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Jüdisches Volksblatt · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 Wien, Freitag Jftdtehoc VoUcabfett. 4. März 1904 Nr. 10 Organisation der Palästinafreunde sei hier besonders aufmerksam gemacht. (Anmeldungen nimmt der Schatzmeister de- Pariser Zentral-Komitee- Herr S. A l t m a n n, Paris, sowie der Schatzmeister der Berliner Propaganda-Kommission Herrr Berthold Israel, Berlin, Königstraße 11/14 entgegen.) Gegenwärtig befindet sich ein Vertrauensmann der Propaganda-Kommission auf einer Agitatkonsreife durch Belgien und Holland. Dader Kommifiion von Dr. Alfred N o f s i g vorgelegte Referat ließ erkennen, daß auch in Rußland, Polen, Galizien, Oesterreich und Ungarn die leitenden Ideen des erneuerten Kolonisationsprogrammes, insbesondere die des systematischen wirtschaftlichen Vordringens und der dauernden Verständigung aller in Palästina tätigen jüdischen Organisationen Verständnis gefunden haben. Auf dem Boden dieses Programmes haben sich vielfach Palästinafreunde und Zionisten die Hände gereicht. Neben der Bildung von Propagandagruppen, die einer festeren Organisierung entgegensehen, ist der Umstand hervorzuheben, daß das Kolonisationswerk in der jüdischen ^Presse der genannten Länder mehrere warme Fürsprecher und zielbewußte Vorkämpfer gewonnen hat. Eine mehrwöchentliche Reise, welche Herr Willy Bambus im Aufträge einer anderen Körperschaft nach Palästina unternahm, gab der Kommission Gelegenheit, sich über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Kolonien und der gesamten praktischen Tätigkeit in Palästina eingehend zu informieren. Aus dem Berichte des Herrn Bambus geht hervor, daß nicht nur die von der I. C. A. verwalteten, sondern auch die übrigen, besonders die vom Verein „Esra" unterstützte Ansiedelung sich auf dem Wege des wirtschaftlichen Aufblühens befinden und zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen. Höchst bedeutsam und erforderlich ist die Tatsache, daß die Bodenkaufs-Bewegung in Palästina stetige Fortschritte macht, ohne eine Preissteigerung zur Folge zu haben. Neben den großen Wohltätigkeitsorganisationen haben sich auch die zionistischen Kreise in der letzten Zeit an dem Bodenkauf beteiligt, ein deutlicher Beweis der Hinneigung derselben zu dem Programm der Kolonisation auf rechtlichem Wege. Dem bis jetzt stark empfundenen Mangel an informierenden programmatischen und propagandistischen Schriften, welche die Entwickelung der Kolonisationsidee erschwerte, wird - demnächst abgeholfen werden. Der Schilderung der Palästinakolonien und dem Aufschwünge ihrer Weinproduktion widmet Willy Bambus eine Broschüre, welche mit einem Titelblatte von E. M. Lilien und zahlreichen Illustrationen von Hermann Struck binnen Kurzem erscheinen wird. Prof. Dr. Otto ein größeres Darlehen zur Verfügung stellen, um den dadurch erzielten Einfluß auszunühen und die Darlehensnehmer zwingen, nur jüdische Feldarbciter z>t beschäftigen. Gegen diese Anregung polemissicrt das in Stanislau erscheinende „Jüdische Wochenblatt", indem es ansführt: „Die „Gerechtigkeit" unterstützt ihren Vorschlag mit der Beweisführung, daß die Zwischendecke aller von Anwerpcn, Hamburg