Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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feite e Wien, Freitag 18. März 1904 Nr. 12 /t&MivM YoUmM«*. Bodenbach. Anläßlich des P u r t m f e ft c § hatten die jungen Männer unserer Gemcinde einen, Uiiiterjhaktrmgisabend mit anschließendem Tänzchen am i>. ds. arrangiert. Das Fest Ivar so besucht, das; der Redakteur unseres Antisemitenblattes, selbst wenn er das Entree hätte zahlen können, wie er wollte, keinen Platz mehr gefunden hätte. Er wäre jedenfalls erfreut gewesen, hätte er gesehen, wie guter Dinge die Iudenscbast unserer Gemeinde,?IIi Und Jung, sein konnte, tvenn sie ganz unter sich und ungestört sind. Die Heiterkeit war ungezwungen, die Stimmung animiert. Das Programm des Abends, welches das Komitee selbst in lvahrhaft anfopfernder Weise, sowie ein bekannter, vielbegehrter und in Anspruch genommener Herr aus Aussig ausführte, ivar überreich an Abtvechslnng und hätte jeder Variete-Bühne alle Ehre und reichen Bestich gebrach^. Da waren bon einem Impresario zivei Liliputaner vorgeführt worden, die sangen, tanzten, Rätsel ausgaben, esse» uiid trinken konnten, recht herzige und bewegliche Persönchen; dann ein Athlet, der ein Siinson an Kraft, mit den üon Kilogramm nur so spielte, wie ein anderer mit Marmelsteinen, weiter ein dressierter Bär, der Unglaubliches leistete, eilt Bauchredner mit drei Aulommen, die ein lustiges Spiet aufführten und merkwürdige Kenntnis der Personen im anwesenden Publikum an den Tag legten, endlich ein Illusionistenpaar, das vor den Angen des Publikums eine Dame verschwinden machte. Die Piece de resistanee bildete der Gast von Aussig, dessen Couplets wahre Perlen feinsten Humors waren und in treffendster Weise vorgetragen, nicht endenwollendcn Beifall fanden. Eine reich beschickte Tombola, deren Lose im Augenblick vergriffen waren, brachten jedem schöne und wertvolle Geschenke. Namen der mitwirkenden Künstler bringen lvir nicht, denn in unserer Gemeinde sind sie bekannt, cs würden dieselben unserem, uns und allen unseren Unternehmungen so wohlgesinnten antisemitischen Herrn Redakteur leiehterdings nur Stoff für seine inhaltsreiche Zeitung bieten. Jedenfalls berichten lvir, das; durch den Festabend dem Tcmpclbaufonds ein namhafter Reingewinn zuflog. Dem unermüdlichen Komitee, das seine Aufgabe in bester Weise löste mrd dokumentierte, das; unsere Jugend, so bald es gilt, für jüdische Zwecke sich einzusetzen, keine Mühe scheut, sei herzlich Dank gesagt. Es scheint doch der Antisemitismus dem Judentum Nutzen und Segen gebracht zu haben, den die Förderer desselben gewiß nicht bezweckten. Ausland. Ei» Judustriegefetz in Rumänien. Die rumänische Regierung hat, wie der „Frkft. Ztg." geschrieben wird, ihre Zustimmung zir dem Gesetzentwurf des Handelsministers Stoicescu gegeben, der das jetzt bestehende Gesetz zum Schutze der Industrie gründlich umgestaliet. Während das alte Gesetz nur die größere Industrie (Fabriken mit 50 000 Lei Kapital und 25 Arbeitern) schützt, dehnt der neue Entwurf seinen Schutz auch auf die kleinere Industrie aus. Die wichigsten Begünstigungen sind: billige Abtretung bon staatlichen und kommunalen Terrains und von Wasserkraft für Indusrriezlvecke. Da die Verfassung den Fremden den Besitz von Ruralboden verbietet, wird diesen Fremden das Terrain für 90 Jahre zum Gebrauch übergeben. Eingeführte Waren, die im Lande einer Veredelung unterzogen werden, um dann wieder ausgeführt zu werden, wird bei der Ausfuhr der eventuell bezahlte Zoll zurückerstattet. Die Behörden müssen bei öffentlichen Lizitationen bei sonst gleicher Qualität und gleichen Preisen die Erzeugnisse der rumänischen Industrie bevorzugen. Tie erzeugten Waren