Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 10 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 4. März 1904 3eito S Braut, oder einen fetten Gemeinde-Sekretärposten in Nordböhmen uslv. bekommen könntest, bleibe lieber in Stellung, Vermögen und Amt zurück, weit zurück, aber opfere um keinen Preis deinen guten katholischen Glauben auf?" Oder werden sie nicht vielmehr sage»: »Großvater Jud, Vater Katholik, ich Protestant, cs lebe die Abwechslung?" Nun, in Oesterreich-Ungarn scheinen die betreffenden Herren des Staates und der Kirche zu der Logik: „Schlechter Jud, ein noch schlechterer Christ, niemals aber ein guter" nicht cmporgerafft zu haben. Doch in Deuts ch l a u d und Rußland ist mau schon so weit. Dort trifft man bereits von Staats- und K i r ch e n - - wegen Vorkehrungen, um sich diese Glaubensgesinnungslumpen vom Halse zu halten. Zunächst hat in Deutschland überhaupt das, vernünftige Gebot bestanden, das; ei» Individuum, das ohne ge- \ richtliche Genehmigung selbständig z. B. kein Stück Feld um! 100 Kronen kaufen dürfte, nicht berechtigt ist, die viel ivichtigere' Rechtshandlung des Glaubenswechsels selbständig vorzunehmeu. In Oesterreich dagegen, selbst lvenn er ein Millionenerbc wäre, selbstän-! big kann ein 1V jähriger Bub z. B. einen Schuldschein nicht, einmal über 1 Krone ausstellen und unterschreiben, aber seinen j Glanbenswechsel kann derselbe .... bub vornehmen ganz ohne gerichtliche Genehmigung! Das nennt man ratio legis? Nun hat die erste sächsische Kammer sich vorige Woche mit dem Gesetze über die israelitischen Religionsgemeinden beschäftigt und wird nach einer Darlegung des Gemeindekirchenrates Dr. Pank das Gesetz folgende Konsequenzen haben: 1. Bisher konnte ein Jude auch unter 21 Jahren in die christliche Konfession anfgenoininen werden. Dies toird in Zukunft a u s g e s ch l o s s e n sei». 2. Der Jude, der zum Christentum übertreten will, hat,zu allererst seinem, jüdischen, Religionsbeamten den beabsichtigten Abfall von: Judentum anznzcigen und erst dann hat er sich beim Pfarrer zu melden. (Merkst du etwas, fürsorgliche Knltnsvorstehung? Anm. d. Red.) 0. Tritt eine jüdische Witwe zum Christentum über, so bleiben trotzdem ihre u n in ü n d i g e n Kinder Juden, lvenn nicht der Erblasser a u s d r ü ck l i ch eilte gegenteilige Bestimmung für die Kinder getroffen hat. In R u f; l a n d iviederum hatte der Konvertit früher sofort alle Rechte des orthodoxen Russen erlangt. Nunmehr traf die heilige Svitvde die Verfügung, das; dies nicht mehr der Fall sein soll. So dürfen z. B. getaufte Juden sieh nur dort anfhalien. ivo sie sich als ungetanste Inden , aufhalten durften, im Reisepaß ist anfzunehmen: der ehemalige jüdische Name und Vorname uslv. Kurz Rußland hat die Prämie für den Abfall vom Judentum aufgehoben. In Oesterreich tvimmelt es aber bis zll den Universitäts-Kathedern und deit höchsten Justiz- und Verwaltungsstellen von „Getauften" und kanni ein Senat dürfte mehr existieren, in welchem nicht „Getaufte" sitzen würden. Hoch die Prämie! Olmütz. Rabb. Dr. Oppenheim hielt heute im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde einen Portrag über das Thema „T a l in u dverfolg» n g e n". Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte den lehrreichen Ausführungen mit gespannter Aufmerksamkeit. Kultuspräsident Herr Dr. Eben sprach unter lebhaftem Beifall aller Anwesenden dem Vortragenden den herzlichsten Dank aus. Detailreiseu iu Bosnien und der Herzegowina. Die Wiener Handels- und Gelverbekammer teilt auf Grund authentischer Aufklärung des k. u. k. gemeinsamen Finanzministeriums mir, daß es österreichischen Gewerbsinhabcrn sowie deren Bevollmächtigten im allgemeinen vollkommen freisteht, in Bosnien und der Herzegowina mit Mustern zu reisen und auch bei Privaten Bestellungen zu sammeln. Bloß rücksichtlich der Gold- und Silberwaren ist aus sicherscher Literaturgeschichte. Freitag den 11. März, Dr. Rosenmann: Bibclvortrag. Samstag den 12. März: Konzert. Musikalisches aus der Toynbee-Halle. Frl. Manja Svcd r o f s k a, Mitglied des Musikausschusscs der Tovnbee-Halle, veranstaltete daselbst am 28. Februar einen Vortragsabend, der sehr gelungen lvar. Es wurde aufgeführt: Quartett von Beethoven Nr. 4, C-moll und Serenade von M o s k o >v s k i, vorgetragen von den Herren: Map Geiger (1. Geige), Heinrich Svedrofsky (2. Geige), Josef Wolf (Viola) und Julius Goldberg (Cello). Außerdem spielten die Herren Julius G oldberg und Josef Wolf: Popper, Godard, Bruch und Wieuinwski. Frl. Svedrofska exekutierte temperamentvoll: Rigoletto-Phantasie von Verdi-Liszt und Kouzert-Mazur von Czcrwenla und Frau Hermine S t r a k o s ch sang Lieder von Schubert und Sinding und eine Arie aus Verdis „Troubadour". In die Begleitung teilten sich die Damen: Svcdrofska und Valerie Sedlaczek. Sämtliche Mitwirkenden erhielten reichen Beifall seitens des zahlreichen Publikums. R. F. Deutsche mosaischer Konfession. In P r o ß n i tz vegetiert neben vielen anderen Vereinen der sich deutsch nennenden Jndcnschaft auch eine Ortsgruppe des Bundes der Nordmährer, die zum großen Teile die wenigen arischen Deutschen der Stadt umfaßt und in der sich auch einige Juden noch immer Wohlbefinden, trotzdem alljährlich der Bund den schmachvollen Hinanslvurf der Inden nur durch ein Machttvort seines Obmannes von einer Hauptversammlung auf die nächste verschiebt. Wenn es nun Inden gibt, die ihre Ehre selber so besudeln, daß sie einer Orlsgrnpve dieses ausgesprochen antisemitischen Vereines angeboren ldie Proßnitzer Afümilanten machen sich daraus natürlich eine Ehre», so ist das Geschmacksache und darüber ist bekanntlich »iclu zu disuinermi. Wenn aber die Vertretung der politischen Jndengemeinde in Proßnitz diesen judenfcindlichen Verein zu ui'/'erstüheu, sicli nicht eiirbtödet. lvenn sie demselben ein Lokal, gleichgiltig zu welchem Zlvecke cinränmt, dann ist dies ein Faustschlag ins Gesicht eines jeden jüdisch fühlenden Menschen und solche herostratische Naturen, lute es diese Volksvertreter der Judenschaft von Proßnih find. mühen an den Pranger der Oeffentlichkeit gestellt iverdeu. Es sind dieselben Herren die die Volksschule der Jndengemeinde entjndet, die jüdische Jugend in Proßnitz geistig und moralisch vergiftet, die jungen Männer in der hiesigen Gemeinde znm feigen Abfall vom Judemume erzogen und direkt angeleitet haben, und mit denen lvir jüdisch Bewußten endlich gründlich abrechnen rverden, lvenn sie es nicht vorziehen sollten, raschest und spurlos ans allen jüdischen Aetutern zu verschwinden. Hinaus mit diesen Moluskennaturen l S ch l o j m e. j Die Entjttdmrg der jüdischen Gesellschaft Ungarns. Wir haben schon zu wiederholtenmalen darauf - hingewiesen, daß die Assimilationsbeftrebuugen der Juden! Ungarns die unglaublichsten Früchte zeitigen. Der Prozeß, den j die Entjndung der jüdischen Gesellschaft in Ungarn durchmacht, i spielt sich dort genau so ab, wie er in Oesterreich vor sich lgtng: er züchtet ans der einen Seite den Antisemitismus und j bei:oubt aus der anderen Seite die Juden aller Widerstands-! kraft und Kampfesfähigkeit für den Fall, als der Kamps gegen j die Juden auf allen Linien offen und mit