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Jüdisches Volksblatt · 1904-04-08 · 15 (8.4.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
15 (8.4.1904)
Date
1904-04-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite S Wien, Freitag JüdMsft VoUafaUtt. 8. April 1904 Nr. 15 Wir sehen nicht ein, warumDonatZifferer nicht bei sichanfängtundsein Mandat nieder legt! Er ist wahrscheinlich überflüssig. Die Gemeinderats christen versieben zwar von der Verwaltung nichts und das Ga-abenteuer zeigt die Stümper in optima foima. Aber Herr Ziffer er ist total unfähig, die Verwaltung zu kriti sieren. Seine Budgetrsdeu erregen daher im Gemeinderate die Heiterkeit der Liberalen und Klerikalen. Der Mann glaubt der einzige Jude im Gemeruderate sein zu müssen; die Auf geblascuheit dieses Emporkömmlings wird lediglich durch seine Unwissenheit übertrumpft. Der Vorfall beweist neuerdings den Kardinalfehler, an dem die liberale Partei zugrunde gegangen ist, i h r e H a l b heit und Feigheit in Grundfragen. Sie war dieser Partei schon bei ihrer Geburt eigen und hat sie in ihrer Blütezeit, unter dem Regime des Bürger Ministeriums und zu Auerspergs Zeiten nicht verlassen. Sie führte dazu, daß diese Partei in der Form von Staatsgruudgesetzen zwar ein modernes Staatswesen verhieß, jedoch nie de« Mut fand, die hiezu nötigen Ausführungsgesetze zu schaffen. Sie be wirkte, daß die Verwaltung dieser politischen Partei genau so von judenfeindlichen Tendenzen durchträukt war, als das Mini sterium T a a f f e s es nur sein konnte; durch diese Heuchelei, diesen Widerspruch zwischen Worten und Taten ist die Partei so herabgekommen, daß sie in Wien an Geist und Charakter so verfaulten Menschen gegenüber, als es die Christlichsozialen von heute sind, zu leicht befunden wurde. Das Hauptverdienst an ihrem Niedergange aber können die Assimilationsjüden für sich in Anspruch nehmen. Ihre Würdelosigkeit, hündische Schamlosigkeit und Feigheit mußte die Partei jedem besser Fühlenden und Denkenden verekeln. (Hrlfsverein „Tomchei Jehudo Rrrssie". — Papierene Sturmvögel. — Ein soz Sturmvogel. — Kultus-Wahtbeweguug — Programm des Vereines „Schomer Israel".) Mit der Gründung des Hilfsvereines für russische Inden „Agudath Tomchei Jeyude Russie", hat man ein neues Stelldichein von Trauer und Elend geschaffen. Unseren Brüdern geht es momentan schlechter, als vor dem Kriege; fie werden von neuen Sorgen gequält; vom Lose ihrer Angehörigen auf dem Schlachtfelde vernehmen sie Nachrichten wie ein fernes unterirdisches Rollen. Daneben sind Gerüchte unter dem russisch-christlichen Volke hartnäckig im Umlaufe, die neuerliche MaffakreS in Odessa und anderwärts in Ansicht stellen. ES bleibt fraglich, ob wir den Anforderungen der herströmende» Durchzügler voll und ganz Genüge zu leisten imstande sei« werden. Hier könnten unter dem Beistände des Vereinedie berufenen großen Wohltätigkeits-Organisationen ein .Zentralbureau errichten zur Weiterbeförderung. Bis nun wurden ss viele als möglich in ArbeitSetabltffements untergebracht, viele auö dem städtischen Arreste befreit und ihrem Reiseziele wiedergegegeben. Wir gedenken nun, den hier ausgesprochenen Gedanken der „Alliance Jsr.", Paris und der „Jca" mitzuteilen. Bis nun hat die k. k. Polizei allen unseren Bestrebungen in humanster Weise entsprochen und alle unsere Schritte sympathisch ausgenommen. Möge ein gutes Geschick unseren Brüdern beistehen und «ns in die Lage