Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 20 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 13. Mai 1904 Seite 3 kenswerter Weise unterziehen, auf Kosten der Kultusgemeinde bei gestellt werden. , t w Endlich muß ich auch diesmal bemerken, daß rn mcht allzu ferner Zeit daran gedacht werden mutz, yssue Friedhofgründe zu erwerben; der Grund am Zentralfriedhofe ist zum großen Teile schon belegt und am Döblinger Friedhof ist keine einzige Grabstätte mehr vorhanden. Daß eine solche Erwerbung mit bedeutenden Auslagen verbunden sein wird, brauche ich wohl nicht des Näheren auszuführen. Es mutz, wie dies tatsächlich auch schon seit Jahren geschieht alljährlich ein Teil der Einnahmen des in Rede stehenden Kapitals hiezu reserviert werden; der weitaus größere Teil wird, wie schon bereits erwähnt, Wvhltätigkeitszwecken zugeführt. , Zum Kapitel „Alte Friedhöfe" ist zu bemerken, dag auf dem Währinger Friedhofe eine Parkanlage unter voller Aufrechterhaltung seiner altehrwürdigen Physiognomie hergestellt wurde Es ist dies insbesondere der tatkräftigen Initiative unseres Herrn Präsidenten Dr. Stern und der dankenswerten, uneigennützigen Mühewaltung unseres Mitgliedes Vaurat Fleischer zu danken. Ich komme nun zu dem — vomfinanziellenStand punkte aus — unerfreulichsten Kapitel der Ge meindeverwaltung. zum Spitale. Die Einnahnvn betrugen im Berichtsjahre K. 31 181.17, ore Ausgaben K. 301 731.99, so daß sich ein Zuschuß von K. 220 550.82 Ungefähr K. 50 000.—- der Einnahmen betragen die Zinsen des Erhaltungsfonds und der Stiftungen und Widmungen — gewiß eine verschwindende Ziffer gegenüber dem Erfordernis —-^der Rest besteht aus Verpflegsgebühren zahlender Kranker. Diese Verpflegsgebühren haben sich im Vorjahre um rund K. 12 000. bet mehrt, was hauptsächlich auf die Eröffnung der chirurgischen und gynäkologischen Abteilung zurückzuführen ist, deren Bau- und Einrichtungskosten — wie Ihnen bekannt ist — in gewohnter Hoch Herzigkeit von den Freiherren von Rothschild getragen wurden. Die Erhöhung der Ausgaben um K. 24 000.— gegenüber dem Vorjahre 7st nur scheinbar so gering, weil unter denAusgaben desJahres 1902 für Adaptierungen zirka K. 110 000.— figurieren, während im Jahre 1903 für diesen Zweck nur ungefähr K. 36.000.— ausgegeben wurden. Die Differenz zwischen diesen beiden Beträgen von rund K. 76 000 — zuzüglich des im Jahre 1903 ausgewiesenen Mehrznschusscs von K. 24 000.—, zusammen zirka K. 100 000.— stellt jene Summe dar, mit welcher das Budget der Gemeinde durch die Erweiterung des Spitales alljährlich neu belastet wird. Während andernorts die Ausgaben für konfessionelle Spitäler und Wohltätigkeits-Anstalten zum allergrößten Teile durch Fonds und frei willige Spenden gedeckt sind, ist dies bei uns nicht der Fall, es müssen vielmehr die großen und immer steigenden Ausgaben für diese Anstalten aus den lausenden Einnahmen der Gemeinde gedeckt werden. Das ist auch die hauptsächlich. eUrsache, warum die Finanzen unserer Gemeinde n i e s o recht in das Gleichgewicht kommen können und warum in manchen Fällen gespart werden muß, wo es vielleicht weniger am Platze ist und wenn ich mir die Frage vorlege, wie dem abgeholfen werden könnte, so muß ich sagen, daß ich keine andere Möglichkeit hiefür sehe, als durch Gründung eines Fonds seitens privater Wohltäter. t, Zu den Kosten für das Spital gesellen sich die Ausgabeii für den Abschnitt E. Versorgumgs-Anstalt. , Den Einnahmen pro K. 72 078.86 stehen Ausgaben im Be trage von K. 146 716.28 gegenüber, so daß, sich ein Zuschuß von K. 73 637.40 ergibt. Dieser Zuschuß übersteigt jenen des Vorjahres um rund K. 9000.