Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. hr. 13 25. März 1904 weder durch historische, noch durch volkswirtschaftliche Argumente bewiesen werden, sondern höchstens durch die Griinde eiuer politischen Ueberzeugung, die wir respektieren, aber nicht teilen können. Vergessen wir eines nicht: völlig leer ist tveder Palästina noch Ostafrika. Selbst wenn wir eine politische Konzession erreichen würden, so wären wir damit noch keincstvegs die wirtschaftlichen, faktischen Herren des Landes geworden. Der lange Kampf, welcher zur Eroberung der entscheidenden wirtschaftlichen Positionen nötig ist, wird uns nie erspart bleiben, nur daß die Lmrdesbevölkerung sich viel heftiger wehren und uns vielgrößere Ungelegenhciten bereiten wird, wenn wir mit einem Charter in der Hand eindringen. 2. Warum man El-Arisch fallen ließ. Nur diese Voraussetzung jedoch, daß der Weg der Autonomie und der Massenkolonisation das einzig Richtige sei, hat den politischen Zionismus veranlaßt, sein Augenmerk dem ostafrikanischen Projekte zuzuwenden. Dies hat sich unter anderem auch bei der Erledigung des El-Arisch-Planes gezeigt. Man hat diesen Plan trotz der politischen Konzessionen der englischen Regierung fallen lassen, weil nach dem Berichte der Kommission das eigentliche El-Arisch- Gebiet ohne die pelusinische Ebene nur eine beschränkte Bebölkerungszahl fassen sonnte, weil die Bewässerung der pelusinischen Ebene auf unübertvindliche Schwierigkeiten stößt, und die von El-Arisch große Kosten verursachen würde, lvenn das ganze Gebiet mit einem Schlage urbar gemacht werden sollte. Es scheint aber sehr wohl möglich zu sein, eine Kolonisation in kleinerem Maßstabe in El- Arisch zu beginnen und das nötige Wasser mit geringen Kosten durch Brunuengraben zu beschaffen. Wenn also das El-Arifch- Projekt aufgegeben wurde, so geschah es nur mit Rücksicht auf die Undurchführbarkeit einer sofortigen Massenkolonisation. Das ostafrikanische Projekt. Untersuchen wir nun, welche Aussichten eine derartige Kolonisation anderswo und speziell in Ostafrika hätte. Das moralische Gegenargument. Es gibt zunächst eine Hauptrücksicht, deren Giltigkeit von den Aussichten des ostafrikanischen Planes ganz unabhängig ist: ich bin gegen Oftafrika — einfach, weil ich für Palästina bin. Weil ich überzeugt bin, daß wir keinen Grund haben, das Palästinawerk zu unterbrechen und ein anderes zu beginnen —.weil ich ferner überzeugt bin, daß wir zwei Heimstätten, eine in Ostafrika und eine in Palästina, weder gleichzeitig noch nacheinander gründen können — aus wirtschaftlichen und aus moralischen Rücksichten. Palästina schließt alle exotischen Projekte aus. Ein Volk soll nicht zwei Vaterländer haben, es soll keine politische Bigamie treiben. Die armen, unstäten, hin- und hergetriebenen Söhne Ahasvers haben lange genug viele Vaterländer gehabt — wir wollen endlich ein Vaterland — ein Vaterland haben. Und sollen wir etwa Palästina opfern, weil wir, die wir Jahrtausende gewartet, zwanzig bis dreißig Jahre nicht mehr warten vwllen, oder gar, -weil Ostafrika bessere wirtschaftliche Aussichten bietet? Wie ein Bräutigam, der seine Angelobte verläßt, weil er ein Mädchen mir größerer Mitgift gefunden hat? Nimmermehr! Palästina ist die Braut des jüdischen Volkes. Seit zweitausend Jahren sind wir mit ihr in Liebe verlobt und sie werden wir heiraten, keine andere, träte sie auch im Schmucke aller Goldminen Aftikas vor uns hin. 