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Jüdisches Volksblatt · 1904-05-20 · 21 (20.5.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
21 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdische« Volksblatt 20. Mai 1904 Nr. 2l Noch einmal die Wiener Gemeinderntsmahlen. Löbliche Redaktion! Der Ausfall der Wahlen ist bereits in diesen Blättern gewürdigt worden, aber die Wichtigkeit de- Gegenstandes wird es erklärlich machen, daß ich auf das Thema: Abstinenz oder Beteiligung zurückkommen. Aeußerlich hat die Wahl nicht viel zu bedeuten. Die Stärke der Parteien hat eine unwesentliche Aenderung erfahren und die liberale Presse erklärt deshalb, um ihre Leser und — sich zu trösten, daß Allebeim Alten geblieben ist. Dem ist aber nicht s o. Es war zwar für niemanden ein Geheimnis, daß die Wiener im christlichsozialen Lager stehen, aber bei keiner Wahl hat eS sich ergeben, mit welcher A u S s ch l i e ß l i ch k e it das der Fall ist. Eine Partei, die, wie die Christlichsoziale, ihre Gegner mit eben derselben Leichtigkeit im vierten wie im ersten Wahlkörper wirft, ist schon des Studiums wert. Und die Wahrheit muß gesagt werden, auch wenn sie uns Juden bitter schmeckt. Denn darüber herrscht in urteilsfähigen Kreisen kein Zweifel: Die Liberalen siegten nur in den Bezirken und in den Wahlkörpern, in denen Juden die Mehrheit der Stimmen haben: Innere Stadt, Leopoldstadt, Alsergrund. Eine einschneidende Wandlung hat sich damit vollzogen. Im vierten Wahlkörper haben die Liberalen nie den Kampf versucht, ein Umstand, der für dieses Zerrbild einer Partei bezeichnend ist, den dritten Wahlkörper gaben sie nach den ersten Stürmen preis. Länger hielten sie sich im zweiten Wahlkörper, den sie, solange er zu den Liberalen hielt, den „Wahlkörper der Intelligenz" nannten. Bald erklärt sich aber auch die „Intelligenz" gegen die Liberalen. Den ersten Wahlkörper aber hielten sie für alle Ewigkeit für ihr Eigentum. Und auch da wurden sie gestürzt. Daß es nur die Juden waren, die die letzten Reste der Liberalen in den Gemeinderat entsenden, erhellt daraus, daß in Bezirken wie Josefsstadt und Mariahilf, die bei den vorletzten Wahlen noch liberal wählten, nicht einmal ein Wahlkampf versucht wurde. Bezeichnend für diese Verhältnisse ist eine Umfrage im ersten Wahlkörper des Bezirkes Neubau. Dort sprachen sich von zirka 1000 Wahlberechtigten nur 130 überhaupt für die Aufstellung von fortschrittlichen Kandidaten aus. Das entspricht so ziemlich der Anzahl der jüdischen Wähler. Doch genug der Konstatierungen. Jch^wende mich der wichtigeren Frage zu. Was ttlttt? Daß es mit der bisherigen Methode nicht weiter geht, sieht der Blindeste. Die „N. Fr. Pr." kann die schönsten Leitartikel schreiben, sie wird den Dr. Lueger damit nicht stürzen. Sie mag den Zustand der Wiener Straßen in den schwärzesten Farben schildern, sie mag uns die schönsten Geschichten über die „Wiener Wüsten" erzählen, sie lockt damit keinen, Hund vom Ofen. Aber auch die O p p o si t i o n im Gemeinderate vermag nichts. Wir glauben nicht, daß die geistreichen Zwischenrufe des einen, die phantasievollen Ausführungen des anderen, oder die Phillipika des dritten den Christlichsozialen schaden werden. Im Gegenteil. Die Angriffe von außen bewirken nur, daß sich die Reihen im Innern dichter schließen. Und es ist öfter vorgekommen, daß die Anträge des Stadtrates im Plenum nur dadurch gerettet