Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-04-29 · 18 (29.4.1904) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433041--2396-2436257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 4 Wien, Freitag JtiÜMdm Voüwblatt. 29. April 1904 Nr. 18 Während alles Geld, das die Juden für Kriegszwecke spenden, in den Augen der hohen Regierung zu leicht befunden wird, spricht niemand davon, daß die hohe Geistlichkeit und die Klöster zu wenig für den Krieg geben. Im Verteilen von Heiligenbildern und im Spenden von Segenssprüchen sind sie viel freigebiger; aber das scheint im Krieg nicht viel zu nützen. Ihr Geiz erinnert an die Zeit des Krimkrieges, in dein Nikolaus der Erste in seinen Geldnöten sich an das reiche Moskauer Kloster L a w r a, das viele Millionen besitzt, wandte. Die Mönche gaben ihn: aber nur unter der Bedingung das Geld, undzwar eine Million Rubel, daß er ihnen einen W e ch s e I ausstellte. Dieser Wechsel ist allerdings nie eingelöst worden. Die Judenfragc ist jedetifalls aneinem wichtigen Punkte anaelangt, die kaiserlich russischen Agents provocateurs haben die Ordre bekommen, nicht zu provozieren, und das 'ist schon »etwas. Man wird nicht fehlgehen, dies mit dein Abschluß der neuen russischen Anleihe in Verbindung zu bringen. S y r om j a t n i k o w, der Feuilletonist der „N. Wr.", schireibt über die Verbreitung der griechisch-orthodoxen Kirche in Japan: In T o k i o wurde 1891 auf der östlichen Anhohle („Suruga-daj") die griechisch-orthodoxe Kathedralkirche auf russischem Boden und auf russische Kosten aufgebaut. Bei der Kathedrale wurde ein Seminar errichtet, in welchem im Jahre 1900 sechzig Zöglinge ihre Ausbildung empfingen; außerdem gibt es dort eine Missionärstation mit zehn Zöglingen und eine Frauenschule mit 74 Schülerinnen. An allen diesen Lehranstalten wirkten 48 Lehrer, 6 davon aus denrussischen theologischen Akademie hervorgegangen. Bei der Mission gab es acht Uebersetzer und zwei Redakteure für die Ueberschung derheiligen Bücher. Der Provinzialsynod der einheimischen russischjapanischen Kirche gibt alljährlich seine Berichte heraus. Im Jänner 1900 schon gab es in Japan 25 230 griechischorthodoxe Japaner, 231 griechischorthodoxe japanische Kirchengemeinden, einen Bischof (Mkolaj), 28 Priester, 6 Diakone, 16 Lehrer des Kirchengesanges, 162 Prediger. Eine Zeit war auch davon die Rede, daß der Mikado selbst, die Absicht habe, sich zum griechischorthodoxm Glauben zu bekehren. Der Krieg beginnt immer mehr seine Rückwirkung auf. Handel und Gewerbe zu äußern-. „Ruß. List." teilen mit, ärß dieser Ta^e ein großes Geschäftshaus, das 200 000 Rubel außenstandige Forderungen einkafsieren wollte, im ganzen 15 Rubel einkassierte. Ich fuhr jüngst auf der Strecke Petersburg-Warschau. Dieser Zug ist sonst immer überfüllt.' Das lchtemal aber waren die Coupees 1. Klasse ganz leer, in der zweiten Klasse sah man vereinzelte Gestalten, nur die 3. Klasse war einigermaßen besetzt. Das' Geld beginnt knapp zu werden und die neue Anleihe bedeutet nichts mehr, als einen Tropfen auf ein glühendes Eisen. Natürlich nimmt auch unter solchen Ümstjänidien die Auswanderung zu. Besonders habe ich solche Nachrichten aus dem Elisabetgrader Kreis erhalten. .. Ein charakteristisches Symptom -der oUgemeineir Kopflosigkeit