aller magyarischer i Schonungslosigkeit ausbrechen sollte. Diese Entjudungs-Symptome machen auch die liberalen Blätter Ungarns stutzig. heitspolizeilichcn Gründen eine Ausnahme gemacht worden, indem! Vom Gefühle des Mißfallens gegen diese Erscheinungen ist auf diese Waren Bestellungen nur bei Kaufleuten, Fabrikanten, - aud) eine Notiz des „Pefti Hirlap", einer Gründung des jüngst die Gewerbetreibenden und überhaupt solchen Personen, in deren Ge schäftsbetrieb Waren der angebotenen Art Verwendung finden, gesammelt und auch hiebei keine Waren zum Verkauf, sondern nur Muster mitgeführt werden dürfen. Das Aufsuchen von Bestellungen auf Gold- und Silberwaren bei Privaten durch Gewerbetreibende oder Haudluugsrcisende ist nur in eiuzelneu Fällen auf ausdrückliche, schriftliche, auf bestimmte Waren lautende, an den Gewerbsinhaber gerichtete Aufforderung gestattet. „Jüdischer Volksverein." Dieser rührige politische Verein hat die Aktion für die bevorstehenden Ergänzungswahlen in den isr. Kultusrat in Czernowitz bereits eiugeleitet. Das iu einer Vollversammlung geivählte Wahlkomitee hat sich am 28. v. M. konstituiert und folgende Herren gewählt: I. Leon Kratter, Obmauu, Jacob Gold, Obmaun-Stellvertreter, Dr. Maier Schifter, Schriftführer, und Jakob Riemer, Kassier. Die Judenexzesse in Piedekutz. Vor einem Erkenntnissenat des hiesigen Landesgerichtes hatten sich heute mehrere Insassen deS Ortes Piedekutz bei Zablotow wegen Hausfriedensbruches und Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu verantivorten. Angeklagt waren: Michailo Prinkowski, Ambrosi Boduar, Fodor Charhua, Petro Fedorak und Georgi Lepkan. Seit mehreren Monaten ivurden den jüdischen Einwohnern von Piedekutz und Umgebung in der Nacht die Fenster zertrümmert, die Exzedenten drangen in mehrere Wohnungen ein und beschädigten die Möbelstücke. Die Bewohner der erstürmten Häuser mußten flüchten. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Landesgerichtsrates Olinski spräche alle Angeklagten schuldig und verurteilte Prinkowski zu einem Jahre schiveren Kerkers, verschärft mit einem Fasttag monatlich, Boduar zu sieben Monaten, Charhua, Fedorak und Lepkan zu je acht Monaten schiveren, verschärften Kerkers. Am 26.V.M. begann vor dein Erkenntnisgericht Kolomea die Verhandlung gegen mehrere Bauern, die in Zablototv > selbst Jndenexzesse veranstaltet hatten. j Eine Zwangstaufc. Am 9. Juli v. I. erschien der Orts-! bewohner Jtzig Drasinoiver aus Czernoivitz bei dem Bauer Paoli Osvadiuk, um mit diesem eine Feldarbeit zu vereinbaren. Kaum New-York berichtet wird, versendet der Finanzsekretär war Drasinoiver eiugetreteii. schloß der alte Osvadiuk die Tür und j soeben ein Zirkular, in welchem die Gegenstände bekauutgegeben forderte den Gast auf, sofort die Taufe zu uehmeu. Drasiuower. i werden, welche in Amerika zollfrei eingeführt werden Nein zurück. Da packten die Frau und der Sohn des Osvadiuk den! üo» Amerika nach dem Mann, hielten ihn bei den Händen fest, während Osvadiuk sein! Auslande verkehrenden Schiffen verteilt werden. Im Sinne Rasiermesser holte und sofort dem Juden die Schläfenlocken ab-i dieses Zirkulars hat jeder Schiffspassagier bei seiner Ankunft schuiK und ihm daun seinen wallenden Vollbart abrasierte. Nicht! Amerika dem Kollinivektar eine Deklaration ru überreichen, genug daran, wurde daun ein hölzernes Kruzifix geholt und Drasiiiower mußte es, da Osvadiuk ihm den Hals abzuschiieiden drohte, verstorbenen, getauften Juden Karl Legrädy diktiert, 'wir hier in deutscher Uebersetzmig reproduzieren:! i „D a s Eh r e n m i tg l i ed der C h