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Jüdisches Volksblatt · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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fkiu e Wien, Freiing /ikliflthM Yolkaftktt. 4. März 1-04 Nr. 10 Zeit seines Lebens auch an der Verbesserung der russisch-jüdischen Zustände. Dem Geist dieses großen Vertreters des Humanitätsgedankens in Rußland getreu, protestierte auch der Pirogow-Kongreh gegen die Beschränkungen, die bei der Aufnahme jüdischer Aerzte in die Dienste der Gemeinden bestehen, durch folgende Resolution: „Der Kongreh erachtet es als der Gemeindeinstitution und der angestellten Aerzte unwürdig, Beschränkungen aufrecht zu erhalten, welche durch nationale und religiöse Vorurteile hervorgerufen sind." Der russischen Regierung und namentlich dem Minister P l e h w e war diese Kundgebung von so hochansehnlicher Stätte ans unbequem, sie verbot daher kurzerhand die Veröffentlichung dieser Beschlüsse des Pirogow-Kongresses. Es geht eben nichts über die Toleranz der russischen Negierung. Aus Odessa wurden 25 Aerzte nach dem Kriegsschauplätze gesandt, darunter folgende jüdische Doktoreil: Heren, Wiener, Czop, Wiolfpelzer, Goldenberg, Rosenfeld, Skolnik, Brodski, Kejson u. a. In Lodz (russ. Polen) fand eine tiefernste Feier statt. Unter der Bemannung der Batterie, welche von hier nach dem Kriegsschauplätze abging, befinden sich 35 Juden. Die Gemeinde veranstaltete ihnen eine Abschiedsfeier. Der Rabbiner und die Vorsteher waren zugegen. Der Rabbiner hielt eine ergreifende Rede, ermahnte die Soldaten, ihre Pflichten gegen das Vaterland und gegen den Kaiser treu zu erfüllen. Am Schlüsse gab er ihnen seinen Segen mit auf den Weg. Seine Worte machten tiefen Eindruck. Er übergab jedem Soldaten ein Paar Teffilin, ein Chumesch und 4 Rubel. Möge Gott sie beschützen I — Durch den Krieg leidet hier der Handel auherordentlich, da viele Geschäfte Verbindungen mit Port Arthur lind anderen Plätzen des fernen Ostens haben. Odessa. Dr. Rubinstein traf das Los, sich als Arzt nach dem fernen Osten zu begeben. Verschiedene Verhältnisse stelleil sich jedoch dieser seiner Bestimmung als Hindernisse in den Weg. Infolge dessen bot er demjenigen Arzt, der au seiner Stelle nach dem fernen Osten gehen wolle, 4000 Rubel. Dr. I. L. Gurfinkel, Arzt der Unfallstation, nahm das Anerbieten an und reist anstatt des Dr. Rubinstein nach dem fernen Osten. Die 4000 Rubel spendet er zum Besten der Gründung einer Kasse zur gegenseitigen Unterstützung der Feldschererinnen beim jüdischen Krankenhause. Kischenew. Im Prozesse wegen der Ausschreitungen im April vorigen Jahres beträgt die Zahl der Angeklagten 68. Die des Mordes an Kohan Angeklagten Notar und Kuiban wurden freigesprochen, letzterer aber wegen Teilnahme an den Unruhe:: zur Einreihung in die Arrestanten-Kompanie anf die Dauer eines Jahres verurteilt. Die Verhandlung wegen Ermordung der Jüdin Kosa wurde wegen Nichterscheinens wichtiger Zeugen vertagt. Wegen Ermordung des Juden Utmann wurden zwei der Angeklagten verurteilt und zwar einer zu einem Jahr Gefängnis, während der zweite für zweieinhalb Jahre in die Arrestanten-Kompanie eingereiht. und zur Zahlung von 500 Rubeln an die Witwe Utmanns verurteilt wurde. Der