Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Wien, Freitag Jüdisches Tolksblatt. 22. April 1904 Seite 5 Dezember v. I. und um 1068 weniger als im Jänner v. I. Die Besitzer dieser Pässe hatten 559 Reisegefährten. Die meisten Pässe wurden gelöst in den Komitaten Brassü (854), Abauj-Torna (382), Fogaras (380), Szeben (377), Csik(357), Zemplön (33O) und Szabolcs, dann in den Städten Budapest (178), Szeged (20), Berseez (19), Arad (17), Pancsova (17) und Pozsony (16). Die meisten Pässe (2966) wäre« für Amerika gilttg, dann kommen für ganz Europa (2433) und Rumänien (2327) gelöste. In Kroatien-Slavonien wurden 1646 Pässe ausgefolgt, um 694 mehr als im Dezember v. I. und um 2679 weniger als im Jänner v. I. Die Pässe waren giltig für Amerika (386), Bosnien-Herzegovina (690) und ganz Europa (418). Chronik. KnLand. Gedenktage. April. 23. 1654 st. i. Krakau R. Lipm. Heller (Tos. Jomtob). 24. 1889 st. i. Offenbach Rabb. Dr. Sal. Formstecher, Ehrenbürger. 26. 1836 geb. in. Berlin Nath. Jacob (N. I. Anders). 1842 geb. in Budapest Sicglvart Friedmanil, Schausp. 26. 1871 st. i. Point-Levoy Alexander Laemlein, Maler und Schriftst. 1902 st. i. Posen Geh. Justizrat Orgler, Stadtv.- Borst., Ehrenbürger. 27. 1821 st. i. Moor Sal. Lövysohn, Histor. 1881 B e g i n u der s ch r e ck l. Judenverfolgungen in Nutz lau d. 29. 1833 geb. i. Jutroschin Mich. Friedländer, Exeget und Hebraist. 1844 geb. i. Miskolcz Rabb. Dr. Siegm. Maybaum. 1878 st. i. London Francis Henry Goldsmid. 30. 1717 st. i. Frankfurt a. M. N. Abr. Broda. 1790 geb. i. Nimcs Ad. Js. C r e m i e u x. Jj a r. 1. 1798 Wiederaufnahme der Juden in Köln. 2. 1806 geb. i. Königsberg Abg. Dr. Joh. Jacoby. 3. 1863 st. i. Hamburg Abg. Dr. Gabr. Nietzcr. 7. 1836 geb. Nabb. Dr. Mos. Sam. ZuckermaUdl. 8. 1896 st. i. Schl. O.-Gyala Baron Mob. v. H i r s ch. Die Konferenz des großen Aktionskomitees. Die Konferenz, die programmmäßig für drei Tage einberufen worden war, gelangte Freitag, das ist am 5. Tage, zum letzten Punkte der Tagesordnung. Freitag vormittags wurde die Diskussion über die Anträge der Palästina-N.-F.-Kommission und des Komitees zur Ausarbeitung der Geschäftsordnung zlvischen großem und engere,: „A.-C." zu Ende geführt, indem folgende Anträge angenommen wurden: 1. Antrag Wolffsohn: Das große „A.-C." beschließt, die Oelbaumspende zu übernehmen und deren Verivaltung der Leitung des N.-F. zu überweisen. 2. Antrag Dr. Koke sch: Das „A.-C." leitet die vorliegenden Entwürfe der Herren Dr. Bodcnheimer, Dr. Farbstein, Dr. Tschlenow an die Kommission mit dem Ersuchen zurück, bis zur Jahreskonferenz ein gemeinsames Exposee vorzulegen. Dr. Herzl legt hierauf ein Gesuch der Misrachi der Konferenz vor, worin die Misrachi die Bestätigung als besondere Federation erbitten. Nach kurzer Debatte wird beschlossen, die Misrachi aufzufordern, den bestehenden Bestimmungen des Organisationsstatutcs zu entsprechen. Der Mädchenschule in Jaffa wird eine Subvention von Frcs. 1000.— bewilligt. Dr. Tschlenow hält das Schlußwort: Ich bin glücklich,, durch die Erklärungen Dr. H e r z l s die Ueberzeugung? gewonnen zu haben, daß das „A.