Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S -it-X Wien, PreitÄf* Jüdisch*« Tolkeblftü. 36. Februar 1904 Nr. 9 Ausland Der zweite Prozeß gegen die Mordbrenner in Kischenew. Aus Kischenew tvird vom 21. Februar gemeldet: Morgen beginnt der zweite Teilprozeß gegen eine Reihe von Teilnehmern an den Exzessen gegen die Inden am 19. und 20. April v. I. Ter hiezu delegierte Gcrichtsseuat ans Odessa ist heute hier eingetroffen. Den Vorsitz lvird wieder Gerichtspräsident Dawidow führen, der in der letzten Zeit in Petersburg geweilt hat, offenbar um sich Instruktionen zu holen; die Anklage vertritt Staatsanwalt N. F. Dschibelli. Am 22., 23., 24. und 25. soll die Verhandlung gegen je zwei Angeklagte drirchgcführt werden, welche der Ermordung je einer Person angeklagt sind. Am 26. Februar kommen 59 Ai:geklagte all die Reihe, darunter 17 Inhaftierte, ivelehe angeklagt siild, am 20. April vorigen Jahres Jakob Tnpik, sowie Sarah und Sissia Panarassi ermordet gu haben. Die Mehrzahl der Verteidiger ist vom Gerichte bestellt. Als freiwillige Vertreter der beschädigten Juden fungieren unter anderen Schamouin alis Moskau und Perewecsew aus Petersburg, dessen Intervention jedoch zweifelhaft geworden sein fofl. Es wird sich bald zeigen, ob es möglich seilt wird, das Repertoire einzuhalten. Bei dem ersten Prozeß im Dezember vorigen Jahres ivar es bekanntlich nicht möglich, die zahlreichen Zeugenvernehmungen in weniger als fünf Wochen zu bewältigell. Allerdings haben sich die großen Advokaten, die ben geschädigten Juden anfangs als Vertreter zur Seite gestanden hätten, infolge.der der Erforschung der Wahrheit bezüglich der Organisation der Exzesse in den Weg gelegten Hindernisse mit Protesten gegen die Leitung der Verhandlungen zurückgezogen, und niemand tvird jetzt den offiziel7cu Verteidigern und den freiwilligen Vertretern der Mörder allf die Finger sehen, wenn sie auf eine rasche mld ihren Klienten günstige Erledigung des Prozesses hinwirkeit werden. Der Gouverneur von Bessarabien, Fürst Urnssow. hat die Vertreter der jüdischeil Gemeinde, Dr. Mutschnik und Dr. Slazki zu sich beordert und ihnen vorgehalten, das; in der jüdischeil Bevölkerung eine zu geringe Begeisterung für den Krieg gegen Japan bemerkbar sei. Er belehrte sie, daß eS ihre Pflicht fei, sich mit großen spenden au den Sammlungen zu 'militärischen Zwecken zu beteiligen, und daß die Inden nicht patriotisch handeln, wenn sie — wie es im ganzen Reiche von Kaufleuteu aller Konfessionen vielfach geschah — ihre Guthaben bei der Reichsbank zurückziehen. Aehnliche Mahnungen richtete er auch an die Rabbiner von Kischenetv. In Kischenew, fand dieser Tage ein großer Bittgottesdienst der Talmudthoraschulen in Anwesenheit von 3000 jüdischen Schülern für den Lieg der russischen Waffen statt. Zugleich aber durchzogen pairiotisch gestimmte und „Urrha" rufende christliche Scharen die Stadt, „Hoch Kruschewan!" rufend (bekanntlich der Redakteur des „Bessarabetz"), wobei zahlreiche Fensterscheiben in jüdischen Häusern eingeschlagen wurden. Der karäische Chacham. Wie der „Freund" meldet, wurde der karäische Chacham in Tawri.d, P an p u lo