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Jüdisches Volksblatt · 1904-04-29 · 18 (29.4.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 2'.1. April 1904- Seite 5 Die Sommerkurfe in der Wiener Jüdischen Toynbee-Halle, 2V. Bezirk, Karajangnsse 20. Die .Kurse beginnen mit dem Buchhaltungskurs Sonntag, 1. Mai, um 8 Uhr vormittags. Die übrigen Kurse sind bis auf weiteres wie folgt verteilt: Jeden Montag (Beginn 2. Mai, 7 Uhr abends): Englisch. Jeden Dienstag (Beginn 3. Mai, 7 Uhr abends): Französisch und Deutsch (Elementarunterricht). Jeden Mittwoch (Beginn 4. Mai, 7 Uhr abends): Deutsche Literaturgeschichte und Schnittzeichnen. Jeden Donnerstag (Beginn 6. Mai, 7 Uhr abends): Französisch. Jeden Samstag (Beginn 7. Mai, 7 Uhr abends): Deutsch (Elementarkurs) eventl. Schnittzeichnen. Der Stenographiekurs (Beginn 9. Mai) findet jeden Sonntag von dreiviertel 10 bis dreiviertel 12 Uhr vormittags statt. Die Vortragenden sind: Für Englisch Fr. Berliner. Für Französisch Fr>(. Rosa Spielmann. Für Deutsch (Literatur) Frl. M. Friedmann. Für Deutsch (Elementarkurs) Dr. Sieg. Werner. Für Stenographie Hr. S. Wertheim. Für Buchhaltung Hr. H. Berliner. Für Schnittzeichnen Frl. I. Kohn und eventl. Frl. Bermann. Wien, im April 1904. Das Sekretariat. Unentgeltliche Stenographiekurse. Im April werden neue, dreimonatliche Mend-Fveikurse für Schüler und Erwachsene (Herren und Damen) eröffnet. Die Einschreibungen finden Montag den 26. April d. I., von 7 bis halb 0 Uhr abends statt in den städtischen Schulen 4. Bez., Alleegasse 11, 7. Bez., Zieglergasse 49 und 9. Bez., Albertplatz 7, ferner 1. Bez., Wollzeile 6 (Schreibschule Pick), 8. Bez., Alserstratze 7 (Maschinschreibschule) und 16. Bez., Neubaugürtel 36 (Realschule Speneder). Auch brieflich wird unentgeltlich Unterricht erteilt. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an den Zentralverein für Faulmalm'sche Stenographie, Wien, 2. Bez.» Engertstraße 236. „Jordania", Vereinigung jüdischer Hochschttler aus der Bukowina in Wien. Unser Verein veranstalte tanlählich des Leg b'omer- Festes Sonntag den 8. Mai einen Ausflug nach Greifenstein. Nach Besichtigung der Burgruine in Greifen sie iu wird über Hadcrsfeld nach Klosterneuburg gegangen. Mfahrt mit der Stadtbahn von der Station Schottenring um halb 2 Uhr nachmittags. Näheres in der nächsten Nummer des „Jüd. Volkbl.". Gäste, auch Damen herzlich willkommen. Jüdische Arbeitervereine des zweiten Bezirkes. Samstag den 30. April im Saale „zum goldenen Widder", 2. Bez., Taborstr. 36 Vortrags-Akademie unter gefl. Mitwirkung der Schauspielerin Frl. Mathilde Halftern (Rezitation), Frl. Gisela Halpern (Klavier), Frl. Fleischer (humoristische Deklamation), Frl. Huth (Gesang), Herrn Rud. Blann (Gesangs, Herrn Willy Quartner (Rezitation), Herrn Leo Fritzen (Humoristisches). Nach Schluß der Vorträge Tanzkränzchen. Beginn halb 9 Uhr abends. Regiebeitrag 60 Heller. Konzertlind Tanzmusik der Kapelle Fiedler. Bernhard Brill gestorben. Vorige Woche starb in Wie n im Alter von 53 Jahren Herr Bernhard Brill, der Herausgeber der „Talibstummenpost", eines iu den Kreisen der unglücklichen Taubstummen sehr beliebten und stark verbreiteten Blattes. Brill, ein gebürtiger Budapester, war der Sohn des berühmten, vor sechs Jahren Heimgegangenen' gelehrten Rabbiners der Pester isr. Religionsgemeinde, Herrn S. L. Brill. Er besaß den scharfen Geist seines Vaters, tiefe Bildung und führte eine sehr gute Feder. Brill büßte im zarten' Kindesalter infolge Scharlachs das Gehör vollständig ein und müßte von