e w r a - K a d i s ch a. ' In der jüdischen Gesellschaft macht sich seit einiger Zeit eine Art! von C h r i st e n k u l t u s geltend, welcher,!vie uns scheint, in immer größerem Maße gepflogen ivird. Die auf ihr Judentum 'Gewicht legenden strenggläubigen Juden mißbilligen es schon seit, langem, daß, so oft irgend ein hochgestellter Niebiinde in einer: jüdischen Gesellschaft erscheine, derselbe osteiita'iv gefeiert ivird, und! zwar ans Kosten der amveseuden Juden. Bei den jüdischen Jours, in Budapest beschäftigen fiel! die reichen und schönen Damen ansl schließlich mit so'cb^n. weiche — weht dem Jiweiunine angehören,' und die Dame des Hauses pflegt iu solchen Fällen ihre jüdischen! Gäste nur „von oo-eu he rav" zn behandeln Ein Jour, bei welchem' nicht irgend eine „doa geiiellte chrijlliche Deine" er-chcin-, wird als ein beschämendes Fiasko belrachiet. Ein Beweis für den Edri-stcnkultus ist übrigens auch die Tatsache, daß die SM iskole r! C h e w r a -:,v a d i f m a vor einigen Tagen e i n e n C h r i st c n i z u in E h r e n Mitglied e g e w ä h l t da l. Es ist dies Herr; Ludwig von H o r v a t h, Herrenhaiismitglied, mir dem Titel „Er-! zetlenz". Ein strenggläubiger Jude, dem es mißfällt, daß nunmehr auch die Chewra Kndiseha sich bemüht, ihren Glanz dnrch eine' christliche Exzellenz zn heben, meint, daß nun die „Heiligen- Vereine" ein wahres Wen laufen nach Exzellenz-Ehrenmitgliedern, veranstalten werd-.n, wodnich sie zum Gegenstände des Spottes! werden. >vas jedoch gegen ihr eigenes Jn'erest'e ist. lind das wirkt^ umso tomischer, nls es lr'ta-'N! ist. daß die christlichen „Blumen- ' kränzeden" und „Gcsellenvereine" einen Inden ni' znm Ehreninit-; gliede wählen, und iväre er auch Magiiittenhaiismitglied, oder Exi zellenz und Besitzer einiger Millionen." Ausland. Für Auswanderer nach Amerika. Wie uns aus dreimal küssen und feierlich erklären, er sei jetzt ein Christ geworden. in Amerika dem Zollinspektor eine Deklaration zu überreichen, in welcher sämtliche Gegenstände mit Angabe des Kaufpreises verzeichnet sein müssen, welche im Anslande gekauft wurden. Am 24. Februar hatte sich vor einem ^Erkeinckiiissenate des hiesigen j Rach Tunlichkeit sollen auch die Origiualrechnuttgen über die eingeftihrten Gegenstände vorgelegt werden. Jeder Passagier darf fünfzig Stück Zigarren und dreihundert Stück Zigaretten zollfrei importieren. Ranchware über diese Stückzahl hinaus unterliegt der Verzollung. Sollten bei einem Passagier in der Deklaration nicht angeführte Gegenstände vorgefunden werden, so verfallen dieselben der Konfiskation. Amerikaner, welche ins Ausland reisen, können bei ihrer Rückkehr m Amerika alle jene Gegenstände einführen, welche sie bei ihrer Reise ins Ausland besaßen. Wurden diese Gegenstände jedoch in Europa ausgebessert oder umgeändert, so sind sie zollpflichtig. A m e* eikaner dürfen, von Europa kommend, neue Gegenstände, sofern sie zum eigenen Gebrauche dienen und nicht für den Weiterverkauf bestinimt sind, bis zum Höchstbetrage von einhundert Dollar einführen. Nichtamerikanern ist es gestattet, Kleidungsstücke und Haushaltung--- ge gen stände, welche nachweislich schon zumindest ein Jahr' Laindesgerichtes die Mutter und der Sohn Osbadinks ivegen Verbrechens der öffentlichen Geivalttätigkeit zu verantworten. Paoli Osvadiuk ist inzwischen gestorben. Die beiden Angeklagten schoben alle Schuld ans den Verstorbenen, erklärten jedoch, daß Drasinoiver sich freiwillig der Prozedur miterzogen habe. Drasinoiver erzählt, daß er nach dem benachbarten Lch'nsche durchgehen und dort drei Monate im