaften. So wird cs jetzt bekannt, daß der jüdische Linicnschiffsarzt Dr. Adolf Nobel bei dein jüngsten Mai- Avancemerrt nur aus dem Grunde übergangen wurde, weil er den väterlichen Ermahnungen seiner Vorgesetzten, aus seiuern Glauben „auszutreten" nicht Folge leisten wollte. Dr. Nobel, ein sehr tüchtiger Arzt, der öfters vom Staate auf verschiedene ausländische Kliniken entsendet wurde, zog es vor, seinen Dienst zu quittieren, nur seinen Glauben behalten zu können. Er hat sich vor einigen Tagen in Budapest als praktischer Arzt niedergelassen. Pester isr. Frauenveretn. > Die 38. ordentliche Generalversammlung des Pester isr. Frauenvereins fand unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Marie Herzl statt. . Der zur Verlesung gelangte Jahresbericht hebt in erster Reihe hervor, daß im abgelanfenen Verwaltungsjahre an momentanen Unterstützungen 29 292 Kronerr, an regelmäßigen monatlichen Unterstützungen 32 698 Kronen, an vierteljährlichen Zinsbeitvägerr 10 384 Kronen, an Heiratsausstattungs-Beiträgen 1215 Kronen und an Zinsen aus verschiedenen Stiftungen 2189 Kronen, zusammen daher 75 773 Kronen in Barem verteilt wurden. Im Mädchen-Waisenhauss dieses Vereins wurden 70 gänzlich verwaiste und in dessen Halbwaisen-Asyle 60 Mädchen erzogen und betrugen die Ausgaben für beide Anstalten, sowie für die teils extern, teils bei ihren Angehörigen untergebrachten 65 Mädchen, insgesamt demnach für 185 Waisenmädchen 82 644 Kronen 69 Heller. In der Volksküche dieses Vereins speisten vom 1. April v. I. bis 31. März d. I. 168 633 Personen ohne Unterschied der Konfession und hiervon gänzlich gratis 15 284 Personen — zum größten Teile arme Saldierende — außerdem in der Zeit vom 15. Dezember v. I. bis 16. März l. I. 5705 arme Schulkinder, darunter 800 Kinder gänzlich gratis. Dre Verwaltnngskosten der Volksküche betrugen 40 646 Kronen 90 Heller. Die Gesamtausgaben für sämtliche Verwaltungszweige seiner humanitären Wirksamkeit betrugen 202 191 Kronen 42 Heller, welchen nur Einnahmen im Betrage von 173 969 Kronen 16 Heller gegenüberstehen. Das Verwaltnngsdefizit von 28 222 Kronen 26 Heller wurde durch Abschreibung vom Vereinsvermögen gedeckt. Hierauf wurde jener zahlreichen Stiftungen, sowie der Legate und Spenden Erwähnung getan, welche im abgelaufenen Jahre erngeflossen und es ermöglicht haben, daß nach Abschreibung dieses bedeutenden Verwaltungsdefizits das Vereinsvermögen sich dennoch wieder um 78 388 Kronen 23 Heller erhöht hat. Die Verfügung, daß zum Andenken an jene dahingeschiedenen Stifter, welche das Besetzungsrechtihres Stiftungsplatzes dem Ausschüsse überlassen haben, in dem im Institute errichteten Tempel alljährlich ein besonderes Requiem abgehalten wird, wird auch für die Zukunft aufrecht erhalten und beschlossen, daß bei der alljährlich im Herbste stattfindenden allgemeinen Gedächtnisfeier! die Namen sämtlicher Stifter und Gründer dieses Instituts wieder verlesen werden sollen. Der Bericht hebt mit, besonderer Anerkennung die Verdienste des im abgelanfenen Jahre zurückgetrctenen Ausschuhmitglredes Frau Sigmund B. Geiger hervor. In pietätvoller Weise wird auch des allzu früh erfolgten Ablebens der beiden verdienstvollen Ausschußmitglieder Frau Dr. Bela v. Bamberger und Frau. Manfred v. Weiß Erwähnung getan, sowie der im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Ehrenmitglieder, und zwar der Herren Moriz Heidlberg und Horazö Ritter v. Landau und ans der Reihe der verblichenen Waisenhaus-Stifter der Damen Frau Adolf Brachfeld geb. Marie Weiser, Frau Abraham Schwarz geb. Katharine Fleischer und der Herren Josef v. Deutsch sen. und Alexander Ritter v. Lederer. Der Bericht