-—, weil die Einnahmen sich um K. 16 000.—, dagegen die Ausgaben um K. 24 000.— vermehrt haben. Ich kann nicht umhin, dieses Mehrerfordernis im Hinblicke auf den Umstand, daß sich der Verpslcgsstand der Versorgungsanstalt seit dem Jahre 1902 durch die Belegung des 3. Stockwerkes der Siechenabteilung um zirka 50 Personen vermehrt hast als sehr gering zu bezeichnen; daß diese Ersparnisse eintraten, daß der Zuschuß für die Versorgungsanstalt um mehr als K. 25 000.— geringer ist, als im Präeiner Erinnerung machte, hat gerade dieses Kapitel herausgegriffen, * liminare vorgesehen war, ist hauptsächlich das Verdienst des in der um zu konstatieren, daß hieraus der Gemeinde nur Ausgaben er-> Bersorgnngs-Anstalt wirkenden Ehrendamen-Komitees, dem für wachsen, wo leicht Einnahmen zu schaffen wären. Ich glaube, daß! seine hingebungsvolle Tätigkeit der wärmste Dank gebührt, speziell dieses Beispiel schlecht gewählt ist, denn ich muß gestehen, i daß ich, obgleich ich als Finanz-Referent doch auf die Einnahmen! . -u I J tt der Kultusgemeinde in erster Linie Bedacht nehmen sollte, Anstand .Armenu n d Wo hltästigkeits -Angelegenheiten tU gerade die Konsirmationsfeier durch Einhebung von' umfaßt die Kapitel „Unterstützungen, Subventionen an öffentliche Gebühren zu elner Erwerbsquelle für dre Gemernde zu gestalten. Anstalten und Vereine und rituelle Verköstigung". ~cu prluzlplellen Gegnern der Konfirmation, Den Einnahmen pro K. 25 537.95 stehen Ausgaben im Bewelche sich ungeachtet aller Gegnerschaft immer mehr ausgestalter von K. 223 431.84 gegenüber, so daß sich ein Zuschuß von ™ der jüdischen Bevölkerung lebhaften Anklang findet, berech- $ 197 893.89 ergibt, um zirka K. 23 000.— mehr als im Jahre tlgte Grunde zu neuerlichen Angriffen geben. 1902. den erhöhten Ausgaben hat auch der seit dem Jahre 1903 eingesührte regelmäßige Gottesdienst im allgemeinen Krankenhause rn einem eigens hiezu errichteten Betp^villon. . , Das Kapitel „Subventionen an Verernsbethäuser" weist gegenüber dem Vorjahre eine Erhöhung um K. 13 000.— aus. Diese Erhöhung wurde verursacht durch Bezahlung der ersten Subventionsrate an den Josefstädter Tempelverein pro K. 10 000.—, ferner durch Erhöhung der Subvention an andere Bethausvereine, endlich durch einzelne Neu-Subventionierungen. Ich kann dabei meine Bedenken nicht unterdrücken, ob die Gemeinde den in dieser Beziehung immer steigenden Anforderungen auf dje Dauer wird entsprechen können und muß namentlich auch den geehrten Vorstand bitten, bei der Prüfung der in der jüngsten Zeit an verschiedenen Orten mehr oder minder intenstv auftauchenden Tempelbau-Projekte den statutarischen Voraussetzungen Rechnung zu tragen, damit nicht die Gemeinde durch den , Bau dieser Tempel über Gebühr in Anspruch genommen und in werterer Folge durch deren Erhaltung belastet werde. Die „Mikwah" erforderte im heurigen Jahre Auslagen im Betrage von K. 3860.