Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdische» Volksblatt. 26. Februar 1904 Nr. 9 sie von Rußland bestochen ist, oder freiwillig für den Zarismus schwärmt, diese Stelle unterschlug. Aber wie erklärt man sich, daß auch die gesamte deutschlibcrale Presse, die sonst jeden Quark breistrich, und für den Nachtwächter von Lcitomischl oder für einen Dallbericht Spalten frei hat, diese Worte nicht brachte?! Es trägt wahrscheinlich nichts ein, gegen Rußland zu schreiben. Selbst die „Zeit", das einzige Blatt, das konsequent gegen Rußland eine anständige Haltung einnimmt, brachte diese Stelle nicht. Es ist überhaupt interessant, wahrzunehmen, wie die gesamte Wiener Presse so russenfreundlich wie nur möglich ist, mit wenigen Ausnahmen, als ob Rußland nicht, von der Judenfrage ganz abgesehen, der Erbfeind O e st e r r e i ch s wäre. Selbst die „Arbeiter-Zeitung" wußte im Anfang nicht, ob sic nach rechts oder nach links schreiben solle. Sie erzählte uns, daß die Japaner einen Eroberungskrieg führen (unerhört in der Kriegsgeschichte!), daß sie Barbaren seien (I), daß sie in der Blütezeit des Kapitalismus stünden und ähnliche Schaucrdinge. Erst nachdem ein Artikel in dem offiziellen Organ der reichsdeutschen Sozialdemokratie, der „Neuen Zeit", erschien, in der klipp und klar erklärt wurde, daß die Sympathien jedes Kulturmenschen nur auf Seite Japans sein müßten, erst da blies sie ans einem anderen Horn. Es war einfach das traditionelle Bestreben in Sachen, die mit der Judenfrage Zusammenhängen, „objektiv" zu scheinen, dh. gegen läe Juden Partei zu nehmen. Man sollte nicht glauben, daß auch die „Arbeiter-Zeitung" Rache für Kischenew nimmt. Die „Arbeiter-Zeitung" wollte zeigen, daß Kischenew sie ganz kalt läßt. Weshalb schreiben aber die anderen Judenblätter für Rußland? Es muß nicht immer der Rubel das entscheidende Wort sprechen; oft sind es Eingebungen aus unserem auswärtigen Amte, das für Rußland schwärmt, weil es Oesterreich-Ungarn noch nicht mit Haut und Haaren aufgefressen hat; die Worte eines wirklichen Sektionschefs klingen aber dem Schmock wie eine Offenbarrlng. Flugs seht er sich hin, entdeckt auf einmal sein Herz für die Rassentheorie und schreibt über die „gelbe Gefahr". Was sich der kleine Moritz unter der „gelben Gefahr" vorstellt I Journalistisches. Das in Petersburg unter Leitung des bekannten hebräischen Literaten L. Rabbinowitsch, erschienene hebräische Tagblatt „H a m e l i z" gab vor einigen Tagen seinen Lesern bekannt, daß es sein Erscheinen a u f u n b e st i m m t e Z e i t e i n st e l l e. Ruffenschwärmer. Die „Zeit" schreibt: Die heftigen Ausbrüche von Russenbegeisterung, deren Schauplatz am Sonntag die Straßen Prags gewesen, sind rächt die erste und werden nicht die letzte Donquichotterie der tschechischen Nationalpolitik sein. . . . Allerdings stand dieser schönen Theorie der Wechselseitigkeit immer eine harte Praxis der Einseitigkeit gegenüber. Während nämlich die slavischen Stämme für ihre Verbrüderung und familienartige Zusammenfassung unter russischer Führung schwärmten, hat Rußland, soweit es slavischer Völkersplitter habhaft werden konnte, sie durchaus nicht brüderlich oder familiär behandelt. Während die Slaven von der Slavisierung Europas träumten, hat Rußland nach Kräften an der Russifizierung Europas gearbeitet. Die Tschechen sind ein Volk, das mit feuriger Liebe an seiner nationalen Eigenart und seinem