w, in den erblichen Adelsstand erhoben. Die Juden und der Handel in Jaffa. Einem deutschen Handelsberichte über Palästina entnehmen wir: Die Beteiligung des. jüdischen Elemcnlts am Handel in Jaffa ist, abgesehen von der Ausfuhr des Weines, der auf den großen, vormals Rot lischt l d'schen, jetzt überwiegend der „I c a" unterstellten Kolonien erzeugt wird, und in A e g y p t e n, Frankreich ttnd D e u t s chka nd Absatz findet, eine sehr geringe. Die wenigen Einzcl-Kauf- Ieuie: Jaffas haben für den Handel eine nur untergeordnete Bedeutung und, sind nicht kapitalskräftig genug,^ um ihre Verbindungen auszubauen. Eche jüdische K o mmissionsfirma.befaßt sich vorwiegend mit der Einfuhr von Ackerbau -.'Mn.sch inen und dergl. mehr aus A m t rika und dem Königreiche S a ch s e tt und arbeitet beinahe ausschließlich für den Bedarf der jüdischen Kolonien. Todesfall. In London starb vorige Woche im Alter von 56 Jahren der Gründer und langjährige Besitzer der in London ergjeinenden „Jewi.sh World", Mr. George L. Lyon. Der erstorbene genoß sowohl als bekannter Publizist, wie auch wegen seiner großen Verdienste um die Lösung verschiedener, die Juden 'Englands betreffender Fragen, großes Ansehen. Die jüdische Wochenschrift „Jetoish World" („Jüdische Welt") leitete er länger als ein Vierreljahrhundert. Ein eigentümliches Schicksal fügte es, daß die Schwester des Verstorbenen. Mß Jochebed Lyon ihm zwei Tage früher in den Tod vöranging. Die Geschwister wurden an einem Tage unter überaus großer Beteiligung aller Gesellschafts- .schichten der Stadt zur ewigen Ruhe bestattet. , Gesellschaft für jüdische Statistik in England. Wir meldeten ..bereits, daß sich in London eine Gesellschaft für jüdische Statistik gegründet habe. Wie uns nun aus London milgeteilt wird, fand vorige Woche die konstituierende Sitzung der Gesellschaft statt. Gewählt wurden: ,A.^ E. Franklin, Präsident;.zu Vizepräsidenten: der Chief ,Rabbi'',Dö. A d l e x; '- Chacham" Dr. G a st e r, Claude M o n t e f i o r e üstd F. D. M o c a t t a. Vertreibung der Juden aus Sibirien (?) .Der „Daily Expreß" schreibt: Die Nachricht, daß die russische Regierung alle Juden unter den schwersten Bedingungen aus Sibirien vertrieben habe, wird ' von der jüdischen Gemeinde Londons mit größter Entrüstung ausgenommen. Die Vorsteherschaft der jüdischen Gemeinde wird sich sofort nach Er- . halt der offiziellen Nachricht ans britische Auswärtige Amt wenden. Die Juden in Livland und Kurland. Der russische Senat hat vor einigen Tagen in einem konkreten Falle die wichtige prinzipielle Entscheidung getroffen, daß den Juden, welche sich bis zum - Jahre 1880, sei es in gesetzlicher oder ungesetzlicher Form in den obgenannten Gouvernements niederließen, ohne Unterschied das Wohnen daselbst gestaltet bleibt. In letzterer Zeit wurde nämlich die Praxis geübt, das Wohnenin Livland unb Kurland nur solchen Juden zu gestaffelt, welche sich vor dem Jahre 1880, jedoch nur auf ‘ gesetzlichem Wege, z. B. Handwerker usw. niederließen. Polnische Juden in de» Kohlenbergwerken Schottlands. Aus London wird gemeldet: Mr. Markh a m ' hatte jüngst an den Staatssekretär