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Jüdisches Volksblatt · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Wien, freüftg Jüdische« Volksblatt. 1. April 1904 Müt des belgischen Kongo herantreten, uns Juden in plötzlich erwachtem Großmut auf ihrem eigenen Gebiete nicht nur volle Autonomie sichern, sondem uns überdies ihre kostspieligen Anlagen in den Schoß werfen würden I Lord Rothschild, welcher über die Absichten der englischen Regierung wohl ziemlich genau informiert sein dürfte, sagte cs schon heute gerade heraus, daß es „nicht eine jüdische Autonomie sein solle, wie die Zeitungen meinen, sondern bloß eine jüdische Kolonie in einem Teile des britischen Reiches". Und demgemäß sprach denn auch schon H. Greenberg zu Leeds nur von einer „jüdischen Kolonie". Und an diese reale Auffassung müssen wir uns halten. Timeo Danaos et dona ferentes: die politische Entwicklung der ostafrikanischen Heimstätte würde aller Wahrscheinlichkeit nach die umgekehrte sein, wie die der palästinensischen. In Palästina würden wir mit minimaler! Rechten beginnen und zu immer höheren aufsteigen, in Ostafrika mit einer Scheinautonomie einsetzerr, um im gegebenen Augenblicke der erhofften Rechte wieder verlustig zu werden. Der einzige Punkt, auf dem die politische Konstellation uns die Aussicht auf ein wirklich souveränes, neutrales und öffentlich-rechtlich gesichertes Staatswesen eröffnet, ist Palästina. (Fortsetzung folgt.) Airs Rußland. (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksblatt".) Die Kommission zrrr Revision der Jndenaesttze ist noch nicht zusammengetreten. Demzufolge siud alle Gerüchte über Beschlüsse in einer oder der anderen Richtung unglaubwürdig. Allerdings kann man sogen, daß von dieser Revision nach dem Winde, der jetzt in Regierungskreisen weht, nichts Gutes zu erhoffen ist. Man kann dem Gefühle, das in den jüdischen Massen lebt, ob sie nun reich oder arm sind, keinen anderen Ausdruck geben, als in den Worten: „Der Jude fühlt sich in Rußland Vogel frei". Kann es eine bessere Illustration für diese Behauptung geben, als daß K rusch ew a n in Odessa unter den Augen der Behörden ein zweites K i s che n e w vorbereitet. Dabei muß man bedenken, daß der Gouverneur von Odessa nach seiner ganzen Vergangenheit diese Agitationen mißbilligt. Er muß sie aber dulden, weil ein Mann cs wünscht und dieser Mensch heißt — Plehwe. Bis zum Sommer war die Lage der Juden stationär. Seit dem aber die schwere Hand Plehwcs u ne in geschränkt regiert, also seit dem Rücktritte Wittes hat sie sich zusehend unaufhörlich verschlechtert. Um den Haß zu begreifen, den die Russen, also nicht nur die Regierung, sondern auch die „oberen Zehntausend" gegen die Juden hegen, darf man nicht nur an ihre Beteiligung an den revolutionären Parteien, sondern auch an einen psychologischen Umstand denken. Da lebt unter den Millionen Russen ein Volk geächtet, gehctzt und bedrückt und will doch nicht seine Eigenart aufgeben, obwohl ihm der Pope mit freundlichen Geberden winkt. Jetzt ist eben der Bericht der panslavischen Missionen erschienen, in dem die Leitung konstatiert, daß nur ganz vereinzelt Uebcrtrilte rrn Irl in fionftilrr. Nein,! im Volke an vielen Orten eine Hinneigung zu dem Judaismus stattfindet. Manche werden Karaiten, viele Juden. Diese Sekte erklärt Rußland für das Babylon der Bibel, in dem sie das Wort Ruß umkehrt und Aßnr daraus macht. Die „Rowoje Wremja" die den Bericht der Missionäre