erfreuen sich auf den Eisenbahnen erniäßigter Tarife. Außerdem gibt es für eine Reihe von Industrien besondere Begünstigungen, wie zollfreie Maschineneinfuhr, ganze oder teilweise Erlassung der Steuern, die hauptsächlich an die Verwendung rumänischer Arbeiter geknüpft ist. Diesbezüglich besagt der Entwurf, das; den rumänischen Arbeitern auch jene zugezählt werden sollen, die, im Lande geboren, keines anderen Staates Untertanen sind. Damit sind die einheimischen Juden gemeint, denen dadurch die Möglichkeit geboten wird, sich durch ehrliche Arbeit zu ernähren. In dieser Beziehung weist das neue Gesetz gegen das alte einen geringen Fortschritt auf. Einschränkung der Einwanderung in die amerikanische Union. Es wird aus Washington gemeldet, das; Abgeordneter Adams im Kongresse eine Bill eiugebracht habe, durch welche die Zahl der Einwanderer, welche künftig innerhalb eines Jahres in den Bereinigten Staat-n zugelassen werden soll, nicht mehr als 80 000 betragen dürfe. Mr. Adams führte aus, es würden durch die Bill nur drei Länder Europas, uämlich Oesterreich-Ungarn, Rußland und Italien, aus welchen Ländern die am wenigsten wünschenswerten Einwanderer stammen, berührt. Von der Million Einwanderer des letzten Jahres feien zwei Drittel ans den genannten Ländern gekommen, und aus der Einwanderungsstatistik gehe hervor, daß trotz der sorgfältigsten Inspektion im abgelaufenen Jahre nur vier Fünftel Prozent von der Einwanderung ausgeschlossen werden konnten. Athen. Infolge eines von einem Israeliten in Kolo begangenen Mordes zog emc Volksmenge vor dessen Hans itnd bewarf es mir Steinen. Tie Geschäftsläden der Israeliten wurden geschlossen. Starke Patrouillen bewachen das israelitische Viertel. Samson Wiener, der in dem bekannten Prozesse des Königs von Belgien gegen seine Tochter, der Rechtsvertreter des Königs war, ist ei'ae der hervorragendsten Persönlichkeiten des Brüsseler Barreaus. Er ist Präsident des Provinzialrales Volt Brabant und mit der älteren Tochter des verstorbenen Sampson L il c a s, Miß Iessie Lucas verheiratet und aus diese Weise mit den hervorragenden Familien Francis Lucas und Benjamin Elkan M o c a t t a verschwägert. Der Vater Samsorr W i e n e r s, I a c q u e s W i e n e r, starb im greisen Alter von 84 Jahren im Juni des Jahres 1800. Jacques Wiener, der ebenfalls in Brüssel lebte, war der berühmteste Medailleur seiner Zeit. Von ihm stammt auch die Z e i ch n u n g für die erste belgische P o st m n r k.e. Jacques W i e n e r tat sich auch im öffentlichen Leben der belgischen Juden hervor sowohl als langjähriger Vizepräsident des „Israelitischen Zentral-Konsistorinms von Belgien", wie auch als Präsident der Kultusgemeinde in Brüssel. Jaffa. Unsere Freude, einnw.l ivieder ohne Quarantäne zu sein, währte leider nicht lange. Solche ist seit einigen Tagen ivieder über Herkünfte von Alepandrieii verhäitgt worden. Darunter wird wieder der Zufluß von Reisenden leiden und somit atieh die Geschäfte, welche aus diese angewiesen sind. Wie das Land leidet unter diesen seit Jahren fortgesetzten Quarantänemaßregeln, ist nicht zu beschreiben. Der Regen setzte in diesem Jahre sehrspät ein, kam aber desto ausgiebiger, so daß ans ein gutes Frnchtjahr geschlossen iverden darf. Die Orangenernte fiel grlt nrts. Mit jedem Dampfer gehen große Sendungen fort. Ob die erzielten Preise diesmal besser sein werden als im vorigen Jahre, Ivo viel (Held verloren ging, bleibt abzutvarten. Leider läßt sich von den allgemeinen Verhältnissen im Lande nicht viel Gutes berichten. Die Willkür der Zehentpächter beim Eintreiben des Zehenten veranlaßt viele Leute, ihren Besitz unbebaut zn lassen. Dazu kommen neue Steuern, welche alle Tiere iimfasscii, tvie