Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Wien, Freitag Mitglieder so spät die Einladung erhalten haben, Wolfram ersucht die Direktion, größere Fristen bei Rückzahlung des Darlehens zu gewähren. Dr. Lifesis konstatiert auf Grund des Vergleiches mehrerer Statuten, daß das Kreditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte das billigste ist. Dr. Ascher kommt auf die verschiedenen in der Debatte gefallenen Anregungen in seinem Schlußworte zurück, konstatiert, daß die Mitglieder im „Jüdischen Volksblatt" rechtzeitig von der Abhaltung der Versammlung verständigt wurden und fordert die Versammlung auf, zu den Neu- und Ersatzwahlen zu schreiten. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden wiedergewählt die Herren Moriz P o z s o n y i und Isidor L ö w e n b e i n, in die Direktion, die Herren Richard Rappaport und Jacob Reich mann in den Auffichtsrat. Neu gewählt wurde in die Direktion Herr Sigmund Sebek als Ersatzmann, und in den Aufsichtsrat die Herren Dr. Jacob K ohn und SiegfriedO ser, und als Ersatzmänner die Herren, Dr. Leo Knecht und Heinrich G o l d s ch m i d t. Aus Rußland. (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksblatt".) Ich war Zeuge, wie am Vortage der letzten Katastrophe der Zar und die Zarin und die Hauptstütze des völkermordenden Zarismus, die Zarinmutter, mit aller Pracht in der St. I s a a e s k i r ch ^verfuhren, um die griechischen Ostern zu feiern. Es war ein. farbenstrotzendes Gemälde, und in den Mienen aller malte sich stolze Siegeszuversicht. Die großen Tagesblätter schwammen in eitel Wonne, und drohten mit der baldigen Vernichtung der Japaner. Ich aber dachte an K i s ch e n e w. Denn der dritte Ostertag war zugleich der Vortag der Massakres. Der Tag verging .... Der nächste Tag brachte die Meldung von dem Untergange des „Petropalowsk" und dem Tode des Admirals, seines Stabes und 600 braver Matrosen. JmVolke zirkuliert das Gerücht, daß Pl eh w e, als er das Telegramm Uchtomski's erhielt, erschreckt ausrief: „Revanche ponr Kischenew". Die Zarinmutter, die allgemein für den Krieg verantwortlich gemacht wird, erkrankte ernstlich und konnte auch nicht an der Trauermesse am darauffolgenden Tage teilnehmen. Der Zar ließ den Priester Johann von Kronstadt zu sich kommen, der ihn an seine Prophezeiung erinnerte (die ich ihnen auch seinerzeit mitteilte), daß der Krieg die Strafe für Kischenew sei. Der Zar war sehr bestürzt und forderte Plehwe auf, ein geheimes Zirkular an alle Rabbiner herauszugeben, für den Sieg der russischen Waffen zu beten. Er empfing Plehwe sehr ungnädig und überall spricht man^von seinem bevorstehenden Sturze. Ich aber dachte daran, daß der Koloß mit den thönernen Füßen das Walten der Nemesis zu spüren beginne. Am Jahrestag der Massakres von Kischenew die Katastrophe des „Petropalowsk". Welchen anderen Eindruck konnte ich denn gewinnen! Ich sah am nächsten Tage den Aufzug des Hofes zur Trauermesse. Welch ein Kontrast zur Feier in der Jsaaeskirche war die Feier in derAdmiralskirche. Es Weibliche Vornamen: Angela, Alta, Amada, Alegria, Albavaea, Buena, Bella, Bienvenida, Blanca, Bruneta, Cara, Clara, Confuela, Diamante, Dona, Delicada, Tolza, Estrella, Esmeralda, Esperanza, Estimada, Flor, Fermosa, Galana, Gracia, Gentila, Hermosa, Joya, Luna, Linda, Morena, Morcada, Noble, Nina, Oro, Palomba, Perlo, Preciosa, Rosa, Rica, Reina, Senora, Sabia, Sol, Ventura, Vida, Zafira