Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-02-26 · 9 (26.2.1904) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433032--2313-2436165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seile 2 Wiiö, Freitag Jüdi*che8 Volklblatt. 26. Februar 1904 Völkern des gesamten Reiches a u s n a h m s l ö s, kichert, jede Germcmisierung, Tschechisterung, Polonisierung, 'llx Verwelschung, Magyarisierung unmöglich macht, kann die R e i ch S n o t aus der Welt schaffen und die Bahn frei machen für jene großangelegte wirtschaftliche W o h lf a h rt sPolitik nach welcher alle Völker Oesterreichs, ganz besonders aber die österreichischen Juden immer lauter rufen. Das neue Heimatsgesetz und die Inden. lieber dieses Thema hielt Herr Dr. Carl L i f c z i s am 17. ds. im „Jüdischen Volksverein" vor einem überaus zahlreichen Publikum einen interessanten und lehrreichen Vortrag. Aktuell war dieser Vortrag durch die einige Tage vorher erfolgte Sanktionierung des vom Niederösterreichischen Landtage geschaffenen Landesgesetzes, auf Grund dessen der Gemeinde Wien das Recht eingeräumt wird, die Erteilung des Heimatsrechtes von dem Erläge einer Taxe bis zur Höhe von 600 Kronen abhängig zu machen. Nach einem sehr instruktiven historischen Rückblick auf die einzelnen Phasen der Heimatsgesetzgebung in Oesterreich, bemerkt Redner pn zunächst, daß das Heimatsgcsetz, wonach die Erreichung der Hei- N matsberechtigung für jedermann ohne Rücksicht darauf, ob er; In- oder Ausländer sei, nur von der zehnjährigen Ersitzungsfrist i abhängig gemacht wurde, einen wirklichen Fortschritt bedeutet habe.! Da kam jedoch der Wiener Magistrat mit einer Interpretation,! welche geeignet war, dieses an und für sich fortschrittliche und mos deine Gesetz zu einem Judengesetze reinsten Kalibers zu s stempeln. Scheiterte mrch der Versuch des Magistrates, diese > Interpretation — daß die zehnjährige Ersitzungsfrist für Ausländer! erst mit dem Jahre 1896 beginne und daß den Witwen die in Ge- M meinschaft ihrer Ehemänner verbrachte Ersitzungszeit nicht eingerechnet werden soll — zum Gesetze zu erheben, an der Rechtsauffassung des Vertvaltungsgerichtshofes, so hatte der Magistrat doch das eine Ziel erreicht, daß er durch eine förmliche, obstruktioniftische Verschleppung der Gesuche der Ausländer (lies: Juden) und durch bewußt überflüssige Rekurse die Erlangung der Heimatsberechiigung der jüdischen Ausländer hintertrieb. Nun ist aber der vom Wiener Magistrate selbst anerkannte Termin — das Jahr 1906 — auch nicht mehr weit und der fürsorgliche Magistrat mußte nun ein neues Mittel ersinnen, durch welches den weniger bemittelten Juden die Erlangung einer Heimatsberechtigung in Wien erschwert und zum Teile unmöglich gemacht wird. Dies war der Entstehungsgrund des neuen Gesetzes, welches sich in jeder seiner Bestimmung offenkundig gegen die Juden richtet. Redner findet es geradezu unverständlich, wie die Negierung ein solches Ausnahmegesetz der allerhöchsten Sanktion unterbreiten konnte, und nagelt gleichzeitig das beklagenstverte hiswrische Faktum an, daß dieforisch ritt li che n Landtagsabgeordneten nicht nur dem Gesetze nicht opponierten, sondern ihr Führer March et dasselbe direkt befürwortete. (Pfui- Rufe in der Versammlung. Der anwesende Bezirksrat N e u st a d l macht eine verneinende Kopfbcwegung.) Was das Gesetz selbst betrifft, so steht Redner mif dem Standpunkte, daß cs dem Reichsgesetze, welches die Einhebung von Taxen nicht kennt, widerspreche. Der Juden Punkt