Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 21 (20.5.1904)
- Date
- 1904-05-20
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien. Freitag Jüdisches Tolksblatt. 20. Mai 1904 Nr. 21 find, gefördert. Zur Entschuldigung der Hannoveraner können wir nur das anführen, daß die westfälische Juden, schaft sich stets durch große Leisetreterei ausgezeichnet hat. Petersburg. (Die wirtschaftliche Bedeutung der Judenfrage in Rußland.) Die russische Judenfrage wird gewöhnlich lediglich aus humanitären und politischen Gesichtspunkten beurteilt; sie hat aber auch eine große wirtschaftliche Bedeutung. Die Juden bilden zwar nur einen kleine« Bruchteil in der Gesamtbevölkerung des russischen Reiches (5 bis 6 Millionen unter ungefähr 130 Millionen Gesamtbevölkerung), allein beinahe alle russischen Juden wohnen in den Städten und alle Städte Rußlands haben insgesamt nur ungefähr 16 Millionen Einwohner. In den Städten aber, in den Mittelpunkten des wirtschaftlichen Lebens, bilden die Juden den dritten Teil der Bevölkerung. Das ist der Durchschnitt für das ganze Reich; in einzelnen Teilen desselben, und zwar in den wirtschaftlich entwickeltsten Teilen, wird dieser Durchschnitt oft beträchtlich überschritten. Das jüdische Anstedlungsgebiet grenzt an Rumänien, Oesterreich - Ungarn und Deutschland und umfaßt das in industrieller und handelspolitischer Beziehung wichtigste Gebiet des russische» Reiches. Schon infolge dieser geographischen Verteilung mußt« den Juden ein bedeutender Anteil an dem russischen Wirtschaftsleben zufallen. Es kommt aber noch hinzu, daß die rusiifchen Juden sich fast ausschließlich dem Handel, dem Handwerk und der Industrie gewidmet haben, namentlich dem Handel. Daraus hat sich ergeben, daß gegenwärtig ein sehr beträchtlicher Teil des gesamten russischen Handels, sowohl deS Innenhandels, wie deS Außenhandels, sich in den Händen der Juden befindet; la manchen wichtigen Punkten und in manchen wichtigen Branchen ist so gut wie der gesamte Handel in Händen von Juden, so |. B. in Odessa, in Kiew, in Warschau, so der Getreide- und der Holzhandel. Beim Außenhandel mit Deutschland und Oesterreich kommt den Juden noch die Sprache zu statten (die rusiifchen Juden sprechen bekanntlich jüdisch-deutsch) — vielfach auch der Umstand, daß diesseits der Grenze der Außenhandel mit Rußland ebenfalls zum Teil in Händen von Jude« sich befindet. In der Industrie ist der Anteil der Juden ebenfalls beträchtlich, wenn auch bei weitem nicht in dem Maße, wie im Handel. Nun ist aber die Industrie vielfach auf den Handel angewiesen und ebenso di« Landwirtschaft. Die ruffischen Inden bilden daher ein sehr wichtige- Glied rm rnffischen Wirtschaftsleben. Das ist zum Teil daS Verdienst der Juden selbst, zum Teil das Verdienst — der Regierung. Die Regierung war es, die ein« gleichmäßige Verteilung der Juden im ganze« Reiche und in den verschiedenen Berufen verhindert hat. Di« Negierung hat den Jude« verboten, sich außerhalb des Ansiedlungsgebietes niederzulaffsn, sie hat ihnen verbot«», außerhalb der Städte zu wohnen, sie hat ihnen schließlich den Beamteuberuf und verschiedene ander« intellektuell« Berufe verschlossen. Der jüdischen Tatkraft und der jüdischen Intelligenz sind nur Handwerk, Industrie und Handel freigelaffen worden; hier betätigen sie sich daher mit ihrer ganzen Kraft. So hat die russisch» Regierung nicht nur für die