-C." und sein Vorsitzender sich bemühen, planmäßig, energisch und klug in Palästina zu arbeiten. Wir können nun ruhigen Gewissens nach Hause fahren, um unsere Arbeit mit frischem Mute wieder aufzunehmen. Es ist allerdings noch nicht alles geklärt worden, aber wir hoffen, daß es bis zur nächsten Zusammenkunft geschehen wird und daß auf unserem Horizont die letzten Nebel verschwiuden werden und nur e i n Stern leuchten wird, „Zion". Ich stelle daher, gemeinschaftlich mit Dr. Klee folgenden Antrag: Das große „A.-C." spricht nach Schluß der Verhandlungen dem engeren „Ä.-C." sein volles Vertrauen aus. Dieser Antrag wird mit Akklamation angenommen. Der Vorsitzende schließt die Sitzung mit den Worten: „Ich danke Ihnen weder im eigenem noch im Namen des engeren „A.-C.", sondern im Namen der Bewegung. Ich hoffe, daß wir uns bei der nächsten Zusammenkunft gegenseitig über erfreuliche Forffchvitte unserer Bewegung werden informieren können/" Wien. (Verein j ü d. j u g el.n d l i ch e i\ A rbeiter „Leopoldstad t".) Mittwoch den 27. ds., um 8 Uhr abends, findet ein Vortrag über das Thema: „Die Tranertage der Sephira" in. Vereinslokale Cafe Möller, 2. Bez., Untere Augartenstr. 1, statt. Die Kollegen werden ersucht um rege Beteiligung. Gäste willkomun'n! Wie«. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Durch den plötzlich eingetretenen Trauerfall im Hause unseres Präsidenten mußte die für den 23. ds. bestimmte Gene r a l Versammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe vertagt werden. Dieselbe findet nun am Samstag den 30. ds.. 8 Uhr abends, in Kuhners Restaurant, 1. Vez., Adlergasse Nr. 6 mit folgender Tagesordnung statt: 1. Jahresbericht. 2. Kassabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Aenderung des Paragraphen 10 der Statuten. 6. Vortrag des Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. Leo M u u k: „Der Geschäftsmann und die Steuerbehörde/" 6. Anträge und Interpellationen. Wie». (M ä d ch e nu n d F r a u e u - V e r e i u „V i k u r C hau lim".) An dem Schlußvortrag dieses Semesters, welcher am 16. ds. stattfaud, referierte Herr Dr. Sigm. Werner in höchst interessanter Weise über das Thema „Der Nährtvert unserer gebräuchlichsten Nahrungs,nittel" und erntete für seine Ausführungen lebhaften Beifall. — Jene Mitglieder, welche olu Interesse an den Krankenbesuchen in den Spitälern haben, lverden höflichst eingeladen, sich au den Sitzungen, welche au jedem Montag nach dem 1. und 16. eines jeden Monats in der Neligionsschüle, 2. Bez., Negerlegasse 2, 1. Stock von 7 bis halb 9 Uhr abends stattfiirden, zu beteiligen. Wien. (B e r e i n j ü d. H a n d e l s a n g e st e l l t c r, 2. Bez., Taborstraße 26. Cafe Zentral.) Montag den 26. ds. Vereinsabend mit Bortrag des Herrn Oskar Da r t h. Thema: „Sozialismus und Zionisinus." Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen! Wien. Am 10. April fand unter Vorsitz Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr- F ü r st und in Anwesenheit des Gesamtvorstandes die Prüfung an der Jsr. Neligionssehule der Adaß Jisroel (Schiffschril) statt. Die zahlreichen Gäste, darunter Herr Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer. Herr Inspektor Professor M. Kanitz, in Vertretung der Kultusgemeinde Herr Offizial Braun, Herr Oberkantor Dauer, die Vertreter vieler Vereine usw. folgten de Prüfung, welche von halb 9 bis halb 2 Uhr dauerte, mit gespannter Aufmerksamkeit. Wenngleich man gewohnt ist, bei diesen Prüfungen außerordentliche Leistungen kennen zu lernen, werden die Besucher