bietet das offizielle Organ, die „Nowoje Wremja". Sie nimnrt zu dem krassesten Aberglauben- Zuflucht. Die bisherigen Mißerfolge schreibt sie dem Monat April zu, der ein Ung-lücksmonat sei, und hofft von dem nächsten Monat alles Gute. Kommentar überflüssig. In diesen Rahmen? paßt es sehr gut, daß man einen Generalleutnant, der sich im Türken kriege auszeichnete, zum 11 n t e r r i ch t s m i n i st e r ernannt. Seinen Befähigungsnachweis erwarb -er sich als Gehilfe Bobrikows bei der RuWzierung Finnlands. Das genügt. A l ex e i. Zwei Vorschläge an die kroatische« Juden. In der Errichtung einer Synagoge oder eines Bethauses, im Bestände eines jüdischen Friedhofes, einer Chewra-Kadischa, einer jüdischen Schule, lag bisher der Ausdruck des jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls. Dies zumindest äußerlich. Mit dem Oberwähnten steht die Berufung von Rabbinern und die Anstellung von Kultusgemeiudebeamten und jüdischen Lehrern in engem, unmittelbaren Zusammenhänge. -Ob aber und wie den Statuten gemäß einerseits, entsprochen und gehandelt wird, ob und wie den kulturellen und religiösen Bedürfnissen der jüdischen Gemein?den andererseits Rechnung getragen wird, dafür haben wir in Kroatien-Slavorsien, bei dem noch vorhandenen Jndifferentismns gegenüber dem Ju-dentume, gar keine Kontrolle, gar feine Aufschlüsse. Der Jndifferentismus schwindet allmählich uub ein reges Interesse für das Judentum urid für die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde tritt an seine Stelle. Es liegt außer allem Zweifel, daß die bisherigell Institutionen der modernen Gegenlvart lind ihren Erfordernissen gegenüber zum Teile unzulänglich sind, zum Teile gar nicht entsprechen. Die bisherigen sind reformbedürftig und neue müssen geschaffeil Werden. Es wäre daher an der Zeit, daran zu denken und daran zu arbeiten, eine Organisation der jüdischen (bisher israelitischen) Äultusgemeinden z u s ch a f f e n, einen Bund der jüdischen K u l tu s g e m e i n d e n K v o a t i e n - S l a v o - niens zu gründen. Dieser Gerne indebunid sollte seine Zentrale in Agram, als der zahlreichsten jüdischen Gemeinde einevseits und als der Landeshauptstadt arrdererseits, haben. Seine Statuten sollten von Vertretern sämtlicher Kultusgemeindeu festgesetzt werden. Die Harrptaufgabe dieser Zentrale wäre die Sorge für die Feststellung und Durchführung der allen Kulrusgemeinder: gemcinsanren, aus kulturellen und religiös-rituellen Fragerr nnb Angelegenheiten entspringenden Bedürfnisse und Erfordernisse, ferner die Feststellung und Durchführung der Fragen uiib Angelegenheiten des jüdischen Unterrichtswesens und jüdischer Erziehinrg an den Volks-, Bürger¬ und Mittelschulen nsw. usw^ Zu diesem Zwecke möge ein Kongreß von Vertreter«! aller jüdischen Gemeinde«: Kroatien-Slavoniens nach Agrain ehestens einberufen, demselben die Gründung eines Ge- «neindebundes und ein Musterstatut zur Durchberatung, Prüftmg und Annahrne vorgeschlagen werden. Wenn die jüdischnationale Betvegung auch weiterhin fortschreiten wird, wofür alle Anzeichen sprechen und somit das Interesse für alles, ivas Indisch ist, geweckt wird, zweifle ich nicht darcnr, daß dieser Pla«: in kurzer Zeit seiner Realisierung entgegengeführt werden wird. Einem anderen Bedürfnisse der Gegenwart, entspringend