Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 11. Marz 1904 Seite 5 abends. Zutritt haben nur organisierte Genossen. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Wie». (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter, „Zahlstelle Landstraße", 3. Bez., Pragerstraße 12, Slatkys Gasthaus.) Sonntag den 13. d. M., halb 3 Uhr nachmittags: Vortrag des Herrn Karl Hahn. Thema: «Neue Wege". Kollegen, erscheint zahlreich und pünktlich. Gäste willkommen. Wien. (Erster zionistischer Los- und Sparverein in „F ü n f h a u s".) Am 2. März dieses Jahres fand die Losverteilnng dieses im November 1001 begründeten ersten zionistischen Los- und Sparvereines statt. Er zählte 43 Teilnehmer, die wöchentlich 2 Kronen einzahlten. Es wurde durch 233 Wochen cingczahlt. Jedes Mitglied erhielt neben einem Bodenkreditlos 2. Emission, dessen Kurs K. 486.— betrug, »och 5 Kronen als Kursgewinn retour und außerdem wurden dem Nationalfonds 20 Kronen und zwei Humanitätsvereinen des Bezirkes je 8 Kronen gespendet. Diese gute Verwaltung des Vereines ist das Verdienst der Herren Isidor T n r n e r und Rudolf N u z e k, derer: Tätigkeit musterhaft zn nennen ist. Sofort nach der Verteilung faßten die Mitglieder den Beschluß, sich wieder zu konstituieren. Doch sollte die Mocheneinzahliing jetzt 5 K r o neu betragen. Dem Vereirr gehören meist ivohlhabende jüdische Kanfleule au. Damit aber auch Kleinbürger und Arbeiter Spartätigkeit entivickelrr könrren, wird in Fünfhaus ein ziveiter Losvcrcin entstehen, der derr Namen „Dr. Herzl" tragen soll und bei den: die Wochenbeiträge mrr 2 Kronen betragen. Beim alter: Losvereine wird die Losverteilnng schon nach einem Jahre möglich sein. Der rrene Verein kam: naturgemäß erst nach 2 Jahren girte Lose Verteiler:. Auch aus anderen Bezirken können Mitglieder beitrete». Selbst ans der Provinz Werder: Anmeldungen entgegengenommeri. Für der: ersten zionistischen Losvereir: bitten wir, sich an Herrn Isidor Turner, 14. Bez., Denglergasse 1, für den zweiten arr Herr,: Cafetier Autor: Stern, 16. Bez., Mariahilferstraße 180 zu wenden. Jeden Mittwoch-Abend ist Einzahlung. Wien. (V erein zur Hebung de ti G cf in e r,b c.) Am Sonntag der: 13. März, präzise 7 Uhr abends, findet im großen Festsaale des Nied.-österr. Gewerbevereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 11, ein Vortragsabend des Vereines statt: 1. Vortrag unseres Mitgliedes Herrn Stadtbaumeisters Victor S ch w a - d r o n über „Hebung und Verschiebung von Gebäuden" (mit Skioptikon-Lichtbildern). 2. Vortrag des Herrn Dr. jur. Hugo Schönbrunn: „Der Girustlirrg eir:er Königin". Damen urrd Gäste willkommen. Während der Vorträge bleiben die Saaltüren geschlossen. Wien. (V erein j ü d. j u g. Arbeiter „V r i - g i i1 e n a u".) Obiger Verein ladet hiemit alle Kollegen und Gesinnungsgenossen zu der Sonntag den 13. März, 3 Uhr nachmittags, im Cafe 20. Bez., Jägerstraße 16, stattfindendcn Versammlung höfl. ein. Referent: Koll. Bond » über „Warum organisiere:: wir uns, und rvarnm organisieren wir uns auf zionistischer Basis?" Andere Gäste stets willkomirrcr:. R. B. Wien. (Allgemeiner j ü d. A r b e i t e r v e r e i::, Sitz Cafe Blumschein, Unt. Aug. 19.) Am Samstag den 12. März findet im großer: Festsaale des