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Jüdisches Volksblatt · 1904-03-25 · 13 (25.3.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 Wien, Freitag Jüdisches Yolksblatt. 25. Mürz 1301 Seite 5 Presse u n d dem so überaus p re ß f r e n n d l i ch e n Rußland, ans die Begeisterung der liberalen Wiener Presse für die .Kulturmission Rußlands im fernen Osten znriickznführen. Wenn diese Begeisterung auch weiter anhält, sind noch die merkwürdig steil Dinge zu gewärtigen. Am Ende wird noch Vergani Ehrenpräsident der „K o n k o r d i a" und diese wird eine Revision des berühmten Schönerer-Prozesses beantrageil. n Chronik. InLand. Gedenktage. März. 24. 1820 geb. i. Mumpf, Rahel Felix, Tragödin. 1648 st. a. Rabb. i. Venedig Leon Modena. 1900 st. i. Bielih S. I. Halberstamm, Hebraist. 1902 st. i. Wien Dichter Dr. Salom. Mandelkern. 26. 1869 st. i. Wloclaivck Lollis Meyer, Schriftst. 26. 1481 w. i. Sevilla 17 Märtyrer verbrannt. 1882 st. i. Wien Leop. Feldman, Dramatiker. 1900 st. i. Cincinnati Rabb. Dr. I. M. Wise. 27. 1288 ja. i. Trohes 13 Inden verbrannt. 1880 ft. i. Berlin d. Abg. H. B. Oppenheim. 28. 1088 st. d. letzte Gaon R. Hai. 1832 st. i. Berlin Laz. Bendawid, Matheniat. 1901 st. i. Berlin Prof. Dr. Max Ring, Schriftst. 29. 1224 st. R. Meir Halevi Abulafia. 1863 geb. i. Ung.-Ostrau Rabb. Dr. Mor. Griinwald. 30. 1816 geb. i. Prohnitz Prof. Mor. Steinschneider, Bibliogr. 1880 st. i. Hannover Dr. M. Wiener, Histor. 31. 1880 st. das. Prof. Sal. Fresdorf, Seminardir. Die Gesetze des Hammurabi. Auf der Tagesordnung der Doilnerstag stattgcfttndenenPlenarversammlung der Wiener Juristischen Gesellschaft stand ein Vortrag des Hofräkcs Professor Dr. David Heinrich Müller über die Gesetze Hammnrabis. Den Vorsitz führte zum erstenmal seit seiner Genesung der Präsident des Obersten Gerichtshofes, Dr. Emil Steinbach; er wurde bei seinem Erscheinen mit lebhaftem Händeklatschen empfangen. Er dankte für die Sympathiekundgebung und begrüßte den Vortragenden mit folgenden Worten: Es sei zwar Gepflogenheit in der Juristischen Gesellschaft, daß hier vor allem aktuelle Fragen besprochen werden; allein dies bedinge noch nicht, daß man die rechtsgeschichtliche Forschung gäilzlich vernachlässige. Wohl noch niemals sei auf dem Gebiete der rechtshistorischen Forschung ein Fund von so epochaler Bedeutung gemacht worden, wie derjenige, dessen Besprechung auf der heutigell Tagesordllung stehe. Und die Wiener Juristische Gesellschaft habe zur Besprechung dieser Entdeckung keine geeignetere Persönlichkeit fiirden können als die erste Autorität auf diesem Gebiete, Herrn Hofrat Müller. Letzterer ergriff sodann das Wort zu nachstehenden Ausführungen: Die unter Leitung I. de Morgans betriebenen Ausgrabungen auf dem Akropolishügel in Susa führten in den ersten Tagen des Jahres 1902 zur Hebung eines Dioritblockes von mäßigem Umfang. Tritt mail an den Stein selbst heran, so erblickt man ein Relief, welches den Sonnengott mit dem Schreibgriffel in der Hand darstelltz wie er dem König Haurmurabi das Gesetz diktiert. Der Stein ist voll vorire und hinten beschrieben und enthielt ursprünglich ungefähr 49 Kolumneil, von welchen etwa 6 wcgradiert