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Jüdisches Volksblatt · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit« S Wien, Frei ui sf Jüdisches Volksblatl. 18. März 1904 Nr. 12 gekennzeichnet. Am 26. Jänner d. I. fand im Regensburgerhof eine stark besuchte Versammlung des demokratischen Zentralvereines statt, die sich ebenfalls mit jenem Herrn und seinem Wirken als Präsident des „liberalen" Gremiums befatzte. Es wurde ein Beschlutz gefaht, die nur eine schwache Vorstellung gewährt von der Entrüstung, die jeden einzelnen Besucher ergriff, als man ans dein Munde der Redner erfuhr, in welcher empörenden Weise der Herr „von" Pollak das ihm von freisinnigen und jüdischen Wählern anvertraute Mandat in den Dienst der klerikal-antisemitischen Partei stellt und Herrn Lueger in schier zudringlicher Meise hilft, die von ihm drangsalierten freisinnigen und jüdischen Lehrer zu boykottieren. Ein Vertreter der freisinnigen Lehrer konstatiert, dah Herr Pollak im Verlaufe der in jener Angelegenheit gepflogenen Unterhandlung schlietzlich erklärte: „Nun gut, ich stelle rneinetwegen auch jüdische Lehrer an, Sie müssen mir jedoch solche namhaft machen, die keine semitische Physiognomie besitzen". — Ich bin überzeugt, viele Leser dieser Zeilen werden ungläubig die Köpfe schütteln mrd meinen, so etwas sei unmöglich. Und doch ist der hier zitierte Ausspruch des Herrn „von" Pollak authentisch. Zufälligerweise gibt cs solche jüdische Lehrer. Natürlich ivurdcn sie bei der Bewerbung abgewiesen; angestellt wurden — der christlichsoziale Agitator Rummehardt und seine politischen Freunde! Solche in jener Versammlung erhobenen Vorwürfe von solch niederschmetternder Wucht, geschleudert gegen einen Vertrauensmann der liberalen Partei, sollten ihn hinausfegen wie Spreu aus der Gemeinschaft jener politischen Kreise! So sollte man meinen. Aber der Herr „von" Pollak kennt seine Pappenheimer, er weitz, tvas man den liberalen Geistes- und Charakterhelden und den liberalen Juden ungestraft alles zumuten darf. Er versucht daher gar nicht einmal, sein ungualifizierbares Vorgehen zu entschuldigen, nein, er geht sogar noch einen Schritt weiter und überschüttet die von ihm boykottierten freisinnigen und jüdischen Lehrer mit einer Flut von Schmähungen! In der letzten Gremiälsitznng gelangte unter anderem die oben augedcutcte Resolution des demokratischen Zentralvereines zur Verlesung. Ohne Zeichen der geringsten Verlegenheit erklärt der Tapfere, daß er in erster Linie darauf sehe, anständige Lehrer zu bekommen, die in der Lage sind, ihre Schüler in strenger Disziplin zu hallten und welche sdie völliges Eigwung für ihren Beruf besitzen. Lehrer, welche politisch hervortreten, könne er nicht brauchen. Es sei nicht am Platze, die Politik in die Schule zu ziehen) weil dann die Lehrer den Schülern voreingenommen gegenüberstehen. Nachdem der Herr Präsident ausschließlich christlichsoziale Lehrer anstellt, so ergibt sich der logische Schluß, daß in den Augen des Herrn „von" Pollak die freisinnigen u,rd jüdischen Lehrer nicht anständig find, daß sie keine Disziplin zu halten vermögen, daß sie keine Eignung für ihren Beruf besitzen, daß sie Politik in die Schule ziehen und daß den Tausenden der jüdischen Schüler jener Grcmial-Handclsschule nur antisemitische Lehrer nicht voreingenommen gegenüberstehen! Und das jüdischantisemitisch-liberale Gremium nimmt diese einzigartige von Verunglimpfungen mrd Verdächtigungen der freisinnigen und jüdischen Lehrer strotzende Erklärung ihres Präsidenten — zur Kennt iris! Man greift sich arr die Stirne, wenn man so etwas liest! Man fühlt sich, wenn man diesen Text hört, in eine christlichsoziäle Versammlung der 90er Jahre versetzt. Fast könnte man glauben, die Herren Axmann und