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Jüdisches Volksblatt · 1904-04-15 · 16 (15.4.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 15. April 1904 den Zutritt zum Tempel verwehrt? Oder hatte am Ende ein Wiener Rabbiner den Einfall, gegen die Sozialdemokratie zu predigen? Irgend so etwas mußte doch geschehen sein, um den Titel und den Schluß des Artikels zu rechtfertigen, der wörtlich folgendermaßen lautet: „Er (der jüdische Klerikalismus) ist vielleicht ungefährlicher, weil seine öffentliche Macht eine geringere ist; aber sein Geist, seine Wirkung ist darum nicht minder schädlich! Bloß gegen den katholischen Schulverein zu sein, ist nicht ausreichend. Man darf auch die Talmud-Thora nicht wollen!!" (Was sich der kleine Moriz von der „Arbeiter- Zeitung" unter der Talmud-Thora vorstellt?) Aber nichts von alledem war geschehen. Die »Arbeiterwerden können". (Wir bitten die „Arbeiter-Zeitung" inständigst, uns das nächstemal deutlich zu erzählen, was denn die Juden sonst noch alles mögliche werden können. Sie können doch nicht einmal Redakteure der „Arbeiter-Zeitung" werden, ohne aus dem Judentum auszutreten"). „Der Arme... hat alles Interesse daran, die Wiederkehr konfessioneller Schulen zu vermeiden". Da hat aber der heilige Marx die „Arbeiter- Zeitung" einmal im Stiche gelassen; denn bei uns Juden ist es gerade umgekehrt. Der reiche Jude hat in der Regel keinen Sinn für religiöse Bedürfnisse, während der arme Jude oft unter den größten Opfern seine religiösen Bedürfnisse befriedigt. Wenn man uns nach den wirklichen Motiven des anti- Zeitung" Ichlägt nur deshalb L-irm, weil jüdische Schüler so s-u'itischen P-mphl-tS fragt, so »««-» «>r wirUich^ne ondern frech sind „unter Berufung auf Religionsfreiheit", wie die „Arbeiter-Zeitung" höhnisch bemerkt, an jüdischen Feiertagen, während der Stunden, da Gottesdienst i ft, n i ch t d i e S ch u l e zu besuchen. Man höre und staune! Die „Arbeiter-Zeitung", der verhätschelte Liebling des Schottenrings, hat wirklich den traurigen Mut, den Umstand, daß jü« angeben als folgende: „einige sozialdemokratische Jüngels, die sich ihres Judentums schämen und die zu feige sind, sich als Juden zu erkennen zu geben, die es daher als ärgsten Schmerz empfanden, daß sie anläßlich der jüdischen Feiertage ihr sorgsam verborgenes Judentum bekennen müssen, haben diesen sauberen Schmähartikel verfaßt und die „Arbeiter-Zeitung" hat natürlich bische Schüler on ihre» F-i-rt-g-n die Schule .jchwiinz-n-, als wie st- ^imm-r -u,i,-mi»Ich-Ebgüffe wen» sie uur mit -iuig-n jüdischen Klerikolismus zu b-,°ich»-n. Also das. war bei j-d-m M°rx.ft-Ich-N Phrasen Verbrämt find, gerne auftr,um. auch andern Menschen zu seinen primitivsten, sozusagen zu ,-inen d.-s'M M«chwerk tm * *ret Spalte« griffnet. So rettet die Naturrechl-n gehört, ist in de» Augen der .Arbeiter-Zeitung" „Arbelter-Zeitung das Judentum. beim Juden Klerikalirmns. Di- „Arbeiter-Zeitung" sucht stch! Mit größerem R-chtkonnten « rr gegen dre ,A,-Z." allerdingS in perfider Weise zu saldiere«, indem sic folgendes j den Borwnrs des Klerikal,rmuS erheben. Jedes Uuteriehauptet: „Denn die Herren Buben jdamit find die jüdische»,nehmen, >ede Anstalt, dre. sich nicht den Beifall der Schüler gemeint. Anm. der Jüd. BolkSbl.) geben sich an solche»! »A.