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Jüdisches Volksblatt · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Yolkablatt. 1. April 1904 Nr. 14 Aber das haben wir selbst verschuldet, diese Situation Laben wir selbst heraufbeschworen. Zur Zeit der großen Abrechnung, als die Mächtigen der Not gehorchend, so freigebig waren mit ihren Geschenken au die Völker, da war das Judentum das einzige Volk, das leer aus ging. Für rein menschliche Freiheiten gab es sein Ganzes hin. Der Mensch ward frei, aber das Volk ward zum Sklaven. Und indem wir selbst mehr hinwarfen, als mau von uns verlangte, haben wir unser Schicksal selbst besiegelt. Ist die Freiheit unseres Volk-tums nun wirklich für immer verloren? Gibt es tatsächlich kein Entrinnen mehr, und müssen wir es ruhig zusehen, wie der stetig anwachsende Abbröckelungsprvzeß zu unrettbarem Verfalle führt? Noch ist es Zeit! Aber wir müssen uns zunächst vor uns selbst schützen, wir müssen uns von unseren eigenen Vorurteilen und Mißverständnissen befreien. In uns selbst liegt die Hauptschuld für unsere Situation, in unserem Nichtverstehen unserer Geschichte, und den Forderungen, die sie an uns stellt. Die Ge, eration, die unsere jetzige Lage verschuldet, hat für dieses Verbrechen an unserem Volkstum hart gebüßt, sie hat wohl viele Opfer gefordert, aber nun liegt es an uns, nach langen Irrfahrten, den Weg zu uns selbst zu suchen und zu finden, denn dieser Weg führt zur Freiheit. Noch einmal das Ostasrika-Projekt. (Ostafrika und die politische Maffenkolonisation.) Von Dr. A. Nossig. (Fortsetzung.) 6. ' Verkehrsverhältnisse. Doch gehen wir in der Untersuchung dieser Aussichten weiter. Wenn ein Land auf die Produktion von wenigen Spezialartikeln angewiesen ist, so spielen die Verkehrsverhältnisse, die Nähe eines Absatz- und Abzugsmarktes eine entscheidende Rolle. In dieser Hinsicht aber ist die Lage Ostafrikas eine höchst nachteilige. Es ist über 300 Meilen von der Küste entfernt. Daß die Britisch- Ostcrfrika-Kompanie unter solchen Umständen vor der Errichtung der Ugandabahn bankrottieren mußte, kann niemanden Wunder nehmen. Aber auch als die Regierung, hauptsächlich aus strategischen Gründen, um eine Verbindung nach den Nilquellen zu haben, das Opfer brachte, diese Bahn zu bauen, blieb der wirtschaftliche Erfolg aus. Und auch das ist erklärlich. Trotz der niedrigen Tarife sind die Transportkosten viel zu groß, so daß die Exportartikel die Konkurrenz auf dem Weltmärkte nicht bestehen können. Andererseits sind die unerläßlichen Bedarfsartikel, die man aus dem Ausland beziehen muß, ebenfalls drückend teuer. Klimatische Verhältnisse. Jedoch auch, wenn es diese Verkehrs- und Äbsatzschwierigkeiten nicht gäbe, würde der Betrieb von tropischen Pflanzungen — der einzigen Kulturart, die hier möglich ist — auf ein fast unüberwindliches Hindernis stoßen. Selbst in dem Gebirgsgebiete nämlich vermögen Europäer auf den sonnenbeschienenen Ebenen nicht selbst zu arbeiten, sondern höchstens mit einem Tropenhelm auf dem Kopfe die Arbeit von Eingeborenen zu überwachen. Wir wollen ja einen Platz an der Sonne haben, das ist wahr; aber so stark braucht die Sonne nicht zu sein. .Der Genauigkeit halber sei feftgestellt, daß die Luft auf dem Hochplateau keinen allzu hohen Temperaturgrad erreicht; nur die Stärke der Insolation auf diesem Aequatorialstrich ist für den Europäer: unerträglich. Hierzu tritt jedoch eine Reihe anderer Bedingungen, die dem Einwanderer die persönliche, manuelle Derätignng außerordentlich erschweren. Er kann sich den äquatorialen Lebensgewohnheiten