rc. „Wir fügen noch folgende Familiennamen hinzu: Caldoron, Campos, Ca str o, Rod ri g uez, Favarro, P e r e z re. „Sie gehen sogar so weit, daß sie in der Synagoge selbst gewisse Predigten tit spanischer Sprache halten und e i nzelne Bibel stellen an den heiligen Festtagen inspanischerSprachevorlesen. „Eine merkwürdige und gewiß außerordentliche Erscheinung! Unter den genialen Elegien und Jeremiaden, welche am Tage der jüdischen Trauer (am 9. Ab) weinend rezitiert werden, in welchen die Zerstörung Jerusalems beklagt wird, findet sich eine Elegie (deren Autor ich momentan nicht anzugeben weiß), welche in gemischter hebräischer und spanischer Sprache verfaßt ist und der Kuriosität wegen hier transskribiert werden soll: „Jatzeu achechem Gheruslm, Mi-Xerez u-Mi-Sevilla Pvaithi ki orpom kaschim, hewethi gerusch Castilla Ye-Sicilia, Aragon, Granada Allelaj!“ „Was ungefähr bedeutet: das traurige Andenken an die Verbannung aus den Städten Sevilla, Castilla rc., was der Verbannung aus Jerusalem gleichkommt und gleichfalls auf göttliche Verfügung erfolgt ist. „Ich wollte mit diesem Beispiel nur andeuten, wie sehr die spanischen Juden ihre Liebe zu jener Stelle bewahren, wo die Wiege ihrer Vorfahren stand, die damals den Ruhm des Judentums ausmachten. „Aber wie traurig und bitter ist es, jemand zu lieben, der dich ohne Grund und ohne Ursache verabscheut!" Diese schönen und gefühlvollen Kundgebungen der Juden besitzen einen umso größeren Wert, als sie durch einen, wegen seiner Gelehrsamkeit im ganzen Oriente in Achtung stehendeu Manne, dem Direktor einer der größten, wenn nicht der bedeutendsten spanisch-jüdischen Schule stammen, der Spanien weder selbst je besucht hat, noch mit ihm irgendwelche offizielle, Jüdisches Volksblatt. 22. April 1904 SfeitaS war erschütternd, so mußte es in Kischenew zugegangen sein, als man in Gegenwart der ganzen Gemeinde die geschändeten Thorarollen begrub. Rußland beginnt die Folgen des Krieges zu spüren. Was die Waffen der Japaner nicht vermögen, das bewirkt die herrschende Geldnot. Die „Rußkij Wiedomosti" schätzen die täglichen Ausgaben der russischen K r i e g s v e r w a ltung für eine Armee von 300.000 Mann in der Mandschurei auf dreißig Millionen Rubel. Der Verfasser des betreffenden Artikels glaubt, daß das russische Schatzamt Mittel habe, um diesen enormesi Ansprüchen für fünf Monate gerecht zu werden. Die Kriegsoperationen würden aber länger dauern und das Finanzministerium werde rechtzeitig für die Beschaffung neuer Geldmittel zu sorgen haben. Die Zeitung „Ruß" ist der Ansicht, daß die vorhandene Schatzamtsrescrve für sechs Monate ausreichen werde. Das sind Ziffern. Im Lande besteht schon ein Zwangskurs der Staatspapiere. Handel und Gewerbe stocken. Der Kredit ist erschüttert. Man erinnert sich eines Artikels in der „Now Wremj.", in welcher eine Berechnung über die Gesamtsumme der in den russischen Sparkassen liegenden Gelder angestellt wurde; es wurde eine Milliarde herausgerechnet. In einer Flugschrift aus bürgerlichen Kreisen wird nun direkt die Behauptung ausgestellt, daß der Plan besteht, das Bargeld der Sparkassen zu konfiszieren und durch Ausgabe neuer Staatspapiere zu ersetzen. Nur ein Geschäft blüht bei der allgemeinen Stockung — das ist das Geschäft des K r u s ch e w a n. Damit aber nicht neben dem Ernste die Satire fehle, erörterte die „Now Wremja", das reinste Antisemitenblatt, ganz ernstlich den Plan eines Bundemit den — A r a b e r n, den reinsten Semiten, gestützt auf die engländerfeindlichen Auslassungen zweier arabischer Blätter in Kairo: Rußland sei der natürliche Beschützer dieser Völker gegen die ländergierigen Engländer. Das hieße doch wirklich den Teufel durch Belzebub vertreiben. Zugleich debütierte die „Now.