-Z." i" «erschossen wußte.und beder nur -m Jude b°- Tagen nicht der religiösen Andacht hin. sondern fiergreife» ist wird gleich ,° dem an ,s-«it.sch-n Jargon als vers-eudig jede» Anlaß, um der Schule wenigstens auf Stunden! ludet" oder „Misch" bezeichnet. W-.l m das Maikorsoden Rücken zu kehren." Wir wollen nicht dabei verweilen, daß b°m"eeem Jude vom Trabr-nnv-r-in d.l°g,-r wurde, ist der das eigentlich -inganz gewöhnliche Denunziation der ,l«'ch «« . lüdr ch.ch-,stl,ch-kl-r,kal°-" Unternehmer., jüdischen Schüler ist. Das ist man bei der.Arblit°r-Z°itung"j E,n Advokad t°,ltp uns m.t, haß er sich «sKrech südre gewöhnt. Wir. frage» .aber i .Zugegeben, daß einer oder der Wiederaufnahme der B-rhandlung geg«,-men Inden bemühte; andere wirklich nicht den Tempel besucht, wie darf man g-ne-I d-r Jude wurde auch fr-.g-sprochen. D-rj G-richtSsaalr-portpr ralisieren? . Die „Arbeiter-Zeitung" wird doch nicht die Kühnheit, £»,«.*.'• l-hntes aber a priori ab. ,n der Sache Pub- Habe», zn behaupten. daß, alle jüdische» Schüler den MG -'uzugr-fi-n. denn Mder N°«-^z-.ge. Hand - es Tempel schwünzm- Denn wenn schon jemanden nicht dl« M "w er neu^ Juden n«d her^ wolle 1'ch« °'w°s für sich Frömmigkeit. in de». Tempel zieht, oder wen» jemanden die! ^r°->sMag°n." Das! ,st die Meinung über dre Juden d,°^,» antinational-Haltung unserer Rabbiner direkt den Tempel -erder Redaktion der .A.-Z." gang^nnd gäbe ,st Es find zwar ekelt, so kommt doch jeder Jude an den Tagen i»!°m d°N » R-d°kt°nr!-n der ’ 8»^ * den Tempel, an dem di- S--l°°g-b-tfür die n-rslorb-nen d«k-Juden sind eben Ansnahmsiud-n: sie find Jude» höchstens Elter» oder Verwandten verrichtet werden." Herr A „ st ° r l i tz der Nafe »ach, aber sicher nicht dem Herze» nach; -hr Herz könnte aus der Zeit, wo er Stammgast der „Union" war, solchen, die nicht wissen sollten, was Myskir ist, das erklären,, wir zweifeln aber nicht, daß neun Zehntel der Redakteure der „Arbeiter-Zeitung" uns ganz gut verstehen. Und selbst das! will die „Arbeiter-Zeitung" für die Zukunft unmöglich machen, j selbst das ist ihr, ein Dorn, im Auge.. Sie ist sogar so schamlos,j einen antisemitischenSchulerlaß, mit dem einige Tage vorher dys .-Merstsche ^osksblytt" krebsen gieng, den Juden drohend vor die Äugen zu halten, ,; ,y Natürlich - wäre - es nicht die „Arbeiter-Zeitung", wenn sie nicht bei dieser Gelegenheit auch K l a s s e n st ud.i e n betriebe. S i e meint. nämlich, daß der Reiche sich den „konfessionellen .Fanatismus" (darunter versteht sie. den Besuch von Tempeln)gestatten'ckönne,,;, „ist,er doch sicher, daß seine Söhne, wenn schon, nicht.Hosryte, so doch immer wenigstens Advokaten, Aerzte,..Gryßkaufleutg,und sonst noch a l l es mögliche ist rein evyttgelisch-a.theistisch-konfessionslos-urchristlich. Kurz und gut, ihre jetzige Gesinnung' ist nur der Oberbau ihrer jetzigen ökonomischen Stellung Das neue cener Finita la conioedia! ^Näch längen Unterhandlungen Intra et extra nmros des ^üftusvorstandes, ist es endlich gelungen, eine Einigung der verschiedenen. Gruppen innerhalb des KultusVorstandes zw erzi^sen.und die Präsidentenwahl jn der am 10. d. M. stattgefundenen Plenarsitzung durchzuführen. Präsident der Wiener Kulturen: einde, wurde der bisherige erste Vizepräsident Dr,.Alfred,ern. -.Fischel^ hebt die..Äugen ganz sachte, ganz langsam in die! Höhe, er fürchtet sich,, eine starke Bewegung zu machen. Er schaut, und schaut hinauf und'stehi nichts, rein gär nichts. Er sieht bloß Wasser, Wasser und Wasser. j Jetzt, kommt zu uns ein großer Eisblock, wir müssen trachten,: rasch hinüber zu kommen, denn zum Umkehren ist es schon zu spät." , So spricht Prokop und rr arbeitet mit beiden Händen nach Kräften und das Schiffchen gleitet dahin, es schwebt wie ein Fisch: nn Wasser. Fischel fühlt alle seine Gliedmaßen erstarren,' er möchte - etwas fragen, jedoch er fürchtet, sich dadurch einer Gefahr auszu-' sehen. 