sind. Das Gesetz zählt ungefähr 282 Paragraphe, voll denen ungefähr 35 durch die Rasur zerstört sind. Dem Gesetz geht ent Prolog voran, worin der König ausdrücklich den Schutzgedcmkcn ausspricht, daß der Starke den S ch w a ch e n n i ch t u n t e r d r ü ck e. Ein Epilog folgt dem Gesetze, worin der König den Fluch aller Götter gegen den Zerstörer des Gesetzeskodex anruft. Was mm den Inhalt des Gesetzes selbst, anbelangt, so beginnt dasselbe mit einigen Bestimmungen über die Prozeßordnung, dann folgen Normen über Diebstahl (anfangend mit Tempel- und Hofdiebstahl), dann folgt die Regelung des Lehensivesens, des Feldbaues und verschiedener Schill- Verhältnisse (letztere in 'der Reihenfolge, daß zunächst die Komdenda, das sind die Verhältnisse der Großkaufleute und Bankiers, dann die der kleineren Leute geregelt werden). Daran schließt sich das Familienrecht, bestehend ans Eherecht, Erbrecht und Kindesrecht. Weiters die Talion, welcher Bestimmungen über Schiffsbau, Miete aller Art und Tarife folgen. Den Schluß macht das Sklavenrecht. In diese anscheinende Systemlosigkeit bringt Müller durch seine Untersuchung Licht. Er findet zunächst, daß der Kodex Hammurabi lieben Nonnen einer primitiven Rechtsordnung Bestimmungen enthält, die auf Verhältilisse einer sozial hoch entwickelten Kulturstufe zugeschnitten sind. Die primitiven Nechtslwrmen durchlaufen die ganze Hierarchie vom Tempel und Hofe herab bis zum Sklavenrechte. Die Unterbrechung dieser primitive,l Rechtsnormen durch Rönnen einer kulturell entivickelteren Rechtsordnullg erklärt Müller dadurch, daß dem Verfasser des Kodex Hammurabi ein tlrgesetz, eill Archetypus, Vorgelegen habe, in welches er, den lokalen und geänderten sozialen Verhältnissen Rechnullg tragend, nwdcrne Rechtssätze einschaltete. Schaltet man letztere wieder aus, so findet mair das Urgesetz, welches die Grilndlage des Hammurabi-Koder bildet. Auf dieses Urgesetz ist aber auch das mosaische Gesetz z u r ü ck z u f ü h r e tt. Denn letzteres stimmt im großer! und ganzen mit Hammurabi in der Reihenfolge überein, und wo eine Abzweigung stattfindet, ist diese eine Anpassung an neue lokale und kulturelle Verhältnisse. Hofrat Müller erhärtete diese These durch mehrere Beispiele und Vergleichungen der beiden Gesetzbücher, und wendete sich sodann zur Erörterung des Z u s a m - m e ii l) a tt fl c § der r ömis ch e n Z w ö l f t a f e! lg e s e tz g e b u n g m i t d e m U r g e s e tz e des H a m m u r a b i - Kode x. Er stützte sich hiebei auf den Rekonstruktionsversuch Voigts; in den Kreis seiner Beiveisführung zog er jenen Teil der zwölf Tafeln, welcher von Diebstahl, Sachbeschädigung und Injurien handelt. Furtum, noxia und iniurise — dieselbe Reihenfolge, die das Urgesetz des Hammurabi-Kodex aiifweisk, findet sich in dem Rekonsiruktionsversuch Voigts ivieder. „Das auf diese Weise erschlossene Urgesetz taucht nun plötzlich in einen bestimmten Teil des Zwolfiafelgesetzes auf, selbstverständlich vielfach verändert und den neuen Verhältnissen augepaßt, aber Fassung, Gruppierung und Reihenfolge lassen über die Herkunft dieser gesetzlichen Bestinunungen nicht den geringsten Zweifel." Wenn sich auch die Romanisten Nlit Hartnäckigkeit dagegen sträuben, so verficht Müller dennoch die These: „Auf einem Seitenlvege kam das Urgesetz, sei es von Babylon, sei es von Kanaan aus, nach Olriechenlaud, beeinflußte daselbst die hellenischen Legislationen und erreichte daun Rom, >vo ein starker Niederschlag des System sich in zwölf Tafel,, erhalten hat," und in aller Form erhebt er die Revindikation: „Hane ego tabulam septimam ant oetavam ex iure Quirituu, lagen, semiticam esse aio." Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Man benierkte int Auditorium den Sektionschef Dr. Franz Klein, die Unlbersitätsprofessoren Ehrenziveig, Löffler, Schrutka, Seidler, zahlreiche Advokaten und Gerichtsfunktionäre. Jüdischer Frauen-Wohltiitigkeitsverein Zuflucht. Im Hotel Guth fand am 19. ds. die dritte ordentliche Geueralversmnmlung dieses Humanitären Vereines statt und „ahn, einen lvürdigeu Verlauf. Der junge Verein hat es rnerkivürdigertveise in kurzer Zeit zustandegebracht, ein bedeutender Faktor in der Armenpflege Wiens zu iverden. Er zählt jetzt laut Jahresbericht bei 1200 Mitglieder, die, wie die Versammlung belvies, durchaus den besseren Ständen angehöre». Viele der Mitglieder haben sich zum Worte gemeldet und haben in anerkennender Weise die Verdienste der Vereinsleitung rühmend hervorgehoben. In den Vorstand lvurden ivieder geivählt die Damen: Laura Goldschmidt, Berta Antal, Dr. Fanny Nappaport, Jose fine Tischler, Jda Figdvr, Jlka Reiß. Szerene Löivy, Dr. Berta Hopfinger, Dr. Ella Neufeld, Dr. Je nun Finkler, Käthe Teichtner, Herminc Gerber, Jeanette Abcles, Adele Leivie, Ernestine März, Klara Borger und Anna Kolieb. Neu geivählt lvurden die Damen: Kais. Rat. Wilhelm, Dr. Julie Eisenstädter und Paula Alt. Es wurden ferner die Herren Berthold Figdor und Siegfried Leivie als Revisoren und die Herren Dr. Salo Nappaport, Dr. Josef Finkler, G. Marburg m,d Ignatz Stern als Beiräte gewählt. Der Verein Zuflucht, der das eminent praktische Ziel verfolgt, in Not geratenen oder gefährdeten Existenzen wieder aufzuhelfen, und wie dem Jahresbericht zu entnehmen ist, auf diesem Oiebiete auch Hervorragendes geleistet hat, verdient den,nach d>e weitgehendste Förderung.' Wien. Im Beth Hamidrasch „C h e l A b r a h a m", 9. Bez., Olrünethorgasse 28, wird Seiner Ehrwürdet! Herr Rabbiner I. L. Abeles am Samstag den 26. ds. und Donnerstag den 7. April, halb 8 Uhr früh, ferner am Freitag den 1. April, halb 8 Uhr früh, wird Herr Dr. F. Freidmau je einen Vortrag halten. Auch wird Herr Dr. F. Freidman Mittwoch den 30. März, 7 Uhr, Sium abhalten. Wien. (C i n w c i h u n g einer Thora i in B e t - h a u s e „M o n t e f i o r c".) Vergangenen SnmS'ag fand im Bcthaus „Montefiore" ein feierlicher Gottesdienst statt. Den Anlaß dazu gab die Einweihung einer Thora, ivelche von wohltätigen Frauen dem obengenannten Vereine gespendet wurde. Das Hauptverdienst um das Zustandekommen der Sammlung, die das wohltätige Werk zustande brachte, gebührt dem Vorstandsmitglieds Herrn Jakob Sputz, welcher rührig der guten Sache zum Erfolge verhalf. Die Feier begann mit dem schönen Gesänge eines Psalms durch den Herrn Kantor, wobei Seiner Ehrwürden der Herr Rabbiner Dr. Rosenfeld, die Herren