3. Die politische Konstellation. Ich will mich nicht lange bei den äußeren politischen Aussichten des Projektes aufhalten. Die gegenwärtige Konstellation macht es wenig wahrscheinlich, daß es zur Verwirklichung gelangen könnte. Es ist bekannt, daß die zunächst beteiligten Faktoren und viele einflußreiche englische Kolonialpolitiker sich gegen dasselbe erklärt haben. Lord Delamcre hat ans der Hauptstadt Ugandas im Namen der Eingeborenen und der englischen Ansiedler energisch gegen die Einführung von Inden protestiert. Weitere Protest- Meetings haben hierauf stattgefunden. Ihnen hat sich Lord Hindlip, der jüngst Britisch-Ostafrika durchreiste, augeschlosseu. Sir Harry Johnston, der hervorragende publizistische Vorkämpfer der englischen Ostafrika-Kolonisation, und ebenso Mr. W. D. Uouug, der Resident von Mombassa, weisen das Ansinnen,, die Früchte der mit ungeheuren Opfern englischer Steuerzahler durchgeführten Gebietserwerbung, die Vorteile der mit eitlem Aufwand von hundert Millionen erbauten Ugandabahn dcit Juden abzutreten, als Wahnwitz zurück. Kurzum, die öffentliche Stimmung Englands ist dagegen. Der Anreger der Idee aber, der einzige, welcher sie hätte unterstützen können. Chambcrlain, hat seinen Posten verlassen, weil er vorläufig in einer anderen Angelegenheit der öffentlichen Meinung weichen mußte. Es ist ja möglich, daß er wieder zur Macht gelangt; aber auch in diesem Falle wird er wohl das Kolonialgebiet ebenso wie England selbst ilicht hindern können, sich gegen die jüdische Masseiieinwauderung zu vet-schließen. Die wirtschaftlichen Aussichten. Jedoch selbst, tvenn die politischen Aussichten besser wären, würden die wirtschaftlichen Verhältnisse die tatsächliche und erfolgreiche Durchführung des ostafrikanischen Projektes höchst unwahrscheinlich machet,. Auf dem Baseler Kongreß hat man bekanntlich über den Plan ohne, jegliche Jnsormatiousgruudlage debattiert. Heute sind uns bereits aus den verschiedensten Quellen ziemlich instruktive Nachrichten über Britisch-Ostafrika und Uganda zugeflossen. Man kann diefe Jlrformationen in zwei Hauptgruppen teilen. Die einen beschränken sich darauf, die märchenhafte Schönheit des Landes zu beschreiben. Sie schildern seine üppige Vegetation, die durch rosafarbene Flamingos, Silberreiher und Blaukraniche belebt wird. Die anderen vcrsuchetl es zu erklären, warum diese Gegenden trotz ihres landschaftlichen Zaubers uitd der stärksten Werbetätigkeit des englischen Kolonialamtes bis jetzt keine Ansiedler anlocken konnten. Es ist selbstverständlich, daß die Informationen letzterer Art hauptsächlich für uns in Betracht kommen. Wenn wir alles zusammenfassen, was in den Veröffentlichungen des Foreign Office, in den Berichten des jetzigen Gorwerneurs von Uganda, Eliot, des Residenten von Mombassa, Uouug, in dem Werke Sir Harry Johnstons «The Uganda protectorate" sowie in seinen neuesten Enunziationen,. in den Abhandlungen englischer Forscher im „Geographical Journal", in den infonnativen Aufsätzen von Dr. Price und von Arnold White, in dem großen deutschen Reisetverke von Dr. Max Schüller, „Aequatorial-Ostafrika und Uganda", citblid) in den mündlichen Mitteilungen der in Berlin lebenden Kenner Ostafrikas an Taffachen vorgcbracht wird, so erhalten wir folgendes Bild. Bodenbeschaffenheit. Ostafri'ka ist ein tropisches Land. Die niedriger gelegenen Gebiete desselben sind für Europäers) gut wie unbewohnbar. Aber es enthält