den Eltern dem isr. Taubstummeniustitut übergeben werden. Der Direktor dieses Instituts, weiland Joel Deutsch, nahm sich des hochbegabten Kindes mit edelster Teilnahme an und wollte ihn zum Täubstummenlehrer ausbilden. Doch Brill fand mehr Gefallen an der „schwarzen Kunst" Gutenbergs und wurde Setzer. Eine Zeit lang arbeitete er in der Druckerei von Khor u. Wein. Hier wirkte das geschriebene Wort mächtig auf die reichen Geistesgaben des jungen Mannes, der bald darauf näch Wien zog, dort im Jahre 1884 den „Tcmbstummencourier" begründete, dessen Redakteur, Hauptmitarbeiter. Administrator und — Setzer er war, Dieses Blatt, die „Brill-Zeitung" genanntivar seine Lebtiisatchelt^und dievon''ihm" erftmdeNcft /Gebetoenspr'ache der Taubstummen, ins Schriftdeutsche übersetzt" sein hervorragendstes'Lebenswerk. Zahlreiche Miglieder seiner Familie, deren Sitz noch heute iu Budapest ist. sind durch seinen Tod in Trauer versetzt. Anläßlich der Jahrzeit von Kischenew wurde in der Lembierger Synagoge eine Tra uex - A n d crcht abgehalten. Der Tempel war überfüllt. Während des Haskarah und hauptsächlich! bei der R^itierung des „El molie rachamim" horte man lautes Schluchzen. Bemerkenswert ist!es, daß während des Trauergottesdienstes v o m K u l t u sv o r st a n d e und der Tempelverw a l t u n g n i emandanwesend wa r. Antisemitismus in der Turnerschaft. Aus Graz, 26., wird uns geschrieben: In einer gestern stattgehabten außerordentlichen Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Turnvereins wurde der.Austritt aus dem Verband „Deutsche Turnerschaft" beschlossen. Die Versammlung faßte diesen Beschluß mit nachfolgender Begründung: „Die heutige Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen TuruverciiDs spricht über das verständnislose und ungesetzliche Vorgehen der Mehrheit des dreizehnten deutschen Turn wges wie des Vorsitzenden Dr. Götz ihre Mißbilligung aus und hält ein Weiterverbleiben im Verband der deutschen Turnerschaft aus nationalen Gründen für vollkommen ausgeschlossen. Gleichzeitig erklärt der Verein, sich einem ans Stammesreinheit aufzubauenden Verband anschließen zu wollen." Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Vierzigjähriges Doktorju-Wum. Der Rabbiner der Grazer israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Mühsam feiert dieser Tage im engsten Familienkreise die vierzigste Wiederkehr, des Jahrestages seiner Promotion. Er wurde am 16. April 1864 an der Universität zu Leipzig zum Doktor der Philosophie promoviert. Generalversammlung der Pester israelitischen Kultnsgemeinde. Unter dem Präsidium des Hofmtes Sigmund Kohner hat kürzlich die ordentliche Generalversammlung des Nepräsentantenkörpers dev Pester israelitischen Religionsgemeinde stattgefunden. Der Jahresbericht beziffert das Präliminare per 1904 mit Einnahmen von 1 260 268 K. 92 H., die Ausgaben mit 1 240 016 Kronen 60 Heller. Den Fehlbetrag von 29 243 K. 42 H. hofft die Vorstehuug im Rahmen der ordentlichen Gebarung decken zu köuneu. — Zu dem Berichte sprachen Dr. Salomon Euleirbcrg iu Sachen des hebräischen Unterrichtes und Dr. Max Schächter in Augelegeuheit des zu erbauenden Frauenspitals. Nach den Aufklärungen seitens des Präsidenten Hofrates Kohner wurde auf Antrag der Herren Dr. Salomon Eulenberg und Dr. Max Schächter die Vorlage einhellig angenommen. Der Vorstehuug lvurde für die wirksame Entwicklung der Unterrichtsanstalten und der humanitären Institutionen Dank und Allerkennung votiert. Zlir freudigen Kenntnis bienten ■ die großartigen Stiftungen tveil. Ignaz