des Innern die ' Anfrage gerichtet, ob ihm bekannt sei, daß in den Kohlenbergwerken Englands 4000 polnische Juden, die der englischen Sprache unkundig seien, arbeiten und eben wegen dieser Un- ' * kenntnis eine ständige Gefahr für die Sicherheit in den betreffenden Kohlenwerken bedeuten. Falls dem Minister diese "Tatsachen bekannt seien, möge er sich äußern, ob er Schrifte ' "unternehmen wolle, um die fernere Verwendung solcher fremder Elemente in den Kohlengruben zu verhindern. Der Staatssekretär Akers Douglas beantwortete diese Frage in folgenden Weise: Meine Information über diese Angelegenheit, die da- Staatssekretariat des Innern seit einigen Jahxen beschäftigt, weicht von jener des verehrten Interpellanten einigermaßen ab. Sorgfältige Nachforschungen in den schottiz scheu Kohlenwerken, wo 1200 polnische Juden beschäftigt sind, * haben ergeben, daß die Leute in keiner Weise eine Gefahr für die anderen Arbeiter darstellen. Ich habe mich selbst überzeugt, daß die fremden Arbeiter in den Gruben über ihre Pflichten belehrt werden, und ich sehe mich daher nicht veranlaßt, gegen die polnisch-jüdischen Arbeiter irgend welche Schritte zu unternehme«. Der Bürgermeister von Kischenew. Für Herrn Schmidt, den früheren Bürgermeister von Kischenew, der, wie unsere Leser sich erinnern werden, so viel als in seinen Kräften stand, gegen die russischen Mordbrenner anftrat» wurde eine Anzahl voll Ehrungen vorbereitet. So wurde die größte Straße voll Kischenew nach ihm benannt. Wie uns nlitgeteilt tvird, beabsichtigt Schrnidt gegeil das Wiener „Deutsche Volksblatt", das ihn in der gröblichsten Weise verunglimpft, die Ehrellbeleidiguilgsklage eiitznreichen. Soeben hat hier der Prozeß begonnen, der ein Nachspiel zu dem großen Kischcnewer Prozeß bildet. Die Verhandlungen werden geheim dnrchgeführt. Das Odessaer jüdische Spital leidet an Aerztemangel, da viele jüdische Acrzte nach dem Kriegsschauplätze abgegangen sind. Amerika und der russisch-japanische Krieg. (Oo.-Kotlr.) Was für einen Wert die Imponderabilien in der Politik haben» zeigt, die Stiinmniig Amerikas gegell Rußland unb für Japan. Vor allein ist cs natürlich Kischenew, das jcdeil Kulturmenschen gegell Rußland eilliiimnit. Aber auch davon abgesehen, silld die eingewanderten russischen Inden bereits eine politische Macht, die natürlich ihr Geburtsland, das sie mit allen Hunden gehetzt hat, llicht liebeil. Deshalb tveildet Amerika seine Sympathien Japan zu, obtvohl es selbst — man denke nur an die Philippinen lich ein Konkurrent Japans ist. eigent- Avüsemiüsche Dramatik. IZnr Erstaufführung von „Decadence", Schauspiel in 4 Akten von Albert G u i n o n im Pariser Vaudeville-Theater am 18. Febr.) Das Stück Albert Guinons, der kein Neuling ist und der französischen Bühne einige nicht besonders bemerkcnstverte Stücke geschenkt hat, datiert llicht von gestern. Vor drei Jahren hatte cs der Autor zum erstenmale der Zensur eingereicht. Diese hatte es ohne weitere Diskussion verboten. Dailn erschien das Werk in Bnchfornl. Man inachte — des Zensurverbotes wegen — einigen Lärm darum. Ich habe es deshalb gelesen. Einen nachhaltigen Eindruck