historischen Rechte hängt. Mit erstaunlicher Renaissancekraft hat dieses Volk nach Jahrhunderten nationaler Verschollenheit sich selbst wiedergefunden, mit erstaunlicher Zähigkeit strebt es die Wiederaufnahme eines Prozesses an, der verloren war, seit die letzte Instanz im Völkerleben, das Kriegsglück in der Schlacht am Weißen Berge entschied. Und dieses Volk, das nicht das geringste seiner lebendiaen nationalen Güter und nicht einmal seine begrabenen Erinnerungen preisgeben will — begeistert sich für die russische Autokratie! Von dem politischen Widerspruch, von dem Gegensatz zwischen dem seit alters in Rußland heimischen' Despotismus und dem demokratischen Zug, der seit der Hussitenzeit immer durch das Tschechentum ging, soll hier gar nicht die Rede sein. Der nationale Gegensatz ist ja noch viel stärker als der politische. Gibt es doch in der ganzen Welt keinen Staat, der gegen nationale und die damit verbundenen kulturellen und religiösen Individualitäten so unduldsam vorgegangen wäre, sie stets so schonungslos niedergetreten hätte, wie gerade Rußland. Ist es nötig, an Polen zu erinnern? Man könnte sagen, das sei ein vereinzelter Fall, durch eine unglückliche Verkettung historischer Notwendigkeiten verschuldet. Was ist's aber mit den Ostseeprovinzen, mit Finland, mit Kleinrußland? Den Ostsecprovinzen — wo Deutsche ähnlich ans einem ostwärts ins Slaventnm vorgeschobenen Posten stehen, wie die Tschechen auf einem ins Deutschtum westlvärts vorgeschobenen — wurde von Peter dein Großen feierlich und „für eivige Zeiten" zugesagt, daß ihnen ihre provinzielle Selbstständigkeit, deutsche Sprache, deutsches Recht und evangelischer Glaube ungeschmälert erhalten bleiben sollten. Mehr als ein Jahrhundert blieb es so, dann aber lvurde ihnen Stück für Stück von den gewährleisteten Gütern geraubt. Finland, das nicht in Rußland einverleibt lvurde, sondern als Staat mit dem russischen Staate in ein Unionsverhältnis trat, besaß feine alte Verfassung, die „in ihrer vollen Kraft aufrechtzuerhaltcn" seit Alexander dem Ersten jeder neue Zar mit einem neuen Eide beschworen hat. Man weiß, was trotzdem geschehen ist: Eidbrnch, Verfassungsbruch, Russifizierung. Den Kleiurussen (Rutheuen) lvurde der nationalkulturelle Aufschwung, zu dem sie sich in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts anschickten, von den russischen Behörden in aller Form verboten, ihre junge Literatur wurde gewaltsam unterdrückt. Das nrthenische I mit dem in Rußland verpönten I-Punkt war durch Jahrzehnte Gegenstand sehtverer Zensurstrafen. Oesterreich irar und blieb die Zufluchtsstätte der ruthenischen Sprache und Literatur, die in dem führenden slavischen Großstaate heimatlos gelvordeit lvar. Man kann nicht einmal sagen, daß diese roh mechanische Methode, alles gleich zli machen, alle nationale, politische, sprachliche, religiöse Eigenart auszntilgeiä asiatisch ist. Gerade in asiatischen Reichen leben die verschiedensten Nassen und Religionen ganz, Staatsrechtlcr in verzückter Anbetung auf dem Bauche! Man könnte bei solchem Widersinn alle Fassung verlieren, wenn man sich nicht einige Fassungskraft für den noch ärgeren Widersinn aufheben müßte, daß es selbst deutsche Politiker gibt, die in dem Kampfe um die Vorherrschaft in Ostasien mit ihren Sympathien im russischen Lager stehen. In Prag hat der Bittgottesdienst für den Sieg der russischen Waffen mit einem Straßentumult geendet, bei dem