Ritter voll Wechselmanns, der 3 400 000 K. mit der Bestimmung hillterließ. daß die Pester israelitische Religionsgemeinde in Brrdapest mit km Aufwands von 1 400 000 S% ein Mindeuinstitut errichten solle, tii tvelchem zllr Hälfte jüdische, zur aukreu Hälfte Zöglinge nichtjüdischer Konfession Aufnahme finden mögen; während 2 000 000 Kronen als Lehrer-Pelisions-Stiftulig verlvaltet tverden solleli, in der Weise, daß aus dem Ziufeuevtrage zur Hälfte arme jüdische Lehrer, zur aitbeeeti Hälfte arme nichtjüdische Lehrer, die zumindest 26 Jahre lang getvirkt habell, nach deren Ableben aber deren Witwen Peirsion erhalten solle». — Ebenso wurde dankbar zue Kenntnis enommen, daß Herr Alexander v. Hatvany zum Andenken an seine Mutter und seine verewigte Gattin eine Stiftung von 200 000 K. für die Gründung einer besonderen Frauen-Krankenabteilung errichtet hat. An Stelle des verewigten Moriz Münz wurde einstimmig Repräsentant Moriz Rosenberg in den Ausschuß gewählt. Die Generalversammlung wählte aus Anlaß der heuer stattfindenden Neuwahlen ein Wahlleitungskomitee von 10 Mitgliedern und schließlich die tit den Reprüsentantenkörper des 6. Distriktes zu entsendenden 113 Mitglieder. Unter begeisterten Eljenrufen auf den verehrten Präsidenten Hofrat Sigmund Kohner ltiib auf die Mitglieder der Borstehnng erreichte die Generalvcrsammlu,lg ihr Ende. Der Ungarische Israelitische Handwerks- und Ackerbanverein hielt ullter Vorsitz des Abgeordneten Dr. Armin Neumann eine Aitsschußsitzullg. Präsident gedachte pietätvoll des Ablebens Samuel Münz', der dreißig Jahre lang die Ehrenstelle eines Rechuungsrevisors bei dem Verein bekleidete. Auf diese erledigte Stelle wird Herr Arthur Beer berufen. Letzthin sind dem Verein folgende Stiftungen zugekommeu: Horace Landau-Stiftung 2500 K., Frau Manfred Weiß-Stiftung 2000 K. und Dr. Ignaz Altmann- Stiftnng 200 K. An Spenden: von der Pester Vaterländischen Ersten Sparkasse und von der Ersten Ungarischen Allgemeinen Assekuranz-Gesellschaft je 200 K., von der Vereinigten Budapester Hauptstädtischen Sparkasse und von der Lcmdes-Zentral-Sparkassen- A.-G. je 100 K. — Frau Jakob Fürst de Maroth, Präsidentin des Damenkomitecs, meldete den Eintritt mehrerer neuer Mitglieder, was dankend zur Kenntnis genommen wurde. Der Sekretär legte die halbjährigen Zeugnisse der in staatlichen Ackerbauschulen untergebrachten Ackerbauzöglinge, sowie der Stipendisten der höheren Gewerbeschulen vor; mit Befriedigung wurde konstatiert, daß die Mehrzahl der Vereinszöglingc vorzügliche Klassifikationen erhielt. Es wurde sodann beschlossen, am Vorabend des Osterfestes für die Handwerkszöglinge eine Sederfeier zu halten und an diesem Abend sämtliche Vereinszöglinge zu bewirten. Eine interessante Reminiszenz von dem geistvollen Prediger Dr. Adolf Jellinek brachte dieser Tage die „N. Fr. Pr." anläßlich eines Nachrufes, den sie dem verstorbenen Staatsrat Braun widmete. Da hieß es u. a.: „Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß gerade beim Kaiser zahlreiche Bittgesuche von galizischen Juden eingebracht werden, die in hebräischer Sprache abgefaßt! sind. Solche Gesuche wurden, als der Prediger der Wiener jüdischen Gemeinde, Dr. Jellinek, noch lebte, diesem von Braun zur Begutachtung und Uebersetzung überwiesen. Baron Braun fragte eines Tages bei Dr. Jellinek an, „welche Spende , nach seiner Ansicht dem Bittsteller zu bewilligen sei". Da erwiderte der Prediger: «Ich weiß wohl, Euer Exzellenz, wie viel ein armer Jude brauchen kann, wie viel aber ein Kaiser spenden