dennoch von Jahr zu Jahr überrascht. Der Eifer, mit dem der Lehrkörper seiner schivierigen Aufgabe obliegt, ertveckt in den Schülern eine solche Liebe zum Studium der heiligen Sprache und Schrfiteu, daß Erfolge erzielt werden, die bei der karg zugemessencn Unterrichtszeit nahezu unglaublich erscheinen. Die rasch und präzis gegebenen Antworten der Kleinen, denen Herr Lehrer Oesterreicher eine gediegene Grundlage mit Meisterschaft beibringt, erregten nahezu Verblüffung; in den Mittelklassen des Herrn Lehrers Feuerring wurde ein gründliches, erfolgreiches Weiterarbeiten konstatiert, das in den obersten Abteilungen unter Herrn Lehrer Dr. Nosenfeld als ein reiches Wissen und tiefes Eindringen in Geist und Sprache unseres heiligen Schrifttums abschlieht. Herr Professor Kanitz anerkannte in warmen Worten die Erfolge der Schule, die Eltern ermahnend, die Schule durch die häusliche Erziehung zu unterstützen. Herr Doktor Nosenfeld dankte Sr. Ehrwürdeu für die unermüdliche Sorgfalt, die er der Anstalt widmet. Hochbefriedigt verließen die zahlreichen Gäste die Schule mit der Ueberzeugung, daß es nur vieler solcher Schulen bedürfte, um die Zukunft des Judentums zu sichern. An den Eltern liegt es, von der Anstalt reichlich Gebrauch zu machen. Den Freunden jüdischen Geistes und Wissens möchten Ivir nahelegeu, der Anstalt durch Spenden zu ermöglichen, eine steigende Anzahl von Gratisschülern am Unterrichte teilnehmen zu lassen. Die Schule legt dem Vereine Adaß Jisroel und dessen Freunden große Opfer auf, die kaum einer Steigerung fähig sind. Wien. (Kommers). Am 1. Jjar 5664 — 16. April fand im Hotel G u t h ein Kommers zu Ehren des großen zionistischen Aktions-Komitees, veranstaltet vom Arbeitsasschuße der zionistisch-akademischen Korporationen Wiens (Bar Giora, Bar Kochba, Emunah, Erez Israel, Jordania, Leo Pinsker, Theologia, Vereinigung zionistischer Hochschüler) statt. Der Kommers, der von einem sehr zahlreichen Publikum besucht war, wurde vom Obmanne des A. A. Phil. H o r o v i tz mit einer Ansprache eröffnet, in der die Befriedigung der im A. A. vertretenen Studentenschaft über den im zionistischen Lager zustande gekommenen Frieden zum Ausdrucke kam. Nach Absingung der Hymne „od lo ovdu" kam das Mitglied des L.-C. Dr. D. R o t h b l u m zu Worte, der in schwungvollem Hebräisch die Vorgänge in der Partei besprach und aus den letzten Ereignissen hoffnungsvolle Schlüsse zog. Dr. Zweig, Obmann des innerösterr. D.-K., versicherte, daß sich die russischen A.-C.-Mitglieder der vollsten Sympathie in den Wiener zionistischen Kreisen erfreuen, da man überzeugt sei, daß sie nur vom Idealismus getrieben, jene Stellung eingenommen haben, die heute nur noch historischen Wert besitzt, da wir doch Frieden auf der ganzen Linie haben. Er schloß mit dem Wunsche, daß es zu einer vollen Verschmelzung zwischen Ost und West komme. Ihm erwiderte Ing. U s s i s chkin (Jekaterinoslav): „Es wäre allerdings noch kein Friede geschlossen worden; dieser könne erst am siebenten Kongreß zustande kommen. Jetzt sei man bloß zu einer gegenwärtigen Verständigung gelangt. Die Wiener Leitung habe verstanden, was die „Charkower" wünschten; sie habe eingesehen, daß ihre Forderungen gerecht und prinzipieller, nicht aber persönlicher Natur seien. Die „Charkower" hingegen haben eingesehen, daß die Wiener