ein Hochplateau von etwa 12 000 englischen Quadratmeilen, dessen Klima erträglicher ist. Auf die Exploitierung dieses Gebietes hatten die englische Regierung und die Britisch-Ostasrika- Kompanie ihre Hoffnungen gesetzt. Sie schlugen aber vollständig fehl, und seit 20 Jahren ist Ostafrika das Schmerzenskind des englischen Kolonialamtes. Warum erfüllten sich die Erwartungen nicht? Hauptsächlich aus folgenden Gründen. Trotz eifrigsten Nachsuchens fand man keine Gold- oder Diamantenminen. Was den Boden cmbelangt, so bringt er allerdings eine reiche Vegetation hervor, doch ist seine chemische Zusammensetzung eine so eigene, daß gerade die Nutzgewächse nicht gedeihen wollen, und zwar weder die europäischen, wie Kornfrüchte, noch die tropischen. Es gibt nur gewisse Spezialartikel, die dort angebaut werden können: Gummibaume, Kaffeesträucher, Baumwolle und mit besonderem Erfolge — Kartoffeln. Das vielgcrühiute afrikanische Paradies ist ein Kartosfclparadies. Die informativsten Nachrichten über die Beschafsenheit des Bodens, der Vegetation und des Klimas von Britisch-Ostafrika verdanke ich Herrn Alfred Kaiser, dem Mitarbeiter Dr. Mar Schüllers, tvelchcr 18 Jahre in Afrika gelebt und das uns interessierende Gebiet viel eiugeheirder studiert hat als Johnstou. Nach den Mitteiluttgen dieses Forschers ist das Hochplateau von Ostafrika aus ganz natürlichen Ursachen bis jetzt ltnkultiviert geblieben. Die Eingeborenen treiben Wanderbau. Sie siedeln sich sukzessive auf allen Terrains an, tvelche Nutzgewächse tragen können. Auch die ettglischen Altsiedler suchen sich selbstverständlich die ergiebigsten Gebiete aus. Wenn die einen und die anderen das vielgerühmtc Hochplateau bis jetzt nicht bebauten, sondern vielfach niedrigere, heißere Landstriche Vorzügen, so geschah es einfach darum, weil sic sich von der Kultivierung desselben wenig versprachen. Zunächst ist das ostafrikanische Hochplateau ein geologisch stark disloziertes Gebiet, das etwa au die Karstgcgend erinnert. Beschränkte Flecken, die eine geivisse Vegetation hervorbringert, sind durch enorme Strecken gänzlich unfruchtbaren Bodens getrennt. Besonders störend wirken die Lateritstreifen, rote Lehmböden, welche das Entstehen eines zusammenhängenden kultivierten Gebietes, ja selbst zusammenhängender großer Weideflächen unmöglich machen. Die mit Vegetation bedeckten Teile des Plateaus können, insofern sie von der Trockenzeit noch nicht zn viel gelitten, durch den saftigen Ton ihres Grüns bei dem Laien wohl die Ueberzeugung erwecken, daß man hier fruchtbare Laudstreckeu vor sich habe. Der Botaniker jedoch, und ebenso der praktische tropische Landwirt, sieht auf den ersten Blick, daß hier für Ackerbau und Viehzucht, äußerst wenig zu erwarten ist. Der Waldbestand setzt sich zumeist cm- Wachholderbäuineu zusammen!, deren massenhaftes Auftreten ein sicheres Zeichen ist, daß der Boden keine Nutzgewächse hervorzubringen imstande ist. Auch voll den verführerisch üppigen Grasflächen wendet sich der Viehzüchter mißmutig ab: denn er erkennt sofort, daß es Sumpfgras sei, welches das Vieh nicht aurührt und welches übrigelts beim Eintritt der Trockenheit sofort verdorrt. Und hier kommen ivir zu eitlem tveiteren großen Mißstand des ostafrikanischclt Hochplateaus. Mit der in den englischen offiziellen Beschreibungen so gerühmten Betvässerung ist es in Wahrheit sehr schlecht, bestellt. Das während der Regenzeit angesammelte Wasser