nicht anpassen. Daher kommt es, daß z. B. zu den Waldrodungen weder in Britischnoch in Deutsch-Ostafrika Einwanderer benutzt werden konnten. Man ist in allem auf die Einheimischen angewiesen. Die Eingeborenen. Nun ist die einheimische Bevölkerung dünn gesäet uird selbst so arbeitsfaul, daß sie trotz aller Anstrengungen zu keiner geordneten Arbeit gebracht werden kann. Ueberdies hält man noch gar nicht so weit, sie als Plantagenarbeiter zu engagieren. Sie nehmen zum großen Teile noch eine feindliche Stellung ein und es finden noch fortwährend militärische Unternehmungen gegen die Stämme der Somali, Massai, Lumbwa und Nandi statt. Eine Ansiedlung, welche numerisch nicht besonders stark und militärisch nicht beschützt ist, wird von den Eingeborenen sofort überfallen. Das Land steht noch heute, nach Jahrzehnten, zu großem Teile unter rein militärischer Herrschaft, und neue Ansiedlnngen könnten mir unter dem Schutze englischer Truppen stattfinden. 6. Eignung des Landes für jüdische Kolonisten. So ist das Land beschaffen, welches Herr Chamberlain aus freien Stücken den Juden angeboten hat, als man ihn um El-Arisch ersuchte. Daß er uns gerade dieses Gebiet wiederholt und recht eindringlich vorschlug, vermindert etwas unsere Ueberraschung. So dankbar wir auch dem Vorkämpfer des englischen Imperialismus für seinen großmütigen Vorschlag sein müssen, so können wir uns doch dem Eindruck nicht verschließen, daß seine Politik hier bei näherer Erwägung viel weniger inkonsequent erscheint, als auf den ersten Blick. Wir haben uns überzeugt, daß die Ansiedlungsfähigkeit Ostafrikas überhaupt eine sehr zweifelhafte ist, und daß dort im besten Falle nur große kapitalkräftige Pflanzer oder Pflanzergesellschaften reüssieren könnten, welche nötigenfalls aus anderen Gegenden Afrikas schwarze Arbeiter en Masse beziehen würden. Welche Eignung aber hat dieses Ansiedlungsgebiet speziell für die Juden? Wir wollen die kleinen jüdischen Händler und Spekulanten in selbstarbeitende Bauern verwandeln. In Ostafrika müßten sie Handelskompanien bilden und ähnlich wie die Buren auf den Pflanzungen die Schwarzen mit dev Peitsche zur Arbeit antreiben. Der richtige Negerstaat. Ist dies das Bild eines regenerierten Volkes? Wer es ist nicht anzunehmen, daß dieses wirtschaftliche Gebiet je entstehen könnte, daß die Juden in diesem exotischen Lande je Wurzel schlagen würden. Was den aus härtestem Zeug geformten Kolonialvölkern der Gegenwart, den Engländern und den Deutschen, in ihren ostafrikanischen Besitzungen mißlungen ist, sollte den russischen und rumänischen Judenproletariern.gelingen? „Um dort etwas zu erreichen — sagen die Kenner^Ostafrikas — dazu sind eiserne Menschen nötig." Jawohl, man kann von jüdischen Ansiedlern eine große koloniale Leistung erwarten, aber nur dann, wenn die ungeheure Macht einer historisch-nationalen Idee sie begeistert und elektrisiert, wie in Palästina. Dieses fremde, wilde Land wird nie eine genügende Anziehungskraft auf sie ausüben. Sie würden sich, allen bisherigen Erfahrungen gemäß, bei den ersten Schwierigkeiten nach den Gegenden zerstreuen, wo sie sich an eine bereits bestehende Kultur anlehnen können, nach den Städten von Transvaal und Egypten. Oder sollen wir etwa glauben, daß die abstrakte Idee einer jüdischen Autonomie sie hinlänglich anfeuern würde, um diesen dorneiwollen Kampf mit der Wildnis aufzunehmen? 