hatte es jedenfalls nicht bei mir zucückgelassen. Denn als sich gestern zum erstcmnäle der Vorhang hob, besaß ich nur eine ganz vage und allgemeine Erinnerung daran lind brauchte mich llicht erst besonders zu bemühen, ohne vorgefaßte Meinung dem Dichter znzuhörcn. Vor allem hier der Inhalt. Der erste Akt bringt uns zu dem Herzog von Barflenr, einem ruinierten Edelmann, der zik recht faulen Ausknnftsmitteln greifcil mliß, lim halbwegs „standesgemäß" zu leben. Er hat — das gehört doch zum Standesgemäßen — eine Maitresse, die ihm ein schweres Strick Geld kostet, eine Tochter und einen Sohn. Dieser, namens Engnerrand, ist ganz Sportslnan. Seine Spezialität ist Athletik. Mit anderen Standesgenoffen produziert er sich im Zirkus Molier, wo Marquis und Grafen lind Barone heute vor eleganten Modedamen, morgen vor Dämchen, die keinen anderen Adel besitzen, als ihre Phantasietitcl, sich bemühen, ihre Akrobatengeschicklichkeit und ihr Zirknstalcnt ins rechte Licht zu rücken. Ein „gekrönter Jahrmarkt" nennt es Mama Rebekka Strohmann, voll der gleich die Rede sein lvird. Die Tochter des Herzogs, Jeannine, soll an Nathan Strohmalln, Sohn des Börsenkrösus Abraham Strohmauil u. Co. ilnd der eben genannten Rebekka, verkuppelt werden. Dieser Abraham ist eigentlich das' Pendant zum Herzog. Gleich ihm hat er jahrelang^von zweifelhaften Anskunftsmitteln gelebt, bis ihm eben ein Schlag ge-, glückt ist. Durch und dllrch Geschäftsmann, hat er offenbar bei der' Heirat seines Nathan mit Jeannine auch ein Geschäft im Auge. Nathan allerdings liebt Jeannine aufrichtig. Das hindert ihn allerdings nicht, als Jeannüle ihn mit seiner Werbung anslacht, schön planmäßig und geduldig alle umlaufenden Wechsel des alten Herzogs aufznkanfen und den Alten ivie die Tochter vor die Alternative zu stellen: Ruin oder Heirat. Natürlich — wohl nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Leben — sagt Jeannine Ja, obzwar sie den Marquis von Cherancc liebt. Auch ein netter Typus. Angefault bis ins Mark, ohne einen Sou, von ewigem Pump, lebend, unfähig zu jeder ernsten Beschäftigung. Im zweiten Akte ist das Geschäft bereits gemacht. Der Herzog ist seine Schulden los, Nathan hat seine geliebte Jeannine am Halse. Man steht eben bei Strohmanns vom Tische auf. Es.hat.großes Gatadiner gegeben. Die vornehmen, dreimal.vornehmen, .weil hochadeligen Gäste des Herrn Nathan Strohmann bedanken sich für die Gastfreundschaft, die ihnen erwiesen lvird, durch pöbelhafte und brutale. Sarkasmen an die Adresse derer, die nur das einzige Unrecht haben, mit solche» Frechlingen und Schmarotzern zu Verkehren. Als die Juden — die jüdischen Gastgeber notabene I — für einen Augenblick nicht im Salon sind, ein Aufatmen: „Ach, Gottlob endlich in Frankreich!" Und das Frankreich dieser unedlen Edeltetit-e ist natürlich das Einzige, das zählt. Natürlich macht auch die Herzogstochter, die nun Frau Strohmann ist, keine Ausnahme. Den Nathan hat sie genommen, aber sie geniert sich nicht, ihn recht deutlich merken ztt lassen.!vie sehr sie ihn verachtet und wie schrecklich widerlich er ist. Und als ihr Vater sich denn doch in einer Anwandlung