Weilandhofes, 20. Bez., Klosterncubrrrgerstraße" 33 eir: K o st ü m k r ä n z ch c n (ohne Kostümzwang) statt. Koscheres Buffet. Juxpost. Damenspenden. Juxbazar. Die Musik besorgt die verstärkte Kapelle Fidler unter persönlicher Leitung. Karten im Vorverkauf 1 Krone, an der Kasse 1.40 K. — Die p. t. Vereine und Gesinnungsgenossen werden höfliehst ersucht, zahlreich zu ersehe irren urrd kräftig zu agitieren. Wien. (Hebräischer Sprechklub „Jvria".) Anläßlich des 25jährigen Schriftstellerzubiläums N. Mp ko low s veranstaltet der hebräische Sprechklub „Jvria" am Samstag den 12. März im Hotel Romania, 2. Bez., .Kleine Sperlgasse einen Festabend, zu dem die Verehrer des Jubilars hiemit höflichst eingeladen werden. Den Festvortrag hält Schriftsteller D. S. Silberb u s ch. Beginn präzise halb 8 Uhr abends. Bestinlmungen für Handlungsreisende in Rumänien. Unser .Konsulat in Bukarest bringt in einem Berichte die Vorschriften des rrirnüinscher: Gesetzes vom Jahre 1884 über den Hausierhandel, welchem auch die Reisenden ausländischer Handlungshäuser unterworfen sind, in Erinnerung. Die betreffeirden Bestimmungen würben bisher nur selten in vollem Umfange angewendet, Werder: aber, wie verschiedene Erfahrungen der letzter: Zeit zeigen, nunmehr strenge gehandhabt. Handlungsreiseirde in Rumänier: müsse»: hiernach, außer mit einen: ordentlichen durch das zuständige nrmänische Korrsrilaranrit vidimierten Reisepässe, mit der im üsterr.-ung. Handelsverträge vorgesehener: Gewerbe-Legitiinatioirskarte versehen sein. Außerdem ist der Handlrrngsreisende nach Zusatzverordnung vom 17. März 1884 zum rnriränischen Handlungsgesetze (Gesetz über der: Hausierhandel) verhalten, von jeder der von ihm Vertreter::'» Firmen ■eine in französischer oder irr rurnänischer Sprache verfaßte Vollmacht, welche gehörig legalisiert zu sei«: hat, bei der Handels- und Gewerbekammer oder bei der Ortsbehörde vorzirweisen bcziv. gegen Ansfolgung einer Bestätigung zu hirrterlegen. Für die Ausfolgnng dieser Bestätigung ist eine besondere Gebühr nicht zrr entrichten. Es ist jedoch für je eine bei der respektive» rumänischen Behörde zu deporrierende Vollmacht, bezw. deren Kopie, für die Erlangung eines bezughabenden Zevtifikates je eine mit einer —.30 Francs- Stempelmarke versehene Eingabe einzubringen, begleitet von einem S'enrpelbogen pro Francs 1.— ,auf welch letzterem das betreffende Z.ertifikat vor: der einschlägiger: Behörde ausgefertigt wird. Prag. Die jüdische V o l k s v o r s ch n ß k a s s a hielt am <>. März ihre Generalversammlung ab. Der Geschäftsbericht weist eine erfreuliche Steigerung der Agenda auf rrnd betont insbesondere die bei Geldinstituten vielleicht einzig dastehende Tatsache, daß während des vierjähriger: Bestandes auch rricht ein Heller Verlust zu verzeichne» ist. Die Ausschrrßmitglieder rrnd Revisoren haben auf die ihner: statutengemäß zufallende Remnneratior: zugunsten eines neu zu gründender: Pensionsfonds für Beamte urrd Bedienstete des Institutes verzichtet. Der Geldumlauf betrug im Jahre 1003 K. 5 982 006.46, der Reservefonds beträgt K. 15 000 und der Reingewinn K. 4683.33. Wie bekannt, erhält der Indische Volksverein in Prag, der dieses für die kleinen jüdischer: gelverbetreiberrde» Inder: so segensreich