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Jüdisches Volksblatt · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Wien, FreitÄg Jüdisches Volksblatt, 11. März 1904 Nr. 11 Zeilungsschau. Uganda redidivus. Der „Jewish Chronicle" vom 26. Februar schreibt: N i ch t - z i o u i st i s ch e Konzessionen in O st - a f r i ka. . Die Zionisten sind nicht die einzige Körperschaft, die mit der Regierung wegen des Erwerbes bon Boden in Ostafrika Verhandlungen pflegt. Mr. C a t h c a r t W a s o n M. P. (Parlaments' Mitglied), der soeben nach einer mehrwöchentlichen Reise, in Uganda nach London zurückgekehrt ist, richtete am 28. Februar eine Anfrage an den Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenbeiten, Earl P e rc p, ob derselbe die Namen der Personen, denen neulich j gegenüber sind nur die Sozialisten und die radikalen Parteien per große Konzessionen in Ostafrika für 600 Quadratmeilen Land er-j schiedcner Staaten, denen eine Niederlage Rußlands, als des grüß teilt wurden, angeben könne. Earl Percp gab folgende Antworteten monarchischen Starkes, nur angenehm sein könnte. Ich weiß Tat zu einer dauernden Quelle der Befriedigung seiner ideellen und materiellen Bedürfnisse werden! Minister v. Plehwe über die politische Lage. Der Petersburger Korrespondent der „R. Pol. Korr." ist dieser Tage bon dem russischen, Minister des Innern p. Plehwe empfangen worden, der sich unter anderem folgenderniasten äusterte: „Wir sind hocherfreuit, zu sehen, das; Deutschland mit uns entschieden sympathisiert! Auch in Frankreich und in Oesterreich-Ungarn ist die Stimmung für uns entschieden freundlich und ich glaube nicht, das; durch das Dazlvischei'/reten fremder Mächte Komplikationen entstehen werden. Unzufrieden mit der sympathischen Haltung der Zentralmächte uns 600 Ouadratmeilcn Land tvcrdcn fetzt an das Ostafrika-Syndikat verpachtet, unter Bedingungen, die Pom Schatzministerium S. M. genehmigt worden sind. Tie Auswahl des Platzes hat im verflossenen Jahre durch den lokalen Vertreter des Syndikats stattgefunden, wobei auch der Kommissioner S. M. zu Rate gezogen wurde. es allerdings, das; ein Teil der europäischen Presse, in mißverstand lieber Auffassung der inneren russischen Politik, auch jetzt wieder bestrebt ist, Rußland zu diskreditieren. Die systematische Hetze nihilistischer Elemente unter den russischen Juden (?) hat diese Haftung der fremden Presse gegen uns veranlaßt. Wenn man ES werden auch Unterhandlungen gepflogen wegen der Ver- Pachtung gewisser Waldstreekcn in der Nähe der Küste an Firmen,' Kisehenew die sich mit der Produktion und Fabrikation von Bauholz und Gummi durchaus vellbästinen. ant informierten Zionistischen Kreisen ist man der; INNN ihn Die Verpachtung lvird den Vorschriften der East Africa Crown aber im Auslande diese Leute besser kennen würde, so müßten die Lands Ordinance 1902 gemäß, die sich in der Parlamentsbibliothek Lügen dieser Feinde Rußlands auf unfruchtbarem Boden fallen, befindet und nach welcher die Rechte der Eingeborenen vollkommen^ Da aber leider nicht der Fall ist, so können diese Verleumder beachtet sind, vor sich gehen. _ | ungestraft der europäischen Meinung permanent ihre Ammenmärchen j über die angeblich (sic!) bon uns veranlaszten Jndenhetzen in tv usw. auftischenI" Der Minister betonte sodann, daß er . mcfy der schlimme Feind der I il d e n sei, (?) für den beschäftigen. In gut informierten zionistischen Kreisen rst man der - man ihn halte, äußerte sich ziemlich beruhigt über die Bauern- und Ansicht, daß Mr. Wason (der, wie tvir gezeigt haben, für die Arbeiterbewegung, während er meinte, die radikalsten deutschen Einschränkung der Einwanderung nach England ist) mit feiner Inter-, Sozialisten seien harmlose Liberale im Vergleiche zu den russischen pellation die zionistischen Unterhandlungen wegen einer Siedlung der, Anarchisten der verschiedensten Richtungen. Diese Leute hätten den Juden in Britisch-Ostafrika im Auge hatte. . _ .. j Meuchelmord zum System erhoben und schreckten vor keinem Ver- Wir erfahren auch, daß das Land, welches man bei sonstigen . brechen zurück. Die Lage in Finland habe sich gebessert, das Entgünstigen Bedingungen für eine jüdische Siedlung zu erwerben hofft,; gegenkommen der Regierung bei der Erinnerungsfeicr für den Naviel größere Ausdehnung als 600 Quadratmeilen haben wird.! tionaldichter Runeberg habe in ganz Finland angenehm berührt, und Mr. W a s o n hat an den Untcrstaatssekretär folgende 0n-! Cl- {joffc auf eine friedliche Entwicklung. Bitter beklagte sich der frage gerichtet, die wir samt der Antwort aus einem Parlaments berichte mit der Aufschrift: „Die z i o n i st i s ch e Sied l u n g" entnehmen: „Mr. C. W a s o n fragte den Unterstaatssekrctär für auswärtige Angelegenheiten, ob er dem Parlamente die Bedingungen, unter welchen im verflossenen Jahre den Zionisten eine Landkon Minister über die Lügen der armenischen Hetzer. Schließlich kam das Gespräch nochmals auf das B e r h ä l! u i s z tv i s ch e n D e u t s chl a n d rind R u tz l a n d und die Stellung des deutschen Elements tu Rußland selbst. — Dieses Interview beweist aufs Neue, das; Plehwe ängstlich bemüht ist, Europa eiuzulullen; es ist aber fraglich, ob ihm das gelingen wird. Tenn durch den Prozeß ist betviesen worden, daß sich die russische Negierung durch die K i s ch e n e w e r Mnssacres ihre Hände beschmutzt hat. Und weil es das erstecrh alten werde."! mal so gut ansgegangcn ist, arrangiert die Regierung im Stillen Earl Percp: „Ich werde erwägen, welche Dokumente mau j ein zweites Kisehenew; wenigstens geht dieses Gerücht durch das vorlegen könnre. Die genaue Ausdehnung und Lage der den Zionisten! weite Rußland. Das hindert aber nicht, daß die russische Negierung angebotenen Landfläche und der Charakter der ihnen zustehenden > sich bitter über den Bruch des Völkerrechtes beklagt, der ihm r genau festgesetzt worden. A u f i ^on Japan widerfahren. Diese armer Zession angeboicn wurde, bekannigcben wolle; wie groß diese Kond Zession sei, wo sie gelegen sei und ob das Angebot n o ch a u f r e ch t j § örtlichen Autonomie sind noch nicht die letztere Frage aber kann ich eine bejahende Antwort erteilen." Diese Mitteilungen der „I. C." werden von der „Welt" reproduziert. Sie sind eine neue Bestätigung unserer schon seinerzeit ausgesprochenen Meinung, daß das bekannte Telegramm in der „Hazefirah" nicht authentisch war und das; die englische Regierung ihr Angebot nicht zurückgezogen hat; andererseits ist die vorsichtige Antwort P e r c y s betreffs der Lage der Konzession und der Zuerteilung der Autonomie bemerkenswert. Damit stimmt überein, wie wir schon seinerzeit meldeten, daß die englische Negierung ihr ursprüngliches Angebot modifiziert hat und statt des in Aussicht gestellten' günstigen Terrains sehr ungünstiges Terrain schließlich offeriert hat. Ueberdies können wir Mitteilen, daß in der Sitzung des grioßen A.