Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Np. 15 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 8. April 1904 Seite 5 Kobylin Clara Steinitz, Novellistin. 17. 1879 st. i. Breslau Dr. L. Lazarus, Seminardir. 1528 wurde vom Markgrafen Georg von Ansbach der erste Jude in Fürth ausgenommen. 1894 st. i. Meran Fanny Neuda „Stund, d. Andacht". 18. 1846 st. i. Wien Sim. v. Lämmel, Philanthrop. 19. 1776 st. i. Altona R> Jak. Emden. 1836 geb. in Leschitz O./S. Mor. Grünfeld, Lehrer u- Schriftst. 1888 st. i. Petersburg Sam. Poliakow, Staatsrat. 20. 1861 st. i. Brody der Arzt Js. Erker, Hebraist. 1871 st. i. Warschau Jak. Tugendhold a. Breslau, Schriftst. 1902 st. :. Breslau Zahnarzt Prof. Jul. Bruck. 21. 1870 st. i. Wien Prof. jur. Wolfg. Wessely, Religionsl. 22. 1693 erste jüd. Niederlassung in Amsterdam. 1830 geb. die Pianistin Pauline Eichberg. 1861 geb. d. Schriftst. Clementine Cohn (C. Berg). Missan. 21. 1038 st. R. Hai, Gaon. 21. 1283 Judenverfolgung in Mainz und Bacharach. 1890 st. i. Paris Baronin Clara von Hirsch, Philanthrop!:,. 22. 1796 geb. in Nimes Ad. Js. Cremicnx, Senator und zweimal Minister, Begründer der „Alliance". 1882 st. i. Leipzig Jacob Nachod (Vors, ddeutschisr. Gem.-B.). 23. 1879 st. in Brelau Nabb. Dr. L. Lazarus. 24. 1812 geb. in Danzig Schriftst. Ar. Bernstein (Nebenstein). 1890 st. in Mainz Nabb. Dr. M. Lehmann. 25. 1002 st. in Paris Dr. Tyeod. Klein. 26. st. Josua Moses Nachfolgre. 1671 st. 9t. Jak. b. Jacheskel, Landesrabb. in Nikolsburg. 28. 1836 geb. in Olendburg Schriftst. Isaak Hirsch. 29. 1878 st. i. London Abg. Francis Henry Goldsmid. 30. 1717 st. i. Frankfurt a. M. R. Abr. Broda.. 1776 st. i. Altona N. Jak. Emden. An die Adresse des Herrn Siegfried Fleischer, Sekretärs der „Oesterr.-israel. Union". Es beliebt Ihnen, uns sowohl in Versammlungen als auch in den „Mitteilungen" anzuremip'eln. Wir wollen Ihnen zuerst in der Za'blotower Sache antworten. Wir brachten in der N>v. 8 einen Bericht, demzufolge von der „O e st e r r.-i s r a e l. U n i o n" z u - e r st dem Dr. Sch or r die V e r t r e t u n g übert r a g e n w u % d e. Wir sagten dann weiter: „Herr Dr. S ch o r r, der Anführer der hiesigen Sozialdemokratie, dessen judenfeindlichen Gesinnungen (obwohl selbst Jude!) seit jeher jedem hier bekannt firtfb1, beliebte nämlich, nachdem ihm diese Vertretüng bereits übertragen wurde, vor einer jüdischen Volksversalmmlung, der auch ein Regierungskommifsär beiwohnte, zu erklären: Die Juden in Zablotow seien die eigentlichen geistigen Urheber der dortigen Massakres — eine Beschuldigung, die ihnen sogar seitens der Staatsanwaltschaft nicht zuerkannt wurlde." Sie bringen nun in den „Mitteilungen" eine Briefkastennotiz, die nach folgender Methode gemacht! ist: Sie behaupten Tatsachen, die wir nich-t bestritten haben. Sie bestreiten aber vorsichtigerweise nicht die Tatsachen, die wir behauptet haben. Mr fordern Sie also, wenn Sie noch Ehrgefühl besitzen, auf, zu sagen: Ist es währ, oder nicht wahr, daß Dr. Schorr, der ursprünglich! von der „Union" bestellte Anwalt, die ihm zur Last gelegten Aeußerungen gemacht hat oder nicht? Worin bestehen die gehässigenLügen des Artikels? Oder vielmehr, wir fragen Sie nicht; denn Sie häbmnur bewiesen,. daß- Sie in Versammlungen und als Redakteur dieselbe e i se r n e Stirne besitzen, wie im G e r i ch t s s a a l e. Damit können Sie Leuten