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Jüdisches Volksblatt · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Still » Wien, Freitag Jüdische« Yolksblatt. 4, März 1904 freundliche Korrespondenten im Lande duldet (man denke nm an die Ausweisung de- TimeS-Korrespondenten wegen seiner Kischenewer Berichte) und diese nur in beschränkter Zahl, und zweitens einfach nur Depeschen auS dem offiziellen russischen Preßbureau über die Grenze läßt. Eine besondere Abteilung für die auswärtigen Blätter ist eingerichtet worden, in der der Korrespondent ebenso billig als höflich mit offiziösen Nachrichten bedient wird. Wozu also eine Zensur? Trotz aller Schönfärberei muß aber die „Nowoje Wremja" selbst konstatieren, daß vieles faul im Staate, der von Dänemarks Prinzessin beherrscht wird, ist. ES herrscht Gährung im Lande. Und eS will viel bedeuten, wenn das Leiborgan der herrschenden Klasse dies zugibt. Die „patriotischen" Demonstrationen sind schwach, sehr schwach und noch hat Rußland erst den Beginn deS Krieges verkostet. Wie wird aber Rußland aussrhen, wenn, abgesehen von Sieg oder Niederlage, die mörderischen Folgen des Kriegesich einstellen werden? Lebhafte Heiterkeit erregte der „Swjet" in allen Kreisen, die einen Sinn für unfreiw.llige Komik haben, als er den Finger Gottedarin sah, daß der „Retwisan", der zuerst den japanischen Angriffen ausgesetzt war, die späteren Angriffe der Japaner abwehrte. Wohlweislich unterschlägt er aber eine Prophezeiung Johanns von Krön st ad t, die im Volke zirkuliert, der erklärte, daß der Zorn Gottes überKischenew den Krieg mit Japan heraufbeschwor! Ueber die Taktik der „Nowoje Wremja" wäre noch manchezu schreiben. Die „N. W." spricht von den Japanern konsequent als „Juden", geradeso wie zum Beispiel in Wien da- „Deutsche BolkSblatt", nur daS die „N. 88." eine ganz andere Bedeutung hat. Ties hat nicht nur den Sinn einer malitiösen Bemerkung, sondern eliegt System darin. Im ungebildeten Volke, das keine rechte Kenntnis hat, was für Menschenkinder die Japaner sind, soll wirklich die Meinung erweckt werden, daß die Japaner Juden find. Dadurch will die „N. Wr." zwei Fliegen mit einem Schlag treffen. Erstens will sie den Haß der Ruffen gegen die Juden steigern, zweitens will sie die vorhandenen antijüdischen Instinkte der Ruffen gegen die Japaner uusbeuten, da sonst den großen Massen der Krieg gegen Japan Hekuba wäre. Und sie erreicht, natürlich nur bei dem Pöbel, mit und-ohne Glacehandschuhe, ihren Zweck. Wie sehr der Antisemitismus der „N. Wr." zu Kopf gestiegen ist, beweist folgender Druckfehler der „N. Wr." vom 15. d. M. Die „N. Wr." schreibt: „Die Kaiserin und die Großfürstinnen verfertigen antisemitische Verbände"; natürlich sollte es heißen, antiseptische Verbände. Aber die Herren in der „N. Wr." verstehen eben vom Antisemitismus mehr, alvon der Antiseptik, obwohl ich der Meinung bin, daß zum Kriegführen die Kenntnis der Antiseptik viel nützlicher wäre. Bis jetzt stehen über 10.000 jüdische Soldaten im Felde. Für da- Jahr 1903 wurden zur Assentierung berufen: Christen 959.045, Juden 58.695, Mohammedaner 34.293, Karäer 87, Heiden 1513. Tauglich befunden wurden insgesamt 317.282 Mann, davon Christen 286.381, Juden 17.941, Mohammedaner 10.226, Karäer 17, Heiden 