kommt hauptsächlich in zwei Bestimmungen « zum Ausdrucke. Erstens darin, daß der Erlag einer Taxe nicht« jedem, um die Heimatsberechtigung ansuchenden Ausländer zur Pflicht gemacht, sondern der Gemeinde Wien d a s R e ch t e i n g e r ä u m t wird, eine solche einzüheben. I n j welchen Fällen der antisemitische Gemeinderat und Magistrat von diesem Rechte Gebrauch machen werden, sei jedermann von Vorneherein klar. Der findige Magistrat hat aber nicht nur konvertiert. Da muß man aber gründlich Vorgehen. Ich habe die Konversion so gründlich durchgeführt, daß 11 sich heute kein Mensch mehr auskennt, welche Papiere konvertiert sind und welche nicht. Als Bie lo hlawek jüngst im Bürgerklub darüber interpelliert wurde, weshalb er sich denn für dieses Judenpapier so echauffiere, da erwiderte er sehr richtig: „Bitte, sie sind schon konvertiert!" Also reden wir nicht mehr darüber, denn es kommt eh' nichts Gescheidtes dabei heraus! Da nun niemand zu sprechen wagt, geht die Sitzung zum zweiten Punkte der Tagesordnung über. Vorsitzender Dr. Alfred Stern: Meine Herren! Wir p sollen heute darüber schlüssig werden, ob wir einen Präsidenten wählen sollen oder nicht. Da Sie sich auf eine gewisse Person, die mir am nächsten steht, nicht einigen wollten, gelang es mir, Sie bis jetzt von einer Präsidentenwahl abzuhalten. Das Bertreterkollegium hat nun beschlossen, ehe die Angelegenheit vor das Plenum gebracht wird, noch die „Oeffentliche Meinung" über ihre Ansicht zu befragen. Ich habe Sie gleich vor einem solchen Schritte gewarnt, aber da Sie darauf bestanden, mußte ich mich mit dieser Person einlassen und nun liegt auch ihre Antwort vor. Sie entheben mich wohl der unangenehmen Aufgabe, es selber zu verlesen. Ich denke, Nur rufen den Diener herein, damit er es vorlese (Der Diener kommt und liest folgenden Brief): Löblicher Kultusvorstand! WaS ist Ihnen auf einmal eingefallen, sich an mich zu wenden? Was ist denn geschehen? Sie haben den Kopf verloren? Sie haben sich doch schon so sehr au die Kopflosigkeit gewöhnt, daß es Sie doch nicht genieren kann, wenn dieser Zustand auch physisch zum Ausdrucke kommt. Ich möchte Ihnen ja gerne meinen Kopf a u f s e tz e n, aber da müßte ich mir auch einen anderen Rumpf erbitten, denn Sie wissen ja: mens sana in coipore sano. Es ist sogar für Sie von Vorteil, wenn Sie keinen Kopf haben: Sie werden sich nicht au den Kopf greifen können, wenn Sie an die Ungereimtheiten denken, die sie schon gemacht haben; für die Aussperrung der ausländischen, h ä u p t s ä ch l i ch ungarischen Juden, sondern auch dafür gesorgt, daß die galigi scheu Juden nicht so leicht in Wien heimatsberechtigk werden. Und darauf bezieht sich jene zweite Bestimmung, wonach eine Taxe auch von solchen eingehoben werden kann, deren S t a a t s z u g e h ö r i g k e i t nicht n a ch w e is b a r i st. Aus dieser Bestimmung springen uns jene unzähligen galizischen Inden entgegen, die zufolge der leidigen, ungeregelten Ehe- und Matrikenverhältnisse, wie sie leider in Galizien herrschen, „nicht in der Lage sind, ihre österreichische Staatszugehörigkeit nachznweiscn", trotzd e m sic in O e st c r r e i ch g e b o ri e n, b e st e u e r t und zum M i k i t ä r d i e n st h e r a n g e z o g e n wurden. Eine bisher unbekannte Anomalie ist es auch — rrnd dies verrät auch die Zielscheibe, gegen welche das ganze Gesetz gerichtet ist — daß ein Landesgesetz nicht zur Regelung der Heimatsrechtsangelegenheiten des ganzen Landes, sondern nur einer einzigen