'Prokop aber fängt von selbst an: ' „Wenn wir uns nicht beeilen, wird es mit uns in einer' halben Minute schlecht bestellt sein." H 1 Jetzt, kann sich Fischel nicht mehr zurückhalten und er fragt: „Wie meinst du, das — schlecht?" „Schlecht heißt, daß wir dann verloren sind," antwortet Prokop. '! „Verloren?!"! . „Verloren." „Zum Beispiel, was nennst du verloren?" wiederholt Fischel nochmals die Frage. j „Verloren heißt, daß der Eisblock uns zermalmen wird." j „Zermalmen?". j «Zermalmen."! Fischel versteht nicht recht, was die Worte „verloren", „zermalmen" bedeuten, er fühlt jedoch, daß es mit dem Jenseits drohe, ein kalter Schweiß bedeckt seinen ganzen Körper und der Spruch von dem „Versinken wie Blei in den stärksten Gewässern" kommt ihm wieder in den Sinn.! Anstatt unseren Fischel zu beruhigen, erzählt ihm jetzt Prokop' eine schöne Geschichte, die sich im vorigen Jahre zur selben Zeit ' zugetragen hat. Der Eisgang auf dem Bug hatte wieder begonnen ’ und mit der Fähre konnte man nicht hinüber, da bekam er einen! Passagier, einen Tschinownik (Staatsbeamter) aus Umanj. Cs war ein feiner Passagier und er hatte versprochen, einen Rubel zu j bezahlen. Da hatten sie eine böse Begegnung mit ztvei ungeheuren Eisblöcken. Prokop tvollte nach rechts ausweichen, da waren sie 'zwischen beide Eismassen hineingeraten, er wollte sie rasch durchschneiden, gab unwillkürlich dem Nachen einen Ruck — und plumps lagen er und sein Fahrgast im Wasser drin. Ein Glück für ihn, Prokop, daß er schwimmen kann, der Tschinownik aus Umanj aber ging dabei kaput und mit ihm auch der versprochene Rubel. 1 „Verloren war der Rubel!" so schloß Prokop mit einem Seufzer seine schöne Erzählung. Fischel aber durchlief ein Schauer durch den ganzen Lech, seine .Kehle war ausgetrocknet und er war nicht imstande, ein Wort oder einen Laut herauszubringen. - ,-■■■! m; Gerade in der Mitte des Flusses, gerade als der Nachen im vollen Züge war, hatte ' sich Prokops' äufgestellt und hätte' stromauf hiuausgeschaut, dann hatte er die Ruder weggelegt, hatte aus seiner' tiefen'Tasche eine FläscW cheräusgezogen, hatte daraus zwei, drei Schluck getan, die Flasthe'MiM wieder-zügekorMund iil die Tasche wieder versteckt und Hatto dann einige ganze Pfefferkörner gekaut. Vor Fischel hatte er sich dann entschuldigt, daß er wenigstens zwei, drei Schluck des bitteren Tropfens nehmen müsse, sonst fühle er sich ans dem Wasser nicht wohl, dann hatte er sich den Mund abgewischt, hatte die Ruder wieder in die Hand genommen, hätte' noch einmal stromaufwärts hinausgeblickt und plötzlich ausgerufen: . . ' „Fetzt aber müssen wir uns retten!" Wohin sich retten? Vor wem sich retten? Das verstand Fischel nicht und er fürchtete sich auch, zu fragen. Er fühlte, daß das Unglück da sei, das es um Leben Und Tod gehe, denn Prokop hatte sich auf die Knie gestellt, chatte angefangen, ans allen Kräften zn rudern und hatte ihm zugerclfen: „Rabbi, leg' dich auf den'Boden!" Und Fischel läßt sich nicht lange bitten, er hat von der Ferne eine ganze Menge von Eisblöcken, erblickt, die auf sie hcranrückt; da hat er die Augen geschlossen,' chat das Gesicht, fest an den Boden des Nachens gedrückt und gezittert, wie ein Lämmchen, dann hat er plötzlich „Schema Israel" lallt ausgerufen, hat eine