Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette r Wien, Freitag Jüdudbae VnlfcahbiM. 13. Mai 1904 hr, 20 Josef Leda. Derselbe veröffentlichte zur Judenfrage drei Schriften: 1. „Der AntsemitiSrnus", 2. „Cesk zidovska otazka“ („D i e tschechisch-jüdisch Frage"), 3. *2id v dnesni opolunosti" („De Jude in der heutigen Gesellschaft). In diesen Schriften empfiehlt er den Jude« die Assimilation, wobei er offen eingefleht, daß die Judenheit infolge der Assimilation verschwinden werde; den Tschechen empfiehlt er, sie mögen die Jude» zu ihre« nationalen Bestrebungen heranziehen, da sie in Handel uud Industrie dieselben 90t brauchen können, um mit den Deutschen konkurrieren zu können. Bisher hat aber diese Ratschläge niemand sich zu Herzen genommen. Die Anhänger Led as geben seit 1. Jänner 1904 eine Wochenschrift „Rozvoj“ heraus, welche gegen den Liberalismus auftritt uud den Sinn für religiöse Fragen zu wecken sucht, auch die Frage ventiliert, wie Judentum und Affimilatio« zu vereinigen seien. Unsere jüdischen Affimilationsintelligenzler haben Sinn für jüdische Angelegenheiten, unsere jüdische Masse will aber doch von ihnen nichts wissen, weil unser Jude sich weder al- Tscheche noch als Deutscher fühlt und ganz genau weiß, wie er seine Kinder erziehen und was er lesen soll. Aber nicht nur einflußlos sind diese Herren, sie werden auch thr Ziel, nämlich die Juden mit den Tschechen sprachlich und kulturell zusammen zu schweißen, nicht erreichen, weil 40% unserer Ehegattinnen aus deutsche» Gegenden stammen Trotzdem unsere böhmischen Affimilanten ihr Ziel nie erreichen können, muß sie der objektive Beobachter achten, weil sie ihrer Ueberzeugung Opfer bringen und jounalistisch derselben An Hänger zu verschaffen snchen. Das kann man aber von unseren Zionisten nicht be haupten. Dieselben ließen die von Dr. Kurrein ausge zeichnet redigierte „Jüdische Chronik" eingehen, ebenso Löben Harts „Unabhängiges Journal". Jd n ob, der Unerschrockene gibt seine für Kultusgemeindevorsteher bestimmte „Revue" heraus, in der er das, was wir schon längst in anderen jüdi schen Zeitungen lesen, abdruckt, weil er feine Kollegen genau kennt, aber es ist trotzdem die„Revue" ein Embryo einer Zeitung aus der sich etwas machen ließe, wenn unsere Zionisten wollten Eine stattliche Anzahl guter Redner und Stilisten ist in unseren Reihen, aber viele von ihnen greifen zur Feder nur dann wenn es sich um eckel- und mitleiderregende persönliche Fragen handelt. Infolge dessen herrscht in unseren Vereinen, wenn nicht mit großen Geburtswehen eine Makkabäerfeier zu stände kommt, das ganze Jahr ein beschauliches Stillleben. Die guten, an der Spitze stehenden Prager Juden, verstehen es nicht, Leben in die Vereine am Lande zu bringen, und werden es auch nicht zustande bringen, so lange nicht eine unseren Verhältnissen entsprechende G e g e n w a r t s a b e i t inaugu riert wird. Es ist die höchste Zeit, daß das geschehe. Schade, daß wir nicht einen oder mehrere Gegen wartsprogrMmherzl haben. CaVeant cÖnäulesT ~ ' ~ ' Neues z«m Ostafrikaprojekt. (Eine Konferenz. — Drohende Unruhen?) Zu dem bekannten Anerbieten der englischen Regierung liegen zwei wichtige Nachrichten vor; allerdings ist die eine günstig, die andere sehr ungünstig für das Projekt. Die e r st e Nachricht lautet: „Das Ostafrikaprojekt wird demnächst, eine von Lord Rothschild einberufene Versammlung, die in London oder Paris stattfindeu wird, beschäftigen. An dieser Beratung werden einige Mitglieder der Jewish Kolonisation Assoziation, Und Jokai war nicht ungerecht, noch undankbar. Als treuer Sohn seiner Nation und Streuer Anhänger seiner Religion