Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 18. März 1904 Nr. 12 Seite 5 als „Schnorrer" zu beschimpfen. Dah die hier lebenden Russen Zinn überwiegenden Teile jüdischer Abstammung sind, hat, wie dem Grafen Bülow wohlbekannt, seinen Grund in dem besonderen Druck, dem die jüdische Bevölkerung tu dem Rußland von Kischcnew ausgesetzt ist und die sie von den höheren Bildungsanstalten der Heimat nahezu ausschließt. Wir bedauern, daß das 20. Jahrhundert im Lande eiltet Lessing, eines Fichte eine derartige Mißachtung des großen Hnmanilätsgcdankcns hat sehen müssen, tvie sie in diesen antisemitischen Ausfällen des deutschen Reichskanzlers ZU Tage getreten sind. Gegenüber der vom deutschen Reichskanzler erhobenen Anklage eines Mißbrauchs des Gastrechtcs und gegenüber jenen Beschimpfungen betonen wir, daß wir uns das Recht zur Abwehr ungerechtfertigter Angriffe nie und nimmer nehmen lassen werden. Wir bestätigen daher auch hier auf Grund unserer täglichen Erfahrung von neuem Puukt für Punkt den Inhalt unserer früheren Eklärung, insbesondere die Tatsache, dah wir in Deutschland, vor allem in Preußen, allgemein und ohne jede gesetzliche Garantie, einer speziellen, iit gröblich beleidigenden Formen ausgeübten Aufsicht durch deutsche und russische Polizeiagenten unterstellt sind und weisen schon mit Rücksicht gerade auf diese Polizeiaufsicht die Behauptrtng des Grafen Bülow, daß die russischen Studenten „in Deutschland mit derselben Liberalität behandelt tvüvden, wie lobender Weise ausgesprochen, lieber die Frage der Subventionierung entwickelt sich eine lebhafte Debatte, in tvelcher von einzelnen Rednern hervorgehoben wird, dah cs nicht Sache der Kultusgemeinde sein könne, vielmehr der Privatwohltätigkeit überlassen werden müßte, die Schule in größerem Ausmaße zu unterstützen. Die Wiener Knltusgemeinde könne in vielen Fällen zu ihr näher liegenden Zwecken nicht irr dem Maße beitragen, als es erforderlich wäre. Nach durchgeführtcr Debatte, an welcher sich die Herren Vizepräsident Dr. Stern, Vizepräsident Dr. Kohn, Dr. Berger, Salo Cohn, Dr. Sal. Ehriuann, Dr. Rappaport, Dr. Markus Spitzer und Theodor Ritter von Taussig beteiligen, wird beschlossen, der Lämclschule für das Jahr 1904 einen Beitrag von 1000 Francs zu votieren. Dem Vereine „Tefilas-Hanorim" wird für die Veranstaltung eines Gottesdienstes an den diesjährigen Passah-Feiertagen ein Beitrag bis K. 300.— bewilligt. Schluß der Sitzung 2 Uhr. Herr Kultnsvorstehcr Salo Cohn hat anläßlich der im Kultusvorstande stattgehabten Debatte über die Subventionierung der L ä m c l - S ch u l e in Jerusalem erklärt, e^nhciinischen" ' ateT*it np Htub "^itvitef”1 *SBenn GrchBülwv und an der z.l veranstaltenden Subskription "für dieselbe mit einem mit ihm ein Teil der deutschen Oeffentlichkeit die Auffassung der- Beitrage voit 1000 Francs zn beteiligen. tritt, daß der Gast sich stumm, ohne das Recht der Verteidigung, vom Gastgeber beleidigen lassen nrüsse, so ist das mit unseren Ehr- und Rechtsbegriffen unvereinbar. Durch ein knlturwidriges Rcgierungssystem sind tvir aus unscrein Heimatlande verstoßen, Aber auch im Ausland, tu das tvir in der Hoffnung auf die Solidarität aller Zivilisation geflüchtet sind, betrachten wir die Wahrung unserer Ehre und Menschenwürde als unsere geheiligte Pflicht und sind allesamt bereit, jede sich hieraus ergebende Konsequenz auf uns zu nehmen. Mag Graf Bülow für sein Vorgehen, das lediglich den Interessen des russischen Absolutismus, dieses erbarmungslosen Feindes aller Zivilisation und freiheitlicheu Fortentwicklung, dient, die Verantwortung vor