wurden, daß Herr Zifferer oder! Dr. Mittler in der gewohnt glänzenden Weise gegen sie sprachen. , Auch die Scheidung zwischen Gemäßigten und Radikalen j im antisemitischen Lager wird durch die Anwesenheit der, Liberalen nur aufgehalten. Wenn die Spannung zwischen Gregorig und Lneger am höchsten ist, dann kommt Dr. Mittler und — die Zwei sinken sich gerührt in die Arme. Solange Dr. Mittler, Zifferer und Genoffen Deutschtum, Freiheit und Fortschritt „retten" werden, kann sich eine gemäßigte Richtung innerhalb der christlichsozialen Partei nicht mit Erfolg geltend machen, da die Radikalantisemiten aus diesen „Rettungen" immer neuen Angriffsstoff ziehen. Und das kann uns Juden nicht gleichgiltig sein. Deshalb halte ich die Abstinenz der liberalen Gemeinderäte für das allein Richtige. Hochachtungsvoll Dr. P. Ein neuer Verein zur Kolonisation Palästinas. Das Werk der Besiedelung Palästinas hat durch eine neue Organisation, die eben tu Wien geschaffen wurde, eine bedeutsame Forderung erfahren. Ist schon die Tatsache, daß zu den bestehenden KolonisationsgeseNschaften eine neue hinzugetreten ist, an sich non großer Tragweite, so lassen die Umstände, unter denen die österreichische Organisation entstanden ist, gerade diese Neuschöpfung als einen tvcsentlichen und von allen jüdischen Parteien mit gleicher Sympathie zu begrüßenden Fortschritt der Palästinabewegung erscheinen. Die Initiative zur Gründung des Kölonisationsvercines ging in Wien von den an der Spitze der Kultnsgemeinde stehenden Kreisen aus. Der allverchrte, auch als politische Persönlichkeit hervorragende Präsident des Wiener Gemeindevorstandes, Doktor Alfred Stern, hatte von Oberrabbiner Güdemann und Baurat Stiaßnh aufs lvärmste unterstützt, trotz seiner absorbierenden Amtstätigkeit die Zeit gefunden, alle organisatorischen Vorarbeiten persönlich durchzuführen und sich dadurch um das Gelingen des neuen Werkes ein hohes Verdienst erworben. Ein zweites bedeutsames Moment liegt darin, daß die offiziellen Führer des Zionismus in voller Würdigung einer so verdienstlichen Förderung des Palästinawerkes durch die einflußreichsten Kreise sich dem Kolonisationsvereine freudig und rückhaltlos anschlossen und so für ein gemeinsames Wirken aller jüdischen Parteien auf dem Gebiete der Palästina-Kolonisation die Basis schufen. So reicht denn die Bedeutung des eben entstandenen Vereines wei: über die Grenzen Oesterreichs hinaus. Die konstituierende Versannulung des österreichischen Kolonisationsvereines fand am Freitag, dem 13. Mai 1904 über Einladung des Präsidenten Dr. Alfred Stern im großen Sitzungssaale der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde statt. Die hervorragendsten Rrepräsenianten aller im öffentlichen Leben hervortretenden Gruppen der jüdischen Bevölkerung waren dem Rufe gefolgt und es war ein Augenblick voll Feierlichkeit, als der Vorsitzende diese Versammlung, die für die Palästinaidee alle Parteizwistigkeiten zurückrreten ließ, zur fmjnellcn . Gründung des Kolonisationswesens anffordcrte. In beredten, mit allgemeinem Beifall aufgenommeuen Morren setzte Dr. Stern auseinander, wie schon während der unlängst geschlossenen Palästina-Ausstellung der Gedanke, einen solchen Verein in Wien ins Leben zu rufen, aufgetaucht wäre. Er wies auf das große Ziel hin, tvelches Vereinen dieser Art, wie etwa der in Deuischtand bestehende „Esra", vorschwebt und sprach die bestimmte