anerkannte er den großen Wert, welchen die Juden für den Ausbau des ungarischen Staates, unbeschadet ihrer religiösen Intaktheit, besitzen. Er trat auch bei jeder Gelegenheit für Erweiterung der politischen Rechte der Juden ein, sowie er sich auch anläßlich des großen Kampfes um die Kirchengesetze mit dem ganzen Gewicht seiner Popularität für die Rezeption der Juden einsetzte. Er tat dies allerdings auch eingedenk der Verfolgungen, welchen seine angestammte protestantische Religion seitens der herrschenden katholischen Religion ausgesetzt war. Es sei hier erwähnt, daß Jokai im Jahre 1867 an den sogenannten Kongreßdebatten eifrig teilnahm und die orthodoxe Judenheit mehrfach in öffentlichen Reichstagsfitzungen gegen die ungerechtfertigten Uebergriffe der neologen Juden eifrigst in Schutz nahm. Seine intimen, freundschaftlichen Beziehungen zu dem jüdischen Staatsmanue Eduard Horn, den er überaus hochschätzte, sind bekannt. Hat sich auch Jokai in späteren Jahren politisch nicht allzusehr betätigt, so kann man ihm das Zeugnis nicht absprechen, daß er sich nach Unterdrückung der Revolution der vernünftigen, ruhigen politischen Richtung anschloß, wie er überhaupt sowohl als Politiker, als auch als Mensch sich durch besondere Klugheit auszeichnete. Als intimer Freund T i s z a's geißelte er mit dem ihm eigenen, beißenden Humor all die chauvinistischen Ueberspanntheiten, welche den ungarischen Regierungen, tnsbesonders dem Hause T i s z a manche unangenehme Stunde bereiteten. Große Heiterkeit erweckte im Jahre 1887, als im Reichstage der intransigente Chauvinismus die Staatsmaschine ins Stocken zu bringen drohte, ein Zettel, der von Jokai ausgehend, durch die Bänke der Liberalen von Hand zu Hand ging. Cr enthielt nichts, als die Namen derjenigen Abgeordneten, welche sich im magyarischen Chauvinismus am meisten zu überbieten suchten. Es waren dies die folgenden, gewiß sehr magyarisch klingenden Namen mit der Bemerkung: „Die Reihe der ungarischen Chauvinisten auf Waldhorn komponiert: Berker, Berger, Keßer, Fluger, Gruber, Gullner, Kästner, der Alliance Jsraelite Universelle, Lord R v t h s ch i l d und Dr. Th. Herzl teilnehmen". Die andere bringt die „ Deutsch ostafrikauifche Zeitung". Sie sagt: kernng in Wie«, in welchen auch die Uebertrittsziffern enthalten sind. Hoffentlich ist dies «nr der erste Schritt zur Er- . füllung unserer Forderungen in dieser Frage. Wir geben diese «Daten ihrer Wichtigkeit wegen in einer besonderen Notiz. „Britisch-Ostafrika und Uganda stehen am Vorabende J Die Sitzung nahm übrigens folgenden Verlauf: Nach ernster Ereignisse. Die englische Regierung versucht zwar die Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten Dr. Alfred S t eru, dortigen Völkerschaften gegen einander auszuspielen. Bis jetzt! wird der Einlauf nnd das Spendenverzeichnis verlesen. Der ist es auch ihr noch gelungen, durch Schürung des Hasses Präsident verliest hierauf den auf die Beratung über den der Maffai gegen die Wakikuyu und vica versa eine größere Katastrophe hintanzuhalten, doch machen sich Anzeichen bemerkbar, als ob diese beiden Stämme gegen die verhaßten Unterdrücker gemeinsame Sache machen". Ueber die Ursachen der Gährung schreibt das zitierte Blatt: „Die Maffai sind erbittert über die Beschränkung der Weidegründe, doch besonders hat die Empörung der Wakikuyu ihren Gipfelpunkt erreicht, weil die Regierung nicht nur unkultiviertes Land in Besitz nimmt, sondern neuerdings an gefangen hat, Ländereien mitBeschlag zu legen, die seitMenschengedenken von den Eingeborenen bebaut werde », und noch jetzt unter Kultur stehen. Dieser Akt wird unmittelbar von der