^Wreuija" mit der Nachricht, die — Japaner schürten den Aufstand der Maeedonier, um die beginnende Verständigung zwischen Japan und der Türkei zu stören. Also, jetzt wissen wir es, wer eigentlich moralisch und materiell die Macedonier hetzt, — natürlich die Japaner. A l e x e i. Zur Generalversammlung der Chema Kadischa. Die Gedanken und Ideen, welche wir in diesen, der nationalen Gegen wartsarbeit gewidmeten Blättern seit ihrem Bestände widmen, legen langsam, aber sicher den Weg zurück, den wir ihnen' vorgeschriebe». Unbewußt halten sie ihren Einzug in die^Herzen Und Köpfe solcher Brüder unseres Stammes, die sich mit allen Kräften gegen die Aufnahme dieser Ideen wehrten, als wir ihnen zum erstenmale Worte verliehen. Aber zum Tröste des Judentums sei es gesagt, daß hfese Wahrheiten im Innern vieler unserer Brüder schlummerten und cs nur des äußeren Antriebes bedurfte, sie zum Leben zu erwecken und in die Tat umsetzen zu lassen. Einen Beweis für die Wahrheit dieser unserer Behauptung lieferte erst jüngst die Antrittsrede des neugewählten Präsidenten der W'iener Kultusgemeindc. An dieser Tatsache ändert auch der beschämende Umstand nicht, daß das Pauschalblatt der Kultusliterarische, oder andere Beziehungen unterhält, durch welche er sich zu besonderem Danke verpflichtet fühlen könnte. Diese Kundgebungen sind ein Zeugnis für die Zärtlichkeit und Ehrfurcht, mit welcher die Juden heute noch an ihrem angebeteten Vaterlande hängen, für die hohe Meinung, welche sie von der spanischen Sprache haben und endlich für die tiefe religiöse Ergebenheit, mit welcher sie die Verbannung ertragen, indem sie den Verlust des teueren Spanien genau so betrachten, wie denjenigen Jerusalems: als eine Strafe des allmächtigen, gerechten Gottes. Verlassen wir nun für einige Zeit den ehrenwerten Sr. Bejarano, dessen lichtvollen Ausführungen wir im Laufe unserer Besprechung noch des Oefteren begegnen werden, und wenden wir uns der wichtigen Frage der Erhaltung der spanischen Sprache zu, wobei wir einige Aeußerungen ausgezeichneter Juden über hie Wertschätzung, welche die spanische Sprache den Juden verdankt, wiedergeben wollen. Einige Tage nachdem ich (13. November 1903) die Aufmerksamkeit des Senates auf diese Frage gelenkt hatte, veröffentlichten einige, mehr oder minder mit den Interessen des Judentums verknüpfte, auswärtige Blätter einen Auszug aus meiner, bei diesem Anlässe gehaltenen Rede. Einige dieser Blätter wurden mir mit Begleitschreiben zugesandt. Von letzteren verdienen die folgenden veröffentlicht zu werden und zwar sowohl wegen ihres Inhaltes, wie auch wegen der Sprachform, in welcher sie gehalten sind, da diese am besten beweist, welche Aenderungen die spanische Sprache bei den Juden bereits durchgemacht hat. M. Gany, der in Rosiori (Rumänien) ein großes Agentur- und Warenhaus besitzt, schreibt mir in Gemeinschaft mit einem seiner Landsleute am 14. Dezember 1903.*) „Die Spagnolen, welche hier leben, nehmen mit großem Vergnügen die Frage, welche sie im Senate angeregt haben, zur Kenntnis.