publiziert, konstatrert selbst sauersüß, daß diese Sektierer durchwegs idealistische Naturen sind. Um den Juden aber doch etwas anzuhängen, erzählt sie, daß solche Sektierer nach Palästina cusgewandert sind und nur ihnen, also doch Russin, das Aufblühen der Kolonien in Palästina zu verdanken ist. Natürlich ist das eine Lüge. Aber die Lügen der „N. Wr." haben kurze Beine. Um der Wiener „Zeit" wegen ihrer ruffenfeindlichen etwas ans Zeug zu flicken, erzählte sie, die „Zeit" sei vom Frankfurter Rothschild gegründet worden. Sie hatte aber entschieden Pech mit ihrer Lüge, denn gerade das Frankfurter Haus Rothschild ist erloschen. Die „N. Wr." mußte also in einer folgenden Nummer eine Berichtigung bringen, derzufolge kein Frankfurter HauS Rothschild mehr existiert und daß die „Zeit" von einem Konsortium gegründet, dem sowohl Juden wie Christen angehören. Echt P l e h w e ist auch die Taktik des „Roten Kreuzes". Das „Rote Kreuz" nimmt keine jüdischen Aerzte und keine jüdischen Pflegerinnen an. Erst jüngst ereignete sich in M i n s der Fall, daß zwei Jüdinnen aus dem Kurs zur Heranbildung von Pflegerinnen, durch den kommandierenden General herausgewiesen wurden. Da natürlich dieser Vorgang viel böseS Blut macht, so verweist das „Rote Kreuz", um dem Ausland Sand in die Augen zu streuen, auf seine Statuten. Diese Statuten wissen allerdings nichts von einer Ausschließung der Juden. Aber diese antisemitische Praxis besteht im „Roten Ki enz" trotz der Statuten. Und in den Z i r k u l a r e u der Gesellschaft sagt sie ganz ausdrücklich, das Leiter der Sanitätskolonnen nur Russischorthodoxe sein können, Oberärzte können auch Protestanten oder Katholiken sein, Juden sind ausgeschlossen. Ja, in Rußland weht Plehwe'sche Lust, das bekommen selbst die jüdischen Soldaten zu spüren. Manche schrieben nach Hause um Mazzcs für Passah. Die russische Armeeverwaltung lehnte unter allerlei Vorwänden es ab, die Spenden des jüdischen Komitees zu transportieren, dagegen werden für den christlichen Soldaten Osterspenden bereitwilligst befördert. Höchst amüsant ist die Polemik zwischen M e n t s ch i k o f f in der „Nowoj Wremja" und Amphiteatrow in dem „Ruß". Mentschikoff warf nämlich Amphiteatrow vor, daß er seine Gesinnung geändert Hobe; er sei früher Antisemit gewesen und schreibe jetzt für die Juden. Darauf erwiderte Amphiteatrow. das sei richtig. Mentschikoff habe aber ebenfalls seine Gesinnung geändert. Früher sei er liberal gewesen, (Er gab nämlich die lieberale „Ncdjela" heraus) jetzt aber sei er Antisemit. Mentschikoff schweigt nun. Vor einigen Tagen hatte der Odessaer Stadtgouverneur die jüdischen Repräsentanten der Handels- und Finanzwelt eingeladen und machte sie darauf aufmerksam, daß, falls sie verharren, sich so „herausfordernd" zu verhalten, er keine Ruhe und Sicherheit für die jüdische Bevölkerung zu Ostern garantieren könne. Was der Gouverneur unter dem Worte „herausfordernd" versteht, hat er freilich nicht erklärt, es läßt sich aber vermuten, daß der Regierungsvertreter mit der Stellung der jüdischen Kapitalisten zu der Frage der sogenannten „freiwilligen Spenden" nicht ganz zufrieden ist. Die jüdische Geldaristokratie hat nämlich bis jetzt' noch keine speziellen Zeichnungen für den Fonds des roten Kreuzes oder zum Zwecke der Erbauung neuer Kriegsschiffe gemacht. Nun will man sie dazu durch das Gespenst einer Judenhetze ermuntern. Wie die „freiwilligen Spenden" zustande kommen, kann