447. Desertiert sind 50.000, demnach fehlen für das Gesamtkootingent für das Jahr 1903, 4000 Mann. Alexei. Und sie wurde gestürzt. „Eie fielen und er mit!" Mit diesen Worten verkündete Schowach das Resultat der Wahlen. II. Kampfeßmüde, aufgeregt und brsiürzt kam Gabriel Hartman« nach Hause. Seine Frau erkannte augenblicks die Situativ« und sprach, um ihre« Mann nicht zu reize«, kein Wort. Auch sein Sohn Jeruchem verschwand auS dem Zimmer. Der Alte warf sich in einen Stuhl, legte de« schweren Kopf auf die Handflächen und stöhnte auS tiefer Brust. Da kam zu» größten Freude der Frau Hartmann, die jeden Augenblick den Ausbruch einer Sturmszene erwartete, Besuch. Es war nämlich Chelemnizki, der seinen Freund zu trösten kam. Fra» Hartmann legte rasch das Schachbrett auf den Tisch i« der Hoffnu»g, ihr Gemahl werde im geliebten Spiele für eine Spanne Zeit seine« Schmerz vergessen. Die Beide« sind langjährige Freunde, obwohl sie sich in jeder Beziehung von einander unterscheiden, ja obwohl der eine fast da- Widerspiel des andern ist. Hartmanu ist schlank, mager, schlau; er trägt lange, polnisch-jüdische Kleider, ist behutsam fromm, wenn er auch der Chaffidim-Gemeinde nicht angehört. Chelemnizki hingegen ist ein kleiner, behäbig-dicker Mann, mit polnisch-nationalen Allüren. Er trägt an polnischen Festtagen die Czamarka und glaubt an die Alleinselig- «achung de» Polentums mit unverbrüchlicher Treue. WaS hätten denn die polnischen Juden mit ihren französischen oder gar deutschen Glaubensgenossen gemeinsam? DaS Judentum besteht für ihn im Glauben an einen einzigen Gort, alles andere ist nebensächliches Zeug. Er ist soust ein gutmütiges Geschöpf, das keinem Wese» ein Leide» anzutun vermag, im Gegensätze zu Hartmann, der seine Umgebu«g tyrannisiert. Ursprünglich wurde die Bekanntschaft ans opportunistischen Gründen gepflegt. Chelemnizki, der Reltgionshrer, bedurfte des Kultusgemeinde-Präsidenten und der letztere konnte bei der Wahlmache unmöglich auf die bewährte Hilfe de» LehrerS verzichten. Eine Hand wusch also die andere. Allmählich fanden sie aber beide an einander Gefallen. Dazu kam noch daß Schachspiel, das sie mit Leidenschaft betrieben und dafie täglich für einige Stunden verband. Und so kam e-, daß sie wirkliche Freunde wurden. „Die Buben haben gesiegt", begann Chelemnizki bitter, „aber hoffentlich für eine kurze Zeit!" Prager Brief. (Russen—Japaner—Juden.) 6. Egährt wieder in Prag. — Der tschechische Mob im Vereine mit den „Närodnj ltsty", dem ehrsamen Blatte der „Närodni strana s vobod omyslna" (Liberale Bolkspartei) scheinen wieder einmal auf der Höhe der Situation zu stehen. Daalte Bündnis deS tschechischen Hetzblattes mit den Prager Pülchern wird tagtäglich enger und vielleicht gar nicht unbegründet ist die Befürchtung de- „P r ü v o Lid u", daß Prag einer Neuauflage des Jahres 1697 entgegensieht. ES ist ja nötig, daS Volk mit Sensationen vom Laufe der Sachen abzulenken, und ein äußerst willkommener Anlaß ist der Krieg zwischen Japan und Rußland geworden. ES gab kein besseres und willkommenere- Mittel, um die Massen aufzustacheln und zu Szenen zu reizen, die der Stadt Prag gewiß nicht zu besonderer Ehre gereichen. Schon am verflossenes Sonntag, als in der Prager orthodoxen Kirche ein