Quantität jüdischer Industriellen und Kaufleute, sondern auch für ihre Qualität gesorgt. Die wirtschaftliche Lage der russischen Juden entspricht indessen durchaus nicht ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Di« Masse der jüdischen Händler ist äußerst arm und führt ein wahres Hungerleben; sie sind eben viel zu zahlreich. Den jüdischen Handwerkern geht eS auch nicht besser. Die wirtschaftliche Bedeutung der Gesamtheit dieser armen Händler ist trotzdem sehr groß; ja, si« haben sich geradezu unentbehrlich gemacht. Die Situation ist jetzt derartig, vaß di« Interessen des russischen Handels und. der russischen Industrie eng verbunden sind mit den Interessen der jüdischen Bevölkerung Rußlands; jede Schädigung der Juden zieht zugleich andere Kreise in Mitleidenschaft. Co haben di« Judenkrawalle in Kischenew auch den rechtgläubigen Industriellen von Moskau schwere finanzielle Verlust» zugefügt, zugleich hat auch die Staatsbank beträchtlichen Schaden gehabt, denn sämtliche Wechsel Kischinewer Juden mußten prolongiert und manche von ihnen werden niemals eingelöst «erden. Das neue rumänische Börsengesetz. Aus Bukarest wird geschrieben: Die rumänische Kammer hat in kaum zwei Tagen den Entwurf des neuen Börsengesetzes durchgepeitscht, das nach der Absicht der Regierung dazu bestimmt ist, in Rumänien ein börsenmäßiges Leben und gesetzlich geregelte Zensur für den Handel mit Waren und Effekten zu schaffen. Das bis jetzt in Kraft befindliche Gesetz war bemüht, der Börse ein rein nationales, rumänisches Gepräge zu geben und die Folge davon tvar, daß die Fremden, oder besser gesagt, die Nicht-Rumänen, die unter den Kaufleuten und Bankiers an Zahl und Bedeutung überwiegen, der amtlichen Börse fernblieben, so daß diese, wie der Hanvclsminister selbst zugcstehcn mußte, zu einer bloßen „Fiktion" ohne jedwede praktische Bedeutung herabsank. Diesem Ilebelstande sucht das neue Gesetz wenigstens teilweise abzuhelfen. Die Börse wird nicht mehr wie bis jetzt durch die ausschließlich aus Rumänen bestehende Handelskammer gebildet, sondern eine Börsenkorporation geschaffen, der alle Firmen (also auch die fremden, das ist zumeist jüdischen Firmen) angehören, die seit mindestens zwei Jahren eingetragen sind. Auch im Börsenkomitee können die Fremden, wenn auch bloß bis zu einem Viertel der Mitglieder, Platz finden, die Stellungen des Präsidenten und des Vizepräsidenten des Komitees aber sind ausschließlich den Rumänen Vorbehalten. Die offiziellen Börsenmakler werden auf Vorschlag des Börsenkomitees vorn Handelsminister ernannt. Das Gesetz schließt die Möglichkeit nicht aus, daß auch Fremde in freilich verschwindender Minderheit zu Börsenmaklern ernannt werden, aber bei der Zusammensetzung der Komitees sowie nach den bisherigen Erfahrungen zu schließen, wird es wohl sehr selten Vorkommen, daß irgendein Fremder tatsächlich auf einen solchen Posten ernannt wird. „Bloß die von den Mitgliedern der Korporation direkt oder durch ihre Bevollmächtigten au der Börse abgeschlossenen sowie durch die offiziellen Makler innerhalb oder außerhalb der Börse gemachten Geschäfte werden als Börsenoperationen betrachtet und genießen infolgedessen die Erleichterung der Aburteilung durch das Schiedsgericht." Dem bei jeder Börse eingesetzten Schiedsgericht wird die Aburteilung von Streitfällen in Börsenangelegenheiten unterworfen, „tvenn die Parteien es nicht