versetzen, unserer genüge». Wie die Möve« vor einem Sturme heranflattern, so sammeln sich papierene Sturmvögel i» der Metropole Ostgaliziens. Vor wenigen Wochen konnte« wir «och über Mangel an jüdischer Publizistik klagen, da erhörte der liebe Herrgott unser heiße- Flehen — und siehe da — es kamen herangeflogen Blättchen in jüd. Jargon, mehrere a«f einmal. Lemberg kann wahrhaftig als Mehrerin der Jargonjonrnalistik gelten. ES erscheine« nämlich folgende Wochenblättchen: Der „Emether Jud", sogar zweimal wöchentlich, „Die Wahrheit", hiezu eine Monatsschrift «nter dem erleuchtenden Titel »Der Strahl". Und nun soll noch zur Erhöhung unseres literarisch-journalistischen Befitzsta«des ei» Tageblatt erscheinen. ES erscheint ferner das polnisch-zionistische Organ „Wschöd“ und hebräisch „Machsike hadath“. Schließlich „Dzien“, ein polnische- Tageblatt. Mit dem Propheten Josua fragen wir nun: Wer hat undiese Blättchen vor dem Lenze noch geboren? Wetterkundige wollen diese außerordentliche Fruchtbarkeit auf den goldene« Frühling zurückführen, mit seiner befruchtenden Wohltätigkeit. Edürfte von oben her so mancher Belebungstropfen m diese» Blätterwald hineinfallen. Wenn nur diese journalistische Polypragmasie der jüdischnationalen und zionistischen Sache dienen würde, man würde gerne das Vergieße» des unschuldigen Druckerblutes verzeihen, allei« pi nvjtP — wer kann vor Verirrung des menschlichen Sinnes gefeit sei«; indessen darf es nicht unterlassen werde»,den Heimgang eines strammsozialistischen Jargonblättchens, de- „Volksfresnd", dem geehrten Publikum hu melden und um stilles Beileid zu bitten. Es schlummere indeß unser „Bolksfreund" sanft — den Krakehl besorgen indessen gut bezahlte Proletarier von Muud z« Mnnd. Der heurige Frühling wird uns wieder jüdisch-politische Arbeit bringen. An der Tete steht die Verjüngung des Lemberger KultusrateS mit 15 neuen Mitgliedern auf echs Jahre. Da entsteht die Frage: Wer soll über das Lembergs« Israel herrschen? Die ansgelosten oder etwa neue Männer? Anders denkt man darüber im Vereine „Schomer Israel". Hier heißt es zuförderst das Arbeitsprograwm, dann die S«che nach Vollstreckern des Bolkswillens. Wer die Agitation bei dem Sachlichen anpackt, wird den Bestrebungen des Vereines Recht geben. Schon seit 1902 wurden Vorträge «nd Diskussionen über die Reorganisation der Gemeindsinstitutionen abgehalten — ja der Reformgedanke reicht noch weit zurück bis zum Jahre 1873, in eine Zeit, in der die Hand der galrzischen Asemiten — im Vierzack und Kontusz — wie die in Goldkrägen noch nicht so schwev-Mer Israel lagerte. . Es sei uns gestattet, die wichtigsten Punkte aus dieser Arbeit hieherzusehen: In der Einleitung wird die Behauptung ausgestellt, daß wie sehr man jedermann seine ehrliche Ueberzeugung gönnt und sie achtet, in Dingen unseres Judentums aber die exzentrische Asfimilationsbestrebung nicht geduldet werden kann, da sie unser Volkstum fast unmöglich macht. Die Assimilation führt unser Volk einen Weg, von welchem kein Znrückkehren möglich ist. Man muß daher eine Restitution in integrum vornehmen, auf die Wiederherstellung des Judentums in vollem Umfange hinarbeiten. Die Schule. Es versteht sich von selbst, daß diese Wiederbelebungsarbeit nur von national-jüdischen Elementen ausgehen muß. schwierige» Aufgabe zu Demgemäß wäre die Erziehung der Jugend als der wichtigste Punkt ins Auge zu fassen und unsere Gemeinde-Lehranstalten in jüdisch-nationalem