imponieren, die Sie noch nicht kennen; wir aber erklären Ihnendaß ein Mann von I h r e r M o r a l u n d I h r e m C h a r a k t e r, der im Gerichtssaale crfö Zeuge unwahre Aussagen machte, das Recht verwirkt hat, überhaupt Kritik zu üben. Wenn Sie mehr wünschen, so werden! .wir deutlicher werden und Ihnen die Maske, die Ihre Vergangenheit deckt, vom Gesichte reißen; denn es ist ein Verdienst, fco# öffentliche Leben von einem-Individuum Ihrer Art zu reinigen. Die Herren von der Leitung ider „Union" fragen wir aber, wie lange sie sich noch dazu hergeben werdendas Treiben dieses ihnen so „teuren" Mannes zu decken. Israelitische Kultnsgemeinde Wien. Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, Sonntag den 10. April 1904, 10 Uhr vormittags. Wien. (I ü d i s ch n a t i o n a l e r Arbeiterverein» 14. Bez., Ullmannstmtze 31 (Kauerhof 10 a.) Die Vereinsleitung hat beschlossen, jeden Sonntag bei günstiger Witterung Ausflüge zu unternehmen. Im Falle ungünstiger Witterung finden an diesen Tagen gemütliche Unterhaltungen im Vereinslokale 14. Bez., Ullmannstraße 31 (Kauerhof 10 a) statt. — Sonntag den 10. April veranstalten wir einen grossen Ausflug auf die Sofienalpe. Für Belustigungen aller Art ist vorgesorgt. Abmarsch 2 Uhr nachmittags vom Vereinslokale. Um 8 Uhr abends findet im Vereinslokale ein Theaterabend mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Zu diesen beiden Veranstaltungen laden wir unsere Gesinnungsgenossen höflichst ein. Jeden Dienstag von 8—9 Uhr Diskussion. Jeden Sonntag von 11—12 Uhr Bibliothek. Wien. (Allgemeiner K r a n k e n -'Unterstützungs-Verein „Nächstenliebe".) Die von diesem Vereitle in der letzten Generalversammlung beschlossenen Statutenällderurigen haben bereits die behördliche Genehmigung erlangt und lonrden hiedurch weitere bedeutende Benefizien für die Vereinsmitglieder eingeführt. Als die wesentlichsten wären zu erwähnen die unentgeltliche ärztliche Behandlung auch der Frauen und Kinder der Vereinsmitglieder, die Heranziehung von Spezialärzren in besonders wichtigen Fällen, sowie die Erhöhung des Witwengeldes. Außerdem wurde — um auch den in den entlegeneren Bezirken wohnenden Mitgliedern den ungeschmälerten Genuß der Vereinsbenefizien zu bieten — die Anstellung eines Vereinsarztes speziell für diese Bezirke beschlosseli. Es ist zi» hoffen, daß durch diese neuen Benefizien ein weiterer Aufschwung dieses bereits seit dem Jahre 1868 bestehenden und tadellos geleiteten Verei»»es herbeigeführt lverden wird. Wien. (Verein j ü d i s ch e r jugendlicher Arbeiter „L e o p o l d st a d t".) Sonntag den 3. April fand eine Exkursion ins jüdische Museilm unter der Leitung des Obmannstettvertreters Gabriel Neiß statt, bei der sich die Mitglieder zahlreich beteiligten. Der Leiter des Musen,ns hatte für eine Führung daselbst Sorge getragen. — Somitag den 10. April findet eine Exkursion ins Jüdische Blindellinstitut, 10. Bez., Döbling, Hohe Warte, statt. Zusammenkunft um 2 Uhr in» Cafe Blumenschein, 2. Bez.. Untere Angartenstraße 19. Die Kollegen lverden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Gäste willkommen. Karczag-KarpeleS, der Antisemit. Die Wiener Liberalen haben sich, wie scho>» unzählige Male seit ihrer traurigen Existenz, wieder einmal gründlich blarniert. Als M ü l l e r - G u t t e n - < brun n zufolge des Machtwortes des Herrn — Berg a n i, vom Kaiser-Jubiläumtheater