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Jüdisches Volksblatt · 1904-02-26 · 9 (26.2.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 26. Februar 1904 Seite A Details enthält die in der „Wiener Zeitung" eingerückte Ausschreibung. Gesuche sind an die niederösterreichische Handels- und Gewerbekammer. Wien, 1> Bez., Wipplingerstc. 34, bis längstens 20. März 11)04 einzusenden. Vorträge im „Jüdischen Volksverein". .Nächsten Miiiwoch entfällt der Vortrag. Mittwoch den 9. März werden die Herren Jakob K r a u s z und Hermann P l a s ch k e s über „Die Zustände in der Wiener Kultusgemeinde" sprechen. Ans der Plenarsitzung des Knltnsvorstandes vom 31. Februar 1904, unter dem Vorsitze des 1. Vizepräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe befindet sich ein Schreiben der Frau Leontine Moor, mit welchem dieselbe für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinschcidcns ihres Gatten, des Vethausvorstchers Jakob Moor, ihren Dank ausspricht. Im Präsidialberichte gibt der Vorsitzende Kenntnis über den Stand der Einnahmen und Ausgaben am 31. Jänner 1904 im Vergleiche mit den diesbezüglichen Ergebnissen des Vorjahres. Dem Plenum werden nachstehende, seit der letzten Plenarsitzung verliehene Stiftungen zur Kenntnis gebracht. Die Dr. Adolf und Emanuel Stcrn'sche Stiftung für Nigorosanten der Medizin (6 Plätze von je K. 212.—). Die Antonie von Boschan-Armenstiftung (10 Plätze von je K. 48.76). Die Dr. Adolf Jellinek- Widmung für Talmudschülcr (1 Platz von K. 100.—). Die. Dr. Adolf Schmiedl-Widmnng für Talmudschüler (2 Plätze von je K. 100.—). Die Spende Max Ritter von Gntmann für Talmudschüler an 4 Bewerber von je K. 100.—. Die Spende Salo Cohn für Talmudschüler an 1 Bewerber mit K. 100.—. Die Dr. Ignaz Lemberger-Ausstattungs-Stiftung (1 Platz von 5t. 200.—. Die Josef Spitzer-Armen-Widmung (4 Plätze von je K. 60.—). Die Ludwig König-Widmung für ein Waisenmädchen (1 Platz von K. 41.—). Die Ignaz Baum-Stiftung für Anne (10 Plätze von je K. 40.—). (An wen? Anm. d. Red.) Anknüpfcnd hieran bemerkt der Vorsitzende, daß sich bei der Bewerbung um einzelne Stiftungen trotz weitestgehender Publizierung eine auffallend geringe Beteiligung gezeigt hat, so beispielsweise bei der Dr. Adolf und Emanuel Stern'schen Rigorosen- Stiftung. Noch auffallender sei die erwähnte geringe Beteiligung bei der vom Magistrate zu verleihenden Mautner-Markhof'schen Stiftung, um welche im heurigen Jahre für 4 vorhandene Plätze von je 610 Kronen nur drei Bewerber kompetierten, so daß ein Platz nicht verliehen werden konnte.. (Die Herren scheinen zu glauben, daß es den jüdischen Studenten so gut geht, daß sie auf die Stipendien nicht angewiesen sind. Der Grund für diese schwache Beteiligung liegt tiefer. Erstens ist die mangelhafte Publikation der Frciplätze schuld daran, indem die Konkurse nur in den von Studenten wenig beachteten Pauschalienblättern publiziert werden und zweitens scheinen die ärmeren Studenten in früheren Jahren unberücksichtigt geblieben zu sein, und wollen nun nicht fruchtlos betteln. Die beste Gewähr für unparteiische Verteilung der Stipendien ist die Publizierung der Namen. Die G'schaftlhuberei und Heimlichkeit, die bis jetzt gang und gäbe ist, taugt nichts. O e f f c n t l i ch k e i t ist die beste Kontrolle! (Anm. d. Ned.) Bei der letztgenannten Stiftung dürfte an der schwachen Beteiligung hauptsächlich der Umstand schuldtragend sein, daß viele jüdische Parteien ihre Bewerbung um Stiftungen beim Magistrate für aussichtslos halten, wozu umsoweniger ein Anlaß