—. Die Wünsche nach Aenderung der bisherigen Zustände in dieser Richtung werden lauter und ich glaube, daß sich der Vorstand dem Verlangen, die Mikwah-Frage in irgend einer Weise zu lösen, nicht wird entziehen können. Mag diese Lösung wie immer erfolgen, wird sie doch in jedem Falle mit großen finanziellen Opfern verbunden sein. In dem Kapitel „R it u e l le b e s on d e r e Ausla g e n figuriert als Ausgabspost ein Betrag von zirka K. 3000.— für die Errichtung des von mir bereits früher erwähnten Betpavrllons tm allgemeinen Krankenhause. Die Baukosten dieses Pavillons, welche insgesamt K. 6600.— betrugen, wurden ausschließlich von der Kultusgemeinde getragen, da die von verschiedenen Seiten zugesagten Beiträge zum Bau nicht geleistet wurden. Damit wäre Abschnitt A des Rechnungsabschlusses erledigt. Abschnitt B. Schule und Unterricht. Die Einnahmen betrugen K. 67 202.07, die Ausgaben Kronen 260 235.—, so daß der erforderliche Zuschuß K. 203 032.93 betrug, ungefähr um K. 13 000.— mehr als der Zuschuß des Vorjahres. Den wichtigsten Teil des in Rede stehenden Abschnittes bildet das Kapitel „R eligionsunterrich t", welches im Jahre 1903 gegenüber feststehenden, größtenteils durch die Vergütungen des Bezirksschulfonds gebildeten Einnahmen pro K. 39 312.13, Ausgaben im Betrage von K. 160 267.62 erforderte; der Zuschuß betrug daher K. 120 965.49, um rund K. 10 000.— mehr als im Vorjahre. Die Erhöhung ist zurückzuführen auf die durch Vermehrung der Stundenanzahl verursachten erhöhten Kosten an Gehalten, durch die Errichtung einer neuen Bibelschule im 17. Bezirke, Hellgassc, durch Kosten der in den letzten drei Jahren vorgenommenen Religionslehrer-Prüfungen; durch die Kosten für die im heurigen Jahre mit dem besten Erfolge zum erstenmale abgehaltenen Vorträge aus jüdischer Geschichte — ich bemerke, daß diese Kosten nur reine Spesen sind — endlich durch die Einrichtung einer eigenen Mteilung für Kultus- und Schulangelegenheiten. Die Frage der Erhöhung der Religionslehrerbezüge bildet seit langer Zeit Gegenstand eifrigster Verhandlungen im Kultusvorstande und — ohne den Entschließungen desselben irgendwie vorgreifen zu wollen — glaube ich sagen zu können, daß sich bei dieser Angelegenheit die Notwendigkeit nicht nur einer Erhöhung der Bezüge, sondern noch in viel höherem Maße die Notwendigkeit einer Regelung herausgestellt habe. Wahrscheinlich wird in nicht zu fernex Zeit eine Reorganisation des ganzen Religionslehrerstandes in Angriff genommen werden müssen und es wird hierbei die Frage der Errichtung einer Religionslehrerbildungsanstalt nicht außeracht gelassen werden können. Das Kapitel „Konfirmation" weist in den Ausgaben pro K. 6510.73 eine kleine Erhöhung auf, die insbesondere durch die Mehrausgabe für die an die Konfirmandinnen zur Erinnerung überreichten Gebetbücher verursacht wurde. Ein angesehenes Mitglied unserer Gemeinde, welches den Rechnungsabschluß zum Gegenstände Abschnitte G. cv r tlc "g c o As ® 0' * c *c 11 ft erforderte im Rund K. 5000.