Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite S Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 11. März 1904 ftr. 11 Es wird in dieser Schrift nichts Geringeres behauptet, als daß Grund und Boden in Ungarn teilweise bereits den Inden gehören, teilweise ihnen aber in absehbarer Zeit gehören werden. Die Juden besitzen 4,000.000 Katastraljoch als Eigentum und ebensoviel bebauen sie als Pächter. Während sie noch 1898 Güter über 100 Joch besitzen, mit einem Gesamtausmaße von 1,747.253, ist es 1903 bereits eine Fläche von 2,619,300 Katastraljoch, die sich auf 2788 Besitzer verteilen. Im Jahre 1898 gab es 2697 jüdische Gutspächter und heute sind es 3170, welche Güter im Ausmaße von mehr als 100 Joch bewirtschaften und die Fläche ist von 2,745.100 auf Z,350.740 Katastraljoch gestiegen und zählt man noch die kleineren Güter hinzu, so ist eben über ein Viertel der ungarischen Erde im Besitze der Juden. Vor allem muß bemerkt werden, daß der Verfasser sich bezüglich der Besitzer nur auf private Erkundigungen und Vermutungen auf Grundlage der Familiennamen beschränkt, da es in dieser Richtung an einer offiziellen Statistik entschieden mangelt und daß seine Ziffern unbedingt zu groß sind. Es kann ja durchaus nicht geleugnet werden, daß sich ein großer Teil der ungarischen Juden mit Landwirtschaft beschäftigt, aber das ist ja nur eine äußerst erfreuliche Tatsache und bekanntlich ist es stets ein Steckenpferd der Antisemiten in aller Herren Länder, daß der Jude nicht zur Landwirtschaft tauge und sich nur „unproduktiven" Erwerbszweigen widme. Während die Herren so in ihren Schriften gegen die Verjudung der ungarischen Landwirtschaft wettern, trachten sie praktisch den Handel der ungarischen Juden zu vernichten. Ueberall entstehen „Christliche Konsumvereine" und „Erwerbsgenoffenschaften", im Jahre 1902 634, im Jahre 1903 617, und unter der eifrigsten Patronanz der katholischen Geistlichkeit, geflogen und die von fleißiger Hand zrisammengetragenen Explosivstoffe entzündet haben. „Die Juden haben eine Bäuerin geschlachtet," war das Schlagwort, um Schlag und Wort auf einander folgen zu lassen. Die Anfänge der Bewegung reichen bis zu den griechisch-katholischen Ostern zurück, die Erzesse haben im September stattgefundcu. Schon zu Ostern erzählte es einer dem andern, daß die rutheuischen Turnvereine „Siez" den Tod der Juden und der „Lachh" beschlossen haben. Die „Lachh" lies; mau laufen — mit ihnen anzubindcu. wäre doch zu gefährlich — und die Juden allein mutzten daran glauben. Drei Stunden dauerte der Sturm auf Juden und Judenhäuser, sie genügten, um eine Anzahl von Menschen um Hab und Gesundheit zu bringen. Einen — Burg he itzt der Arme — haben sie besonders übel zugcrichtet. Wochenlang hat er zwischen Leben und Tod geschwebt. Nun ist er für alles getröstet und schadlos gehalten. Der Gerichtshof in Kolomca hat ihm — 200 Kronen Schmerzensgeld zugesprochcn. * * * Kolomca und Kischenew. Der Prozetz verdient Beachtung, mehr, als ihm die Wiener Blätter geschenkt haben. Kolomca und Kischenew liegen auch örtlich nicht zu ivcit auseinander und cs hätte sich für die „Neue Freie Presse" sicherlich verlohnt, den Kischcnewer Spczialberichterstatter eine mehrtägige Erholungsreise nach Kolomca antreten und ihn „in einem freien Lande, unter freien Menschen" ein wenig anfatmen zu lassen. Die Enttäuschung wäre zu grotz, der Unterschied zu klein gewesen. Unfrei die Bauern, vogelfrei die Juden, hier, wie dort. Die Einen voll Furcht vor der grotzen Unbekannten dort in der Stadt, die am Schreibtisch sitzt. Befehle erteilt, pfänden, einsperren und hängen lassen kann — „warum? wie? Keine Ahnung I" —, die anderen zitternd vor den nur zu bekannten Fäusten der einen, teilweise sogar unter ihrer direkten Leitung ist es der Haupt-!