Gemeinde, und zwar der Gemeinde Wien, geschaffen werden soll. Nach Vorführung einiger krasser Fälle der Hcimatsrechtspraxis schließt Redner unter minutenlangem Applaus seine Ausführungen mit dem Appell an die Juden, aus dem Verhalten der fortschrittlichen Partei in dieser Angelegenheit die ein - z ig richtige Lehre zlt ziehen, sich als Juden zu organisieren und ihre Rechte selbst als selbstbewußte Juden zu vertreten. In der hierauf eröffneten Diskussion sprach zunächst Bezirksrat N e u st a d l. Er versucht unter wiederholtem Proteste der Versammlung den Wiener Gemeinderat und die Landtagsmajorität von dem Vorwurfe reinzuwaschcn, daß die Spitze des Gesetzes sich gegen die Juden richte. (!) Die Statistik weise nach, daß den Juden das Heimatsrecht in entsprechendem Verhältnisse erteilt würde, kurzum im Wiener Magistrate empfange man die ausländischen Juden mit offenen Armen, nur die ungarischen Inden sind so schlimm, daß sie von dieser liebenswürdigen Gastfreundschaft keinen Gebrauch machen wollen. Jakob K r a u s z wendet sich gegen N e u st a d l. Dieser habe bloß die Ziffer der Erledigungen genannt, aber verschwiegen, wie viele jüdische Gesuche aus nichtigen Gründen abgewiesen oder unerledigt liegen geblieben seien. Er möge doch einen einzigen Tag im R e ch t s s ch u tz b u r e a u des „I ü d i s ch e n V o l ks v e r e i n es" verbringen, und da werde er Szenen erleben, die ihn eines Besseren belehren würden. Da würde er sehen, daß die Juden alle Mittel in Anwendung bringen, um ihre Heimatsberechiigung zu erlangen. Herr N e u st a d l behauptet, jeder Ansuchende erlangt sein Heimatsrecht. Redner gebe dies zu. Aber den Juden ergeht es mit der Heimatsbcrcchtigung, so wie mit der Million, die bekanntlich jedem auf Erden beschieden ist, leider aber erlebt es selten einer, in den Besitz dieser Million zu gelangen. Dr. Paul Weisen grün wendet sich auch gegen N e u - stadl und bespricht hauptsächlich die politische Seite dieser Frage. Die ungarischen Juden wollten dem Rufe des Herrn Neustadl und Gesinnungsgenossen nicht folgen, weil sie es satt haben, sich mit leeren Versprechungen abfertig e n, und sich inzwischen um ihre elementar st en Rechte bringen zu lassen. Nur eine geschlossene jüdische Organisation wäre imstande, selbst Gesetze zu verhüten, wie dieses mit Hilfe der Fortschrittlichen zustande gebrachte Heimatsgesetz es ist. Nachdem noch Referent ans einige an ihn gerichtete Fragen geantwortet und die Ausführungen des Herrn Neustadl widerlegt hatte, schloß der Vorsitzende Hermann Plaschkes mit der Versicherung, daß der „I ü d i s ch e V o l ks - verein" nach wie vor die Interessen der bedrückten Juden mit aller Energie wahren, und auch in Bezug auf das Heimatsgesetz den Kampf w e i t c r f ü h r e n w e r d e, die Versammlung. Ans Rußland. Kaufmann um eine Lieferung oder ein jüdischer Gewerbetreibender um eine Arbeit ansucht. Sie können sogar weiter Vogel- Strauß-Politik treiben, ohne den Kopf in den Sand stecken zu müssen; Sie können sich auch fernerhin vor den Großjuden ducken, weil Sie ja keinen Kopf haben, »m ihn aufrechthalten; es kann Ihnen aber auch der G t o ljz nicht in den Kopf steigen, wenn Ihnen Herr Lu e g er bei Ihrem Wein gnädig die Hand reicht? Und dann sagen Sie mir einmal, wozu brauchen Sie denn eigentlich den Kopf? Was machen Sie eigentlich? Nichts als sitzen, von Juden Geld einnehmen und an N i ch t j u d e n a u s g e b e n! Sitzen und Geldmanipulation sind Beschäftigungen, zu denen man keinen Kopf