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Jüdisches Volksblatt · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volkablatt. 1. April 1904 Nr. 14 lisch-politischen Vereines Lcvpoldstadt die einhellige Resolution gefaßt, nach welcher die Generalversammlung um Segen für die russischen Waffen betet und dem russischen Volke glänzende Siege über die gelbe Rasse wünscht, an welche Siege von den Antisemiten die Hoffnung geknüpft wird, daß damit auch die Juden „Haue bekommen". In Anbetracht dieses, die deutsche und die s l a v i - s che n N a t i o n e n entehrenden und beschämenden S e r v i l i s m u s der germanischen und tschcchisch-slavischen Russenfreunde ist es an der Zeit, der Ocffentlichkeit einige tiefempfundene patriotische Gedanken mitzuteilcn, die ein ausgezeichneter -Kenner der russischen Geschichte und des russischen Reiches in einer „slavischen Ode" niedergelegt hat. Diese mit beißender Ironie geschriebene Ode stammt aus der Feder des 1847 verstorbenen berühmten ruthenisch-ukrainischen Schriftstellers Kulis ch, der um die ruthenische Literatur sich hochverdient gemacht hat und 1879 für seine literarische Tätigkeit das Schicksal der Verdammung mit dem Dichter Schewtschenko und Professor Kostomarow teilen mußte. Die Ode wurde 1882 nach dem russisch-türkischen Kriege geschrieben und lautet in tvortgetreuer Uebersctzung: Slavische Ode, ein Wiederhall auf den panslabistischcn Ruf in Europa des russischen Kriegshelden Skobcleff. „Ob slavische Ströme im russischen Meere sich vereinigen oder dieses —austrocknct, das ist die Frage." Puschkin. „Betrügerin! Wem schmeicheltest du nicht, wem hast du nicht weiches Bett gemacht? Hast du nicht genug Völker zugrunde gerichtet, die deinen Lockrufen Glauben schenkten? „Heilig" hast du dich ausgerufen, du hast den Himmel in Pacht genommen und auf der Erde hat deine teufliche Macht das stavische Blut in hundert Strömen vergossen. Du trachtest die Welt mir eisernen Armen zu umklammern und mit käuflichen Popen willst du dem menschlichen Verstand einen ewigen Weltkerker bereiten. Und allen Slaven rufst du zu: Vereiniget euch! Ich bin das Meer, ihr seid Ströme. Beuget euch und leistet Gehorsam, füget euch meinen Befehlen! Bei mir werdet chr Ruhe und Frieden finden, wie die Seligen im Gottes Himmel. Im Moraste als stehendes Wasser werdet ihr mit dem moskovitischen Volke faulen. Und wenn einmal in böser Stunde der Feind gegen euch den schonungslosen Krieg unternimmt, er wird nur die Hälfte von euch abschlachten, dann komme ich und werde euch befreien. j Hoch der Moskovite, hoch der Befreier! Das Elend sei sein s Gefolge! In Ewigkeit sei er Sieger! In Strömen fließe das slavische Blut." * Diese Ode empfehlen wir noch der reiflichen Erwägung der Herren Stadträte der königlichen Hauptstadt Prag. Vielleicht kom-! men sie doch zur Einsicht, daß sie mit ihren Sympathiekundgebungen,, die sie dem „russischen Volke" ausdrücken, nur politische Geschäfte' jener panslavistischen, richtiger gesagt panrnssischen Kreise Rußlands besorgen, die Oesterreich durch russophile Umtriebe und Demonstra-! tionen mrr im Schach halten wollen, um desto leichter die slavischen Balkanvölkcr zu „befreien" und dieselben unter die russische Knute * Zu bringen. Veritas. Bibel-Nebersetznngen. Das Jubiläum der „Britischen uni) AusländischeN-Bibelgesellschaft", das am 7. März unter allgemeiner ’ Teilnahme