Obmänner I. A. Wasservogel, Pollack, Elias, Jakob Weiß mit Thorarollen dem die neue Thora tragenden Herrn Sputz entgegenbringcn. Der Herr Sputz übergab hierauf mit lobenden Worten die Thora in die Obhut des Herrn Obmannes I. A. Wasservogel, welcher in kurzen, geistreichen Worten, sowohl den edlen Spenderinnen, als auch besonders dem Herrn Sputz dankte. Beim Vorlesen aus der Thora wurden namhafte Spenden zu verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten gemacht, wobei sich der bekannte Philanthrop Herr Jakob Weiß bedeutend hervortat. Den Höhepunkt der Feier bildete die Festpredigt. Mit gewohnter Meisteffchaft, in einer formvollendeten, geistig schönen Rede bot Herr Rabb. Dr. Rosenfeld seinen andächtig lauschenden Zuhörern eine Leistung, in der er sich selbst übertvaf. Den Schluß des Festes bildete ein Bankett, das in der Restauration des Herrn Herlinger, 2. Bez., Taborstr. 36, statffand. Hier war es wieder, wo der Herr Rabbiner Dr. Rosenfeld, nach der Begrüßungsrede des Herrn Obmannes Wasservogel, seine Geistesfunken sprühen ließ. Es hielten ferner treffliche Tischreden der Herr Obmann Pollack und Herr Dr. L. Brady, sowie Herr Jakob Winter. Das Fest war sehr besucht. Man sah nebst Herrn, Frau und Fräulein Sputz den Herrn Elias Weiß smnt Frau, den Herrn Jakob. Weiß mit 'Frau und anmutigem Töchterlein, den Herrn Obmann Hoffmann, die Herren Winter, Weinmann, Beckmann, Dr. Kornfeld, den Herrn Samek mit Frau und Frl. Töchtern, Herrn Fleischmann und Frau u. v. a. Der offiziellen Feier schloß sich eine gemütliche Unterhaltung an, bei der polnische Musikanten und Sänger uns erfreuten; dann wurde getanzt. F. R. _ Antisemiten unter sich. Der von uns zuerst signalisierte Zwist im christlichsozialen Lager nimmt seinen Fortgang. Charakteristisch ist die Rede, die Dr. Lueger jüngst am Neubau gehalten hat. Cr sagte: „Ich will da dem Autisemitenbunde nicht nähetreten. Es waren ein paar unzufriedene Elemente, die geglaubt haben, sie sind die Extraantisemrten, denen man inunev zu wenig Juden frißt. Wenn man ein bißchen kratzt, kommt schon ein bißchen ettvas anderes auch zum Vorschein bei diesen Patentantisemiten. . (Zustimmung.) Die Patentantisemiten sollen sehr ruhig sein; ich sage es ihnen hier öffentlich, denn wenn mir einmal die Geduld reißt, dann reiße ich diesen Patentantisemiten die Larve vom Angesichte." (Beifall.) Man muß sagen, daß Lueger diese Radauantisemiten richtig charakterisiert. Aus der Wiener jüdischen Toynbee-Halle, 20. Bez., Karajangasse 20. Am 17. März fand die Generalversammlung der Wiener jüdischen Toynbee-Halle statt. Der Präsident Rektor Dr. Adolf S ch w a r z eröffnete die Versammlung mit einer übersichtlichen Besprechung des Vereinsjahres, gedachte der überaus freundlichen Mitwirkung des Vereines Bnei Brith und kam dmrn auf die Berufung des Gründers der Toynbee-Halle, des Prof. Dr. Leon M' clln e r, zum Univcrsitätsprofessor nach Czernowitz zu sprechen, ivodurch die Wiener Toynbee-Halle einen schweren Verlust erleide. Rektor Dr. Schwarz brachte noch einmal in Erinnerung, wie Prof. Dr. Kellner mit Hilfe des zionistischen A.