Regierung verübt, ohne de« Schwarzen auch einen Pfennig Entschädigung zu gewähren. Durch Bekanntmachung in der „Official Gazette" werden in Uganda die ganze Rudolf Provinz, sowie die Distrikte Karamoja, Bukedi «nd Lobor in der Zentralprovinz für jeden Verkehr geschlossen! Die Regierung erklärt sich außerstande, das Leben der Reisenden in den genannten Gegenden zu schützen. Wenn nicht alles täuscht, sieht das Land bösen Wirren entgegen, was für den Augenblick umso schwerwiegender ist, als das meist verläßliche Kontingent, die indischen Truppen, von 420 auf 200 Mann vermindert sind, anscheinend auf Weigerung der indische« Regierung die alte Truppenzahl zu stellen. Rechnungsabschluß bezüglichen Paragraph 90 des Gemeindestatuts und bemerkt, daß sich tatsächlich ein Gemeindemitglied gefunden habe (es ist dies, wie uns von wohlinformierter Seite mitgeteilt wird, das Gemeindemitglied Herr Moritz Baum, ein Kenner der Kultusangelegenheite» und eifriges Mitglied der Gemeinde. Anm. d. Red.), welches von seinem durch die Statuten gewährleisteten Rechte Gebrauch gemacht und an den Vorstand eine in mehreren Punkten zusammengefaßte „Erinnerung" gerichtet hat. Ein Teil der Beschwerde- Punkte sei unberechtigt, was der Beschwerdeführer auch «ach der ihm gewordenen Aufklärung eiusah, hingegen enthalte die Erinnerung einzelne sehr berechtigte Beschwerden, für deren Abstellung der Vorstand Sorge tragen werde. So gibt er zu, daß die Wagenspesen der Beamten zu groß seien. Das erst jüngst eingesetzte Wirtschaftekomitee werde sich auch mit dieser Frage befassen. Hierauf hält zweiter Vizepräsident kais. Rat Hirsch das Referat über den Rechnungsabschluß. Ich will zunächst bemerken, daß, einem im Vorjahre geäußerten Wunsche Rechnung tragend, der diesjährige Rechnungsabschluß durch eine Zusammenstellung sämtlicher Einnahmen und Ausgaben einschließlich der transitorischen Posten, weiters durch ein vollständiges Verzeichnis sämtlicher Stiftungen und Widmungen unter Angabe des Kapitales, des Zinsenerträgnisses und der Verwendung des letzteren ergänzt wurde. Wie Sie aus dem Ihnen vorliegenden Rechnungsabschluß zu entnehmen belieben, ergibt sich aus der Zusammenstellung der Ueberschüsse und Zuschüsse für das Verwaltungsjahr 1903 . ein Ueberschuß von K. 95 942.76. Zieht man in Erwägung, daß für das Jahr 1903 nicht ein Ueberschuß, sondern ein Zuschuß präliminicrt war, so kann man nicht umhin, das Gebarungsergebnis des Jahres 1903 als ein nicht unerfreuliches zu bezeichnen. Es erscheint jedoch jedenfalls not- Die am 8. d. M. stattgefundene öffentliche Plenarsitzung wendig, ein gegenüber dem Präliminare so bedeutend abweichendes w-r gut besucht. Der erste Biz-p-ssideut Dr. Gustav Kuhn ^°°'Z sUrs-Lchö^rwänung. ein Budget, hat sich einen vlerwöchentlrchen Urlaub genommen. Dieser Urlaub! in allzu enge Grenzen zu zwingen, sondern in der Budgetierung soll, wie erzählt wird, mit einer sehr scharfen Auseinandersetzung j etwas larger vorzugehen: denn Abweichungen vom Budget in dem Zusammenhängen, welche zwischen ihm und. den Vertretern! Sinne, wie es im vorliegenden Rechnungsabschlüsse der Fall ist, sind Oeffentliche Plenarsitzung der Wiener Kvltusgemeinde. Dr. Rappaport und Dr. Ka tz au in einer Sitzung statti fme ocfcfjcn itrtb für die Finanzen ohne Gefahr. Dagegen müßte . , . . . * “ ’ hi».r iftrrrtpfnfii’+f* SRommtrt als'ntriit lmrtefrtfrrftcü heaerrfinet unb ctite gefunden hat. Die Sitzung selbst bot einige interessante Symptome dafür, daß in der Verwaltung der Kultnsgemeinde ein neuer Geist rege wird, welcher, wenn er zur Geltung!ommt, berufen ist, die Wünsche der nationalen Gruppen iu der ^ultusgemeinde