braucht. Dies ist die Ansicht Ihrer aufrichtigen „Oeffentlichen Meinung". Dr. Alfr. Stern: Da haben Sie's, meine Herren! Haben Sie das gebraucht? Ich hab's Ihnen immer gesagt, man soll sich mit solchen Leuten nicht abgeben. Diese glauben, daß sie für ihre lumpigen zehn Gulden Kultussteuer schon in Alles dreinreden dürfen. Da lobe ich mir schon diejenigen Herren, die viel mehr zahlen und sich d o ch nicht darum kümmern, was bei uns vorgeht. Theodor N. v. T a u s s i g: Meine Herren, das ist alles Quatsch und für den K a tz a». Wozu brauchen Sie überhaupt noch eine Leitung! Merken Sie's noch immer nicht, daß Sie geleitet werden? Spurts doch schou die ganze Gemeinde in allen Knochen! In wichtigeren Dingen leite ich Sie, und in Dingen, mit denen ich mich nicht abgeben mag, werden Sie durch Ihren teuren Bloch geleitet. Also Schluß! Sobald ich meine wichtigeren Angelegenheiten geordnet habe, werde ich die Präsidentenwahl vornehmen lassen. Sie werden daher meinen Antrag annehmeu, der lautet: „Der Vorstand beschließt, in diesem Jahre von einer Präsidentenwahl abzusehen und verständigt die „Oeffentliche Meinung", daß er ihrem Wunsche Rechnung getragen habe." So wird das gemacht. l Nachdem sich sämtliche vorgemerkten Redner streichen ließen, wurde dieser Antrag zum Beschlüsse erhoben. Hierauf wurde die Verteilung folgender Purim (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksblatt".) Auf jeden Kenner der russischen Verhältnisse machten die Berichte der auswärtigen Blätter, welcher Tendenz immer, einen eigentümlichen Eindruck. Man ist im Auslande insoweit informiert über ruffische Verhältnisse, daß man weiß, daß der Zar sich passiv verhält. Als treibender Faktor stellt man nun je nach Zeit und Laune irgend eine Persönlichkeit hin; wenn man gut informiert ist, Witte oder P l e h w e und wenn man ausgezeichnet informiert ist. P o b o d o n e - z e w. Doch auch das Letztere ist nicht ganz richtig. In Rußland hat das Heft in der Hand die Kaiserin Mutter, die Pobodoneszew nicht nur in die Geheimnisse des rechten Glaubens, sondern auch der rechten russischen Regiernngskunst eingeführt hat. Bei ihr finden auch alle Judenfeinde Rußlands Rückhalt. Sie hat erst jüngst Proben abgelegt. An die Aerzte des ruffischen roten Kreuzes verteilte sie Bilder des heiligen Seraphin, über dessen Heiligsprechung revolutionär-russische Blätter ein artiges Histörchen berichten. Eine Bedingung der Heiligsprechung ist, wie uns schon Dostojewski berichtet, daß der Leichnam des Heiligen nicht, man verzeihe den Ausdruck — riecht. Der heilige Seraphin roch aber doch. Da verschaffte man sich auS Berlin eine anatomische Wachsfigur und der heilige Seraphin konnte ungestört verehrt werden. Anstatt nun dafür zu sorgen, daß die Aerzte mit guten Instrumenten versehen werden, versorgte sie die Kaiserin-Mutter mit guten Heiligenbildern. Eine andere Probe für ihre Jndenfreundlichkeit. Der Odessaer Bankier A s ch k a n a s i hatte sich erbötig gemacht eine Sanitätskolonne, bestehend aus jüdischen Aerzten, Schwestern und Gehilfen auszurüsten und während des Krieges zu verpflegen. Dieses Auerbieten wurde von dem russischen roten Kreuz, an dessen Spitze eben die Kaiserin-Mutter steht, in höflicher Form abgelehnt. Dieselbe Antwort erhielten eine ganze Anzahl von jüdischen Feldscher» und Heilgehilfen, die freiwillig nach dem Kriegsschauplätze abgehen wollten. Trotzdem werden eine große Anzahl von Stammesgenoffen, die gegenwärtig aktiv Kriegsdienste leisten, entweder als Freiwillige oder durch das Los getroffen, nach Asien abgehen. Besonders feierlich war der Abschied der jüdischen Soldaten, wie die „Elisabetgrader Nowosti" mitteilt, in Elisabetgrad. Unter dem dortigen Kontingent befirrden sich 33 jüdische Soldaten. Der Rabbinatsgehilfe Dr. Stein hielt nun an die versammelten christlichen und jüdischen Soldaten eine feierliche Ansprache, worauf der kommandierende General erwiderte, indem er sagte, daß er erwarte, daß Juden und Christen sich gleich gut schlagen werden. Ja, der Krieg.