Geiste umzuwandeln. Wir Juden verwerfen das Sidarheldentum, verlangen vielmehr eine tüchtige Durchbildung nnserer jüdischen Kinder in der hebräischen Sprache, in seiner Literatur und Geschichte im Allgemeinen. Demgemäß hätte unsere jüdische vierklasfige Volksschule mit der Fröbelschule zu beginnen, welch« wieder den Kindern das Lesen des Hebräischen und einen kleinen Wortschatz einsilbiger Wörter beibringen soll. Die Volksschule beginnt dann systematisch die Fortsetzung des hebräischen Unterrichtes in Schrift und Wort. Die sogenannte „Religion" wird während des Unterrichtes in der Bibel und anschließend an ihre Moralsätze vorgetragen. Die Ausgestaltung dieser Schule zu einer achtklasflgen Bürgerschule mit dem Unterrichtsplane einer möglichsten Anpassung fürs praktische Leben, die ferner« Angliederung einer Wirtschaftsschule für jüdische Mädchen muß das weitere Ziel unserer Gemeinderepräsentanz sein. Hervorgehoben muß jedoch werden, daß der hebräische Unterricht für beiderlei Geschlechter ein gleicher sein soll, geradeso wie bei den arischen Völkern. Für jüdische Schüler und Schülerinnen an christlichen Schulen sollten Nachmittazskurse fürs Hebräische eingeuchtet werden. Kultus. Der Vorstand möge seine Aufmerksamkeit den hiesigen großen Synagogen zuwenden und dafür Sorge tragen, daß Chazanim und Darschonim (Magidim) allsabbatlich funktionieren und das Interesse für den Besuch der Gotteshäuser heben. Soziale An sta l t e u. Die Wohltätigkeitssiktion darf nicht zu einer Vettelanstalt herangebildet werden, sondern zu einem Bureau für Arbeitsnachweis und Arbeitsunterstützung; namentlich ein Arbeitshaus wäre notwendig, in welchem alte »nd schwache Handwerker in gut gelüsteten Lokalen ihre schwachen Kräfte zur Befriedigung ihrer Lebensbedürfnisse entfalten können. * Der Vorstand solle ferner mit dem guten Beispiel vorangehen und selbst die Hausbesorgerstellen in jüdische Hände legen. Neben dem Waisenhause wäre eine Handfertigkeitsschule für Mädchen einznrichten, für jene ärmere Mädchenklasse, die in verschiedene Stellungen in jüdische Häuser gehen. Dieses Institut in Verbindung mit der Wirtschaftsschule sind allein in der Lage — dem moralischen und dem sozialen Elende in steigendem Grade abzuhelfen und den Menschenflöischhandel nach und nach unmöglich zu machen. Es versteht sich von selbst,' daß dieses Programm nicht den Anspruch erhebt, allem Uebel in unserer Gemeinde abzuhelfen und daß es noch viel Postulats gibt, die zum Wohle unfarer Gemeinde gestellt werden. So wird das Verlangen nach Errichtung einer vierten Knrie für diejenigen Gemeindemitglieder, die keine Steuer zahle», gestellt. (Andere, wie die Sozialisten, verlangen das direkte und allgemeine, geheime Wahlrecht.) Schließlich wird das Fassionssystem verworfen und Einführung eines nach der Steuerzahlung sich richtenden Systems als das einzig gerechte erachtet. Ueber die Stellungnahme der einzelnen Parteien verlautet noch wenig. Die Pesachfeiertage werden uns das Lemberger Israel im Kampfe um ihre Führer zeigen. Wie wir heute erfahren, mit seiner Fähre Hinüberfähren würde. Bei dieser Gelegenheit tranken beide Bauern Schnaps, und Fische! stellte sich nieder, um Mincha zu beten. V. Die Sonne begann schon zu sinken und ihre goldenen Strählen ergossen sich über die hohen Berge an beiden Seiten' des Flusses; an manchen Stellen waren diese noch mit Schnee bedeckt, an manchen Stellen aber grünten sie schon und waren