— hievon sind durch Mehreingänge freiwilliger Ü' onni 03 tm Betrage von Sl. 20 743.38, um rund j Spenden gedeckt. Eine Motivierung der Mehrausgaben kann ich mir K. 3000. mehr al^ un Jahre 1902 Dre Ursachen der Erhöhung bei diesem Kapitel füglich ersparen, liegen m der Ausgestaltung dieser Institution, namentlich in der Aus dem letzten Einsührmig von Jugend-Gottesdiensten für Mittelschüler. * Das Kapitel „U n t e r st ü tz ungen u n d S u b v e n t i 0n e n" weist als Einnahmen einen Betrag von K. 17 800.— als Anteil aus den Zinseii des S. H. Goldschmidt-Lcgates auf, welcher Betrag als Subvention aii verschiedette Vereine in den Ausgaben wiederkehrt. Ich bin somit mit dem Abschnitte B fertig und gelange nunmehr zum Abschnitt (£. Friedhofu n d B e e r d i g u n g s w e s e n. Es ist — ich muß sagen — leider eine feststehende Tatsache, daß außer der Kultnsstener dieser Abschnitt der einzige Verwaltungszweig der Kultusgemeinde ist. welcher einen Ueberschuß aufweist. Das Gefühl des Bedatlerlis, von welchem man aitgesichts dieser Tatsache ergriffen werden muß, wird aber wesentlich durch den Umstand gemildert, daß diese Einnahmen, insoferne sie nicht zu Friedhofzwecken verwendet werden, Wohltätigkeitszwecken zugeführt werden und sonach ntit diesem Gelde das Los so vieler Lebenden gebessert uiid deren Elend gemildert wird; von diesem Standpunkte ans kann ich nicht umhin, das Ergebnis als ein günstiges zu bezeichnen. Es stehen nämlich den Einnahmen pro K. 611 637.31 Ausgaben im Betrage voll K. 288 358.16 gegenüber, so daß ein Ueberschnß von K. 223 379.16 verbleibt, welcher gegenüber dem Vorjahre u,:i zirka K. 50 000.— höher ist. Ich muß bei diesem Kapitel wieder arlf die Erinnerllng zurückkommen. Ivelche — wie schon erwähnt — gegen den Rechnungseingelanfen ist. In diesen Erinnerungen werden gewiß llicht allzu ferner werden. ferner sseit sich die Verhältnisse zum Besseren gestalten Was eine weitere Beschwerde des Einschreiters betrifft, daß die Ausgaben für Lvlmlvagen zu hohe sind, will ich bemerken, daß ein großer Teil der Kosten hierfür wieder durch die Beerdigungstaxen hereingebracht werden, nndrbem in diesen Taxen auch die Kosten für Lohntvagen, Ivelche die Killtusgemeinde beistellt, mit inbegriffen C*«»^ fjC> CV > i'f . fj. ... V-Pi. . . . / L L v» ( m des Rechnungsabschlusses erlaube ich mir, nachstehendes hervorzu heben. Die K ult u s st euer lieferte im vergangenen Jahre ein Erträgnis voll K. 1 154 458.60, um zirka K. 95 000.— mehr als im Jahre 1902 und um zirka K. 100 000.— mehr als präliminiert. Damit glaube ich, haben wir die Grenze dessen erreicht, was zu er reichen war, es sei denti, daß noch ein Teil der bisher iiicht Kultus, steuer zahlenden Bevölkerung — e s sind dieszirka 85 Pro. z e n t d e r I u d e n i n W i e n — zur Steuerleistung herangezogen werden. Es ist mir bei diesem Anlasse ein Bedürfnis, der Schätzungs kommission und den einzelnen Kultussteuer-Bezirks-Kollegien für ihre bei der Triemml-Einschätzung entwickelte außerordentliche Tätigkeit im Interesse der Gemeinde den wärmsten Dank auszusprechen. Voll malichen Seiten wird über die großen Kosten der Gemeindeverwaltung geklagt. Ich kann Ihnen nunmehr, ineine Herren, die Mitteilung machen, daß entgegen den früheren Jahren, im Jahre 1903 die Aiisgaben tu diesem Kapitel gesunken und sowohl hinter dem Ergebnis des Vorjahres als dem Präliminare ztlrückgeblieben siitd. Ich komme zu dem letzten Kapitel des Rechnungsabschlusses: „D i v e r s e E i n n a h m e n n n b Ausgabe n". In diesem Kapitel sind unter anderem K. 10 000.