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Jüdisches Volksblatt · 1904-05-20 · 21 (20.5.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
21 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 20. Mai 1904 hielt der Josefstädter Rabbiner Dr. M. Baue r, der in gewohnter, formvollendeter Rede die Verdienste des Verewigten um das Judentum würdigte. Oberkantor S. Kwartin, der mit dem ausgezeichneten Tempelchore den gesanglichen Teil der Trauerfeier versah, hat sich wieder als vollwertiger Sänger bewährt. Der Feier wohnte ein zahlreiches, distinguiertes Publikum-bei. Der Tempelvorstand war beinahe vollzählig anwesend. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Brigittenau".) Das ziemlich schöne Wetter des vergangenen Sonntags lockte viele Ausflügler hinaus ins Freie, um an dem vom Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Brigittenau" veranstalteten Feste in Weidling am Bach teilzunehmen. Das Programm unter der artistischen Leitung des Herrn Schwalb fand reichlichen Beifall. Besonders erwähnenswert aus dem Programme find die Gesangsvorträge des Tenors Herrn Schwalb, der mit seiner kräftigen Stimme Arien aus verschiedenen Opern sang; nicht minder gut waren die ernsten Vorträge des Herrn Liebroß, sowie die Heike ren Vorträge des Herrn Siegfried Flesch, welch letzterer immer wieder vor die Rampe mußte. Klaviervirtuosin Fräulein Eugenie Flesch spielte einige mit großem Beifalle aufgenommene Klavier piecen. Geradezu vorzüglich waren die humoristischen Vorträge des Herrn- Arthur Bauer, die reichlichen Beifall ernteten. In mustergiltiger Weise besorgte Herr Rudolf Rosenthal die Rezitation Rosenfeld'scher Gedichte, die in einer Weise ausgenommen wurden, die alle Erwartungen übertroffen hatte, so daß der Genannte immer wieder ettvas „draufgeben" mußte, um endlich beinahe ganz heiser das Podium verlassen zu können. DaS Elberfelder System in Prag. Die Reform der Armenunterstützung ist auf dem Wege der Durchführung — in Prag. Es ist hiebei eine Anlehnung an das b ewährte Elberfelder System gesucht und gefunden worden. Damen und Herren der besten jüdischen Gesellschaft Prags haben sich freiwillig angrboten, die Verhältnisse der Armen persönlich zu prüfen und in Evidenz zu halten. Nach Maßgabe der so ermittelten Verhältnisse wurden den Dürftigen von der Armenkommission regelmäßige Unterstützungsbeiträge bewilligt, die teils durch Subvention der Kultusgemeinde, teils durch Subskriptionen freiwilliger Geldspenden aufgebracht wurden. Zur Information über den jetzigen Stand wie zur Beratung weiters notwendiger Maßnahmen hatte die Armenkommission für Sonntag, den 8. d. M., 10 Uhr vormittags, in den kleinen Saal der Produktenbörse eine allgemeine Pflegeversammlung einberufen. Unter Vorsitz des Obmannes der Armenkommisfion Herrn Gottlieb S ch m e l k e s referierte Herr Ernst Busch über die bisherige Tätigkeit der in opferwilliger Weise als Pfleger wirkenden Damen und Herren, die sich auf die bedeutende Anzahl von nahezu 600 Armenpositionen erstreckt, deren Bezüge für das Jahr 1904 mit 70.000 Kronen präliminiert sind. Herr Moriz Schick, der sich in hervorragender Weise um die Reorganisation des Armenwesens verdient gemacht hat, dankte twu Anwesenden für die pflichtgetreue und unermüdliche Ausführung des freiwillig übernommenen Pflegeramtes und setzte