gegangen wurde, und Herr Rainer- Simons die Direktion desselben übernahm, da rauschte durch alle liberalen Blätter eine Hymne auf die „Rettung des städtischen Theaters aus AntisemiteNpHänden" und Rainer-Simons wurde den blindgläubigen Lesern als der Verkünder einer neuen Aera eingegeben. Wir haben schon damals vor solch törichtem Uebeveifer gewarnt. Nun scheint Herr Rainer-Simons die Lobhudeleien der „Judenliberalen" satt bekomme,: zu haben. Seiner: Zweck hatte er ja erreicht: die Juden gingen allmählich ins Währinger Theater ui:d lvenn sie nicht wiederkamen, so lag dies gewiß nicht an dem Mangel an „Wohlwollen" seitens der liberalen The-aterschmöcke, als vielmehr daran, daß die Juden lieber eines natürlichen Todes, als vor Langeweile sterben. Und nun fand Rainer- S i m o n s die Zeit für gekommen, der: Judenliberalen seine —■ "Kehrseite, wie die „Sonn- und Montags-Zeitung" auch berichtet. So lud er kürzlich das Ensemble des Carl-Theaters zu eii:em Gastspiel ein. Da Herr Rainer-Simons aber die Bedingung stellte, daß die jüdischen Mitglieder des Carl-Theaters hiebei ansgeschaltet bleiben müssen, zerschlug sich die Sache. Die Direktoren des Carl-Theaters erklärten, daß sie bei ihren Mitgliedern nicht nach der Konfession, sondern nach dem Können fragen. Anders verhielt sich der Direktor des Theaters an der Wien, Herr Karczag. Er trat, wie es einem echten magyarischen Assimilationsfrüchtel geziemt, unaufgefordert an Herrn Rainer-Simons heran und erklärte s i ch i h m gegenüber b e r e i r, diese Konzession bezüglich der Konfession z u machen, und hat, damit das dreitägige G astsp ie l im Jubiläumstheatcr zustande komme, der geforderten Ausmusterung unter seinen Kräften e n t s p r o ch e n. Herr Karczag, der im Theater an der Wien das ganze Jahr über vor Christen, Juden und Antisemiten spielt, scheint für drei Tage mit dem Prinzip, daß die Kunst mit der Konfession nichts gemein habe, brechen zu wollen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß 'dieses Vorgehen nicht nur bei Inden und Christen, sonder,: — mit Hinblick auf die Abstammung des Herrn Karczag — auch bei Antisemiten nur das Gefühl der tiefsten Verachtung Hervorrufei: wird. Dieses Herabsinken auf das Knnstprogramm der Schneider und Gregorig verrät zwar einen ansgebildeten Geschäftssinn, aber auch zugleich eine Niedrigkeit der Gesinnung, die gebührend zu geißeln uns die Worte fehlen. Es würde uns da gar nicht überraschen, wenn Herr Karczag, dieses Schoß—kind der Wiener liberalen Juden, sich während dieses Gastspieles auch die Bedingung gefallen ließe, daß er selbst — aus den oben erwähnten Gründen — seine Nase nicht auf die Bühne stecken dürfe. Ob Herr Karczag, der vor nicht allzu langer Zeit den durchaus nicht jubiläumstheaterfähigen Namen „Karpeles" trug, mit diesem Geschäfte sich nützen wird, möchten wir bezweifeln. Es kann ihm noch passieren, daß sein Theater an der Wien in Zukunft auch nur vor: den Besuchern des Jubiläumstheaters — frequentiert wird. Einen erfreulichen Gegensatz zu dem Verhalten des Direktors Karczag bildet das Vorgehen. Girardis. - Einen Gastspielantrag des Herrn Rainer-Simons, der ihm 1000 Kronen für einen Abend bot, lehnte er mit den Worten ab: „In einem Theater, welches jüdische Künstler boykottiert, spiele ich nicht." Wias sagen Sie dazu, Herr Direktor Karpeles," Pardon Karczag! Mit der Aenderung Ihres Namens in Karczag, was im Ungarischen außer einer Stadt mit einer frommen Judengemeinde auch „Abgekratztes" bedeutet, haben Sie wohl eine gute jüdische Gesinnung, aber leider keineswegs ihre Abstammung abzukratzen vermocht. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Der Berliner Redakteur und. Schriftsteller Otto G l o g au - N i ko l s b u rg hält 00:^9. April in der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, 9. Bez., Grüne Thorgasse 34, einen Vortrag eigener Dichtungen aus seinem B:rche „ . und lechzen nad) dem Weibe." Gäste herzlichst willkommen. Beginn präzise dreiviertel 8 Uhr abends. Wer waren die Lehrer Sulzers? Die soeben hier angelangten jüngsten amerikanischen Blätter bringen bereits Berichte über die in Amerika stattgefundene S u l z e r f e i e r. Die jüdischen Blätter feiern den Meister des Sanges in großen Artikeln. Den'interessantesten Beitrag hat jedoch der Kantor von Syracuse (Staat New-Uork), Rev. A. Guttmanngeliefert. Guttn:ann lvar ein Nachfolger Sulzers in H o h e n e m s, ehe er nach Amerika zog. Er stand mit dem Altmeister in inniger Freundschaft, welche auch später, als Guttmmu: nach Amerika ging, durch regen Briefwechsel bis an Sulzers Lebensende aufrecht erhalten wurde. Im „American Jsraelite" veröffentlicht nun Guttmann einen Brief Sulzers, ir: welchem die Antwort auf unsere im Titel dieser Notiz enthaltene Frage enthalten ist: „Wer mich singen lehrte? Zuerst mein erster würdiger Lehrer S. Eichholz und dann Sonne und Mond, Berg und Tal, in meinem Vaterländchen, so erhaben und lieblich, wie auf keinen! Fleck der übrigen Welt. Das furchtbare Donnergeroll, wie die hellleuchtenden Sterne an: dunkler: nächtlichen Himmel, Burgen und Schlösser, die verwitterten Reste überwundener Barbarei, die nachbarliche Schweiz, frischfromm und frei und das schon früh tief empfundene Weh, welches mir die traurige Lage meiner Glaubensbrüder einflößte — sie alle waren meine Lehrer und machten aus mir, was ich geivordeil, ein Sänger Jehovas, in: religiösen wie im weltlichen Liede. Eines Abends, im Monat . . 18 . . ließen zwei Männer aus Philadelphia anfragen, um welche Zeit des kommelldcn Tages sie behufs Uebergabe einer Ehrenadvesse ihrer Mitbürger bei mir vorspreche,i könnten. Zur bestimmten Stunde, um 11 Uhr vormittags, stellten sie sich ein. Es waren die Herren Dr.und . . . aus Philadelphia, welche als Abgeordnete eigens nach Wien kamen, um mir die Adresse zu überreichen.' Um durch Ueberreichung dieser Ehrengabe den eigentlichen alleinigen Zweck ihrer Hierherkunft ersichtlich zu machen, verweilten' sie bis 4 Uhr nachmittags bei nur und reisten nach herzlichem Abschiede ungesäumt von Wien ab. Der alleinige Zweck ihrer Hierhrekunft war erfüllt und sollte durch nichts abgeschwächt werden, daher unterließen sie sogar die Besichtigung des schönen Wien. Echt amerikanisch! Diese hochherzige, mich überaus ehrende Tat steht obenan an der Spitze so vieler mir gewordenen Auszeichmlngen und Ehrenbezeugungen. Dank Euch, Ihr Wacken, Männer und Glaube,,sbrüder in Philadelphia. Gottes Lohn Euch und den Euren! Sülze r." Einfuhrverbot für Ware« mit religiösen Inschriften nach der Türkei. Die Wiener Handels- und Gewerbekammer teilt mit, daß auf Grund von Verhandlungen, welche von den in Konstantinopel akkreditierten Missionen mit der Pforte gepflogen wurden, in die Türkei Waren mit Inschriften religiösen Charakters (inscriptions