vorliegt, als bei der Mautner-Stiftung infolge ausdrücklicher stiftbrieflicher Bestimmung die Verteilung nach den einzelnen Konfessionen ziffernmäßig aufzuteilen ist. Zur Tagesordnung übergehend, referiert Herr Baurat Theodor Ritter v. Goldschmidt über im Jahve 1904 zu gewährende periodische Unterstützungen (Monats- und Quartalsgaben). Entsprechend den Anträgen des Vertreter-Kollegiums werden 321 Parteien periodische Unterstützungen im Gesamtbeträge von Kronen 46 467.84 bewilligt, desgleichen an 60 Parteien Pensionszulagen und Gnadengaben im Gesamtbeträge von K. 31 823.—. Herr Vorsteher Wilhelm Kuffncr, Obmann der Spitalskommission, referiert über die Neubesetzung der Stellen eines 1. Sekundararztes, 2. Sekundararztes, Hilfsarztes und eines Stipendisten der Jonas Freiherr v. Kötngswarter'schen Stiftung im Spitale der israelitischen .Kultusgemeinde. Die Anträge toevden genehmigt. Die Osias H. Schorr'sche Stiftung für Rabbinatskandidaten (17 Plätze von je K. 600.—) wird auf Grund der Vorschläge des Rektorates der israelitischen theologischen Lehranstalt an 17 Hörer des Seminars verliehen. (An wen? Anm. d. Red.) Dem Vereine für unentgeltlichen Arbeitsnachweis wird pro 1904 die budgetierte Subvention von K. 4000.— bewilligt und gleichzeitig dem Vercinsvorstande für seine hingebungsvolle Tätigkeit der Dank des Knltnsvorstandes ausgesprochen. Dem Vereine zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird entsprechend dem Anträge des Vertreterkollegiums ein Beitrag von 400 Mark bewilligt. Herr Vizepräsident Dr. Gustav Kohn referiert namens des Vcrtreterkollegiums über die Regulierung der Religionslehrergehalte. Nach längerer eingehender Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Berger. Dr. Rappaport und Theodor Ritter v. Taussig beteiligen, tmrd beschlossen, die Angelegenheit zur neuerlichen Beratung an das Vertreter-.Kollegiuin zurückzulei ten. Schluß der Sitzung halb 2 Uhr nachmittags. Wien. Der Cinzelverein „Wie n" des Z i o n v e r - baudeö veranstaltet am 27. ds., 8 Uhr abends, im Saale zum „gold. Widder", 2. Bez., Taborstr. 36 eine Purim-Feier mit gewähltem Prograinm. Das Reiiierträgiiis soll dazu dienen, den Verein, den ersten aller Wiener zionistischen Vereine, ins goldene Buch eiuzutrage». Mit Rücksicht auf diesen Umstand wird um eine recht rege Beteiligung gebeten. Entree 1 Krone. Wie». (B e r e i n j ü d i s ch e v j u g e n d l i ch e r Arbeiter „L e o p o l d st a d t".) Sonntag den 28. Februar 1904 findet im Regensburgerhofe, 1. Bez., Lugeck, ein P u r i m f e st mit Festrede, Akademie und Tanzkränzchen statt. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Herr Dr- BuchSbanm (Rezitation), Herr Fritz Tedesko (Violine), Herr Oberkantor Oesterreicher, die Liedertafel der jüdischen Arbeitervereine u. a. m. Beginn 7 Uhr abends. Regiebeitrag 60 Heller. Das R e i n e rträg n is fließt dem P r e ß f o n d s des „I ü d i s ch e r Arbeite r" z u. ' Alle Freunde unserer Organisation lucrbcit I)teilttt gebeten, zu diesem Feste zu kommen. Zuschriften und Geldsendungen sind «u den Obmann David Nebenzahl, 2. Bez., Taborstr. 