der Rücksicht a««f die politische, ökonomische und soziale Lage der kroatischen Inden — die es noch sind und bleiben wollen — ferner der Rücksicht auf die immer erfreulichere Fortschritte machende jüdischnationale und zionistische. Anhängerschaft unter den einsichtsvollen kroatischen Jude««, würde durch die Gründung eines Wochenblattes entsprochen tverden. Selbstverständlich in ü ß t e dieses Wochenblatt j ü d i s ch n a t i o n a l sein, in kroatischer Sprache erscheinerl und sollte seinen Sitz in Agram haben. Als jüdisch-tvissenschaftliches und belletristisches Blatt könnte es keine Zukunft haben, da einerseits für die Verbreitung und Pflege der jüdischen Wissenschaft und der jüdischen Belletristik in einer anderen als der kroatischen Sprache bereits genügend gesorgt ist, andererseits würde es dafür in kroatischer Sprache vor allem an Mitarbeitern und dann an Abnehmern mangeln. Dies zumindest gegenwärtig. Ein jüdischriationales Wochenblatt in kroatischer Sprache kann eine Zukunft bloß als politisches Organ haben. Nicht die Abwehrpolitik gegenüber den Angriffen und Verleumdungen gewisser kroatischer und serbischer Organe wäre seine Hauptaufgabe. Auf nationalem Standpunkte stehend, hätte es vor allem die politische Gesinnung der Juden gegenüber den anderen politischen Parteien — ohne jedoch selbst ein Parteiorgan zu sein — zu präzisieren und ich sage es schon jetzt, es müßte regierungsfreundlich sein. Die Hauptaufgabe dieses jüdischen, politischen Organes wäre, die Interessen der kroatischen Juden, des jüdischen Volkes und des Judentums in der kroatischen Oeffentlichkeit unerschrocken und offen zu vertreten und zu wahren. Seine besondere Aufmerksamkeit müßte es dem Zionis ,mus widmen. Bei der Ausführung dieses Planes würde man kaum auf Schwierigkeiten stoßen können. Von welch großem moralischern Erfolge die Realisierung dieser Vorschläge begleitet sein könnte, Muß jeder Einsichtsvolle zugeben. Wien, Ende April 1904. Max Lederer. Vorspann an den Strängen des sozialdernokratischen Zukunfts- Zettungsschau. „Dat hat de Jud dahn!" Unter anderen Feldzugserinnerungen bringt die „Pr. Lehrerzeitüng" auch eine Episode, die wohl «vert :st, auch weiteren Kreisen bekannt zu werden. „An einern trüben Novembertage des Jahres 1870, als «vir vor Paris lagen," berichtet der Erzähler, «geriet unsere Kompanie, die einen ziemlich wert vorgeschobenen Posten innehatte. bei einem Ausfall, den die Belagerten «nachten,, in eine üble Lage. Von'der französischen Uebermacht auf das Härteste bedrängt und von drei Seiten vom Feinde eingeschlossen, kärnpften wir mit dem Mute der Verzweiflung. da unser aller Untergang, oder, was uns noch schimpflicher deuchte, unsere Gefangennahme.gut wie gewitz war. Denn wir konnten weder vorwärts noch rpMärts; -wir waren eingeklemmt, wie ineiner Falle. Als der Feind etwa bis auf achtzig Schritt gegen uns herangedrungen war,. sprang plötzlich aus unserer Schützenlinie ein einzelner Man«: aus und lief mit lautem Hurra den hexanstürmenden Franzosen entgegen. Die ganze Kompanie fiel in den lauten Ruf ein und -folgte ihm nach. Ohne auf das Kommando zu hören, schlugen die Tambouve zum Sturm <m. Gleich darauf kamen auch die anderen Kompanien unseres Füsilierbataillons zu unserer Unterstützung heran und das ganze