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Jüdisches Volksblatt · 1904-04-22 · 17 (22.4.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdische* Volktblatt. 22. April 1904 Nr. 17 ruf, betonte in sehr beifällig aufgenommenen Worten, daß die Chewra-Kadischa ans dem konservativ-demokratischen Principe beruhe und daß er mit allen Kräften dahin wirken werde, daß dieses Prinzip nach jeder Richtung gewahrt bleibe. Die vorgebrachten Anregungen werde er im Kultusvorstande nach Kräften vertreten. Auch der Delegierte der Kultusgemetnde, Salo C o h n, versprach die Förderung der Chelvra seitens der Kultusgeineinde. Kulkusvorsteher Kauders beruhigte die Anwesenden, daß tm Friedhofe alles geschehe, was das Ritual vorschreibt. Es sei noch erwähnt, daß der Geschäftsbericht zur Kenntnis genommen, dem Vorstände das Absolutorium und Dank votiert wurde und bei der Wahl der Vorstandsmitglieder die auch von uns publizierte Liste des Wahlkomitces durchdrang und somit die Herren Jakob K a u n, S. Steiner und Moriz B r e i t n e r als gewählt erscheinen. Czernolvitzer Brief. (Hubertas und Hasmonaea, der Czernowitzer Wolf, der Union-Schorr und die Zephira.) Czernowitz, 18. April 1904. Die letzten Tage der vergangenen Woche brachten ein bewegteres, pulsierendes Leben in die Straßen der sonst ruhigen Stadt am Pruth. Die Hauptstraße und der Ringplatz boten zur Promenadezeit ein außergewöhnliches Bild und ein Treiben, wie wir es sonst selten zu sehen bekommen: Jedesmal ein Volksauflauf, ein starkes Polizeiaufgebot, blinkende Säbel und die Luft durchschwirrende Stöcke. Was war geschehen, was die Ursache dieser Schlägereien? Jedes Kind in der Stadt weiß es bereits. Zwei grüne Jungen, Söhne „Deutscher" Landwirte, waren als Antisemiten heimgekehrt, und wollten gleich Bravourstückchen aufführen. Es hätte sich ja niemand einen Pfifferling gekümmert, ob diese Buben judenfreundlich oder feindlich sind, wenn sie sich, wie die hiesigen deutschen Studentenverbindungen „Vxmtnia* und „Teutonia", ihrer numerischen Schwäche bewußt, ruhig verhalten hätten. Doch diese jungen Urteutonen wollten ihre Stammesgenossen übertreffen und begnügten sich nicht bloß damit, antisemitischer Gesinnung im stillen zu sein, sie suchten das der hiesigen jüdischnationalen Studentenschaft gegenüber in frecher Weise zu dokumentieren, als ob sie in der Wiener Aula wären: Sie verweigerten einem jüdischnationalen Studenten die studentische Genugtuung, indem sie sich auf das Waidhofer Programm beriefen, das den Juden die Satisfaktion verweigert. Bekanntlich ging die Agitation von einem Dr. Albrecht aus, dem ein Jude für Lebzeiten den rechten Arm bei einem Duell kampfunfähig gemacht hatte, und der aus Rache diesen Beschluß unter Patronanz des H. K. Zucker-Wolf provozierte. Doch diese Buben hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die jüdische Studentenschaft, die hier in der Mehrheit ist, durfte sich eine solch provozierende Frechheit nicht gefallen lassen: die beiden Teutonen, Mitglieder der Wiener „Hubertas". wurden gehörig „geholzt". Die „Nachrichten" meldeten gleich von einem Ueberfalle „jüdischer" Studenten auf deutsche und drohten mit großen Exzessen. Tags daraus erschienen auch die beiden Buben, diesmal gedeckt von einem Troß deutscher Maurer aus der Vorstadt Rosch, in Kouleur und lächelten höhnisch den versammelten jüdischen Studenteu .zu, wobei es abermals zu Schlägereien kam, die solche Dimensionen annahmen, daß die herbeigeeilte Polizei vom Leder ziehen mußte und einige Berhaftungrn vornahm. Daß aber die Sympathien aller Juden, selbst derjenigen, die nur äe nomine noch Juden sind, und aller anderen edel denkenden auf Seiten der jüdischnationalen Studenten find, beweisen die Blätter verschiedener Richtung, die alle — die antisemitischen „Nachrichten" natürlich ausgenommen — das Vorgehen der jüdischen Studenten