der gesamten Kulturwelt und vor dem Ilrteilsspruch der Geschichte tragen. Der „Vorwärts" fügt der Erklärung bei, daß ihm zahlreiche Protesterklärungen ähnlichen Inhalts in letzter Zeit von der rnssischen Stlidcitzenschaft ans vcschiedenen anderen deutschen Städten zugegangen sind. Wien. Die Purim feier des a l l g e m c i n c it j it d is ch e n Arbeitervereins fand am 12. d. unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder und Gäste statt. Außer den jüdischen j jugendlichen Arbeitern waren auch die Mädchenvercine „Hadassa und „Moria" vertreten. Ilm 10 Uhr war der Saal im „Meilandhof" gefüllt und cs entwickelte sich dortselbst ein lustiges Purimtreiben. Da diesmal die Form eines Kostümfestes (ohne Zwang), gewählt worden war, so fehlte es nicht an originellen Masken, da Böhmischer zionistischer Delegiertentag. Q. Prag. Am 13. März l. I. trat im Schiedsgerichtssaale der Prager Produktenbörse der zionistische Parteitag für Böhmen, der von 39 Delegierten besucht tvar, zusammen. Der Obmann des D.-K. Herr Karl Re sek cröffnete die Versammlung um 10 Uhr mit einer Ansprache, in der er darauf hinwies, daß der vorige Delegicrtentag bloß 15 Teilnehmer gezählt habe und ein stetes Anwachsen der Bewegung zu verzeichnen sei. Der Redner überging sodann auf die «childeriing des gegcnivärtigen Standes der Beivegung und betonte, daß die Einigkeit der Organisation aufrecht erhalten werden müsse. Schließlich trat er oem Vorwurfe entgegen, daß die Zionisten unpatriotisch wären. „Wir sind treue Bürger dieses Staates und treue Söhne des Landes, in dem wir wohnen nnd geboren sind. Wir wollen nur für die Interessen des eigenen Volkes keineswegs für fremde arbeiten." (Stürmischer Beifall.) Nach Absendung einer Huldigungsdcpesche an Dr. Hevzl wurde das Bureau folgendermaßen konstituiert: Obmann: Herr Re sek, 1. Stellvertreter: Herr Eplc r (Teplitz), 2. Stellvertreter: Herr Beutler (Kolin), Schriftführer: Herr Klein (Pisck), Prof. W e r t h e i m e t (Prag). Das Referat über Finanzgebaruug erstattete Herr R e s e k. Wie bekannt, gibt das L.-K. die Zeitschrift „Zion" heraus, deren Abonnement cs als Aequivalent der Verbandssteuer betrachtet. Da auf diese Weise dein D.-K. die Einnahmen aus dieser Quelle entgehen, wurde vorn D.-K'. nachstehende Resolution zur Annahme empfohlen: „Der Delegiertentag wolle beschließen, daß das D--K. sich mit dem L.-K. ins Einvernehmen setze, damit die Parteistcuer dem D.-K. ganz verbleibe; das Abonnement des „Zion" wird freigestellt und der Aboimemeiitsbekrag an, das L.-K. abgeführt." Dr. Reach (Raudnitz) beanständete die bisherige Leitung des - , 0 ~ T.. . . m..r . <*,, ,. . . D.-K. in Finanz-Angelegenheiten, nach einigen erläuternden Begab es Zlgeunennnen. Englandernmen. Bohmmncn, Jtallenerumen., merknngen des Herrn N. Gros; (L.-K.) betreffend das Inkasso Spamernmen, Kroatmnen usw., Harlekins, Steirer, Tiroler, Babec Varieiitener und den ..Zion" wurde der Antröa des D.-K nL Inland. Gedenktage. Pred. 1887 st. i. März. 16. 1826 st. i. Dessau Mos. Wolf, Wien Jos. v. Wertheimer. 1900 st. i. London d. Philanthrop Raph. Tuck. 17. 1873 st. i. Versailles Jos. Salvador, Arzt und Histor. 18. 1805 st. i. Wien Is. Noa Mannheimer, Pred. 1871 geb. i. Janowitz (Posen) Dichter Jos. Abrahamson. 19. 1694 st. Gers Aschkcnasi, Rabb. i. Wien und Metz. 20. 1814 st. i. Nentershausen Bencd. Hause, Pred. 1869 st. i. Prag R. Jitda Teiveles. 1894 st. i. Berlin Kommerzieiirat Jac. Israel. 1902 st. i. Warschau der Hebraist A. S. Friedberg. 21. 1821 geb. i. Prag Siegs. Kapper, Arzt und Dichter. 1832 st. i. Stettin Chajim Köslin, Gramm. 