Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 6 Wien, Freitag Jüdische« Volkeblatt. 11. März 1904 Nr. 11 Budapest über „Geschichte und Religion", Professor Levy von der Ecole Libre des Sciences Politiques in Paris über „Nationalökonomie", Professor I e l l i n e k—Heidelberg über „Rechtslehre". Bei dieser Gelegenheit bemerken wir noch, daß die englische Regierung die Leitung der britischen Kunstabteilung der obengenannten Ausstellung Isidor S p i e l m a n n, eine Autorität auf dem Gebiete des englischen Kunstwesens, übertrragen hat. London. Um die Auswanderung ausländischer Juden nicht dem Zufalle zu überlasten, hat man hier ein Informations-Bureau errichtet, welches die Emigrantea genau unterrichtet, wo Einwanderer begehrt sind, welche Beschäftigungen gesucht sind und wie sie bezahlt werden. Die Adresse des Bureaus ist „Jewish Emigrants Information Board 63 Finsbury P. London E. G.“ — Zur Zeit werden in Kanada noch tüchtige Handwerker aller Art gesucht und werden gut bezahlt. — Der Bischof von Limerick in Irland ließ in allen Kirchen gegen die Judenhetze predigen, auch die ersten politischen Persönlichkeiten traten in den Zeitungen dagegen auf, so daß die Bevölkerung sich beruhigte. Der geschäftliche Boykott der Juden ist indessen noch nicht beseitigt. Mädchenhandel nach der Türkei. Der „Pol. Korr." schreibt man ans Koustautinopel: Am 13. ds. fand im russischen Konsulat eine neuerliche Versammlung aller hiesigen fremden Konsuln zur Beratung der Frage betreffend den Mädchenhandel nach der Türkei statt. Der österreichisch-ungarische Konsul v. Zcpharovich wurde zum Berichterstatter des Subkomitees, welches mit den näheren Erhebungen und bestimmten Vorschlägen betraut war, bestellt. Der Bericht des Subkomitces besagt, daß vorderhand, da mau auf die verschiedenen Gesetzgebungen Rücksicht nehmen mutz, nur ein Generalplan ausgearbeitet werden konnte, und daß Detailmatzregeln im Laufe der weiteren Erfahrungen sich ergeben werden. Der Bericht hebt ferner hervor, daß es sich vorläufig nur darum handeln könne, Mißbrauch der behördlichen Autorität und die Anwendung von Verführungsmitteln zu verhindern. Demnach wäre den Opfern des Mädchenhandels Schutz in den folgenden Fällen zu gewähren: auf Ersuchen der Eltern, Vormünder und anderer natürlichen Protektoren; im Falle, wenn die Opfer selbst den Wunsch aussprechcn, ihren Lebenswandel zu ändern; wenn dieselben noch nicht die Majorennität erreicht haben, und schließlich, wenn sie durch Betrug, Mißbrauch der Autorität oder durch Fälschung ihres „etat civil" in fremde Gegenden gebracht wurden. (Bekannrlich lassen die Mädchenhändler die Opfer in die Pässe meistens fälschlich als ihre Frauen, Töchter, Schwestern oder Dienerinnen eintragen.) Zu diesem Zwecke schlägt der Bericht praktisch leichr durchführbare Maßregeln vor. Bezüglich des Mädchenhandels von Konstantinopel nach Cairo, Alexandrien, Bombay, Buenos-Aires und Rio de Janeiro drückt der Bericht den Wunsch aus, daß die in Frage kommenden Konsulate sich, abgesehen von den Lokalmaßvegeln, mit den dortigen Konsulaten ins Einvernehmen setzen, damit dieselben sich an der Aktion gegen die Bekämpfung des Mädchenhandels entsprechend beteiligen. Der Bericht betont am Schlüsse, daß das Subkomitee seine Aufgabe keineswegs als beendet betrachtet und daß noch vieles vorzuschlagen sein wird, beispielsweise, um den befreiten Opfern ein Asyl in Konstantinopel zu bieten usw. Die Generalversammlung drückte dem Subkomitee und den demselben beigegebenen Komitees der Dragomane (des österreichisch-ungarischen, des russischen, des rumänischen und des serbischen Konsulates) sowie dem Berichterstatter den wärmsten Dank aus. Es sei bei diesem Anlasse konstatiert, daß in den letzten Wochen seitens des österreichisch-ungarischer: Konsulats vierzehn Mädchen im Alter von 18 bis 28 Jahren repatriiert, fünf Mädchen- Händler zwangsweise abgeschoben und zwei Besitzer öffentlicher Häuser, österreichische Staatsbürger, gezwungen wurdeit, dieselben zu schließen. Universität und Judentum. Aus Tübingen wird der antisemitischen „Staatsb.