in sachlicher und überzeugender Weise auseinander, daß es die vornehmste Aufgabe einer modernen Armenpflege sei, die Armen zur Arbeit heranzuziehen und ihnen Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Diese Arbeitsbeschaffung müsse in Verbindung treten mit dem bereits bestehenden Vereine für Arbeitsnachweis und als ihr Endziel die Errichtung selbständiger Arbeitsstätten erstreben. Die mit großem Beifalle aufgeuommenen Ausführungen schlossen mit einem Appell an sämtliche Pflegerinnen und Pfleger, an jene Gemeindemitglieder, die sich bisher materiell noch nicht beteiligten, heranzutreten, um sowohl für die weiters notwendige Unterstützung als auch für die Errichtung von Arbeitsstätten die notwendigen Mittel zu beschaffen. (Wir propagieren schon seit lange, leider ohne Erfolg, diese Reform in Wien. Anm. der Red.) Pohrlitz. (Todesfall.) Vor einigen Tagen starb hier die Präsidentin des Fcauen-Wohltätigkeitsvereines, Frau. Rosalie Haas. Die starke Beteiligung aller Bevölkerungskreise am Leichenbegängnisse gab Zeugnis von der Hochachtung und Wertschätzung, deren sich die Verblichene erfreute. Aussendung von jüdischen Bolkspflegerinnen nach Galizien. Das von der Großloge des XI. O. B. B. eingesetzte Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels, das bekanntlich als Zweigkomitee des großen Deutschen National-Komitees ausgenommen ist, hat dieser Tage die erste, aus 3 Damen bestehende Deputation von Bolkspflegerinnen nach Galizien entsandt. In einer vor längerer Zeit in Hamburg stattgehabten Versammlung der großen jüdischen Vereinigungen, auf der außer dem oben genannten Komitee die ratsamte nicht eingeladen hatte. Darüber zerbricht man sich nach der „Dreßl. Zeitung" in Lrssa den Kopf und das genannte Organ der freisinnigen Volkspartei bereitet sich das billige Vergnügen, hinzuzufügen, daß der Abg. Wolfs als Mitglied der „freisinnigen Vereinigung" in „Flotten-, Heer- und Kolonialfragen sich stets regierungsfreundlich bekundet" habe. Das letztere ist nicht einmal richtig, weil Herr Wolfs dem Reichstage, zu dessen Kompetenz diese Fragen gehören, nicht cmgehört. Richtig ist, daß Herr Wolfs für die Wahl des konservativen Abg. Schmidt gearbeitet hat. Wer keinen Kopf hat, kann sich den Kopf auch nicht zerbrechen, verraten aber wollen wir der „Breslauer Zeitung", welche sich ja stets durch eine rührende Naivetät in jüdischen Angelegenheiten auszeichnet, daß der Abg. Wolfs Jude ist und Nepräsentanten-Vorsteher der SynagogeU-Gemeinde in Lissa. — Nach einem Ausspruche des früheren Bromberger Regierungspräsidenten von Tiedemann sind die Antisemiten in der Provinz Posen „die Totengräber des Deutschtums". Herr von Tiedemann, der Mitbegründer und Leiter des sog. Hakatisten-Vereins muß das wissen. Ein königlich preußischer Lanorat als — Totengräber des Deutschtums? — Garnicht übel! - ■* ' , ' . +5 Arrs dem dimkelsten Newyork. Miß Bertha Liebson, die „Jungfrau von Orleans" der Newyorker Ostseite, hat sich zur Führerin der proletarischen Bevölkerung diesegrößtenteils von russischen Juden bewohnten Stadtteils in ihrem Kampfe gegen die wucherischen Spekulationen der Hauswirte gemacht. In Maffen-Meetings, Flugschriften und Zeitungsartikeln protestiert die gedrückte Masse unter der Führung ihrer erst siebzehnjährigen Heldin gegen das Hinaufschrauben der Mieten im „dunkelsten Newyork", dem größten Ghetto der Welt. 2000 Familien, die nicht imstande waren, die gesteigerten Mieten zu bezahlen, sind exmittiert. Das unerschrockene, junge Mädchen, daß mit seiner Familie selbst dem Schicksal der Exmission verfallen ist, hat den äußerst beifällig aufgenommenen g'7°ß-?Ch°'s'sid7mSzaiHcS-7Komitat' ES sei hi» noch jV°rschl°S --macht. «o°p«r°tiv-G-n°ss-»sch°st-n zum Bau van -rw-hut. daß in Bud-p-st« literarischen Kreisen -in- B-w-gnng | ^skas-rn-n zu ^^d'n. du an^halb d-^ H°usb-,id-rtrustiuitiiert wurde, welche es durchführen will, daß die Leiche der ersten Frau Jokais, geborene Rosa v. Laborfalvy exhumiert und neben Jokai in dem zu errichtenden Mausoleum bestattet werde. Unterstützung jüdischer galizischerAbbrändler. Mit Rücksicht darauf, daß fast alle Jahre einige, hauptsächlich von Juden bewohnte galizische Städte durch Feuersbrunst verwüstet werden, haben die galizischen Vereine in Amerika beschlossen, einen Brandschadenfonds zu gründen, aus welchem die durch Brandschaden verarmten Brüder in der alten Heimat unterstützt werden sollen. Da in New-Iork allein ungefähr vierhundert verschiedene jüdische Vereine bestehen, deren Mitglieder aus Galizien stammen, hofft man, bald eine ansehnliche Summe aufzubringen und dadurch zu verhindern, daß die galizischen Juden sich nach einem Brande mit Bittgesuchen an die Juden anderer Länder wenden, welche in der Regel durch Unterstützung ihrer einheimischen Brüder zu sehr in Anspruch genommen sind. Den Jnpuls zu dieser Bewegung hat der jüdische Brand in B o c z a c z gegeben. r Jahresschluß wird es zeigen, ob diese „Renitenzder jüdischen Schülerinnen in Kolomea in ihren Schulzeugnissen zum Ausdrucke kommen wird. Chrzanow. Aus Rache darüber, baß sie aus dem Schanklokal des Ignatz Weinmann hinausgeworfen worden waren, verwüsteten mehrere Burschen aus Spytkowice auf dem jüdischen Friedhofe daselbst eine große Anzahl Gräber, zertrümmerten die Grabsteine und demolierten stellenweise die Friedhofsmauer. Erst als die Gen darmerie anrückte, flüchteten die Burschen, doch gelang es, zwei derselben, Szibulka und Ledwoy, festzunehmen. Aus Kolomea wird vom 13. April berichtet, daß an diesem Tage hier die Gattin des Bürgermeisters und Präsidenten der Kultus-Gemeinde Herrn Josef Funkenstein selig entschlafen ist. Die Bestattung der irdischen Hülle fand am Mittwoch den 13. April unter allgemeiner Teilnahme der Bürgerschaft der Stadt Kolomea statt. Die Verstorbene war längere Zeit hindurch Vorsitzende der hiesigen Mädchen-Anstalt der Baron Clara Hirsch-Gereuth-Stiftung, Mißbräuche aber zwangen sie, in letzter Zeit von diesem Ehrenamte zu resignieren. Dieselbe ist als Wohltäterin hier allgemein bekannt. Die jüdische Witwe Moritz Jokais, geborene Bella Groß nicht „N a g y", wie die assimilatorischen Blätter schrieben, genoß eine streng religiöse Erziehung. Sie blieb auch bis zu ihrem Betreten der Bühne religiös. Zuerst suchte sie ihr Fortkommen als Erzieherin in einem jüdischen Hause, hat aber die Stelle verlassen, weil ihr daselbst die Kost nicht koscher genug war. Ihr Vater, von dem sich ihre Mutter vor Kurzem scheiden ließ, ist »Büchsenträger" bei der Pester „Chewra Kadischah". Er äußert es oft seinen Bekannten gegenüber, daß er zur Verehelichung mit Jokai nie zugestimmt habe, was zu einem Familienzerwürfnis geführt