einige Deusche geprügelt wurden. Denjenigen, die die Fingerzeige des Schicksals nicht verstehen, ivinkt es also mit dem Knüttel. Die einzige Spur von Sinn, die überhaupt in der tschechischen Russenschwärmcrei zu entdecken ist, heißt: Deutschenhaß. In russischen Siegen möchte man künftige dem,che Niederlagen begrüßen. Solche Slava- Rufe mit Heiko-Rufen vermischt zu hören — es ist ein Ohrenschmaus für Götter. Ein Interview des Ministers v. Plehwe. In einem längeren Artikel in der „Times" berichtet Mr. Lucien Wolf über seine Unterredung mit dem Minister v> Plehwe und über seinen ihm später gestatteten Aufenthalt in Warschau. Herr v. Plehwe beteuerte, er wäre keineswegs ein Judenfeind (?) und seine repressiven Maßregeln wären nicht ellva bloß ein Ausfluß des Antisemitismus, Er entwickelte seine politische Anschauung und folgerte, daß die Juden aus „raison d'etat" gefährlich seien und unterdrückt werden müßten. Er meinte dann, es werde in Rußland für die Hebung der wirtschaftlichen Lage der Juden im Ansiedlungsrayon etwas geschehen, auch für die Annäherung der „oberen Schichten" des jüdischen Volkes an die russische Gesellschaft. Was darunter zu verstehen sei, hat er nicht näher angedeutet. Ferner sprach er sich für die Emigration aus. Es werden seitens der Negierung Anstalten getroffen werden, > um den Emigranten die Auswanderring zu erleichtern. An die. Erweiterung des Ansiedlungsrayons, an die Erfchließmlg des inne-' ren Rußlands sei nicht zu denken. .Mr. Wolf blieb jedoch nicht bloß ' in den Grenzen eines Interviewers, sondern plädierte vor dem : Minister für das jüdische Volk. Er zeigte Herrn v. Plehwe die Unzulänglichkeit dieser palliativen Mittel, die immer wachsende Unzufriedenheit im Schoße des jüdischen Volkes. Er wies ihn auf den Zug zum Konservativismus des jüdischen Volkes hin, welches nur dann revolutionär gestimmt sei, wenn cs gedrückt werde. Als Beispiel führte er die englischen Juden an, die vor der Emanzipation jedoch sich auf die Seite der Konservativen schlugen. Durch, Unterdrückung aber treibe man das jüdische Volk, und speziell die, jüdische Jugend, in das Lager des Nihilismus. Daun bemühte sich Mr. Wolf zu beweisen, daß die Auswanderung kein geeignetes Mittel zur Hebung der Lage der Inden sei. Denn gehe'die'Auswanderung bloß innerhalb gewisser Grenzen vor sich, dann werde sie gar keinen Einfluß ausüben, werde sie jedoch das Maß überschreiten, übermäßig anschwellen, dann müsse ihr ja seitens der anderen Regierungen Einhalt getan werden, wie es ja in Amerika bereits geschehen sei. Es wäre somit gut, so riet Mr. Wolf dem Minister, den Strom der jüdischen Emigration ins Innere Rußlands selbst zu lenken, um ihn als kolonisatorische und kulturtragende Macht auszunützen. Das Gerücht über das Vorhaben der russischen Negierung. die Mandschurei mit jüdischen Emigranten zu besiedeln, sei von Plehwe nicht in Abrede gestellt tvorden. Er sagte, er erwarte den Admiral Alexejew, um mit ihm darüber zu beraten. Mr. Wolf wies nun auf Südsibirien hin, wo man den Juden die Änsiedluug gewähren könnte, und Herr v. Plehwe sagte, wie Mr. Wolf erklärt, zu, die Sache ebenfalls mit dem Admiral Alexejew zu besprechen, da es von Wichtigkeit sei, „an den Grenzen eine Schutzmauer, wenn nicht von Russen, so doch von russischen Untertanen, gegen die immer wachsende Invasion des Landes seitens der Chinesen zu schaffen". * * * Petersburg. Die hiesige Zeitung „Woschod" enthält über den Krieg folgende bemerkenswerte Kundgebung: „Rußland durchlebt gegenwärtig einen sehr schweren und sehr ernsten Augenblick. Schon die ersten Nachrichten vom Kriegsschauplätze besitzen einen düsteren, drohenden Charakter. Groß werden die Opfer sein, die der Krieg von allen Bürgern des russischen Staates ohne Unterschied der Konfession und dbr Nationalität erheischen wird. Auch wir, seine Stiefkinder, werden sie freudig auf den Altar des Vaterlandes tragen. Rußland ist unser Vaterland — jüdische Soldaten, Aerzte, Heilgehilfen — alle bis zum letzten, werden lvir heilig die Pflichten erfüllen, die das Vaterland, mit dem uns die geschichtlichen Schicksale verbunden haben, von uns fordern wird. In unserer Zeitung haben tvir lange Jahre hindurch eine traurige Chronik von Beschränkungen und Kralvallen führen müssen, die Chronik unserer systematischen Verdrängung aus allen Sphären des öffentlichen Lebens, der Entfernung von allen russischen Interessen, soivohl der materiellen, tvie der geistigen. Es ist aber jetzt nicht die Zeit, itm die Wunden aufzureißen. Wir wollen jetzt, so weit es in unseren Kräften liegt, alles vergessen — a u ch unsere Austreibung aus Port Art h u r, a u ch die Greuel von K i s ch e n e w u n d H o m e l u tt b vieles, v i eckl e s andere. Die jüdischen Eltern müssen jetzt ihre Sorge über die Zukunft ihrer Kinder und ihr trauriges Los Niederhalten. Als einfache Soldaten werden die Inden in den Krieg ziehen, ohne Hoffnung auf irgendwelche Auszeichnung, oder Beförderung — aber das Blut ihrer Söhne wird ebenso reichlich fließen, wie das Blut russischer Soldaten. Mit tiefer Verachtung werden wir auf die Angriffe antworten, die von den uns feindlichen Zeitungen kommen, die nun in ihren unaufhörlichen Bemühungen die Volksleidenschaften gegen uns anzufachen, zu der ungeheuerlichen Verleumdung gegriffen haben, uns sogar für den Krieg verantwortlich zu machen. „Mitunter scheint cs," behauptet Herr Suworin (Herausgeber der „Nowoje Wremja") mit vorsichtiger Niederträchtigkeit „als sei Japan bloß das Opfer des durch die Kischenewer Ereignisse aufgeregten internationalen Judentums." Verachtung diesen Leuten! Wir werden unsere Schuldigkeit gegen Rußland erfüllen, nicht bloß aus Pflicht, sondern aus Liebe. Die uns feindliche Presse beschuldigt uns des Hasses gegen Rußland — das ist eine Lüge! .... Wir hassen und verachten die Skowsnik- Dennchanowskis (ein trauriger Held in Gogols „Revisor". D. Red.), die Nowowrementzis, die Snamentzis (Kruschewan nub Genossen), wir hasse» den abscheulichen Bodensatz und den schmutzigen Schaum des russischen Lebens, aber das Lautere und Gute in Rußland haben wir stets aufrichtig geliebt und geschätzt. Wir zweifeln nicht daran, daß eine Zeit eintreten wird — und sie ist vielleicht nicht mehrferne — Ivo die gesamte russische Gesellschaft den großen Schaden erkennen wird, der dem Lande durch die Hetze gegen die Juden und die Beschränkung ihrer Menschen- und Bürgerrechte zugefügt wird. Der Krieg ist eine grausame Erscheinung, die gegenwärtig von der ganzer: zivilisierten Welt verurteilt wird; indessen lehrt uns die Geschichte, daß Kriege auch wohlwende Folgen haben können. Hoffen wir, daß auch der gegenwärtige russisch-japanische .Krieg in seinen Ergebnissen unserem Vaterlande einen tiefen inneren Frieden bringen wird, begründet auf gegenseitige Achtung und Zuneigung aller seiner Völker." Die