^^>enn es nur dabei bleibt, zunichte machen, was Schweitz und zweck der Vereine, dem armen Juden, der auch bisher kaum' ~ r 1."" sein Auskommen finden konnte, den letzten Bissen Brot wegzunehmen. Es sind ergreifende Stückchen, die unter dem Deckmantel der „christlichen Liebe" Vorkommen, es sind tausende Existenzen, die so zerschellt werden und niemand ist da, der sich dieser Entwicklung entgegenstellen könnte und möchte. Im Csongrader Komitate hatte eine 72jährige Witwe ein kleines Wirtshaus, von dem sie eben ihr Auskommen findet. Da wird i« Dorfe eine Genossenschaft gegründet und man beschließt, j deu Bauern in „Serdak" und „Opintschen" Platz genommen hat. sich der lästigen Konkurrenz zu entledigen. Es erscheint ein Er soll an den Exzessen teilgenommen, sie gewissermaßen durch sein Bauer im Wirtsgeschäfte der alten Frau, bleibt trotz der Bitten Amt legalisiert haben. Der k. k. Finanzwachoberaufseher Eduard und des Flehens derselben über Mitternacht und die Gendar-l Skalski cin ^eil jenes grotzen Unbekannten, der pfänden, merie findet das Gasthaus offen. Das Wiederholt sich dreimal j einspcrren und hängen lassen kann. Wenn er den Säbel zieht, so Mühsal geschaffen hat. Ein trauriges Volk, die Juden, wie die Bauern, die den Vcrhandlungssaal des Kreisgerichtes in Kolomca füllten. * * * Der k. k. Finanzwachoveraufseher. Doch das eintönige Grau des Elends, das im Auditorium, wie auf der Anklagebank vorherrscht, wird angenehm durch die schmucke Parade-Uniform eines Finanzers unterbrochen, der neben und so wird — im Sinne der Vorschriften — dem Mütterchen die Konzession entzogen und — sie ist brotlos. Vielleicht wird gerade in diesem Falle der Minister, dem von einem Abgeordneten der Fall vorgetragen wurde, die Sache ändern — aber es bleibt eben ein Schema, nach dem in hundert anderen Fällen der Jude vernichtet wird. Dieser Tage erscheint aus der Feder Gyü.ky Odöns ein „Verzeichnis christlicher Firmen", das an alle Gemeinden und Pfarrämter gratis versendet und auch sonst in Maffe unter dem Volke verteilt werden wird. Doch für heute wollen wir schließen — fertig sind wir leider mit der Aufzählung der Erscheinungen, welche der Judenhaß in Ungarn hervorruft, noch lange nicht. Lavoslav Schick. Lose Blätter zum Zadlotower Prozesse (Originalkorrespondenz des «Jüd. Volksbl.") C z e r n o w i h, 8. März. kann es nur für die Sache des Staates, des Kaisers geschehen. Und er soll — so sagt die Anklageschrift — an jenem Schreckenstage den Säbel recht wacker über den ^Häuptern erschreckter Juden ge schwangen haben. Lesen wir doch, was die Anklage von jener Szene zu erzählen weiß, die Skalski vor das Tribunal brachte: »— — — — In diesem Augenblicke tauchten der k. k. Finanzwachoberaufseher Eduard Skalski und der Verwalter Torhowla, Michael Krzhwiecki auf. Als sie an der Spitze der erregten Menge in das Haus des Schusters Burg drangen, bat sie der Gemeindesekretär Hübscher, sic mögen die Menge beruhigen, worauf Krzhwiecki antwortete: „Was kann ich helfen, wenn ein Weib hier ermordet wurdel" Alle drei betraten das Hans und suchten nach der Leiche, natürlich vergebens. Dann packte der