Bielohlawek seien die Verfasser dieses Pamphlets auf die freisinnigen Lehrer, das dann der Herr „von" Pollak mit sklavischer Treue memoriert und in geistloser Weise vorgetragen hat. Aber selbst die ärgsten Schreier der klerikal-antisemitischen Partei würden es heute nicht wagen, die freisinnigen Lehrer so zu begeifern, mit solcher kühner Anmaßung ihrer persönlichen und beruflichen Ehre nahezutreten l Wenn sich dennoch die abgelegenen der Rhetorik der klerikalantisemitischen Partei entlehnten Schlager des Hcrrir „von" Pollak als Mumpitz erweisen, so ist es andererseits auch heiße Liebe nicht zu der christlichsozialen Partei, die Herrn Pollak veranlaßt, so und nicht anders zu handeln und zu sprechen. Wenn er heute in Antisemitismus macht und in arischen Physiognomien spekuliert, so wird er seine Gründe schon haben, er wird — um ein geflügeltes Wort des Dr. Lueger zu gebrauchen — schon wissen warum. Mer als Antisemit ist dieser Jude noch nicht gestorben, er wird schon tvieder, tvenn's ihm dienlich sein sollte, in Freisinn machen und gewiß nicht versäumen, die Konjunktur weise auszmnitzen. Wenn mau nun sieht, tvie der Herr „von" Pollak dermaßen die Prinzipien einer freisinnigen Partei, der er doch wenigstens nominell angehört, so ganz ungeniert verleugnet, wie er die Intention seiner jüdischen Wähler mit verächtlicher Gleichgiltigkeit unberücksichtigt läßt, wie ec durch sein antisemitisches Treiben das Rcchtsbcwußtsein eines jeden anständigen Menschen tief verletzt, so muß mau billig fragen: wie kann cs die liberale Parei, wie kann cs die liberale und jüdische Kaufmannschaft ruhig dulden, daß sie durch das Tun dieses Mannes lächerlich gemacht und alle miteinander dem Hohn und Spott und der Mßachtung von Freund und Feind preisgegeben werden?! Das Judentum als solches hat nicht die Macht, Herrn Pollak abzuschütteln. Wenn der Mann dermalen die jüdische „Irrlehre" noch nicht abschwören will — und er wird schon wissen warum — so läßt sich dagegen nichts tun. Aber die Partei, die liberale mrd jüdische Kaufmannschaft, die hätten ihm aus Ehrgefühl schon längst den wohlverdienten Laufpaß geben müssen! Hat man aber je davon gehört, daß die Wähler dieses Mannes auch nur den schüchternen Versuch unternommen hätten, gegen die antisemitische Wirtschaft desselben auch nur den leisesten Protest zu erheben? Nein, sie schweigen, d. h. auch sie nehmen, gleich dem jüdisch-antisemitisch-liberalen Handelsgremium, die obige famose Erklärung ihres Präsidenten und sein ganzes System mit Befriedigung zur Kenntnis. Gibt es also überhaupt noch eine liberale Partei? Diese Frage ist schon oft aufgeworfen und ebenso oft durch eine logisch unanfechtbare, durch verschiedene Vorkommnisse erhärtete Beweisführung gezeigt worden, daß es in Wien, von den liberalisierenden, deutschtümelnden Juden abgesehen, eine liberale Partei nicht gibt. Die wenigen Arier, die das Gerippe der angeblich liberalen Partei bilden, sind teils naive, unerfahrene Idealisten, teils kraftlose, ruhebedürftige Mensche,:, zum größeren Teile aber geriebene Vögel, denen es momentan förderlich scheint, der antisemitischen Partei wenigstens offiziell nicht anzugehören. Sich als Liberale deklarierend, werden dann die Juden — das unpolitischeste Volk Oesterreichs — cingefangen und für ihre Zwecke mißbraucht. Haben diese Ehrenmänner ihren Zweck erreicht, oder ist nichts mehr zu holen, so lassen sie die genarrten, durch etliche freisinnige Phrasen leicht zu betörenden, einer jeden' politischen Einsicht baren Juden im Stiche, und verziehen sich ins antisemitische Lager. Vorläufig aber wird irgend ein ehrgeiziger, noch jüdischer Pollak auf einen vorgeschobenen Posten gestellt, der antisemitische Arbeit besser vernichtet als nur einer aus der Gilde. Und man hat