billigen. Allmählich komme« auch die bisnun Verblendeten zur Einsicht, daß man die beiden Buben aus der „Hubertas" nur als agents provoeateurs benutzte, um eine größere Judenhetze inszenieren zu können. Die „Nachrichten" aber brachten nach echt antisemitischer Manier einen tendenziös entstellten Bericht, nach dem nicht nur die Studenten, sondern auch Bolkshaufen an den Prügeleien teilgenommen hätten, wobei sie es natürlich unterließ, zu sagen, daß diese Volkshaufen von den christlich-deutschen Maurern gebildet wurden, und daß sie sich gegen die Juden wandten. Die gegenwärtigen Studentenschlägereieu haben daher einen ganz anderen Charakter als anderswo, und bilden gewissermaßen den Anfang von der Emigration der Juden von den Deutschen, der hoffentlich zu Gunsten der letzteren entschieden werden wird. Dieses böse Spiel der deutschen Hintermänner, die hinter den Koulissen antisemitische Politik machen wollen, wurde jüngst durch einen Schritt unseres Landespräsidenten Fürsten Hohenlohe ein wenig unterbrochen. Der Anführer dieser verkappten Antisemiterl nämlich, der Administrationsrat Dr. Wolf — auch wir haben ein „Wölflein" — hat in der vergangenen Woche, angeblich durch höheren Druck gezwungen, sein Gemeinderatsmandat niedergelegt.. Prinz Hohenlohe soll nämlich allen Beamten einen scharfen Verweis gegeben haben, in öffentlichen Körperschaften eine so stark radikale (sollte heißen: antisemitische) Politik zu treiben. Wie es heißt, sollen dem Beispiele Wolfs zwei andere folgen. Len jauwdu! i Die jüdische Studentenschaft hatte eine bewegte Woche: Den Prügeleien mit den Deutschen folgte am Samstag ein kleines Scharmützel mit den hiesigen Sozialdemokraten. Schon die Arbeiterbildungskurse der „Zephirah" waren den Sozialdemokraten ein Dorn im Auge und nicht eiumaC mußten die uneigennützigen jüdischen Studenten Anrempelungen und gemeines Besudeln von Seiten dieser Herren erfahren, denen kein Mittel zu gemein war, entweder die Studenten durch ihr Sudelblättchen zu begeifern, oder die jüdischen Arbeiter von der Ausbildung fern zu halten, damit sie ja nicht vielleicht durch den Verkehr mit den nationalen Studenten auch selbst national werden. Doch ihr Bemühen war fruchtlos, die Arbeiterkurse sind in vollem Schwünge und Dank den Bemühungen des äußerst rührigen Herrn Dr. Diamant wurde vor Kurzem eine Organisation jüdischer Arbeiter auf nationaler Basis geschaffen. Das war den Herren Sozialdemokraten doch zuviel und sie rüsteten zum letzten Verzweiflungskampfe: Sie riefen den Bileam aus Kolomea, den berüchtigten Union-Dr. Schorr, der, wie das „I. V." berichtete, nach den Zablotower Exzessen die Schuld den Juden in die Schuhe schob, damit er die jüdischen Arbeiter eines Besseren belehre. Der Rathaussaal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt von jüdischen Arbeitern sowohl wie von der jüdischen Studentenschaft, die es dem Dr. Schorr für seine Antisemitenrede bezahlen wollte. Doch kam es gleich nach Eröffnung der Versammlung — die 15 Sozialdemokraten wollten einen Vorsitzenden aus ihrer Mitte, während die überwiegende Majorität einen Unparteiischen vorschlug — zu solchen tumultnösen Lärmszenen, daß der Regierungskommissär die Versammlung auflvste. Mit Pfui- und Abzugsrufen: „Nach Zablotow" wurde Dr. Schorr bis auf den Ringplatz hinausgeführt, worauf sich die jüdische Arbeiterschaft im Lokale des „Zion" versammelte, wo Doktor Diamant das Borgehen Dr. S ch o r r s beleuchtete und für seine Ausführungen mit reichem Beifalle belohnt wurde. Wie es heißt, sollen die Sozialdemokraten am kommenden Samstag eine neue Volksversammlung mit derselben Tagesordnung: „Die jüdischen Arbeiter und die Sozialdemokratie", in der ebenfalls Dr. Schorr sprechen soll, veranstalten, doch wird auch dort die jüdische Studentenschaft hoffentlich zur rechten Zeit am Platze erscheinen. E m e s. Zettungsschau. Die „Ruthenische