Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 8 (19.2.1904)
- Date
- 1904-02-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdisches Volksblatt. 19. Februar 1904 Nr. 8 Wien, Freitag Haut und feiltet: Habe, dann findet sich immer ein Gericht, das ihm Unrecht gibt. * q- * Wenn itrait, nach Salomen Mannen, die galizische Bevölkerung im allgemeinen in fünf Elasten einteilen kann, und zwar in: Adelige, Halbadelige, Bürger, Bauern und Inden, so läßt sich die Judenschaft Galiziens in vier Klassen gliedern-: 1. Kapitalisten, die nur einen ganz kleinen Prozentsatz darstellen; 2. Kleinbürger, die einen großen Teil repräsentieren; 3. Proletarier — die überwiegende Majorität — und 4. Luftmenscheu (eine galizischjüdische Spezialität). Wer nur einige hundert Gulden sein eigennennt, widmet sich dem Handel. Er eröffnet einen kleinen Laden und sucht durch Fleiß und Anstrengung den Umfang feines Geschäftes anszudehnen. Die Schlechtsituierten, die nur ein paar: Gulden besitzen, kaufen für ihr ganzes Vermögen einige Waren und halten sie int Umy-erziehen feil. Andere wieder gehen von Dorf zu Dorf und, kaufen beit Bauern ihre kleinen Vorräte an Getreide und Geflügel ab. So bringen sie sicht seit altersher recht und schlecht fort. Auch dieser geringe Verdienst, der wirklich im Schweiße des Angesichtes erworbenwird, erregte den Neid der kaufmännisch gebildeten Schlachzizen. Die vor Jahren gegründeten „Kolko Rolnicze" stellten sich zur Aufgabe, ganz Galizien mit einem vielmaschigen Netze von Konsum- Vereinen zu bedecken. Obwohl die Genossenschaften sich nur schwer behauptenkonnten, ruinierten sie dennoch Tausende jüdischer Geschäftsleute. Viele kamen an den Bettelstab, aber den letzten Stoß haben die „Kolko Rolnicze" der gesamten Judenschaft Galiziens nicht versetzen können. Nun grübelten die Herren jahrelang, um ein besseres, wirksameres Mittel ausfindig zu machen-. Die Früchte dieser emsigen Arbeit sind vor einigen Wochen zur Reife gelangt. * * * Vor kurzem fand in S-t a n i s l a u unter Vorsitz des Grafen Dzseduszycki und einiger hoher Geistlicher ein Delegiertentag statt, an welchem die Jnslebenrufung großer und weitverzweigter Einkaufsvereinigungen-, die in immittelbarem Ve-ftln um tun landwirtschaftlichen Genossenschaften stehen sollen, mit großem Beifalle beschlossen wurde. Hauptsächlich sollte die Tätigkeit der „Kolko Rolnicze" dahin erweitert, werden, daß sich das ganze Vauernvolk vom jüdischen Handel emanzipiere. Besonders haben die beiden nachfolgeitden Anträge hierfür symptomatische Bedeutung: 1. Es sind in allen Bezirken große Magazine zu errichten, damit man den Bauern ihre gesamten landwirtschaftlichen Produkte abkaufen kann, um sie direkt über die Grenze zu exportieren. 2. In allen größeren Städten sind Hauptniederlagen der Waren zu errichten-, um dem jüdischen Zwischenhandel den Garaus zu machen. Die Tendenz dieser Resolutionen tritt offen zu Tage. Man will den Jrwen jede Arbeitsgelegenheit, jede Gewinstchance rauben. Dieser Angriff aus dem Hinterhalte erfolgt gerade von jenen Elementen, denen die Juden bei den Wahlen nicht nur. blind gchorchend Gefolgschaft leisten, sondern ihnen bei den- Wahlpraktiken mit wohlgemeinten Ratschlägen cm die Hand gehen. Heute sieht wohl di-e Masse der Juden die Gefährlichkeit des geplanten Handstreiches noch nicht ein, aber die