gefeierr wurde, hat mancherlei interessante Erinnerungen wachgerufen. Tie Schwierigkeiten, die der Uebersctzung der Bibel, in so viele nur wenig bekannte und auch nur wenig entwickelte ' Sprachen gegenüberstanden, illustriert Miß F. Klickm'ann in der Zeitschrift „Lcisure Hour" in einem Aufsatz über „Die Probleme; unserer Zeit, wo die „gelbe Gefahr" so sehr im Vordcrgrtinde des Interesses steht, ist es besonders der Mühe wert, sich die Vorsichtsmaßregeln ins Gedächtnis zurückzurufen, die die Chinesen vor einem Jahrhundert gegen die ersten Eingriffe der „weißen Gefahr" trafen. Todesstrafe ^ivar über den verhängt, der dem Ausländer beim Erlernen der Sprache behilflich war. Dr. Morrison, der Pionier der protestantischen Mission in China, betrat Kantolt in Geschäften; er ivurdc dann Uebersetzer bei der Ostindischen Gesellschaft, die ihm eilt Versteck verschaffte» in dem er die Bibelübersetzung bewerkstelligelt koilnte. Dort arbeitete Morrison mit zwei chinesischen Schülern, deren Vertrauen er gewonnen hatte, bis die Riesenarbeit» die er auf sich geilommen hatte, beendet war. Andere außerordentliche Schwierigkeiten bietet die Bibclübersetzling iit Spracheit, denen die nötigsten Begriffe und daher Worte zum Ausdruck der biblischen Ideen fehlen, in denen etwa die Worte „Friede", „Glaube", „Gott" gar nicht vvrhallden sind. Diese Worte müssen erst umschrieben oder durch andere ersetzt loerdeil, und es dauert oft jahrelang, bis richtige Begriffe daillit verknüpft sind. Auch wenn für konkrete Begriffe kein Ersatzwort vorhanden ist, bietet die Uebersetzung große Schwierigkeiten. In der Eskimosprache mußte der Missionar „das Lamm Gottes" durch „den kleilien Seehund Gottes" übersetzen, da Schafe in Labrador linbekannt waren, lvährend der Seehund den Eingeborenen ein vertrautes Bild war. In manchen Gegenden sind die Schafe völlig schwarz, daraus erwuchs eine Schwierigkeit beim Uebersetzen der Stelle „weiß wie Wolle". Auch Feigenbäume, Kamele, Schnee, Eis und viele andere Dinge, die beständig in der Bibel erwähnt werden, sind bei vielen Völkern gänzlich unbekannt. In der Idzosprache, der Sprache des Nigerdeltas, gibt es kein Wort für „Mädchen" oder „Schlvester". In Neubritannien suchte der Uebersetzer eine einheimische Allsdrucksweise, um die Idee eines verbindlichen Eides anszudrückeu, worauf ein Häuptlilig folgende Wendung vorschlug: „Eher werde ich mit der Mutter meines Weibes sprechen, als das und das tun". In Neuguinea kämpfte der Uebersetzer mit dem Wort „Liebe" und fragte seinen eiugeborenell Assistenten, lvelchen Ausdruck er brauchen lvürde, um sein Gefühl für das auszudrücken, was ihm das Liebste auf Erdeir wäre. Der Eingeborene lieferte sofort das fehlende Wort; der Missionar fand später zu seinem Entsetzen, daß das gebrauchte Wort für die Eingeborenen die Bedeutung hatte: „Eine Vorliebe für faules Fleisch". In Britisch-Colnrnbia sollte die Wendung: „Ein Kranz, der nicht verwelkt" übersetzt werden. Das geschah auch zur Zufriedenheit des Missionars und aller Beteiligten; später fand aber der Missionar, daß übersetzt worden war: „Ein Hut, der niemals abgetragen lvird." Wie lange Zeit eine solche Bibelübersetzung erfordert, geht aus folgenden Beispielen hervor: Henri Nott brachte 20 Jahre in Tahiti zu, um die Sprache zu lernen, und lveitere 20 Jahre, um die heilige Schrift zu übersetzen. Die kürzlich unternommene Revision der