wirkende Institut schuf, 20 Prozent des Reingewinnes. Die 20 K. betragender: Anteilscheine werden mit 4.5 Prozent verzinst. Die ausscheidenden Ausschrißriütglieder lvurder: wiedergewählt, in den Ersatz nengewählt Herr Moritz Weltsch. Die Lokalitäten des Institutes befinde«: sich in Prag, Mariengasse 20. Prag. An: 28. Februar gab es wieder einmal ein lustiges Fest der Kleiner:. Purim stand ja vor der Tür und der stets rührige Jüdische Fmuenverein woll'e der jüdischen Jugend ein jüdisches Fest bereiten. Schon larrge vor Beginn des Festes, das der: Charakter eines Jahrmarktes in Jaffa trug, Ivar der geräumige Saal der Produktenbörse voll. Weit über 800 Kinder fanden sich ein, um das Pnrilnfest irr festlicher Weise zu begeben. Herzige Kostüme trugen die Kleinen und drollig war der Anblick, sie in voller Würde c.inher« schreiten zu sehen, besonders fiel eir: Knabe auf, der unserer Jugendzeitschrift „Jrurg-Juda" eine wirksame Reklarne machte. Kurz nach ball» 4 Uhr träte»: 12 Kinder unter Leitung des Mitgliedes des Deutschen Landestheaters, Herrn Richard Taussig, vor und exekrrtierte,: Haydns Kindersyinphvnie in formvollendeter Weise. Das Festspiel „Der Streit der Kleine,:. Purim und Chanukah", sowie die Violinvorträge der Geschwister Gnth, wurden mit stürmischem .Beifall gelohnt. Der Festzug, der sich durch das rege Getriebe des Jahrnmrktes, unter Vorantrift von zwei Herolde», betvegte, bot ein ärrßerst farbenprächtiges Bild. Nach Verabreichung einer aus Schokolade und Gebäck bestehender: Jarrse trat der Tanz in seine Rechte rrnd bis in die späten Abcndstirndcn blieb Groß und Klein vergnügt beisammen. Das Fest hat einen soivohl moralisch als auch materiell günstigen Erfolg zu verzeichnen. Gorlixe. Wie borniert unsere Juden in der Provinz noch sind, wie sehr sie bestrebt sind, sich mit einer chinesischen Mauer zu umgebe»:, wie sehr sie sich gegen das Eindringen vor: Fortschritt urrd Zivilisation wehre,:, zeigt eir: krasser Fall, den ich hiemit den g. Lesern des „Jüdischer: Volksblatt" mittcilen möchte. Die Direktion der hiesigen Harrdelsnr:d Gewerbebank hat — anläßlich der Verteilung des Jahresgewinncs — n. a. auch der: hiesiger: jüdischuatioualen Verein „Hatchija" mit einer Subvention bedacht. Bei der Generalversammlung der Mitglieder dieses Kreditinstituts wurder: auch alle Subventionei: genehmigt, nur gegenüber der Subvention für den Verein „Hatchija" entstand eine heillose Opposition. Der Verein — wurde aller: Ernstes behauptet — ist für das Judentum schädlich, denn er verdirbt die Jugend. Wodurch? Nun, rveil die jungen Leute dort Zeitungen lesen! Jawohl, Zeitungen, nicht rmr hebräische, nein auch deutsche und polnische Zeitungen werden dort gelesen, und horribile dictu l auch manchesmal eine Partie Schach gespielt. Bedeutet das keine Gefahr für das Jndentnrn, wenn die junger: Leute anstatt im Beth hanndrasch zu sitze,: und den Talmud zu studieren, im Vereine Zeitungen lesen? Es half aber nichts, die Subvention wurde verweigert und die Reaktion siegte. D. H. Rabbinerverband in Böhmen. (Generalversammlung.) Am 15. und 16. Februar d. I. far:d ir: Prag die ordentliche Generalversammlung des Rabbinerverbandcs in Böhmer: statt. Der: Vorsitz führte der Präsident des Verbandes, Herr Rabb. Dr. Kurrcin-Teplitz. Nach Erstattung des ausführlichen Tätigkeitsberichtes durch der: Präsidenten und des Kassaberichtes durch den Kassier Herrr: Dr. Schornstein-Leitmeritz beginnt die stattliche Reihe der Referate. 