- Die Konferenz zur Revision der Judengesetze hat ihre Beratungen bis April vertagt. Heißt das ad ealendas graecas oder will man es davon abhängig machen, wasj die Juden auf dem Altar ihres liebevollen Vaterlandes opfern , werden? Tomkin, der in Odessa zum Kronrabbiner gewählt wurde, wurde von der Regierung nicht bestätigt und Krebs residiert weiter. j Jevenfalls läßt die Regierung sich durch den Krieg 'nicht ht ihrer wichtigsten Aufgabe, der Unterdrückung jeder j fcetcn Regung, aufhalten. Auch das berüchtigte „Kischenewer j System" will sie nicht ganz aufgeben. Wenigstens wird aus i T o m s k über einen derartigen Versuch, der an der Festigkeit; der Arbeiter scheiterte,* berichtet. Aus Tomsk und Irkutsk wurden zahlreiche jüdische Familien ausgewiesen. Wie gesagt, das alte Rußland lebt noch; aber wie lange?! - Alexer. Verdienste um die spekulative Philosophie: die goldene Hausse-Baisse-Medaille; an Dr. Bloch für seinen Verdienst bei der Kultusgemeinde: den Gängelbandvrden erster Klasse; Rabbiner Meyersohn wurde zum Mazzes-Kommanditeur ernannt. Donat Z i f f e r e r : eine weiße Nelke mit schwarz-rot-goldenem Baudel. Der Tempelverein Brigittenau erhält eine Purimsendung. Inhalt : Dr. David; Wert 6000 Kronen jährlich mit der besonderen Bemerkung: Retourware wird nicht angenommen. Endlich wurde beschlossen, Dr. Grunwald dem Vereine „Mädchen für Alles" als Ehrenmitglied zu empfehlen. Sie können nicht den Kopf verlieren, wenn ein jüdischer sg e sche n k e beschlossen: An Dr. Güdemann für seine Der Herr Oberrabbiner. (Eine Purimgeschichte aus einer galizischen Stadt.) Der Herr Oberrabbiner mußte lachen. Als er seine Pfingstpredigt beendet hatte und mit sacerdotalem Schritts — dieser Schritt ist eine wissenschaftliche Errungenschaft, die Israel erst während der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zur Vollkommenheit ausgebildet hat — von der erhöhten Kanzel auf seinen gewöhnlichen Rabbinersitz sich begeben wollte, da fuhr ihm ein Witz dürch den Kopf und er mußte lachen. Der Herr Oberrabbrner ist nämlich, und das wird wohl sein grimmigster Feind von ihm gelten lassen, sehr witzreich. Und wie alle, die eine starke Anlage zum Witzereißen haben, kann auch ec einen sich meldenden Witz nicht abweisen, und gelte es auch, sich oder seine Predigt ein wenig zu persiflieren. Jawohl, der Herr Oberrabbiner ist sehr witzreich. Rur hat der Witz des Herrn Oberrabbiners nichts vom Weltschmerz, nichts von Bitterkeit; im Gegenteil, sein Witz riecht für gewöhnlich nach gesunder Begierde und ausdünstigem Sattfeiu. Kein Wunder! Der Herr Oberrabbiner gehört zu den glücklichsten Sonntagskindern unseres Jammertales. Sein Leben — eine ununterbrochene Reihe schöner, feinster Erfolge; und man könnte wahrhaftig auf ihn das schöne Psalmistenwoxt anwenhen, das da lautet: „Was fein Herz begehrte, gabst Du ihpr/ Selbst jener Wunsch, der nur im feuchtfröhlichön Gehirne eine-, V./MV

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.