Pferd", Rinder. Kamele, Hühner usw. Ja, wenn es sieh nur um de» wicliicgen Steuer,atz handeln würde, aber auch dabei tvird vor den Steuererhebern ganz tvillkürlich verfahren mrd viel mehr genommen, als ihnen zukommt. Solchen harten Lasten steht der türkische Untertan vollständig wehrlos gegenüber, durch eine Beschwerde würde er seine Lage nur verschlimmern, denn nur mit Auftvendirng von Geld und Zeit würde er Gehör finden und vielleicht Recht — bis zum nächsten Zahlungstermin. Mschenew. Der Vertreter der I c a, Herr David F e i nb c r g, der einige Wochen in K i s ch c u e >v weilte, stattete daselbst eine Gruppe von zwanzig Familien für ihre Anslvander ll n g n a ch A r g e n t i n i e n ans. Herr F e i n b e r g weilt jetzt in N i k o l a j e w und begibt sich von da in die jüdischen Kolonien im C h e r s o n e r Gouvernement, um mit den zur A u s w ander u n g na ch Palästina bestimmten Gruppen in Verbindung zn treten. Herr Feinborg hofft, in nächster Zeit in K i s ch e n c >v eine zweite, ans vierzig Familien bestehende AuswandernngSgrnppe zu konstituieren und ausznrüsten. Aus Rumänien. (Orig.-Korr. des „Iüd. Volksblatt".) Bukarest, Mitte März. Ist daS ein gutes oder ein böses Zeichen? Es sind schon fast zwei Monate vergangen, seitdem ein Jude einen Christen getödtet hat und bis jetzt haben unsere Antisemiten noch keine Rache genommen, ja sie scheinen nicht einmal daran zu denken. Wo sind die judenfeindlichen Umzüge, wo bleiben die Steine, die unsere Fenster zertrümmern sollten, wo die betrunkenen Fleischhauer und die wilden Studenten, die uns berauben und prügeln sollten? — Wie das Unglück geschehen war, hat uns alle ein schauerliches Gefühl durchdrungen; überall hat man im Stillen die schrecklichen Bilder vorhergeseben, die man bei solchen Gelegenheiten erwartet. Noch mißtrauischer als sonst, hat man den vorbeigehenden Rumänen ausgewichen und mit einem angstvollen Blick nach ihren Absichten geforscht. Und trotzdem ist niemandem etwas Böses zugestoßen. Was wär geschehen? Zwei bekannte junge Schriftsteller in Jassy, ein Christ und ein Jude, haben eine öffentliche, sehr heftige Auseinandersetzung (durch Zeitungsartikel) gehabt, während welcher der christliche Dichter den jüdischen in der schändlichsten Weise verunglimpfte. Der tief beleidigte Jude^ forderte seinen Gegner und in einem unter den schwersten Bedingungen stattgefundenen Zweikampf, wurde dieser letztere erschossen. Der verhaftete jüdische Schriftsteller steht einer Verurteilung entgegen, was ganz analog einem bei uns sehr berühmten Falle ist, in welchem der bekannte Politiker Pilipescu wegen Ermordung seines Gegners Lahovary im Duell, zu sechs Monaten Kerker verurteilt wurde. Die Verhaftung des jüdischen unglücklichen Helden wäre also in Ordnung. Wie kommt es aber, um auf unsere Frage zurückzukommen, daß nicht alle Juden Rumäniens zu büßen hoben, wie wir es bei viel geringeren Anlässen gewöhnt sind? Tatsache ist, daß fast die gesamte rumänische Presse eine ganz unparteiische Haltung eingenommen hat, und daß das rumänische Publikum die Sache nur als ein Unglück ansieht, an welchem niemand schuld ist. Ist die Ursache dieses lobenswerten Schweigens in der großen Gleichgiltigkeit zu suchen, die jetzt das ganze öffentliche Leben in Rumänien beherrscht oder ist das als ein gutes Zeichen für die Zukunft aufzufassen? Diese Frage stellt man sich hier überall. Nirgends spricht man noch so viel wie in Rumänien vom sogenannten Eid mor e j u d a i c o, eine Frage die, Dank der judenfeindlichen Gesinnung vieler rumänischen Richter, noch immer auf der Tagesordnung steht. Die Eidesformel und die fürchterliche Eideszeremonie, welche unsere Feinde vom Mittelalter her mitschleppen, sind