dritte Angeklagte wurde freigesprochen. Die Friedenskonferenz. Bekanntlich hat der Präsident der „Mtsrachi" den Vorschlag gemacht, die durch die Charkower Konferenz entstandenen Differenzen im zionistischen Lager vor eine Friedenskonferenz zu bringen und daselbst zu schlichten. Hierauf veröffentlichen die Herren: M. Ussischkin, Bernstein-Kohan und A. Jacobsohn im „Hazofeh* folgende Erklärung: In Nr. 13 der »Hazefirah^ beantragt Herr Rabbiner Reines in seiner Eigenschaft als Präsident der „Misrachi" eine aus den Vertreten. der Delegierten, derjenigen der „Misrachi" und der „Organisationsfreunde" bestehenden Friedenskonferenz einzuberufen. Auf diesen Vorschlag haben wir Folgendes zu erwidern: Auf Grund unseres Organisationsstatutes besitzen wir nur drei Instanzen: Den Kongreß, das große und das kleine Aktions-Komitee, im Wege welcher Foren unsere wichtigen und fundamentalen Angelegenheiten erledigt werden. — Wir und unsere Bewegung bedürfen nicht eines Friedens auf dem Papier, sondern einer gründlichen Aussprache über die zionistischen Angelegenheiten; wir brauchen keine Beschützer der Organisation, sondern, daß die Gesetze der Organisation beachtet und durchgeführt werden, und wenn zwischen den Delegierten und dem Präsidenten des Aktions-Komitees Meinungsverschiedenheiten bestehen, so soll die Angelegenheit vor das große Aktions-Komitee, und falls dort eine Einigkeit nicht erzielt werden könnte, vor den nächsten Kongreß gebracht werden. Hätten sich lieber in jüngster Zeit nicht soviel Friedensfreunde gefunden, «S wäre dann auch der Friede nicht gestört worden und wollte« nicht gar so viele unter unS die Organisation schützen, sie wäre sicherlich nicht gelockert worden. Die jüdischen Kultusgeweinde» in Bulgarien Am 6. März finden in den bulgarischen jüdischen KultuSgemrinden unter Aufsicht der Regierung die allgemeinen Wahlen statt. Als Wähler fungieren alle jüdischen Einwohner ohne Unterschied der Zuständigkeit, di« daS 21. Lebensjahr über- - schritten haben. Die Liste derselben ist von den Präfekten aufgestellt; doch sind wahlberechtigt nur bulgarische Unterthanen und solche Fremde, die im Lande geboren sind und da- Alter von 30 Jahren erreicht haben. Die FunkttonSdauer der Vorstände der Kultusgemeinden ist auf 3 Jahre festgesetzt. Die Gewählten, die keinen Gehalt beziehen, werden durch fürstliches Dekret bestätigt und als Beamte ang-sehen. Fremdeneinwanderung in Kapland. Wie uns aus London gemeldet wird, wurde die Fremdeneinwanderung nach Kapland durch eine neuerliche Verfügung e r s ch Iv e r t. Bis jetzt wurde von den Einwanderern bekanntlich unter anderem auch der Nachweis eines Besitzes von mindestens f ü n f Pf u n d Sterling gefordert. Laut der neuen Verfügung muh jeder fremde Ankömling zumindest den B e s i tz v o n z w a n z i g P f u n d S t e r l i n g Nachweisen. Ohne diesen Nachweis wird kein Fremder ins Land gelassen, wenn er auch sonst den übrigen Bedingungen vollkommen entspricht. Die Juden tu Japan. Die erste jüdische Firma, welche (1880) in der japanische« Stadt Yokohama errichtet wurde, war „Ginsburg und Brüder". Sie beschäftigte sich mit dem Verladen und Ausladen von Schiffen; später gründeten sie auch in anderen Häfen Filialen. Einzelne jüdische Familien