von moralischem Kater dazu anfrafft, ihr ihren etwas starken Flirt mit dem Marquis de Cheranee vorzuhalten, lacht sie ihn einfach ans. Oder gilt etwa ihr Lachen dem naiven Erstaunen des Alten darüber, daß sie nicht die Maitrcsse des Mar.uis ist? Demi darin fände er nichts. Nur der die Dehors nicht währende Flirt geniert ihn. Auch den biederen Nathan. Er macht, aufgehetzt von seiner Mnffer Rebekka, seiner' edlen Gattin Vorwürfe. . . Sie . jagt ihn davon. Sie denkt nicht daran, dem Marquis seine allzu häufigen Besuche zu untersagen. Wenn sie Nathan nicht recht sind, möge er sieh direkt an den Marquis wenden. Dritter Akt hinter den Conlissen des Zirkus Molier: Clowns, Schlangenmensch^ Ringkämpfer, Parterreakrobaten, alle dargestellt von der Creme de la Creme des französischen Adels. Hier, willigt Jeannine endlich ein, dem Marquis zu Willen pu sein. Sie wird ihn besuchen. Nathan merkt etwas. Er stellt sinne Frau zur Rede? Offen gibt sie alles 311: Ja, sie wird zum Marquis gehen. Noch mehr. Sie lvird sogar bei ihm bleiben. „Unsere Heirat Ivar ein Geschäft. Ein schlechtes siür Sie. Sie sind betrogen worden. Das passiert Ihnen tvohl zmn orstenmale. Nun.wenn schon!" ' Im vierten Akt - kommt' Nathan zum Marquis, bei. dem Jeannine die Nacht geweilt hat. Jeannine empfängt ihn, ' Nathan, der noch immer seine Frau liebt-'—- der Tor —, stellt ihr das Elend vor, das ihr bevorsteht,--die an allen. Luxus gewöhnt ist.,Das leuchtet dem Weib ein und sie zögert kein-n Augenblick, laßt Clierancesitzen und folgt Nathan. Also hat der Jude doch endlich auch ftmegiffe Seite, selbst für die Aristokratin Jeannine. Wollen Sie mir erlauben,-ein wenig näher auf. das Stück und die Personen eiiizngeheii? Das Stück: Es soll eine- Sittenkomödie sein. Der Autor hat aber nur Karikaturen geschaffen, die svinit außerhalb der Gesellschaft und der Sitten, dieser...stehen. „Decadence" ist keineswegs das/ für was-man es gern ausgebep '-möchte — eine realistische Malerei, es ist im konventionellsten Maße noch dazu '— ein ganz phantastisches Werk. .-Der erste 'Akt vielleicht ausgenommen. Hier ist die-Handlung lebenswahr, dje Skizzicrnng der Personen zutreffend-und manschen möglich.. . Wqs aber im ersten Akt skizziert ist, wird-in den folgenden fortwährend verstärkt und verdickt, so daß schließlich nur mehr Karikatur herauskommt. Der Herzog de Varflenr ist ein grober Cyniker ohne Cleschmack, ohne Erziehung, ohne Lebensart, ohne Taktgefühl. Er ist aber überdies stockdumm. Er lacht die Juden mt§, deren erstes und letztes Wort immer Geld ist. Nun und -er? Er hat doch über- . Haupt kein anderes Interesse, als eben diesen Geldjnden Geld abzupumpen. Und weiter Jeannine. Schön, sie heiratet Nathatt, den sie nicht aiksstchen mag. weil er mit zwei Millionen den Vater, ja . mehr noch den alten Namen der Barflenr rettet. Schon, sie hat - einen Geliebten. Aber tvo liegt der Sinn, diesen Mann, der summa smnmarum ihr und de» Ihrigen nur Gutes getan hat, der, wenn er schon — lote sie behauptet —■ mit der Heirat ein Geschäft meinte, wenigstens seinerseits den Pakt ehrlich und getreulich erfüllt hat, wo liegt der Sinn, -diesen Mann