-C. am 11. ds. M. die Ostafrika-Frage entschieden werden soll. „Altneuland" Nr. 3 schreibt: Bolksdomänen in Palästina. Die „Kommission zur Erforschung Palästinas" unterbreitet der jüdischen Oeffentlichkeit folgenden Vorschlag: Die gemäß Beschluß des 6. Kongresses mit den Mitteln des Nationalfonds angekauften und noch anzukaufenden Ländereien Palästinas werden zu „Volksdomänen" erklärt. Es wird unter dem Namen „Oelbaumspende" eine allgemeine Geldsammlung für den Volksdomänenfonds eingeleitet, zu dem Zwecke, die Volksdomänen mit Olivenbäumett zu bepflanzen undderavti für die ideellen Zwecke des jüdischen Volkes nutzbar zu machen. Als Mindestspende wird die zur Pflanzung uttd Pflege eines Oclbaumes bis zu seiner Selbsterhaltung nötige Summe von 6 Mk. oder 7,50 Francs oder 3 Rubel oder 6 Shilling oder 1,5 Dollar festgesetzt. Der Name des Spenders wird mit der Nummer des von ihm gestifteten Baumes in ein Spenderbuch eingetragen. Der Spender erhält eine Kopie dieser Eintragung. Die Spenden von mindestetts zehn Bäumen, mit denen ein Dunam (Gartenparzelle) bepflanzt wird, Iverden in ein eigenes Donatorenbuch, die Spenden von mindestens 100 Bäumen, die für 1 Hektar (Garten) ausreichen, in das goldene Buch des Nationalfonds eingetragen. Außerdem tragen die innerhalb der einzelnen Volksdomänen angelegten Gävten resp. Garteitpaczellen den Namen der Stifter oder eine von ihnen in Vorschlag gebrachte Benennung. Der Stifter von mindestens 1000 Bäumen (für 10 Hektar) gibt einem ganzen Olivenhain seinen oder einen von ihm bestimmten Namen. Es föttneit allerdings auch Vereine und Verbindungen aller Art, Familien, Landsmamtschaften und andere Korporationen als Spender, Donatoren und Stifter eiitgetrageit werden. Tie jüdischen Zeitungen werden aufgefordert, diese Spenden unter dem Titel „Oelbaumspende" entgegenzunehmen und auszuweisen. Alle Spenden und Stiftungen werden an den Jewish Colonial Trust abgeführt, der den Volksdomänenfonds ebenso wie den Nationalfonds Verwalter. Auf diese Weise wird es keine Schwierigkeiten machen, für die aus dem Nationalfonds angekauften Ländereien die Mittel zu ihrer sofortigen Bepflanzung bereitzustellen. Die Verwaltung der Volksdomänen wird einer vom Kongreß eingesetzten und vom A.-C. überwachten Kommission übertragen. Die „Kommission zur Erforschung Palästinas" erbietet sich, die Grundlage der Organisation zu schaffen und dtlrch ihre fachmännischen Beamten und Mitarbeiter in Palästina die ersten Abgrenzunas- und Pflauzarbeiteu ausführen zu lassen, bis der Umfang der Geschäfte eine eigene Verwaltting erfordert. lieber die Verwendung der freilich erst nach 8—10 Jahren zu erwartenden Einkünfte dieser Volksdomänen wird auf einem Kongreß Beschluß gefaßt werden. Wir möchten aber