dabei den Vorteil: man ist gedeckt. Typen für die hier geschilderten Spezies ließen sich in Masse anführen. Jedes Blatt in der Geschichte der österreichischen liberalen Parteien erzählt uns, in welch niederträchtiger Weise das jüdische Volk von seinen arischen politischen Freunden gebrandschatzt, betrogen, erniedrigt und in den Sumpf geführt wurde. Es ist rein zum Erbarmen, wenn man sieht, wie das jüdische Volk, einer führerlosen Herde gleich, als Kanonenfutter von den verschiedenen politischen Parteien mißbraucht wird, um nach getaner Arbeit verächtlich abgeschüttelt zu werden. Aber!vie lange noch sollen wir uns diese erniedrigende Rolle gefallen lassen! Raffen tvir uns endlich auf, befreien wir uns von dem das Judentum zersetzenden und entmarkenden falschen gefährlichen Liberalismus und seinen noch jüdischen Wahl- und Beutemachern l Entledigen wir uns doch endlich dieser armseligen und als politische und geistige Krüppel stigmatisierenden liberalen Krücken und lernen ivir frei auf eigenen Füßen stehen! Es muß und ivird schon gehen! Haben tvie das einmal erlernt, dann werden wir uns schon Achtung im Staate zu erzwingen tvissen und als bedeutsamer politischer Faktor in Rechnung gezogen werden müssen. E. U. Palöstina-Ausstellnng in Wien. Montag, den 14. d. M. wurde die Ausstellung der jüdischen Kolonien in Palästina im Grabenhof eröffnet. Bor 25 Jahren wurden bekanntlich diese Kolonien von Baron Edmund v. R o t s ch i l d in Paris mit großen Opfern gegründet. Hrute führt die Verwaltung die Jewish-Colouizativn-Asftclation. Nach Ueberwindung von Schwierigkeiten, mit denen jede Kolonisationsbewegung im Anfänge z» kämpfen hat und die nach der Sachlage bei diesen Kolonien noch größer waren, haben sich diese Kolonien in den letzten Jahren außerordentlich entwickelt und ihre Existenz ist nun auch für die Zukunft gesichert. Außer in den Kolonien Rischon le Zion, Wad el Chanin, Rechowoth und Pethacli Tikwah wird auch in den übrigen Mehr oder weniger Ackerbau und Gartenbau getrieben. Die Produkte werden hauptsächlich zur Deckung des eigenen Bedarfes verwendet. Mehr für den Export nach dem Auslande sind Orangen, Honig, Mandeln, Rosinen und speziell Weine sowie L qneure bestimmt. Im letzten Jahre betrug die Weiiiproduktion rund sechzigtausend Hektoliter, das sind gegen acht Millionen Flaschen. Da fortwährend weitergepffanzt wird, ist zu erwa ten, daß dieses Quantum in wenigen Jahren verdreifacht und vervielfacht werden wird. Bei der nächsten Oraugeuerute werden etwa hunderttausend Kisten erwartet. Ferner werden ausgestellt Muster ovn.Seide- und Baumwollwebereien, ätherischen Oelen, Olivenholzschnitzereien. Die Ausstellung ist nur für den Monat März berechnet. Die Eröffnungsrede hielt der Bize-P,äsident der israel. Kultusgemeinde Dr. Ster n. Ec sagte: An den Toren unserer Gotteshäuser die erste Spenüenbüchse trägt die Aufschrift: „Erez Jiswel! Ercz Jisroell" An das heilige Land werden wir gemahnt gleich beim Eintritt, noch ehe tvir die Gott geweihten Räume betreten, in denen der Gottesdienst, unsere Gebete und die Sprache» in welcher wir dieselben rezitieren, uns die heiligen Erinnerungen an die Vorzeit, an unsere Geschichte, an das heilige Land seit jeher immer und immer einprägen. Was dort in Rede und Schrift, hier soll es uns im Bilde anschaulich vorgeführt werden. Die Frucht, die Sie hier sehen, ist dem Boden des heiligen Landes entsprossen, ist dort herangereift. Die Arbeiten von Menschenhand, die Gewebe und Fabrikate, welche Ihnen hier gezeigt werden, sind von jenseits des Meeres, aus Palästina zu uns gebracht. Und in allem dem ist die agrikole sowie die gewerbliche Arbeit durchwegs von jüdischen Händen, von unseren Glaubensbrüdern in den Kolonien dort geleistet worden. Wahrlich! Ein