verschlossenen Zimmer verbringen mußte, bis ihm ivieder der rituelle Bart gewachsen ivar. Bor der Nachbarschaft hieß es. er werde von ivahnsinnigen Zahnschmerzen geplagt. Drasinoiver sprach einen dreimonailichen Verdienstentgang an, da er sich während dieser Zeit von seinem Geschäft znrückziehen mußte. Der Gerichtshof erkannte beide Angeklagten schuldig und verurteilte Katarina Osvadiuk zu sieben, den 19jährigen Anton Osvadiuk zu sechs Monaten schiveren Kerkers. Ans der Wiener jüdischen Tohndee Hnlle, 30. Bez., Llarajangasse 30. V o r t r a g s o r d n u » g. Samstag de» f>. März: Konzert. Sonntag de» 0. März, Rektor Dr. Adolf Schivarz: Die Erzählmigsknnst der Bibel, 2. Montag den 7. März, Doktor Heinz K o y u: lieber Kriegsrecht. Dienstag den 8. März, Frl. Dora Popper: Historischer KonzertzbkliiS, ll. Mitttvoch den 9. März: Diskussion. Donnerstag den 10. März, Dr. L. Kohn: Ans deutlang im Gebrauche standen, zollfrei einzuführen. Pelze ans Seehundfell, oder auch nur aus solchem Materiale bestehende Pelz teile dürfen nach Amerika überhaupt nicht importiert werden, außer wenn nachgewiesen werden kann, daß diese Waren vor dem Jahre 1897 gekauft wurden. Führt ein Amerikaner bei seiner Fahrt in- Ausland solche Waren mit sich, so hat er dies beim Verlaffen des Landes dem Zollinspektor gegen Ausstellung eines dies bestätigenden Zertifikates anzuzeigen, da solche Waren ohne das erwähnte Zertifikat der Konfiskation anheimfallen würden. New-Uork. Da im hiesigen selbstgewählten „Ghetto" sehr viele russische und rumänische Juden wohnen, leiht die ^Jewish Agrikultural Society" hiesigen Juden, welche sich als Farmer auf dem Lande ansiedeln, erhebliche Darlehen. Im Jahre 1902 hat sie 80 jüdische Farmer angesiedelt und ihnen 41.517 Dollar geliehen. Im ersten Halbjahr 1903 erhielten 74 jüdische Farmer Darlehen im Betrage von 33.975 Dollar. Auch die „Jewish Industrial Rem oval Office" verfolgt den Zweck, die Einwanderung von New-Aork abzulenken. In Gemeinschaft mit dem U. O. Bne Bris wurden von der Office anderweitig hiesige Juden, angesiedelt: Vom Juni 1900 bis 25. Februar 1901 1204 Personen „ 25. Febr. 1901 bis 31. Dez. 1901 1830 „ Im Jahre 1902 3208 „ ersten Halbjahr 1903 2721 „ 88 Perzent der auswärts Angesiedelten sind mit ihrer Lage zufrieden. Die Gesellschaft hat Agenturen in allen Städten der Union und weiß, wo Bedarf nach den einzelnen Kategorien von Handwerkern, Arbeitern usw. ist. Nun hat sich in Milwaukee ein großer Verein gebildet, der die Farmeransiedlung im großen Maßstabe betreiben will. Herr A. W. Ritsch aus Milwaukee ist deshalb hier, um mit den beiden hiesigen Gesellschaften zu konferieren. Rußland. Der 5rrieg und die Juden. Bekanntlich iveisk die russische Regierung die unter ihrem Einflüsse stehende „Gesellschaft vom Roten Kreuze" alle sich freiivillig meldenden jüdischen Aerzte, Heildiener uslv. ab. Der Grund hieftir mag ivohl darin liegen, daß die Regierung das verwendbare jüdische Aerztematerial c i n s a ch in den K r i e g ko m m a n d i e r r. Es ivird dadurch ein doppelter Zweck erreicht: die Jude» werden dem Kriege dienstbar gemacht und , i h ii e ii andererseits die Gelegenheit g e n o m m e u, durch freiwillige L e i st n n g e n einen A n s p r u ch auf die Anerkennung und D a n k b a r k e i t d e r Regier u n g und des „Väterch e n s" zu gewinnen. Am besten wird dies durch folgende Daten illustriert: Aus Charkow wurden insgesamt Zwölf Aerzte zum Kriegsdienste einberufen. Sämtliche zwölf Aerzte sind Juden. Aus Krem e netz sind drcivicrtcl der in den Krieg kommandierten .ArrM Juden. Unter ihnen