wohnen in mehreren Städten Japan-; eine organisierte israelitische Kultusgemeinde besteht aber nur in der Stadt Nagasaki. Die Gemeinde zählt zwar nur 122 Seelen; trotzdem besitzt sie eine Synagoge; vor einigen Jahren ließen sie 3 Sifre Thora kommen; auch eine F Chewra Kadischa besteht daselbst und die kleine Gemeinde hat bereits einen Friedhof angelegt, einen Rabbiner, einen Schächter, einen Kantor angestellt. Auch ein Mohel ist vorhanden und alle Kultuseinrichtungen einer jüdischen Gemeinde. Ein deutscher Jude, welcher vor Jahren in Nagasaki eingewandert war und dort ein Hotel eröffnet hatte, heiratete eine zum Judentum übergetretene Japanerin. Der Mann starb und die Witwe leistete den größten freiwilligen Beitrag zum Bau der Synagoge. Ueber die Juden in Japan enthält „Der Freund" einige wiffenSwerte Mittheilungen. Erst seit kurzer Zeit dürfen sich Fremde in Japan niederlassen. Eingeborene Juden gibt eS daselbst nicht. Sie sind eingewandert au- Sibirien, auS den englischen Häfen, auS Palästina und China. Die jüdische Kolonie im Lande des Mikado wächst von Tag zu Tag. Außer einigen großen Geschäften befassen sie sich mit Kleinhandel, die auS Sibirien Eingewanderten betreiben dawenig beneidenswerte Gewerbe von Schnapsschänken. Die Juden, welche aus dem Osten eingewandert sind, find sehr fromm und führen ein ordentliches Leben. Die arabischen und Palästinajuden kommen zumeist als Meschulochim, um Spenden zu sammeln. Nur ein kleiner Teil von Japan ist für Europäer geöffnet. Der größte Teil ist bisher unerforscht. Soviel wir wiffen, befinden sich jetzt in Japan 200 jüdische Familien. Die Exzesse iu Zablotow. Die Verhandlung, die am 25. v. M. vor dem Kolomeaer Kreisgerichte gegen den Finanzoberwachaufseher Skalski, 20 Bauern und 5 Bäuerinnen begonnen hat, verdient das größte Interesse. Nach Verlesung der Anklage begann das Verhör der Angeklagten. Der Erstangeklagte Jlko Kowalnik bekennt sich nicht schuldig. Präs.: Was wissen Sie von den Exzessen? — Angekl.: Ich weiß, daß die Exzesse dadurch entstanden sind, weil das falsche Gerücht verbreitet wurde, daß ein christliches Weib erschlagen worden sei. Präs, (zu dem Angeklagten Potejczuk): Warst du bei den Exzessen? — Angekl.: Ja, ich bin gerade aus einem Geschäfte herausgekommen, da hörte ich einen gewaltigen Lärm und glaubte, daß es brenne. Nun hörte ich andere Bauern schreien, daß man die Juden totschlägt, weil sie ein Bauernweib abgeschlachtet haben. Präs, (zum Angeklagten Podhobieny): Haft du an den Exzessen teilgenommen? — Angekl.: Ich kam auf den Viehmarkt und sah, wie die Bauern einen Juden verfolgt und gep r ü g e l t h a b e n. Derselbe machte Lärm und ich bat, man möge ihn freilassen, da er ein Zurower und kein Zablotower Jude sei., Präs.: Der Jude sagte aber vor Gericht, daß gerade du am lautesten geschrien hast: „Haut die Juden!" — Angekl.: Das ist nicht wahr. Aehnlich lauten die Antworten der übrigen Angeklagten. Der Oberaufseher als Rädelsführer. Unter allgemeiner Spannung wird der k. k. Finanzwach-Oberaufseher Eduard Skalski einvernommen. Er erzählt folgendes: Ich sah, wie ein Jud', derbonf einem Haufen Bauern verfolgt wurde, in den Mühlbach sprangt /Als ich fragte,was das bedeuten solle, antwortete man mir, daß die Inden