soll, davon, Exzellenz, habe ich keine Ahnung." Die Judenexzesse in Kischenew als Mordursache. Im Juni vorigen Jahres wurde iu L e m b e r g eine alleinstehende alte jüdische Witwe, die als vermögend galt, Frau Amalie Orange, die Mutter jenes früheren Polizeibeamten Orange, auf den seinerzeit in Wien ein aufsehenerregendes Attentat von seiner verlassenen Geliebten verübt wurde, ermordet und beraubt. Sehr bald nach der Bluttat wurden die Mörder, der stellungslose Hausbesorger Josef Wierzcholek und der verzierende Bediente Josef Czerweny, angeklagt. Gleichzeitig mit ihnen hatte sich der Hausbesorger des Hauses, wo Frau Orange wohnte, wegen Vorscyubleistung zu. verantworten. In der Einleitung der viele Bogen starken Anklageschrift wird ausgeführt: Die Judenverfolgungen in Kischenew wurden durch verschiedene Berichte auch in Lemberg bekannt und haben in den besseren Meisen „Empörung und Abscheu "/In der Plebs aber „Befriedigung" hervorgerufen und zu dem'Schlagworte Anlaß gegeben, „mau solle auch in Galizien die fetten Juden abschlachten". Durch solche Schlagmorte wurden zweifellos auch die Angeklagten zu dem Verbrechen veranlaßt. Czerweny gestärid gleich nach seiner Verhaftung, Wierzcholek erst am sechsten Tage, der Verhandlung, beide wollen aber nicht dir direkten Täter''geü»eftn sein, sondern pur W.,dxx Tat mitgcwirkt'hahcn. '' D'ie''GWivoren<:n'bejahten die ihnen' vorgelcgte Frage auf Mord oder Mitwirkung am Morde, jedoch mit Ausschluß der Mitwirkung, worauf'Wierzcholek zum Tode durch den Strang, der-minderjährige Czerweny zu zwanzig Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. Erste rer nahm die Strafe au, für letzteren erhob dessen Mutter die Nichtigkeitsbeschwerde, welche gestern von dem Kassationshofe unter Vorsitz des Senatspräsideuten Uhle verworfen wurde. Ausland. Bar Kochba. Aus Paris wird' geschrieben: Die große Oper hat mit dem „Fils de FEtoile", Text von Catulle Mendes, Muisik von. Camille Erlanger, einen großen Erfolg errungen, der sowohl dem Dichter wie dem Musiker zuzufchreiben ist. Das Brüh ist bei weitem besser, als die landläufigen Operntexte und könnte als romantisches Drama, selbst ohne die Musik bestehen. Es ist die Geschichte des jüdischen Nationalhelden, der den Aufstand gegen den Kaiser Hadrian in den Jahren 132 bis 135 leitete, und dessen Name Bar-Kochba, Sohn Sterns, nach seiner Mederlage in BarMsba, Sohn der Lüge, umgewandeilt! wurde. Mendes schaltet selbstverständlich völlig frei mit dem geschichtlichen Ereignis und vermischt es Mt allerlei symbolischen Legenden und phantastischem Hexenspuk, wie er der romantischen^Schnle eigen war. Bar- Kochba unterliegt nicht sowohl dm Waffen des römischen Feldherrn Julius Severus, als den Nänken der Hexe von Endor und der verführerischen Circe Vvn Magdala!. Von der letzten läßt er sich umgarnenwie Simson von Delila, und wird darüber der „weißen Lilie" Sephora untreu. Die arme Sephora wird außevdojn von der Hexe von Endor hinters Licht geführt. Ausgewogen, um Severus zu töten, wie einst Judith dem Holofernes getan, wird' sie in einen Zauberschlaf versenkt und tmmgt, sie habe die Tat schon ausgefi'lhrt und das Haupt des Feindes befinde sich in dem neben ihr liegenden Sack. Im Triumphe kehrt sie nach Jerusalem zurück, aber statt des Hauptes zieht! sie einen Stein aus dem Sack und erkennt, daß sie das Opfer eines DeufelssprM gewordm ist. Bar-Kochba entreißt sich den Schlingeir der Magdalena, aber es ist zu spät und er erliegt mit den Seinen den römischen Waffen. Das Buch gibt öem Komponisten vielfache