Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 15 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 8. April 1904 »MD» hat der Vorstand seine Wahlorgane bereits in Aktion gesetzt, an welcher sich die „Bnei brith“ in voller Stärke beteiligen werden. Für Geld und gute Worte ist bereits bestens gesorgt. Man erfährt, daß die jetzige Vorstandszusammensetzung seitens des Vorstandes mit allen möglichen Mitteln erhalten bleiben soll. Wir wollen dieser reichen und machtausgearteteu Körperschaft das Zeugnis nicht vorenthalten, daß während ihrer Negieruugszeit neue herrliche Institutionen entstanden sind, welche zumeist aus ihren Privatmitteln bestritten wurden, so das grsßartige LazaruS'sche Krankenhaus, das Schasf'sche Waisenhaus, das Stroh'sche Witwenheim, ferner der Horvvitz-Darlehensfonds von 100.000 Kronen für Handwerker (dann die großartige Residenz des Vorstandes, diese jedoch auf Kosten der Gemeinde), schließlich die Errichtung einer Gemeindebibliothek. All das wird uns nicht abhalten, auf Reorganisation der hiesigen Gemeinde auf neuer Basis — der Basis des jüdischnationalen Judentums — hiuzuwirken. I. Shiel. Czernowitzer Brief. C z e r N'0l w i tz, im 81pril 1904. Irr meinem letzten Bmefe wurde bereits von dev Umwandlung dev liberalen „N a ch r i cht e n" in ein cmtisenritisches „Tagblatt" a ln „Deutsches VÄksblatt" Erwähnung getan. Es war nun abzuwarten, ob dieses Blatt auch bis auf die feinftem Nuancen in die Fußstapfen seiner Lehrer und Meister treten werde. Lueger! Du kannst mit deinen Erfolgen zufrieden sein, wirf dich stolz in die Brust: der Schüler kapiert! Unser Ländchen hat es weit gebracht. Früher als Paradies auf Erden verschrien, wo man noch den Unterschieb zwischen Juö und Christ nicht spürte, alle Stationen miteinander in Frieden uud Eintracht lebten, ist es jetzt in den Strudel des ärgsten Nationalitätenhasses mit hineingerissen worden. Die deutschen Herren aus dem Westen scheinen das Verbreiten des Nassem und religiösen Antisemitismus als ein Stück Kulturarbeit zu betrachten. Sie wollen den äußersten Osten der Monarchie durchaus modernisieren, ihn in die Reihe der Kulturstaaten stellen, mit ihren Vorzügen, aber auch mit ihren Auswüchsen. Das deutsche „Tagblättchen", das Organ dieser Herren, vereinigt nun in sich, wie paradox es auch klingen mag, die C h r i st l i ch s o z i a l e n und die D e u t s ch - nationale n. Es sucht Beiden gerecht zu werden. Als die ersten Siegesnachrichten der Japaner über die Russen eintrafen, besudelte dieses „deutsche" Blättchen die Czernowitzer Judeicheit in der gemeinsten Weise, weil sie jene Nachrichten mit Begeisterung aufnahm. „Kann man die Juden im Rußland," so ungefähr hieß es dort, „milde behandeln, wenn ihre Stammesgenossen die ärgsten Feinde dieses Landes sind?" Kaum war ein, M ä d ch e n in Böhmen tot aufgefunden worden, als dieses Sudelblättchen dieselben RaMiemerkungen zu di ese r Notiz m ach te, wie das „D e u t s ch e Volk s b l a t i!" in Wien und gleich auf .Polna hinwies. Die „B u k ow in a e r Po st" brachte einige geharnischte Artikel gegen das Treiben dieser Herren zum SÜjbritif und forderte mit scharfen Worten jene wahrhaft freifinnigen Deutschen auf, sich zu äußern, ob sie mit der neuen. Färbung des Blattes zufrieden sind oder dieselbe verdammen. Als erster gab der Bürgermeister und Landltagsabgeordnete von Surzawa Des L o g e s