22. 1833 st. i. München Mich. Beer, Dichter. 1853 geb. i. Arad Maler Is. Kaufmann. 23. 1841 st. i. München Jac. v. Hirsch Großv. d. Philanthr. 1887 st. i. Berlin L. Landshuth (Amudea Aboda). 1893 st. i. Emmersdorf (Steierm.) Polit. , Dr. Ad. Fischhoff. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 13. März 1904, unter dem Vorsitze des 1. Vizepräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe befindet sich ein Dankschreiben des Herrn Dr. Gustav Freund für die ihm anläßlich seines 80. Geburtstages seitens des Kultus- Vorstandes ausgesprochenen Glückivünsche; ferner die Mcitteilung des Vorstandes der „Chewra-Kadischa" über die Wiederwahl der Delegierten für die Sitzungen der Friedhofs-Kommission, der Herren S. Heit und Adolf Rosenbaum, für die diesjährige Fnnktionsperiode. Weiters wird das Dankschreiben der Kultiisgemeindc Ainstetten für den Beitrag von K. 200.— zur Herstellung einer Friedhofsmauer in Ubbs zur Kenntnis gebracht. Bor ltebergang zur Tagesordnung nimmt der Vorsitzende Anlaß, Herrn Architekten Map Fleischer zu der ihm durch Verleihung des Titels eines k. k. Baurates gewordenen Allerhöchsten Auszeichnung namens des Kültusvorstandes ans das Herzlichste zu beglückwünschen. Die ivohlverdiente Auszeichnnug Fleischers hat in den weitesten Kreisen lebhafte Genugtuung hervorgerufen, speziell aber in der Wiener Kultnsgemeinde, die in Fleischer eines ihrer treuesten und hingebungsvollsten Vorstandsmitglieder verehrt, dem sie für die seit Jahrzehisten der Gemeinde in vortrefflichster und völlig uneigennütziger Weise geleisteten vielfachen Dienste 31t wärmsten Danke verpflichtet ist. (Lebhafter Beifall.) Im Präsidialberichte gibt der Vorsitzende einen Bericht über die Einnahmen der Kultusgemeinde in den abgelaufenen Mo na Kn im Vergleiche mit den diesbezüglichen Ziffern des Vorjahres. lieber Ansuchen der Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkinälern des Judentums wird derselben zu den Kosten einer anläßlich des 100. Geburtstages Salomon. Salzers zu veranstaltenden Feier im Mnsikvereinssaale ein Beitrag bewilligt. Den. nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildet die Angelegeiiheit'des Gottesdienstes in Döbling. D e r T e m p e l v e r - e i n i in 19. Bezirk e, welcher bis Ende des abgelanfenen Jahres gegen eine entsprechende Subvention der Kulmsgemeinde für die Veranstaltung eines Gottesdienstes in Döbling gesorgt hatte, steht im Begriffe, sich aüfzulösen und hat seine Tätigkeit eingestellt. Ilm die ungestörte Fortsetzung des Gottesdienstes zu ermöglichet, hat sich der Knltusvorstand mit dem Kuratorium des Blindeninstitutes ins Einvernehmen gesetzt, welches sich bereit erklärt hat, die Veranstaltung eines täglichen lind öffentlichen Gotesdienstes im Betsaale des Blindeninstitutes gegen einen entsprechenden Beitrag zu übernehmen. Der Antrag des Vertreter-Kollegiums auf Bewilligung dieses Betrages in der Höhe der bisher dem Döblinger Tempelvereinc gewährten Subvention wird genehmig,''. Verliesen werden: Die Jsak Leeb- und Lea Weinberg-Stiftung für jüdische Hochschüler (2 Plätze voll je K. 600.—); ferner 13 Plätze von je K. 600.— der Dr- Adolf Sacks-Techniker-Stiftung. (An wen? Anm. d. Red.) Bezüglich des 14. Stiftsplatzes wird die Rückverweisung an das betreffende Stiftskomitce beschlossen. Ansuchen der Direktion der Simon Edler von Lümel-Schule in Jerusalem mn Subvention: Das hierüber erstattete Referat besagt, daß gemäß eines im Jahre 1888 abgeschlossenen Vertrages zwischen der Wiener Knl nsgeineinde einerseits und dem Frankfurter Vereine zur Erziehung jüdischer Waisen m Palästina andererseits, letzterer die Erhaltung der Schule übernahm, wogegen ifnu die Zinsen der Läniel-Stiftllng seitens der Kulinsgemeinde alljährlich zlir Verfügung gestellt werden. Durch im Laufe der Jahre vorgenommene Vergrößerungen der Schule ist das Budget derselben bedeutend gestiegen, so daß der Beitrag aus der Lämel- Stiftnng von jährlich K. 4000.