Revue" schreibt: Ein panslavistisches Zirkular. Zur Zeit, als Rußland im fernen Osten angeblich um die Freiheit der indogermanische Rasse kämpft und Europa, sowie dessen Zivilisation vor der gelben Gefahr zu verteidigen vorgibt, dürste es nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, wie die russische Negierung diese wichtige Aufgabe im europäischen Rußlanv erfüllt, wo die europäische Zivilisation von der gelben Gefahr nicht oder zumindest noch nicht bedroht ist. Wir wollen hier ein Beispiel anführen, das jedenfalls für die Taktik der genannten Negierung charakteristisch ist. Der Odessaer Schulinspektor richtete an die Leiter der Volksschulen folgendes Rundschreiben, das wir in wortgetreuer lleberseynng hier bringen: Odessaer Schulbezirk des Inspektors der Volksschulen des Ananjew-Odessaer Rayon. An die P. T. Schulleiter. Während der .Inspizierung der Unterrichtsanstalten des mir anvcrtrautcn Rayons habe ich bemerkt, daß viele Lehrpersonen während des Unterrichtes zu den lokalen Mundarten Zuflucht nehmen und die russischen Worte — um deren Sinn und Bedeutung den Kindern beizubringen — in die deutsche (an deutschen Schulen, jüdische (an jüdischen) und andere Sprachen übersetzen, so beispielsweise in den Schulen mit dem moldauischen (rumänischen) Schülermaterrale in die moldauische, in denen mit ruthenischem Schülermaterial in die rnthenische. Diese Uebersetznngsmethode, welche das Kind mit der zu erlernenden Sprache bekannt machen sollte, wurde schon lange als eine minderwertige und unnatürliche Unterrichtsweise anerkannt. Ich erachte es ebenfalls als einen großen Mangel, daß die Schüler im Schulgebäude und im Schulhofe während der Zwischenpausen in ihrer Muttersprache sich unterhalten. Dadurch wird das Resultat des Unterrichtes der russischen Sprache bedeutend herabgemindert und eine erfolgreiche Erlernung dieser Sprache erschwert. Die Kinder werden Ihre Muttersprache ohnedies nidjt vergessen, schon deshalb nicht, weil sie zuhause in ihrem Familienkreise fast ausschließlich dieselbe gebrauchen; der russischen Sprache widmen sie aber nur die Unterrichtsstunden in der Schule. Viel erfolgreicher wird ' die Aneignung der russischen Sprache vor sich gehen, wenn die Kinder zumindest während der ganzen Zeit ihrer Anwesenheit in der Schule ausschließlich russisch sprechen werden. Deshalb ersuche ich die P. T. Lehrer: 1. Ausschließlich in russischer Sprache vorzntragen (es können mir die deutschen Gegenstände an deutschen Schulen und die jüdischen an jüdischen Schulen ausgeiwmmen werden); 2. wenn die russische Sprache den Kindern wenig, bekannr oder ganz fremd ist, ist unbedingt die Realmethode zu gebrauchen — als beste Anleitung dazu dient das Handbuch „Methodische Anleitung zum elementaren Unterricht der russischen Sprache an den anderssprachigeir Schulen"; 3. mit Anwendung aller Kräfte dafür Sorge zu tragen, daß die Kinder rn der Schule, und zwar in allen Schulen ohne A u s n a h rn e, sowohl während der Unterrichtsstunden, wie auch während der Pansen, ausschließlich der russischen Sprache sich bedienen." Dieses Rundschreiben ist für die Nussifizieruugs-Methode der russischen Negierung,sehr bezeichnend. Es wird zwar sub 1 bei den deutschen und jüdischen Gegenständen an deutschen und jüdischen Schulen eine Ausnahme gemacht — das aber nur pro formal Denn die betreffende Bemerkung steht im offenkundigen Widerspruch, soivohl zum Tenor des ganzen Zirkulars, wie auch zum Schlnßpassus desselben. Bekanntlich wurden nach dec endgiltigen Einverleibung der Ukraine alle rnthenisch-ukrainischen Schulen in russische verwandelt. Dasselbe Schicksal ereilte auch zum größten Teil anderssprachige Unterrichtsanstalten in Rußland (armenische, deutsche usw.). An den ruthenischeu Schulen verfuhren nun die Lehrer in der Weise, daß sie jeden russischen Satz in rnthcnischer Sprache erläuterten und