neuer Beweis, wenn es überhaupt noch eines solchen bedürfte, wie ungerecht, wie nur dem Wahne oder bösen Willen das Vorurteil, als ob unser Volk zu agrikoler oder gewerblicher Arbeit ungeeignet oder solche zu leisten unwillig sei, entspringt, tvie ungerecht — sage ich — jenes Vorurteil ist. Ich habe hier nicht das Mandat, namens des Vorstandes unserer Kultusgemeinde zu sprechen; aber das Eine möchte ich Ihnen mitteilen, daß wir — es ist dies ein auffälliges Zusammentreffen — soeben, es war in der gestrigen Vorstandssitzung, in der Lage waren, einer von einer österreichischen Stiftung herrührend.tüchtigen Volkssehule, der Lämel-Schule in Jerusalem, eine Spende zu voiieren. In dem Büchlein, welches Sie erhalten, ist die Entstehn,,gsgeschiehte und der Werdegang der jüdischen Kolonien dargestell'. Vor 25 Jahren von Baron Edmond Rothschild gegründet und lange Jahre von ihm erhalten, sind sie nunmehr von der Jea übernommen worden und ist ihre Zukunft und — tvie tvir hoffen wollen — auch ihre Ausbreitung für alle Zeiten gesichert. Was sie dermal zu 'artiger, uns unverständlicher Zug von Spanierinm, ein ge-' wisse» Stolz, ein augenscheinliches Bemühen seitenunserer neuen Bekanntschaft, sich uns gefällig und nützlich zu zeigen, wovon wir auch später in der Hauptstadt Ungarns Gebrauch machten. Ich notierte mir ihre Namen, die ich dann auch in meinen im „El Liberal" publizierten Neisebriefen erwähnte und späte» in meinem Buche „Plumazos de un viajero“ („Das Nachtlager eines Reisenden") veröffentlichte. Sie hießen : Semarja M i t r a n y, zuständig nach K a l a r a s ch (Rumänien) und die anderen drei: Moses I s a a c, ferner dessen Sohn und Aron L e v t, wohnhaft in B e l g r a d. Zwanzig Jahr: später, am 24. August des Jahres 1903, brach ich mit meiner Familie um 5 Uhr morgens auf, um auf einem anderen Schiffe die Reise von Belgrad nach Orsova zu machen und von dort aus auf dem Schwarzen Meere nach C o n st a u t: n o p e l zu gelangen, um nicht den mazedonischen Insurgenten in die Hände zu fallen. Als wir uns, gleich nachdem sich der Dampfer tu Bewegung gesetzt hatte, auf dem Verdecke befanden, bemerkte ich, daß ein kleiner, magerer Herr von achtbarem Aeußern unserem Gespräche besondere Aufmerksamkeit zuwendete. In seiner Gesellschaft befand sich eine Dame mit grauen Haaren, dürrem, kränklich aussehendem Gesichte. Die Dame war schweigsam und ihr Begleiter richtete an sie in fremdartig klingender spanischer Sprache Worte des Trostes. Wir knüpften bald ein Gespräch an und erfuhren nach gegenseitiger Vorstellung, daß der Fremde ein hervorragender Gelehrter aus dem Oriente, ein geachteter Sprachenlehrer sei, der achtzehn — europäische und asiatische — Sprachen kultivierte. unter anderen: arabisch, hebräisch, deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch, griechisch, armenisch, slavisch, rumänisch . . .; er war Direktor der spanisch-jüdischen Schule in Bukarest und eben im Begriffe, mit seiner Frau eine Erholungsreise zu unternehmen und Linderung zu suchen für den Schmerz, den ihnen der erst vor Kurzem erfolgte Tod ihrer reizenden Tochter verursachte. Die Arme, eine, wie mir später in Bukarest versichert wurde, reizende Blondine, erlag einer Lungenkcankheit gerade in dem Alter, in welchem die Frauenreize sich am raschesten entwickeln. Obgleich dieser Jude eine hervorragendere soziale Stellung einnahm, als die früher Erwähnten — dieser war ein gelehrter Rabbiner, während jene dem Kaufmannsstande angehörten, so konnte ich wieder jene sonderbare Freude und einen gewissen Stolz über sein Zusammensein mit uns bemerken; seine Rede überströmte von Ausdrücken, welche dem Gefühle der Brüderlichkeit entsprangen. Seine Freudensausbrüche und schmeichelhaften Bemerkungen brachten uns oft in