zur Ausführung zu bringen und so beizutragen, daß der Friede in der Gemeind^ hergestellt werde. Die Rede des Kultusvorstehers Dr.. MarjkuÄ Sp i tz e r, ans welche wir im Berichte zurückkommen, eothiellt wesentliche Teile unseres Kultusprogrammes und es ist %ur zu bedauern, daß solche Reden so selten find und nicht, schon früher gehört wurden. Fanden es auch die Herrn Dr.. B. Rappaport und Ritter T a u ß i g für gut, auf die ehrlich gemeinten und gerechten Ausführunge« des Dr. Markus Spitzer in unverständlich charfem und «ngerechtfertigtem Tone zu erwidern, so muß doch der Wahrheit entsprechend konstatiert werden, daß die Rede des j schließen Dr. Spitzer von Seite des Präsidiums keine Zurückweisung erfuhr. Mit Genugtuung begrüßen wir eine Neuerung, welche das Präsidium eingeführt hat. Es ist das die Veröffentlichung der statistischen Daten über die Bewegung der jüdischen Bevöl- Wenrich, Kaiser, Steinakker, Grünwald, Frölich, Nendtwich, Ernust, Graffius, Hermann, Semnez, Graf, Dörr, Gull, Prasch, Zaj, Teutsch, Deutsch! — Geschrieben von Moritz Jokai, 1887". Bon diese» sind, soferne sie noch am Leben, die meisten magyarifiert, vielleicht bis auf Gullner, der mit diesem Namen Staatssekretär des Kabinets S z e l l war. Die Liste enthält verhältnismäßig wenig Juden; die meisten gehören alten deutschen Familien an. Im Jahre 1899 ging Jokai, nach dreizehnjähriger Witwerschaft, mit der jungen, jüdischen Schauspielerin Bella Groß eine zweite Ehe ein. Dieser Schritt war für den greisen Dichter umso bedeutungsvoller, als er sich dessen Gewußt werden mußte, daß er mit dieser „Mesalliance" sich die Gunst der hochstehenden feudalen Kreise, die sein Geuie und seinen Einfluß auf das urigarische Volk doch anerkennen mußten, verlieren werde. Bekanntlich stand Jokai infolge einer intimen Beziehungen zu Kronprinz Rudolf, bei )ofe und hauptsächlich bei der verewigten Kaiserin Elisabeth in hoher Gunst. Jokai kehrte sich nicht an den Spott und die Drohungen seiner Landsleute und gab ihnen auch dann nicht nach, als man von ihm wünschte, daß er seine junge Frau zum Uebertritte zum christlichen Glauben bewegen möge. Er heiratete die jüdische Schauspielerin, die auch bis heute Jüdin blieb. Das Ehrengrab, welches die Stadt Budapest dem Toten!>er Nation anhot, liegt an der Grenzmauer, welche den christichen Friedhof von der jüdischen Abteilung scheidet, zwischen!>en Ehrengräbern Ludwig Kossuth's und Franz Deak's. ' »bewußt kommt hiedurch die ganze Bedeutung I 0 k a i's zum Ausdrucke. Sein Herz schlug für K 0 ss«th, seine Rechte arbeitete für Deak, sein Kopf war den Juden zugeweudet, so war es in seinem Leben und so wird es — wie gesagt unbewußt — auch im Tode symbolisch zum Ausdrucke gebracht. Jokai war ein kluges Kind s einer Z eit und die Juden haben allen Grund, ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren! der umgekehrte Vorgang als nicht ungefährlich bezeichnet und eine zu optimistische Budgetierung als geeignet angesehen werden, die unangenehmsten Situationen hervorzurufen. Ziffernmäßig wird die Differenz Zwischen Präliminare und Ergebnis hauptsächlich dadurch motiviert, daß im Budget die Einnahmen aus Kultussteuern um zirka K. 100 000.—, die Einnahmen aus dem Friedhofwesen um rund K. 50 000.