wurde zur Kenntnis genommen, dem Ausschuß für das abgelaufene Verwaltungsjahr das Absolutorium erteilt und sowohl der Frau Präsidentin als auch den Frau Vizepräsidentinnen, Vorsteherinnerr und Ansschuhmitgliedern, ferner dem Vereinssekretär für ihr rastloses Wirken und schließlich der Presse für deren werktätige Unterstützung der beste Dank ausgesprochen. Zu Rechnungs- und Bilanzrevisoren wurden die Herren Ludwig v. Hevesy-Bisicz, Berthold v. Goldberger, Wilhelm Leipziger und Adolf v. Ullmann neuerlich, ferner Oberbürgermeister Joses Markus, Bürgermeister Johann Halmos und die Herren Ludwig Baumgarten, Sigmund L. Breitrrer, Max Grünbaum und Edrnund Mauthner in dankbarer Anerkennung ihres dem Verein gegenüber bekundeten Wohlwollens zu Ehrenmitgliedern gewählt. Antisemitische Kurorte. Borkum, Juist, Amrum, Langeoog, Zinnowitz, Saßnitz auf Rügen, Heiligenhaferr, Bad Leba in Pommern, Villa Seeblick urrd Potenbergs Hotel in Binz, GroßAcharz in Thüringen, Ferienheim im Mühlenthal bei Wernigerode, Bad Schwarzbach bei Wiegandsthal, Bad Herzbcrg am Harz, Schierke im Harz (Hotel Fürstenhof u. a. m.), Braunlage im Braunschweigischen, Gehlberger Mühle bei Oberhof, Dachroederrs Hof irr Salzbrunn, Oberweiler im Schwarzwald, Trautheim im Odenwald, das Pensionat am, Frauenkloster am Ottilienberg, Kurhaus Palmenwald in Frerrdenstadt (Schwarzwald), Hofhaus in Schliersee, Ettlingenweiler und Bruchhausen (Bad Schwarzwald), Pension Burgfriede bei Hahnerrktee im Harz, St. Johann bei Heiden in Appenzell, Volderbad bei Hall (Tirol), Gaisenstein, Jnner-Bartholomä, Bandaus in Montavon, Langhampseir, Grirrdelbruch im Unterelsaß, Luft- und Wasserkurort Eirröd bei Friesach irr Obersteiermark, Gasthof zur Grätirr irr Krrfstein, Kitzbühel, Mezzolombardo (Rest. Gröbner), Rerrtsch bei Bozen, Cafe Schgraffer irr Bozen, Sermione am Gardasee (Hotel promessi sposi), Hotel Schröder, gen. Villa Flora in Neuenahr. Das letztere Gasthaus ist nicht mit dem Hotel Carl Schröder identisch, dessen Besitzer dringend wünscht, nicht mit seinem antisemitischen Bruder verwechselt zu werderr. Insbesondere wiederholen wir unsere Warnung vor dem Besuche des Kurorts Braunlage im Oberharz, von dem — nebenbei gesagt — in dem Prospekt berichtet wird, daß er an sumpfiger Stelle erbaut und deshalb früher den Namen „Braunloch" bezw. „Brarrrrlach" erhielt. In dem Prospekte ist aber außerdem auf S. 6 zu lesen: „Israeliten werderr von den Braunlage besuchenderr Fremden nicht gern gesehen, deshalb finden dieselben irr den Hotels wie auch Privathäusern schwerlich Aufnahme!" Trotzdem wird in demselben Prospekt „Braunlage als Kurort für jeden erholungsbedürftigen Sommerfrischler" empfohlen. Dazu gehören zweifellos viele Juden; diese werden sich aber anderslvo besser erholen, als an Orten, die arrtisemitisch versumpft sind! — Aus Karlsbad wird im Interesse der jüdischen Badegäste berichtet, daß die Inhaber nachstehender Hotels, Häuser und Cafes in der antisemitischen Bewegung hervorgetreten sind: Hotel Morgenstern, National, de Nussie, Residenz-Hotel; die Härrser Grillparzer (Alte Wiese), Römischer Feldherr (Nene Wiese), Oelzweig (Marienbaderstraße), Jtalia, Florenz, Gerrnania (Schloßberg), Stadt Warschau, Insel Malt^, Roserrstock (Kaiserstraße), Brandenburger Tor (Kreuzstraße), Preußische Krone, Egeria, Diamant, Englische Krone (Egerstraße) und Schubert (Parkstraße) urrd das Cafe Sanssouci. (Wir bitten unsere Leser, uns über unangerrehme Erfahrurrgerr, die sie ihres Glaubens wegen irgendwo in Sommerfrischen machen sollten, zuverlässige Mitteilurrgerr zrrgehen zu lafferr. Die Redaktiorr.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.