Demonstrations-Bittgottesdienst für den Erfolg der russischen Waffen abgehalten wurde, kam eS zu wüsten Szenen, die jedoch von denjenigen des heutigen Tages bedeutend übertroffen wurden. Die Prager Straßen sind förmlich im Belagerungszustand und besonders der Graben, auf dem der Bummel der Studenten- Korporationen vor sich geht, wimmelt von Polizisten. Die ruffophilen Demonstrationen in Prag, an denen die ärgsten Elemente den Löwenanteil haben, bieten ein eigentümliches Bild. Wie immer, steht auch jetzt die Intelligenz den wüsten Auftritten nominell ferne, doch bemerkt man sehr oft, wie gut fie den Pöbel aufreizen und organisieren kann. War die Juden mit dem japanisch-russischen Kriege zu tun haben, können wir absolut nicht begreifen und doch wurden auder Menge Rufe laut: „Nieder mit den Juden!" „Nieder mit den Deutschen!" Eine eigentümliche Verquickung der Umstände bringt eS mit sich, daß der Prager Jude stets mit dem Deutschen identifiziert wird. Was Wunders! DaS Prager Kasino wird von Juden gehalten, die Couleurs Prags sind bis auf einige Ausnahmen jüdisch, so daß daS Prager Deutschtum, daS echte Deutschtum, nur sehr wenige Vertreter aufzuweisen hat. Ein Glück für die Juden Prags ist es wohl, daß die Sonntagsruhe in Prag bis auf wenige Ausnahmen eingeführt wurde. Sonst wäre es gewiß zu Exzessen gekommen, die denjenigen des Jahres 1897 kaum nachgestanden wären. Wer die direkt blutdürstigen Gesichter des Mobs sah, der sich auf jeden nur jüdisch aussehenden Menschen stürzen wollte, mußte glauben, daß die Wut des Pöbels jeden Augenblick seine Opfer finden wird. Vielleicht werden die Begebenheiten der letzten Tage in Prag eine gewisse geistige Tätigkeit unter den liberalen Juden zur Folge haben. ES wäre unser Wunsch, daß die jüdischen Kreise Prags, die, wie ein Ball, von einer Partei der anderen zugeschleudert wurden, um nach Gebrauch wieder mit dem Fuße getreten zu werden, endlich zu der Ueberzeugung kommen, daß es nur dann ein einträchtiges Leben mit allen Parteien Böhmens für sie gibt, wenn sie selbstbewußt, allen Fraktionen fernstehend, eiue stramme Organisation auf Grund einer jüdischen, gesunden Realpolitik durchführen werden. Vielleicht tragen diese Zeilen etwas dazu bei! „Es kränkt mich tief", sagte Hartmann. „WäS vorbei ist, ist vorbei ..." „Nichts ist vorbei!" Chelemnizki machte eine abwehrende Bewegung. „Ich will ihnen zeigen, was ich kann! Die Wahl ist null und nichtig! Das Gesindel soll eS erfahren . . .!" „Ich kenne dich, Freund, und ich beglückwünsche dich zu deinem Vorhabe« ..." Pause. „Also morgen", fuhr Chelemnizki fort, „heute indeS könntest Du ein wenig auSruhen, eine Schachpartie gefällig?" „Meinetwegen". Die Figuren wurden aufgestellt und das Spiel begann. Sie spielten beide mit großem Eifer und sorgfältiger Ueberlegung. HartmannS Armee machte erhebliche Fortschritte. Chelemnizki verlor ein Roß und fust wäre seine Königin in FeindeShand geraten . . . doch ein Pionnier seines Heeres bahnte sich einen mühsamen Weg gegen das feindliche Lager... Hartmann würdigte ihn nicht seiner Beachtung, denn bis der Bauer zur äußersten Schlachtreihe vardringt, wird,' dachte er. sich der feindliche König schon tüchtig in der Patsche befinden. Doch schien ihn seine Kombination verleitet zu haben. Während er