61, zu adressieren. Wien. Donnerstag den 3. März d. I. findet eine Aka demie mit anschließendem Tanze, veranstaltet vom Akad. Verein zionistischer Hochschüler ans Rußland «Leo Pinsler" im Ballsaale Ronacher statt. Beginn um 8 Uhr abends. Das R e i n e rt r ä g n i s i st der Gründung e i n e § Unter* ft ü tzungsfonds ge w i d m e t. Ihre freundliche Mitwirkung haben zngesagt: Frl. Cäeilie Brnssin, Koloratursängerin; Frl. Olga Lenk, Konzertsängerin; Frau Prof. Petrasch-Wohlmuth, dramat. Vortrag; Frl. Dora Popper, Ktaviervirtuosin; Frl. Betth Seidl, Mitglied des Theater au der Wien; Herr Jan Braun, Violinvirtuose; Herr Leopold Natzler, Mitglied des „Theater an der Wien und das „Straszüerg-Ouartett" vorn Tonkünstler-Verein. Konzert und Tanznmsik besorgt die Kapelle des k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 00. Tanzarrangement: Prof. Julius Singer. Familienkarten zu 10, 8 und 6 Kronen; Einzelkarten zu 3 und 2 Kronen; Eintrittskarten zu 1 Krone. Karten sind im Vereinslokale (9. Bez., Bleichergasse 0) von 7—8 Uhr abends, im Kongreßbureau (9. Bez., Türkenstr. 9) und im Cafe „Zur Börse" (1. Bez., Wipplingerstraße 46) erhältlich. Religion ist Privatfache. Diesen Grundsatz stellen die Sozialdemokraten für gewöhnlich auf. Aber sie machen doch Ausnahmen. Im Briefkasten der „Arbeiter-Zeitung" finden wir folgende Antwort: „A d a l b e r t K r. A. i st P r o t e st a n t." Jedenfalls muß dieser A. ein bedeutender Mann sein, daß die Hüterin der sozialdemokratischen Tendenzen ihrem Prinzips untreu wird. Sollte dieser A. nicht am Ende Dr. Victor Adler sein? Dann möchten wir aber nach jüdischem Brauch mit einer Frage aufwarten: „War A. immer Protestant? Und weshalb betont A. so ausdrücklich sein Protestanteutum? Wenn er schon in dieser Frage, die doch Privatsache nach seinem Prinzips ist, in der „Arbeiter-Zeitung" Auskunft gibt, dann sollte er ausführlicher sein und Mitteilen, daß er als Jude geboren wurde, dann Katholik wurde, um schließlich beim Protestantismus zu landen. Wien. (Lese - und Rede halle jüd. Hochschüler.) Wahlergebnis der letzten Plenarversammlung: jur. I. Listenfeld — Präses, jur. M. Grünberg — 1. Vizepräses, med. H. Schlesinger — 2. Vizepräses, Phil. B. Gausei -— 1. Schriftführer, phil. A. Kürti — 2. Schriftführer, med. K. Goldenthal — 1. Kassier, jur. I. Landau — 2. Kassier, jur. K. Teitelbaum — Zeitungs- Verweser, Phil. E. Wechsberg — Hausverweser, med. L. Himmel — Bibliothekar. Wien. Freitag den 26. ds., abends: Predigt im Stadttempel. Wien. (M ä d ch e n- und F r a u e n - V e r e i n „B i k u r- Chaulim".) Am Sonntag den 21. Februar fand im Sitzungszimmer der isr. Kultusgemeinde ein Vortrag des Herrn Doktor R i e g e r über „Zahn- und M u n d p f l e g e" mit Vorführung von Lichtbildern statt, welcher von den zahlreich erschienenen Gästen und Mitgliedern mit großem Beifall ausgenommen wurde. Nach dem Vortrage_ fand eine Pleuar-Versammlung statt. Trotz sehr geringer Mithilfe von Seiten der Vereinsmitglieder wurden von Anfang Oktober 1903 bis Mitte Februar 1904 17 Spitäler besucht und dabei wöchentlich 150—200 Patienten mit Erfrischungen beteilt. Beim Verlasfen des Spitales wurden 30 Rekonvaleszenten mit warmen Winterkleidern versehen. Sieben Patienten erhielten durch Intervention des Vereines Aufnahme in verschiedenen Wiener Krankenanstalten. Mit einem warmen Appell an die Erschienenen, dem Vereine auch ferner das Wohlwollen zu erhalten, schloß die Vizepräsidentin die Versammlung. Wien. (Exekutiv-Komitee der zionistischen Organ isationender Bezirke 12—16.) Die zionistischen Vereine der Bezirke 12—15 veranstalten Donnerstag den 3. März 1904 im Hotel Savoy, 6. Bez., Mariahilferstr. 