1. Herr Dr. S t c r n - Saaz referiert über die Notlvendigkeit ur:d über die Grundzüge der geplärrten Statutenänderung. Die G.-V. stellt im Sinne der Referenten-Anträge die Grundzüge der notwendigen Aenderuirgen fest; die Detail- Arbeiter: werden dem Ausschuß zugelviesen, der der nächster: G.-V. das neu ausgearbeitete Statut vorzulegen hat. — 2. Herr Dr. B i a ch - Brüx referiert über die „Verwendung übersetzter Gebetbücher und Bibel,: beim Religionsunterricht". Das Referat ruft eine lebhafte DebaKe und anregenden Gedankenaustausch hervor und der Ausschuß wird beauftragt, dasselbe nach eingehender Beratr:r:g neuerlich auf die Tagesordnung der nächsten G.-V. zu setzen. — Aus der: hierauf vorgenommenen Wahlen gingen als gewählt hervor: Dr. Kurrcin- Teplitz (Präsident), Dr. Stern-Saaz (1. Vizepräsident), Dr. Kisch- Prag (2. Vizepräsident), Dr. Schornstein-Leitmeritz (Kassier), Dr. Biach-Brüx (Schriftführer), Dr. Posnansky-Pilsen und Dr. Hofmann-Reichenberg als Beisitzer. Es folgt sodann die Fortsetzung der Referate und es referiert 3. Dr. K u r r e i n - Tcplitz über „Abhaltung religiöser Konzerte zu religiösen oder humanitären Zweckei: im Tempel". Der Referent verliest zunächst die von ihm eingeholte» Gutachten, welche fast ausnahmslos negativ lauten und motiviert dar:» eiugehend seine gleichlautende Anschauung über diese Frage. Der Bericht wurde nach kurzer Debatte genehmigend zur Kenntnis genornmcn. Es folgte sodann 4. der Bericht des Herrn Dr. Posr: a n z k y - Pilsen über die Tätigkeit des „Vereines zur Förderung der Wissenschaft des Juderrtums". Der beifällig aufgerwmmerre Bericht hatte zur Folge, daß über Antrag des Herrn Dr. Schornstein- Leitmeritz der Verband als solcher jenem Verein als Mitglied beitritt und daß überdies fast alle Anwesenden ihren Beitritt erklärten. 6. Dr. S ch o r n st e i n - Leiitmeritz macht Mitteilungen über der: Stand der Frage der Altersur:d Reliklerrversorgung; unter Hinweis auf das Ausscheiden des bisherigen Referenten Dr. Neumark- Nakonitz, der nach Berlin berufen wurde, erklärt sich der Referent bereit, dieses Referat zu übernehmen und gibt die Versicherung, alle Kräfte einzusetzen, um — wein: möglich — diese Frage einer gedeihlichen Lösung zuzuführen. Die G.-V. beschließt im Sinne des Referenten und bewilligt die für die Vorarbeiter: nötigen Mittel. 5. Das Referat des Herrn Dr. Stern- Saaz über die Herausgabe einer zeitgemäßen Uebersetzung der Textgebete wird nach längerer Debatte dem Ausschuß zur weiteren Beratung und Antragstellung zugewiesen. Beim letzter: Punkte der Tagesordnung „Freie Anträge" stellt Dr. B e a ch - Raudnitz einen ausführlich motivierten Antrag auf Schaffung einer Gesamtorganisatioi: aller Religionsdicner; der Antrag wird mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit dem Ausschuß zugewiesen. Dr. H o f m a n n - Reichenberg beantragt, den galizischer: Hilfsverein moralisch und materiell zu unterstützen. Dr. S ch o r n st e i r: - Leitmeritz unterstützt diesen Antrag und beantragt im besonderen, daß der Verband