zur Zielscheibe ihres taktlosen Witzes zu machen, ihn und seine Familie den geschmacklosen und niederträchtigen Spöttereien ihrer hoch-aristokratischen. Freunde auszusehen und dabei ganz zU vergessen, daß sie ja jetzt auch eine Strohmann ist ttttb daß alle Witze über die Strohmanns noigedrnn- - gen auch sie treffen müssen! Und nun Herr Nathan Strohmann, dieser schlaue, überschlaue Jude, der sich gar so naiv das Herz mit dem Verstände durchgehen läßt, der vorzügliche Rechner, der vor und nach der Heirat gar nicht an den Fingern abzählen kann, was.. er für ein schändlich-schlechtes Geschäft gemacht hat, der gar nicht merkt, daß seilt Interesse voit ihm selbst verraten lvird. Und nun eitdlich gar zum Schlüsse diese Lächerlichkeit, daß Nathan sie zur Rückkehr in sein Hans bewegt, eine Sache, die nicht minder horrend itub läX'rlich und unwahrscheinlich ist, wie daß Jeannine sich durch die Vorstellung des Geldmangels zur Rückkehr bewegen läßt. Denn argumentieren wir nur richtig: entweder ist Nathan wirklich der geriebene Geschäftsmann, dem sich die Welt nur in Ziffern und Zahleit darstellt, nun dann kann doch seine vergißmeinnichtblaue Stimmung nicht dieser Vorstellitng auf die Dauer Stand halten. Oder aber er ist es nicht, er ist wirklich ein sentimentaler Jüngling, nun Ivas Ivill denn danit der Autor mit all dem Schimpf, den er durch Jeannine dem Gcschäftsjnden an den .Kopf schmeißt. Und ebenso bei Jeannine: etttlveder hat sie ihre richtige Auffassung von der Unvereinbarkeit von Ehe und Geschäft, oder sie hat's nicht. Aber heute so, morgen so, zeigt nicht nur Mangel an Logik bei ihr, sondern noch viel mehr beim Autor. F. P. F i s ch e r. („P. L.") Verein „Machsike hadath", Wien, 2. Bez., Nestroygasie 4. K « tt d ttt « ch n it g. Der Unterzeichnete Vorstand beehrt sich hiemit zur Kenntnis zu bringen, daß unser Verein, 2. Bez., Nestroygasie 4, ein Bethhamidrasch eröffnet hat, welches wir zur gefälligen Benützung empfehlen. Sowohl diejenigett, welche unser Lokal zum Zwecke eigener Studien der heiligen Thorawissenschaft als auch diejenigen, welche dasselbe zum Zwecke ihrer Verbreitung im Kreise von Thorabeflissencn aufsuchen, sind uns gleichmäßig willkommen. Gleichzeitig haben lote in dem gedachten Lokale für Knaben schulpflichtigen Alters einen hebräischen Sprachkursus eröffnet, den der mitunterzeichnete Rabbiner Dr. Daniel F i n k nach den Grundsätzen der modernen Lehrweise leiten tvird. Der Unterricht wird ausschließlich in der schulfreien Zeit erteilt werden. Das Schulgeld beträgt 1 Krone monatlich für jedes Kind. Anmeldungen werden jeden Sonntag zwischen 11 und 12 Uhr vormittags itr unserem Vereinslokale vom Leiter des Lehrkurses entgegengenommen. Der Vorstand des Vereines „Machsike hadath". Dr. Daniel Fink, Schriftführer. S. Meissels, Obmann. * ,* * Erklärung! ' In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes hat Herr B. H 0 f b -a u e r eine -die orthodoxe Bevölkerung in Wien betreffende Erklärung veröffentlicht, gegen welche die Gefertigten hiemit Vertvahrung einlegen. Zur Kennzeichnung der diesfälligen Verhältnisse sei zunächst bemerkt, daß die orthodoxe