madagassischen Bibel dauerte über 10 Jahre. Ein Misionar brauchte 20 Jahre, um das Nene Testament in die Matabelesprache zu übersetzen. Die ersten 000 gedruckten Exemplare wurden von \ aufständischen Matabeles erbeutet und von den Helden als Kopfschmuck benützt. Augenblicklich lvird die Bibel der Eree-Indianer I von Archidiakon McKap revidiert, der 40 Jahre unter ihnen in Saskatschewan gearbeitet hat. Ter „Vorwärts" schreibt: Das Blatt des jüngsten Mitgliedes der polnischen Reichstags- und Landtagsfraktion, des Herrn K o rf a n t y, der Kattowitzer „G o r n o s la z a f" (Oberschlesier) leistet sich in seiner Nummer vom 27. Februar eine nette Notiz, die lvohl verdient, tiefer gehängt zu werden. Wir lesen in der erwähnten Notiz: „In letzter Zeit kommen massenhaft aus Rutzlaird Flüchtlinge über die Grenze. Es sind meistens'junge jüdische Handwerker, Schlosser, Tischler und dergleichen, die vom Militärdienst desertieren. In Bendzin Hanf russischer Seite) hat sich ein Agent niedergelassen, der die Flüchtlinge massenhaft über die Grenze schafft, die Grenze wird zwischen Czcladz und Milowitz überschritten, dann sammeln sich die Flüchtlinge in Bnrowcz und begeben sich sodann nach Myslowitz, lvo sie vom Bureau Wichmann lveiter transportiert werden. Tie Juden sind meistens der polnischen und beutfcCitn Sprache sehr wenig mächtig. Sie erzählen, das; sie vor allem aus Rußland nach dem Kriegsschauplatz bestimmr werden sollten. Und — schließt das Korfantp-Blatt wörtlich — „bekanntlich ist den Jüdlein der Pnlvergeruch sehr unangenehm". —- Eine so genaue Angabe über das Wo und Wie der Flucht der „Jüdlein" über dlc russische Grenze, veröffentlicht im Kattowitzer Blatt, das von den Grenzbehörden sehr aufmerksam gelesep wird, sieht einer Denunziation verteufelt ähnlich. Und doppelt' anmutig nimmt sich dieser freiwillige Dienst an die russische Gendarmerie in einem ..nationalpolnischen" Blatte aus, das zu jedem Frühstück eine Portion „Moskowiter" verspeist. Es ist übriaens nicht das erste Mal, daß der reaktionäre Pferdefuß unter der „radikalen" Phraseologie hervorguckt. Das Korfanty-- Blatt verteidigt ja auch inbrünstig die Haltung der Polenfraktion im Reichstage, die als einzige unter allen Fraktionen an der Debatte über die Zaren- und Spitzellvirtschaft in Preußen nicht mit einem Worte teilgenommen hat — kraft eines ausdrücklichen Beschlusses der Polenfraktion. * * * In einer Artikelserie: „Aus der Ostmark" von Dr. Fritz Skowrottnek (Berl. Ztg. Nr. 66) finden toir bei der zutreffenden Schilderung des Bürgerstandes im Posenschen die Bemerkung: „Ohne jede Schlußfolgerung stelle ich die Tatsache fest, daß die deutschen Namen auf den Firmenschilder,, der kleinen posenschen Städte zur allergrößten Zahl den jüdischell Inhaber erkennen ließen. Und ich meine, das ist nicht schwer zu erkläret,. Die Juden sind eben noch die einzigen, die der polnischen Konkurrenz gewachsen sind. Sie konzentrieren ihre Erwerbstätigkeit nicht auf ein Fach, sie haben schon lange vorher, ehe in den Großstädten diese Entwicklung einsetzte, „Warenhäuser" in den kleinen posenschen Städtchen eingerichtet, i» denen man alles kaufen kann, ein seidenes Kleid ebensogut wie eine Kattniischürze, ein Porzcllangeschirr ebensogut wie einen Hering oder ein Lot Pfeffer. Einen „stara Wodka" nicht zu vergessen,! Und tveil diese geschäftliche Regsamkeit der Juden, die sich mit