eine Bäuerin abgeschlächtet haben. Ich selbst habe die Juden nicht geschlagen, vielmehr versucht, beruhigend aus die Menge einzuwirken. Präs.: Sie haben den Juden in den Mühlbach gestürzt und geschrien: „Schlagt ihn tot!" Sie haben unter die Bauern Stöcke verteilt und gerufen: »Schlagt die Juden, wie ihr nur könnt I Denn jetzt ist es Zeit, die Juden totzuschlagenI" Schließlich haben Sie selbst mit dem Säbel losges chlagen und die Bauern aufgefordert, nach den Juden mit den Messern zu stechen. Dem Rachmiel Nier haben Sie mit dem Säbel einen Hieb versetzt und dabei geschrien: „Kusch oder ich fetze dich durch!" Dann sind Sie in die Wohnung des Feibel Engler eingedrungen, haben seinen Bretterzaun zusammengerissen und die Planken unter die Bauern verteilt. — Der Angeklagte schweigt längere Zeit, dann sagt er: „Das ist alles nicht wahr. Ich habe Feinde, die gegen mich aussagen." Präs.: Sie sind sogar angeklagt, versucht zu haben, einige Zeugen zu falscher Aussage z u verleiten. Der P rä s i d e n t verliest dann die nachträglich erhobene Anklage, daß Skalski in der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober das Haus des Salomon Seiler überfiel, die Fenster einschlug und den Sohn des Seiler m i t d e m S ä b e l u n d mit den F ä u st e n bearbeitete. Skalski leugnet. Am zweiten Verhandlungstage wurde zur Zeugeneinvernahme geschritten. Die Vorbereitung der Exzesse. Von besonderem Interesse ist die Einvernahme des Gendarmeriewachtmeisters und Postenkommandanten Jon O r z e ch, welcher, wie folgt, aussagt: Seit den griechisch-katholischen Ostern verbreitete sich unter den Bauern das Gerücht, daß die ruthenischen Turnvereine „Sicz" die Berufung einer großen Versammlung planen und die A b s ch l a ch t u n g der Juden beschliehen wollen. Dieser Plan solle während der griechisch-katholischen Pfingsten ausgeführt werden. Ich habe sofort die politische Behörde in Suiathn in Kenntnis gesetzt und um enffprechende Vorkehrungen gebeten, welche aber leidep nicht erfolgten. P r ü s.: Woher wiffen Sie, daß die Exzesse von den Mitgliedern der Turnvereine „Siez" veranstaltet wurden? — Zeuge: Ich weiß es, weil nur die Turner „Siez" den größten Haß gegen die Juden und Polen hegen und an den Exzesseil teilgenommen haben, während die Bauern von Zablotow sich von den Exzessen ferngehalten haben. •. P r ä s.: Haben Sie geglaubt, daß Dulberg eine Bäuerin abgeschlachtet hat? — Beuge: D n r ch a u s nicht; sondern ich gewann die lleberzeugung, daß dieses Märchen der Grund zur Hervorrufung der früher geplanten Exzesse gegen die Juden ist. Zeuge sagt toeiters ans, daß er nach Ausbrnch der Exzesse sich in die Stadt begeben habe. Auf dem Wege dahin haben mich Judenweiber angefallen und flehentlich gebeten: „V a t e r, r e t t e n Sie uns!" Ich habe sie beruhigt und lief auf den Ring, wo sich mir ein f ü r ch t e r l i ch e s B i l d darbot. Bauern und Bäuerinnen liefen, wie besessen, mit Stöcken, Brettern, Steinen usw. den Juden nach, als ob sie ein W'. i l d hetzte n, und zertrümmerten die F e n st e r s ch e i b e n und vernichteten die Ware n. Präs.: Also wer hat die Exzesse borbereitet? — Zeuge: Das weiß ich nicht, aber sie wurden sicherlich vorbereitet. P r ä s.: Das ist Ihre p e r s ö n l i