befindet sich auch der bekannte Zionist Doktor L i t w a k. Am 21. Februar verließen W a r sch a u siebeyundsechzig Aerzte, von denen f ü n f u n d f ü n f z i g Jude \\- ji» d. - Aus Petersburg wurden 4 jüdische Aerzte in den Krieg kom- , mandiert. In Rostoio - Don haben sämtliche z^K u ll » s-! b c a m t e ein Prozent ihres I a h r e s g e y a l t e s - für Kriegsbcrwnndete gespendet. Charkow. Die in Charkow ansässigen Hebräer haben dem Gouverneur eine Spende von 42.300 Rubeln zum Besten des Roten Kreuzes überreicht und die Bitte hinzugefügt, Seiner Majestät dem Kaiser den Ausdruck ihrer Ergebenheit zu überbringen. Nnsrlnnd verjndet. Den „Lüneburgschen Anzeigen" ist angeblich am 12. Februar aus P e t e r s b u r g 'folgendes Original - T e l e g r a m m zugegangen: „Admiral A l e x e j e w sandte eine Depesche vom 11. Februar an den Zaren, wonach sich der Termin der Reperatur der Panzer „Richard Edward". „Theodor Wilhelm", „I s i d o r Siege m u u d", „A buff N atha u", „Cäsar Eduard", „Sigmund Cäsar Heinrich" (also neun Liniensehifse) sehiver bestimmen läßt. Die Kreuzer „Peter Adolf", „Ludwig Ludwig", „A ii t o n David Auto n", „N a t h a n Ott o", „V i k t o r I s i d o r", „Carl" (6 Kreuzer) werden gedockt und in . zwei Wochen repariert sein, alle übrigen Panzer iu drei Tagen." Wenn es mit den Namen der Schiffe stimmte, so wäre es richtig, >uie die Oielehrten des „Kladderadatsch" meinen, daß die russische Regierung plötzlich in einen Phil o s e in i t i s ch e n K n r s geraten ist, leider sind aber die „Lüneburgschen Anzeigen" offenbar das Opfer eines jener in allen Redaktionen mit Recht außerordentlich beliebten tele p h o n i s ch e n B n ch st abierexperim ente geworden. Es handelt sich, lvie die Aiieiilanderreihnng der Anfangsbuchstaben dieses anmutigen Akrostichons ergibt, um die bielgeimunten beiden Kreuzer „R e t w i s a u" und „P a l l a d i a". Der Pii'oiiow-Kvilgresi und die russische Jüdenfrage. Vor einiger Zeit hat in Petersburg ein Aerztetougres; stattgesuudeu, bor welchem auch die Jüdenfrage im Zarenreiche besprochen wurde. Die Ergebnisse dieser Debatten ivurden in folgender Resolution znsmnmeugesaßt. und zwar ans einstimmigen Beschluß: „1. Der Pirogoiv Kongreß lenkt die Aufmerksamkeit auf den Schaden und auf die Olefabr, welche aus der künstlichen Konzentraiion der Juden in den Slädieu und Städtchen Westrußlauds erivaebse» und erach.'et es für iiot'vendig, den Jude» das Recht der Freizügigkeit eiuzuräumeu. 2. Ter Pirogow-Kougreß erachtet es als schädlich und gefähriicli, kranken Juden den Aufeiithalt auf dem flachen Lande, iu den Tominerfrisclien, iu den Sanatorien und Kurorten zu berbieten." Erläuternd sei hinziigefugt, daß dieser Kongreß nach seinein Begründer, dem bewährten Chirurgen Pirogoiv, seinen Namen trägt. Nichi bloß auf seinem eigentlichen Spezialgebiete hat Pirogoiv sich unsterbliche Verdienste erworben, sondern er ragte auch als ein nngeioöhulieli veranlagter Mensch hoch über Tausende, ja über Hniiderttausende hervor. Pirogoiv ivar ei» ungeivöhnlich gebildeter und ideal geiinu er Man», der nicht einen Augenblick zögerte, in einem Widerstreit urischeu seinen Ueberzeiignugeu und dem Staatsmuie dem letzteren zu entsagen. Etwa 50 Jahre alt, legte er sein Ainc als Kurator des Kiewer LelirbezirkeS nieder, weil er ivegen seinen echllibrral-ni Ansichten mit seine» Vorgesetzte», iu einen harten Streit geriet, ging ans seit! Landgut und ivurde Friedensrichter. Von allgeineiae»! Interesse sind Pirogoivs Lebensanfzelchnnnge», in denen ein Tolstoi verwandter Oleist weht. Pirogoiv arbeitete