von kleinen Bächlein durchschnitten, welche sich bergab schlängelten und sich mit Rauschen in den Fluß stürzten, den unter dem soeben gesprengten Eise hcrvorströmenden Gewässern begegnend. Wie auf der Handfläche lag ganz Chatschewata mit seiner Kirchturmspitze, die sich unter den Strählen der untergeheuden Sonne wie ein angezünbetes Licht ausnähm. Fischet stellte sich mit dem Gesichte gegen Chatschewata beten, er bedeckte mit der Hand die Augen und bemühte sich, die verführerischen Gedanken, die ihm in den Sinn kamen, zu verscheuchen: Bath-Schewa mit dem neuen seidenen Kopftuchc, Ephroimke mit der Gemara, Resele mit dem Zäpfchen, das heiße Schwitzbad mit der obersten Pritsche, dann die frischen Mazzes tnit den gepfefferten Fischen und mit dem scharfen Meerrettig, welcher in der Nase prickelt, der Pessach-Borstsch (saure rote Rüben-Suppe) mit Mazzes, mit dem paradiesischen Geschmacke und alle anderen guten Tinge, die ein verführerischer böser Geist nur ersinnen kann. Wie sehr Fischet auch bestrebt war, diese verlockenden Gedanke» von sich zu verscheuchen, sie krochen ihm immer mehr in den Sinn, wie lästige Sommerfliegen, und sie störten seine Andacht beim Gebete. Fischet begab sich, nachdem er das Abendgebet beendigt hatte, zu Prokop unb begann mit ihm wegen der Fahre und Ivegen Eretv Jom-Tauw ein langes Gespräch, halb auf russisch, halb mlf Misch und den Nest durch Cteberden mit den Händen. Er gab ihm zü verstehen. lvas für ein Feiertag Pessach für die Juden sei, und tväs cs heiße — Sabbat — Erew-Pessachl Denn tvenn er, Gott behüte, bis morgen zur selben Zeit den Bug noch nicht übersetzt haben wird, daun ist er ein verlorener Mann, denn abgesehen davon, daß «r zu 'Hause sehnsüchtig von seiner Frau und seinen Kindern ertvartet wird (Fischet tat dabei einen so tiefen Seufzer, daß ihm das Herz davon schmerzte), wird er acht Tage lang ohne Essen und ohne Trinken bleibe,, müssen, und es tvürde ihm dam, Wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich lebendig in den Fluß zu stürzen. (Fischel wendete sich dabei ab, damit niemand die Tränen, die ihm in den Augen standen, sehen solle.) Prokop Baraniuk hatte verstanden, in was für einer Lage sich Fischel befinde, und er hatte ihm darauf geantwortet, er wisse wohl, daß die Juden morgen Feiertag haben, er wisse sogar, wie dieser Feiertag heiße und daß die Juden an diesem Feiertage Wein und starken Schnaps trinken, er wisse sogar, daß es bei den Juden noch einen Feiertag gebe, an dem sieSchnaps trinken dürfen und der „Hamanns Ohren" heiße, er wisse auch, daß es noch einen Feiertag gebe, an dem alle Juden besoffen sein dürfen, wie dieser Feiertag aber heiße, habe er schon vergessen. „Gut, gut!" hatte Fischel mit weinerlicher Stimme seine Worte unterbrochen. „Was wird aber mit unserem Jom-Tauw sein, Gott behüte und beschütze uns morgen vor einer bösen Stunde!" Prokop hatte ihm darauf gar nichts erwidert, er hatte bloß mil der Hand auf den Fluß gezeigt, als würde er sagen wollen: „Na, schau her. was da geschieht!" Da hatte Fischel seine Angen auf den Fluß gerichtet und etwas gesehen, das seine Augen noch niemals in seinem Leben gesehen hatten, und er hatte etwas vernommen, das seine Ohren noch niemals in seinem Leben vernommen hatten, denn man kann beinahe sagen, daß Fischel der Melamed noch niemals in seinem Leben die wirkliche „Außenwelt" richtig gesehen hatte. Wenn er sie sah, bcutn geschah es nur im Vorüberlaufen vom