Gelegenheit, seine Kunst zu entfalten: die Hexenbeschwörungen im ersten Akt. die reinen Gebete Sephoms, die von Sephora goträinnte Orgie und Ermordung des römischen. Feldherrn, mdlich die. Verzweiflungsfchlacht am Schluß des letzten Aktes fanden bei der Erstaufführung enthusiastischen Beifall, und alles in allem Hai die Pariser Oper seit langer Zeit keinen so durchschlagendenl Erfolg mit einer französischen Arbeit erlebt. . '_ D. Z. Arba-Kanfot und Heiligenbilder. Folgmdes Zirkular wurde an die Regimenter des Moskauer Militär-Rayons versendet: Der Hauptverwalter der Artillerie im Moskauer Militär-Rayon hat die Frage aufgewopfm, ob es den jüdischen Soldaten gestattet ist, während des Militärdienstes unter der Montur die durch die jüdische Religion vorge-- schriebmen „Arba Kansot" zu tragen. Seine! kaiserliche Hoheit, der Klommandant des Militär-Rayons, dem die Angelegenheit v!0!rget>mgm wurde, hat nun den Befehl erlassm, den Juden unter keiner Bedingung das Tragen der „Zizis" zu gestatten. — Bekanntlich führt jeder nach dem fernen Osten verkehrende Eisenbahnzug nicht so viel Proviant, wie Heiligenbilder für die mssischm Soldatm. Habm diese Heiligenbilder auch die Katastrophe des „Petropawlowsk" nicht! zu verhindern vermocht, so ist es jedmfalls grausam und töricht von dev russischm Regierung, dm jüdischen. Soldaten das Tragen dev Arba-Kansot zu verbietm, deren sie sich' bei ihrm sie für den Mampf erinutigendeu Gebetm bedienm. Heiteres aus Rußland. Strenger als je wird jetzt von Seiten der russischen Greuzbehörde darüber gewacht, daß kein Unberufener die Fluren des Zarenreiches betrete. Es ist den bewaffneten. Aufsehern befohlen, nicht bloß den Schmugglern mit der Schußwaffe zu Leibe zu gehen, sondern auch jeden anderen, kr die Grenze heimlich zu passieren versucht, nicderzuschießen. Es sind bereits mehrere solcher Fälle von der Grenze berichtet workn. Ich glaube nichts Ueberflüssiges zu tun, wenn ich dieses zur Beachtung der zahlreich nach Amerika hinfahrendcn und zurückkehrenden jüdischen Auswanderer an dieser Stelle berichte. Das ooen angegebene traurige Schicksal hat scharr mehrere getroffen, welche den „.Kdrdon" in der ehrlichsten Absicht zu überschreiterr unternommen hatten. Unter „Kordon" verstehen wir hier die russische Grenzbehörde, der es zur Pflicht gemacht ist, die Gesetze, welche bezüglich des Grenzverkehrs existieren, aufs strengste aufrecht zu erhalten. Harmloser, ja einer gewissen Komik nicht entbehrend, verlief folgender Fall. In Kowno sollte eine jüdische Hochzeit gefeiert werden. Die Eltern der Braut wohnen in Insterburg, die des Bräutigams aber in Kowno, in Rußland. Es müssen nun wohl ganz besondere Umstände vorhanden gewesen sein, welche die Eltern veranlaßten, die Hochzeit ihrer Tochter bei ims in Rußland zu feiern. Sie hatten dabei sichtlich die Eventualitäten der Kordonaufsicht nicht in Rechnung genommen, allein dieselben ließen nicht auf sich warten. Die Braut mit ihren Eltern und eine Anzahl von Verwandten jenseits der.Grenze begaben sich am bestimmten Tage zur Hochzeit nach Kowno. Man hatte selbstverständlich zu diesem Zwecke manches mitzunehmen, darunter auch verschiedene Hvchzeitsgeschenke und ahnte dabei nichts Schlimmes. Allein in die lichte Helle der Hochzeitsgedankeir fiel unversehens ein starker Schatten, als man den Kordon zu passieren hatte. Der Steuerbeamte machte seine Einwürfe, er wollte unter den von den Reisenden mitgeführten Gegenständen Dinge gefuriden haben, die durchaus nicht erhaben über die freie Passage der Grenze sich befanden. Das