nächste Zukunft wird sie belehren, daß man sie, wohl nicht wie in Rußland durch Polizeiwillkür, sondern auf westeuropäische Weise durch Verelendung zur Auswanderung zwingen will. Sie müssen sich endlich als organisierter Körper zusammenschlließen, um das ihnen drohende traurige Geschick abzuwehren. Me Eonnaissancen nach „oben", die einzelne ihrer Matadoren besitzen, haben der Gesamtheit nicht genützt, sondern nur Einzelnen Reichtümer verschafft, die dann demgesamten Judentum zum Vorwurf gemacht wurden. Zeitungsschau. Faschingswitze. Die „Extrapost" schreibt: Die jüdischen Ostern sind zwar noch in weiter Ferne, aber das „Deutsche Volksblatt" ist bereits auf der Suche nach einem Ritualmord. Der kluge Mann baut vor, denkt Herr Vergani und obwohl er noch sechs Wochen Zeit hätte, weiß er seinen Lesern bereits heute den obligaten Osterschmans vorzusetzen. Es könnte sich am Ende das Malheur ewignen, daß um die kritische Zeit in Böhmen kein Christenmädchen ermordet wird und dann wäre Herr Vergani entsetzlich blamiert. Bedauerlicherweise gibt es gegen solche journalistische Lumpereien keine Handhabe, ausgenommen eine Bestimmung des Strafgesetzes. welche die Verbreitung beunruhigender Nachrichten verbietet. Mer das Gesetz kümmert sich um solche Vorfälle nicht und läßt dem „D. V." freie Hand. So darf es ungestört gegen eine bestimmte Klasse von Staatsbürgern aufreizend wirken und mit den perfidesten Lügen Geschäfte machen. Dieser Tage ist ein behördlicher Erlaß erschienen, welcher sich gegen die Unwahrheit in der Gerichtssaälberichterstattung wendet und Mittel zur Abhilfe vorschreibt. Wie wäre es. wenn man gegen solche freche Verleumdungen zu Felde ziehen würde? Die Wirkungen, welche ein falscher Gerichtssaalbericht hervorbringt, können lange nicht so gefährlich sein, wie die Erdichtung von „Ritualmorden", welche zu den unentbehrlichen Requisiten des „D. V." geworden ist. Das „D. V." macht vielleicht nur einen Faschingswitz, aber man sollte dieses Ehrenblatt doch sofort im Wege einer amtlichen Berichtigung zwingen, den Lesern zu beweisen, daß die Wahrheit nicht so leicht wegeskamotiert werden tenn, wie Effekten aus der Mühldoxfer Gemeindekasse. — Herr Dr. Baxa, auch ein Ritualmordantisemit, macht etivas bessere Scherze. Ihm ist neben dem Größe,Uvahn auch die Faschingslaune zu Kopfe gestiegen und da ihn seit jeher die krankhafte Sucht verfolgte, sich bemerkbar zu machen, sendete er dem Zaren anläßlich der Kriegseröffmmg ein Huldigungstelegramm. Wenn Herr Baxa dem Zaren Bargeld gesendet hatte, wäre er wohl mehr erbaut gewesen, denn zum Kriegfuhreir gehört bekanntlich dreimal Geld und mit Huldigungstelegrarnmen rüstet man nicht einmal einen Offizicrslmrschen aus. Mer Herr Baxa ist es weniger darum zu tun, dem Zaren seiner Ergebenheit zu versichern, als neuerlich in Erinnerung zu bringen, daß er noch auf der Welt ist. Er fürchtet immer, daß man ihn vergißt, wozu kein Grund vorliegt, denn seine Witze haben ihn unsterblich gemacht. * * * Was die „Arbeiter-Zeitung" am meiste« kränkt?! Die „Arbeiter-Zeitung" kann es noch immer nicht verwinden, daß innerhalb der christlichsozialen Partei gewisse Ansätze zur Mäßigung vorhanden zu sein scheinen. Sie schreibt in ihrer Nnmmer vom 13. Februar wörtlich folgendes: „Der christlichsoziale Spiritus ist längst zum Teilfel. Man rettet nicht mehr das