-Ztg." geschrieben: „Die hiesigeSmdentenschaft hat am Sonnabend in einer Vertreterversammlung sämtlicher Satisfaktion gebenden Korporationen den Beschluß gefaßt, keinem Angehörigen einer jüdischen Verbindung mehr Satisfaktion zu geben. Da die Zahl der Juden auf hiesiger Hochschule in letzter Zeit bedeutend Zugenommen hat, so daß man dem Entstehen einer jüdischen Verbindung hier entgegensehen konnte, war schon vor einiger Zeit eine Bitte an das Universitätsamt gerichtet worden, eine solche Korporation nicht zu genehmigen. Das Universitätsamt harte sich aber dahin ausgesprochen, der etwaigen Gründung einer Judenverbindung nichts in den Weg zu legen. 'Diese Verfügung hat nun die Studentenschaft bewogen, den Juden selbst einen Riegel vörzuschieben und den genannten, für andere Studentenschaften sehr nachahmenswerter: Beschluß zu fassen." ricyt an den Minister konstatiert, daß „das Verhältnis der mosaischen Geburten eine absteigende Linie darstellt, da deren Anzahl sowohl absolut als auch relativ seit einige,: Jahren sich in beständiger Abnahme befindet", — so darf mau getrost murehmen, daß die Zahl der jüdischen Einwohner 25,0 000 nicht übersteigt. Zieht man die ausgedehnte Fläche Rumäniens in Betracht, die verhältnismäßig geringe Bevölkeruugsdichtigkcit, sowie seinen Mangel an Arbeitskräften, so erscheint das Verhältnis ganz anders, als man es darstellen möchte, zumal trotz aller antisemitischen Ableugnungen und gewisser Anstrengungen von jüdischer Seite die Assimilation durch Mischehen besonders in den Städten große Fortschritte gemacht hat. Von diesen 25,0 000 Juden wohnen nun in den kleineren Marktflecken und auf Grund besonderer Erlaubnisse, die bis auf Widerruf gelten, ungefähr 5,0 000 Juden. Der Rest verteilt sich auf die Städte und zlvar ganz besonders auf jene der Moldau. Außer diesen befindet sich eine größere Anzahl Jude«: (40 000) in der Landeshauptstadt. Was betreibt nun diese jüdische Bevölkerung, die, im einzelnen genommen, genau wie in Rußland, sich ökonomisch in einer unsäglich traurigen Lage befindet, als Ganzes aber einen bedeutenden Anteil an dein wirtschaftlichen Leben Rumäniens hat? Einige Zahlen, die zum Teil sogar offiziösen Werken mit antisemitischer Tendenz entnommen sind, sollen hierüber Auskunft geben. Die Zahl der Handwerker betrug in der Moldau nach den Angaben, die der anonyme „Verax", dem alle offiziellen Quellen zur Verfügung standen, in seinem Buche „La Romnanie et les Juifs" macht, 27 273. Davon waren in. den Marktflecken und Dörfern 9167; in den Städten 18 106. Po«: den 9107 in den Dörfern lebenden und arbeitenden Handwerkern waren 1980 Juden, 309 andere Fremde und die restlichen 6878 Rumänen. Von den 18 106 städtischen Handwerkern waren 10 446 Juden, 1510 andere Fremde und die restlichen 615,0 Rumänen. Vielleicht dürfte es noch interessieren, daß sich die Juden den Handwerken nicht mehr in gleichem Maße wie ehedem zuwenden. Während die Rumänen bei 2311 Meistern 2174 Gesellen und 1606 Lehrlinge beschäftigen, haben die 4902 jüdischen Meister'bei 3099 Gesellen nur 2445 Lehrlinge. Daher ist zu bemerken, daß es wohl oft vorkommt, daß jüdische Meister rumänische Lehrlinge aufnehmen, das Gegenteil aber nur in den allerseltenstcn Fällen vorkormncn dürfte. Ueberdies ist noch zu bemerken, datz die rumänische Regierung und viele Gemeinden .Handwerkerschulen unterhalten, von