verschwindenden Ausnahmen als Deutsche fühlen und betätigen, den Polen so unbequem ist, deshalb ist unter diesen jetzt ein Judenhaß ausgebrannt, wie ich ihn nicht für möglich gehalken hätte." * * * Die Anti-Fremdenbewegung in England. Die „Neue Zeit" in London schreibt: In Beantwortung einer Anfrage des Parlamentsmitgliedes Sir Howard Vincent, eines der Vorkämpfer der Antialienbewegung, bezüglich des projektierten Einwanderungsgesctzes, sagte der englische Ministerpräsident Mr. Balfour, er hoffe, daß die „Fremdenbill" ohne Verzögerungen vorgelegt werde. Während sonnt das gegenwärtige englische Kabinett mit Balfour an der Spitze ganz offen für die Einführung der einschränkenden Bill Partei nimmt, scheint auch die Partei, die vielleicht in nächster Zukunft in Britannien ans Ruder kommen lvird, nämlich die liberale Partei, die Freihändler mit Sir Campbell Bannermann an der Spitze, dem Gesetze nicht abhold zu sein. Die Einzigen, die sich offen und freimütig gegen das Einsch-ränkungsgeseh auflehnen, sind die Sozialisten in England. Der bekannte englische Sozialist Mr. Hyndmann erklärte in einer Versammlung, daß das englische Volk, die arbeitende Klasse, für die Freiheit und gegen jede Schmälerung der Rechte der Einwanderer seien. Das projektierte Gesetz, führte Redner aus, ist bloß ein Zeichen mehr, daß die englische Reaktion immer mehr um sich greift, daß die Bourgeoisie dem englischen arbeitenden Volke auch die Rechte rauben will, die es sich mit Blut erworben hat. Daß die Sozialisten und Tradeunionisten in England den Juden' gegenüber sich sehr sympathisch verhalten, führte neulich auch Mr. Herbert Bnrrow in einer Rede über die „Jüdische Arbeiterbewegung" aus Er stellte fest, daß die Tradeunions, die Arbeiterorganisation, keinen Unterschied zwischen Juden und Christen kennen. Es haben sich auch seit dem Jahre 1882 rein jüdische Arbeiterorganisationen zu bilden begonnen. Aber eines der Hauptübel dieser Organisation war die Tendenz, sich zu zersplittern, sich in kleine Verbände zu teilen. Dies hat die Macht der Organisalion geschtvächt. Es hat sich allerdings nicht die gewünschte Annäherung zwischen den jüdischen Arbeitern und den christlichen Genossen eingestellt, und es haben sich sehr wenig Nichtjuden den jüdischen Organisationen beigesellt (etwa 1 Prozent) und in diesem Verhältnis sind auch die Juden in den nichtjüdischen Verbänden vertreten. Mr. Bnrrow wies dann auf die Untätigkeit des jüdischen Klerus in der Arbeiterbewegung hin. Er meinte, die Arbeiterbewegmll! könnte die wahre Jakobsleiter sein, die zu den höheren Lebensbedingnngen führe. Er drückte dann den Wunsch aus, daß sich eine Anzahl jüdischer Geistlicher und politisch hervorragender Persönlichkeiten versammle, um über die jüdische Arbeiterbewegung zu diskutieren. Chronik. andere Völker kultiviert werde. Auf diese Weise gestalten sie das menschliche Wort zu einem äußerst interessanten und fruchtbaren Mittel für ihren internationalen Verkehr und gleichzeitig für die Verbreitung des eigenen Geistes und der eigenen Schätze. Könnte es auch etwas Natürlicheres geben!? Die Beweise für diese Wahrheit gibt es eine solche Menge und sind so erdrückend, daß wir sie füglich als Kardinalwahrheit hinstellen dürfen. Ohne die Grenzen des mir heute ausgesteckten Zieles überschreiten. zu wollen, will ich einiger Umstände und Beobachtungen erwähnen, welche auf mich während meiner