von den rumänischen prozessualen Vorschriften noch nicht ausgerottet und es hängt nur von einem eifrigen Richter oder von einem grausamen Kläger ab, ob ein Jude dieser Folter-Zeremonie unterworfen wird oder nicht. Jedoch haben sich in den letzten Jahren sehr energische Stimmen gegen diesen Mißbrauch erhöbe« und haben sowohl theoretisch bewiesen, daß dieser Eid „nach jüdischem Brauche" dem Geiste des Judentums vollkommen fern liege, wie sich auch praktisch dagegen gewehrt. So haben unsere Rabbiner, so oft sie von den Behörden aufgefordert waren, die genannte Zeremonie einzuleiten, immer den Dienst verweigert. Jetzt hat aber der Vorstand der Kultusgemeinde einer kleinen Stadt (Turnu-Magurele) einen anderen Weg gezeigt, um gegen die barbare Zumutung eines Richters zu protestieren. Diesem wurde nämlich brieflich geantwortet, daß „die Eidesformel more judaieo und das Schwören im Tempel gegen die Vorschriften unseres Glaubens seien; der Tempel werde sich von nun an niemals für den Ei d öffn en, da wir es nicht zulassen können, daß dieser Ort, der nur zum Beten geschaffen ist, dazu benützt werde". Vor einem Jahre, als man im Auslande so viel von Rumänien sprach, sah sich unsere Regierung bemüßigt irgend etwas zu tun, um die Erzählungen von der rumänischen Intoleranz Lügen zu strafen. Sie ließ also die Kammer für das Bürgerrecht einiger Inden abstimmen und dann diese Nachricht in die weite Welt hinausposaunen; so waren ihre Ehre und ihre pekuniären Interessen im Auslande gerettet. Wenn man aber draußen glaubt, die oben genannten Juden seien durch diese Abstimmung rumänische Bürger geworden, so ist das ein gewaltiger Irrtum. Denn der Senat, dieses zweite Purgatorium, muß auch nych ein positives Votum abgeben, was aber bis jetzt noch nicht geschehen ist, schon aus dem Grunde nicht, weil die Namen dieser halben Bürger dem ehrwürdigen Hause nicht vorgelegt wurden. Ueberhaupt ist die Art und Weise, wie man zu den gesetzgebenden Häusern zugelassen wird, eine erbärmliche. Das man Geld herumstrenen -;uß, daß man voui guien Willen jedes Deputierten, sowie von de» Verleumdungen des ersten besten Individuums abhängig, ist, daß man oft Jahre lang warten muß, bis man überhaupt berücksichtigt wird, daß in der Erledigung der Gesuche keine Ordnung und keine regelmäßige Reihenfolge herrscht, daS erklärt wohl genügend, warum verhältnismäßig wenig Juden um die Gunst ansuchen, rumänische Bürger zu werden. Aber außerdem weiß jeder von uns, daß, wenn auch alle vom Gesetze verlangten Pflichten mit peinlichster Genauigkeit erfüllt sind, wenn man sich um das Land noch so sehr verdient gemacht hat, das alles in der größten Mehrzahl der Fälle nichts nützt: man fällt durch! In der letzten Zeit haben einige Fälle dieser Art so viel Aufsehen erregt, daß sie die gesamte rumänische Presse besprochen hat und der bekannte Deputierte Panu verlangt jetzt in seinem in politischen Kreisey sehr geschätzten Blatte, man möge die Art der Naturalisierung von Grund aus umändern. In dem betreffenden Artikel erzählt Panu, daß mehrere Tausend der oben genannten Gesuche seit Dezennien unberührt liegen, und daß viele Personen, die vor zwanzig Jahren von einem Hause das Bürgerrecht erhielten, bis heute noch auf die Entscheidung des anderen Hauses warten. Es sollen sich nämlich nicht Kammer und Senat mit diesen Angelegenheiten beschäftigen, sondern sie sollell auf administrativem Wege, durch Organe der Negierung oder durch diese selbst erledigt werden. Natürlich ist diesem Verlangen nur beizupflichten; umsomehr als dies in allen anderen Ländern so geübt wird. Es ist aber fraglich, ob wir Juden dadurch viel gewinnen würden, ob die Einbürgerung nicht ebenso großen Schwierigkeiten