Finanzwachoberaufseher den erschrockenen Rachmiel Nier, der als Geselle bei Burg beschäftigt war, bei der Brust, versetzte ihm einen Hieb und drohte ihm mit geschwungenem Degen: „K u s ch, oder ich sehe dich durch." Gleicherzeit versetzte Krzhwiecki dem Mordko Kimmerling einen Fußtritt, schlug den Burg nieder und rief: „S ch la g e t L e ut e und nehmt, was ihr wollt!" Die Judenexzesse in Kischenew und in Zablotow sind zeitlich Während nun drei Polizeilcute den schwerverwundeten Rachmiel nicht zu weit auseinander. Ein Funken von dem in der bessarabischen Gouvernementsstadt entfachten Brande mag über die Grenze Nier aus den Händen der Exzedenten befreiten, wuchs der Auflauf vor dem Hause. Skalski riß die Bretter aus dem Planken des Fr i w e l Engel, verteilte sie unter die Bauern und forderte diese dann auf, die Juden zu schlagen. Die Menge cröffncte dann, mit Skalski an der Spitze, einen regelrechten Steinhagel auf die Fenster der Judenhüuscr, jeder jüdische Passant wurde mit Stöckelt un.b Heugabeln bearbeitet und auf dem Ringplatzc die dort ausgestellten Waren gestohlen. Die des Weges kommendeir Selig Bitrg» Inda Karpel rrnd Mordko Mayer Burg wurden übel zugerichtct. Am schlimmsten erging cs Selig Burg, der von Salki mit dem Säbel n i e d e r g e m a ch t und dann in den Mühlbach g e tv o r f e n >v u r d e. Ein anderer Teil der Menge drang in das Haus des Salomon Dutzberg urrd zerrte ihn vor Gericht, i n d e m m a n i h n u n t e r w e g s schlug und am Bart ritz. Gendarmen befreiten ihn uitb drängten die Menge zurück, die sich danir in die Seitengassen verlief. Um 5 Uhr herrschte wieder Ruhe, nur die zerschlagenen Fensterscheiben, die überall zu sehen waren, bezeugten die eben stattgefundenen Exzesse. Von den numititelbaren Tätern konnte nur ein Teil eruiert werden, doch ist auf Grund der Aussagen ch r i st l i ch e r Augenzeugerr als erwiesen anzunehmen, daß die Exzesse den Eindruck machten, als ob die Menge planmäßig vorgegangen sei. * * * Ein Opfer von Kabalen. Die Erinneruilgen Skalskis und die Zeugenführung für und gegen ihn ist reich an dramatischen Momenten. Er selbst leugnet rundlvcgs jede Teilnahme an den Exzessen und stellt sich als Opfer der Kabalen der Juden und der Hiebe, die er von ihnen abzuwchren sich bemühte, hiil. Er habe sich eben — so behauptet er — bei den Juden durch eine Reihe von Gefällsstrafen, die er ihnen zugezogen habe, mitzbelicbt gemacht. Von diesen Strafen erzählen nun hervorragende Angehörige der Kolomeaer Gemeinde ganz merkwürdige Dinge. Da ist ein gewisser Schwam e n a u, der tvegerr unbefugter Schankführullg s e i t d e m I a h r e 1884 zu einer Gefällsstrafc von 6000 Kronen verurteilt wurde. Das Malheur ist nur, daß besagter Schwnmcnau kaum 29 Jahre alt ist, also schon im 9. (sic!) Lebensjahre hätte beginnen müssen, das Schankgewerbe auszuüben. — Ein zweiter Fall betrifft einen gewissen K r u m m h o l z, der wegen eitles ähnlichen Vorgehens zu einer kleinen Gefällsstrafc verurteilt worden war. Unglücklicherweise wurde jedoch der betreffende Akt von der Finauzbehörde der k. k. Bezikshauptmamrschaft abgetreten, welche wegen Uebertrodung der Gewerbevorschriften gegen Krrlmmholz Vorgehen sollte, bei der Zeugeneinvernahme aber fand, daß dieselben Zeugen, welche Krummholz früher belastet hatten^ ihn nunmehr entlasteten. Die Bezirks-, hauptmannschast stellte die Untersuchung gegen Krummholz ein, die Entscheidung der Finanzbehörde blieb jedoch aufrecht. Letzte