hat, da sich Mutter und Tochter um sein Veto nicht kümmerten. Der Großvater der hochgeborenen Frau Dr. Moritz Jokai" war ein Gruppe besteht aus den Dameu Frau Saul Kohn, Schwester Hulda Nordwald und Fräulein Martha Baer. Frau Kohu wird in erster Linie die Organisation der Frauen-Vereiue in Galizien in die Wege leiten, Fräulein Baer sich mit der Einrichtung von Krippen, Kindergärten, Toynbee-Hallen und dergl. befassen und Schlvester Hulda Nordwald geht als Oberin au das Lemberger jüdische Krankenhaus. Die Kosten werden von dem genannten Komitee so lange getragen, bis eine Uebernahme der Damen durch die galizischen Organisationen erfolge,! kann, was bezüglich der Oberin Fräulein Nordwald schon in aller Kürze geschehen wird. Es dürfte nicht lange währen, bis der ersten Gruppe eine weitere folgen ivird. Pole« und Inden, lieber einen interessanten Vorfall, der sich am 3. ds. in einer höheren Mädchenschule in Kolomea zugetragen haben, soll, weiß das «Jüdische Tagblait" zu berichten. Der drrtte Mai wird von den Polen als der Gebnrstag der Konstitution, welche ihnen in, Jahre 1701 gegeben ivuvbc, als nationaler Gedenktag gefeiert'.- Hauptsächlich geschieht dies in ven polnischen Schulen. Die Klassenlehrerin der siebenten Mädchenschulklasse in Kolomea ordnete nun an, verflossenen 3. Mai an, daß die ganze Klasse zum Zeichen der Feier die p o l n i s ch e Nationalh h m n e singe. Da fiel es der Lehrerin auf, daß die jüdischen S ch ü l e r i n n e n n i ch t m i t s i n g e n. „Was heißt denn das?" schrie die allpolnische Pädagogin in patriotischer Entrüstung, „tv e nn di e r u thenis ch e u S ch ii leri n n e „ nicht ,il it f in o e ii, s o i st das b e r e ch t i g t. aber sind denn d i o I u d e n keine Pole n?" Da erhob sich plötzlich ein mutiges Inden,nädchen und machte die Lehrerin in ruhigem, aber entschiedenem Tone darauf aufmerksam, daß die Inden t a ts ä ch l i ch k e i n e P o l e u sondern eben Inden seien. Und nn ihre jüdischen Mitschülerinnen gewendet, forderte sie dieselben auf, sich des Gesanges der polnischen Nationalhumne zu enthalten. Der Ausland. Die Exzesse gcge»r die Juden in Kifchenew. In dem Prozesse wegen der Ausschreitungen gegen die Juden im April 1903 wurde heute das Urteil gefällt. Zwei Angeklagte wurden wegen Stratzenunruhen zu drei Monaten Gefängnis mit Verlust einiger Rechte, zwei wegen schwerer Verletzungen von Juden zu einem Jahre schwerer Haft und zwei wegen Mordes zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sechs wegen Mordes angeklagte wurden freigesprochen. Die Zivilfordernngen wurden als unbegründet zurückgewiesen. Großfürst Sergins und der jüngste Judenerlaß Plehwes. Durch den jüngsten Judenerlaß des russischen Ministers v. P l e h w e wurden bekanntlich die Gouverneure und Polizeichefs im Reiche angewiesen, mit Rücksicht auf den Krieg in Ostasien die angeordnete Ausweisung der Juden ans jenen Ortschaften, in denen ihnen der Aufenthalt nicht gestattet ist, bis auf weiteres einzustellen. Großfürst S e r g i u s, der Generalgouverneur von Moskau, richtete hierauf an Minister v. P l e h w e die schriftliche Anfrage, ob die von ihm verfügte Einstellung der Judenausweisungen sich auch auf Moskau beziehe, wo der Aufenthalt von Juden von Alexander III. nicht geduldet wurde. Auf diese Anfrage ist nun, wie die „Oßwo