besonders Mißliche dabei bestand in dem Umstande, daß er, der Beamte, in vorliegendem Falle keine Entscheidung zu treffen wußte, sondern daß solches von dem Kordonoffizier geschehen rmlßte, der nicht anwesend war. Man schickte nach dessen Quartier, um ihn herbitten zu kaffen. Aber neues Mißgeschick! Derselbe war ausgeritten, ohne die Zeit seiner Rückkehr angegeben zu haben. Der Hochzeitsgesellschaft blieb nichts übrig, als sich in den Räumen des Zollamtes niederzulaffen und die Ankunft des Kordonoffiziers abzuwarten, wo sie Zeit urrd Gelegenheit hatte, über die Annehmlichkeiten des Grenzverkehrs besondere Betrachtungen anzustellen. Und dort in Kowno rvartet man auf. , hier.Ankunft,/der Braut/ - da m«w. mit' .dem/Bräutigam - allein selbstverständlich nichts anzufangeu« wuffte. Mcnr wartete, und wartete, während der Tag allmählich verrann, ohne daß die Ersehnten aukamcu. Daun erst, nach vier Stunden, kam der Kordon-, off.izier an und entschied' glücklicherweise für einen freien Uebergang über die. Grenze. Schwerlich wird wohl Israel den Zug durch das Rote Meer mit freudigeren Empfindungen . unternommen haben» als unsere Hochzeitsgäste den durch den russischen Korden» unternehmen. Das war sicherlich ein Stück Romantik, lvelche die Vereinigüngsgeschichie zweier Liebenden nur in den seltensten Fällen aufz»lweisen hat. Vom Odessaor Komitee. Aus Vorschlag. emex Spezial-. kommissivu wurde beschlossen, dem Professor Otto W a rb u r g filr die Sammlung von statistischen Daten bezüglich der Kolonien in Palast in a zur FeMjellung der wahren Bedürfnisse derselbe eine Subvention von 1600 Francs zu gewähren. Von dieser Summe werden- 600. Frics. sofort liquidiert und dem Professor Marburg gleichzeiü'g jme Fragepunkte bekanntgegeben-, über welche das Komitee Ausschlüsse zu erhalten wünscht. BÄ der Beratung des Gesuches der Gesellschaft >,Geullah" um eine Subvention wird beschlossen, der Gesellschaft die verlangte Unterstützung zu gewähren, vorher sei jedoch noch ein juristisches Gutachten darüber einzuholen, ob das Komitee auf Grund seiner Statuten zu einem, solchen Be-, schlusse berechtigt ist. Die russische Sektion der Jca gibt! bekannt, daß sie in diesenr Jahre nicht mehr als 140 Familien nach argentlnsschen Kolonien befördern kann. Diese 140 Familien wurden bereits ausgewählt. Da sich aber täglichunzählige Familien, behufs Ansiedlung in Argentinien melden, wird das Publikum aufmeirksam gemacht, daß solche Ansuchen zwecklos seien/ da sie filr das laufende Jahr unberücksichtigt bleiben müssen. Die Verschärfung der amerikanischen Einwanderungsgesetze. Aus Nelv-Aork wird ims berichtet : In' der Sitzung des Komitees für Einwanderungsfmgen im amerikanischen Bundessenat lvurde vom Vorsitzenden^ Senator Dil-, lingham, eine Reihe Amendenrents zu dem im Vorjahre umgearbeiteten Einwandenmgsgosche eingebracht, welche durchwegs eine Verschärfung der bestehenden Bestimmungen bedeuten. Es soll denmächst für jederv Answandererhafsn die Ernennung eines amerikanischm RegierungsinspektoirS, sowie eures Arztes aus dem! Marinehospitaldienst erfolgen, welche als Mitglieder des Konsnlarkorps zu betrachten, aber dem Handelsdepartemerrt atiachiert sind rnrd direkt dein Generaloinwanderungs-Konlmisiä'v muerstehen. Die. ihnen zngewiesene Arrfgabe besteht in der Drrrchsührung einer möglichst rigorosen Vorprüfmrg der Anslvanderer auf ihre physische und inowlifche Eignung. Von tvesentlicherer Bedeiltuiig ist aber ein Vom Senator Lodge inspiriertes

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