wäre vielleicht genügend; dock) sangt der Boden infolge seiner schwarnmartigcn Beschaffenheit die Feuchtigkeit so rapid auf, daß daö Land schon in zwei Wochen nach Eintritt der Trockenheit einen dürren Eindruck macht. Auch bildet das gänzlich unzuverlässige, launenhafte Klim« ein erhebliches Hiiideruis siir den Ackerbau. Hierzu tritt noch die enorme Kostspieligkeit der unerläßlichen Waldrodungen. Nach den Erfahrungen von.Kaiser kostet die Rodung von 30 Hektar 20 000 Mark. Bei derartiger Kapitalanlage ist man wirtschaftlich gezwungen, den Boden mit Gewächsen zu bepflanzen, welche einen höheren Nutzen abwerfen als Kartoffeln. Die Plantagenwirtschaft als einzig mögliche Kulturart. So wirken alle Verhältnisse zusammen, um nur die Plantagenwirtschaft, den Anbau gewisser exporffähiger Pflanzen, besonders des Kaffees, durchführbar erscheinen zu lassen. Taffächlich ftnib bis jetzt nur mit Kaffeepflanzungen, und zwar nicht auf dem Hochplateau selbst, sondern auf den Abhängen desselben, Versuche gemacht worden. Brotfrüchte hat inan, nach dem Eingeständnis des Gouverneurs Eliot, bis jetzt., seit 20 Jahren, auf dem Hochplateau nie kultiviert. Eine zweite Tatsache, die mehr besagt als Bände, berichtet der Resident von Mombassa, Mr. Aoung. Englische Kolonisten aus Australien und Südafrika, welche Fachmänner in der Meierei waren, haben vor kurzem das Land besichtig. Trotz gewisser Vorzüge desselben saherl sie sich gezwungen, andere Kolonisationsgebiete aufzusuchen, obwohl man ihnen den Boden unentgeltlich anbot. Die „Einrn Gulden und achtzig Kreuzer." Conty blickte verlegen auf den Mann, auf das Packet und auf die Karte der bekannten Philantropin. Wozu dieser große. Apparat? Um ein Almosen von einem Gulden und achtzig Kreuzern zu erlangen? — Er über, legte eine Weile, dann zog er sein Portefeuille und entnahm ihm eine Zehnguldennote, die er dem Manne gab. Hierauf wollte er sich abwenden, ohne das Packet weiter zu beachten. Der kleine Mann wehrte ab. „Sie entschuldigen, Herr Direktor — aber ich nehm' kein Almosen." Das klang zwar noch immer sehr bescheiden, aber auch sehr entschieden. Conty sah sich nun den Mann etwas näher an. Das schmale Gesicht, das kleine Kinn, die eingefallenen Wangen, das alles von einem schütteren, durchsichtigen Barte bedeckt, bestätigte den unbedeutenden Eindruck des ersten Augenblicks; nur die schmale Nase, die hohe, etwas vorstehende Stirn nnd die klaren, klugen Augen mit ihrem offenen Blick zeigten, daß in diesem kleinen Körper keine Bettlergesinnung zuhause sei. Auch die Sprache war jetzt sicher und ruhig, das Zitternde, Flackernde des Bittenden war verschwunden. .Bitte, nehmen Sie den Thee, Herr Direktor; es ist sicher der beste, den Sie je getrunken haben. Es ist Karawanentee. Er kommt direkt über Land von China nach Rußland, und von dort schickt ihn mein Haus an mich." Conty wurde immer neugieriger. „Sie haben ein Haus in Rußland." „Ja; das heißt, das Haus wo ich war; ich war dort Disponent, Geschäftsführers „Warum haben Sie den Posten aufgegeben?" »Aufgegeben?! Weggetrieben hat man mich,j ausgewiesen." Conty sah nochmals auf die Karte der Philantvophi. Diese Frau schrieb so leicht keine Empfehlung; sie war abgehärtet gegen alle Formen der Bettelei; hier gab es ein ungewöhnliches Schicksal. Außerdem wußte er, rs würde jetzt vom Judentum gesprschen werden, und!)aS Stubenmädchen ging hin und her. Er öffnete die Tür des kleinen Salons