jüdische Bevölkertmg am hiesigen Platze sich . nach vielen Tausenden beziffert. Dieselbe verteilt sich auf eine größere Anzahl orthodoxer Bethans-Bereine, was nicht ausfchließt, daß unter bereit Mitgliedern sich auch solche befinden, die in ihrem Privatleben sich nicht durchaus streng an den Vorschriften unseres heiligen Religionsg-esetzes halten. Solche Elemente gab es im Judentums ztt alten Zetten und in der S ch i f fs ch u l, ein Verein von etlva 120 Mitgliedern, für welche Herr Hofbaner itt die Schranken tritt, liegen die Dinge tticht -anders. Mit demselben Recht, tvie die Schiffschnl den Standpunkt des orthodoxeit Judentums für sich in Anspruch nimmt, erklären die ttnterzeichiteten Vertreter orthodoxer Bethaus-Vereine itt Korporationcit, daß es einen im Judentum ganz unerhörteit Vorgang bildet, wenn man in der Mitte einer nach vielen Tausenden zählenden orthodoxen jüdischen Bevölkerung, ohne von irgend einer Seite hiezu ermächtigt zu sein, sich erlaubt, den derzeitigen Vereins- Rabbiner der Schiffsschule als in rituellen Dingen allein maßgebend hinzustellen mtb sich gar zu der Ungeheuerlichkeit versteift,, dieses Recht im vorhinein für alle desien Nachfolger mit Beschlatz ztt belegen, ohne daß auch nur die dabei in Betracht kommenden Persönlichkeiten irgend jemanden bekannt wären. Die Unterzeichneten Vertreter der Mehrzahl der Orthodoxen von Wien erklären Hiernit im Namen ihrer Gesinttmtgsgettossen, daß für sie in allen religionsgesetzlichen Artgelegenheiten nur die Autorität des Herrn Rabbiners Mayersohn dabei ntaßgebend in Betracht kommt. Bethaus-Verein Veis Jsruel. Bethaus-Verein Chasidim. Bethaus- Verein Ohel Jacob. Bethans-Vevein Liwias Chen. Verein Machsike Hadath, 2., Nestroyg. 4. Bethatrs-Vereitr Gmilas Chesed. Bethaus Chasidim, 2. Bez., Kleine Schiffgasse 10. Vereirt Kow-ea Jtim l thora. * * * Neugründnug. Die am 1. Februar stattgehabtie - Ansschuhivahl der neugegründeten Vereinigung jüdischer Hochschülevans der SÖ11 f 0 w i n a „Jordan t a" ergab folgendes Resultatr cand. rng. S.. Herschensohn, Präses, eand. med. M. Singer, Vize-Präses, sind. jur. Ä. Äoldhamer, 1. Schriftführer, carrd. jur. I. Lüttdan, 2. Schriftführer, sind. Phil. I. Klüger, 1. Kassier, stud. ing.-L. Katz, 2. Kassier, sind. ing. Ch. Hornsteitt, Bibliothekar und Zeitungsverweser^. ___^ Mitteilungen ans dem Pnvlilmm. ' Wir machen unseren geschätztert Leserkreis auf die nepHröffnete Firma Theo d'ü'r G m e i 11 bje r. W t e 11, - 3. Bpz.,.- Sechs- Trügelgassd 6, aufmerksam. 1 Atelier für: moderne Wphrmjrßsein- 'richttingen, Dekorätiöneu. M'U'st« rlage:r--fertiger Möbel. Aufbewahrung von Teppichen,"Vorhängen usw. n*i *? *■' , NN.,.- •/:HetefknKen. Grünfeld, jftemsier. Ueber den „Ewigen'Juden" schrieb ,Dr. L( Neubaper, Elbing,' ferner Ferdinand Helbig 18741 in der Sammlung gernejnverständlicher wissimscyaftlicher- Vorträge; ^ferner H.1mrvck,'"Deutsches Volksbuch» „Kurze Beschveibung und Erzählung bog einem Juden utit -Namen?ltzasvevus". R u-lpe.ma n n ttt »Noch,ülid Süd": Die Sage vom'Ewigen Judew.im^Wilien; feiner alte Duellen 1797, Andreas Franklins „The wandering Jew or Loves Masquernde".