Nachrichten über neuerliche Judenhetzen in Südrrißland deuten nicht darauf hin, daß die Behörden der in dem Artikel des „Woschod" ausgedrückten Loyalität mit Dank und Anerkennung entgegenkommen. Streitigkeiten nicht einmischen, da das Recht jedoch auf Seite der Juden sei, so ist es ratsam, die Kinder der jüdischen Gemeinde auszuliefern. Ein jüdischer Knabe besuchte eine Missionsschule und ließ sich ohne Wissen der Eltern taufen. Die Sache wurde ruchbar, Eltern und Gemeinde verstießen das Kind. Die Mission sorgte für ihn; doch die Trennung von den Eltern, den inneren Zwiespalt konnte das Kindergemüti nicht bewältigen. Einige Monate ertrug er die Qual, dann machte er sein ein Leben ein Ende! Die eifrigsten Judenbekehver der Engländer sind zwei „converted jews" deutschen Ursprunges. Der eine ist Geistlicher in Damaskus, der andere in Safed, beide mit Christinnen, Engländerinnen verheiratet. Sie genießen das volle Vertrauen der Juden, ihre Schulen sind sehr gilt besucht und in allen weltlichen Angelegenheiten wird ihr Rat gesucht. Der Jude weiß, daß Wissen Macht bedeutet, und benützt jede Gelegenheit, seine Kenntnisse zu bereichern. Der Jude in Palästina kennt das Neue Testament sehr genau rlnd sowohl Lehrer als Rabbiner lieben es, mit .Christen religiöse Gespräche zu führen, sie sind redegewandt und wissen immer zu entschlüpfen, wenn sie in die Enge getrieben. Es ist ungemein interessant, einen tieferen Einblick in das Geistesleben der Israeliten zu tun, interessant und lehrreich, da man die Gewißheit erlangt, daß sich das jüdische Volk niemals zum Christentum bekehren wird. Bei aller scheinbaren Demut und Unterwürfigkeit sind sie sich ihrer Macht wohl bewußt. Die Gründung eines jüdischen Reiches erstreben sie nicht. Gegen wen sollen sie kämpfen? Jude gegen Jude? Doch kehrenwir zu unseren „converted jews", den Geistlichen, zurück. Der eine aus Safed besuchte jedes Jahr die verschiedenen jüdischen Kolonien, er hielt Versammlungen ab, predigte und verteilte das Nelle Testament. Der Zweck dieser Reisen war mir nicht recht einleuchtend, es sei denn, daß er sich in der Nolle eines Wanderapostels gefiel. Er, halb als Priester, halb als Beduine gkleidot, hoch zu Roß, Frau und Schwester bescheiden auf Eseln, Dolmetscher und Diener als Gefolge und Maultier mit demGePäck bildeten die Nachhut. Sobald die Nachricht nach Caifa gelangte, daß die Karawane Safed verlassen habe, kam eine feierliche Stimmung über uns, zu der sich für mich noch hausmütterliche Sorgen gesellten. Es gehörte zu den Eigentümlichkeiten des großen Mannes, uns immer in Zweifel zu lassen, ob er unser Haus beehren würde oder nicht. Aber abgesehen von den kleinen Lächerlichkeiten war er ein seelensguter Mensch — vielleicht auch ein guter Christ — und da es nur zu meinen Pflichten gehörte, ihn gut zu verköstigen, aber nicht predigen zu hören, so war mir der Besuch mehr erheiternd als lästig. Alle Juden wurden besucht und mit dem Neuen Testament beschenkt, Versammlungen wurden gehalten und unsere Morgenandachten glichen mehr einer Synagoge, denn einem christlichen Gottesdienste. Drei Tage widmeten die Gäste aus Safed den Caifanern dann zogen sie weiter. Die Juden, alte und junge, gaben ihnen bis zum Palmenwäldchen außerhalb der Stadt das Geleite — dann kehrten sie zurück und verkauften die Bücher. Um einen Spottpreis wurde das Neue Testament verschleudert. So viel von der englischen Mission, zu deren Lobe ich jedoch sagen muß, daß sie weder politische noch Handelsinteressen verfolgt. Frankreich und Rußland sind die Nationen, die das Geschäft im Großen betreiben und sich feindlich gegenüberstehen. (Schluß folgt.) Chronik. Inland. OJcbcnftttßC. A dar. 16. 