7. Ich für mein Teil glaube es nicht. Ich habe die feste Ueberzengung, daß dieser Traum, der den Mitgliedern eines Kongresses in einer wohleingerichtcten europäischen Stadt so schmeichelte und so reizvoll vorkmn, nach einer Reihe mißlungener wirtschaftlicher Versuche unter dem Acquator seine Anziehungskraft völlig verlieren würde. Die Autonomie eine Fata morgana. Und ich glaube noch etwas anderes, .nämlich, daß auch die ganze politische Konstruktiotf, die jüdische Autonomie unter englischer Herrschaft, nichts als eine Fata morgana ist, wie sie oft in den Wüsten Afrikas erscheint. Jawohl, in dem Briefe des englischen Foreign Office werden Andeutungen dieser Art gemacht, aber nur naive Gemüter nehmen in der Politik alles für bare Münze. Wir tnn besser daran, uns die Entwicklung der Dinge nach den bekannten Prinzipien der Chamberlain'schen Politik, der imperialistischen Politik Englands überhaupt vorzustellcn. In diesem Lichte, dem der Erfahrung, erscheint die Andeutung einer jüdischen Autonomie einfach als Lockmittel, welches so lange zum Scheine aufrecht erhalten werden würde, als es zur Heranziehung von Ansiedlern, zur Füllung des Landes und zur Schaffung einer Kultrrr in demselben von nöten tväre. Ist man einmal so weit, würde das jüdische Ostafrika schon gewisse Reichtümer repräsentieren, dann würde man um den Vorivand nicht verlegen sein, um diese Halbautonomie durch eine englische Verwaltung zu ersetzen. Ja, ich fürchte sehr, daß. in der Praxis diese Selbstautonomie nie zur Wahrheit werden könnte. Da eine Massenansiedlung von Juden nicht nur seitens der Schwarzen, sondern auch seitens der Gelben und Weißen auf Widerstand stoßen würde, so wäre die Anwesenheit einer englischen Schutztruppc unerläßlich. Man darf überzeugt sein, daß diese auch nach der Pazifizierung der Bevölkerung das Land nie verlassen würde. Auf Grund der höchst wahrscheinlich klingenden Behauptung, daß die Juden die in politischem Sinne auf sie gefetzten Erwartungen getäuscht hätten, daß sie sich selbst nicht regieren können, würde es dann ein Leichtes sein, die Scheinautonömie zu beseitigen. Spricht doch schon selbst der vielverheißende Brief des Foreign Office von der Eventualität, baß im Falle des Mißglückens der Unsiedlung das Land von der Regierung wieder in Besitz ergriffen werden würde. Man kann ein so schwieriges Ansiedlungswerk sehr gut für mißglückt erklären — eben in dem Augenblicke, wo es nach Abschluß der schwersten wirtschaftlichen Kämpfe eine gewisse Aussicht auf Erfolg zu bieten beginnt. Wie wenig man sich auf Zusicherungen verlassen darf, beweisen am besten die Erfahrungen, die man gelegentlich eines früherne Kolonisationsversuches in Ostafrika, nämlich bei der Gründung des „Fveiland" von Dr. Hertzka gemacht. Wie der Sekretär der Freilandgenossenschaft mitteilt, hat die englische Regierung auch damals Autonomie zugesichert, in dem Augenblick aber, wo die Kolonisten den Boden betreten haben, ganz andere Saiten aufgezogen. And wie tväre es denkbar, düß' die englische' Regierung in diesem Falle anders Verfahren sollte? Es gehört allerdings zu ihren Prinzipien, den Kolonialgebieten eine gewisse beschränkte Autonomie zu gewähren,-und eine solche hoffen wir auch z. B. in den englischen Nachbarländern Palästinas zu erlangen. Wer ihre Haupttendenz geht dahin>, ihre Kolonien möglichst fest' an das Mutterland zu ketten, alle Schutzgebiete durch eine einheitliche englische Oberverwaltung in das große englische Weltreich hineinzuugen. Wie sollten wir auch nur einen Augenblick diese Inkonsequenz ür denkbar halten, daß diese Rasse der Welteroberer, diese Römer der Neuzeit, welche andere Teile Afrikas unter ungeheuren Opfern an Geld und Blut der Autonomie berauben; welche eben jetzt, nachdem sie das Transvaalproblem