wie jetzt begegnen würde. Was anderswo gut ist, kann bei uns schlecht sein. Denn, um ein rumänisches Sprichwort zu übersetzen: „Wie es bei uns ist, ist es bet niemandem!" Numa. Eingesendet. Agram, 14. März 1904. Löbliche Redaktion! Ich ersuche Sie hiedurch höflichst, de» mich betreffenden Absatz des Artikels „Blinde Juden" in der Nummer Ihres geschätzten Blattes bom 11. ds. folgendermaßen zu berichtigen: Es ist unwahr, das; ich mich am Schlüsse meines Toastes bei der Geburtstagsfeier unseres Oberrabbiners Herrn Dr. Jacobi als „Deutschen" bezeichnete; unwahr die dem Oberrabbincr von Ihrem Korrespondenten in den Mund" gelegte Frage an mich; unwahr die mir imputierte Antwort. Demzufolge ist die an diese unwahren Behauptungen geknüpfte Konklusion ebenfalls unwahr. Wahr ist, daß ich bei dieser Geburtstagsfeier, die in einem streng vertraulichen Zirkel vor zweieinhalb Monaten statifand, auf den abwesenden Schwager unseres Oberrabbiners, auf den in Deutschland wirkenden Rabbiner Dr. Ehrlich, dessen Töchter dem -erwähnten Gcburtstagsfeste anwohnten, toastierte, wobet ich Herrn Dr. Ehrlich als hervorragenden jüdischere Gelehrten feierte, ausdrücklich betonte, daß er in Bezug auf Abstammung und Konfession durch uird durch Jude sei und i h n — nicht mich — nur bezüglich seiner gediegenen Sprache einen „guten Deutschen" nannte. Wahr ist, daß ich in diesem Toaste meiner Wenigkeit mit keiner Silbe erwähnte. Wahr ist, daß mich unser Oberrabbincr als Talmudisten und strengen Beobachter urrserer Religionsgesetze kennt — ich fungiere auch bei Ehescheidungen als Beisitzer im Rabbinatskollegium — daß also unsr Oberrabbiner gar nicht denken kann, ich sei der Meinung, es gäbe keine „Juden". Wahr ist, daß ich die ganze Korrespondenz unserer Gemeinde, alle ihre Bücher und die Sitzungsprotokolle aller Ausschüsse und aller Lektionen in kroatischer Sprache führe, was unser Oberrabbiner weiß, er also schon aus diesem Grunde jene Frage an mich nicht richten konnte. Wahr ist, das; Herr Oberrabbiner Dr. Jacobi gegen meinen Toast nicht nur nicht polemisierte, sondern mir in seiner bekannten Liebcnsivüdigkeit den wärmsten Dank für meine, seinem Schivager gewidmeten Worte nusdrückte. Wahr ist endlich, das; ich auf die nicht gestellte Frage des Oberrabbiners die mir bon Ihrem Korrespondenten in beu Mund gelegte Antwort gar nicht geben konnte. Für die Aufnahme dieser Zeilen herzlichst dankend zeichnet .mit vorzüglicher Hochachtung IosefRendi, Oberkautor und Sekretär der Agranier isr. Kultusgemeinde. MitteUimgen aus dem Publikum. Prag. Der Obmann des Jüdischen Volksvereines in Prag,! Herr M.UDr. Moritz K o h n, feiert seine Vermählung mit Frl. Steffi F i s ch l ans St. Pölten am Dienstag den 22. d. M., um halb 2 Uhr nachmittags im Tempel in der Schmalzhofgasse. Selbstfnhrendes Pferd „Vorwärts". Das von der Wiener Firma L i n n e r & G e i e r, Wien, 17. Bez., Weidmanngasse 29, erfundene und patentierte Pferd „Vorwärts" hat bei der Messe in Leipzig ivegen seines praktischen Wertes Aufsehen erregt. Hierüber schreibt das Berliner internationale Offertenblatt „Fachblatt für Kurz- und Spielioaren-Judustrie": „Das selbstfahrende Pferd „Vorwärts", bei welchem bloß durch Schaukeln die Fortbewegung des Pferdes erzeugt ivird, verbindet bei völliger Sicherheit hygienische Vorzüge mit angenehmer Unterhaltung für Kinder und hat viel Anklang gefunden. Der Frühling ist ivieder da. Mit Beginn dieser Jahreszeit denkt alles an das erfrischende Bad. Als solches iväre in erster Linie, das bestbekannte Russische Bad, Wien, 9. Bez., So fienb rücke n ga s s e 18, herborzuheben. Das Russische Bad ist im modernsten Stile eingerichtet. 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