und Bremen abgehcnden Dampfer vollbesetzt sind ntHr emigrierendem p o l n i sch e n und r,u t h e n i sche'm Bauernvolke und diese könnten mit erwerbslose«: Juden besetzt werden. Nun fragt es sich, ist es denn wirklich möglich, daß ein Jude in Galizien bei einem jüdischen Gutsbesitzer durch Feldarbeit seinen Lebensunterhalt finden könnte? Wir müssen mit einem entschiedenen Nein antworten. Die Gründe liegen auf der Hand. Erstens sind die meisten Gutsbesitzer in Galizien Nichtjuden und die wenigen jüdischen Grundbesitzer sind auch nicht in der Lage, jüdische Feldarbeiter zu beschäftigen, weil ihnen in ihrem Dorfe eine überaus große Anzahl von Bauern zur Verfügung steht, welche, trotzdcnl sie die Feldarbeiten genau kennen, im Sommer für einen Tagelohn von :W—40 Kreuzern arbeiten, int Winter dann allerdings hungern; und eben deshalb wandern sie auch in andere Länder aus, weil sie zu Hanse keine lohnende Arbeit finden. Sobald ein jüdischer Gutsbesitzer sich ans der Stadt jüdische Feldarbeiter kommen ließe, so ivärelt sowohl Gruitdbesitzer wie auch Feldarbeiter der Gefahr ansgesebt, daß die Bauern dieses Vorgehen des jüdischen Grundbesitzers znin Vorwände nehmen und die ganze Schuld der Verelendung und Auswanderung der polnischen und ruthenischen Bauern in noch größerem Maße, >vie dies bis jetzt geschehen, der jüdischen Konkurrenz in die Schuhe schieben würden. Aber auch wenn alle diese Hindernisse atis dem Wege geräumt wären, wäre der jüdische Fcldarbeiter nicht imstande, für diesen kleinen Taglohn zu arbeiten, denn während jeder Dorfbaner seine eigene Hütte mit einem kleinen Gärtchen, einer Kuh und einem, wenn auch bescheidenen Gcflügelhofe besitzt, und demzufolge sich eher entschließen kann, für einen geringen Taglohn in die Arbeit zl, gehen, ist dies bei dem Juden, der für Wohnung und die Erhaltung einer großen Familie zu sorgen hat, vollst ä n d i g a u s g c sch l o ss e n. * * * Tie Waichcrnitgszüge der galizischen Saisonarbeiter nach Deutschland, ^embratowhcz schreibt in der „Hilfe": Wenn «mrWl(XLKr}’ i?06 fr l- Jerusalem Dav. Asulai. 1832 ff. i. Wurzburg R. Abr. Bmg. 1832 geb. i. Ostrowo (Pos.) Dav. Gvldstetn, d. emz. siid. Kgl. Oekon. Kommissionsr. u. Amtsanw. i. Pr. 2. 1763 st. :. Wien R. Beruh. Gabr. Eskeles. 3. 1806 st. i. Hamburg Hartw. Wessely („Mosaide"). 1861 geb. i. Flehingen Peoß Jak. Barth. 1882 st. i. Paris Ludw. Kalisch, Schriftst. 4. 1400 Vertreibung d. I. a. Steierm., Kärnten u. Kram. 1814 '»'-^reslau Sal. Pappcnheim. Dichter. 1849 Gleichberechtigung Perl?"'*Ocftmeitf). <1894 st. i. München Nabb. Dr. Jos. 1862 st bcrg d. Abg. Dr. Joh. Jacoby. „Ghettobilder". 1903 st. i. 8 Meyer. 8. 1824 geb. i. Prag Sal. Kohn, Berlin Gem.-Vorst. Justizr. Siegm. nicht Vertrauten, hie und da etwas unverständlich erscheinen. Das Unglück Galiziens ist der Mangel an Industrie, welcher den größten Teil Galiziens buchstäblich an die Scholle bindet, die Bcvölkcrung^zwingt. ausschließlich vom Boden und seinem Ertrage zu leben (/7 Prozent der Bevölkerung lebt in Galizien vom Ackerbau). Dabei spielt auch die Grundverteilung eine sehr große Rolle, soioie der Zersetzungsprozeß, dem der galizische Bauernbesitz unterliegt. Der mittlere Bauernbesitz verfällt immer mehr, der kleine arburg veröffentlicht sein in der Versammlung der Pa-. lästinafreunde zu Hamburg gehaltenes Referat im Organ der! .