gelöst, programmäßig an die Frage dabei vergessen, seinen Paß mitzunehmen. Er glaubte, es sei dasselbe wie in Balta, da ist er aber gut hereingefallen und hat sich dann für ewige Zeiten verschworen, nie lvieder in Jehupetz ein Knelling zu suchen. Seit jener Zeit führt Fischel „knellen" nach Balta, wenn aber Erew-Pessach kommt, dann wird er vierzehn Tage früher mit dem Unterrichte fertig und dann beginnt er rechtzeitig seine Vorbereitungen, um wenigstens zu nach Hause zu kommen. Wann ist es aber möglich? Wenn alles in der Ordnung, d. h. wenn der Weg ein Weg ist, und wenn man ein Fuhrwerk bekommt und man den Bug über den: Eise oder mit der Fähre übersetzen kann. Was soll aber daun geschehen, wenn der Schnee taut, wenn es einen Kot zum Versinken gibt, die Fähre noch nicht geht, eine Ueberfahrt mit einem Nachen lebensgefährlich ist und der Feiertag schon vor der Nase ist? Was ist da anzufangen? Darauf muß geantwortet werden: Was ist anzufangen, wenn man am Eretv- Sabbat auf einen Berg hinauffährt! und es ist Nacht und finster und der Regen gießt in Strömen und man ist ganz hungrig und im Wagen bricht eine Achse? Dann ist es wohl sehr, sehr schlecht bestellt, darüber ist nicht zu streiten. Fischel der Melamed weiß schon, was es heißt: schlecht, sehr schlecht; er hat in seinem Leben, seitdem er von Chatschelvata nach Balta und von Balta nach Chatschelvata fährt, verschiedene Reisen und Reiseabenteuer gehabt; es ist ihm schon passiert, daß er den halben Weg zu Fuß machen und dazu noch den Wagen schieben helfen mußte, es ist ihm schon passiert, zusammen mit einem Pagen im Kot liegen zu müssen, der Page von oben und er von unten; es ist ihm schon passiert, daß er vor einem Rudel Wölfe davonlaufen mußte, die von Chatschelvata bis Pestschana hinter dem Wagen gejagt sind und nachher hat es sich herausgestellt, daß es gar keine Wölfe, sondern Hunde gewesen waren; ein solches Pech aber, lvie an diesem Pessach, hat er noch niemals in seinem Leben gehabt. Dieses Pech kam ihm vom Bug, das heißt davon, daß der Bug ein lvenig zn spät seine Ketten gebrochen hatte und der Eisgang zu spät begonnen hatte, gerade damals, als Fischel der Melamed nach Hause eilte, und Fischel eilte damals sehr, tveil es Freitag Erew-Sabbat und Eretv-Pessach lvar, denn in jenem Jahre nämlich fiel Ereiv-Pessach auf einen Sabbat. (Fortsetzung folgt.) fragt: „Wie weit bist du, Ephroim, im „Lernen"?" Und Resele, seine Tochter, ein hübsches Kind mit einem festgeflochtenen Zäpfchen, schlingt ihre Arme um ihn und küßt ihn: „Vater, was hast du mir für ein Feiertagsgeschenk mitgebracht?" „Kattun zu einem Kleidchen und der Mutter ein seidenes Kopftuch; da, gib der Mutter das Kopftuch/" Und Fischel zieht aus seinem Tales-Sack seidenes (sagen wir, — ein halbseidenes) Kopftuch hervor und Bath-Schewa errötet noch mehr, sie schiebt ihr Tüchel bis über die Augen, macht sich in der Wirtschaft zu schaffen, dreht sich im Zimmer herum und bleibt keinen Augenblick ruhig. „Gib mal die Gemara her, Ephroimke. Ich will dich „verhören" (prüfen), wie weit du im „Lernen" bist." Und Ephroimke ist ja doch ein braver JuAge, der gescheite Kopf mit dem guten Gedächtnis und er will, er will lernen. Und Fischel „verhört" ihn, wie er die Gemara erklärt, er bessert ihn aus und sein Herz geht ihm über, seine Seele freut sich — ein braver Junge ist doch Ephroimke — ein Unikum I — „Hier habe ich dir ein Hemd vorbereitet, wenn du ins Schwitzbad gehen willst!" So spricht im Vorübergehen und ohne ihm in die Augen zu blicken Bath-Schewa und Fischel fühlt sich so unendlich