Handwerk, man wettert nicht mehr gegen die Börse. Und vom Antisemitismus ist auch wenig mehr da. Man setzt sich mit jüdischen Advokaten und Geschäftsleuten zu rcklamesüchtiger Projektenmacherei zusammen, man steht bei Jndenkindern Pate, man wird bald mit jüdischen Bonrgois „pokulicren". Wem's nicht recht ist, wird tute der lästige Draufgänger Gregorig hinansgefeuert, (sic.) Die Heldeuzeit des „christlichen Sozialismus" ist vorüber. Die Kampfgenossenschaft hat sich in eine bequemere Bentegenosscnschaft verwandelt. Derart ist jetzt der Wiener christliche Sozialismus in das Stadium seiner größten Verderblichkeit getreten. Er wirbt keine Anhänger, e r e r r e g t keinen F a n a t i s m u s mehr, (sic.)" — Im übrigen können wir die „Arbeiter-Zeitung" trösten. Das „Deutsche Volksblatt", das Leiborgan der Radauantiscmiten, sorgt schon dafür, daß der Fanatismus weiter erregt wird. Also, liebe „Arbeiter-Zeitung", du kannst ruhig sein, deine Besorgnis, daß die Christlichsozialen zu jndenfrenndlich werden könnten, ist wirklich übertrieben. * * * Klerikale Ritualmordlügner. Wir sind stets gegen die unbegründete Hetze gegen katholische Priester ausgetreten. Mit umso größerer Schärfe müssen wir aber das gewissenlose Treiben eines klerikalen böhmischen Blattes brandmarken, das gemein genug ist, um die Aufmerksamkeit der Tschechen von der verkrachten St. Wenzelskassc abzulenken, in „Ritnalmord" zu machen. Von der sattsam bekannten St. Wenzelsvorschußkasse wurden nämlich die „Katolicky listh" subventioniert. Das Blatt änderte nun nach dem Krache der Vorschnßkasse seinen Namen, um seine Vergangenheit vergessen zu machen, und erschien unter dem Namen „Cech". Es hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als in der Manier des „Deutschen Volksblatt" aus dem Morde bei Zizkow einen Ritualmord zu machen. Doch legte ihm der Staatsanwalt das Handwerk und es wurde, wegen Aufreizung gegen die Juden und Verbreitung beunruhigender Nachrichten konfisziert. Der „Cech" sieht also, daß es viel leichter ist, Gelder zu defraudieren, als Ritualmordmärchen zu fabrizieren. * * * Der russisch-japanische Krieg. Zum Ausbruche des Krieges schreibt die Petersburger „B u d u s ch t s ch n o st j" an leitender Stelle: „Nicht zum erstenmale befinden sich jetzt die Juden Rußlands in der Lage, ihre Kräfte der Verteidigung Rußlands gegen den äußeren Feind zu widmen. Schon unter dem alten Rekrutensystem diente eine große Anzahl von Juden im Heere, nahm an allen Feldzügen Teil. Die Kaiser von Rußland haben auch schon in früheren Zeiten den Heldenmut..öer jüdischen Soldaten anerkannt und gewürdigt, indem sie den^crm Leben gebliebenen jüdischen Nikolajew-Soldaten das Erbrecht verliehen, uneingeschrättkt im ganzen Reiche wohnen zu dürfen. Viele jüdische Soldaten ließen vor einem halben Jahrhundert ihr Leben auf den Bastionen S e b a st opols und in den Jahren 1877—78 auf den Schlachtfelder Bulgariens. Auch im chinesischen Feldzuge im Jahre 1901 kämpften ganze Eskadrons jüdischer Soldaten mit mannhaftem Mute in der Mandschurei, wofür sie auch mit Kriegsmedaillen ausgezeichnet wurden. Und so wird es natürlich auch jetzt der Fall sein. Mit seiner unerschütterlichen Treue zu seiner Religion und seiner Nation verbindet der Jude die Hingebung für sein Vaterland und ein unbeugsames Pflichtbewußtsein als Bürger. Die Inden