daS schwere Geschütz gegen den König anffahren läßt und sein» eigene Schlachtliuie entblößt, gelangt der feindliche Bauer zu seinem Ziele und ausgestattet mit der Allgewallt einer Dame setzt er den Hartmaun'schen König in drei Zügen matt. „Schach dem König und matt!" rief Chelemnizki triumphierend. „Verfluchtes Spiel!" schimpfte Hartmann, „fort mit den elenden Figuren!" Chelemnizki und die Gemahlin Hartmann's erschrocken. Ja, was bat er nur vor? Wie sein Gesicht sich verändert, wie blau seine Lppen werden und wie ihm die Augen ans den Höhlen glotzen! „Wie der v rdcunmte Bauernjunge sich listig hinaufschwang! Das war ja der Schowach! Fort mit den Bauernjungen!" schrie Hartmann unaufhörlich. „Was ist dir nur heute?" jammerte die Frau. „Aber beruhige dich doch, Hartmann", bat der Freund. Doch dieser tobte weiter: „Fort mit dem Schachbrett! In den Ofen mit ihm! Ich will es nicht mehr sehenl“ I Regungslos wie eine Statue stand die Frau in der Mitte des Zimmers, vom Schreck fast gelähmt. Sowohl sie Die Enthüllung des Gradmals Rndin Ascher Brandes. Am 28. v. M., vormittags 11 Uhr, versammelte sich am Wiener Zentralfriedhofe eine große Anzahl von Verehrern deverstorbenen hebräischen Schriftstellers Rubin Ascher B r a u d e S, um durch die Teilnahme an der Enthüllung seines Grabmaledem Andenken des Verewigten noch einmal den entsprechenden Tribut zu zollen. Es war wieder dieselbe national gesinnte Gemeinde erschienen, welche den.Verstorbenen vor ungefähr ein und einem halben Jahre zur letzten Ruhestätte geleitete und abermalfehlten diejenigen, denen ein launenhaftes Geschick und die Indolenz der hiesigen Juden die Führung der Wiener Judengemeiade ausgeliefert hat. Zwanzig Beerdigungen waren an diesem Tage, zwanzig jüdische Personen wurden zur ewigen Ruhe bestattet, und wer Augenzeuge dieser traurigen Züge war, konnte auch die ganze Skala der Abstufungen beobachten, welche sich in der Form dieser traurigen Zeremonien kundgab. Vom Rabbiner mit verstärktem Chor und besonderer offizieller Vertretung angefangen, bis zu dem einfachen, aber desto hastigerem „Hinausiragen" der Leiche in das GratiSgrab durch zwei Bediente, war jede Nuance der Wertschätzung des Wiener Juden durch die Kultusgemeinde zum Ausdrucke gebracht worden. Rubin Ascher B r a u d e s gehörte in den Augen unserer Offiziellen zur letzten Kategorie, verschärft durch hebräisches Schriftstellertum. Weshalb es auch niemand wundern. durfte, daß von jener Seite sich auch kein einziger herbeiließ, an der Ehrung teilzunehmen. Die Eröffnungsrede hielt Dr. Lro S o f e r im Namen de- „Jüdischen Volksblattes", das die Sammlungen zu Gunsten deS Grabmales seines ehemaligen Redakteurs veranstaltete. Er schilderte Rubin Ascher Brandes in seiner dreifachen Eigenschaft, als Kämpfer, Bekenner und Erzieher. B r a u d e s sei ein Vorkämpfer der Idee des modernen Judentums, ein Bekenner der nationalen Idee, für die er nicht nur stritt, sondern auch litt, und ein Erzieher des jüdischen Volkes in dem Sinne gewesen, daß er als einer der Ersten die hebräische Sprache zu neuem Leben erweckte. Das Wirken B r a u d e s' sei erfolgreich gewesen; heute blühe im Osten eine hebräische Journalistik, die dankbar auf ihren Bahnbrecher Brandes zurückblicke. Brandes sei ferner ein