secrees), worunter die auf Importartikeln vorkommenden Namen Allah, der Propheten, ferner Koranverse usw. zu verstehen sind, nicht eingeführt werden dürfen. Die diesem Verbote zuwider dahin gelangenden Waren von dieser Beschaffenheit unterliegen zwar auf Grund eines durch die Bemühungen der diplonratischen Vertretungen erzielten Zugeständnisses nicht der Konfiskation, müssen jedoch reexpediert werden. Da die türkische Negierung auch den Verkauf derartiger in der Türkei erzeugter Artikel untersagt hat, findet eine differentielle Behandlung der fremdländischen Importe gegenüber den einheimischen Erzeugnissen nicht statt. Schauturnen des ersten Wiener jüdischen Turnvereines. Am 26. März d. I. fand im festlich geschmückten Ballsaal Nonacher das diesjährige Schauturnen des genannten Vereines unter starker Beteiligung der besten jüdischen Kreise statt. Es dürften an 600 Personen dem Feste beigewohnt haben. Besonders bemerkt wurde die Anwesenheit Dr. Herzls nebst Gattin, des verdienten Ehrenmitgliedes des Vereines Herrn Fabrikanten Hermann König, des Präsidenten des Jüdischen Volksvereines Herrn Richard Rappaport, des Rabbiners Dr. Gelbhaus und Frau, zahlreicher Vertreter der zionistischen Landes- und Distriktsorganisation, sowie fast sämtlicher zionistischer Vereine und studentischen Verbindungen. Die turnerischen Vorführungen selbst wurden programmgemäß unter der strammen Leitung des bewährten ersten Turnwarts Herrn Rudolf Pollak und unter großem Beifall der Zuschauer ausgeführt. An den Freiübungen der Herren beteiligten sich gegen 60 Turner, also fast doppelt so viel als im Vorjahre. Besonderen Anklang fand der Stabreigen, den 20 Turnerinnen in geschmackvoller Turnkleidung mit viel Grazie u,rd besonderer Präzision zur Ausführung brachten. Desgleichen erzielte der von 16 Turnern exakt. llllZgeführte Keulenreigen großen Beifall. Das allgemeine Geräteturnen, das untet Musikbegleitung von 5 Riegen vorgeführt wurde, legte Zeugnis ab, von der: Fortschritten der Turner an den verschiedenen Geraten und erntete besonders die erste Riege, welche am breiten Pferd Übte, starken Applaus. Die Riege der alten Herren zeigte am hohen Barren, daß sie hinter den jungen Kräften noch keineswegs zurückstche. Den Schluß des turnerischen Programms bildete ein Sektionsturnen, welches an drei in N-Forrn ausgestellten Barren ausgeführt w:,rde. Je drei Turner vollführten auf Kommando die gleiche Uebung und zwar derart, daß zuerst einfache Hebungen und dann von den nächsten drei Turnern immer schwierigere und kompliziertere Hebungen zur Ausführung gebracht wurden. Besonders die Hebungen der letzten Stufe, welcher die besten Turner des Vereines angehörten, fand'stürmischen Beifall. — Nach kurzer Pause wurde der Tanz eröffnet, dem sich auch die Turner und Turnerinnen trotz der borhergegangenen Anstrengungen mit echt turnerischer Ausdauer bis in die frühen Morgenstrmden widmcren. Der Abend brachte dem jungen Vereine einen vollen Erfolg und steht daher zu hoffen, daß die Bestrebungen des Vereines nach Schaffung einer in jeder Hinsicht entsprechenden Turmhalle kräftige Unterstützung in allen jüdischen Kreisen finden werde. Schon heute läßt das stete Wachsen der Mitgliederzahl die baldigste Vergrößerung der Uebungslokalitäten unbedingt notwendig erscheinen. Mögen daher alle Juden, denen der Wert der körperlichen Kräftigung unserer Volksgenossen am