schriftlich anders ausgemacht haben". Das Schiedsgericht wird für jeden einzelnen Fall eingesetzt und besteht ans dem Präsidenten der Handelskammer und aus zwei Mitgliedern der Korporation, die nach einer gewissen Norm ausgelost werden. Die Kammer hat es für gut befunden, entgegen der ursprünglichen Bestimmung des Entwurfes, wenn auch mit Bewilligung des Ministers, zu beschließen, daß die Mitglieder des Schiedsgerichtes bloß Rumänen sein können, und hat damit dieser Einrichtung einen national-chauvinistischen Anstrich gegeben, der geeignet ist, ihr unter den gegebenen Verhältnissen von vornherein das Vertrauen der überwiegenden Anzahl der Bürsenbesucher zu rauben. Ein weiterer Artikel besagt, daß „cnrßer dem ans Grund dieses Gesetzes eingesetzten Schiedsgericht andere Schiedsgerichte in keiner Form werden funktionieren können." Im Anschluß daran ist bereits in der Kmmer von autoritisierter Seite erklärt tvorden, daß die in Galatz und Braila aus der Initiative der dortige» Kanfleute und Bankiers hervorgegangenen privaten kommerziellen Schiedsgerichte, die unbeeinflußt von jeder nationalen Voreingenommenheit tätig waren und sich in der kurzen Zeit ihres Bestandes trefflich bewährt haben, ihre Wirksamkeit werden einstellen müssen. Unter solchen Umständen kann man Voraussagen, daß die Börse auch unter der Herrschaft des neuen Gesetzes nicht viel mehr als eine «Fiktion" bleiben wird, wie denn überhaupt das .Hineintragen eines schlecht verstandenen Nationalismus in die wirtschaftlichen Einrichtungen sich bis jetzt stets als ein sehr ernstes Hemmnis für die ökonomische Enitvicklung des Landes dargestellt har. Noch immer versäumen es viele jüdische Einwanderer in den Vereinigten Staaten, sich naturalisieren zu lassen. Sie haben dadurch einmal viele persönliche Unannehmlichkeiten, ferner vermindern sie dadurch den Einfluß des jüdischen Elements, der in Amerika zum großen Teil ans der Stimmenzahl beruht, die bei den Wahlen ins Feld geführt wird. Daher ist es mit Freuden zu begrüßen» daß der Orden Bnai B'rith im East Side von New-Dork ein Naturalisations-Burean errichtet hat. Dort erhalten die Einwanderer Auskunft über alle einleitenden Schritte, um das amerikanische Bürgerrecht zu erlverben. Missionäre in Kiew. (Orig.-Korr.) Im wunderschönen Monat Mai, in dem in Kiew die Hauptsaison des Jahres mit ihren endlosen Festlichkeiten beginnt und die Kiewer reichen jüdischen Bürger nach den umgebenden villaähnlichen Sommerwohnungen zu übersiedeln beginnen, da erwachen auch aus ihrem scheinbaren, langen Winterschlumm«r unsere angeblichen besten Freunde — nämlich die Judenmissionäre. Sie erwachen zu neuem Leben und frischer, öffentlicher Tätigkeit, und ihre salbungsvollen Reden fließen so mild und sanft wie Thautropfen auf's Gras, vorzugsweise aber in dem „Kiewer Bahnhof", einem Gebäude, w'o alljährlich um diese Jahreszeit tausende unserer Brüder durchreisen. — Es war ein regnerisch-mürrischer Donnerstag, als ich mich vom Bahnhofe „Jrscha" nach Kiew begab. Meine Genoffen im Wagen aus Radomisel waren in der denkbar ungünstigsten Stimmung über die traurige Lage, die jetzt in Rußland herrscht und wetterten ganz tüchtig auf die mißlichen Verhältnisse, die Heuer die schönen Badereisen verderben. Der Zug war mit Menschenmassen erfüllt, die trotz der kritischen Lage auf einige Zeit in die Kiewer Sommerwohnungen eilen, um Gesundung und Vergessen