denen alljährlich ausgelernte Meister auf den Markt gesetzt werden und die auf keinen Fall jüdiche Schüler aufnehmen dürfen. Trotz alledem deuten aber die angeführten Zahlen an, welche Rolle die Juden im Handwerke spielen. Der Handel ist sowie das Handwerk bereits seit frühester Zeit in Rumänien in den Händen der Juden und anderer Frenrden gewesen. Juden waren cs, die zum erstenmale eine Handelsbeziehung zwischen Rumänien und dem westlichen Europa schufen. Sie waren cs, welche die ersten Reisen zur Leipziger Messe unternahmen und noch heute heißen die Manufaktilr- und Nkerceriewarenhäudler „Lipscani" d. h. Leipziger. Auch hierin dürften einige Zahlen von Interesse sein: nach der letzten vorhandenen Statistik waren in der Moldau, also wo sich das Gros der jüdischen Bevölkerung befindet, vorhanden: 18 062 eingetragene Firmen. Davon gehörten 10 942 also 60,8 Prozent Juden au, 910 anderen Fremden und 6210 also 34,50 Prozent Rumänen. Dieses Verhältnis verändert sich natürlich, wenn die Zahlen für ganz Rumänien in Betracht gezogen werden. Tann stellt es sich wie folgt: rumänische Kaufleute 66,28 Prozent; jüdische 34,66 Prozent; fremde 9,06 Prozent. Davon, daß die Juden sich in unredlicher Weise des rumänischen Handels bemächtigt hätten, kam: keine Rede sein, da sie ja selbst erst den modernen rumänischen Handellim Verein mit anderen Fremden gegründet haben. Die Rumänen/ die sich zum größeren Teil mit der Landwirtschaft beschäftigten, haben von dem Augenblicke ihres nationalen und staatlichen ErwacKms bis noch vor kurzem zu viel mit der' Politik zu tun gehabtu«E sich dem Handel und Handwerk zu widmen. Sie strebten und Uimpften für öffentliche Aemter und ihre verfügbaren Kräfte werden auch nach dieser Richtung hin benötigt, umsomehr, als man gleich von Anbeginn die einheimischen Juden zu öffentlichen Aemtern nur so weit zuließ, als kein Rumäne aufgetrieben werde,: konnte, der (|in solches hätte bekleiden können. Erst einer späteren Periode war es Vorbehalten, daß die Rumänen sich dem Handel und Handwerk znwendeten und da haben sie gewiß von Seite der Juden nicht mehr Schwierigkeiten ausgestauden, als cs eine lautere Konkurrenzen: Handel gestattet, wogegen ihnen viele gegen die Juden gerichtete Gesetze.— wie das der Handelskammern, zu Hilfe kamen. Als Beweis dafür dürfte die Tatsache gelten, daß es trotz den ausgesprochenen antisemitischen Neigungen rumänischer Kaufleute nie zu ernsten Reibungen ans geschäftlichen Gründen zwischen diesen und ihren jüdischen Berufsgenossen gekommen ist. Als Kaufleute sind auch die Juden von großer Bedeutung für den Staatssäckel. Blinde Inden. Tie Reichstags,vahl in Osnabrück hat den Sieg des nationalliberalen Kandidaten Herrn Ockonomierats Wamhoff ergeben, zum großen Aerger des „Bundes der Landwirte", dessen Kandidat der Welfe von Bar, unterlegen ist. Vor der Wahl hatte das offizielle Organ des Bundes, die „Korr. d. Bd. d. L." dem Herrn Wamhoff sein Sündenregister vorgehalten. In demselben fand sich auch folgende Nummer: Herr Wamhoff stimmte im Reichstage am 6. März 1896 gegen den Antrag Freiherr von Hammerstein und Freiherr von Mannteuffel auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs, nach welchem den Israeliten, die nicht Reichsangchörige sind, die Einwanderung über die Grenzen des Reiches untersagt ivird. Der eine der beiden Antragsteller, Ehren-Hainmersteiu, hat bekanntlich seine politische Laufbahn im Zuchthause beschlossen. Wenn Herr Wamhoff gegen diesen Antrag des edlen Freiherrn gestimmt hat, so ist er entschieden ein braver Mann, und «vir begrüßen ihn bei seinem Einzuge in den deutschen Reichstag. Statistik. Jin Gouvernemenc Minsk befanden sich laut der jetzt bekanntgewordenen offiziellen statistischen