bilden ein Volk mit einer Jahrtausende alten Vergangenheit und eiriem großen historischen Ausblicke. Ans diesem Grunde verfügen sie auch über einen bedeutenden Vorrat an Optimismus, der sie über die infolge von Verkennungen entstandene moderne Ungunst hinwegtröstet. Und so kummervoll auch die Lage des Juden sein mag, er hält fest an dem Glauben, daß Zeiten und — Schicksale sich ändern müssen. In solch historischen Momenten, ivie wir sie jetzt in Rußland durchmachen, ist es Wohl nicht am Platze, über die Kümmernisse unserer Zeit nachzudenken. Es erhebt sich jetzt vor uns eine historische Perspektive, es kommt das enge Bündnis des jüdischen Bürgers mit der Scholle zum Ausdrucke, die ihn genährt, ein tiefes Bündnis, welches weder durch die rohe Faust, noch durch die in Menschenhaß getränkte Feder zerrissen werden kann. Der Krieg ist eine schwere Erscheinung — grausam, wie das Element. Aber er ist bisweilen unvermeidlich. Das Beste an dem Kriege ist der Friede, mit dem er ein Ende nimmt. Wir wollen beten, daß dieser ersehnte Friede bald komme und daß er nicht nur ein äußerer Friede mit dem Feinde werde, sondern sich zu einem liefen, inneren Frieden zu einem guten, brüderlichen Zusammengehen aller Nationen und Völker gestalte, welche unser Vaterland bewohnen. Prag. Eine interessante Notiz entnehmen wir dem Org-an der Alttschechen in Jungbunzlau „Jizeran". In der dortigen Stadtvertretung süßen bisher immer 4 Vertreter der Judenschaft, bei den Wahlen jedoch, die am 6. und 8. ds. stattfanden, erhielten die Juden keine genügende Stimmenanzahl. Das genannte Blatt mißt die Schuld an diesem Vorfälle direkt jenen liberalen Jungtschechen — mit denen die Herren Juden in tschechischen Gegenden so gerne liebäugeln — zu. Wann wird endlich auch unter die Judenschaft Böhmens die richtige Erkenntnis dringen, komm werde,: die Juden diejenige politische Reife erreichen, die wir anstvebenl Aus Warschau schreibt man dem-„B. T.": Es besteht hier eine medizinische Gesellschaft für polMche Aerzte, die schon seit vielen Dezennien existiert und zirkaMov Mitglieder hat. Seit Jahren wird ein Kreuzzug gegen diejüdischen Kollegen geführt, um sie nicht in die Gesellschaft hinein zu lassen. In diesem Jahre wurde keiner der sieben Kandidaten ausgenommen, obwohl sie allen Anforderungen entsprechen. Sie ^fielen aber alle durch, nur weil sie Juden sind- Und doch sind die fünfzig jüdischen Aerzte, die der Gesellschaft angehöven, gerade hie tüchtigsten und eifrigsten Mitglieder derselben. (Warum treteuaber die 80 nicht sofort aus, wie es doch eigentlich das Ehrgefühl und jüdische Sclbstbetoußtsein — wenn sie solches haben — verlangtM D. Red.) Die jungen Aerzte sind nun durch solche Vorgänge gezsvungen, eine eigene medizinische Gesellschaft zu gründen. Ein trauriges Bild von. den Verwüstungen, die der Antisemitismus angsrichtet hat. * * Unter der Aufschrift: Me poluifche Absage an den Antisemitismus, bringen galizische BMer folgende Auslassung: Graf Tischketvitfch, das Haupt der bekanntesten und ältesten litauischpolnischen Adelsgeschlechter, hat in der Warschauer Zeitung „Wiek" einen gegen den Antisemitismus gerichteten Artikel veröffentlicht, der großes Aufsehen erregt hat. Er spricht seine Entrüstung darüber aus. daß der Antisemitismus sich in letzter Zeit beim polnischen Adel heimisch gemacht habe und