von allen möglichen Leiden zu finden. In Kiew angelaugt, peitschte uns der Regen unermüdlich und wir mußten einige Stunden im Wartesaal dritter Klaffe Platz nehmen. An einem Tische saßen zwei Juden neben einem Haufen verschiedener Bücher und erzählten laut, daß sie im verflossenen Jahre eine nicht unbeträchtliche Anzahl Juden für die allein selig machende Kirche gewonnen hoben, worunter sich auch mehrere gelehrte Talmudisten befanden. Um diese Erfolge aber noch zu vergrößern, meinten die fraglichen Redner, wäre ein größerer Geldzuschuß von Seiten des christlichen Publikums höchst erwünscht, widrigenfalls aber würde ihr gottgefälliges Werk nur recht langsame Fortschritte machen. Ein christlicher Herr, der ebenfalls diese Reden anhörte, redete die zahlreich anwesende Versammlung etwa folgendermaßen an: Das Miffionswesen ist, wie ich denke, im allgemeinen wohl empfehlenswert, wenn nämlich die zu bekehrende Nation aus Hottentotten, Negern, Chinesen oder Japanern besieht, die barbarischund unwissend sind und zugleich auch Götzendienst treiben. Anders verhält es sich aber mit der Iudenmissivn. Denn die Juden sind keineswegs das, was die besagten Völkerschaften tadelhaft erscheinen läßt; sie sind<vielmehr zivilisiert und gottgläubig, und wir selbst verehren dasselbe Buch, welches sie selber heilig halten. Ja, ihre 'Propheten sind auch unsere Propheten, und ihr Losungswort: »Höre, o Israel, der Herr ist unser Gott", ist im gewissen Sinne auch das unsere. Außerdem sind ja die Juden höchst loyale Bürger im Staate, sie sind im jetzigen Kriege ziemlich stark vertreten. Die zwei Missionäre waren verblüfft über diese Sprache, erwiderten nichts und ich dankte dem Allgütigen für den mürrischen Tag, der mir aber die Freude brachte, solche Worte aus einem C h r i st e n m u u d e vernommen zu haben. Mitteilungen aus -rm PnIrUimm. Zu Beginn des Sommers, namentlich im Hinblick auf die Saison der Ferienkolonien, stellt sich das lebhafte Bedürfnis heraus, für die verwaisten Kinder, die armen Pfleglinge der Kultusgemeinde, entsprechende Kleidung zu beschaffen. Sicherlich tun wir keinen vergeblichen Schritt, lucuti wir an die wohlhabenden Familien die Bitte richten, sie mögen uns durch freundliche Zuwendung von Kleidungsstücken jeglicher Art in den Stand setzen, die Not dieser Aermsten in dieser Hinsicht zu lindern. Daß hiedurch auch in moralischer Hinsicht ein Gutes geschieht, bedarf keiner besonderen Erwähnung, geht ja gewöhnlich mit der äußeren die innere Vernachlässigung Hand in Hand. * Gefällige Zuschriften und Sendungen wollen gerichtet werden an Direktor I. Mautner, 2. Bez., Leopoldsgasse 3. Lemberger Brief. (Wahlangelegenheit. — Monitor kontra Polenklub. — Galizische Judenaustreibungen im Frieden.) Es bleibt beim Alten — insoweit der unerbittliche Tod uns nicht einige teure Häupter entriß. Die Wahlaktion ruht in festen Händen des Vorstandes — des mehrfachen Millionärs Herrn Samuel de Horowitz. Dieses Gefühl der alten Diktatur, welche das ehemalige Konsortium der Hypothekenbank vor Jahrzehnten errichtet hat, und die jeden mit ihm in Berührung kommenden Geschäftsmann zum Stimmorgan ihrer Willkür machte, kann noch immer nicht überwunden werden; daher di« Stagnation in einer so wichtigen Gemeindeangelegenheit. Es wäre müssig, bei dieser Lethargie, bei dieser Empfindungslosigkeit, dem Stigma der inneren und äußeren Unfreicheit — einen