Erwartung aus, daß alle Parteien der jüdischen Gemeinden Wiens und anderer österreichischer Städte an diesem Werke in voller Einigkeit und in regster Weise sich beteiligen werden. Hierauf erteilte der Vorsitzende das Wort an Dr. Alfred Aussig, der als Vertreter des Pariser Zentralkomitees und der Berliner Propaganda-Kommission der Kölonisationsvereine im wesent¬ Nacht gewichen war, war das zwölf Mann aus unserer Kom- und ehe der Tag der barbarische Urteil durch pagnie vollstreckt... Ich war einer der zwölf, welchen die blutige „Ehre" zuteil wurde, den unschuldigen Menschenbruder zu ermorden! Zur „Parade" wurde ein ganzes Regiment Soldaten kommandiert. Draußen vor der Stadt, in der nächsten Nähe des japanischen Friedhofes, wurde die Zeremonie durchgeführt. In einer eleganten Equipage, mit strahlenden Orden auf seiner stolzen Brust, kam der General, der Kommandant der Parade, angefahren. Hinter ihm flogen seine Adjutanten hin und her, so ernst und so geschäftig, als würde es sich um die Besiegung einer ganzen japanischen Armee handeln. Ich stehe in der Front, durch meine Glieder fährt ein eisiger Schauer. Vor meinen Augen wird es plötzlich dunkel und nur durch einen Nebelschleier sehe ich ungefähr hundert Schritte vor mir entfernt einen schwarzen Holzpflock und hinter dem Pflock ein Häuflein frisch aufgeworfener Erde: das Grab für den „Spion".. . . Da wird er nun herbeigeführt, der Todeskandidat! Aller Angen sind auf ihn gerichtet, er schreitet ruhig und gelassen vor seinen Henkern einher. Der Scharfrichter will ihm die Auge:» mit einem schwarzen Tuche verbinden .. . Ec hat noch Zeit, einen kurzen, raschen Blick zu werfen auf den japanischen Friedhof, einen letzten Blick auf das Grab seiner Braut. Der Henkersknecht bindet den Unglücklichen an den schwarzen Pflock... Ich stehe wie angewurzelt auf meinem Platze, unbeweglich wie eine Statue... Meine Sinne sind wie ausgestorben. . . Plötzlich überkommt mich ein unsägliches Gefühl, ich möchte in ein wildes, unbezähmbares Gelächter ausbrechen.. . Der Adjutant verliest das Urteil... „Auf Befehl Seiner kaiserlichen Majestät u. s. w. ." Das Opfer fleht ruhig, er versteht kein Wort russisch, so wenig, wie er es begreifen kann, weshalb er jetzt sterben müsse, weshalb er jetzt hingerichtet werderr soll. Ist es nicht zum Lachen?! „Auf Befehl Seiner kaiserlichen Majestät!" Der Kaiser hat mich mit Gewal herausgerissen aus meiner Familie, hat mich mit Gewalt in eine grobe Gewandung gesteckt, mir mit Gewalt die Flinte in die Hand gedrückt und befiehlt mir jetzt einen unschuldigen Menschen zu ermorden! Was hat mir dieser Mensch denn getan? Sehe ich ihn doch heute zum ersten und letzten Male! Vor drei Monaten noch wohnte ich in K i s ch e n e w und er — in Tokio! Und ich muß den Faden seines jungen Lebens entzweischneiden! Ich muß, wohl zielend, eine Kugel in sein Herz jagen — auf Befehl Seiner kaiserlichen Majestät! Schrecklich Der Adjutant hat die Verlesung des Urteils beendet und das Opfer steht noch immer ruhig, unbeweglich an den Richtpflock gefesselt. Vielleicht ist er gar schon tot, vielleicht hat der Schreck vor dem Tode uns die „Arbeit" bereits erspart? „Vorwärts, marsch!" kommandiert unser Lieutenant und wir zwölf „Auserlesenen" treten aus der Front. Mein Atem stockt, mein Herz steht still ... mir ists, als wenn das Leben aus meinem Körper geflohen wäre . .. ich bin nur noch eine tote