man an dem Beispiel der hiesigen Elsenbahnarbeiter sehen. Es wird ohne weiteres ein Prozent vom Arbeitslohn für das Rote Kreuz abgezogen, wobei es stark empfohlen wird, den Prozentsatz zu erhöhen. Es wurden schon einige Arbeiter, die keine besondere Lust zur Zahlung hatten, mit Entlassung bedroht und — mußten sich fügen! Außer dieser „freiwilligen" Zwangsspende fordert man von ihnen sitzt neue Abgaben für ein Feldlazarett von zweihundert Betten. Dabei ist zu bemerken, daß die Stadt augenblicklich an einer Jndustriekrise als Folge des Krieges leidet. Einige Fabriken (Backsteine) haben das Geschäft ganz geschlossen, andere (zum Beispiel Steinbrüche, Jutefabrikation usw.) die Produktion stark herabgesetzt. Die Stadt wimmelt von Arbeitslosen, der Arbeitslohn ist gesunken, das Korn und besonders das gebackene Brot im Preise stark gestiegen, und im Arbeiterquartier hat man schon mehrere Fälle des HungerthyphuS konstatiert. Und der Krieg — wie man in Petersburg sagt — hat eigentlich noch nicht begonnen! Die „Jnfchnaja Rossia" schreibt: „Angesichts der bevorstehenden Osterfeiertage zeigt sich wieder unter den Anhängern Kruschewans in Südrußland eine lebhafte Agitation. Man spricht ganz offen von einem kleinen Kischenew in einzelnen Städten. Ganz entsprechend dem Vorgehen ihres geistigen Vaters Krusrqewan begnügen sich die seiner würdigen Anhänger nicht mit der Verbreitung seiner Preßerzeugnisse, sondern benützen für die Hetze auch den Krieg. Die bei dem Volke jetzt rege gewordenen patriotischen Gefühle werden dazu benützt, einen Haß gegen die Juden zu erwecken, indem dieselben als Verbündete Japans und Verräter an Rußland hingestellt werden. Die Agitation geschieht ans folgende originelle Weise. Irgend ein Agitator trifft in der Stadt eine Gruppe von Bauern. Wie zufällig holt er aus der Tasche die Kruschewanische „Zuamja" hervor, liest aus derselben die Juden betreffenden Artikel laut vor, flickt hie und da seine eigenen, gar nicht zweideutigen „Ansichten und Bemerkungen" hinein, und es läßt sich leicht denken, welche Gefühle solche Gerüchte bei den einfachen Bauern Hervorrufen und wie die Anklagen gegen die Juden, bestätigt durch ihre einzige geistige Nahrung, die „Znamja" auf sie wirken müssen. Sogar diejenigen, welche den Gerüchten nicht lcichtweg Glauben schenken wollen, müssen sich dem für sie wichtigsten Argumente ergeben: „Wenn das Alles nicht wahr wäre, würde man nicht gestatten, es abzu drucken." Die Resultate dieser „Arbeit" wachen sich auch schon fühlbar. Das früher bestandene friedliche Einvernehmen zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung ist bereis an vielen Orten getrübt. Die Agitation gegen die Juden wird so offenkundig und mit so auffallendem Eifer betrieben, daß die Bauern selbst verwundert ausrufen: „Was haben ihnen die Juden eigentlich getan?" Alexei. Zettungsschau. Die „Ruthenische Revue" schreibt: Wir veröffentlichen hier die Ausführungen eines angesehenen ruthenischen Gelehrten, der die allgemeine Begeisterung für das Zarentum, sowie die panflavistischen Krawalle sehr treffend charakterisiert. Russenfreunde und eine ruthenisch-ukrainische Ode. Während im russischen Reiche alle Völker, auch das moskovitische Volk nicht ausgenommen, unter der Knute der despotischen Regierung seufzen, und die nach Freiheit lechzende Intelligenz gegen die von der Polizei bestellten „patriotischen Kundgebungen und Kriegsadressen" laute Proteste erhebt, bringt die