kurze Wide gebetet, hat an Kewer Israel gedacht, hat sich in Gedanken ausgemalt, daß er bald, bald tief unten in den Abgründen des Flusses liegen würde; bald, bald würde ein Fisch herangeschwommen kommen lind tvürde ihn verschlingen,' wie es einst mit dem Propheten Jonas auf der Flucht nach Tarschich geschehen war. Er erinnert sich an die Gebete des Propheten Jonas und er singt sie leise und weint und weint dabei bittere Tränen: „Die Gewässer haben mich bis gu meiner Seele umschlungen, der Abgrund verschlingt mich!" So singt Fischel der Melamed ganz leise und weint und vergießt dabei Tränen: „Hab Erbarmen mit Bath-Schelva, eine arme Witwe, und die Kinder, Waisen!" Prokop arbeitet indessen aus allen Kräften und singt dabei eines seiner Lieder: j „Hoi, ihr schwarzen Flügel ..." Und Prokops Lied mit Fifchels Beten fließen ineinander und es ertönt über dem Bug ein sonderbarer Gesang, ein Dllett, wie es ein solches dort »loch nie gehört lvordeu ist; Wohl möglich, daß, seitdem der Fluß „Brrg" heißt, niemals noch eilt solches Duett ’ gehört worden ist. Daß uns diese Wahl nicht befriedigen kann, liegt nicht nur in der Berschiedenartigkeit, welche zwischen unserem politischen Programm und demjenigen des Herrn Dr. Alfred Stern von jeher bestand, sondern auch in unserer Auffassung über den ethischen Wert der Präsidentenwürde in unserer Kultusgemeinde. Wir wünschten von jeher, daß der Kultusvorstand so gestaltet sei, daß die Erlangung der Präfidentenwürde als das erstrebenswerte, höchste Ziel innerhalb des Gemeindelebens betrachtet werden könne, zu welchem weder Geburtsnoch Geldadel, sondern hervorragende persönliche Eigenschaften, politische Charakterfestigkeit rc. erforderlich sind, und daß der Präsidentenstuhl von seinem Inhaber als ein Mittel zur Erreichung großer, der jüdischen Allgemeinheit dienender Zwecke betrachtet werde. Heute ist aber der Präsidentensitz im Wiener Kultusvorstande ein Asyl für politisch Obdachlose! Die Wahl eines Präsidenten hängt nicht von der Eignung des Kandidaten, noch weniger von dem Willen der Steuerzahler, sondern lediglich davon ab, inwiefern die sogenannten „Möglichen" zur Ueberzeugung gelangt sind, daß sie auf die erstrebenswerter dünkenden politischen Mandate außerhalb der Wiener Kultusgemeinde nicht mehr rechnen dürfen. Hierin liegt auch, außer den kleinen Differenzen der einzelnen Gruppen im Kultusvorstande — die Antwort auf die allgemein aufgeworfene Frage, weßhalb diese Wahl nicht schon, gleich nach Rücktritt des kaiserl. Rates Heinrich Klinger durchgeführt wurde? Es gab nur zwei Ministerabiles: Ritter von T a u s s i g und Dr. Alfred Stern. Beide hofften bis vor kurzer Zeit Ehrenstellen außerhalb der Kultusgemeinde zu erlangen, in welchem Falle sie auf das Präsidium im Kultusvorstande verzichteten. Dr. Alfred Stern hoffte, seine Kandidatur und Wahl in den Gemeinderat durchzusetzen und Theodor Ritter von Taussig strebte die G o uv e r n e u r st e. l l e in der Bodenkreditanstalt an. Dr. Alfred Stern, wurde in seinen Hoffnungen getäuscht, seine Kandidatur erwies sich als undurchführbar, während von Taussig auf die Gouverneursflelle rechnen kann und die Folge davon war, daß Letzterer ans die Präsidentenwürde verzichtete, während Dr. Alfred Stern sich in das Asyl für politisch Obdachlose zurückzog und Präsident der Wiener Kultusgemeinde wurde. Dieser unser Standpunkt ist nicht neu, wir vertreten ihn schon seit zwei Jahren, seit dem Tage, da das erste Krisengerücht ans der Seitenstettengasse