Maschine, die durch eine fremde Kraft bewegt wird, ich bin kein Mensch mehr.., ich bin eine automatische Flinte. . . Der Kaiser hat mein „Ich", den Menschen in mir zerhackt in kleine Stückchen, sie dann in einen Schmelzofen geworfen und sie so lange in dem brennenden, siedenden Ofen der Disziplin gelassen, bis aus mir eine Flinte geworden! Der Lieutenant kommandiert: „Zielt!" Wirerheben unsere Büchsen ... mein Menschenbruder steht noch immer rnyig... Ob er noch atmet? .., Wir zielen, mein Finger liegt auf dem Stückchen Eisen, welches ich niederzudrücken habe.... Wie wenn tausend Ameisen sich auf meinen Finger gesetzt hätten, so stichts... „Feuer!" erschallt das Kommando unseres Lieutenants.... Zwölffaches Krachen... eine dichte Rauchwolke... ein Blutstrom... und er steht nicht mehr wie vor einer Minute so ruhig und unbeweglich... er zappelt... er martert sich ab, er möchte seine Hände aus den Fesselndas Herz, auf einen Spion zu s chießen lichen folgendes ausführte: Seit kurzer Zeit macht sich ein mächtiges Aufblühen der Arbeit an dem palästinischen Siedelungstverke bemerkbar. ES entstehen neue Gesellschaften zu genoffenschaftlichem Bodenkanf in Palästina. Zwei große Organisationen, die sich früher allerdings ans verschiedenen Gründen an der Kolonisationsarbeit in Palästina nicht beteiligten, die Jca und der politische Zionismus, greifen mm mit erheblichen Mitteln ein. Die Palästina-Kommission hat die Erforschnngstätigkeit ausgenommen, es werden Schulfarmen, Handelsgesellschaften und neue Kolonien gegründet. Die Kolonisationsvereine endlich erwachen zu neuem, kräftigem Lebeu. In den letzten sechs Monaten ist für das Palästinawcrk mehr geschehen, als in den letzten sechs Jahren. Diese erneuerte Tätigkeit ist daraus zurückzuführen, daß die jüdischen Kolonien nach einer langjährigen Krise, welche durch mannigfache Fehler in der Anlage und der Führung derselben veranlaßt war, endlich zu wirtschaftlicher Blüte gelangt sind und das Siedelungswerk demnach gute Aussichten bietet. Wenn nun heute an die Bildung neuer Kolonisationsvereine geschritten wird, so muß schon das Statut derselben so verfaßt sein, daß jene verhängnisvollen Fehler der ersten Versuchspcriode vermieden werden. Dem österreichischen Verein fällt die Ausgabe zu, ein derartiges, auf den bisherigen Erfahrungen und auf gesunden wirtschaftlichen Prinzipien basiertes Musterstatut zu entwerfe»!. Das alte Untcrstützuugssystem, welches Schnorrerbauern züchtete, muß durch das der wirtschaftlichen Selbstständigkeit vertreten tvcrdcn. Die Kolonisation soll nicht nur eine landwirtschaftliche, sondern auch eine industrielle sein, nicht nur Palästina, sondern auch die Nachbarländer umfassen. Alle mit einer rationellen Kolonisationstätigkeit zusammenhängenden Maßnahmen, rvie Erforschung des Landes, Versuchsstationen, Auskunft für bemittelte Emigranten, Bildung von Siedelungsgcnossenschaften, Erwirkung günstiger Ansiedlungsbedingungen bei den Landesverwaltungen usw. müssen in das Programm der Kolonisationsvereine ausgenommen werden. Hierbei müssen die Vereine mit dem früheren System, kleine, vereinzelte, lebensunfähige Schöpfungen auf eigene Hand zu gründen, prinzipiell brechen und in ständiger Zusammenarbeit mit allen verwandten Institutionen an dem großen, planvollen Siedelungstverke nach Maßgabe ihrer Kräfte sich beteiligen. Die Diskussion cröffnete Dr. E. F. Weisl, Vizepräsident der allgemeinen