1809 geb. in Fürth Wilhelm Königswarter. 17. 1872 st. in Berlin Abg. Dr. Rasch. Kosch. 1902 st. in Breslau Rabb. De. Pinkus Neustadt. 1903 st. i. Schneidemühl 9tcrt>I>. S. Bunun. 18. 1800 geb. Jos. d. Weurhelmeu in Wien. 20. 1887 st. Jos. v. Wertheimer in Berlin. Februar. 22. 1813 Emanzipation in Mecklenburg- Schwerin. 1864 st. in Loschitz Rabb. Abr. Renda. 1902 st. i. Stadtlengsfeld Landrabb. Dr. Mos. Salzer. 23. 1843 geb. in Namesto d. Novellistin Car. Deutsch. 24. 1863 st. in Amsterdam d. Proselyt Js- Pensa Felix. 1821 geb. z. Karlskrona (Schweden) d Dichterin R. Warrens. 1808 st. i. Padua d. Daromn Adele Todros bei Bonfili Treves. 25. 1862 st. i. Hoppstetten Email. Hecht. Pädag. 1886 st. i. Paris Benj. Ullmann, Historienmaler. 1898 st. i. Dresden R.-A. Emil Lehmann. 20. 1832 st. r. Rödelheim Wolf Heidenheim. Gramm. 1888 st. t. Wien Mich. Klapp. Schristst. 27. 1892 st. i. Breslau Prof. Jak. Lewy, Lexrkogr. 1898 st. i. Paris Präs. d. Alliance Sal. I. Goldschmidt 28. 1832 st Dr Sab. Jos. Wolf, Arzt u. Schriftst. 1840 st. ,. Stry Nath. Samnely. Dichter. 20. 1797 st. Mos. Wessely. Berühmte Zeitgenossen. Dr. Bloch. Reden ist Silber, Schweigen ist — Bloch. Neustadt! an Abg. Marchet. Si fecisti, nega. Dr. Güdemann. Mancher hat nicht das Geld, sondern das Geld hat ihn. Dr. Elbogen. Was ist der Unterschied zwischen der „T a r - nopoler Moral" und einer „korrupten Adbokatenmoral? Dr. Stern. Noch ein Artikel von mir in der „Neuen Fr. Pr." und Lueger ist vernichtet! Stipendien für österreichische Handelseleven. Die niederösterreichische Handels- und Gewerbelämmer teilt mit. daß auf Grund des Stiftsbriefes und des Stiftungsprogrammes für die Anton Pfanzert- und Georg Ritter von Kalmar-Stiftung, sowie im Einvernehmen mit dem letztgenannten Herrn Stifter ein öffentlicher Konkurs behufs Verlethiliig eiries Stipendiums rn der Hohe von 6000 K. iind zweier Stipendien t>ou je 7000 K. an Handelseleven zum Zweck ihrer Elitsendung nach einem bedeutenden Platz des näheren oder ferneren Orients, sowie Südamerikas, inüer nachfolgenden Bestimmungen ausgeschrieben Ivird: Die Bewerber haben m ihren inigestempelte.i Gesuche», ihren bisherigen Lebenslauf, zu sthildern, Referenzen aiifzngeben und zu erklären, daß sie nn Falle ihrer Etablierung stets bestrebt sein werden,, m ^Österreich ^poUfälsig erzeugte Waren von dorther zli beziehen. Als Nachweise sind^ beizulegen: der der österreichischen Staatsbürgerschaft und dev bereits erreichten 22., aber noch nicht iiberschrittenen 36. Lebensjahres, jener eines entsprechenden sittlichen Verhaltens, em ärztliches Zeugnis der körperlichen Tauglichkeit zu langerein ^"feiithalte in dem betreffenden Klima, der Erfullilng der Militärpflicht, genügender Sprachenkenntnisse. Den Petenten wird innerhalb mehrerer Gebiete die Wahl zwischen verschiede,ren Platzen gelassen, nämlich im näheren Orient zwischen Alexandrien, Kairo oder Smyrna mit einem Stipendiilm von 6000 K., im Ivelteren Orient, zwischen Singapore. Hongkong. Shanghai oder Yokohama mit einem SUpendillm von 7000 K. Die Verleihung der Stipendien, lvelche in Raten zur Auszahlung gelangen, erfolgt auf ein Jahr. Nähere