schon jetzt befürworten, daß die Einnahmen der Volksdomänen zur (Gründung und Unterhaltiuig von Hochschulen in Palästina verwettdct iverden. Ideelle Arbeit für ideelle Güter. Da der künftige Ertrag pro Hektar Olivenlcmd auf miitdestens 300 Francs zu veranschlagen ist. so würde schon die Bepflanzung der dem jetzigen Stande des Nationalfonds entsprechenden Ländereien (etwa 3000 Hektar) gcltügen, um eine Hochschule zu unterhalten. Llher auch materielle Güter würden geschaffen: Tausende von jüdischen Arbeitern oder Erbpächtern werden bei beu Volksdomälien dauernd ihren Unterhalt finden, neue Industrien werden in Palästina entstehen, die Ausfuhr sich vermehren und Handel und Wandel erblühen. Möge dem jüdischen Volke die unserem Vorschläge nachfolgende Japan widerfahren. Diese armen Russen! Gracchi de seditione gnaerentur. Ja, hat demt Plehwe vor den Kischenewer Massacres zuerst offiziell den Inden den Krieg erklär!? Die„Nutheuischc Revue" schreibt: Panrussentum oder Panmongolismus? Rmtdbemerkungen zum japanisch-russischen Kriege. Von A. .K—j. (Petersburg). Es ist eine unrichtige Meinung, das; ttur das offizielle Rußland, sowie die panslavistisch sich nennende Partei in Rußland von der zivilisatorischen Mission des russischen Elements in zwei Weltteilen beseelt sind und das, was man unter dem politischen Testament Peter des Großen versteht, in ihr Programm, ausgenommen haben. Denn auch ein großer Teil der revolutionären Elemente ist panrussisch gesinnt, ebenso die in. Westeuropa als liberal bezeichneten Russen. Alle sie sind Gegner jedes nationalen Separatismus und möchten das russische Meer alles überfluten lassen. Der Unterschied liegt nur in den Mitteln, mit deren Hilfe man das Ziel zu erreichen hofft. Das offizielle Rußland sowie die Panslavistenpartei inöchten unter der Aegide des beinahe asiatischen Despotismus mit Gewalt — wenn nötig, mit Blut und Eisen — alle nationalen Unterschiede ausrotten und dem Gesamtreiche ein einheitliches Gepräge geben. Man schreckt vor keinem Mittel zurück, wenn es gilt, das Zarenreich der Erfüllung seiner Pläne näher zu bringen. Das ganze Reich wird mit einem Netz bon Spionen lind Gendarmen umsponnen. Die Blüte der Jugend überfüllt die russischen Gefängnisse oder bevölkert die Einöden Sibiriens. Jeder intelligente Mensch, insbesondere jeder Student, wird als ein Staatsfeind betrachtet. Das deutsche Schulwesen muß ebenso vernichtet werden, wie das armenische und grusinische, das ruthenisch-ukrainifche Volk muß cbeitso geknebelt und mundtot gemacht werden, wie das finische. Kurz und gut, jede Ktllttir wird vernichtet, denn die pcntrussische Herrlichkeit kann sich nur auf den Trümmern anderer erheben. Auch Fürst Uchtomskij möchte den Triumph des Panrussentums sehen, er möchte Rußland zu einer den Osten mit dem Westen verbindenden, beide aber beherrschenden Weltmacht gestalten. Das beste Mittel dazu sielst er in dem rttssischen Absoluiisnms. Diese Anschauung entwickelte Fürst Esper Uchtomskij sehr deutlich in seinem zu Petersburg im Jahre 1900 herausgegcbenen Buche: „Zn den Ereignissen in China — die Beziehungen des Westens mtd Rußlands znm Orient." Jir diesem, für die russische Politik so charakteristischen Buche lesen