—> enthalten, welche der Kultusvorstand anläßlich der beklagenswerten, tieftrallrigen Ereignisse in Kischenew votiert hat. Diese K. 10 000.— wurden dem allgemeinen Hilfsfonds in Kischenew einverleibt. In diesem Kapitel sind auch K. 3000.— als Subvention für den Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien enthalten. Zu dem mit lebhaftem Beifalle aufgenvmmenen Referate spricht zunächst K.-B. KauderS. Er bemängelt es zunächst, daß die Honorare für Rabbinervertretungen nicht von den Rabbinern selbst, sondern aus der Gemeindekasse bezahlt werden. Cr findet es ferner ungerechtfertigt, daß sich daS Sparsystem gerade den BethauSvereinen gegenüber in solch scharfem Maße betätigt. Ferner wünscht er, daß die Ersparnis beim Friedhofe entsprechend verwendet werde, da durch die Einführung von Zwischen gräbern der Friedhof für zumindest weitere 25 Jahre ausreichen wird^ Auch in Bezug auf die Koscherfleischfrage müffe baldigst Remedur geschaffen werden, zu welche« Behufs er demnächst mit konkreten Vorschlägen hervorzutreten gedenke. Referent kaiserl. Rat Hirsch gibt in seiner Erwiderung zu, daß die Beschwerde de- Herrn KauderS bezüglich der Honorare für Rabbinervertretungen in gewissen Füllen berechtigt sei. Es soll dem nach Möglichkeit abgeholfen werden (wenn eS der Herr Oberrabbiner zugibt. Red.). Kaiserl. Rat Mlh. Pollak wiederholt seine Beschwerde, daß die Einnahmen aus den Ehescheidungen nicht der Gemeindekassa zufließen. Aeußerst interessant waren die hierauf folgenden Ausführungen des K.-V. Dr. MarkuS Spitzer. Er steht auf dem Standpunkte, daß die Beratung des Budgets und de- Rechnungsabschlusses die geeignete Gelegenheit seien, einen allgemeinen Rückblick auf die Tätigkeit des Vorstandes zu werfen. Die Finanzen der Gemeinde haben sich verschlechtert und die Budgetierung, sowie die Einhaltung derselben lassen viel zu wünschen übrig. ES sei auffallend, daß gerade bei den Bethäusern und beim Unterrichts wesen die größten Ersparnisse dem Präliminare gegenüber gemacht wurden. Dies seien aber zwei Gebiete, auf denen eS keine Ersparnissegeben dürfe. Die Lehrergehaltsregulierung sei unaufschiebbar geworden. Cs ist charakteristisch, daß die Gehalte der definitiven Lehrer weniger ausmachen, als diejenigen der Aushilfslehre». Das Armenwesen müffe reorganisiert werden. Es wird trotz allen Widerstrebens doch zur Dezentralisierung der Armenversorgung kommen müssen. Die Bezirke sind im Rechte, wenn sie diese Tätigkeit für sich in Anspruch nehmen wollen. Wir müssen »i ch t so sehr gegen die Armut, wie gegen die Verarmung kämpfen. Er spricht hierauf über die durch die Gemeinde veranstalteten geschichtlichen Vorlesungen und beantragt, den Vortragenden den Dank auszusprechen. Redner verurteilt hierauf die unter einer gewissen Klasse der Bevölkerung bemerkbare Bewegung, den Religionsunterricht noch mehr herabzumindern. Er lenkt ferner die Aufmerksamkeit des Vorstandes auf den traurigen Umstand, daß man im jüdischen Friedhofe oft eine halbe Stunde lang wandern könne, ehe man einer hebräisches Grabinschrift begegne. Das Präsidium möge die Initiative ergreifen, daß der jüdische Charakter des jüdischen Friedhofes gewahrt bleibe. Zum Schluffe stellt Redner die Anfrage, ob