Herzen liegt, durch moralische und materielle Unterstützung die gute Sache des Vereines fördern! Taufe. Der Wiener Advokat Dr. Leo Munk hat sich samt Frau und Kind taufen lassen. Wahrscheinlich würde sonst die „Neue Freie Presse" seine Artikel nicht mehr aufnehmen. Oder will er auf Grund des frischen Taufscheines als „christlicher" Advokat eine politische Rolle spielen, wie wir aus sicherer Quelle vernehmen? Hoffentlich werden die jüdischen Wähler so viel Ehrgefühl besitzen, dem Herr,:- sein Spiel zu verleiden. Die jüdische:: Patrizier in Ungarn. Es ist die alte Geschichte: Der Großvater, ein guter Jude, rackert und plagt sich, bis er sich ein ansehnliches Vermögen zusammengescharrt und zum Schlüsse' baronisiert wird. Sein Sohn erbt von ihm Geld, Titel :,nd Judentum. Dieser hinterläßt dann nach seinem Tode Geld und Titel, aber — kein Judentum. Beweis hiefür der Fall des Barons Viktor S ch o ß b e r g e r de T o r n y a. Zur selben Zeit, da in Budapest Rabbiner Dr. Samuel K o h n anläßlich einer Feier des jüdischen Siechenhauses in erhebenden Worten das Andenken des seligen Barons Wolf Schoßberger de Tornya, als eines mit „allen Tugenden eines guten Juden ausgestatteten Mannes" feiert und ihn als nachahmendesBeispiel hinstellt, zur selben Zeit, vielleicht gar zur selben Stunde empfängtderSp rosse dieses also gefeierten Mannes, der Baron Viktor Schoßberger de Tornha samt Fra:r und Kindern in einer Wie'ner Kirche das Sakrament d e r Ta u f e. Der nunmehr getaufte Baron lebt schon seit mehreren Jahren in Wien, Euer H o ch wü r d e n, H e r O b e r * rabbinerI Wir haben eben so sichere Kenntnis davon, daß auch andere jüdische Aristokraten, wie z. B. ein Eisenstädter de B u z i a s und ein Goldberger de B u d a vor einiger Zeit ebenfalls in Wien getauft wurden. Warum haben sich diese „hochgestellten" jüdischen Familien erst:,: Wien taufen lassen? Warum erst in Wien, Herr Präsident in spe, Dr. Alfred Stern? Verband jüdischer Agenten in Galizien. Der „Verband jüdischer Agenten in Galizien und der Bukowina" soll nun doch zustandekommen. Am 3. d. M. fand im Saale der Kultnsgemeinde in Stanislau eine sehr gut besuchte Versammlung jüdischer Agenten statt, in welcher die vom Komitee ausgearbeiteten Statuten angenommen wurden. Sobald die Statuten die Genehmigung der Statthalterei erhalten, wird sich der Verband konstituieren und seine, für eine sehr große und bis jetzt stark vernachlässigte Gesellschaftsklasse gewiß segensreiche Arbeit aufnehmen. Der Parteitag der jüdischen Arbeiter und Hanbelsangestettten wird, wie wir bereits berichteten, am 22. und 23. Mai d. I. in Krakau stattfindeu. Nun wurde auch die Tagesordnung endgiliig festgesetzt, und zwar wie folgt: 1. Begrüßung. 2. Rechenschaftsbericht des Verbandes. 3. Die Stellung des Verbandes zum Zionismus und zur Sozialdemokratie. 4. Organisation (Schaffung eines R e: ch s v e rba n d e s). 8. Presse. 6. Stellenvermittlung und Stellenlosen-Nnterstützung. 7. Organisation der jugendlichen Arbeiter. 8. Organisation der jüdischen Arbeiterinnen. 9. Regel,„:g der Arbeitszeit. 10. Kulturelle Hebung des jüdischen Proletariats. 11. Eventualia. 12. Festsetzung des Ortes und der Zeit des nächsten Parteitages. „Ceska Demokratie" schreibt: Das Ritualmordmärchen gehört schon zun: unentbehrlichen Requisit der Osterfeiertage. Gewisse Kreise könnte«, sich des Feiertags überhaupt nicht freuen, wenn