— derzeit nur den geringeren Teil der Ausgaben deckt. Die Schule, welche ihre Entstehung einer der Parteistener und den „Zion" wurde der Antrag des D.-K. angenommew lieber den zweiten Pvogrannnpunkt, „Reorganisierung" referierte Herr Jac. Ernst Güti g. Besondere Aufmerksamkeit fand die Ncneinteilung des Distriktes in Rayons, die in Agitationsangclegenhcitcn vollkommen selbständig sind. Auf diese Weise wird es wohl ermöglicht werden, die Agitation am flachen Lande noch intensiver als bisher zu betreiben. Der Entwurf des Referenten wurde mit kleinen Aendcrungcn genehmigt. lieber die freien Anträge entwickelte sich eine äußerst rege, manchmal sogar stürmische Debatte. Der Antrag Dr. Rcach.s betreffend die Schaffrmg einer Statistik über die Inden in Böhmen wurde dem D.-K. überwiesen. Der Referent ging vom Grundsätze der „do nt dcs"- Politik aus. Die Juden leisten sehr oft fremden Parteien Vorspanndienste, ohne hiefür irgendwelchen Vorteil zu genießen. Ilm über die Anzahl der Juden in den einzelnen Rayons unterrichtet zu sein, sollen die Rayonsvorstehcr sich Klarheit über die Anzahl der jüdischen Wähler verschaffen, diese an das D.-K. Mitteilen um von den Listen im Bedarfsfälle Gebrauch machen zu können. Stürmischer ging cs bei der Debatte über den Antrag des Vereines jüdischer Hochschüler „B a r K 0 ch b a" zu. Die vom Herrn Phil. Hugo Bergmann vertretene Resolution dieses Vereines: „Der Delegicrtentag wolle beschließen, daß das D.-K. dahin zu wirken habe, daß die Gründung einer jüdischn a t i 0 n a l e n schlagender! Verbindung i n P r ct q unterbleibe" entfesselte vollends die Leidenschaften. Ihr Kor- Gäste, Damen und Herren, sind herzlichst respondent hat bereits in der letzten Nummer die Bedenken, welche sich einer ähnlichen sGründung entgegenstellen, auseinandergesetzt Die Mehrzahl der Redner sprach sich gegen eine derartige Gründung aus und besonders der Verein „Ahawath Zston" in Eger protestierte in einer Resolution entschieden gegen dieselbe. Da eine größere Anzahl von^Rednern vorgcmerkt war, wurden Generalredner gewählt, und zwar kontra Dr. Teller, pro Herr Tauber. Nach reiflicher Aeberlegung wurde die Resolution mit überwiegender Majorität angenommen. Der Ruf „Ein Pyrrhussieg" erscholl aus,den Reihen derjenigen Herren, die für die Gründling gestimmt hatten. Es!var kein Pyrrhussieg, da ein derartiger Sieg der aufblühenden Bewegung in Böhmen nur nützen kann! Hoffentlich werden die Herren, welche eine derartige Gründung planen, so viel Parteidisziplin bekunden, um von dieser abzustehen! jazzos und anderes Gelichter. Besonderes Aufsehen erregten eine reizende „Japanerin" (Frl. Paula Kraus) und ein galizischer „Chassid" (Herr Samuel Ins licht). Dem Galizianer war es sehr leicht, seine Rolle zu spielen, da er eigentlich nicht aus seiner Haut zn fahren brauchte und so kam es, daß er bis 4 Uhr früh ununterbrochen Witze fabrizierte und tanzte. Die „Japanerin" war merkwürdigerweise fast immer an der Seite eines „Tschechen" zu finden, .trotz der tschechisch-russischen Verbrüderung. Wien. (Verein hüsdi schier jugendlicher Arbeiter „L e 0 p 0 l d st a d t", 2. Vez., Untere Angartenstr. 