forscht eingehend »ach der Veranlassung der judenfeindlichen Betvegnng in Rußland. Er schreibt darüber: „Die christlichen Geschäfte unseres Landes mit der Aufschrift „Im Namen Gottes" verkaufen minderwertige Ware um teures Geld oder, was noch schlimmer ist, mit doppelter Rechnung. Der christliche Handwerker arbeitet nachlässiger und teurer als der jüdische; der christliche Agent erfüllt die Aufträge seines Mandanten niemals so schnell und geschickt, wie sein jüdischer Konkurrent. Wer ist wohl daran schuld, daß unsere Inden das ganze Geschäft in Händen haben? Der jüdische Kaufmann, der besser zu handeln Perstcht, oder der christliche Kaufmann, der dafür, daß er überhaupt existiert, doppelte Rechnungen ausschreibt? Der jüdische Brantweinhändler oder der christliche Brantweintrinker? Der Jude, der'sich mühsam sein Geld verdient oder der „Herr Gutsbesitzer", der Geld leichtsinnig auf Pump nimmt? Der Antisemitismus ist die Stimme des Begehrlichen, aber Schwachen; und der Abscheu gegen die Juden, der zu blutigen Grausamkeiten geführt hat — ist wie jeder Haß aus dem Bewußtsein der Schwäche und Ohnntacht geboren. Wenn wir uns über das Uebergewicht der Juden beschweren, warum verteidigen wir uns nicht auf eine Art, die der modernen Kultur würdig ist? Denn die Verteidigung, die jetzt überall beliebt wird, die selbst in den Kreisen der adeligen Gutsbesitzer Mode werden möchte, die Verteidigung durch den Antisemitismus, sollte von Christen nicht angewandt werden. Wenn wir uns rührnen, die Gebote der Nächstenliebe zu erfüllen, so sollte der Hatz uns fcrnbleiben. Leicht ist es, anderen ihre Fehler und Mängel vorzuhalten, leicht ist es für uns, die Juden mit Vorwürfen und Beschuldigungen zu überhäufen. Viel schwerer ist es, sich an ihnen ein Beispiel zu nehmen, von ihrer Solidarität und ihrer gemeinsamen Aktionskraft zu lernen: bei ihnen gibt es keine Unterscheidung nach Rang und Stand, Klaffe und Partei. Mögen immerhin unsere russischen Christen von den Juden, die sie verachten und verfolgen, Ausdauer in der Arbeit lernen und vielleicht auch bisweilen — Ehrlichkeit! Die Weltgeschichte hat uns mit den Juden gemeinsame Interessen gegeben; an uns ist es, mit ihnen in Frieden zu leben, statt in Haß und Feindschaft." — Am Schluffe seines Artikels erinnert Graf Tischketvitsch noch daran, daß der Antisemitismus ebenso alt sei, wie das jüdische Volk und wie in früheren Zeiten, so mich heute sich in rohen Gewaltausbrüchen, barbarischen Metzeleien und blindem Zorne äußert. Nichtsdestoweniger sei das jüdische Volk vorgeschritten, der Antisemitismus hingegen sei steyengeblieben in seinem düsteren Nahmen des Raffen- und Stammeshaffes. Er habe kein Ziel und keine Zukunft. — Aber dieser weiße Rabe unter den Polen betveist noch nicht, daß jetzt die schwarzen Naben Polens weiß geworden sind. Jedenfalls wollen die Polen der jüdischen Hilfe beim Kastanienrösten nicht entraten. Chronik. Inland. Die Entstehung und Verbreitung der jüdischen Diaspora. Mittwoch den. 24. ds., abends 8 Uhr, wird Herr Rabbiner Dr. D. Fink im- Festsaale des „I ü d r s ch e n Volksvereines" über obiges Thema einen Vortrag (2. Teil) halten. Gäste, auch Damen, willkommen. Kundmachung aus dem Verein zur Hebung der Gewerbe ist Wien. Die Handels - und Gewerbekammer irx^Rien ersucht uns, die Interessenten unseres Vereines aufmerksE zu