so wenigstens teilweise den Fortschritt der Schüler ermöglichten; der Unterschied zwischen den beiden Sprachen ist nämlich so bedeutend, daß selbst intelligente Rnthenen, die unssisch gelerni haben, niemals oder doch sehr selten korrekt russisch sprechen. Selbst an der Universität wird das Russisch der Rnthnicn von Leinn der echten Russen mit dem Ausdrucke „Chachlakisch" bezeichnet. Leicht kann man sich nun vorstellen, welche Schtvierigkeiten die Erlernung der russischen Sprache den ukrainischen Dorfkindern bereitet." Ans 'den: angeführren. Rundschreiben kann man erfahren, mit welch eiserner Konsequenz die russische Regierung ihre vanrnssischen Pläne verfolgt, trenn sie selbst die augedentete Uebersetzungsinethode verbietet und dadurch die Unterrichtsersolge ad >tnll reduziert. * * * Das „Deutsche Bvliksblatt" über das „Neue Wiener Tagblatt". Wir haben seinerzeit über die charaktervollen Versuche berichtet, die Herr Wilhelm Singer, der Ehrenbürger der Nikolsburger Judengemeinde macht, um sich de» Christlichsozialen anzubiedern. Jedes Eintreten für jüdische Interessen wird sorgfältigst vermieden (wozu, die Allianz zahlt doch nichts); dafür wird jedes „christliche" Unternehmen, wenn cs sich nur die Unterstützung des „N. Wr. Lgbl." gefallen läßt, wohlwollend behandelt. Doch scheint der Erfolg ausbleiben zu wollen. Wenigstens schreibt das „Deutsche Volksblatt" in seiner Mittwochnummer folgendes: (Der Unparteiische.) Herr Wilhelm Singer, der Chef des „N. Wr. Tgbl.", ist bekanntlich unparteiisch, so unparteiisch, daß er auch gerne mit Antisemiten Geschäfte machen möchte. Neuestens schlängelt er sich an die christlichsozrale Partei heran; seine Taktik ist der der „N. Fr. Pr." ganz entgegengesetzt. Die Antisemiten zu zerschmettern, das traut er sich nicht zu, allein er will sie gewinnen. Die Sprünge, die das „N Wr. Tgbl." bei diesen Bemühungen macht, sind possierlich genug . . . Wir wollten nur, angesichts der krampfhaften Versuche des „N. Wr. Tgbl.", sich an die christlichsoziale Partei heranzuschlängeln, konstatieren, daß Herr Wilhelm Singer trotz feiner bereits an die Karikatur streifenden «Objektivität" ein jüdischer Journalist und das „N. Wr. Tgbl." ein „unparteiisches" — Judenblatt ist, das die antisemitische Bewegung verseuchen will, nachdem der ,.N. Fr. Pr." es nicht gelungen ist, sie zu unterdrücken. Im besonderen geht Herr Singer heute der christlichsozialen Partei um den Bart, weil er sich die Mitwirkung der Gemeinde bei dem Preßkongresse, den er im September in Wien abzuhalten gedenkt, sichern will . . . Das sind die Erfolge der „Sichnichtzuerkennengeben- Taktik". Zum Schluffe rufen die Christen — und in diesem Falle mit einem gewissen Rechte — auch solchen Talmijuden Hepp-Hepp zu. -i- * Neues zum Uganda-Projekt. Bekanntlich erhielten die „Times" zur Zeit des letzten Baseler Kongresses von Lord Delamer, der seit mehreren Jahren in Uganda ansässig ist, ein Telegramm, in wclchein er sich sehr scharf gegen die englische Negierung tocndct, weil sie den Zionisten die Uebcrlassung von Uganda in Aussicht gestellt hat. Nun berichtet „Daily Ehronicle", daß Lord D e l a m e r Nairobi, also gerade jenen besten Teil von Ugandä, welcher für die Ansiedlung der Juden bestimmt war, käuflich erworben habe und beabsichtige, daselbst große Farmen und Viehzuchtstätten zu gründen. Nach derselben Quelle soll die englische Regierung dem Lord fünfzig Quadratmeilen anschließenden Landes zu Kolonisationszwecken geschenkt Haben. Diesen Landstrich will nun Lord Delamer an fünfzig „passende" Kolonisten unentgeltlich verteilen und ihnen bei der Einrichtung der Kolonien behilflich sein. Sollte sich diese Nachricht bewahrheiten, so muß das Vorgehen der englischen Negierung zumindest als eigentümlich bezeichnet werden. Es wäre ganz unbegreiflich, weshalb England diesen fruchtbarsten Teil von Ostafrika erst den