19.) Sonntag den 20. d. Vortrag des Herrn I. Honig über „Lehrlittgstvesen nnd Lehrlingsschutz" im Kongreßbureau, 9. Vez., Türkenstraße 9. Vegiun halb 7 Uhr abends. Gäste willkommen. Wie«. (Einzel-Verein „L e 0 p 0 l d st a d t - P r a - t e r st r." des „Z i 0 n" Wie n.) Die Vereinslciiung veranstaltet zur Diskussion über die Referate der Herren Direktor Weber nnd Dr. S. Krenberger, den jüdischen Religionsunterricht betreffend, eine freie L e h r e r v e r s a m in l u n g, Ivclche am Donnerstag den 24. März, 8 Uhr abends im Hotel „Europe" Restaurant Winternitz, 2. Vez., Aspcrngasse 2, 1. Stock statifindet. Wie». (M ä d ch e n - n n d F r a u e n - B e r c i n „B i k n r- Chaulim".) Sonntag den 21. März, nachmittags halb 4 Uhr, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Scitenstettengasse 4, 2. Stock, ein Vortrag des Herrn Dr. Heinr. Grün über „Die wissenschaftliche Medizin und die sogenannte Naturheilkunde" statt. Gäste, Damen und Herren, sind herzlichst willkommen. Jüdisch-nationaler Arbeiterverein, 14. Vez., Ullmannstr. 31 (Kauerhof 10 a). Wir ersiilleu die traurige Pflicht und geben allen Gg. die betrübende Nachricht vorn Tode unseres Mitgliedes Frl. Elsa 9t e n e r n. Die Verstorbene war ein rühriges Mitglied der Organisation nnd erfreute sich unter den Vercinsmitglicdern allgemeiner Beliebtheit. Ehre ihrem Angedenken! Die jüdische akademische Vervorige Woche anläßlich der Stiftungsfest der „Anitas", bindung „Unitas" in Wie,, feierte Eröffnung ihres 20. Semesters ein Stiftungsfest, das einen glanzvollen Verlauf nahm. Dasselbe begann Samstag den 5. März mit einem imposanten Aufmarsch,der gesamten dlktivitas, Junktiven und Atzen Herren auf die Aula zum vornrittägigen Bummel. Am Abend desselben Tages vereinigte ein gemütliches P i ck n i ck auf der Bude, 1. Bez., Auerspergstraße 21, die Verbindnngsangchörigen und ihre Damen; auch zahlreiche aus der Provinz gekommene Alte Herren tvarcn erschienen. Die Verbindungslokalitäten waren festlich geschmückt, der große, prächtig dekorierte Fechtsaal bot sogar Nauru zu einem irnprovisicrten Tmiz. Montag den 7. März fand im Vallsaale Nonacher der S t i f t n n g s k 0 m m c r s statt. Präses M. A. C. Max Roscnzweig begrüßte in seiner Eröffnungsansprache u. a. namentlich: die Mitglieder des A.-C. Ing. Kreme n c z k y und Dr. K 0 h n, beide mit ihren Damen, die Ehrenburschen der „Anitas" Dr. Karl P 0 l l a k und Dr. Max Jerusalem mit ihren Damen, die Vertreter der „I v r i a", „V e r i - tas" (Brünn) zahlreicher! Ferialver^indungen, Finkenvereinen, bürgerlicher Zionsvcreinc, des Müdchenvereines „Moria", die Alten Herren der „Anitas" nsw. usw. Zahllose Begrüß'ingst.'legramme und -Schreiben waren eingelangt. In einer gehaltvollen Festrede schilderte A. H. Dr. Martin Englands r den Werdegang der „Anitas", während Bb. I. 11. C. Jaques Löweinstein in einer markigen Tenbenzrede den Bestrebungen und Tendenzen der Verbindung formvollendeten Ausdruck verlieh. Nachdem noch Bb. I. 11. C. Erwin Gallus auf die Alten Herren, sowie einige Gäste ans die „Unitas" toastiert hatten, ergriff A. H. Ehrenbnrsche Dr. Karl P 0 l l a k das Wort, der mit wenigen, aber von feurigem Nationalgeftihl durchglühten Worten das treue Festhalten der „Anitas" am ZionSgedanken betonte und einen wahren Bcgeisternngsstnnn entfesselte. Im inoffiziellen Teile des Programmes trnrde von Mitgliedern der „Anitas" eine parodistische Oper: H a m - l e t, aufgeführt, welche stünuische Heiterkeit hervorrief. Die Darstelleriu der Ophelia, Frl. Martha Royz, ferner die Hauptdarsteller Bb. Bb. M 0 h r, K 0 h n, Schön w a l d, Dr. Emmo L 0 e b l, L v >v y, sowie der Autor (Bb. M. 11. C. Philipp S ch ö