wir: „Wird der russische Staat durch die äußere Uebermacht Europas besiegt Iverden, dann werden sich die nicht durch uns erweckten asiatischen Völker gegctt uns wenden". Er behauptet ferner, der russische Absolutismus sei eine kostbare Erbschaft der tartarischcn - Chanen, eilt moralischer, Rußland tntd Asiett verbindender Kitt. Am Schluß seiiter Ausführungen sagt er wörtlich: „Ohne diese it Absolutismus wäre es für Asien nicht möglich, Rußland lieb zu gewinnen mtd sich mit ihm ohne Schmerzen ztt vereinigen; ohitc ihit könnte uns Europa sehr leicht zergliedern und schwächen, so wie es mit den schwergeprüften West-Slaven getan." Uchtomskij will aber eilten aufgekkärten Absolutismus. Erweis; nur zu gut, daß das heutige Zarellreich nirgends Sympathien haben kann, daß dessen Regiment imr bcu europäischen Detektiven lind Polizisten, iticht aber den europäischen Völkern imponiere. Nicht anders verhält es sich mit manchen revolutiolläreit Gruppen. die bloß die Anschauung vertreten, daß auch eine konstitutionelle Monarchie, ja sogar eine Republik, durchaus zentralistisch sein költne. Sie bekämpfen jeden nationalen Separatismus und nwtibierell das damit, daß die nationalen Sonderinteresscit die .Kräfte der Völker Rußlands im Kampfe gegen den Absolutismus nur schwächen. Freilich läßt sich das tticht bon allen revolutionären Gruppen sagen. Gemeinsani haben fast alle russischen Parteien noch das eilte, oaß sie nämlich alt eilte spezifisch russische Welt glattbett uttd Westeuropa, sowie dessen Kultur als etlvas Rußlaitd ganz Fremdes betrachten. Westeuropa und Rußland, das sind nach ihrer Vorstelliutg zlvci besondere Welten, die früher oder später aneinander gerawn müssen. Dieser Auffassttng gab auch Fürst Uchtomskij wiederhol! Ausdruck. Er betrachtet Rußland als den Erbeit aller politischen Konzeittriermtgsideen. insbesondere aller Staatsideett Asiens. Das slavische Riesettreich, unterstützt von allen slabischen Stämmen, soll langsam auf friedlichem Wege in Asien sich festsehett mtd dann zur Beherrscherin zlveier Weltteile werden. Noch am Vorabend des Abbruches der diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und Rußland schrieb Uchtomskij in seinem Organ ,,S. Petcrsburgskija Wjedomosti": „Es gibt keinen Partmongolismus, keitt „Asien für Asiaten", kein Japan, das den erwecktett Orient gegen Europa lenken könnte, — das gibt es nicht und kann es nicht gebet!. Alle diese Ideen der Weltherrschaft (in den Grenzen der alten Welt), von welchen die grössten Monarchien des Altertums und des Mittelalters beseelt waren, sind nämlich in Blttt und Fleisch des russischen Volkes übergegangen." Das kühlte Vorgehen der Japaner, der plötzliche Ausbruch der Feindseligkeiten kam also für die meisten unerwartet mtd unerwünscht. Man war ans eine friedliche Ausbreitung der russischen Herrschaft in Asien gefaßt. Man hat eine kühne Erpressungspolitik betrieben. Die meisten sahen aber ein, daß der Krieg ttur schädlich sein würde. Denn selbst Ivcmt Rußlaitd aus dem Kriege siegreich herborginge, würde dieser Krieg dessen „friedlichctn Fortschreiken" in Asien einen starken Riegel vorgeschoben haben, die „Sympathien" der asiatischen Völker iverdett tticht mehr so sicher sein, ja