-C. vor drei Jahren die Toynbee-Halle ins Lebet! rief und wie er sich seitdem mit seltener Hingabe dieser segensvollen Institution widnicte. Unter lebhaftem Beifall der Vercinsniitglieder gab er der Hoffnung Ausdruck, daß Prof. Kellner auch an der neuen Stätte seiner Wirksamkeit der Toynbee-Halle nicht vergessen werde. Der von Dr. Werner verlesene Rechenschaftsbericht konstatierte dasAusbliihen der Toynbee- Halle. Im dritte,! Vereinsjahre sind im ganzen 200 Vorträge gehalten worden. Außer den Vortragsabenden gab es noch an jedem Samstag ein Konzert, das den ganzen Abend füllte, an jedetn Mittwoch ut!d Sonntag ein sogenanntes Halbkonzert nach dem Vortrage. Frau Rosa F e i g e n b a u m, die diese Konzerte arrangierte, hat sich damit den besonderen Dank des Vorstandes und des Publikums erworben. Von besonderer Wichtigkeit war der historische Musikzyklus, den Frl. Dora Popper mit Hilfe einiger Künstler und Künstlerinnen heuer zuin erstenmale in der Toynbee-Halle durchfiihrte. Unter den Vortragenden ivurde besonders der Herren Doz. Dr. Joses P o l l a k und Dr. Josef I e r. u s a l e rn gedacht, die einen Zyklus von Vorträgen abhielten, der sich in regelmäßiger vierzehntägiger Folge über das ganze Jahr erstreckte, cbenfo der wöchentlichen Bibelvorträge des Herrn Dr. Rosenmann. Die Namen der Vortragendet! und Künstler werden in dein demnächst erscheinenden Jahresberichte veröffentlicht iverden. Der Präsidentin des Wirtschaftsausschusses, Frau Sidonie Kahn und den Damen und Mädchen, die in der Toynbee-Halle ihres hausmütterlichen Alntes walteten, ivurde besonders gedacht. Ebenso des Ausschusses zur Veranstaltung der alle 14 Tage stattfinidenden Kinderjausen, mit Frau Primarius K o ruf eld an der Spitze. Um die für die Wiener Toynbee-Halle so charakteristischen wöchentlichen Disknssionsabende haben sich Frl. Malviue Friedmann utid Dr. Heinz K o h n besondere Verdienste erworben. Frau Jda Berlin e r, der Leiterin der Sommerkurse für Mädchen, Herrn Wertheim und den anderen Herren und Damen, die sich um die Führung der Kurse verdient gemacht haben, sprach der Bericht besonderen Dank aus. Aus dein Kassabericht des Schatzmeisters der Toynbee-Halle, Herrn Joh. Kreme uezky, entnehmen wir folgende Ziffern: Kassastand 31. Dezember 1903: Mitgliederbeiträge K. 2000, Spenden. Stiftungsbeiträge K. 3893.60, Guthaben Joh. Kremenezky 3781.39, nebst anderen kleineren Posten K. 9828.16. Aus den weiteren Ausführungen des Vorstandes ging hervor, daß die Toynbee-Halle nur dank der tatkräftigen Nachhilfe von Seite des Herrn Krernenezky ihr Budget decken konnte. In eingehender Weise legte Herr Krernenezky dar, daß alles aufgelvendet werden müsse, nm weitere .Kreise für die Toynbee-Halle zu interessieren. In der Debatte über den Rechenschaftsnnd Kassabericht, gab Herr Dr. Arnold A s ch e r einige Anregungen zur Heranziehung neuer Mitglieder und stellte den Antrag, dein Vorstände das Absolntorium zu erteilen und den Dank für die rnnsterhafte Führung der Toynbee- Halle auszndrückeu. Der Antrag tvurde einstimmig angenommen. Bei der Neuwahl wurde der ausschcidcnde Vorstand wiedergewählt. An Stelle Prof. Kellners wurde Dr. Kahn gewählt. Das Präsidium besteht aus den Herren: Rektor Dr. A. Schwarz, Präsident, Dr. Leop. K ah ti und