eine Erklärung des Inhaltes ab, daß er arrfs entschiedenste die Haltung der „Nachrichten" verurteile. Ihm folgte der Reichsratsabgeordnete Dr. Skedl, der in einem in der habe ihm von einer Ueberfuhr mit der Fähre gar nichts gesagt, er habe ihm bloß versprochen, ihn herüberzufnhren, und herüberführen könne er ihn, wenn er wolle, auf einem Schiffchen, einem Nachen oder einer Seelentränke. „Mag sein ein Nachen, mag sein eine Seelentränke, wenn ich nur, Goit behüte, die Feiertage nicht auf der Straße zubringen soll!" — So hatte Fischel geantwortet, und er war in diesem Augenblicke bereit, allein, dem heiligen Feiertag zulieb, sich ins Wasser zu werfen rrnd den Fluß zu durchschwimmen. Er begann also in Prokop zu drängen, er soll rascher den Nachen oder die Seelenrränke nehmen und ihn sofort hinüberführen jenseits des Bugs nach Chatschewata, wo Bath-Schewa, Ephroimke und Resele ihn sehnsüchtig erwarteten. Es ist auch möglich, daß sie auf jener Seite des Bugs, dort auf jenem Berge stehen, und sie sehen ihn rrnd Winken ihm mit den Händen zu, sie rufen ihn, doch man sieht und man hört sie nicht, denn der Fluß ist ungeheuer breit, noch breiter als gewöhnlich. Fischel treibt Prokop an, Prokop aber hat keine Eile, er sagt ihm, daß er, obwohl er ein Rabbiner ist, dennoch ein Narr sek; er verstünde nicht, sagt ihni Prokop, baß er sich vor Nachmittag mit einer Seelentränke ans den Fluß nicht wagen.könne. Zuerest müsse die Hauptgefahr vorüberziehen, dann würde man sehen, das sei Numero Eins; zweitens aber müsse man zuerst die Seelentränke zu einem richtigen Platze schleppen und von dort erst abstoßen. Fischel vergeht vor Aufregung; er möchte schon so rasch als möglich fort. Prokop aber hat keine Eile, er rnacht sich dort beim Ufer zu schaffen, er bringt das Schiffchen, die Seelentränke, in Ordnung, zieht sie mit einer Hand über den Boden so leicht, wie ein kleines Kind ein Spielzeug, bleibt alle Augenblicke stehen und schaut auf den Fluß. Die Sonne stand schon hoch am klaren, blauen Himmel, als Prokop Fischel befahl, in die Seelentränke zu springen. Als Fischel diese Worte hörte, verlor er plötzlich den ganzen Mut, und er wußte nicht, was er anfangen sollte: seit er lebt, war er noch nie in einer Seelentränke gefahren, seit er lebt, hatte er noch nie in einem Schiffchen gesessen. Er glaubte schon zu sehe»!, daß das Fahrzeug nach einer Seite umkippe, und daun war er doch — eine Leiche! „Czernowitzer allgem. Zeitung" zum Abdruck gelangten Artikel die Ruhestörer und Aufwiegler zur Einsicht mahnte, die politische Unklugheit jener Herrchen, die „so gerne Politik machen wollten, aber nicht! können", mit scharfen Worten geißelte lind dem Bürgermeisterkandidat Baron F ü r t h den Freundesrat erteilte, sich nicht am Gängelbande herumführen und seinen Namen — er zeichnet als Herausgeber des Blattes — nicht mißbrauchen zu lassen. Ob die Herren ihr böses Spiel lassen werden? Unsere Hauptstadt bringt auch nette Assimilantenfrüchte a la Wien hervor. Der von jüdischem Gelde erhaltene „V e r e i n z u r F ö r d e r u n g d e r T o n k u n st" veranstaltet jährlich in dev Charwoche ein geistliches Konzert. Heuer wurde dasselbe zufällig (?) auf den ersten Sederabend angesetzt, wietvohl '8 0 Prozent der Mitglieder Juden u> nd I ü d tune n waren. Am Montag findet Generalprobe statt und Direktor Hrimaly, den man vielleicht auf das jüdische