machen: daß die Pfannert- und Kalmac-Stiftung 3 Stipendien in der Höhe von 6000, 7000 und 7000 Kronen Hn Handelseleven zum Zwecke ihrer Entsendung nach dem Oriente, um dort für österreichische Produkte zu propagieren, einen Konkurs ausschreiben wird. Reflektanten wollen sich behufs Instruktion über ihre Nachweise bis 16. März l. I. in unserer Vereins-Kanzlei, 1. Vez., Wipplingerstraße Nr. 26, melden. Für den Verein zur Hebung der Gewerbe: Der Präsident. Vrod. Der Schriftführer. Älf. Kisch. Wien, 16. Februar 1904. Wien. Freitag-Abends, den 19. ds., Predigt im Leoppldstädter Teinpel. Men. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt".) Das Vereinslokal befindet sich derzeit im Cafe Blumschein, 2. Bez., Untere Augartenstr. 19. Sonntag den 21. Februar findet daselbst ein Vortrag des Herrn Jakob Hönig statt. Thema: Lehrlingswesen und Lehrlingsschutz. Beginn präzise 6 Uhr. Gäste willkommen. Sonntag den 28. Febr. findet im Regensburgerhofe, 1. Bez., Lngeck, ein Purimfest mit Akademie und anschließendem Tanzkränzchen statt. Ihre Mitwirkung haben bisher zugesagt: Herr Rezitator Dr. Ludwig Buchsbaum, Herr Fritz Tedesko, Herr Oberkantor Oestereicher, die Liedertafel der Arbeitevereine u. a. Die Festrede hält ein bekannter Gelehrter. Regiebeitrag 60 Heller. Beginn 7 Uhr abends. Das Reinerträgnis fließt dem Preßfonds des „Jüdischen Arbeiter" zu. Alle Freunde unserer Organisation werden hiemit höflichst emgeladen. Wie«. (E i nz e l v e r e i n „L e o p o ld sta dt- Prat e rstraße des „Zion" Wien.) Donnerstag den 25. Februar 1904, 8 Uhr abends, im reservierten Saale des Cafe „Orient", 2. Bez» Praterstraße 66, zweiter Elternabend. „Kritik der Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht". Referent: Herr Dr. Phil. S. Krenberger. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Montag den 22. d., halb 8 Uhr abends, in der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschülec" 9. Bezirk, Gr. Thorgasse 34, Vortrag des Herrn Dr. B. Wachstein. Thema: Theorie und praktische Philosophie Spinozas. Das Brandes-«Grabmal. Wie wir bereitsberichteten, ist das vom „Jüdischen Bolksv ereilte* in Wien mit Hilfe einer im „Jüdischen Volksblatte" veranstalteten Sammlung errichtete Grabdenkmal für den verstorbenen hebräischen Schriftsteller Rubin Asches- JjB x a «b e S fertiggestellt. Die feierliche Enthüllung desselbkü^indet Sonntag, den 28. d. M. vormittag 11 Uhr, in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes statt, und werden schon jetzt sämtliche nationalen Vereine, sowie die Anhänger und Verehrer des großen nationalen Dichters hiezu höflichst eingeladen. Die Oberlehrerftelle im zweiten Bezirke, wurde nach langen Kämpfen und nachdem der Kultusoorstand im Sinne unserer Artikel gegen die versuchte Ungesetzlichkeit Protest erhob, mit dem jüdischen Lehrer M. G r ü n spann besetzt. Akademie der Leopoldftädter Lehrer. Eine in jeder Beziehung würdige Veranstaltmrg vereinigte am 13. d. M. die zahlreichen Freunde und Bewunderer der Leopoldstädter Lehrerschaft im Kursalon. Als Ehrengäste ivaren u. a. die Herren Knltusvorsteher Pollak, k. k. Professor und Religionsinspektor Kanitz, Gemeinderäte Eltbogen und Helbig sowie viele Ortsschulräte und Direktoren erschienen. Ein zündender Prolog Rudolf Lothars, von Otto Treßler mit Warme vorgetvagen, leitete die Borträge der Damen