man kann auch von der Möglichkeit des Erwachens eines schlntnmerttden Antagonismus gegen die rnssischctt Eittdringlinge reden. Eilt Pantnongolismus als politischer Faktor existiert tticht, er frttm aber unter dem Einfluß der in Asien vordringenden moskovitiscben Macht entstehen. Die Gefahr besteht also auf jeden Fall in der moskovitischen Erobcrmtgspolitik. Zur Zeit existieren „in den Grenzen der alten Welt" überhaupt fetitevfet „Pan-ismen" — darin sind wir mit Herrn Uchtomskij einig — nur Rußland hat den P a n r u s s i s m t, s (fälschlich Panslavismns genannt) erzeugt, ttur dieses Reich beriitag immer tintcr der Devise divite et impera die europäischen Staatctt gegeneinander anfzuwiegelit und seine Macht bestäitdig auszubreiten. Der nunmehrige Krieg kantt aber für diese Politik auch aus anderen Gründen verhängnisvoll werden. Er enthüllt Rußlands Schwächen, den Nepotismus, die Bestechlichkeit — Uuverläßlichkeit der russischen Bnreaukratie, den Bankerott des Absolutismus sowohl uach attßen, wie nach iitucu. Matt stiggcriert dem Volke die Furcht vor der gelben Gefahr; sucht es zu überzeugen, daß cs der nach Weste» vordrätigeitde Panmongolisnttis war, der dctt Krieg herausbeschworen hat; Lcgiotten dienste in den Synagogen an — die erschrockenen Rabbiner gehen aber in ihrem patriotischen Eifer weiter und spenden einige Rubel „für die rttssische Flotte", welche Spenden in den Berichten der Zeitungen zu Hunderttausendcn hcranwachsen. Man kann eben auch ans dem Gebiete des Patriotismus Potcmkin'schc Dörfer bauen . . Sei dem wie immer, Tatsache ist es, daß die Völker Rußlaitds vor allem unter dem Panrussismtts leideit, das; ihnen derselbe viel schrecklicher ist, als der Panmongolismus. Die Mongolen, selbst die Tartaren zur Zeit ihrer Schreckettsherrschaft in Cuopa, haben itiemals solche Gesetze eingesührt, wie eS der Ukas vom Fahre 1876 ist, lmit dem keine Zeitung in der ruthcnisch-ukrainischcn Sprache in Rußland erscheinen, kein öffentlicher Vortrag gehalten, ja tticht einmal in der Kirche gepredigt werden darf. So ein Ukas existiert unseres Wissens in keinem Mongolen-Staate. Deshalb glauben wir, daß ein Sieg der Japaner in diesem Kriege ein Glück für die Völker Rußlands bedeuten würde, demt das offizielle Rußland, beleidigt in seincir asiatischen Jltstinktcn, müßte seine Völker mehr europäisch behandeln und seine asiatischen Plätte eine Zeit lang auf den Nagel hängen. Chronik. Inland. Gedenktage. März. 9. 1888 st. 5iaiser Wilhelm der Erste. 10. 1856 st. i. Neapel Freih. Karl Mayer v. Rothschild. 1869 ft. i. Leipzig der Komponist Moscheles-Prag. 1874 st. i. Ncw-Nork Rabb. Jon. Bondi „The Hebr. Leader". 1902 st. i. Berliit d. Schriftft. Jenny Hirsch. 11. 1834 geb. i. Nachod Rabb. Ph. Lederer. 1841 geb. i. Venedig Minister Luigi Luzatti. - 1897 st. i. Altstrelitz d. Gennattist Dan. Sanders, Ehrenb. 12. 1806 geb. i. Danzig Schriftft. Rahel Meyer geb. Weiß. 1894 st. i. Wiett d. Dichter u. Schriftft. Lud. Aug. Frankl, Ritter v. Hochwavt. 13. 1852 geb. i. Berlin Oscar Blumenthal, Lustspieldichter. 14. 1001 gcst. i. Prag d. Kais. Rat Mordechni Meisel, Philanthrop. 16. 1855 st. i. Deutsch-Rust (Böhmett) d. Forschnngsreis. Ed. Glaser. 