Leitung ihnen nicht alles geben kann, sondern der Kongreß. Friede werde kommen, sobald das Trennende aus der Bewegung ausgeschaltet sein wird. Das Wort ergriff hierauf Schriftsteller Aork-Steiner, der in seiner Rede auf Grund der Geschichte nachwies, daß die Uneinigkeit unter den Juden den Titusbogen erbaute. Der Jude müsse eine Autorität anerkennen und sich unterordnen lernen. Zur Verteidigung der Westler, führt der Redner an, sie seien nicht leichthin „Philantropen", sondern bewußte Zionisten, was sie genügend bewiesen, indem sie sich trotz vielfacher Widerwärtigkeit offen und hingebungsvoll der Bewegung anschlossen. Es dürfe, schloß er, kein „Ost" und „West" mehr geben, denn wenn jüdisches Blut fließt, fragt man nicht, ob es von Ost oder West stammt. Die folgenden Produktionen des Herrn Lipsky, der in virtuoser Weise das Klavier meisterte, ernteten großen Beifall. Es sprachen noch Herr U r i s o h n von der Misrachi-Partei, techn. Kaplan und A. M ü l l er aus^der Kolonie Jabne-El, letzterer in fließendem Hebräisch. Zum Schlüsse sang jur. B l a n n Jargonlieder, worauf die Gäste in gehobener Stimmung die Versammlung verließen. — Die Pausen wurden durch Absingung nationaler Lieder ausgefüllt. Wien. (T o h n b e e - H a l l e.) Unter den diesjährigen Sommerkursen befindet sich auch ein solcher für Buchhaltung (doppelte amerikanische), gegeben von dem Vorstandsmitgliede Herrir Hermann Berliner, der in einem ersten Fabriksgeschäfte die Stellung eines Oberbuchhalters bekleidet. Dieser Kurs findet jeden Sonntag vormittags von 8 bis halb 10 Uhr statt, beginnend mit dem erster: Mai. Wien. (B e t h a u s v e r ein 2. Bez., F u g b a ch g. 7.) Herr Rabb. Dr. Daniel Firrk hält auch ir: diesem Jahre während der Sefiratvochen täglich nach dem Miirchagottesdlenste die üblicher: Vorträge über die „Sprüche der Väter", zu welchem alle Freunde der jüdischen Wissenschaft eingelader: werden. Kundmachung. Der Kultusvvrstand bringt hiermit zur Kenntnis, daß in Gemäßheit des § 91 des Statutes der israelitischen Kultusgemeinde Wien die Rechnungsabschlüsse über di« Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1903 vom heutigen Tage ab, durch 14 Tage im Sekretariate (I., Seitenstettengasse 4. IT. St. zur Einsicht der Gemeindemitglieder aufliegen. Die Gemeindemitglieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist ihre Erinnerungen schriftlich einzubringeu. Die öffentliche B o rstandssitzung zur Erledigung der Rechnungsabschlüsse wird auf Sonn nt ag, den 8. Mai d. I., vorm. 11 Uhr, (Sitzungssaal der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenftettengasse 4., II. Stock) auberaumt. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Ablehnung eines Richters. Einen ziemlich merkwürdigen Ablehnnngsgrnnd für der: Vorsitzenden in einen: Zivilprozeß machte kürzlich der Vertreter des Herrn Ernst Bergani, Herausgeber des „Deuischen Volksblatt", Dr. Robert Gruber, geltend. Der Ab-^? leynuttgsgrund heißt: „Befangenheit ans Rasscgründen". Herr - Vergant war beim Handelsgericht wegen einer angeblichen alten - Schuld von 38 000 Kronen geklagt und Obcrlandesgertchtsrat Doktor? Beisscr ivar zum Scnatspräsidenten bestimmt worden. Der Bei klagte brachte hierauf durch Dr. Robert Gruber ein Gesuch um j Ablehnung dieses Vorsitzenden eilt, in dem cs heißt, cs lägen zwingende Gründe