Pessachfest aufmerksam machte, stellt! mit einem Achselzucken an den versammelten Damenchor, der, wie erwähnt, 80 Prozent Jüdinneu hatte, hie Frage, o'b denn die Damen an: Sederabend werden Mitwirken wollen oder nichf. Es sei, meinte er, geistliche, also religiöse Musik . % . tiefes Schweigen. Eine schaut die andere an; da läßt sich eine Frian Tr., die Gattin eines Konzipienten, die die Solopartie singen sollte, hören. Ich spitze meine Ohren, bin stolz auf den Mut, sie wird gewiß absagen. Doch was höre ich? „Es kann ja nichts schaden, wir werden mitwirkeff." Der Direktor lächelt siegesbewußt. Doch die jüdische Studentenschaft ruht nicht, entfallet eine persönliche Agitation, droht mit Skandalszenen, bis es ihr gelingt, die meisten der Mitwirkenden fcrnzuhalten. Das Konzert selbst fiel infolgedessen kläglich ans; der schlechte Besuch, die trostlose Stimmung waren doch Symptome, daß auch die Juden ihre Feste feiern wollen, daß man ohne die Juden doch! nichts tun könne. Trotzdem leisteten sich einige „Auch"-Juden! dos Bravourstückel, in der Sedernacht zu einem christlichen Konzert zu 'kommen. Das Kurioseste dabei ist, daß diese Spezies nicht, wie anderwärts, mit den „Bauch"-Juden verwechselt werden dürfen. .Unter den nütwiukendeu Damen befanden sich auch solche, die schon vermöge ihrer jüdischen Erziehung mehr Nationalstolz erwarten ließen. Es waren darunter auch zwei H andwerke rtö cht er. Es klang wie eine bittere Ironie, als Frau E i g e r m a n n dm 137. Psalm am Schlüsse sang und bie, herrlichen Worte: „Stimmt an das Zionslied . . . Es verdorre meine Rechte, es klebe meine Zunge am Gaumen, wenn ich je dein vergesse, Jerusalem . . in den Saal tönten. Ob sich die mitwirkenden Damen die ersehnte Achtung der Nichtjuden erworben haben? Im Lande selbst wird, es bald schwere Wahlkämpfe geben. In diesem' Jahre müssen nämlich fast alle öffentlichen Körperschaften durch.Neuwahlen gebildet werden. Die erste Wahlschlacht wird wahrscheinlich die nach Ostern stattfindeude K u l t u s r a t s w a h l liefern. Doch darüber in einem nächsten Briefe! Eures. Aus Rußland. (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksblatt".) „Die Juden haben unS den Krieg in der ausländischen Presse erklärt. Ich mache darauf aufmerksam, daß ein Krieg Opfer bedingt". Diese Worte richtet Herr von Plehwe bekanntlich an die 60 Vertreter der größeren jüdischen Ge¬ „Springen Sie in die Seeleutränke, dann werden wir abstoßen I" hatte ihm Prokop zum zweitenmale gesagt und mit einem Ruderschlage hatte er sich dem Ufer noch mehr genähert und Fischel sein Bündel aus der Hand genominen. Fischel, der Melamed hat die Schöße seines langen Kaftans aufgeschürzt, hat angefangen, sich auf einem Fleck zu drehen und zu überlegen, ob er hineinspringen solle oder nicht. Einerseits waren: Sabbat Erew-Pessach, Bath-Schewa, Ephroimke. Resele, Schwitzbad, Seder, König . . . Andererseits waren: Lebensgefahr, Todesengel, Verderben. Selbsünord; denn, Gotr behüte, ein leichtes Umkippen, und um Fischel wäre es geschehen. Fischel hat sich mit den aufgeschürzten Schößen seines Kaftans so lange ans einem Fleck hernmgedreht, bis Prokop ihn angeschrien und ihm gesagt hat, er würde gleich auf ihn ausspucken und allein nach Chatschewata hinüberfahreu. Kaum hat Fischel das traute Wort „Chatschewata" gehört, da erinnert er sich an die treuen Seinigen, er faßt sich mit aller Gewalt