^'bröckelt sich bis zur Unmöglichkeit und jenseits dieses Prozesses rinnistilcku»» KnniniHsinn utr flfrfnrfAmtn SnnTrtf+trtrtS ittiS Ynfif 1 4^^. 9 '^apttaltsmus, verychtedene Spekulanten, die Broschürenform erscheinen. Die Schrift behandelt in großen Zügen die Besiedelungsmöglichkeiten und die Aussichten der Hauptproduktionszweige in Palästina. Auch das Referat von Dr. Alfred Nossig über „Das jüdische Kolonisationsprogramm" erscheint bedeutend erweitert, als selbständige Schnfl, jedoch nicht als Publikation der Propaganda- Kommission. Diese Abhandlung, welche das Palästinawerk im' Zusammenhänge mit anderen Kolonisationsprojekteu, insbesondere mit dem ostafrikanlschen erörtert, hat auch das Interesse der zionistischen Kreise erweckt. Eine Gruppe von russischen Zionisten veröffentlicht eine Jargon-Ausgabe und eine russische Uebersetzung derselben, während die zionistische Verlagsgesettschaft „Kadimah" eine polnische Uebersetzung erscheinen ließ. Auch auf anderen Gebieten läßt sich dieses erfreuliche Zusammenarbeiten von Paläftinafreunden und Zionisten beobachten. Große Bedeutung für die Entwickelung des KolonisationsWerkes dürfte die Ausstellung von Erzeugnissen der jüdischen Kolonien iu Paläst: na erlangen, welche zunächst im März in Wien veranstaltet wird und hierauf nach mehreren anderen Städten transportiert werden soll. Das Wiener Ausstellungs-Komitee besteht aus einer Reihe der angesehensten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde Wiens. Im Einklänge damit steht die Tatsache, daß! 40,4 Prozent der Grundeigentümer keine ganzen 2 Joch (= 0,58 Hektar) Grundeigentum. Wenn wir die Grnndeigentumsverhältnisse der Jahre 1848 und 1893 vergleichen, so ergibt sich, daß die Zahl dieser minimalen Grundwirtschaften um 250 Prozent, die Zahl jener bon 2 bis 5 Joch rim 154 Prozent, jener von 6 bis 10 Joch um 76 Prozent gewachsen ist. Gleichzeitig hat sich aber die Zahl der Wirtschaften im Umfange bon 10 bis 20 Joch um 34 Prozent, die Zahl jener von 20 bis 100 um 14,2 Prozent verringert. Dagegen ist die Zahl der Wirtschaften im Umfange von über 100 Joch um 122,6 Prozent gewachsen. Ein großer Teil der galizischen Bauern sind eigentlich Ackcrbavprotetarier, die nur eine Hütte und daneben ein kleines Stückchen Acker besitzen. Diese Verhältnisse find in Ostgalizien viel ärger als in Westgalizien. Das findet darin seine Erklärung, daß der ruthcnische Landesteil (Ostgalizien) immer zngmtsten des polnischen (Westgalizienl erploitiert wird. Was die Verkehrsmittel anbelangt, lvird Ostgalizien.völlig benachteiligt; dessen Geld wird ztir Bereicherung des westlichen Teiles verwendet. Dabei ist nicht zu vergessen, daß Ostgalizien einen Flächenraum von 63 201,18 Quadratkilometer har, Westgalizien dagegen 25 296,60 Quadratkilonieter umfaßt. Einige Stichproben werden nun genügen, um die Tragweite dieser bcrüchligteu Wirtschaft, iitsbesondere für das Ostgalizien bewohnende rtuhenische Volk ztt ermessen. Bis znm Jahre 1888 hat man in Galizien 2807 Kilometer Wege gebaut, in Ostgalizien 047 und in