vor, die Unbefangenheit des Dr. Beisser als Richter! in Zlveifel zu ziehen. Dr. Beisser sei nämlch Jude, Vcrgani aber \ als Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" der Prononzierteste j Vertreter des Rassennnlisemitismus und überdies habe er anläßlich! der Beförderung des Oberlandesgerichtsrates Dr. Beisser in seinem Blatte diesen unter der Aufschrift „Kleins Wirtschaft im Justiz-! Ministerium" angegriffen. Der Beschluß des Handelsgerichtes lautete: „Der Ablehnungsantrag wird zurückgeiviesen. Wenn auch : der Geklagte ein prononzierter Vertreter des Rassenantisemitismus! ist, so ist auch der Kläger (Wilhelm Ph. Hanck), wie der Klage zu , entnehmen ist, Parteifreund und Gesinnungsgenosse des Geklagten,! und es liegt daher gar kein Grund zur Annahme vor, daß Doktor i Beisser, der sich übrigens seit Jahren zur katholischen Religion be- ' kennt, die vorliegende Rechtssache nicht mit voller Unbefangenheit ' entscheiden sollte. Die Befangenheit dieses Richters kann auch nicht i aus dem Angriff im „Deutschen Volksblatt" mit Grund gefolgert - werden, in den: es heißt, Dr. Beisser habe 177 Vormünner übersprungen, dies umso weniger, als der Artikel vermöge seiner Ueberschrift „Kleins Wirtschaft im Justizministerium" sowie vermöge seines ganzen Inhaltes doch beweist, daß ein Angriff gegen die , Justizverwaltung und nicht gege>: Dr. Beisser vorliegt. Auch hat Dr. Beisser, zur Aenßerung aufgefordert, die Erklärung abgegeben, daß er sich in der vorliegenden Rechtssache nicht im geringsten für besangen erachte. Es mußte daher das Ablehnungsgesuch abgewiesen werden." Dagegen brachte Dr. Gruber den Rekurs ein, den das Oberlandesgericht mit der kurzer: Begründung abwies: Nachdem die Ablehnungsgründe nicht zureichend sind, um die Unbefangenheit des Senatspräsidenten Dr. Beisser in Zweifel zu ziehen, war dem Rekurs keine Folge zu geben. Ein neuer Erlast über das Detailreisen. Der kürzlich von uns mitgeteilte Erlaß des Ministeriums des Innern bezüglich des sogenannter: Detailreisens enthält, wie erinnerlich, die Anordnung, daß die Handlungsreisender: eventuell verhalten werden können, in jedem einzelner: Orte eine separate Gewerbeanmeldung vorzunehmen, was jedesmal mit einer speziellen Steuervorschreibnng verbunden wäre. Diese Verfügung hat in industriellen Kreisen Beunruhigung hervorgerufen, da der Erlaß eirre neuerliche Behinderung des Reifens bedeuten würde. Nunmehr wird, wie wir hören, m den nächsten Tagen ein ergänzender Erlaß erscheinen, welcher in einer Erläutentng den lautgcwordenen Bedenken Rechnung tragen und insbesondere derAuffassung entgegcngetreten wird, als ob der ersten Verfügung eine beschränkende'Tendenz innewohnen würde. Erster Wiener jüdischer Turnverein. Sonntag den 17. April fand im Deutschen Volksthcater die Nachmittagsvorstellung statt, die der 1. Wiener jüdische Turnverein zu Gunsten des Turnhallenbaufonds veranstaltet hatte. Gegeben wurden Schnitzlers „Lebendige Stunden". Die Freunde der jüdischen Turnsache füllten das Haus vollständig, so daß dem rührigen Komitee, um das sich besonders der Präsident des Vereines und Herr Siegfried Beer bemüht hatten, gewiß ein hübscher Reinertrag bleiben dürfte. Nach der Vorstellung versammelten sich viele Turner und Turnerinnen nnid Freunde des Vereines im Cafe Ronacher, wo . 