n- Ivald) wurden unter endlosem Beifall immer ivieder hervorgerufen. Ein animiertes Tanzkränzchen folgte, das die ungemein zahlreich erschienenen, dnrchtvegs der besten Gesellschaft angehürigen Damen und Herren bis in die frühe Morgenstunde beisammenhielt. Am das schöne Gelingen des solennen Stiftungsfestes haben sich besonders verdient gemacht: Präses M. tt. C. Max Rvsenzweig, Fnchsinajor I. 11. C. Karl Mohr, Schrif'fiihrer M. A. E. Isidor Löwh, ferner der Obmann des Exekutivkomitees M. tt. C. Philipp Schönlvald, der Kassier Dr. Emmo Loebl nnd der Schriftführer M. 11. C. Ennl Stein." Zuin Schlüsse fanden die Wahlen ins D.-K. statt. Abends um 8 Ahr hielt im großen Saale der Produktenbörse Herr Dr. Alfred K l e e ans Berlin einen Vortrag über die Lage des Zionismus nach dem 6. Kongresse. Das an 400 Personen betragende Auditorium folgte gespannt den Ausführungen des Redners, die auch einen rnoralischen Erfolg nicht verfehlten. Die cingeleitcte Sammlung für den Nationalfonds ergab über 50 K. Unser Wiinsch ist es, daß dieser Parteitag für die Organisation segensreich sei und die erwünschte Stärkung und Einheitlichkeit herbeiführe I Prag. In der am 3. März 1904 abgehaltene Generalversammlung des Verbandes der israelitischen Handwerker wurden nachfolgende Herren in den Vorstand geivählt: Eduard Taussig, Rahmenerzeuger und Vergolder, Obmann; Heinrich Diamant, Schuhj Warenerzeuger, 1. Stellvertreter; Josef Schüler, Schlosserwarenerzeuger, 2. Stellvertreter; Josef Jclliwck, Schirmerzcugcr, Kassier; Gustav Attitor, Handschuhfabrik, 1. Schriftführer, Adolf Außenberg, Juwelier, 2. Schriftführer. Weiters gehören dem Vorstände an Jakob Tischer, Schneider, Richard Brandeis, Buchdrucker, Leopold Süß, Schuhmacher, David Heller, Schneider, Gustav Taussig, Tapezierer, Emanuel Porges, Friseur, Adolf Friem, Lackierer, Karl Katz, Pantoffelerzenger, Isidor Kliemperer, Posainentierer, Samuel Schreiber, Tapezierer, Jakob Pollak, Kartonagcn-Erzeuger, Emanuel Heller, Uhrmacher. Ersatzmänner die Herren: Josef Hocht, Fleischhauer, Friedrich Langcudorf, Schneider, Karl Taussig, Schuhmacher, Julius Grünhuk, Schlosser, Moritz Eisner, Spengler, Emanuel Weigert, Fleischhauer. Revisoren: Heinrich Fischel, Max Beran. Ruiniernng jüdischer Eristenzen in Ungarn. Jni Dorfe M e z ö t e r e m, das von S ch Wabe n b e >v 0 h nt >v i r d, wurden antisemitische Konsumrrnd Verwertungsgenossenschaften errichtet. Diese haben aber nur ein Scheinleben geführt, denn beim jüdischen Greisler lraren die Waren billiger erhältlich als bei der Konsumgenossenschaft und der Bauer konnte für seine Produkte beim jüdischen Händler einen besseren Preis erzielen, als durch die Verivertungsgenossenschaft. Die Genossenschaftsleiter nahmen daher zu einem Gelvalnnittel Zuflucht: sie liehen nämlich durch alle nichtjüdischen Einwohner eine Erklärung unterschreiben, in welcher diese bei einer Strafe von z e h n K tone » s i ch v e rp f l i ch t e n, bei einem Juden nichts e i n z u k a u f e n. n 0 ch i h m e t w a s zu verkaufe n. Die in dieser Ortschaft ansässigen jüdischen Kaufleute nnd Gewerbetreibenden sehen sich nun gezwungen, da? Dorf zn verlassen^ falls der Handelsminister ihnen gegen diese ungesetzliche antisemitische Vergelvaltigung keinen Schutz bieten sollte. Bereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar Kochba" in Wien. Ansschnßwahlen für das 14. (Sommersemester): Präses: cand. ing. Awner Badian, Vizepräses: cand. ing. Simon Weinberg, 1. Schriftführer: cand. ing. David Berger, 2. Schriftführer: cand. phil. David Horowitz, Kassier: cand. ing. Siegnurnd Löschner.