ch e Ansicht, aber ich möchte nur Tatsachen haben. Zeuge: Man erzählte mir, daß mn Tage nach beu Exzessen die Bauern ihrer Freude Ausdruck gaben, daß ihnen die S a ch e gelungen sei und daß sie während des Jahrmarktes zur Ausführung gebracht tvurde. Auffallend ist es doch auch, das; das Gerücht voll der Ermordrrng der Bäuerin an beiden Stndtecken zugleich auftauchte. Der HrnrptSefchiidigte. Einer der Hauptbeschädigten ist -der 27jährige Aba Eisenberg. Er erzählt, wie die Bauern mit Gewalt in seine Wohnung drangen, die Waren herausrissen und ihn zu prügeln begannen. Er habe geweint und gebeten, aber die Bauern schrien ununterbrochen^ „Schlagt diesen Juden tot, er hat die Bäuerin geschlachtet!" Dann fielen sie wieder über mich her und schlugen mich so lange, bis ich blutete und bewußtlos hingefallen war. Was weiter geschehen ist, weiß ich nicht, „da ich tot war". Aus meiner Tasche hat man mir 60 Kronen herausgenommen, auch eine Uhr im Werte von 26 Kronen hat man mir gestohlen. Die 16jährige Zeugin Butulinska sagt unter Eid aus, sie habe gehört, daß die Juden eine Bäuerin und ein Mädchen abgeschlachtet haben. Präs.: Wer hat Ihnen das alles erzählt? — Zeugin: Der Angeklagte Budnik. Mitteilungen aus dem Undlikum. Die bestbekannte Firma M. Rundbakin, früher 9. Bez., Berggaffe Nr. 3, ist mit ihrem reichen Lager von Fahrrädern, Nähmaschinen und anderen praktischen Bedarfsartikeln nach 9. Bez., Liechtensteinstraße Nr. 23 übersiedelt. Briefkasten. Patriot. Die Erfolge Japaris haben so lange nichts zu bedeuten, so lange die „Deutsche Zeitung" ihre Allianz mit Rußland aufrechtcrhält. Wir sind im Besitze eines Schreibeils des Grafen Lambsdorff an den Chefredakteur der „D. Z.", dessen Inhalt wir so diskret sind zu verschweigen. Nur den Schluß wollen wir zitieren. Er lautet: „Arm in Arm mit dir, so fordern Japan in die Schranken wi r." A. N. Sie haben recht. Die Wiener sogenannten Judenblätter nehmen in jüdischen Sachen eine immer ekelhaftere Haltung ein: So bringt die „Arbeiter-Zeitung" die Notiz betreffs einer gewaltsamen Taufe in Galizien unter dem Schlagworte: Eine tragikomische Taufe. Herr Austerlitz findet es also tragikomisch, wenn man einen Juden unter der Drohung, ihm den Hals abzuschneiden, zur Taufe zwingt. Er hat eigentlich von seinem Standpunkte aus recht; denn ihm brauchte man, nicht zu drohen, um ih« zur Taufe zu veranlassen. Würdig reiht sich diesem Vorgehen das „N. Wiener Tagblatt" an. Dieses bringt eine ähnliche Taufgeschichte unter dem Schlagworte: Die Taufe der Sarah. Nett l Eingesendel. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, Wien, IX., Gr. Thorgaffe 34. Am Montag, den 7. d. M. findet in den Räumen der Halle ein Vortrag des Herr» Dr. Paul W s i s e n g r ü n stat; Thema : „Haben wir Kultur?" Beginn 73/h Uhr abends. An die verehrliche Redaktion des „Jüdischen Volksblatt" in Wien! Vepzeihejpl Sie, wenn ich um Veröffentlichui jg folglenjdev Zeilen bitte. Im 16. Bezirk starb am Freitag den 26. v. M. Herr Med.