Westgalizien 2100 Kilometer. Zwar hat man das später in den Jahren 1888—1894 wenigstens znin Scheine verbessern wollen, aber trotz der „Freigebigkeit" des Landtages wird Ostgalizien dem westlichen Teil dieses Landes bei weitem nicht gleichgestellt. Denn während das das Wiener Aktions-Komitee dem Vertreter einer Gruppe von Palästinafreunden, welche die Gründung eines Kolonisations--; territoriale Verhältnis Westgaliziens zu Ostgalizien sich verhält wie Vereines in Oesterreich vorbereiten, die Zusage erteilte, dem ' sich sogar die Summe der etitrichteten Steuer im V-reine g.g°nitb« -inw°hl«°ll°nd- S.-llu»g -inznn-hm-n. tt. Wege — 1 : 1.4. Für den „Wasserbau und Meliorationen" wurden dieses Jahr vom galizischen Landtage int ganzen 1 860 109 Kronen bestimmt; davon erhält Ostgalizien 627 866 Kroneit. Wir könnten hier ziffernntäßig Nachweise», daß itt früheren Jahren Ostgalizien ttoch viel mehr benachteiligt wurde als jetzt. Doch die Zahlen ivürden mts zu Iveil führe». Diese Verwüstmtgspolitik zieht nicht imi' die gänzliche Verwahrlosung des rttthettisrheu Landesteiles ttnch sieh, sondern beraubt auch den ruthenischen Bauer jeder Möglichkeit, seine Luge auch mir halbwegs erträglich ztt gestalten. "aß angesichts dieser Verhältnisse ein ArbeiiSmarkt außersucht iverden mußte, ist einleuchtend. Ein solcher Diese Umstände beweisen wohl zur Genüge, daß die Idee der systematischen Kolonisation heute in allen Kreisen gewürdigt wird und daß die parteiversöhnende Tendenz der Palästinabewegung Anerkennung findet. Zettungsschau. Warnung für Answanderer. Die «Bud. Korr." schreibt: Jit! Rio de Janeiro hat sich unter dem Namen: „Etnpreza de Colonisacao! OirVi'^jim'iö'qi*fVu-i Brazileira" eine Gesellschaft konstituiert, welche Uttgarn und Slaven > j„ D „tscblnn tm Staate Minas ansiedeln tvill. Ta aber, wie ivir erfahren, die genannte Gesellschaft nicht in der Lage ist, Kolonien zti gründen nttd ihre Leiter itt schlechtem Rufe stehen, iverden die ungarischen Auswanderer gewarnt, den Versprechungen dieser Gesellschaft, oder ihrer Agenten, welche nur die AnSbetitnng der Ausivanderer zum Ziele haben. Glauben ztt schenken. * * Die Judenaustreibung tu Sibirien. Wie der Londoner „Hajehoodi" zu melden weiß, beschloß die Repräsentanz der Londoner Kultusgemeinde, die englische Regierung zu bitte», bei der russischen Regierung ivegen Aufhebung des bon ltns bereits gemeldeten Austreibungsbefehles zu intervenieren. •i* Jüdische Feldarbeiter in Galizien. In einer ihrer letzten Nummern machte die in Wien erscheinende „Gerechtigkeit" den Vorschlag, die „Jca" möge den jüdischen Gutsbesitzern i» Galizien Oumumi große Schwierigkeiten in den Weg gelegt, lim nämlich eine Arbeiterailsnnndernng zu organisieren, bedarf man eines Arbeitsverinitteliingsamles; um ein solches aber gründen zu können, muß man eine Bewilligung der Landesregierung, also der galizischen StaUhnllerei, haben. Der grösste rnlhenische Volksbildungsverein - in dessen von der Regierung bewilligten Statute» sogar eine Organisation voranSgesehett ist —- „Prostrita", sucht aber seit 1 Jahren vergeblich eine solche Konzession ztt erhalten. Chronik. Anland. Adar. 21. 1896 st. i. Kowtto Rabb. Jzch. 1887 ft. i. Königsberg Joh. Jacoby. 