**) „Wir sprechen das spanische Idiom und sind uns dessen bewußt, daß unsere Väter von den Juden stammen, welche nunmehr vierhundert Jahre vom Lande entfernt leben. (Fortsetzung folgt.)) . " i,--11 «*..•** 1--! ',.-V 1 *) Dis folgenden Briefe sind im jüdisch-spanischen Jargon geschrieben, und weisen sowohl in Bezug auf bte Ausdruckswie auf die Schreibweise bedeutende Abweichungen von der spanischen Literatursprache auf. (Anmerk. d. Ueberf.) **) Hier wird z. B. der Ausdruck „meldar" gebraucht, der nn jüdisch-spanischen Jargon „lesen, lernen" bedeutet. gemeinde, die „Ocstcrrcichische Wochenschrift" anläßlich des Regiernngsantrittes des neuen Präsidenten feine alten, bereits bei früheren Anlässen lviederholt verbrauchten Phrasen hervorholte und zur Empfehlung des Dr. Alfred Ster n, seine hervorragende Tätigkeit im — Gemeindcrate anführt, indem cs in das Klagelied der „Neuen Freien Presse'' einstimmt, wonach Dr. Alfred Stern nunmehr gezwnngen sei, sich ans sein „A l t t e i l" (siel) in der Kultusgemeinde zurückzuzieheu. Es ist das wahrlich ein schlechter Dienst, den dieses pauschalierte Blatt in seiner schlecht verhüllten Verlegenheit dem Präsidenten und dem Ansehen der Wiener Kultusgemeinde macht. lind nun, beinahe unmittelbar nach der Antrittsrede des Kultuspräsidenten, bat auch der Verlauf der Generalversammlung der C h e w r a - K a d i s ch a unsere Aktionen in glänzendster Weise gerechtfertigt. Wir hörten ans dem Munde von Männern, die geiviß nicht im Verdachte radikaler Bestrebungen stehen, Worte, die bei uns geprägt, und Forderungen aufstellen, die durch u n s in Umlauf gebracht wurden. Und diese Prägungen tvurden hier als gangbare Münzen angenommen, ohne daß sie ein Sturm der Entrüstung aus dem Kurse gefegt hätte. Wie wohltuend wirkt doch die Zeit und die — gemeinsame Notl Hauptsächlich zwei Fragen waren es, welche die Gemüter in Aufregung brachten. Die erste Frage wurde durch die Interpellation des Mitgliedes Goldschmidt hervorgerufen, welcher fragte, ob es wahr sei, daß vor einigen Tagen ein nichtjüdisch e s K i n di n einer G r u f t a m j ü d i s ch e n F r i e d h o f e beige setzt wurde? Der Sarg der Leiche trug das Emblem der christlichen Religion. Die Tatsache mußte durch den Vorstand zugegeben werden und damit wurden die traurigsten Kapitel unseres Gemeindelebens mit aller Schonungslosigkeit aufgerollt: Abfallsepidemie unter den Reichen, Leichtfertigkeit des Rabbi nates und Kultusbor st andes in religiösen und nationalen Fragen und endlich gefährlicher Opportunismus nach Außen aus. Ko steii unseres i nneren Lebens. Die Frage selbst hat-eine religiös-nationale und eine juristische Seite. Nach ersterer Auffassung soll die Zusammengehörigkeit der Juden nicht nur im Leben, sondern auch im Tode gewahrt werden. Dieses Prinzip versuchten einige scheinliberake Juden schon vor dreißig Jahren bei Anlegung des heutigen Zentralfriedhofes zu durchlöchern. Damals schrieb S. S z a n t o in der „Neuzeit": „Man kann daher unbedingt annehmen, daß die übAwiegende Majorität der Wiener Juderigemeinde ihrem Vorstände Dank dafür weiß, daß er die K o n f e s s i o n a l i s i e r u n g der jüdischen Friedhofsparzelle errungen hat und würde der Vorstand anders gehandelt haben, so hätteersein Mandat n ie d erlegen müssen . . ." lind heute, dreißig Jahre später, wo der „Liberalismus" von amw dazumal bereits zwangsweise liquidiert hat, wo zu den religiösen Momenten in