Presse täglich Nachrichten über neue russenfreundliche Demonstrationen, die in Oesterreich von denSlaven veranstaltet werden, von denen zweifellos nicht wenige ebenfalls von jener Seite bestellt sein werden, der sie nützen sollen. Besonders sind es die t s ch e ch i s ch e n Russenfreunde, die sich dabei hervortun und sich nicht damit begnügen, durch die Repräsentanz der königlichen Hauptstadt Prag dem „russischen Volke" ihre Sympathien auszudrücken und ruhmvolle Siege Mer die „frechen Asiaten zum Ruhme des ganzen Slaventums" zu wünschen, sondern auch den Straßenmob gegen die deutsche Studentenschaft mobilisieren und seine Gewalttätigkeiten in der tschechischen Presse gutheitzen. Diesen „slavischen" Sympathiekundgebungen haben sich in den letzten Tagen auch die germanischen Russenfreunde, ' die Wiener Antisemiten angeschlossen, nachdem dieselben nach den bestialischen Mordtaten in Kischenew zur Erkenntnis gelangt sind, daß Rußland der „einzige" Staat sei, der den Antrsemiten „am allernächsten stehe". Wie in der Tagespresse vom 1. ds. berichtet wird, wurde in der Generalversammlung des katho- Die Repatriierung der spanischen Juden. Von Dr. Angel Pulido. Aus dem Spanischen*) von Jakob Krcmsz. (Fortsetzung.) Wir haben diese Probe geliefert, um uns von dem Vorwurfe zu befreien, daß wir uns von unüberlegtem, jugendl chem Enthusiasmus hinreißen ließen, als wir die Ansicht vert i aten, daß dieses in der Liebe zur Sprache zum Ausdrucke fl elangende, historische Gefühl eines in allen Weltteilen heimatlos und verfolgt lebenden Volkes zu groben Spekulationszwecken ausgenützt werde. Ein solch' leichtfertiger Enthusiasmus wäre einem Manne nicht zu verzeihen, der auf seinen Weltreisen Gelegenheit gehabt hat, Einblick zu gen4nnen in die leidenschaftlichen Kämpfe, welche Völker, Rassen, Körperschaften und Individuen aus Egoismus, zum Schutze ihrer eigenen Interessen führen. Die hebräische Rasse ist gut für solche Untern eh«, ungen! Aber nicht darum handelt es sich, nicht zu solch' kleinkrämerischen Gedanken will ich die Aufmerksamkeit und meine« Vorschlag erniedrigen, die Frage hat viele andere, würdigere, brüderliche Gesichtspunkt«, welche unserem Vaterlande vielfache Vorteile bringen können und müssen. Auf diese muß der Geist gelenkt werden, wie dies bereits von einigen Andtren, leider zu wenigen, geschehen ist. Ich verweise auf den verstorbenen Marquis Hoyos und den hervorragenden gegenwärtigen Steuerdn ektor D. Juan S i t g e s, welche den Fragen der spanischen Juden eingehende Studien gewidmet haben. In Wien selbst, wo der Elftere die hohe Stelle eines spanischen Botschafterinnehatte. erfuhr ich durch Herrn Dr. Beer, daß der allseits geschätzte Aristokrat eine äußerst interessante Denkschrift über diein derHauptstadtOesterreichs lebenden spanischen In den verfaßte, von welcher ein uugedrucktes Exemplar sich in derNationalbibliothek befindet. Als ich diese Arbeit kennen lernen wollte, wandte ich mich an die Witwe des verstorbenen Marquis, und erfuhr von ihr, daß von dieser Arbeit mehrere Exemplare k^ifiuren und zwar e i n e in der königl. Akademie der Wissenschaften, wo sie als Inauguration sabhandlung des zum Mitglieds der Akademie gewähltenVerfassers bestimmtwar. Noch ehe Marquis Hoyos seine Antrittsrede halten konnte, wurde er vom Tode ereilt. Wie mir jedoch die Witwe versicherte, wird die Akademie diese wertvolle Arbeit noch im Laufe diese- Jahres in ihren Publikationen veröffentlichen. Die