boschdenje" meldet, folgende charakteristische Antwort des Ministers v. Plehwe, Zahl 935 eingetroffen: „In der Frage der temporären Sistierung der Judenausweisungen beehre ich mich, Eurer kaiserlichen Hoheit zu melden, daß diese Verfügung in den Grenzen des Moskauer Generalgouvernements bloß in dem Umfange durchgeführt werden darf, in welchem es auf Grund der Weisungen zulässig erscheint, welche Eure Hoheit dem Gouverneur und dem Oberpolizeimeister von Moskau zukommen lassen." Die Judenausweisungen aus Moskau haben nun auch begonnen. Jüdischer Grundbesitz in Rußland. In Nr. 19 unseres Blattes gaben wir die statistischen Daten, welche sich auf den Grundbesitz der Juden in Russisch-Polen beziehen. Nun liegen solche offiziellen Daten inbezng auf das ganze russische Reich vor. Diesen zufolge besitzen die Juden teils eigentümlich, teils in Pacht insgesamt 2 381 057 Desjatin Boden. In den zehn Gouvernements von S ü d- und W e st - R u ß l a n d, in welchen sich der Ansiedlungsrahon der Inden befindet, besitzen die Juden 1 265 085 Desjatin, d. h. 1.8 Prozent des Gesamtbodens dieser Gouberneinents. Hievon bilden 38 Prozent Eigentum der Juden, während 62 Prozent von ihnen gepachtet ist. In den 33 Gouvernements des enrop ä i s ch e n R n ß l a n d sind 746 640 Desjatin, in S i b i r i e n 18 753 Desjatin, im Kaukasus 5 072 Desjatin und in Mitte l a s i e n 2490 Desjatin Boden teils als Besitz, teils als Pachtgut in jüdischen Händen. Der Landtagsnbgeordnete Jnstizrat Wolfs in Lissa hat gelegentlich eines Besuches des Oberpräsidenten eine verletzende Zurücksetzung erfahren durch den dortigen Landrat, welcher Herrn Wolfs, der Stadtverordneten-Vorsteher ist und in dieser Eigenschaft den Oberpräsidenten auf seiner Rundfahrt durch die Stadt begleitete, zu dem unmittelbar darauf stattfindenden Festmahle in, Landihren Mitgliedern billige, gesunde Wohnungen zu schaffen vermögen. Ravbinerkonferenz in Amerika. Die diesjährige Jahreskonferenz der amerikanischen Rabbiner wird in der letzten Juniwoche und der ersten Juliwoche in Louisville stattfinden. Das Programm der Jahreskonferenz, welches sehr reichhaltig zu werden verspricht, wird in den nächsten Tagen publiziert werden. Eine jüdische Universität in New-Uork. Wie mitgeteilt wird, haben die Doktoren Adler und Schlechter jüngst vor einer Versammlung jüdischer Honoratioren unter großem Beifall den Plan einer jüdischen Universität in New- Aork entwickelt. Weimar. Aus der, wie alljährlich Ende April hier stattgehabten Generalversammlung der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft ist auch für uns der Festvortrag des Professors Dr. Koppel-Straßburg über „Konfessionelle Strömungen in der dramatischen Dichtung des Zeitalters der beiden ersten Stuart-Könige" von besonderem Interesse. Der Redner führte unter anderem ans: Daß die Bühne, der Spiegel der Zeit, in einer an dramatischen Dichtungen so Überteichen Zeit, wie es die Periode der beiden ersten Stuart- Könige Englands war, auch den verschiedensten Konfessionen ihr Bild zeigen wird, ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist aber auch, daß diese Spiegelung in den meisten Fällen keine reine, sondern eine durch die persönlichen Anschauungen des Dichters getrübte, oft auch verzerrte sein wird. Für Shakespeare ist die Frage, welche Gruppe der gespaltenen Christenheit