Doz. Dr. Josef Poll a k, Vizepräsidenten. Im Namen des Vorstandes beantragte Rektor. Doktor Schwarz Prof. Dr. Leon Ke l l ne r zum Ehrenpräsidenten des Vereines zu Ivähleu. Der Antrag wurde unter jubelndem Beifall angenommen. Prof. Kellner dankte in warmen Worten für die Ehrung. Mit einem Dankesvotum für Frau Feigenbaum, die Leiterin der Musikabende und Dr. W e r n e r, den Leiter der Vortragsabende, schloß die Versammlung. Wissenschaftlicher Vortrag. In Olmütz referierte gestern Herr Dr. I. G r ü n z i g aus L o s ch i z über das Wesen>, den Inhalt und die Bedeutung des Talmud. Seine Ausführungen, die auf profundem biblischen Wissen, gründlichem Studium des Taltnud und der jüdischen Literatur basiertet!, gaben eiu anschauliches und bewunderungswürdiges Bild der Entstehung, des reichen Inhaltes und der Bedeutung dieses alle Gebiete des Volkslebens enthaltenden und behandelnden Riesenwerkes, dessen Entstehung 600 Jahre v. Chr, zurückreicht und mehr als 2600 der gelehrtesten Mitarbeiter zählt. Reicher Beifall folgte den ausgezeichneten Ausführungen des Redners. Wien. („Kaiser Franz I o s e p h s - F e r i e u h e i m". Buchau: Wien, 9. Bez,, Türkanstrtaße 17.) Am Motftag dßn 28. März, 6 Uhr abends, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeindo 1. Bez.., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, die vierte ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt. 1. Erstattung des Jahresberichtes pro 1902 und 1903. 2. Kassabericht und Rechnungsabschluß. 3. Nevisionsbericht. 4. Ergänzungstoahlen in den Vorstand. 6. Wahl von 3 Revisoren und Skrutatoren. 6. Vortrag des Herrn Univ.-Dozenten Dr. Zappert: „Was leistet der Verein Ferienheim für das Studium der öffentlichen Schulhygiene in Wien?" Wien. Der Verein „T e f i l a s - H a n o r i m" (Jugendandacht) veranstaltet am bevorstehenden Pessgch-Feste im Bethause des „Bet-Hamidrasch", 2. Bez., Tempelgasse Nr. 3, einen Gottesdienst für die Jugend, welcher an folgenden Tagen stattfinden wird: Mittwoch den 30. März, abends halb 7 Uhr, Donnerstag den 31. März, morgens 8 Uhr und abends dreiviertel 7 Uhr, Freitag den 1. April, morgens 8 Uhr, ferner Dienstag den 5. April, abends dreiviertel 7 Uhr, Mittwoch den 6. April, morgens 8 Uhr, und abends dreiviertel 7 Uhr, Donnerstag den 7. April, morgens 8 Uhr. *, Radautz. (Verein Dorsche Zion".) Bei der am 26. v. M. stattgefundenen Generalversammlung und der darauffolgenden Konstituierung wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Dr. Josef Bierer als Obmann, Israel Meuschel als Obmann-Stellvertreter, Techn. Moses Goldschläger als 1. Schriftführer, Michel Herer jun., als 2. Schriftführer, B. Lehrer als Kassier, Samuel Harth als Bibliothekar, Baruch Friedländer als Hausverweser, die Herren Fabian Hirsch, Feiwel Fränkel, Hermanü Luttinger, Jakob Ziegler, Moses Kaßwan als Ausschußmitglieder ohne Funktion. Gegen die Talmnd-Thora-Schulen. Bor kurzer Zeit veröffentlichten wir ein Statut, welches ein ungarisches Komitatsmnnizipinm gegen die Einrichtung von Talmud-Thoraschulen erließ. Wie uns nun ans M a r m a r o S-S z i g e t mitgeteilt wird, haben sich nunmehr auch andere Munizipien dieses Statnt zu eigen gemacht. Als