23. 1328 Beginn der Jndenmetzelei in Nalvarra. 1817 geb. i. Altoita Prof. M. A. Levy. 26. 1829 st. i. Offenbach, Hofag. Wolf Breidenbach. Gedenktage. Elch. Spector. 22. Bortrag. Am 9. d. M.. abends 8 Uhr abends, findet im Fcstsaale des „Jüdischett Bolksverein" ein Vortrag statt. Thema: Die Zustände in der Wiener Kultusgemeinde. Referenten: Jakob Krausz (Unterrichts- und Beamtenwesen), Hermann P l a s ch k e s (Bethaustind Armenwesen). Gäste, auch Damen, willkommen. * * q- Aus zionistischen Kreisen. Die Sitzung des großett A.-C. findet am 11. April statt. Den Hauptgegenstand der Beratung bildet die Austragung des Charkolver Protestes und damit zusammenhängend die Entscheidung, ob der Landkauf und die Kolonisation sofort in Angriff genommen werden, oder bon der Erlangung eines Charters abhängig gemacht werden soll. Wien. Die jüdische akademische Verbindung „U n i t a s" beehrt sich hiemit, den Montag den 7. März 1904 im Ballsaale Ronacher Wien, 1. Bez., stattfindenden Stiftungs-Kommers anläßlich ihres 20. Seinesters anzuzeigen. Soireetoilette. Frack erbeten. Beginn präzise 9 Uhr. — Samstag den 5. März, 8 Uhr abends, P i ck n i ck. Ort: Unitas-Bnde, 8. Bez., Auersperg st r. 21. Wien. Der H u m a u i t ä r e und G e s e l (i g k e i t s - V crci N U n g a r - H e r z (Magyar Sziv), Vereinslokal 16. Bez., Weyprechtgasse 6, veranstaltet Samstag den 6. März 1904 in Knffners Branhanssälen 17. Bcz., Francngasse 27, einen Maske n b a l t. Ballmnsik einer k. tt. k. Regimentskapettc. Der Reinertrag fließt armen jüdischen Witwen und Waisen zu. Wien. Der lit. Geselligkcitsverein ftid. Mädchen „M o r i a" wird Sonntag den 6. März anläßlich der Purim- und Schckeltage eine intime Feier veranstalten. Herr Dr. I. W. Marmore! hat den rednerischen Teil übernommen, an den sich Deklamationen und musikalische Darbietungen anknüpfen werden. Gäste herzlich willkommen. Beginn präzise 4 Uhr nachmittags im Kongreß-Saal, 9. Bez., Türkenstraße 9. — Sonntag den 21. ds. hat Herr Doktor Egon Zweig über „Marranische Frauen" vor einem zahlreichen Publikum einen Vortrag gehalten. Reicher Beifall lohnte die ungemein interessanten Ausführungen. Wien. (M ä d ch e n- und F r a u e n - V e r c i n „B i k n r Chan lim".) Am Sonntag den 7. März, nachmittags halb 4 Uhr, findet im Schulzimmer der isr. Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstetwng. 2, 2. Stock, ein Vortrag des Herrn Dr. Isidor Fischer über „F r a n e n k l e i d u irg" ( nur für Frauen und Mädchen) statt. Gäste (Damen) sind herzlichst willkommen. Wien. (Verein Iüdis ch. I n g e n d l. Arbeiter „Brigitte n au") hält am 0. März d. I., um halb 3 Uhr nachmittags, im eigenen Vercinslotale des Cafe Kämpf, 2. Bez., Jägcrstraße 16 (Privatlotal) seine erste Monatsversammlung nach der am 24. Jänner 1904 stattgchabten Generalversammlung ab und ersucht die geehrten Gesinnnngsgenossen und Kollegen, zu dieser Versammlung, die mit einem Referate des Gg. Gottlieb enden wird, bestimmt zu erscheinen und hierfür zu. agitieren. Außerdem finden im selben Lokal jeden Sonntag, halb 3 Uhr nachmittags, bei halbwegs günstigem Wetter Vereins- und Unterhallt,ngsabcnde statt, wozu wir Sie ebenfalls höfl. einladen