und ließ den Mann eintreten. vergeblich bot er ihm jedoch einen Sitz an, er nahm auch 'eine Zigarre, so wenig er sich zum Almosensmpfänger jerabdrücken ließ, so wenig wollte er sich auf den Gleichgestellten Hinausspielen. Er erzählte kurz und schlicht. Von Jugend auf war er in einem ersten Teehause von Moskau bedienstet gewesen, vom Lehrling hatte er sich im Laufe von zwanzig Jahren zum Geschäftsführer emporgearbeitet. Er bezog einen Gehalt von sechstausend Rubeln jährlich. Bei den großen Judenverfolgungen hatte man ihn übersehen. Aber päter konnte er den Aufenthalt nur mit schweren Opfern erkaufen. Er war in Moskau nicht heimatsberechtigt. Als vor kurzem ein hoher Herr in der alten Hauptstadt des Zarenreiches seine Residenz aufschlug, da gab es kein Halten mehr. Er mußte auswandern. — Nun lebte er in einer billigen Straße der Leopoldstadt. Die Frau ist zwar sehr herunter durch diesen Wechsel der Verhältnisse; in Moskau bewohnten sie sechs Zimmer, sie hatten drei Domestiken; hier hausten sie in Zimmer und Kabinst, die sie allein bewirtschaften mußten. Aber schließlich, was wollte man tun? „Wenn sie nur gesund bleibt, denn sie kränkelt seither." „Haben Sie Kinder?" frug Conty. Er hatte zwei: einen Jungen und ein Mädchen. Brave, tüchtige Kinder. Der Junge hatte in Moskau das Gymnasium besucht, hier mußte er zu einem Schuhmacher in die Lehre. Es ist ein Landsmann, auch ein Vertriebener, der rühmte das Handwerk. Es geht ihm gut in Wien; die Glaubensgenossen lassen gerne bei ihm arbeiten. — Die Tochter verdient auch schon; sie näht auf der Maschine Hemden für ein Geschäft am Kai. Dies erzählte er etwas zögernd. Man mußte es ihm Stück um Stück abfragen. Und er stellte alles so dar, als ob ihm eine Gunst des Schicksals geworden fei. Er fürchtete wohl, man könnte glauben, daß er Mitleid erwecken wolle. Meine Herren Chefs unterstützen mich; sie schicken mir den Tee zum Kostenpreise." „Dieser Tee ist wirklich großartig. Solche Qualitäten kommen selten hier in den Handel. Er ist auch teuer, aber gut sehr fein — Herr Direktor. Wenn man sich in der guten Gesellschaft an den Tee gewöhnen wird, dan» kann ich davon leben. — Aber kein Almosen! Wenn er Ihnen nicht schmeckt, dann vergessen Sie daran, bitte." So schloß er seine Mitteilungen. Direktor Conty hatte zuletzt kaum mehr gehört, was der kleine Mann vor ihm sprach. Ihn beschäftigte eine sonderbare Frage. „Sagen Sie, werter Herr", begann er nach einer Pause, „Sie sind nur ausgewiesen worden, weil Sie Jude sind?" „Gewiß, Herr Direktor." „Wenn Sie Christ geworden wären, hätten Sie Ihre Stelle erhalten können?" „Ich glaube schon." „Aber um Gotteswillen, Mensch, warum haben sie sich nicht taufen laffen? Das kleine Männchen sah ganz verständnislos zu den stattlichen Herrn empor, der vor Erregung aufgesprungen war. „Taufen? Taufen?" sprach er fast automatisch. „Sie entschuldigen, Herr Direktor, wer läßt sich taufen?" Sein offenes demüthiges Gesicht wurde verschlossen und abweisend, fast feindselig. „Aber Mensch, ereiferte sich Conty, „Sie ruinieren sich, Sie verlieren eine glänzende Stelle. Ihre Frau wird krank, der Sohn ein Schuster, die Tochter eine armselige Näherin — warum haben Sie nicht wenigstens die Kinder getauft?" „Die Kinder taufen? Meine Kinder? Die Eltern Juden, die Kinder Christel? Was soll das für ein Leben sein?" Ist das Judentum was Schlechtes, warum bleib ich Jud'?" Ist es was Gutes, warum nehm ich's dem