Studien de- Sr. Sitges sind mir bekannt; ich hatte oft Gelegenheit von seinen eigenen Lippen den Ergebnissen zu lauschen, welche dieser ehrenwerte Patrizier seit Jahren mit großem Interesse für die Materie sammelt; ebenso die Korrespondenz, welche er mit einigen bedeutenden spanischen Juden im Orient, unter Anderen auch mit Sr. Bejarano unterhält. Er war es auch, der die verschiedenen Regierungen — wenn auch bis jetzt vergeben- — zu veranlassen suchte, die Initiative zur Herstellung der besagten Beziehungen zu ergreifen. Sr. Sitges war es ferner, dessen unermüdlicher Intervention bei einigen hervorragenden Juden und bei der Regierung ezu verdanken ist, daß die, schon wegen ihrer uralten Geschichte ehrwürdige und äußerst interessante, unter den Namen „El Transits („der Uebergang") bekannte Synagoge von Toledo nicht abgetragen werde, indem er ihre Restaurierung rechtzeitig ermöglichte »nd dadurch verhinderte, daß eine» der eigenartigsten Kleinodien der Kaiserstadt verloren gehe. Außer diesen gibt enoch viele andere Beweise der Kvmpetenz und der Liebe de- Sr. Sitges für den interessanten und anregenden Gegenstand. Mehr aber, als die Bemühungen von Männern spanischen Ursprungs, sprechen für Frage, die wir behandeln, die Bemühungen der Juden selbst, die inmitten der verschiedenen Völker, unter denen sie leben, alle Mittel und Unterrichtsbehelse in Anwendung bringen, um das spanische Idiom, welches sie bis heute von Vater ans Sohn weitervererbt haben, vor einer Korumpierung, Entstellung, wenn nicht gar vor vollständigem Untergange z l schützm. Und sie tun dies angesichts der großen, stets mehr und mehr umsichgreifenden Verbreitung der Idiome der großen Staaten, welche, wie z. B. das deutsche, englische und französische, in wachsendem Kampfe die Zahl derjenigen, die sich ihres Idioms, sei es zu wissenschaftliche», literarischen oder kommerziellen Zwecken, bedienen, zu vergrößern suchen. Es fragt sich nun: Ist es für eine Nation von Wichtigkeit, daß ihre Sprache von anderen Völkern kultiviert und verbreitet werde? Und wenn dies zugegeben wird, ferner: Ist dann die Nation verpflichtet, mit allen Mitteln und Kräften dafür einzutreten. daß dies geschehe? Wir müssen es gerechterweise gestehen, daß solche Aufgaben nur noch in Spanien oder für Völker fraglich sein können, die ihre Grenzen den Forschungsergebnissen der großen Probleme des öffentlichen Lebens noch nicht eröffnet haben und die selbst in das Studium der Faktoren der eigenen nationalen Wohlfahrt noch nicht eingedrungen sind. Unglücklicherweise ist die Ex stenz unserer verschiedenen Regierungen zufolge Zusammenwirkens verschiedener unheilbarer Nationalfehler, in letzter Zeit, eine so unsichere, Wechseln und Kämpfen ausgesetzte, daß die Unzulänglichkeit der nach dieser Richtung hin geschaffenen Vorkehrungen, welchen in anderen Ländern die größte Wachsamkeit zugewendet wird, erklärlich erscheint. Wenn wir den Unterrichtsstoff untersuchen, auf welchem die großen Völker heute die Erziehung hauptsächlich basieren, so finden wir, daß die vorgeschrittensten und demzufolge auch die geachtetsten und mächtigsten Völker vorzüglich darauf Gewicht legen, daß in ihren eigenen Anstalten, Lyeeen, Akademien re. möglichst viel fremde Sprachen gelernt werden, aber andererseits sich auch dafür einsetzen, daß ihre Landessprache durch *) lllnstrselon Espagnola Americana, Nr. VI. 1904.

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