Taten, insgesamt 369 084 jüdische Seelen, und zwar 182 483 männliche und 186 561 weibliche Personen. Die gesamte Einwohnerzahl des Gouvernements betrug % 433 265 Seelen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Zudeusrage in Rumänien. Vor einiger Zeit war hier berichtet und bewiesen ivorden, daß die Judenfrage für Rußland mehr als eine Frage der Humanität, daß sie auch von hervorragender wirtschaftlicher Bedeutung ist. Dasselbe gil: von Rumänien, ivas auf Grund offizieller Zahlen nachstehend nachgewiesen werden soll. Es leben in Rumänien nach den letzten statistischen Angaben 269 000 Juden, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 6 Millionen; nach der Berechnung des jetzige«: Kultusministers Haret soll die Bevölkerung Rumäniens über zehn Millionen betragen. Das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur rtlmänischen erscheint noch kleiner, wem: man bedenkt, daß seit 1901 eine beständige Auswanderung stattfindet, so daß allein mit Hilfe der Jewish Kolonisation Association 13 840 Juden das La,td verlassen haben, außer jenen, die mit eigenen Mitteln und ztin: Teil sogar mit ausreichendem Kapital ausgelvandert sind. Die Zahl der letzteren ist allerdings äußerst gering. Zieht man noch in Betracht, daß nach den Angaben des Chefs der allgemeinen Statistik L. Colescu, der ln seinem Be- Von Max L e d e r e r (Agram). Ungarische wie kroatische „Israeliten" zeichnen sich, so oft sie aus ihren vier Wände«: herauskriechen, besonders durch ihren assimilatorische«: Uebereifer aus. In der israel. Ungar, literar. Gesellschaft in Budapest sprach kürzlich Herr Ignaz Preisner über den Rassencharakter der Juden und Zagte unter anderem folgendes: „Was speziell die ullgarischen Juden betrifft, habe«: mir Herz und V e r st a n d längst gesagt, daß sie dem Glaubensbekenntnisse nach Juden, ethnographisch aber Ungarn sind, so gut wie tvelche andere Ungarn immer." Dem Herze:: und Versta«:de nach also Juden, wem nach dann Ungarn? Gewiß der Nase nach! . . . * * * Agram. Geburtstag des! Oberrabbiners Dr. Jakobi. Der Sekretär der kroatisch-mosaischen Kultusgemeinde (darunter wolle man gütigst die jüdische Knltusgemeinde in Agram verstehen), Herr Beudi, hält eine Rede. Zrrm Schlüsse sagt er, er sei „Deutscher", lvie es auch der Herr Oberrabbiner sei. „Ich bin Jude," antwortet Dr. Jakobi, „als Kroate aber — da es Ihrer Meinung nach keine Juden gibt, frage ich, wie könne die hiesige Kultusgemeiude einen „deutschen" Angestellten haben?" — „Aber ich bin doch kein Germane, verzeihen Sie, der Rasse nach bin ich doch — sind wir doch alle — Juden . . ." Vörher führte Herr Bendi mit seiner Rede de«: Zionismus und die nationale Idee „glänzend" (?) ab. Agram. Jin neugegründeten israel. kroat. literar. Verein hielt in Abwesenheit des Präsidentei: (Herr Oberrabbiner Doktor Jakobi) Herr Dr. Goldman«: als Vizepräses die Eröffnungsrede. Die Ziele des Vereines wären die Pflege der jüdischen Wissenschaft (warum nicht der israel.-kroatischen?) und die Aufgabe: die Erziehung der Jugend zu guten Inden und guten Kroaten (warum nicht mit einem Worte: zu gute«: mosaische«: Kroaten?), welcher (Verein) aber alle nwderiiziouistische u«:d jüdisch-riationaler: Sonderbestrebungeil perhorresziert. Hierauf folgte allgemeine Zustim- «nung. — Beiin zweiten Vortragsabend las Herr Dr. Jakobi über das Thema: „Die Stellung Israels ü: der Geschichte der Menschheit". Den ersten Teil des Vortrages schloß er «nit den Worten: „Eine glorreiche Vergangenheit, von der größte«: Bedeutung für die Enttvicklung der Menschheit, liegt hinter uus, die uns nicht nur «nit glühender Begeisterung für das Judentun«, sondern auch «nit gerechtem Stolze ob unserer Zugehörigkeit zur Judeuheit erfüllen «nuß ..." Der Vortragende ernste stürrnischen Beifall. . Welcher Sprung vo» der allgemeinen Zustimmung zun: stürmischen Beifall?! £ Ich begreife vor allein nicht, tvarrim ruar« sich scheut und fürchtet — wenn mm« mit dein gerechten Stolze ob der Zugehörigkeit zur J««de>:heit (dürfte ivohl «nit der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke gleichbedeutend sei«:) erfüllt ist — die Worte „Jude" nnd „jüdisches Volk" zu gebrauchen? Lerrgueu die Herren die Existe»:z des jüdische«: Volkes, wozu applaudiere«: sie Herrn Dr. Jakobi zu feinen Schlußworten: „Israels Bestand ist ««och heute vernünftig und notwendig, und weil es vernünftig, wird es bleiben. Israel ivird fortbestehen, un: am großen Werke «nitzuarbeiteu, der Menschheit sittliche, geistige und leibliche Freiheit zu bringen."(?) Ist den Herren vielleicht passender der Ausdruck „das Volk Israel" als das „jüdische Volk"? Oder denke«: die Herren etwa, unter Israel verstehe man bloß das „geistig-sittliche Judcntuin"? Ist dies der Fall, wozu applaudieren sie zu de«: Wörter:: „Israel wird bleiben, um mitzuarbcite«: . . .?" Wird die ethische Quintesse«:z des Judentums am Fortschritte der Menschheit lveiter Mitarbeiten oder werde«: es die Juden? Sehe«: denn diese jüdischen Kroate«: noch immev nicht, welch kornische Rolle sie mit ihrer „Sich-uicht-zu-erkennengeben-Taktik" spielen? Das Charakteristikor: ihrer Individualität wollen sie bis zur Unkeuntlichkcit verschleiern. Ihr Schleier scheint aber aus gar zu zartem, durchsichtiger«: Gewebe zu sei«:. Daher ihre kölnische Rolle. Während sich die Jüdisch-Natioiraleu und Zionisten nicht fürchten, offen zu sagen, daß sie Jude«: und Söh««e des jüdische«: Volkes sind und ob ihrer Offenherzigkeit und Aufrichtigkeit darauf bestehen, von alle«: andere«: Natioile«: ebenso geachtet zu werden, wie sie andere achten, schlage«: diese jüdische«: Kroate«: eine Taktik ei«:, die sie nur lächerlich oder bedaucrusivert «nache«: ka«««:. Mögen sie die letzten Bande, die sie mit den: jüdischen Volke verbinden, zerschneiden, das jüdische Volk wird ihnen «vahrlich keine einzige Trä«:e nachweinen. Nicht die Besten si«:d cs, die das jüdische Volk verlasse«:. Diese Jugend, die ihnen Beifall geklatscht, als sie sagten, der Verein perhorresziere alle moderu-ziouistischen uird jüdisch-nationalen Bestrebungei:, diese selbe Jugend ivird der Macht der jüdisch-nationalen Bewegung keinen Widerstand leister: können, wenn sich «:ur ein wiuziger Funke jü di scheu Geistes und jüdischen Bewußtseins in ihren: Herzen bewahrt hat. Mag die jüdische Jugend auch ihre Blicke abwenden, lim nicht in die Zukunft schauen zu müsse«:, der Gegenwart wird sie sie nicht verschließen köi:i:enl Die Gegenwart aber eben ist es, die geeignet ist, der jüdischen Jrigend — auch der in Kroatien — es zum Bewußtsein zu bringen, daß sie eng verknüpft ist «nit dem jüdischen Volkei Sind die jüdischen .Kroaten gegen ein „Kischenew" versichert? Und ivird das Studium der jüdische«: Geschichte die glorreiche Vergangenheit, die daraus notgedrungen resultierende „glühende Begeisterung" und der „gerechte Stolz" nicht irnstande sein, der jüdischen J::ge«:d — mich der in Kroatien — die Augen zu öffnen? Der kleine, ivinzige Funke wird zur Helle:: Flainrne der Begeisterung und der Liebe zum jüdischen Volke! Man verläßt nicht so leicht, was man eirnnal lieb gewoiinenl * Ä * Anläßlich des vergangenen Jubiläums des Djakovarer Bischofs Stroßmayer, unterschrieben einige jüdische Kroaten mit ihre«: Mitbürgern eine Gratulatior«: „Unser Bischof . . . * * * Das oppositionelle Esseker Blatt „NarodUa obrana" brachte vor kurzer Zeit einen Bericht aus Pozega, worin es heißt: „Dev gm:ze Handel ist in fremde«: Händen. Was früher