81, ein Purim-Tanzkränzchen, ohne Kostümzwang, zu welchem alle Gesinnungsgenossen höflichst eingeladen werden. Ballmusik von der Kapelle des k. k. Infanterie-Regimentes Johann Freiherr von Appel Nr. 60. Der Reingewinn wird zur Erhaltung des jüdischen Bildungsheimes verwendet. Gruppenanmeldungen, sowie Reklamationen wegen Einladungen sind an Samuel Bock, 18/8, Auhofstraße 222 zu richten. Dr. S. Krenberger, Obmann des Einzel- Vereines „Zion Fünfhaus", Fanny Weiß, Präsidentin des zionist. Frauen- und Mädchenvereines Fünfhaus, Otto Kohn, Obmann des Gesangsvereines „Schir Zion" Fünfhaus, Samuel Bock, Obmann des jüdisch-nationalen Arbeitervereines. Wien. (ErsterWienerjüdischerTurnverein.) Am 20. Februar l. I. fand im Hotel de France der 3. Unterhaltungsabend statt. Herr Dr. Werner hielt eine kurze Ansprache und betonte in derselben die dringende Notwendigkeit eines jüdischen Turnvereines. Es folgten nun die Vorträge des Frl. Alice Kohn, des Herrn Bodgyanski, der kleinen Herta Wachsler vom Josefstädter Theater und das Duett des Frl. Selma Liebermann mit Herrn Hermann Bettelheim. Die durchwegs gediegenen Vorträge fanden den ungeteilten Beifall der zahlreich erschienenen Gäste. Den Schluß bildete ein animiertes Tanzkränzchen. Für das heurige Schauturnen, ivclches am 26. März im Ballsaale Ronacher stattfindct, sind die Vorbereitungen im vollsten Zuge und verspricht der Verlauf ein glänzender zu werden. Das Programm gelangt demnächst zur Veröffentlichung. Das Braudes-Dcnkmal. Wie wir bereits berichteten, ist das vom „Jüdischen Volksverein" in Wien mit Hilfe einer im „Indischen Volksblatt" veranstalteten Sammlung errichtete Grabdenkmal für den verstorbenen hebräischen Schriftsteller Rubin Ascher Brandes fertiggestellt. Die seitliche Enthüllung desselben findet Sonntag den 28 d. M. vormittags 11 Uhr in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes statt, und werden sämtliche nationalen Vereine, sowie die Anhänger und Verehrer des großen nationalen Dichters, hierzu höflichst eingeladen. Zwei Autisemitcuführer vom Papst ausgezeichnet. Vergcmi, der Herausgeber des christlichsozialen „Deutschen Volksblattes" in Wien, erhielt «in Anerkennung seines unermüdlichen Wirkens für die christliche Sache" vom Papst Pius dem Zehnten das Kommandeurkreuz des St. Georgordens mit dem Stern, während der christlichsoziale Stadtrat Wenzel Oppenberger das päpstliche Ehrenkreuz pro ecclesia et pontifice erhielt. Unsere „Großen" amüsieren sich. Sie brauchen dazu nicht erst Purim. Wie die Sportzeitung Silberers mitteilt, war der erste, der Dr. Lueger in Monte Carlo begrüßte, Herr D o n a t Z i f f e r e r. Er überreichte dem Bürgermeister dabei eine weiße Nelke. Man sieht, wie ernst Herr Donat Ziffever seinen Kampf gegen die Christlich-Sozialen nimmt. Wir haben diese Herren zwar nie ernst genonnnen, aber es gibt leider noch genug junge Vögel, die ihnen auf den Leim gehen. Da für Herrn Zifferer der Bürgerklub verschlossen ist, so will er wahrscheinlich durch die Ueberreichung der weißen Nelke seine Kandidatur für den jüdischen Kultusvorstand vorbereiten. Wien. (Verein jüd. H a n d e l s a n g e ste l lt e r.) Dienstag den 8. März 1904, 8 Uhr abends, findet beim Goldenen Widder, 2. Bez., Taborstraße 36, eine große öffentliche Vereinsversammlung statt. Thema: «Die Lage des jüd. Proletariats und seine Organisation." "Referent Koll. O Fe r nVk. Um recht zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Anfragen in Vereinsangelegenbeiten sind an Isidor G r o b t u ch, 2. Bez., Adambergergasse 3, Tür 6, zu richten. Leopoldstiidter Bethausverein „Montefiore". Der Vorstand des Bethansvereines „Montefiore" veranstaltet Samstag den 6. März 1904, 9 Uhr vormittags, im Bethause 2. Bez., Taborstraße 38, einen Festgottesdienst zur Feier der Einweihung eines neuen Sefer-Thora. Aus der Wiener jiidischeu Toynbee-Halle, 