Kampf gegen die Vorstandsliste anfzunehmen. Es gab Zeiten, in denen der Lemberger Kultusvorstand mit sage 60—70 Wählern — als gewählt—ausgerufen wurde und es bedurfte sauere Arbeit des Vereines „Schma Israel" Hunderte an die Wahlurne zu zaubern. Bei den gegebenen Verhältnissen der Versumpfung des Gemeingefühls muß mau der Vorsehuug dank wissen, daß gemäßigte Uebergangsmenschen im Vorstände sitzen, w DJ Wie die Ausgleichsverhandlungen mit den Czechen und die ehrliche Maklerei des Polenklubs nun einmal stehen, kann nicht mehr ein Geheimnis sein. Ministerpräsident Dr. Körber scheint gemerkt zu haben, was alles binter jenen grauen Nebeln jenseits des Ausgleichs sich versteckt — und gab nun rechtzeitig Gegenordre. Obschon scheinbar kein jüdische- Interesse tangiert wird, wenn Bruder Czech mit dratr Lech ein politisches Ehebündnis eingeht, flößt dieses Bündnis doch den gali zischen Juden wenig Sympathien ein. Nun kommt das alte geflügelte Wort: „Wer den Schaden erleidet, darf für den Spott nicht sorgen", wieder zur Geltung und der Polenklub, der das Non poffumus des Ministerpräsidenten sich holte, kann sich über etwaigen Mangel an beißenden Spott nicht beklagen; denn der „Monitor" schüttet seine kaustische Lauge auf die Häupter der „Negimentarzy" (Führer) des Polenklubs aus. Wir wollen einige Stellen aus der Nr. 19 des Monitor hierher setzen: Unter der Aufschrift Wrkiwani meklarzy „Die gefoppten Makler" läßt sich das Blatt also vernehmen: Die Anführer des Polenklubs, dessen Ansehen wegen der Affairen des Abgeordneten Wilk, Walewsky und Niementowsky so sehr gefallen sind, haben seit einigen Wochen sich herumgetrieben in den Salons und Couloirs und in den Miuister-Antichambres. Am meisten lief der armenische Mäkler herum, da er auch seinen Braten holen möchte. Die galizische Presse verbreitete sich natürlich über die dominierende Stellung des Polenklubs im Reichsrate und über die Geschicklichkeit der Makler. Unzweideutig gab sie zu verstehen, wenn jemand das Parlament retten wird, sei es nur Dudio (David) Abramowiez und der alte Befehlshaber (desPolenklubs) Jaworski. Noch mehr — es wurde bereits davon gesprochen, daß die politischen Makler Dr. Körber aus dem Sattel heben und ein neues parlamentarisches Kabiner bilden werden. Derweil nach mehrwöchentlichem Unterhandeln blieb der Polenklub ratlos in der Rolle eines aufgesessenen Mäklers. Die Czechen setzen ihre Obstruktion fort und hinter dem Rücken setzen sie ihre Verhandlungen mit Dr. Körber durch andere Leute fort. Die Südslaven sind schon fast mit der Regierung geeinigt und erhalten Zugeständnisse ohne den Polenklub. Die Italiener haben sich mit den Deutschen über die italienische Universität geeinigt, die Deutschen ihrerseits .. ... gaben zu verstehen, daß ihnen kein Bergnügeu wacht mit den „Mäklern" zu verhandeln. Obmann Jaworski. welcher alle seine Pläne zu Wasser werden sah, entschied sich sogar, Stimmen im Abgeordnetenhause zum Sturze Körbers zu sammeln.... im letzten Augenblick verlor er die Courage und feuerte nicht ab. Ihr weiteres Verlangen dem Kaiser vorgestellt zu werden, um zu klagen über die ihnen wiederfahrene Mißachtung, gelang nicht, denn auch da sperrte ihnen Dr. Körber die Türe. Heute lacht Körber über das Mißlingen des Planes der Mäkler. Der Artikel erhebt sich zu folgendem drastischen Schluffe: „Heute nach den mißlungenen Anläufen zeigt sich es ganz