Bataillon [türmte nun mit lautem „Marsch. Marsch. HurraI" auf den Feind los. Dieser stutzt, sein Angriff,erlahmt, seine Reihen stocken bei dem «nörderischen Feuer der Mistigen und endlich weicht er zurück. Sein Angriff ist abgeschlagen, der Kampfplatz wird von uns behauptet. Plötzlich sprengte, als unsere Kompanie noch im Schnellfeuer begriffen war, der Batailloüskommandeur, Oberstleut«rant H., in unsere Schützenlinie hinein und fragte sehr laut mit erregter Stimme: „Wer hat hier zuerst Hurra geschrien?" Als darauf niemand.antwortete, schrie er noch lauter: „Himmelkreuz . . .. ., ich will wisse«:, wer hier zuerst Hurra rief!" Nun aber erhielt er erst recht keine Antwort, weil jeder glaubte, es sei ein Fehler begangen worden und der Schuldige habe eine strenge Strafe zu gewärtigen. Als jedoch der Oberstleutnant zum drittenmal mit noch verstärkterer Stimme und einem neuen Donnerwetter dieselbe Frage an die Kompanie richtete, ries.eine. Stimme aus den Reihen der Schützen: „Dat hat de Jud dahul" — da geschah etwas, fährt der Erzähler fort, «ras uns alle höchst überraschte : „Du bist e§ gelvesen. mein Sohn? Komm, her, laß dich urnarrne««! Das tvar eine Tat, die ich dir nie vergessen werde!" Mit diese«: Worte«: schloß der Oberstleutnant den Tapferen — es tvar der Gefreite B., ein Jude — in seine Arme. Auch der Hauptinann und die anderen Offiziere kamen heran und schüttelten ihm, dem die hellen Freudentränen über die Wangen hernnterrannen. die Hände. Der Wackere erhielt bald -darauf das Eiserne Kreuz." : „Die Arbeit" Wie«:, schreibt: Die Nachricht, daß die Familien der zur Kriegsdienstleistung abberufenen jüdischen russischen A-erzte aus ihren Domizilen ausgewiesen wurden, weil mit der Abreise der Fauiilieuoberhäupter, zu deren Gunsten die Aufenthaltsbewilligungen il«. gewissen ruffischen Städten lauteten, die Voraussetzungen für die weitere Duldung der Familienmitglieder innerhalb der Grenzen des russischen Reiches' tveggefallen feien, hat in der gesamten Kulturwclt gerechte Entrüstung hervorgerufeu. Die Sympathien für Rußland, das in seinem schweren Kriege mit Japan um die Vorherrschaft in Ostasten gewissermaßen die europäische Kultur vertreten soll, fötmeu-buircf) einen solchen Akt barbarischer Rücksichtslosigkeit gewiß nicht gesteigert tverden. Die vielen jüdische««' Fmnilien, die dadurch irr Jammer und Elend gestürzt werden, mögen sich aber bei jene«: Fanatikern unter ihre«« Glaubensgenosse«: bedanken, die für die revolutionär-anarchistische Arbeiterpartei die Kastanien aus den: Feuer hole««, in der Annahme, daß der Tag der Befreiung für sie in jenen« Moinente gekommen sei, wo sie der Umstnrzpartei zum Siege verholfen haben werden. Das Vorgehen Rußlands gegenüber de«« n««glückliche««' jüdische«:- Aev<sie>fa«uilien widerstreitet ja allen Geboten der Menschlichkeit, aber die- Angehörigen der beispiellos-verfolgte«: jüdischen Rasse trage»« selbst den größten Teil der Schuld an bc’)i ««»erhörten Mißhandlungen, die sie unausgesetzt zu erdulden haben. Sie verstehen es meisterhaft, sich innner für andere zu exponiere«: und «ven«: sie beispielsweise in Rußland so geächtet und verfolgt sind, so hat dies seinen Grund darin,, daß viele ihrer Glaubensgenossen sich berufe» fühlen, als einer Versammlung deutscher Reichsangehöriger