Mut und fällt in die Seelentränke hinein. Ich sage, er fällt hinein, denn beim ersten Schritte schon, den er macht, neigt sich die Seelentränke auf die Seite, Fischel glaubt, daß er falle, er Ivill zunickspringen und fällt dabei mit dem Gesichte nach vorne in den Nachen, und es vergehen einige Minuten, bevor er wieder zu sich kommt. Sein Gesicht ist leichenblaß, seine Hände und Füße zittern und sein Herz pocht wie eine Uhr tick—tick—tack! (Schluß folgt.) Die Repatriierung der spanischen Inden. Von Dr. Angel Pnlido. Aus dem Spanischen*) von Jakob KrauSz. (Fortsetzung.) Ich könnte die Liste fortsetzen, aber wozu auch?. Was würde es nützen, wenn ich auf all' die Anstalten, GchullN und Stiftungen hinwiese, welche die Aufmerksamkeit de- Reisenden im Auslände auf sich lenken und ihn belehren, welche Mittel heutzutage die Völker anwenden, um ihre Interessen in *) La Iluatracion Eapagtiola y Americana, N»’* VI, 1-04 meinden, die nach Petersburg berufen worden waren, um unter Vorsitz de- Baron Günzburg eine Denkschrift zu beraten. Als ihr Minimum-Programm stellten sie folgende Forderungen auf. 1. Die Aufhebung der prozentualen Beschränkung für Juden an den Bildungsanstalten des Reiches. 2. Die Erweiterung des Wohnrechtes und 3. Die Wiedereinführung der Handwerkergenossenschaften, welche allein das Recht haben, jüdischen Handwerkern Zeugnisse auSzustellen, die ihnen das Wohnrecht im Innern des Reiches einräumen. Auf diese gewiß äußerst bescheidenen Forderungen hielt Plehwe eine antisemitische Brandrede, die in dem oben zitirten Satz gipfelte. Aber Plehwe haßt nicht nur die Juden, er verspottet sie auch. Er sagte ihnen, daß der Czar sowohl, als auch cr die Juden durchaus nicht als eine inferiore Rasse betrachten, soudern er verfolge sie, weil sie eine superiore Rasse seien. Er denke ferner nicht daran, den Juden die Gleichberechtigung zu geben, nicht etwa weil er Antisemit sei, sondern weil in dem Momente, wo die Juden die Gleichberechtigung erhielten, sich Kischenew oder Homel wiederholen würde; also mit einem Worte: Plehwe verfolgt nur die-Juden, weil er sie hochschätzt und er unterdrückt sie nur deshalb, weil er für ihr Leben fürchtet — oder um die Satyre zu verlassen: * Man arrangiert zuerst kleine Schlachten ohne Kriegserklärung u la Kischenew und Homel durch bezahlte Subjekte und hintendrein, wenn die Russen über die Juden von Kischenew und Homel gesiegt haben, erklärt man, man könne den Juden nicht die Gleichberechtigung gewähren, weil sonst Ereignisse wie Kischenew und Homel zu befürchten wären. Die Situation in Odessa, die ich im vorigen Briese schilderte, ist ein genaues Pendant zu der Situation in Kischenew vor Ausbruch der Massakres nur mit dem Unterschiede, daß die Juden gewitzigt durch die trüben Erfahrungen rechtzeitig Lärm schlugen. Ihr Korrespondent «ac;m Veranlassung über die Situation einigen Tagesblätter zu berichten, diese Nachrichten wurden in Petersburg gelesen und veranlaßten Plehwe, da er sein Spiel durchschaut sab, beruhigende Erlässe an die Gouverneure von Kgchenew und Odessa herauszugeben. Sonst wäre das abgekartete Spiel vollständig geglückt. Man muß nur erwägen, was das heißt, daß Kruschewan nngescheut seine Agitationen betreiben darf, wohlgemerkt nach Kischenew, ja daß seine Blätter überhaupt noch existieren dürfen und können. Agitation jeglicher Art, ob sie nun füt. oder gegen die Juden