österreichischen Kolonialgesellschaft, mit fachmännischen Bemerkungen über die erwünschteste Methode der Kolonisation in Palästina. Er tvarnte vor überstürzter Großkolonisation und verlangte vorsichtige Kleinkolonisation uns wachsender Stufenleiter. Auch sollte die Kolonisation nicht reine Ackerbaukolonisation, sondern eine gemischte, also auch gewerbliche sein. Schließlich betonte der Redner die Unerläßlichkeit der Kooperation, da nur mit großen Mitteln wirklich Bedeutendes geschaffen werden könne. Hieraus erhob sich Architekt Oskar Marmore!, Mitglied des Aktionskomitees der zionistischen Organisation, um im Namen seiner! Parteigenossen den nenentstehendenKolonisationsverein aufs ivärmste l zu begrüßen. E-v gab die Erklärung ab, daß die Leitung des politi- | schon Zionismus, unter Wahrung ihres abweichenden Standpunktes; und ihrer weiter reichenden Ziele, die Förderung der Pälästinakolonisaiion durch andere wichtige Gruppen der Judenheit nur als hochwillkommene Unterstützung ihrer eigenen Bestrebungen auffassen; könne und demzufolge dem österreichischen Kolonisationsverein die getviß nicht zu verachtenden Kräfte ihrer Partei voll zur Verfügung stelle. tteber Antrag des Rabb. Dr. David wurde nun, angesichts der Einhelligkeit, mit der alle Anwesenden der Idee der Gründung einesKolonisationsvcreines zustimmten, eine Kommission gewählt, welche sich mit dein Entwürfe der Satzungen und den Vorbereitungen zur Organisierung des Vereines zu beschäftigen hat. Die Komreißen. Noch eine letzte konvulsivische Bewegung und er ist wieder ruhig, unbeweglich wie zuvor ... ein Menschenleben weniger auf der Welt!... Und ich liege zwischen den übrigen Henkern! Die Büchse entfiel meinen Händen und ich liege zusammengebrochen auf der Erde... „Verfluchter Jude! Feigling!" ruft mir der Lieutenant zu und versetzt mir einen Stoß mit den Füßen. Aber ich fühle ihn nicht. In meinem Hirne tobt ein wilder Sturm, in meinen Ohren tönt es, wie ein trauriges Glockengeläute: „Kain! Kain! Wo ist dein Menschenbruder Abel?" Eine Minute später sah und hörte ich nichts mehr, ich hatte das Bewußtsein verloren! Volle drei Tage lag ich so, bewegungslos und ohne Lebenszeichen im Spital. Erst heute früh habe ich das Bewußtsein wieder erlangt. Der erste Gegenstand, den mein geistiges Auge erblickte, war der Japaner. Ich sah ihn, wie er am Nichtpfahl stand, mit den toten Augen gegen den japanischen Friedhof gewendet. Ich wollte mich von meinem Lager erheben, aber ein plötzliches Gelächter, das von allen Seiten auf einmal in meine Ohren scholl, warf mich zurück. Alle 'haben mich ausgelacht: die „barmherzige" Schwester mit dem roten Kreuze auf dem Aermel, der Feldscher, die Krankenwärter und die Kranken. Unter Lachen erzählten sie, wie ich ans den „Spion" geschossen, wie ich, gleich nachdem ich losgedrückt hatte zusammenbrach und man mich dann in das Spital brachte. Und ich wurde mit Zurufen, wie „Jud'l" und „Feigling!" überschüttet. Der Doktor erschien, kam auf mein Bett zu und betappte meinen Puls. „He, he!" wendet er sich lachend zum Feldscher und zur Barmherzigen, „der „2kl“ ist schon wieder gesund, er kann wieder Kommißbrei essen! Nun soll er 'raus l" „Ich weiß nicht, wozu uns die jüdischen Soldaten in unserer Armee eigentlich sollen!" meint die barmherzige Schwester, „sie sind alle Feiglinge; sie haben nicht einmal

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