erstes Opfet desselben mag wohl die Talmud-Thora von F e l S ö-S z v i d n i k (Komitat Marmaros) gelten, welche vor einigen Tagen auf Requisition deö Stuhlrichters geschlossen wurde. Diese Maßregelung erfolgte auf Grund eines der vielen Kautschukparagraphe des ominösen Statuts, welcher besagt, daß die Talmud-Thoraschule unter Aufsicht und Verantwortlichkeit einer Kultusgemeinde re. stehen müsse. Der Herr Stuhlrichter fand nun, daß die Szvidniker Juden wohl eine Gemeinde, doch keine selbständige Kultusgemeinde bilden und ihnen demzufolge die Befugnis für die Erhaltung einer solchen Schule fehle. . . Es lebe der Liberalismus! PodwoloczySka. Im Saale der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr fand am Mittwoch den 9. März die vom Vereine „Degel Jehuda" veranstaltete Purimfeier statt. Der geräumige Saal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Die Feier wurde durch eine markige Begrüßungsrede des Herrn stud. jur. Dawid Denenbaum eröffnet. Frau Eugenie Terner, k. k. Gerichtsbeamikensgattin, brachte hierauf einen Klabierbortrag. Frau Terner spielte mit großer Verve und erntete für ihre großartige Leistung stürmischen. Beifall. Herr B. Sirkes aus Tarnopol trug einige jargonische Deklamaltionen von Morris Roseufeld vor, für ivelche er stürmisch applaudiert wurde. Herr I. Sirkes erzielte mit seinen prächtigen Liedervorträgen reichen Beifall. Herr stud. jur. Israel Waldmann aus Tarnopol hielt eine äußerst wirkungsvolle Vorlesung über „Die Finanzen und Aristokratie in Polen", die mit viel Interesse und Wohlgefallen von den Anwesenden ausgenommen wurde. Zum Schlüsse deklancierke Fräulein Tonia Rubin von Dr. Feld „Die heilige Sprache" nnd erntete lohnenden Beifall. Den Herren Carl' Ehrlich und Osias Sühermann, die sich am eifrigsten mit dem Kartenverkauf befaßten, sei an dieser Stelle der Dank ausgesprochen. " „ " Verein zur Unterstützung russischer Juden in Lemberg. Wir berichteten bereits vor längerer Zeit, daß sich in L e m b e r g ein Verein zur Unterstützung russischer Juden gebildet hat. Wie uns nun aus Lemberg gemeldet wird, wurden die Statuten dieses Vereines seitens der Statthalterei genehmigt, so daß die Konstituierung derselbe« vorige Woche erfolgen konnte. Es wurden gewählt: Dr. K o b a k zunt Ehrenrabbiner und Prediger, Dr. Rubin Bierer Präsident, Oberkantor I. Holpern Stellvertreter, B. I o h r Depositeur, Obadjah S ch a p i r a und Saul P a n i s o w S k y Kontrollore, S. Savadsky Tageskassier, Aron Siegmann, M. D. Jedi« Administratoren, S. Schapira und M. I. Scharfsohn zu Kaffarevisorev. Der Verein wird bereits von den russischen Durchwanderern sehr stark in Anspruch genommen und verdient jedenfalls, daß die großen jüdischen Korporationen, sowie reiche Privatleute demselben ihre tatkräftige Unterstützung zuwenden. Ausland. Petersburg. Mit der Ausweisung der I u d e u aus der 50 Werst breiten Zone längs der Grenze wird jetzt, >vie russische Blätter melden, in verstärktem Maße borgegangen. Die Vertreter der Inden von Kischenew haben beim Gouverneur nachgesucht, diese Ausweisungen wenigstens bis über das Osterfest hinaus zn verschieben.

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