betrieben wird, ist in Rußland strenge untersagt. Wie konnte Kruschewan also, über dessen löbliche Wirksamkeit die Negierung weuigstens heute nach Kischenew unterrichtet sein müsse, ungestört seine Agitationen fortsetzen? Ja, wieso bestehen denn überhaupt die beiden Schandblütier „Besarabez" und die „Snamia" noch, obwol sie notorisch eins äußerst geringe Zahl von Abonnenten haben? Beide nur durch die Gunst der Regierung. Und deshalb wird man, so lange der Metzger von-, Kischenew nngescheut sei» schmutziges Handwerk betreiben darf, alle Friedensversicherungen der russischen Regierung nur mit äußerstem Mißtrauen aufnehme«. Es liegt System in der Politik Plehwes, wenn auch kein gesundes. Die Telegramme des russischen offiziellen Te!egraphenbureaus, die sich sonst einer peinlichen Kürze befleißrn und sich nur in allgemeinen Ausdrücken bewegen, teilen jedesmal genau mit. ob und wie viele Juden sich au Demonstrationen beteiligen, wobei dem Bureau allerdings das Malheur postierte, daß es in alle Welt posaunte, daß unter 70 Demonstranten 30 Juden seien, also die Juden sich in der Mehrheit befinden. Quod erat demonstrandum. Die „Pet. Wjed" wird unter S t o l y p i n ihrer freider großen internationalen Konkurrenz zu wahren und zu fördern und ihn bei dieser Gelegenheit von dem großen Wnte der Verbreitung der eigenen Landessprache überzeugen? Hingegen Spanien, dieser fruchtbare Nährboden einer für die höchsten Aufgaben prädestinierten Nation, welche unter großen Verlusten und Blutopfern ihre Sprache bis nach Amerika, den Antillen und in das Magellaensland verpflanzt, läßt mehr als eine halbe Million jüdischer Familien, vergessene Söhne des Landes, die ihre Muttersprache, wenn auch schon mit anderen Elementen unterniischt, gegenüber allen Stürmen verteidigen, beinahe in allen Teilen Europas, Asiens und Afrikas, von einander gerissen, zerstreut leben. * » * Mir ist eine genaue Statistik der spanischen Jude n, welche den Erdball bewohnen, nicht bekannt und weiß auch nicht, ob eine solche existiert. Bei dem Umstande jedoch, daß diese Rasse so sehr zerstreut ist und mit Ruck cht darauf, daß sie, je nach der Beschaffenheit der Völker, unter denen sie lebt, ein mehr oder weniger kümmerliches Dasein fristet, ist zu befürchten, daß eine solche gar nicht existiert. Sicher ist, daß die Zahl dieser Juden, sowie die Zahl der Orte, welche sie gegenwärtig bewohnen, weit größer ist, als dies auf den ersten Blick und auf Grund oberflächlicher Informationen zu sein scheint. Ich meinerseits kann konstatieren, daß ich ihnen in allen europäischen Staaten, welche ich besucht habe, begegnet bin, wobei ich bemerke, daß ich nur noch den äußersten Norden besuchen müßte, um in allen europäischen Ländern gewesen zu sein. Kayserling weist im Vorworte zu seinem interessanten Bibliographischen Lexikon der jüdischen Autoren Spaunns und Portugals (Straßburg 1890) nach, daß die durch die Könige Spaniens und Portugals, I s a b e lla und E m a n u e i aus der iberischen Halbinsel vertriebenen Juden nach Italien, Frankreich, in die verschiedenen Provinzen des da>n..l-gsn Türkischen Reiche», nach den Niederlanden, England, Hamburg »nd Wien flüchteten. Ueberallhin - > n4<u sie ihre Muttersprache mit sich. „Sie führten von hier »m>re Sprache mit", sagte schon Gonzalo da I l l e s e a s im 16. gayrhundert, „und behüte» sie auch heute noch, bedienen sich ihrer