gesetzt wurde, von zwei Juden unterfertigt ist? Glauben denn die Törichten, daß sie für ihr Eintreten zugunsten der politischen Freiheit je Dank ernten werden, lehrt sie die Geschichte ihres Volkes nicht, daß man sich, ihrer bedient, um sie dann mit einem Fußtritte z:« regulieren? Das mochten wir de«: Mitgliedern des jüdischen Stammes in Rußland sowohl wie ttt Deutschland als auch Bei uns zu bedenken geben, die ihr Heil in der sozialistisch-revolutionären Propaganda suchen. * * * Die „Germania", Berlin, das offizielle Zentrumsorgan, schreibt: Jüdische Z e i tu n g e n i,r England. Man kann sich einen Begriff machen von der Anmaßung jüdischer Elemente in England, wenn man erfährt, daß am 4. März cr. in London das sechste Blatt in jüdischem Jargon mit dem Erscheinen begann. Es hat den Titel „Die neue Zeit" und als Herausgeber und Redakteur zeichnen die Herren Rothstein und Beck. Bemerkenswert ist cs, daß diese speziell jüdischen Blätter sich mit ihren Sympathien auf die Seite Rußlands gegen Japan stellen. (?) * * * ' Die liberale „St. Petersburger Zeitung" schreibt: Die Rotte der Juden im russisch-japanischen Kriege wird von dem Leitartikler des „S s w e t " behandelt. Dem genannten Blatt ist ein Schreiben aus Amerika zugegangen, in dem die aus Rußland ausgewanderten Juden als Leute hingeftellt werden, die dem Lande, in dem sie früher gelebt, alles Böse wünschten, und es bemerkt dazu: „Wir haben schon mehrmals ausgesprochen, daß wir niemals Haß gegen die Juden gepredigt haben. Wir tverden niernals bestreiten, daß die J:«dei: das Recht haben, russische Untertanen, treue Unterta»:en des russischen Zaren zu sein und ihr Bl:«t zur Verteidigung der Ehre und Würde des Landes zi« vergießen, das ihnen so gnädig :««rd herablassend ein Asyl getvährt hat, aber augenscheinlich hat das Judenturn als geschlossene, dem Christentum schädliche Weltmacht bei der Schaffung der jetzigen Situation keine kleine Rolle gespielt. Dank der amerikanischen und e«:glische«: Presse sind die Japaner zu ihrein jetzigen, an Wahnsinn grenzenden Dünkel gelangt. Man hat sie so lange in den Himmel gehoben, sie so lange versichert, daß sie es beiriahe allein wären, die die Schlüssel zu den künftigen Fortschritten der Welt in Händen hätten, bis die klei«:en gelben Leute hoffärtig wurden und mit dem slawischen Koloß Rutzlarw zu kämpfen wünschten. Die gesamte Presse, die d:ö Japaner gepriesen hat — ist jüdisch. Das Judentum hat natürlich nicht direkt für den Krieg gearbeitet, in dem es ein Mittel zur Schwächung Rußlands erblickt. Ganz allmählich ging es vor und bearbeitete «sicht einzelne Personen, sondern die öffentliche Meinung Japar«s. Aber tverrurn — fragen die Verteidiger des Judentums — sollte Rußland den Juden so verhaßt sein? Rußland ist doch nicht das einzige Land von christlicher Kultur? Allerdings ist es «sicht das ei««zige, aber in den andere,: Ländern kam: das Judentum mit der Kernbevölkerung zurecht kommen. Das zimperliche und eigenartig freiheitsliebende England hat cs verstanden, seine Gottesfürchtigkeit mit der Getvährnng aller Rechte an die Juden zu vereinigen und bei seinen aristokrcsiischen Neigungen einen Juden zum Lordmayor von London zu wählen. In Frankreich sind die Juden geradezu die Herren der Situation und wissen in listiger Weise