Juden großmütig zur Verfügung zu stellen verspricht, wenn es dann hinterher dasselbe Land gerade an den Judenfeind Delamer verkauft. Ob sich auf dem ganzen englisch-ostafrikanischen Gebiete überhaupt noch ein für jüdische Kolonisation geeigneter Landstrich befindet, ist zumindest fraglich. : * * * „Workds Work." Ein Artikel über Alaska von W. R. Stewart, in dem das Goldland, das vor einigen Jahren bei seiner Entdeckung so viel von sich reden machte, von einem neuen Gesichtspunkt betrachtet wird. Er zerstört die Legende, als sei Alaska, das so groß ist wie Deutschland, Frankreich, England und Belgien zusammengenommen, ein Land des ewigen Schnees und Eises. Die japanischen Winde mäßigen sein Klima, so daß in gewissen Teilen des Landes die Temperatur selten den Gefrierpunkt erreicht. Während vier Sommermonaten kann der Reisende das Land längs des ganzen Laufes des Jukon, seines mächtigsten Stromes, durchwandern, ohne auf Schnee zu stoßen und findet reiche Vegetation, und selbst während des Winters findet das Vieh rings um Klondike genügende Weide. Alaska kann deshalb als ein ungeheures neues Gebiet für Ackerbau und Viehzucht betrachtet werden. Ein einziges seiner Täler iucift 50 Millionen Acres bebaubaren Bodens für Weizenfelder auf; und bis an die Grenze der arktischen Region wird nun regelmäßig Korn, Gerste und Hafer angcbaut. Ebenso bietet das Land unermeßliche Weidcgcbiete für die Viehzucht. Sein Fischreichtium ist ungeheuer; längs der Küsten gibt es einen 125 Meilen langen Strich für den Stockfischfang. Auch der Holz- und Petrolcumreichtmn des Landes ist groß, und bei einer der ersten Bohrungen im verflossenen Herbste sandte eine Quelle ihren Strahl 160 Fuß hoch in die Luft. Alaska hat während der fünf Jahre seit seiner Erschließung einen ganz unglaublichen Aufschwung genommen. Städte wachsen aus der Erde und werden sofort mit allen Errungenschaften der Neuzeit: Elektrizität, Telegraph und Telephon, versehen. Dalvson, die Hauptstadt des Landes, steht hinter keiner modernen Stadt zurück. Es hat eine glänzende Wasserleitung, ein ansgebreitetes Telephonnetz, ist telegraphisch mit der ganzen Welt verbunden, hat Kirchen aller Konfessionen, stattliche öffentliche Gebäude und gute Schulen. Es gibt dort auch gesellige Vereine, Klubs und Theater. Die städtischen Steuern betrugen iin vorigen Jahre 2 200 000 Pfund, und der auswärtige Handel erreichte die Höhe von 7 Millionen Pfund. ** * * * Statistisches Allerlei auS Ungarn. Dem Jännerhefte der Publikationen des Landesstatistischen Zentralamtes entnehmen wir die folgenden Mitteilungen: Im Jänner l. I. wurden in den Ländern der ungarischen Krone 61.756 Kinder geboren; gestorben sind 44,804 Individuen, die natürlich« Zunahme beträgt somit 16.952 Köpfe. Von diesen Zahlen entfallen auf Kroatien-Slavonien 7701 Geburten und 5932 Todesfälle. Im Vergleiche mit dem Jänner v. I. betrug das Plus an Geburten 3000, das Minus an Todesfällen 3700, somit war die natürliche Zunahme der Bevölkerung um 6700 höher. — Die Ehestatistik zeigt die folgenden Ziffern: in ganz Ungarn wurden im Jänner 19.118 Ehen geschlossen, davon 2892 in Kroatien-Slavonien. Im Jänner d. I. wurden um 1000 Ehen mehr geschloffen als im Jänner v. I. Am Plus partizipiert Kroatien-Slavonien mit 400 Paaren. Am heiratslustigsten waren die Landesteile jenseits der Donau; verhältnismäßig die lvenigsten Ehen wurden in Siebenbürgen geschlossen. Von den im engeren Ungarn geschlossenen Ehen waren 1496 (9 22"/o) gemischte Ehen; in Kroatien Slavonien betrug diese Kategorie blos 39 (1'35°4,). Ehen zwischen Christen und Juden wurden 36 geschlossen; in 18 Fällen war der Bräutigam Christ, in 18 Jude. — Die Paßstatistik zeigt die folgenden Ziffern: Im Jänner wurden im engeren Ungarn (mit Fiume) 7208 Pässe verabfolgt, d. i. um 709 mehr als im Monate

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