30. Bez. Karajaugaffe 30. Die Generalversammlung der Wiener Toynbee-Halle, die Donnerstag den 26. Februar stattfinden sollte, wurde auf Donnerstag den 17. März verschoben. — Bo r t r a g s o r d n u n g. Samstag den 27. Februar: Konzert. Sonntag den 28. Februar, Herr Felix Goldbaum: Musik als Ausdruck. Montag den 29. Februar tvegen des Fasttages geschlossen. Dienstag den 1. März: Diskussion. Mittwoch den 2. März, Dozent Dr. Josef Pollak: Wie könnnen wir uns gut und billig ernähren? Donnerstag den 3. März, Herr Alfred May: Wir und die Bücher. Freitag den 4. März, Dr. Rosen mann: Bibelvortrag. Samstag den 5. März: Konzert. Musikalisches aus der Toynbee-Halle. Im Laufe des Monates Jänner fanden 14 Vortragsabende statt. Es wirkten freundlichst mit: Die Pianistinnen und Pianisten Frizzi Schmitz, Stella Nutzbeck, Nachelle Liggy, Franziska Hornig, Gisella Beck. Melitta Heim, Felix Goldbaum, WM) Löwit und Adolf Rohr, die Geigerinnen und Geiger: Adele Cola, Hedwig Korngold, Samuely, O. Kapperl, Dr. Georg Heim, Max Geiger, Fritz Todesko und Leo Nuzicka, die Sängerinnen und Sänger: Elsa Freund, Anna Smerd, Mizzi Taub, Eugcnie Weiß, Johanna Edith Heim, Martha Royz, Grethe Hirsch, Schwarz, Kantor Isidor Löwit, Bratt und Ernst Löw, der Cellist Herr Dr. Robert Bachrach. Rezitatio-. nen hielten ab: Frau Mancie Kcstel, Frl. Irma Inländer und Hen: Dr. Ludwig Buchsbaum. Die Klavierbegleitung besorgten gefälligst die Damen: Clara Frey, Dr. Kantor, Elsa Freund, Rosa Rechen. Steiner, Samuely und Herr Carl Grosz. Es waren schöne, glänzende Abende, welche die Toynbee-Halle der gütigen Mitwirkung, dieser Damen und Herren verdankt. — Sonntag den 21. Februar wurde in der Toynbee-Halle von Rektor Schwarz ein Vortrag: „Die Erzählungskunst der Bibel" vor einem zum Erdrücken vollen Saale gehalten. Das Publikum spendete dem Vortragenden stürmischen Beifall. Unser Gg. Herr Langer (Czernowitz), der dem Vortrage beiwohnte, widmete den Zwecken der Toynbee-Halle einen größeren Betrag. Pnrimfeier. Die Losvereine „M a s e l" und „W e n d l i ng e r" veranstalten am 5. ds., abends 8 Uhr in der Restauration „Stroblhof" eine mit Gesangs- und komischen Vorträgen verbundene P u r i m f e i e r, zu welcher hiemit die Einladung ergeht. Nach den Vorträgen Tanz. Regiebeitrag eine Krone. Vortrag. Mittwoch den 2. März 1904, halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des österr. Ing.- und Architektenvereines, 1. Bez., Eschenbachgasse Nr. 9, folgender Vortrag statt: Oberrabbiner Dr. I m anu e l L ö w - S z e g e d i n. Botanische Streifzüge zur Geschichte der Kulturpflanzen aus der jüdischen Literatur. Die ungarifch-israelitische literarische Gesellschaft in Budapest hielt diese Woche eine Vorlesesitzung. Professor Ignaz Gabor trug einen interessanten Essay über den Arzt und Dichter Manuello, der im 14. Jahrhundert wirkte, vor. Manuello, Zeitgenosse und Freund Dantes, hatte gleichfalls eine „Dwina commedia", aber in hebräischer Sprache, ferner zahlreiche Sonette und Erzählungen geschrieben. Einige dieser dichterischen Produkte trug Professor Gabor in gelungener Uebersetzung vor. Sodann las Hugo Hazai eine von ihm selbst verfaßte stimmungsvolle Erzählung vor, deren Schauplatz ein Kriegsschiff auf hoher See ist. Von Bord wird der in einen Sack genähte Leichnam eines jüdischen Matrosen ohne Zeremonie und Gebet ins Meer geworfen. Ein einziger Jude ist noch an Bord, ein Matrose, der in diesem Augenblicke eben auf hohem Mast Dienst leistet. Und als der Leichnam ins Meer gleitet, sagt der jüdische Matrose das