1877 gest. i. Paris d. Philanthrop Dr. Alb. Cohn. Ada r. 26. 1866 st. i. Berlin Prof. Dr. jur. Jul. Nubo. 27. 1524 Purim v. Kahira. 1900 st. i. Frankfurt a. M. Dir. Dr. Mend. Hirsch. 1888 st. i. Hamburg Oberrabb. A. Stent. 29. 1805 geb. i. Rom Sam. Alatri. Wnliringer israelitischer Friedhof. Der nächst der Stadtbahn- Station „Nußdorfer Linie" gelegene Währinger israelitische Friedhof wird über Veranlassung der israelitischen Kulitnsgementde einer umfassettden Restaurierung mttcrzogeit, welche die Erhaltung der Gräber und Grabsteiite, sowie die Ausgestaltung des Friedhofes zum Zwecke hat. Hiebei sind bei eittzelnen Gräbern die Reparatur oder Instandsetzung von Grabsteinen, die Entfernung von dürr gewordenen und abgestorbenen Thujen, von Ephettranken und Schltitgpflanzen, sowie andere derartige Veränderungen erforderlich. Angehörige von Verstorbenen, die auf dem Währinger isr. Friedhöfe bestattet sind, werden sonach dringendst ersucht, etwaige Wünsche in Bezug ans die erwähnten Veränderungen dem Sekretariate der israelitischen Kultusgemeinde, Men, 1. Bez., Seitettsteitettgaäe 4, unverweilt bekattttt zu gebert, damit auf solche Wüitsche bei den bereits i» Angriff genommenen Restaurierungsarbeitett,tunlichst Bedacht gettotnmen werden könne. Wien. (I ü d i s ch e s B i l d u n g s h c i m, 14. Bezirk, Ullmannstraße 31, Kauerhof 10 a.) Vorträge im Monait März 1904: 15. März, Prof. M. Barbasch: „Wetterpropheten". 22. März, Ben Hng: „Der jüdische Nationalfonds." 28. März: Konzert deS Gesangvereines «Schir Zion", Fünfhatis. Begintt 8 Ähr. Eitttritt frei. Ans der jüdischen Votksbibiliothek werdeir Mott,tag, Dienstag und Donnerstag von halb 8 bis 8 Uhr Bücher ausgegeben., Wien. („Bar Giora", Vereinigung jüd. Hochschnler aus den südslabischeti Ländern.) In der am 4. März (17. Adar) l. I. abgehaltenett Geiteralversannnltutg wurden für das 6. Vereinssemester in den Ausschuß gewählt: jnr. David Fuhrmann» Präses; jur. Erwin Krauß, Vizepräses; pharm. Julius Becker, Schriftführern iug. Adolf Löivy, Kassier. Wien. (Erster Wiener I ü d i s che r T u r n -V e r e i n, 1. Bez., Mölkerbastei 5.) Das heurige Schauturnen findet Samstag den 20. März im Ballsaale Roitacher statt. Programm: 1. Freiübungeti. 2. Stabübttngett der Dantenabteilmtg. 3. Kenlenreigen. 4. Allgemeines Gerätetttrneit. 5. Sektionsturttett an drei Barren. An die Vorführungen schließt ein Tanzkränzchen an. Beginn des Festes präzise 9 Uhr. Karten ztt 2 K. sind erhältlich im Turnlokale 1. Bez., Mölkerbastei 5, bei allen Komiteetnitgliedertt mtd im Cafe de Fraitce, 1. Bez., Schottcnring und au der Abendkassa. Wiett. (Mädchen- und Frauenverein „Bikur Chaulitn".) Am Sonntag den 0. ds. hielt Herr Dr. Isidor Fischer im Schnlsaale der isr. Kultnsgemeinde vor zahlreich erschienenen Gästett uttd Mtgliedertt einen mit großem Beifall aufgenommetten höchst iuteressattten Vortrag über „Franenkleidung". Wien. Der Parteitag der j ü d i s ch e n Arbeiter u ii b H a u d e l s a n ge ste ll t e n Oesterreichs findet am 22. und 23, Mai d. I. in Krakau statt. Die Vorkonferenz tvird- Dienstag den 15. März im Restaurant Hirschbein, Wien, 2. Bezirk, Schiffamtsgasse 20, abgehalten. Beginn präzise 6 Uhr

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