christliche Geschäfte waren, sind jetzt „Grü«:s, Müllers, Krauß', Preis;'" usw. Die Beamten schämen sich jetzt unserer Gesellschaft, weil sie der Meinung si«:d, es wäre unter ihrer Würde, sie schämen sich aber nicht, im Kaffeehause bei eiuem Tische «nit Juden zu sitzen, die wegen so mancher Betrügereien in den St ras Häusern saßen ..." Eine solche Frechheit und Verdächtigung läßt mm: ruhig passieren! Nicht einmal eine Anmerkung der Redaktion! Auf der dritten und vierten Seite desselben Blattes aber kann man finden Inserate jüdischer Finnen! Non ölet! Bli«:d! Aus einem Artikel »«eines Freundes Schick im „Jüd. Volksblatt" griff der Agramer „Obzor" folgenden Satz heraus: „Der jüdisch-nationale Verein „Bar Giorä" in Wien kämpfe miss Entschiedenste für die Verbreitung der kroatischen Sprache." Mein Freund beging diese Unvorsichtigkeit. Hat der Verein Broschüren u::d seinen Bericht in kroatischer Sprache abgefaßt und in Kroatien verbreitet, so wollte er damit nur jeder«: Vortvurfe, das kroatische Volk durch die Verbreitung vo«: Schriften in einer anderen. Sprache^- und speziell dem Vorwürfe, daß kroatische Jude«: für das Deutschtum. Propaganda machen, ausweichen. Jeder«: sein Recht! Auch «vir fordern es für uns! Die Landtagssession in Agram ist zu Ende. Während derselben verirahm «na«: oft die kräftige Stinnne des kroatischen Bielohlawek, Tuskau. Z«:r Zielscheibe nahm er sich de«: Führer, der kroatische«: reine:: Rechtspartei, den' getaufte:: Juden Dr. Josip Frank, „den allerkröatischesten aller lebenden Kroaten Dr. Jozua Frank". Ich bin lveit entfernt davon, soivohl die Person, als auch feine Politik hier etwas in Sch::tz nehmen zu wollen. Mich Ivundert bloß, daß es unter den 20 000 kroatische«: Juden — rechnet man hievon die jüdischen Kroaten ab, sind es allerdings nicht so viel —> keiner Mühe inert fand, auch nur «nit einen: Worte bloß in den Tagesblätter«: die böswilligen und verachtungsvolle«: Angriffe gegen bas jüdische Volk u«:d Judeiüinn gebührend znrückzuweiseu. Im kroatischen Landtage erdreistet sich ei«: Tuskan vor aller Oeffentlichkeit — die Rede Tuskmis Ivurde vom „Obzor" zweimal sehr ausführlich gebracht — das jüdische Volk zu beleidigen und zu verdächtigen, lvobei man sich zun: Maßstabe eines getauften Jude«: bedient! Nach einen: getauften Jude:: lassen sie das jüdische Volk u«:d seine Geistesprodukte beurteilen, ohne auch «:ur mit einem Worte zu reagieren! Blind «:nd taub! Angesendet. G e e h r t e r H e r r Redakteur! Die in der letzten Nummer Ihres gesch. Blattes unter „Eiugesendet" erschienene Notiz des Herrn Franz Leer veranlaßt:«:ich, «nit der Bitte au Sie heranzutreten, nachstehenden Zeilen an geeigneter Stelle gefälligst Raum geben zu «volle«:. Es drängt mich vor alle»:, Herrn Franz Leer meinen innigsten Dank für die wahre und herzliche Teilnahme a»: dem unermeßliche«: Verlust, welchen ich und meine Familie durch den Tod des heißgeliebten Sohnes erlitte«: haben, auszudrücken. Was aber die von, Herrn Franz Leer angeführte Art der Bestattung «««eines teuren Kindes betrifft, so «n«:ß ich hervorheben, daß ich selbst in: Siluie des teuren Dahiligeschiedene«:, der stets ei«:fach, bescheiden und zurückgezogen lebte, ein einfaches Leiche«:- begä»g«:is getvünscht habe, und bi«: ich der feste«: Ueberzeugung, daß es nur des leiseste«: Wunsches «««einerseits bedurft hätte, um die. maßgebenden Faktoren zur Vera::stal4:n:g eines soge»:an::te«: Klasse«l-Leiche«:begä««ai:isses z«: veranlasse««. Inden: ich Jh«:e«:, geehrter Herr Redakteur, für die Ver- Lsfe«:tlich:n:g dieser Zeile«: im voraus meinen beste«: Da«:k ausspreche, verharre ich i«: Hochacht:n:g ergebenst S a «n u e X Epstein, Kommunal- und isr. Neligionslehre». Wien, au: 8. März 1904. 9 4P'