Nachrichten. Das Urteil und seine Begründung. Der Gerichtshof sprach die Angeklagten Skalski, Krzywiecki und Wakaliuk von den gegen sie erhobenen Beschuldigungen frei, während 12 Angeklagte zu Kerkerbeziehungsweise Arreststrafen in der Dauer von 5 Monaten bis 5 Tagen verurteilt ivurden. In der vom Vorsitzenden zur Verlesung gebrachten Begründung des Urteils werden zunächst die Vorfälle in Zablotow als empörend rrnd jedes Rechtsgcfühl verletzend bezeichnet. Der Gerichtshof habe sich nichtsdestoweniger nicht von allgemein menschlichen Gesichtspunkten leiten lassen können, sondern habe ganz objektiv jedes einzelne Anklagefaktum prüfen und daraus die Schuld oder Unschuld jedes Angeklagten beurteilen müssen. Nach genauer Erwägung aller Umstände habe nun der Gerichtshof das eingangs erwähnte Urteil gefällt und begründe cs folgendermaßen: Obwohl 23 jüdische Zeugen die Teilnahme Skalskis bestätigt haben, so seien doch Widersprüche in ihren Aussagen gu verzeichnen. Es könne diesen Zeugen darrnn keine unbedingte Glaubwürdigkeit beigemessen werden, weil sie unter dem Affekte der Furcht, und des Schreckens ausgcsagt hätten und Der Vater lächelte über die Ausführung seiner Tochter, im Herzen aber empfand er etwas wie Stolz über ihr offenes und mutiges Wesen. VII. Und der große Abend des zionistischen Klubs hatte noch «inen zweiten Erfolg, Jeruchem und Sophie verliebten sich in einander. Als sie an einem Abend im Zionvereine gegenüber saßen, da faßte Jeruchem den Mut und sprach: „Wie schön das wäre, wenn wir so immer gemeinsam für die Idee arbeiten könnten!" „Das wollen wir auch", sagte sie, vom Tone seiner Stimme etwas überrascht. „Aber . . Er ergriff ihre Hand. Und mit dem nie trügenden Instinkte der Liebenden umarmte er sie und küßte sie auf die Stirne. Er gestand ihr seine Liebe und sie weinte vor Lust. Die VäUr waren natürlich mit der Sache nicht zufrieden. Chelemnizki aber ließ sich erbitten. Schließlich machte doch seine Tochter eine gute „Partie". Dem sich der Bitte seines Sohnes verschließenden Vater sagte Jeruchem: „Wenn du noch überhaupt den Wunsch hegst, einmal Gemeindepräses zu werden, und deine auch in den obersten Instanzen bestätigte Niederlage gut zu machen, dann kannst du es nur mit Hilfe der Zionisten tun. Zu diesem Zwecke mußt du Mitglied unserer Partei werden. Und ich kann nur unter einer Bedingung für dich arbeiten: Wenn du mir die Sophie gibst." Da willigte der alte Hartmann ein. Am Berlobungsabend sagte Chelemnizki zum Schwiegervater seiner Tochter: „Das kräftigste Schach haben uns wohl unsere Kinder gegeben." . Das religiöse Leben bei Ariern und Semiten. Dr. Friedrich Otto Hertz.*) C h cr m b e r l a i n stellt die Theorie auf, daß der Religion als „innerer Erfahrung" des Ariers die Religion der „äußerer: Erfahrung" des Semiten gepenübersteht. Diese geistreich klingende Entgegensetzung ist aber ganz unbrauchbar. Religion ist ein viel zu kompliziertes Gebilde, als daß zwei Etiketten ausreichen würden, sie zu bestimmen. Man kann fast behaupten, daß das ganze Seelenleben des ursprünglichen Menschen, das sich über die Triebbefriedigung erhebt, Religion sei, freilich nicht im Chamberlainschen Sinn. Alle Affekte zlvischen den beider: Polen der Furcht rrnd Liebe auf ein Außer- oder Uebermerrschliches gerichtet, bilden in inannigfacher Mischung die Grundlage des religiösen Gefühls, wobei freilich selbst heute noch der iveitans größte Teil der Menschheit der Furcht weit näher