's Konriiee eine kleine Unterhaltung improvisierte. Frl. Kohn als Cnngerin und die Herren Bodiansky und Rothschild machten sich um die Unterhaltung verdient. Mit einem flotten Truzcbn' si/loß die sehr gemütliche Zusammenkunft. Aus der Wiener jüdischen Toynbee-Halle, 20. Bez., Karajangasse 20. Die Unterrichtskurse beginnen SotnUag den 1. Mai um 8 Uhr vormittags im Lokale der Toynbee-Halle. Bisher sind folgende K:rrse angemeldet: Englisch, Französisch, Deutscher Elemientarkurs, Deutsche Literaturgeschichte, Buchhaltung, Stenographie, Schnittzeichnen. Schulpflichtige Kinder werden nicht als Hörer eingetragen. Die Einschreibungen werden Donnerstag den 21., Montag den 25. und Donnerstag den 28. April, 7 Uhr abends, und bei Beginn der Kurse vorgenommen. Etwaige Anfragen sind an Dr. Siegm. Werner, 9. Bez., Nutzdorferstr. 16, zu richten. Im jüdische,: Schulverei,: für den 9. Bezirk fand am 17. ds. unter großer Beteiligung und in Anwesenheit des Knltusborstehers Prof. Dr. E h r m a n u und des Inspektors Prof. Dr. Kanitz die diesjährige Prüfung statt. Der Vereinsborstand Primarius Dr. S. Kornfeld begrüßte die Gäste. Die Prüfung befriedigte die Anwesenden im vollsten Maße, so daß Inspektor Prof. Kanitz mit Recht die Fortschritte der Schüler, die Verdienste des Lehrers Dr. H. Oesterreicher um dieselben hervorhob, weshalb er auch den Verein und seine Schule zur Förderung und Unterstützung empfehlen könne. Der Kongreß der „Cesko Zid" fand am 10. April d. I. in Pardubic statt. Der Schriftsteller Herr Max Lederer behandelte in einer längeren Rede die Frage, worin die Modernität in der Anschauung über die böhmisch-jüdische Frage bestehe, akzentuierte bestimmt und überzeugend, daß das Judentum die Fortschrittlichkeit nicht ausschließe und auf welche Weise der Formalisnms und die Orthodoxie zu beseitigen ist, damit die ethische Seite des Mosaismns, die entschieden lebensfähig ist, durchdrungen und zur Grundlage edlen Denkens und Handelns werden könnte. Sonst ging er um alle aktuellen Fragen wie die Katze um den heißen Brei herum. Ihre Anschauungen über diese Frage brachten noch zum Ausdruck die Herren: JUC. O. Guth, JUC. Teytz, JUC. Müller, JUDr. Freiberger, JUDr. O. Bvndy, JUDr. Straß, JUDr. Thein, Munk, MUDr. Vohryzek. — Die Herren Dr. Herben und Alois Hajn sprachen dem Kongreß ihre Sympathien aus. Vorsitzender der Versannnlung war Herr JUDr. Eduard Lederer aus Neuhaus, Stellvetreter des Vorsitzenden die Herren: MUDr. B. Klineberger, Mdokat ans Muhlhansen und MUDr. L. Thein aus Pardubic. Bezüglich der Organisation wurde die Entstehung von kleine,: fortschrittlicher: Gesellschaften anempfohlen. — Znm Schluß wurde ein Ausschuß geivählt, der das Arbeitsprogramm für den nächsten Kongreß anszuarbeiten hat. Aus Czernowiti tvird uns gemeldet: Die hierortigen jüdischen Privaibeamten haben den Beschluß gefaßt, einen Verein zur Wahrung ihrer Standesge,rossen ins Leber: zu rufen. Derselbe wird sich auf nationaler Basis anfbanen und freit Namen „Verein jüdischer Privaibeamten" führen. Das mit der Ausarbeitung der Statuten betraute Komitee hat dieselben bereits der hohe»: Bukorvinaer Landesregierung zur Genehmigung unterbreitet. Aufgelöste Versammlung. Aus C z e r n o w i tz wird uns geschrieben: Die Versammlung, :>: welcher der sattsam bekannte Doktor Schorr (Kolomea) über die «Jüdische Arbeiterschaft und die