Verlegenheit. So erinnere ich mich an eine seiner Bemerkungen, mit welcher er sich an sein untröstliches, bewegungslos in das Wasser starrendes, Weib wendete: „Siehst du, wie uns die Vorsehung beisteht und Trost spendet? So müßte cs das Schicksal fügen, daß wir heute diesen Dampfer benutzen, hier diese Herrschaften aus Spanien, unserem geliebten Vaterlands, kennen lernen und uns mit ihnen befreunden. Siehst Au, wie gütig Gott ist?" Und in dieser Weise schwelgte der gute Mann fortwährend in Entzücken über das Glück, es anhören zu können, wie Söhne Spaniens seine Brüder über Wissenschaft. Fortschritt und Kultur, über Bildung und jene wahrhaft spanische Liebe sich äußern, von welcher er schon so oft geträumt hat. Diese reine und lcgendenartige Liebe zu dem Vaterlande seiner Urahnen, diese Anhänglichkeit und Zärtlichkeit, die er zufällig und zum erstcnmale ihm in den Weg geratenden Spaniern bewies, interessierten und bewegten mich zugleich; ich knüpfte bald eine engere Freundichaft mit dem hervorragenden Manne, den mir ein gütiges Geschick zuführte und nutzte seine sonderbare Devotion sofort ans, um meine persönlichen Kenntnisse zu bereichern, um sie dam, bei meiner Propaganda nach Gutdünken zu verwenden. Von 6 Uhr morgens, da wir die ersten Morte wechselten, bis 4 Uhr nachmittags, als wir in Orsova das Schiff verließen und das jüdische Ehipaar seine Reise nach Bulgarien fortsetzte, stockte unsere Unterhaltung nicht einen Augenblick. Da hatte ich reichliche Gelegenheit, das tiefe Wissen meines Reisegefährten, in der alten spanischen Literatur, seine gründlichen Kenntnisse der verschiedenen Sprachen und ihrer Literatur, schätzen zu lernen. Ein anmutiger E-zählcr, sprach er von den wunderschönen Märchen und Fabeln, an denen die alte spanische Literatur so reich ist, kurz, ich erkannte in ihm eirun Mensch-u höheren Wertes und immenser Bildung. Später erfuhr ich in K-nüantinopel, daß dieser ehrwürdige Mann — er heißt Enr qne Bejarano —ein im ganzen Oriente hochgeschätzter und angesehener Gelehrter sei. (Fortsetzung folgt.) Das religiöse Leben bei Ariern nnd Semiten. Dr. Friedrich Otto H c r tz. (Schluß.) „Die starke Betonung der „Gerechtigkeit" im weltlichen Sinne des Wortes, d. h. also des gesetzmäßigen und moralischen Handeln und der Werkheiligkeit im Gegensatz zu jedem Versuch innerer Umwandlung und zur Erlösung durch methaphysische Einsicht oder durch göttliche Gnade", sind in Chamberlains eigener Zusammenfassung lveitere Erscheinungen, die überall, tvo semitisches Blut oder semitische Ideen (also nicht nur jüdische! d. V.) eingedrungen sind, sich vorfinden. Tann müssen die arischesten der Arier, die vedisehen Brahmanen und die alten Iran irre, recht viel semitisches Blut aiifgenomme„ haben, nachdem, tvas Ivir über ihren Formalismus und Ritnalismus gehört haben. Es ist dies eben ein ganz natürliches EntwicklnngSstndinm jeder Religion. Daß aber die angeblich indogermanische Betonung der Gesinnung und der Erleuchtung durch Gnade dem Judentum nicht fremd geblieben sind, bezeugen zahlreiche Bibelstellen. Unaufhörlich »mhiien die Propheten, daß Gott nicht auf dir Opfer sehe, sondern auf das Herz, auf die Gesinnung des Menschen; nicht Ochsen nnd Schafe, sondern Liebcswerke (die mit denen der Bergpredigt übereinstimmend anfgezähsi ioerden) erfreuen ihn, nicht schwere Buße, sondern Sinnesänderung nnd Reue verschaffte seine Gnade, die Werke sollen aber nicht öffentlich vor den Auge» der Mensehen, sondern in, gehein,eu vollbracht werden. Und rächt nur die Propheten, auch die ganze nncyexiiische Literatur wieder^ holt diese Gedanke,, in mannigfacher Weise, besonders die Psalmen. Im gänzlichen Gegensatz zu Chamberlains Behauptung fehlt auch

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