deutlich, daß im Polenklub Köpfe fehlen, es fehlt der Geist zur Politik im großen Stile. Es geht noch an, wenn es sich handelt, um Erwirken von Konzessiönchen von Bahnen, oder zur Errichtung einer Fabrik, oder Posten und Syneknren zu verschaffen bei den Ministerien, Orden und Exzelleuztitel zu erwirken, allein Kabinete zu stürzen/ Einiger und Trenner von großen Parteien zu sein, daß ist von dem beschränkten (?) Gehirne eines Abramowiez zuviel verlangt." Wir erlauben uns nur den Widerspruch im Punkte der Schwäche. Weiß denn der geehrte in heimischen Dingen so unterrichtete Autor gar nichts von der eisernen Hand dieses Klubs, mit der er das galizische Israel einerseits niederdrückt, andererseits hunderttausende unserer Brüder ohne Schwertstreich, aus ihrem geliebten galizischen Heim hinaustreibt. Kolka rolnicze — Salzmonopvl et tut: quanti — wo seid ihr, ihr Geisteskinder der Schlachta?! Gesetzgebung gegen Fremde nnd Inden in England. Aus London wird geschrieben: Wir tragen noch zu der bereits gemeldeten Annahme der Aniifremdenbill den Verlauf der Debatte nach: Im Unterhause erfolgte bei der zweiten Lesung des Gesetzes gegen die Fremdeneinwanderuug in England der erste Angriff der Opposition ans diesen Gesetzentwurf in Gestalt eines Antrages des- Sir Charles Dille, dem Gesetzentwurf hinzuzufügen, daß die Maßregel nicht das bisher Verfolgten gewährte Asylrecht verletzen solle, und dabei zn betonen, daß nach Ansicht des Parlaments der schlechtbezahlten Arbeit der Fremden am besten durch gesetzliche Maßnahmen gegen die Ausnützung der Arbeiter entgegenzutreten sei. Sir Charles Dille zweifelte die Nichtigkeit der von dein Home-Secretarp gegebenen Daten an. Es habe die ganze Zahl der in England eintressenden Ausländer als Eintvanderer bezeichnet und dabei außeracht gelassen, daß neun Zehntel der Leute Durchreisende wären. Der Einfluß der FremdeneiiUvandernng ans die schlechten Löhne der Arbeiter in gewissen Distrikten sei stark übertrieben worden. Bei weitem der größte Teil der Fremden in England führe einen tadellosen Lebenswandel, lasse sich als Bürger nichts zu Schulden kommen und zeige einen geringeren Prozentsatz an Todesfällen als die Bevölkerung der angrenzenden Distrikte. Sir Charles Dille tvar der Ansicht, daß dieses Gesetz mit der antisemitischen Betoegnng zu tun habe, die in gewissen Kreisen Loitdons geschürt werde. Dieser Meinung trat auch Mr. Trevelyan bei, der das Haus ernstlich ersuchte, nicht dem Antisemitismus, der sich in anderen Teilen des Landes bemerkbar mache, nachzugeben. Es werde natürlich niemand dagegen etwas einzuweudeu haben, wenn mau Verbrecher und mit Krankheiten behaftete Personen, so tveit sich diese entdecke» ließe», ansschließe, aber dieser Gesetzentwurf tuende sich auch gegen solche Personen, die verfolgt lvürdeu und kein anderes Verbrechen auf sich geladen hätten als das der Armut. Auf der anderen Seite erklärte Major Evans G o r d o n, daß ettvaS geschehen müsse, um den Fremdenstrom, der riach England komme, zn filtrieren. Es tväre seines Erachtens besser gewesen, tvenn man unbemittelten Allsländer überhaupt niemals ins Land gelassen hätte. Mr. A s g u i t h sprach für den Antrag des Sir Charles Dilke, aber vor einem beinahe leeren Hause, da das Interesse an dieser Frage, tvahrscheinlich weil man sich schol» entschlossen hatte, lvie mail stimmen wollte, eilt geringes tvar. Asquith erklärte.