Totengebet der Juden, das „Kadisch". Beide Vorträge wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Bericht aus Kolomea. Am 29. Jänner veranstaltete der hiesige Verein „Beth Israel" im eigenen Lokale ein Bankett, anläßlich des Abschiedes seines verdienstvollen Vizepräsidenten Löbl Taubes, der nunmehr nach Czernowitz übersiedelte. Auch der hiesige jugendliche Verein „Z'ire Zion", zu dessen Förderung und Hebung H. Taubes viel beigetragen hat, feierte am 5. ds. den Abschied desselben in gleicher Weise. Am 7. ds., 8 Uhr abends, fand im Vereine „Beth Israel" eine außerordentliche Generialvelrsammlung statt mit der Tagesordnung: Wahl eines Vizepräsidenten an Stelle des H. Taubes, bei der unser bewährter Gesinnungsgenosse H. Osias Fadenhecht gewählt wurde. Auch wurde H. Löbl Taubes in Anerkennung seiner bisherigen Verdienste zum Ehrenmitglieds dieses Vereines einstimmig ernannt. Endlich begann es auch in der jüdischen Frauenwelt, hier, rege zu werden. Die jüdischen Frauen Kolomeas gaben nach einem so langen und ruhigenSchlafe einLebenszeichen von sich. Schier würde man dieselben zu den vielen ganz- oder Halbtoten, die das jüdische Volk aufzuweisen hat, gezählt haben, und nun — eine jüdische Frauen- und Mädchenversammlung I Und der Zweck derselben? Der Zweck derselben sei, wie wir es am 31. Jänner bei derselben vernommen und wie wir'vom veröffentlichten Aufruf ersahen, einen jüdisch-nationalen, oder richtiger zionistischen Frauenberein „Rachela" ins Leben zu rufen. Dieser Verein soll sich "zur Aufgabe machen die Sprache und Historie seines Volkes zu fördern, nationale Gefühle bei den Mitgliedern zu Wecken, kurzum: alles, was Jüdisch ist, bei den jüdischen Frauen beliebt und ehrbar zu machen. Wir wünschen ihnen zu diesem Unternehmen bestes Gedeihen. Meir Henisch. Die „0. Z," an der Arbeit. Wie ich den „Ceskozidovske Listy“ vom 15 d. entnehmen, fand am 30. Jänner im Verein „Spolek ceskycti akademikü zidü“ ein Vortrag statt, bei dem über die Schritte beraten wurde, die zu unternehmen währen, um die tschechisch-jüdische Bewegung in Mähren zu fördern. Das Referat hielt ein tschechisch (arischer) Student, jur. Albert Kyjovsky. Hiebei regte ein Herr Otto Prager an, man möge Schritte unternehmen, daß die jüdischen politischen Gemeinden in Mähren aufgelöst werden, da sie der Assimilation im Wege stehen. Nachdem also die tschechisch-jüdischen Assim'lanten glücklich ein Dutzend jüdischer Schulen umgebracht haben, sind sie nach neuem herostratischen Ruhme lüstern. Sie wollen die letzten Reste jüdischer Autonomie in Mähren vernichten. Wir machen unsere Stammesgenossen auf die drohende Gefahr aufmerksam. Also, die Augen ans, und die Taschen zu! Budweis. Ueber Ersuchen des böhm. D.-K. erscheint das Ehepaar Herr Dr. K a h n und Frau Gemalin Sonntag, den 28 Februar 1904 bei einer Versammlung zu Agitationsvorträgen in der „Budweiser Bierhalle" mit anschließender Diskussion. Titel der Borträge sind: „Altneulandund Altneuvolk", Aufklärung über die zionistische Volksbewegung. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Leop.Kahn,Wien. „Anteilnahmeder jüdischen Frau an der Renaissance des jüdischen Volkes", Frau Sidonie Kahn. Gäste, insbesondere Damen herzlichst willkommen. * * * Wien. Hier hat sich ein Komitee gebildet, das im Laufe des Monat März eine Ausstellung der Erzeugnisse aus den jüdischen Dörfern in Palästina arrangieren will. Dasselbe besieht ans einer Reihe der angesehensten Persönlichkeiten der hiesigen jüdischen Gemeinde.

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