feilte Mitglieder als Wanderredner innerhalb ihrer Bezirke dem galizischer: Hilfsvercin zur Verfügung stelle. (Angenommen.) — Dr. P o s n a u s ky- Pilser: dankt dem Präsidium und dem Ausschuß für ihre ersprießliche und opfertvillige Tätigkeit. Der Präsident erwidert mit Worte,: des Dankes für die unermüdliche Ausdauer der Mitglieder und schließt die Versammlung. Der getaufte Arzt als „Patriot". Vorige Woche fand vordem V u d a p e st e r Strafgerichte die Verhandlung über eine Preßklage statt, welche der gekaufte Arzt, Dr. Martin Sugar (vor der Taufe: Sonnenschein) gegen den jüdischen Universitätsdozenten Dr. Max Schächter angestrengt hatte, weil ersterer sich im Verlaufe einer zwischen beider: entstandenen medizinischen Polemik durch mehrere Aeußerungen Dr. Max S ch ä ch t e r s „verleumdet und beleidigt" fühlte. Nun wollte der Verteidiger des Angeklagten durch Zeuger: und Dokumente Nachweisen, daß Dr. Sugar, der als „Patriot" auftritt, über Urigarn schorr geschmäht, daß er sich falsche Titel beigelegt, einen falscher: Heimatsschein verwendet habe, daß gegen ihn schon einmal ein Haftbefehl erlasse,:, er von der Wiener Universität verwiesen, in T e m e s v a r geohrfeigt worden sei (der Marrn Ivar entschieder: reif für derr — Austritt aus dem Judentrime. Red.) usw. Der Gerichtshof ließ jedoch über all dies den Wahrheitsbeweis n i ch t z u. Ir: seiner Schlußrede sagte der Angeklagte Dr. Max S ch ä ch t e r, ein überzeugungstreuer Jude, unter anderem folgendes von Dr. Sugar: Bon den Hochschulen. Der Dozent an der Wiener Universität und Professor an der Staatsrealschule im 18. Bezirk, Dr. Leon Kellner, wurde zum außerordentlichen Professor der englischen Philologie an der Universität in Czernowitz ernannt. Ausland. Die österreichische Post in Jerusalem. Die österreichische Post in Jerusalem veröffentlicht in den dortigen Blättern ein Zirkular, in welchem bekanntgegeben wird, daß die k. k. österreichische Postverwaltung zwei Briefträger ang .stellt habe, weil von nun an die durch die genannte Postverwaltung anlangenden Briefe den Adressaten gratis z u g e st e l l t werden sollen. Es ergeht nun die Aufforderung an alle diejenigen Bewohner Jerusalems, welche durch die österreichische Post ihre Sendungen erhalten, derselben ihre genaue Adresse (Gasse, Hausnummer u. s. w.) bekanntzugeben, sowie auch ihre im Auslande lebenden, und mit ihnen korrespondierenden Verwandten, Freunde rc. zu veranlassen, auf ihren Postsendungen die Adreffe genau und leserlich anzugeben, damit die Zustellung der Post raschestens effektuiert werden könne. Die österreichische Post in Jerusalem übernimmt auch die Beförderung von österreichischen Geldwerten und zwar sowohl Banknoten, wie auch Gold, Silber und Nickel. Jubiläum der Bibelgesellschaft. Aus London wird uns vom 6. d. M. geschrieben: Auf Veranlassung des evangelischen Kirchenrates wird heute in allen evangelischen Predigten auf die englische und auswärtige Bibelgesellschaft hingewiesen werden, die morgen das Jubiläum ihres hundertjährigen Bestandes feiert. Der heutige Tag wird aber als Bibelsonntag außerdem in der ganzen christlichen Welt gefcievt werden, insbesondere in Lom don, wo in der St. Panis-Kathedrale vor dem König und der Königin der Erzbischof von