das Bertreterkollegium, welches nunmehr seit 2xf% Jahren besteht, sich wirklich als das bewährt Hab», was von ihm erwartet wurde...? Nun ging der Sturm los! Nachdem Dr. B e r g e r über Koscherfleisch und Unterricht und kais. Rat Jonas Weil über die Adaptierungen im Rotschildspital gesprochen hatten, wendeten sich Obersinanzrat Dr. B. R a p p a p 0 r t und Ritter v. Taussig in erregten und scharfen Worten gegen die Ausführungen des Dr. Markus Spitzer, ohne daß es ihnen gelungen wäre, dessen Behauptungen zu widerlegen. Hauptsächlich war er Ritter v. Taussig, der, dem Journalistentische, zugewendet rief, daß er eS nicht zugeben könne, daß in einer öffentlichen (sie!) Sitzung solche Reden geführt werden. seien keine Ersparnisse gegen das Vorjahr, sondern gegen das Präliminare gemacht worden. Wenn man den Wünschen des Dr. Markus Spitzer Rechnung tragen wollte, so müsse man entweder die Steuern erheben, oder die Gemeinde in absehbarer Zeit zugrunde gehe» lassen, ein Drittes gibt's nicht! Er wünscht, daß Dr. Spitzer seineBehauptungen sofort richtig st elle! — Die an sich sehr interessanten Ausführungen des hierauf zum Worte gelangten Baurates Stiaßny über das Rotschildspital wurden nach den Donnerworten des Jupiters vom Olymp in der Seitenstettengasse wenig beachtet. Aus seinen Ausführungen drang die auch von uns schon oft erörterte Klage über den verwahrlost e n Z u st a n d, in welchem sich das Spital befand, und welcher di« endlosen und kostspieligen Adaptierungen zur Folge hatte. Hierauf sprach nochmals Dr. S p i tz e r. Er habe nicht von Ersparnissen gegen das Vorjahr, sondern gegenüber dem Präliminare pro 1903 gesprochen, und dies wurde auch von gegnerischer Seite nicht bestritten. Im Uebrigen stellt er dem Borstande das Zeugnis aus, daß er die Gemeinde im konservativen Sinne leite. Es spricht noch Dr. Maxim. Steiner, der sich mit einemmale furchtbar oppositionell geberdete und die jedenfalls traurige Enthüllung machte, daß das „Komitee zur Reformierung der Armenpflege* seit seinem dreijährigen Bestände keine einzige Sitzung ab hielt. Der Rechnungsabschluß wurde hierauf zur Kenntnis genommen und dem Referenten, kais. Rat Hirsch, auf Antrag Salo Cohn's einstimmig Dank votiert. Ebenso wird auch dem Buchhalter der Kultusgemeinde, Herrn Ruff, auf Antrag des Referenten der Dank votiert. Die Ignaz Blumenfeld'sche Widmung für Künstler im Betrage von zirka K 1900.— wird im Sinne der Anträge des aus den Herren Professor Dr. Guido Adler, Ignaz Brüll und Julius Epstein gebildeten Juroren- Kollegiums dem primo loco vorgeschlagenen Musiker Heinrich S ch a l i t verliehen. Zu Vorstandsmitgliedern der Chewra-Kadischa werden ernannt: Die in der Generalversammlung gewählten Herren Jakob Kann, S. Steiner und Moriz Breitner, sowie der in der Borstandssitzung der Chewra-Kadischa kooptierte Herr Salo Cohn. Aus Rußland. (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksblatt".) Ich habe in meinem letzten Briefe der Drohungen Erwähnung getan, die von Seiten der unzufriedenen Adeligen gegen deu Zaren ausgestoßen werden. Eine Bestätigung findet diese Nachricht in den Gerüchten, die von dieser Seite aus, gestreut werden und die, wie ich sehe, auch im Wiener „Deutschen Volksblatt" Aufnahme fanden. Es werden nämlich