er angehörte, schon oft aufgeworfen und erörtert worden. Redner will deshalb nur versuchen, aus der Fülle der dramatischen Dichtungen der unmittelbaren Nachfolger Shakespeares die Erscheinungen herauszuheben, die uns am tiefsten in die konfessionellen Stimmungen der Zeit blicken lassen, die uns Rückschlüsse auf die Empfindungen der englischen Volksseele gestatten. Den bündigsten Aufschluß werden wir bei diesem Bestreben über die Meinung des Volkes von den Juden erhalten; auf eine ihnen geltende Frage gibt uns das Volk durch die der Volksbühne dienenden Dichter die unzweideutigste Antwort. Allerdings, wenn wir zunächst die von der älteren Bühne den Dramatikern gebotenen Typen des jüdischen Charakters betrachten, so finden wir eine erfreuliche Verschiedenheit der Auffassung, in der auch die Möglichkeit einer sehr günstigen Beurteilung, einer Verherrlichung des Judentums geboten war. Redner beweist dies an Robert Wilsons „Drei Damen von London". Der Rückschlag gegen diese günstige Auffassung des jüdischen Charakters war bcr denkbar heftigste. Die Toleranz des 13. Jahrhunderts zeigte dann im allgemeinen ioieder sympathische Judengestalten mrf der Bühne. Für das englische Volk gab es keine jüdische Gefahr, aber es gab für den national gesinnten, auf dem Boden der Reformation stehenden Engländer eine römische und eine spanische Gefahr, von deren Vereinigung er die schlimmsten Folgen für sein Vaterland befürchtete. Den dramatischen Kampf gegen Rom und Spanien führten Dekker, Middleton. Barnes, Randolph und Bunhcm. Es fehlte aber auch nicht an Dramen, deren Verfasser ganz offenkundig für die katholische Sache eintreten, zum Beispiel Massinger, einer der begabtesten Epigonen Shakespeares. Das protestantische Gefühl der Nation verschaffte sich Geltung in den bereits erwähnten Spielen Dekkers und Middletons sowie in einem der zahllosen Stiicke ~ ' """ ' dem Juden, ihren Tracht, Sprechweise und Abneigung gegen jeden Schmuck man verspottete, sind sie unterlegen. Zerschmetternd traf die Faust des Puritaners die Bühne. Wer die dramatische Dichtung der Aera der beiden ersten Stuart-Könige in sich anfninnnt, dem drängt sich immer wieder die Erkenntnis auf, daß er die Erzeugnisse einer absterbende,i Kunst vor sich hat, daß die Welt des schönen Scheines zu einer Wvlt des leeren Scheines geworden ist, daß die englische Dichtung dringend einer neuen Vertiefung bedarf. Und diese Aufgabe hat der Puritanismus trotz der jeder Kunst feindlichen Richtung vieler seiner Mitglieder glänzend gelöst. Die jüdische Gemeinde Hannover gegen die „jüdische Turnerschast Hannover". Daß nicht nur in Oesterreich, sondern auch in Deutschlands viele Kultusgemeinden es als ihre erste Aufgabe betrachten vor allem jede Betonung des „Jüdischen" zu unterdrücken, kann man auch an dem Vorgehen der jüdischen Gemeinde Hannover erkennen. In Hannover ist ein Verein „Jüdische Turnerschaft" gegründet worden, der statutengemäß nur unbescholtene Juden als Mitglieder aufnimmt. Sofort wurde privat eine Agitation entfaltet, um die Mitglieder des Vereines, die großenteils Angestellte sind, »auszuhungern". Nicht genug daran, raffte sich der Vorstand der Kultusgemeinde zu einem feierlichen Proteste auf. So wird das Judentum von den Kreisen, die es zu vertreten berufen

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