durch die Hand der Regierung Heer und Flotte zu erniedrigen und die Bilder Christi aus den Schulen und Staatsinstitutionen zu^ vertreiben. In Rußland ist etwas derartiges unmöglich, obgleich das Judentum die «neisten Blätter in seiner Hand hat und der Kosmopolitismus zügellos gepredigt wird. Deshalb ist das orthodoxe Rußland das vor- A-ehmlich christliche Land, das einzige wahre Bollwerk des Glaubens und der Kirche Christi. Deshalb wird es von dem Judentum für den Haupffeind gehalten, deshalb ist die obenerwähnte Rolle des Weltjudentums in dem jetzigen Kriege durchaus wahrscheinlich." Schwer,--sehr schtvcr-.wird. den -takt-.. und verständui^vMp. russischen Journalisten die Erfüllung ihrer ernstenpatriotischen Aufgabe durch solche Blätter, «vio den „Sswet" undden „Kreml", gemacht. Chronik. Gedenktage. Mai. 1. 1833 geb. in Obersitzko Prof. Dr. Abr. Berliner. 1900 st. in Dessau Freih. Mor. v. Cohn, der Vermögens-Verwalter von Kaiser Wilhelm dem Cifften. 1901 st. in Koburg Geh. Kom.-Rat Jak. Frech, v. Mayer. 1903 st. in Frankfurt a. M. Frau Mi«:ka Goldschmidt geb. Freiin von Rothschild. 2. 1634 st. in Jung-Bunzlau Jakob Bassewi v. Treuenbnrg. 1860 geb. in Budapest der Zioisistenführer Dr. Theodor Herzl. 3. 1871 st. in Wogau d. Philologe Dr. Ed. Munk. 1898 st. in Köln Prof. Dr. Herrn. Schapira. Mathematik. 4. 1852 st. i. Prag Mos. I. Landau („Awch"). 1894 st. i. Berlin Zerlme. Meyer, Philanthropin. 5. 1349 w. in Nordhausen die Juden verbrannt. 1624 w in Coimbra d. Proselyt Dr. Ach. Homen verbrämt. 6. 1818'geb. in Lissa Prof. Dr. S. I. Kaempf. 7. 1819 geb. in Fürth Pred. Heinr. Zirndorf. 8. 1664 w. in Lemberg Juden erschlagen. 1879 st. in Gollnb Rabb. Banrch Rosenfeld. Jjar. 10. starb der Prof. Eli. 1610 st. R. Meir Lublin. 12. 1878 st. i. Amsterdam Salorn. Po«: Nierop. 13. 1806 geb. in Zevkow Prof. Jul. Fürst. 1833 geb. in Obersitzko Prof. D-r. A. Berliner. 14. 1814 geb. in Prag Mg. Jgn. 5t:«randa. 15. 1266 w. in Sinzig d. jüd. Gemei«:de in der Sy«:agoge verbrannt. C'hnmg in der Chewra-Kadischa. In der am 26. ds. stattgehadten vollzählig besuchte Boirstan-dssitzimg der Chelvra-Kadischa wurde dev Vizepräsident derselben, Jur. imd Phil. Dr. Ma'ykus Spitzer, in Anerkennung seinerhervorragenden Verdienste um die Chowr:cv-KMstha einhellig zum E h r e n m i t g l i e d e ernannt. Zweierlei Praxis. Eine arme Fvau, Niska» G ä r b e r, 9. Bez., Berggasse, die einen 70jährigen blinden Mann unb mehrere unmündige Kinder zu erhalten hat, verabreichte an ihre zwei Zimmerherren und zwei Kollegen derselben MittagAkost. Sie bekam das Geld zum- Einkäufen der Rohware und eine kleine EntWÄgung fiirs Kochen, da sie zii arm ist, das Geld fürs Fleisch uisw. vorzuschichen. Das Bezirksamt 9 hat sie zweimal veriwtM zu zehn' Kronen und dreißig Krön e n, die Statthalterei verwarf die R-ekurs-e, ebenso das Gnadengesuch „mangels rücksichtslvürdiger Gründe". (!) Zahllose arische Familien in Wien kochen so g e w e v b e m ä ß i g. Diese Frau Hatto nur den Profit, daß sie und ihre Familie nütessen konnten. Ein jüdischer Geinoindemt, an dm sie sich lvandte, riet ihr, zu „Lueger" zu gehen, der habe schon vielm (l) geholfen. Die Arme läuft Gefahr, enrgespeert zu tverden, da sie die Strafen nicht zahlen kann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.