geflogen, kam, und hätten ihn' auch -in letzter Minute vor der Wahl verkündet, wenn Herr Dr. Stern nicht wieder den alten Taktiker hervorgekehrt und in der, der jüdischen Presse zugeschickten.Einladung zur öffentlichen Plenarsitzung die T a g es o rd n un g . n i ch t v e rschwiegen hätte, was, nebenbei gesagt, ein grobe» Unfug ist. -;" v :■ ■ Nun ist aber Dr. Alfred S t e r n Präsident der Wiener, Kultusgemeinde. Es wäre gewiß illoyal zu behaupten, daß Dr. Alfred Stern nicht die nötige Eigrrung oder'die entsprechende Erfahrung besitze, um seinen Posten ausfüllen zu können. Es wäre aber ebenfo daß Sr. Stern in seinem Alter seine politische'Gesinnung ändere; was wir aber von ihm verlangen können rind verlangen müffen, ist, daß er des Unterschiedes eingedenk sei, der zwischen der ' Stellung eines; Gemeinderates, ' und derjenigen eines -„Weshalb fürchtet dieser Jude sich so sehr vor dent Tode?" denkt Prokop Baraniuk, nachdem er einer großen Eismasse ausgewichen ist, dann zieht er nochmals die Fläsche 'aus den Abgründen seiner tiefen Tasche hervor, macht zwei'"drei Schluck und kaut dann einige schwarze Pftfferkörner. „Man sollte glauben, ein so Unscheinbarer, armer, schäbiger Jude, für deÄnch nicht einmal meine' Seelentränke hergebeü würde, 'und. ein' solcher'Wittert' so vor ddnt Tode!" ' ' y llnd Prokop stößt ihn mit dem Stiefel'an die Seite und Fischel betet, Fischel sagt Wide, er sagt Kaöifch wach seiner eigenen Seele und denkt an Kewer Jsroel. ' ' ' „Steh auf, du dummer Rabbi, wir sind schon angekommen!" So ruft Prokop Baraniuk seinen Passagier, Fischel den Melamed, an. Er weckt ihn aus der Betäubung und Fischel hebt langsam: sachte den Kopf in die Höhe, er öliifi mit seinen roten verweinten Augen nach allen Seiten um sich. „Chatschewata???" „Cbatschewatal" Und Fischel kriecht aus der Seelentränke heraus und steht, daß er schon zu Hause ist. Da weiß er nicht, was er tun soll. Soll er in die Stadt llnifen? Oder soll er zu tanzen anfangen? Oder soll er zuerst den lieben Gott dankew Änd loben, der ihn ans einer solchen Gefahr errettet hat? Er packt sein Bündel unter den Arm und rennt, so rasch er kann, nach Haust. Plötzlich aber bleibt er einen Ailgeublick stehen und dreht sich zu Prokop um: „Hör mal, mein lieber Prokop, kormn mit Gottes Hilfe morgen auf einen starken Pessach-Schnaps und Pessach-Fische zu Fischel Spektor. Hörst du? Unbedingt!" „Selbstverständlich! Bin ich denn ein Dunrmkopf?" antwortet Prokop Baraniuk und er beleckt sich schon im vorhinein bei dem Gedanken an den Pessach-Schnaps, den er nwrgen kosten und die Pessach-Fische, die er dazu essen wird. „Pessach-Schnaps, Pessach- Fische? Gut, Rabbi, gut!" * * * Als Fischel der Melamed nach Hause gekommen war, hatte ihn Bath-Schewa, rot wie Feuer, das Kopftüchel über den Augen, gefragt: „Was machst du?" 'Da hatte er ihr geantwortet: «Ich muß Gomel bcntschen ..." Er sagte kein Wort mehr, er tvollte nichts vorc der schönen Reise erzählen, es war auch keine Zeit dazu. Er hatte nicht einmal Zeit, Ephwimke zu „verhören" (prüfen), wie weit er in der Gemara gekommen sei, und Re fest das initgebrachte Geschenk und Bath-Schewa das seidene Kopftuch zu geben. Das alles verschob er auf später. Fischel wollte noch im Schwitzbad zurechtkommen, was ih»n nur mit Mühe gelang;- als er aber aus dem Schtvitzbad zurütkgekehrt war, da hat er auch nichts erzählt, er hat es auf später, nach dem Seder, verschoben . ...

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