allen Völkerschichten auch ein ausgeprägteres Nationalgefühl hinzugekommen ist, ist die Wiener Judengemeinde nicht imstande, ihre konfessionelle „Errungenschaft" zu behaupten und zu verhüten, daß sie von den Abtrünnigen nicht nur geschädigt, sondern-auch verhöhnt werde. Nein, sie ist es nicht imstande, weil sie -— und Vas ist die juristische Seite der Frage — beim Verkaufe der Gruftparzellen sich nicht ihres natürlichen Rechtes, der Sicherung des teuer erkauften konfessionellen Charakters vergewissert hat. Leider ist die Chewra- Kadischa in ihrer heutigen Verfassung nichts anderes, als eine mit besonderen Steuern belastete ausübende Körperschaft der Kultusgemeinde und so konnte sie in ihrer Unselbständigkeit nichts anderes tun, als die eingebvachten Anträge, daß bei künftigen Gruft- Verkäufen eine diesbezügliche Bedingung gestellt und den jetzigen Gruftinhabern die Beisetzung n i ch t j ü d i s ch e r F a m ilicn-- Mitglieder in ihrer Familiengruft nur dann gestattet werde, wenn dadurch das religiöse Gefühl der Juden nicht verletzt wird, dem Kultusvorstande als Anregung zu unterbreiten. Wir haben, offen gestanden, wenig Hoffnung, daß diese minimalen Forderungen im Vorstände durchdringen werden. Wer sollte in solchem Falle eine „F am i l i e »"-Gruft kaufen? Gibt es doch unter den K u l t u s v o r st e h e r n eine Anzahl solcher, bei denen unter solchen Umständen die Familiengruft höchstens zur Bestattung ihrer selbst und ihrer Frau dienen Knuten! Wütet ja der Abfallsbazillus gerade in jenen Sphären, aus welchen sich die Kaufkräftigen für Grüfte rekrutieren, in solchem Maße, daß sich ein böses, aber als unwahr dementiertes Gerücht sogar au die Familie eines erst jüngst unter neuerlichem Eide, Vis in den Todzum Judentmne ausharren zu wollen, von der Geincindelcituug zurückgetreteneil Mannes herangewagt hat! ... ' . Eine zweite Frage, welche die Debatte lebhaft gestaltete, betraf die K o n st i t u t i o n der Cheivra-Kadischa selbst. Diese wurde hauptsächlich von dem Mitgliede Herrn Moriz B-a u m einer treffenden, gerechten Kritik unterzogen. In überzeugender Weise führte er aus, daß das Statut der Wiener Chelvra-Kadischa ein Unikum sei, indem sie vollständig von der Kultusgemeinde abhänge, nicht einmal seine Borstandsmitglieder selbst wählen dürfe. Diesem Umstande sei es auch Zuzuschreiben, daß die Cheivra-Kadischa keinen Präsidenten bekomme und daß die Zahl der Mitglieder nicht jene Höhe erreiche, welche ihr schon als älteste jüdische Vereinigung Wiens zukommen würde. Er verweist auf die viel gesünderen Verhältnisse in B u d a p e st und anderen großen Städten des Auslandes. Das Wenige, was bisher erreicht wurde, sei der r ü h r 1 g e n T ä t i gk e i t des Vizepräsidenten Dr. Markus Spitzer zu verdanken, weshalb er auch ihin und dem Vorstände den Dank und das Absokutoriiim votiere. In demselben Sinne äußerte sich wiederholt das Mitglied Jakob Sch i ck, der auch den formellen Beschkußantrag einbrachte, daß die Cheivra-Kadischa in Zukunft ihre Vorstandsmitglieder sich selbst wähle. Kais. Rat Wilhelm Pollak ist der Ansicht, daß die Majorität des Kultnsvorstandes kaum etwas gegen eine diesbezügliche Aenderung des Statuts einzuwenden haben werde. (Vederemo! Red.) Vizepräsident Dr. Markus Spitzer, der den Vorsitz führte und wiederholt das Wort ergriff, widmete den im Berichtsjahre verstorbenen Mitgliedern Mohr und Bondy einen warmen Nach-