— geringer präliminiert, die Ausgaben in einzelnen Positionen dagegen höher veranschlagt waren, daß endlich einige budgetierte Aüsgabsposten nicht zur Durchführung"gelangten, "was jedoch im -nächsten. Jahre ein-' geholt werden muß. Dagegen wurde in einigen Fällen mehr ausgegeben, als präliminievt war. Das Gefühl der Befriedigung über den günstigen Abschluß des Jahres 1903 wird aber stark beeinträchtigt durch einen vergleichenden Rückblick auf das Verwaltungsjahr 1902, noch mehr aber durch die prüfende Vorschau auf die kommenden Jahre. Aus dem erstereu ist zu entnehmen, daß die Ausgaben der Kultusgemeinde fast in allen Zweigen der Verwaltung eine steigende Tendenz in sich — eine Tendenz, die auch im Prälimmare für das Jahr 1904 in auffallender Weise zum Ausdrucke kommt, daß aber die Vermehrung der Einnahmen in keinem Verhältnisse zu jener der Ausgaben steht, ja in vielen Fällen sogar keine Vermehrung, sondern eine Verminderung platzgreift. Wichtiger als ein Vergleich mit dem Präliminare halte ich eine Gegenüberstellung des Ergebnisses des Vorjahres, denn nur hieraus können verläßliche Schlüsse gezogen und kann ein anschauliches Bild über die Finanzlage gewonnen werden. Im nachfolgenden werde ich mir erlauben, die Details des Rechnungsabschlusses eine Jmrich, Halfax, Fornsek ' näher zu behandeln und jene Posten herborzuheben, welche Lits Roib Wvlff' * wesentliche Aenderung gegenüber dem Vorjahre aufweisen. ' ' Abschnitt A. Kultusu u b rituelle An gelegen h eite n. Die Einnahmen betrugen K. 230 773.40, die Ausgaben K. 419 900.85, so daß sich ein Zuschuß von K. 189 127.45 ergibt, welcher Zuschuß jene,: des Vorjahres um rund K. 28 000.— übersteigt. An diesem Zuschuß partizipiert zunächst das Bethaus I u n c r e Stadt, dessen Einnahmen sich um rund K. 4000.— vermindert, während sich die Ausgaben um rund K. 3000.— erhöht haben. Der Rückgang der Einnahmen ist fast ausschließlich verursacht durch einen minderen Eingang an Trauungstaxen, eine Tatsache, die seit einigen Jahren nnd auch schon im heurigen Jahre in allen Gemeindeiempeln konstatiert wird. Dieser Rückgang ist nicht etwa auf eine abnehmende Anzahl der Trauungen zurückzuführen — die Eheschließungen nehmen vielmehr erfreulicherweise immer zu — als einzig unb allein auf die, wenn ich mich so ausdrückeu darf — starke Koukurreuz der Vereiusbeihäuser. Während in den Gemeindetempeln die bezahlten Trauungen immer mehr abnehmen, nehmen die Trauungen in der: Vereinsbethäusern — und da gibt es um bezahlte — immer mehr zu; die Kultusgemeinde, welcher ja das Gedeihen der Vethausvereine sehr am Herzen liegt, hätte gewiß nichts gegen diesen Umstand cinjuiuenbeu, wenn sich die Bethausvereine nur auch dazu verstehen würden, Gratis-Trauungen unbemittelter Parteien vorzunehmen; so aber werden mit kaum nennenswerteu Ausnahmen alle Grntistrauuugeu deu Gemeindebethäusern zugeloieseu. Nicht unerwähnt darf ich dabei lasse», daß manche Bethausbeteiiie durch die Festsetzung außerordentlich niedriger Taxen nicht um die Gemeinde, sondern auch die anderen Vethausvereine schädige>l. Eine Einigung nach dieser Richtung hin wäre höchst ivünschensivert. Die Einnahmen des G e m e i n d e b e t h a u s e s Lelipo l d st a d t weise» eine Erhöhung um St 10 000.— aus, welche Erhöhung jedoch hauptsächlich bmc() die Brandschadenvergütung Pro K. 9499.— anläßlich des in einem Nebeurnume des Leopoldstadter Tempels ausgebrochenen Brandes herbeigeführt wurde, welcher Post jedoch entsprechende Ausgaben für Neuanschafftuigen gegenüberstehen. Die Vermehrung der Ausgaben im Kapitel „Temporäre B e t h ä u s e r" um zirka K. 4000.— gegenüber dem Vorjahre Ivurde in erster Linie durch Errichtung eines zweiten temporären Bethanses im Hotel „Post" seitens der Gemeinde — außer dem Musikbereinssaale — verursacht. Nachdem aus dieser Errichtung keine Einiiahmsquelle für die Gemeinde geschaffen werden sollte und das Gros der Sitze gratis abgegeben ivurde, blieben selbstberstäudlich die Eiimahmeu Iveit hinter den Ausgabe» zurück. Einen Anteil an