und an Sie das Ansuchen gleichzeitig richten, in Ihren befreundeten Kreisen für zahlreiches Erscheinen an denselben zu sorgen, ivofür wir Ihnen im Vorhinein bestens Dank sagen und hinzufügen, das; der Name und das Thema des Referenten in dieser Nummer bekanutgegeben wird. Kollegen und Gesinnnngsgenossen agitiert für unsere Vereinsabende, damit ivir zahlreichen Besuch aufweiseu können. S. F. Israelitische Kultnsgemeinde Wien. Montag den 7. März, präzise 7 Uhr abends, im Festsaale des n.-ö. Gewerbevereines, 1. Bez., Eschenbachgasse Nr. 11: Herr Dr. Max Gr ün W ald: „Geschichte der Inden in Deutschland und Oesterreich." (Fortsetzung.) Mit Vorführung von Lichtbildern. Der Eintritt ist frei. Boykott der Getauften durch die — Christen. Das „Jüdische Voltsblatt" hat bereits vor Jahre» und viel früher als irgend ein christliches Blatt auf die Gefahr hingewiesen, die die christliche Gesellschaft und die christliche Kirche durch die Protegierung der Judentaufen erfahren werde. Wir haben einfach, aber logisch kalkuliert, wie folgt: Wer nicht aus tiefreligiöser Ueberzeugung von der neuen Religion, sondern m a t e: i e l l e r oder sozialer Vorteile ivegen seinen alten Volksstamm, Glauben und seine Eltern verleugnet, ist ein G e s i n n n n g s l n m p und wird seine Gesinnungslumperei in die Reihen seiner neuen Glaubensbrüder einschleppen und damit das K o n t a g i u m des Abfalls aus selbstsüchtigen Motiven, seien sie politischer oder sozialer Natur. Auch das „Los von Juda", das von so vielen hohen staatlichen und kirchl i ch e u Funktionären favorisiert wurde, folgte eben ganz prompt das „Los von Non:". lind bei bet: Herren „En-Masse"-Täuferu in gewissen Kirchen in Wien, Prag tislv. kann sich die katholische Kirche für die „Los von Nom"-Belvegimg in Oesterreich bedanken. Es ist implieite ihr Werk der Abfall vom Katholizismus. Ist denn wirklich niemals den Herren des Staates und der Kirche eingefallen, daß, lvenn z. B. jüdische Auskultanten, Advokaten, Dozenten uftv. sich um eine auf deit werden, oder _— , . , Glaubenswechsel doch nur eine Formalität sei usw. sich sofort zttrückzog, während der andere »ach einigen Tagen mit einem „frischen" Taufschein in der Hand lviederkam, der von dem Richterodcr Lehramte Z tt r ü ck g e w i e s e tt e der Ehre n m a n n, der andere eilt Glanbenslump ivar, und sie daher nicht dem charak t e r v o l l Carriere und räumt habet. ... ..... „Inden", welche knapp vor ihrer Ernennung znm Ansknltanten, Sekretär, Lnndesgerichlsrnl, Professor, Präfett, Stabsoffizier usw. ihren allen Glauben und den ihrer etwa noch lebenden Eltern und Geschwister abschworen und eine» neuen annnhmen, dies nicht b l'o ß wegen der K a r r i c r e taten'k Oder glaubten sie, daß sich diese prnitischen Wechsler in Glanbenssachen so gründlich bekehren iverden, daß sie ihr? Kinder fortan belehren iverden: „Wenit bu auch als Protestant ruscher eilt Re'ichstngsniandat, oder eine reiche i Glanbenslump ivar, und itc oayer mcm oem a)a:a!le n Juden, sondern dem charakterlosen Juden die ind daher Einfluß auf die christliche Bevölkerung eingejciiV Oder haben sie ivirklich geglaubt, daß die Herrett

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