-Dr. Arpad Epstein, Sohn des in unserem Bezirke sehr geachteten und geschätzten Kommunal-Volksschul- und jüdischen Religionslehrers Herrn Samuel Epstein. Leider gelang es weder dem teuren Verstorbenen, noch seinem Vater, sich Vermögen zu erwerben, um sich ein, einem akademischen Bürger würdiges Begräbnis zu erkaufen; letzterer war, seitdem er mit seinen Stildien fertig war, ein kränklicher junger Mann und rnnßw nach einem Jahre schon seine Praxis infolge Krankheit als Arzt aufgcben; zum größten Schmerze seiner geliebten Eltern, denen er'im Alter gewiß eine kräftige Stütze gewesen wäre. Herr Lehrer Epstein hatte selbstverständlich auch nicht das Glück, sich Vermögen erwerben zu können, da selber für eine sehr zahlreiche Familie zu sorgen hatte; trotzdem ist in unserem Bezirke allgemein der Wohltätigkeitssinn dieses würdigen Mannes bekannt, der sich allen Humanitären Vereinen zur Verfügung stellte; der nie einen Armen ohne Unterstützung ziehen ließ. Nun tritt der traurige Fall ein, daß dieser Mann sein Teuerstes verliert; man sollte nun glauben, daß in einem Bezirke, wo ein Lehrer 31 Jahre tätig ist, er seitens der Gemeinde ein Entgegenkommew findet, wie es der Würde und Anstand gebietet; nicht der Marl,: muhte das Ansuchen stellen, daß sein Sohn ein würdiges Leichenbegängnis erhält, sondern die Fmlktionäre einer solchen Gemeinde haben, ohne den Mann darum zu befragen, die Bestimmung zu treffen, für ein solches zu sorgen. Da gehört der Rabbiner und der Kantor derselben Gemeinde dazu, ihre Funktionen gratis zur Verfügung zu stellen, nicht wie es in diesem Falle geschehen, ohne Sang ulld Klang hiilausgeschleppt zu werden, wie es mit jedem Bettler geschieht. Ich überlasse es daher jedem vernünftig Denkenden, sich ein Urteil zu bilden, wer in diesem Falle zur Verantwortung zu ziehen wäre. Ich danke höfl. für Ihre Bemühung imb zeichne hochachtend Franz Leer, Dispollent, Wien, 17. Bezirk. Berglsteiggaffe 14/16. 29. Februar 1904. Die Mozzot-Affäre. Herr Rabbiner Mayersohn ersucht uns um Veröffentlichlmg folgender Erklärung: Es ist nicht wahr, daß Herr Rabbiner Mayersohn der Firma Monath u. Kleiner den Hechschar bereits im Monate Dezember 1903 erteilt habe; vielmehr habe er die Garantie für das Kaschrus der in dieser Fabrik erzeugten Mazzot erst im Monate Jäiitier, nachdem die Herren Monath u. Kleiner die Verpflichtung übersiommen, alle ihnen vorgefchriebenen Maßregelnl strikte einzuhalten. Als Herr Rabbiner Mayersohn gleich in den ersten acht Tage,: der Fabrikation gegen das Kaschrus der erzeugten Mazzot Bedenken erhob, machte er die Fabrikanten aufinerksam, daß er unter solchen Umständell die Oberaufsicht zurücklege und dies auch in einer gesetzlich ihm znstehenden Forin dem Publikum bekanntgeben werde. Nachdem die genannten Fabrikanten mm wiederholt die Erklärung abgaben, daß sie sich allen Anorduuiigen des Herrn Rabb. Mayersoh it fügen wollen, fixierte dieser auf a ch t Tage die Fabrikation, erklärte die bis bafjiu erzeugen Mazzot für Chamez, und obgleich er wußte, daß das geringe Öuantum bereits fertiggestellter Mazzot noch vor dem Passahfeste iverde verbraucht werden, traf er die Vorsichtsmaßregel, diejenigenPakete, welche spätere, d.h. Koscher-Mazzotfabrikate enthalten, mit seiner Stampiglie zu versehen lind dies dein Publikum dilrch ein Inserat bekmlnt zu geben. Wir haben dieser Aufklärung Raum gegeben und erachten nunmehr die Debatte über diesen Gegenstand für abgeschlossen. f

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