Cheder in den Beth- Hamidrasch und vom Veth-Hamidrasch in den Cheder. Der schöne, blaue Bug zwischen den zwei großartigen Gebirgsuferu, das Rauschet! der sich herabschläugeluden Gebirgsbächleiu, das Getöse der fließende,! Wellen, der Feuerschein der rotgoldenen uutergehendeu Sonne, die flammende Kirchturmspitze, der frische, gesunde Frühlingshauch, mehr aber noch als alles die Nähe seines Heims und die Unmöglichkeit, es zu erreichen, alle diese Empfindungen hatten unseren Fischel tvie auf Flügeln in eine neue Welt fortgetragen, in eine Welt der Träume, es schien ihm, als wäre es ebenso leicht, den Bug zu überschreiten, tvie eine Prise Tabak zu schnupfen. Wenn der Allmächtige bloß ein kleines Wunder tun, ihn retten wollte l Was iväre dabei weiter? Ist denn nicht der Rizschiner einmal am Erew- Sabbat von Akkerman nach Odessa auf einem ans dem Meere ausgebreiteten Schnupftuche herübergeschwommen? . Wieso kann man übers Meer auf einem ausgebreiteten Schnnpftuche fahren? Da seht ihr doch, daß es möglich ist. Oder nehmen wir zum Beispiel Reb Israel Bal-Schem-Tauw? Was hätte es für ihu für eitle Bedeutung .gehabt, den Bug zu übersetzen, wenn morgen Erew-, Sabbat ist? Solche nnd ähnliche Gedanken sind in Fischels Kopf herumgeschwirrt und haben ihn hoch in die Lüfte emporgehoben und ihn so weit von den Ufern des Flusses fortgetragen, daß er gar nicht bemerkte, wie es stockfinstere Nacht wurde. Am Himmel blinkten die Sterne, ein kühler Windhauch erhob sich itnb schlich sich unter seinen langen Rock und von da bis zu dem kurzen Tales, den er unten trug. Fischel ging zu Prokop dem Fährmann hinüber, um sich ein tvenig zu erlvärmen nnd gleichzeitig, um bei ihm zu übernachten, in der Hoffnung, daß er morgen, mit des Allmächtigen Hilfe, auf irgend eine Weise den Bug übersetzen. — das hatte ihm Prokop selbst versprochen — und glücklich nach Hause kommen Imirbe, wenn Gott nur wollte, rechtzeitig genug, um noch in das Schwitzbad gehen zu können. VI. Fischel der Melamed durchlebte eine bange Nacht in dem Stübchen von Prokop, er wünschte, nie mehr eine solche durchzumachen. Als der Morgen kam, da lächelte die klare, fröhliche Sonne; ein selten schöner Tag begann, begleitet von einer wohltuenden Wärme, welche den übrigen Schnee in einen Brei und den Brei in Wasser verwandelte. Das Wasser ergoß sich von allen Seiten in den Bug hinein, und der Bug war klar, hell, blau und voll geworden, nnd nur selteu begegnete man jenen großen Eisblöcken, welche wie weiße Elefanten, wie lebendige Niesenungetüme aussehen, die einander jagen, laufen, eilen, als würden sie fürchten, zu spät zu kommen. Fischel der Melamed hatte sein Morgengebet verrichtet, hatte rnit dem letzten Stückchen Chometz, tvelches er in seinem Thales-Sack gefunden hatte, gefriihstückt und lvar zum Flusse gegangen, mn zu erfahren, tvie es mit der Fähre stehe. Wie entsetzt und bestürzt lvurde er aber, als er von Prokop erfuhr, daß man die Fähre vor Montag nachmittags nicht in Gang bringen könne. Fischel packte sich mit den Händen an den Kopf, er zappelte mit den Händen und Füßen, wurde böse auf Prokop und schimpfte über ihn in seiner Sprache, halb auf russisch, halb auf jüdisch und den Rest durch 'Geberden mit den Hätiden. Weshalb hatte er ihm gestern Hoffnuugeu gelnacht, daß rnan heute rnit der Fähre den Btlg würde übersetzen können? Darauf autlvoriete ihm Prokop ganz kaltblütig, er

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