jüngsten Reise durch einige europäische Länder einen besonderen Eindruck übten. So erinnere ich mich des Kongresses, welchen die Dante-Gesellschaft Ende September des vorigen Jahres in Udine veranstaltete, auf welchem mit viel Wärme und Nachdruck die Errichtung einer italienischen Universität in Triest diskutiert wurde, bei welcher Gelegenheit der hochgeschätzte Präsident des Kongresses P as q u a l e Bi ll a r i die italienische Jugend in feuriger Rede aneiferte, Apostel der Verbreitu..g der italienischen Sprache auf dem ganzen Erdenrunde zu sein und den Wunsch Nussprach, daß die dem Unterrichte der italienischen Sprache in Tunis und Marseille gemachten Hindernisse baldigst beseitigt würden. Auf demselben Kongresse machte das Mitglied des Neapeler Komitees, Porcia Zayiboni unter stürmischem Applaus die Mitteilung, daß auf den Äuswanderungsschiffen nationale Bibliotheken eingerichtet wurden. Ich erinnere yuch an die Einrichtung in der Schweiz, wonach während fce* großen Schulferien Sprachkurse eingeführt wurden, in welchen die fremden Sprachen kultiviert werden. Es sei auch rrwähnt, wie Frankreich ihre nationale Individualität zu erhalten und zu stärken bestrebt ist, und zu diesem Zwecke in anderen Ländern Universitäten und Spezialschulen erhält, wie z. B. die französische Universität in Athen und die französische medizinische Anstalt in B e y r u t h; wie es unausgesetzt bc* müht ist, im Oriente jene geistige Machtstellung zu behaupten, welche es während langst Zeit in vielen Ländern besessen, ihr jedoch jetzt von anderen Völkern streitig gemacht wird; hier ist auch der Platz der Länder Deutschland und Oesterreich zu erwähnen, wo wir das Auftreten d e r, R eaktion gegen den Gebrauch jeder fremden Sprache beobachten konnten, wo durch Veranstaltung von freien Kursen für fremde Hörer und Lehrer das U n terrichtswesen nationalisiert und dieVerbreitungdereigenenSprache gefördert wurde. Ich erinnere daran, mit welcher Energie, und welch scharfen Maßregeln Ungarn die Gesetze betreffend der Anwendung der magyarischen Sprache handhabt, wodurch es das parlamentarische Leben und die Entwicklung des öffentlichen Lebens unmöglich macht, und die Ruhe und Hegemonie der mit ihnen zusammen lebenden deutschen Nation — Oesterreich — immer mehr und mehr gefährdet. Ich erinnere an Rumänien, diesen neuen, rasch fortschreitenden Staat, welcher seinen hervorragenden und politischen Unterrichtsministern Jonescu, Pont und Marzescu eine fortschrittliche und wirksame Unterrichtsgesetzgebung verdankt, und nun daran ist, einen nationalen Geist zu schaffen, indem es durch Kultivierung der rumänischen Sprache alle diejenigen Sprachen, welche früher im Lande vorherrschend waren, allen voran die französische, siegreich verdrängt. Es sei hier auch erwähnt, daß sogar die Türkei ihren alten intrausigenten, Wilden Fanatismus aufgegeben und sich der Pflege des Intellekts, dem Ideenaustausche mit anderen, vorgeschritteneren Völkern zugewendet hat. Sv bietet sie in ihrer neuen, großen, in Skutari am 30. November 1903 durch den Sultan erösineten medizinischen Anstalt für Militär und Zivil, auf Grund der in einer Ir ade vom 12. November 1903 niedergelegten Studienordnung die Möglichkeit, das Studium der moderneu Medizin zu voller Entwicklung und freier Entfaltung zu bringen. Und ist auch diese neue medizinische Anstalt von hen alten medizinischen Schulen in Stambul räumlich nur durch den reißenden Strom des göttlichen Bosporus getrennt, so besteht zwischen Heiden in geistiger Beziehung der Abstand einer immensen Zivilisation; in dieser Anstast wird während voller acht Jahre auch Französich und Deutsch gelehrt, um auf diese Weise die Möglichkeit zu erlangensich in diese fast ausschließlich deutsche Wissenschaft mit möglichst großem Erfolge zu vertiefen. (Fortsetzung folgt.) KirLimd. Gedenktage. April. 