wohl wie ein Mensch, der aus dem Gefängnisse entlaufen und in die freie leuchtende Welt zu den getreuen Seinigen zurückgekehct ist. Er mylt sich in Gedanken das stark geheizte Schwitzbad mit der großen. Hitze, er sieht sich schon mit iwch anderen Juden auf der obersten Pritsche liegen und er peitscht sich und peitscht sich mit den Ruten und kann nicht genug davon haben. > q „Noch, noch, Gewalt geschrien, Juden iwch!" Er kommt frisch und lebendig, wie ein Neugeborener, nach Hause, dann legt er die Feiertagskleider an, den Sabbatrock mit dem neuen Gürtel, wirft im Vorübergehen einen Blick auf Bath-Schewa in ihrem neuen Kleide mit dem seidenen Kopftuche — bei Gott, sie ist noch ein hübsches Weibchen, fromm und sittsmn — dann geht er mit Ephroimke in die „Schul" (Bethaus). In der „Schul" fliegen ihm von allen Seiten Scholem-Aleichem-Begrüßungen entgegen: „Grüß Gott, Reb Fischel! Wie geht es einem Juden? „Was macht ein Jud?" — „Ein Jude „knellt" (unterrichtet)." — „Was hört man in Balta?" — „Was sollte mau hören? Nichts Neues." — Jedesmal alle halben Jahre wiederholt sich genagmit denselben Worten dasselbe Gespräch, dann stellt sich Nissel, der Chazon (Vorbeter), hin und betet das Abendgebet, er läßt seiner süßen Stimme freien Lauf, sie wird immer stärker und stärker und wenn er zur Stelle: „Und es sprach Moses ..." gelangt ist, dann reicht er mit seiner Stimme beinahe bis in den Himmel. Ephroimke aber steht neben dem Vater und betet und betet andächtig und Fischels Herz geht ihm über und seine Seele freut sich — ein ehrliches, ein koscheres Jüngel ist Ephroimke! „Gut, Jom-Tauw! Gut, Jom Tauw!" Der ganze Sedey steht vorbereitet quf dem Tische: die Arba Kausos, der Moraur, die Ch'rausses und alle übrigen siebzehn Sachen; auch die „Esse-Bett", welche aus zwei Stühlen und einem großen Kissen gemacht worden ist, ist bereit, und bald wird Fischel König sein, bald wird sich Fischel, mit seinem weißen Kittel angetan, auf den Thron setzen und Bath-Schewa, die Königin in ihrem neuen seidenen Kopftüchel an seiner Seite, Ephroim, der Prinz, aber in seiner neuen Mütze unh die Prinzessin Resele mit deni Zäpfchen, wie es der Anstand vexsangt, ihnen gegenüber. Juden, Respekt: Fischel, der Melamed, hat den Thron bestiegen, um zu regieren. UI. Die Spaßvögel von Chatsch'ewata, jene, welche es lieben, die ganze Wjelt zu verspotten und zu.frozzeln, hatten über Fischel das Gerücht verbreitet, daß er einmal am Erew-Pessach seiner Frau ein Telegramm folgenden Inhaltes gesendet hatte: „Jugend versammelt, bereite Kugeln vor, komme regierdn", was so viel heißen sollte, als „Habe Schüler, bereite Knödel« komme auf Pessach nach Hause." Die Spaßvögel erzählten ferner, diese Depesche sei aufgefangen worden, Bath-Schewa sei untersucht worden, man habe aber bei ihr nichts, rein gar nichts gefunden und Fischel sei, mit Verlanb zu melden, per Schub nach Hanse gebracht worden. Ich kann Sie jedoch versichern, daß es lauter Lug und Trug ist: Fischel hat niemals eine Depesche an seine Frau geschickt. 'Bath-Schewa ist von niemandem untersucht worden und Fischel ist niemals per Schub nach Hause geführt tvovden, das heißt: er tvurde einmal per Schub geführt, aber nicht wegen einer Depesche, sondern tvegen eines Passes und es geschah auch nicht am Eretv-Pessach, sondern im Sommer und auch nicht von Balta tvurde er geführt, sondern von Jehupetz;.er hatte, verstehen Sie mich, plötzlich Lasst bekommen, nach Jehupetz zu gehen und dort ein „Knelling" (eine Lsshrerstelle) zu suchen und er hatte

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