steht. Die Auffassung der Religion als „innerer Erfahrung der frommen Seele" bildet die berühmte Tat Schleiermachers, den Chamberlain merkwürdigerweise ganz ignoriert, wie er dies überhaupt gegen seine Vorgänger zu Nur liebt. Daß aber diese fromme Seele durch zahlreiche äußere Erfahrungen erst geworden ist, fällt der Religionswissenschaft nicht ein, zu leugnen. Freilich mag schon in der furchtgetränkcen Scheu, mit der der Naturmensch die klugen Augen seines Schlangenfetisch betrachtet, etwas!vie innere Erfahrung liegen; aber selbst Jesus beruft sich oft genug ans das Gesetz und auch der von jeder historischen Religion Gelöste, der nur ans dem Streben seines eigenen Herzens dein Glauben an die fortschreitende Menschheit schöpft, bedarf doch der Unterstützung durch die „äußere Erfahrung" der Weltgeschichte. Die äußere Erfahrung ist die große Erzieherin der inneren. Wenn aber die Einteilung Chamberlains falsch ist, so sind es historische Belege noch viel mehr. Es ist unmöglich, daß ein in der *) Ans dein Januarheft der „P o l i t.- a n t h r o p o l o g. Revue". Thüringische Verlags-Anstalt, Leipzig. Religionsgeschichte auch nur oberflächlich Belvandertcr solche Behauptungen im ehrlichen Glauben anfstellt: „In keinem Zweig der indoeuropäischen Familie hat cs zu irgend einer Zeit Götzendienst (Chamberlains Ausdruck für Fetischismus d. V.) gegeben", Bilderanbetung habe nie existiert, nie. seien die arischen Götter Weltschöpfer, der Monotheismus werde schon seit den ältester: Zeiten vor: der: Jndoeuropäern geahnt rrstv. (vergleiche S. 230, 379 rr. s. f.) Die Wissenschaft hat vielmehr mit absoluter Gewißheit festgestellt, daß die primitiven Formen der Religion, Fetischismus, Totenrismus, Ahnenkult bei Ariern rnrd Semiten nird überhaupt bei allen Völkern der Welt sich in gleicher Weise, oft mit überraschender Aehnlichkeit vorfirrden. W,ie es heute noch irr Jrrdieir damit bestellt ist, haben wir ja gesehen. Ebenso verhält cs sich mit der Chambcrlain'schen Auffassnng, die indoarischen Götter feien nur freundliche rnrd gütige Symbole für das göttliche Eine, derer: Bilder die Seele mit der lebendigen Vorstellung höherer Wesen füllen sollten. * DaS paßt zürn Beispiel wunderbar ans den großen Shiva, den die orthodox-bvahrnanische Sekte der Shivaiterr als höchster: Gott verehrt rrnd der an die Stelle des alten Rrrdra getreterr ist. Schon der Atharaveda beschreibt diesen: „b l a rr s ch w a r z i st s e i n B a rr ch, r o t s e i n R ü ck e n" — nach der Umwandlung bernächtigte sich eine ivüste Phantasie der Gestalt. Um seiner, Nacken sieht inan Totenschädel barrmeln, cr hat drei Augen im Gesicht und je 1000 Köpfe, Anne, Beine nsw. Seirre Verherniig lunr später mit den rohesten Ausschweifringeii verbunden. Der Religionshistoriker betrachtet solche Erscheinungen ganz gelassen; über die bildliche Form, die i„ unkultivierten rnrd nberknltivierten Gehirnen die Idee der zerstörerrderr Naturkraft angenommen hat, zu moralisieren, wäre abgeschmackt, aber falsche Verhimmelungen von tief unter unserer Stufe stehenden Kuliurerscheinnngen brauchen wir rnrs nicht gefallen zrr lassen. Ebenso rr n tv i s s e rr s ch a f t l i ch sirrd aber die übrigen Belege dieses Schriftstellers. An vielen Orten mag übrigens seine soziologische Ignoranz als mildernder Urrrstand gelte»!. Ueberaus komisch ist z. V. die Behauptung, „der Götterglaube Homers sei die erhabenste und geläutertste Erscheinung griechischer Religion", da-