geistreicher Journalist und ein wirkungsvoller Redner gewesen, der auch durch seine volkstümlichen Reden viel zur Verbreitung des nationalen Gedankenbeigetragen hat. Zum Schluffe übergab Dr. Leo Sofer das Denkmal der Obhut des Braudes-Komitee. Nach ihm sprach Dr. Jur.David Rotblum in meisterhaftem Hebräisch, indem er darauf hinwies, daß dasjenige, was Brandefür das Judentum in Wort und Schrift geleistet, nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen sei, die hebräische Sprache lebt auf und die Anhänger der nationalen Idee, für welche der Verstorbene gekämpft hat, nehme immer zu. Ein Beweis hiefür sei der Stein, vor welchem wir flehen «nd die ansehnliche Gemeinde, welche heute hier versammelt sei. Nun sprach Redakteur Jakob Krausz im Namen des Jüdischen Volksvereines und betonte hauptsächlich, daß eine prunkvolle Ehrung gewiß nicht den Intentionen deS Verewigten entsprochen hätte. In seiner Schlichtheit und in seiner genauen als auch Chelemnizki glaubten, der Mann sei um seinen Verstand gekommen. Hartmann beruhigte sich jedoch allmählich und sprach: „Wenn ich was zu sagen hätte, ich würde dieses Spiel sofort verbieten!" „Ja, warum denn?" fragte der Partner verwundert, „hast du denn heute zum erstenmal „matt" bekommen?" „Ein Spiel", sagte Hartmann mit noch immer vor Aufregung zitternder Stimme, „in dem es ein ordinärer Bauernkleppel zur Macht einer Königin bringen kann, um dann den König matt zu setzen, ein solche- Spiel sollte verboten werden!.. . DaS ist ja reine Nevolutionstheorie . . .! So ein gemeiner Schowach-Bauer kroch mir allmählich in mein Gebiet und stürzte mich bei den Wahlen!" Er durchmaß das Zimmer mit großen Schritten. Seine Frau und sein Freund aber begannen ihn zu verstehen. III. Jeruchem Hartmann hatte sich vor dem Zorn seines Vaters in die Bibliothek des Vereines „Zion" geflüchtet. Dort fand er seine Freundin Sophia Chelemnizki, mit der er ebenfalls über de« unerwarteten Ausgang der Wahlen zu sprechen begann. Sophie ist ungefähr zwanzig Jahre alt. Sie ist wohlerzogen und hat viel gelernt. Die Natur hatte sie mit vielen Fähigkeiten versorgt bis auf das Aeußere, das sie ziemlich stiefmütterlich behandelte. Sie besaß jedoch ein'Paar schwarzer, sprechender Augen, die sie für vieles entschädigten. In der Schule hatten sie die Freundinnen geneckt und die schtoarze Hexe genannt, worüber sie so manche Thräne vergossen hatte. Doch ihr Vater sprach zu ihr: „Lerne nur fleißig, mein Kind, Schönheit ist nicht Alles!" Und sie lernte sehr fleißig, laS sehr viel, ohne jedoch am Leben eine Freude zu finden. Da sie keine Gesellschaft aufsuchte, ja ihr sogar au» dem Wege ging, entbehrte ihr Dasein eines jeden Inhaltes, und die Tage flössen ihr einsam dahin, monoton und traurig. Da gründete die Jugend einen Zionverein. Jeruchem Hartmann war der Obmann. Er stand zwischen den Fortgeschrittenen und Konservativen, neigte seiner Kleidung nach den letzteren, seiner Gesinnung nach de» ersteren zu. Er las hebräische Tagesblätter, die aus ihm einen Zionisten machten. Der Vater sah e» wohl nicht gern, ließ ihn aber gewähren, da er sich schließlich dachte, es könne dem jungen Manne wohl nicht Ichaden, wenn er in engere Berührung mit den Menschen

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