Canterburh über die Bedeutung der Bibelgesellschaft sprechen wird. Der Mangel an Ausgaben von Bibeln in wallisischer Sprache au: Anfänge des vorigen Jahrhunderts war die mittelbare Veranlassung, daß ans dem Schoße der kurz vorher begründeter: Traktatgesellschaft die „English and Foreign Bible Society" am 7. März 1804 konstituiert wurde, die rasch eine hohe kulturelle Mission erlangte. Ihr Zweck war, die Heilige Schrift in möglichst billiger:, aber dabei guter: Ausgaben in die weitesten Kreise des Volkes oder vielmehr der Völker zu bringen. Wie sehr sie während eines Jahrhunderts diesen Zweck erfüllte, beweist der Umstand, daß sie etwa 175 Millionen Exemplare verbreitete und mehr als 300 Millior:en Kronen hicfür verausgabte. Da sie nie die Bitte einer Missionsgesellschaft, eine authentische Uebersetzung der Bibel in einer neuen Sprache zu drucke,: und zu verbreiten, abgelehnt hat, hat sie sehr viele neue Bibelübersetzungei: veranlaßt und die Liste der Gesellschaft enthält heute vollständige Bibeln in mehr als 100, Teile derselbe!: in mehr als 360 Sprachen. Einen intevessa:rten Einblick in diese polyglotte Tätigkeit gewährt eine um wenige Heller erhältliche Broschüre, die eine Bibelstellc — zumeist den 16. Vers aus dem dritter: Buche des Evangeliums Johannes — in 402 verschiedener: Sprachen und Schriften enthält, wozu ungefähr 60 Alphabete nötig waren. In manchen dieser Sprachen ist die Uebersetzung der Heiligen Schrift durch die Bibelgesellschaft überhaupt das erste gedruckte Buch gewesen. Die Gesellschaft ist heute über die ganze Erde verbreitet und besitzt in allen Ländern Agenturen und Niederlassungen, die mit dem Vertrieb ihrer Druckschriften beschäftigt sind. Ihre Tätigkeit wächst von Jahr zu Jahr, im Jahre 1903 hat sie die Heilige Schrift vollständig oder in einzelnen Teilen in fast sechs Millionen Exemplaren, das ist um beinahe 900 000 Exen:plare mehr als im Vorjahre verbreitet. Etwa 650 000 Exemplare hievon fallen auf Mitteleuropa und mehr als 200 000, das ist fast 700 Exemplare täglicher: Absatzes — eine vorher noch nie erreichte Zahl — aus Oesterreich-Ungari:. Seit dem Jahre 1864 besitzt die Gesellschaft eine Niederlassung in Wien. Giu jüdischer Meisterschwimmer. Der Wiener Schwimmklub „Austria" schreibt in seinem Rechenschaftsb-wichte: In der Zeit vom 31. März bis 4. April gewann Ruberl in Cleveland die Meisterschaften von Der Kläger st e l l t e s i ch, a l s e r W i e:: verließ, als Opfer des Antisemitismus hin, während er hier v o r: Juden verfolgt sei n w i l l. Ich f ü r ch t e, daß Dr. Sugar sich an sein e r f r ü h e reu Konfession d a - d u r ch r ä ch e n Iv : r d, daß e r e i n st :: o ch z u m I u d e n - t n m ezur ü ck kehr t. Der Gerichtshof verurteilte schließlich Dr. S ch ä ch t e r zu einer Geldstrafe v v n z w e: - taufe n d K r o n e >:. Die Tochter des Knltuspräsidenten. Moritz W a h r m a >: n war nicht nur Reichsiagsabgeordneter, sonderr: auch Führer der nevlvgen Juden Ungarns und viele Jahre hindurch P r ä s i d e n t der B u d a p e st e r N e o l o g e >: g e m e: n d e. Wie jüdisch der vor einigen Jahren Verstorbene seine Kinder erzog, zeigte sich bald nach seiner,: Tode. Der Vater war noch nicht recht begraben, als sich die beider: Söhrie taufei: ließen. . Die einzige Tochter W a h r m a n n s, Renee. die an den jüdischer: Großindustriellen , Isidor v. Krauß verheiratet war, ließ sich bald darauf von ihrem Manne scheiden, nahm die Taufe und verheirall'te sich an den ch r i stl i ch e ii' Grundbesitzer vor: B e r e t b n s. Nach kurzer Ehe starb Beretvas und nun hat die „berühmt" ge!vorder:e Dame vor einigen Tagen in einer Budapester Kirche mit den: Gutsbesitzer Bcla von Fay der: Bund der Ehe geschlossenI Diamantene Hochzeit. Der Begründer der Oedenburger Kultusgemeiude, Herr M. A. Dux. feierü' kürzlich daselbst mit seiner Gattin das Fest der diamcn,tonen Hochzeit im engsten Familier:kreise, :m:geber: von aller: Söhnen, Töchter»:, Enkeln und Urenkeln. Amerika über 220 Aards, */4 und Vs englische Meile gegen erhebliche Konkurrenz bei dichten Feldern. Nunmehr folgten 3 Monate systematischen Trainings unter W a h l e's Anleitung, worauf Ruberl im August an den Festen des Ottawa C a n o e-K lub zu Rockcliff e-O t t a w a in Canada teilnahm. Die Canadischen Meisterschaften über 100 und 440 Jards und über die 1/i englische Meile an einem Tage ausgetragen und in großem Stile an sich zu reißen, waren neue Triumphe, die in dem frenetischen Beifalle der zahlreichen Zuschauer ein lebhaftes Echo fanden. Seinen Siegeslauf beschloß Ruberl durch sein treffliches Abschneiden in den Meisterschaften der Amateur Athletik-Union am 11. und 12. September, in welchen er über 220 Jards, die 1/2 und 1 englische Meile jedesmal als erster landete. 10 Meisterschaften und 5 anerkannte neue amerikanische Rekorde, bilden den Rahmen seiner glanzvollen Erfolge im vergangenen Jahre und möge er auch fernerhin fortschreiten auf dieser ruhmreichen Bahn des Championats, zu seiner und seines Vaterlandes Ehre. Das holländische Gesetz über die Sonntagsruhe. In Holland wird jetzt eine allgemeine Gesetzesrevision vorgenommen. An Stelle veralteter Gesetzesbest:mmur:gen sollen neue, moderme treten. Diese Revisior: wird im allgemeinen durch einen liberalen Zug gekenuzeichm't, wie er vielleicht ir: der: Gesetzen keines anderen Staates Vorhände»: ist. Unter anderem wurde auch das Gesetz über die Sonntagsruhe — modernisiert. Die diesbezüglichen Gesetzesparagrapher: lauten: „Der allgemeine Ruhetag ist der Sonntag." Artikel 361: „Ir: Fabriker: und Ateliers hat die Arbeit am Sonntag unbedingt zu ruhen." Art. 362 fügt jedoch hinzu: „S o l ch e Arbeite r, welche in: Sinne ih re r Relig ion einen andere:: Ruhetag als der: S o r: r: t a g haben u r: d a n d e m s e l b e»: von der Arbeit ruhen, dürfen au: Sonntag arbeite Ir: Holland herrscht jetzt ein klerikales Regime und es hat glärrzend betviesen, daß der gesunde, aufrichtige K l e r : k a l: s - m u s mit der Verfolgung anderer Religionen nichts zu tun hat. Wie weit liegt aber Holland von — Galizien! Jüdisch» Gelehrte bei der Weltausstellung in St. Louis. Unter den Gelehrten, welche eingeladen wurden, auf dem während der Weltausstellung in S t. L o u i s stattfindenden „internationalen Künstler- und Gelehrtenkongreß" Referate zu übernehmen, befinden sich folgende Juden: M. Bergson, Mitglied des Instituts in Paris über „Philosophie", Professor Le vi vom College de France über „Geschichte der Sprachwissenschaft^, Profesior Goldziher—