1. 1809 st. i. Cloetze Dr. Phoeb. Philippson, Novellist. 1899 st. i. Paris Baronin Clara.von Hirsch. 2. 1806 geb. i.' Hamburg Gabr. Rießer. 3. 1790 st. i. Breslau d. Dichter Ephr. Mos. Kuh. 1867 st. i. Pest Loeb Schwab, Pred. 1884 st. i. Wie,, Jgn. Knranda, Begr. d- „Grenzbote,,". 4. 1617 geb. i. Ebora Flavins Eborensis (Didacco Pyrrho). 1762 st. i.. Berlin R- David Fraenkel. 6. 1844 geb. Bertha Eichberg, Harfenistin. 6. 1812 geb. i. Danzig Aron Bernstein. 1866 st. Rabb. I. Z. Mecklenburg-Königsberg. 7. 1878 st. Sanitntsr. Dr. H. Schwarzschild-Frankfurt a. M. Ans der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 27. März 1904, unter dem Vorsitze des 1. Bizepräsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Nhr vormittags. Vor Beginn der Sitzung ergreift der Vorsitzende das Wort zu nachfolgender Ansprache: Wiener ist eines der jüngeren Mitglieder unseres Vorstandes aus dem' Leben geschieden, H e i',, r i cy Telts ch e r, ein Mann, bon dem man sagen konnte, daß er hier und überall nur Freunde hatte. Obgleich der Verewigte nur kurze Zeit unserem .Kollegin,n an gehörte, hat er in uns die Ueberzengniig gefestigt, daß jedes seiner, Worte, geschöpft aus dem Schatze seiner reichen Erfahrungen, wahr und anfrichtig gewesen ist. Durch seine Hingebung für das Wohl' der Gemeinde, seine Betätigung bei einer Reihe von Wohltätigkeits- Anstalten, durch die Lauterkeit seines Charakters, durch seine Pflichttreue wäre er geradezu prädestiniert gewesen, einst eine führende Stelle einzunehnicii. Wir werden dem Verewigten, einem der Beste,,' unserer Gemeinde, ein unvergeßliches Andenken bewahren! — Der Vorsitzende ersucht die Versammlung, welche' den Nachruf stehend angehürt hat, um die Genehinigung, diese Tranerkundgebuua dem Protokolle eiiiznberleiben und der Familie des Verewigten hievon Mitteilung zu machen. (Zustimmung.) Im Präsidialberichte erwähnt der Vorsitzende der in den letzten Tagen abgehaltenen Feierlichkeiten anläßlich des 100. Geburtstages des unvergeßlichen Altmeisters Oberkantor Salomost Sülzer und hebt insbesondere die Gottesdienste hervor, welche, in den beiden Genieilidetenipelli Stadt und LeopöldstEstattgefunden haben. Die musterhaften gesangkichen Leistlingen, die geradezu' hervorragende,, Reden, welche beb diesem Anlasse gehalten ivyrden, trugen dazu bei,^ daß),die Feier alle,, Anwesenden in dauernder Erinnerung, bleiben, lvird. Die Bedeutsamkeit der Feier lvurde erhöht.durch die verbreitete Schrift eines „nbenannten Verfassers, •trf welcher nebst der Würdigung Sulzers auch dargetan lvird. loie derVorstaud der damals kleine,MemeindeWieu bahnbrechend auf dem Gebiete des Gottesdienstes und der Liturgie gewirkt hat. Weiters: gibt der Vorsitzende bekannt, daß zur bleibeudeu Erinnerung dieser Säknlarfeier in der Vorhalle des Stadttempels — gegenüber der Tafel für unseren „„vergeßlichen Lehrer Mannheimer — eine Ge- *

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