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Jüdisches Volksblatt · 1904-02-12 · 7 (12.2.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 12. Februar 1904 Seite 5 Nombachfynagoge, die Gemeinde, die Chewra und die Armen; deren Sohn, lim eine glänzende Karriere zn machen, ohne das; seine mit dem Ableben des N. Samuel Münz, erlitten haben. Dann Mutter es wußte, den Glauben seiner Väter verlies;. Der Sohn wurde der Sarg von den Vorstehern der Gemeinde und der starb und erst beim Leichenbegängnisse, als das cireiim dedernnt er- Chewra bis zur nächsten Gasse getragen, und von dort aus j tönte und der christliche Klerus erschien, erhielt die alte Frau setzte sich ver Kondukt in Bewegung. Mehr als 300 Wagen, Kenntnis von dem Glaubenswcchsel ihres Sohnes, und in die christfolgten dem Zuge biS zum neuen Friedhofe, wo Rabbiner M.' liehe Leichcnzercmonie rief sie laut das jüdische Glanlieiisbekeimtiiis: A. Eppler vom Talmudverein, dessen Vorsteher Münz auch war „Höre Israel, unser Gott — Echod!" Zum Schlüsse las Professor und Rabbiner Dr. Weisz, der Gemahl seiner Enkelin ergreifende > Ignaz Gabor über die Werke des italienischen jüdischen Arztes und Trauerreden hielten. (Budapester.) Dichters Manuello, der im 14. Jahrhundert lebte. Sämtliche Vor- Floridsdorf. (Ehrung.) Eine besondere Ehrung wurde dieser Tage dem Bezirksrabbiner Herrn Dr. Rosenmann in Floridsdorf zuteil. Die unlängst durch denselben vorgenommcne Eintveihung des neuen israelitischen Tempels in Stockerau wurde seitens des Stockerauer Minjan-Vereines zum Anlas; genommeu, die vielfachen Verdienste des Herrn Vezirksrabbincrs anzuerkcnuen. Am 3. d. M. erschien beim Herrn Bezirksrabbiner eine dreigliederige Deputation, bestehend ans den Herren: Bernhard Schneider, Obmann des Stockeraner Minjan-Vereines, Emannel Edlhofer, Mitglied des Kultusausschusses, und Fleischmann senior, Obmann der Stockeraiier Chelvra Kadischa, und überreichte demselben einen silbernen Ehrenpokal mit einer sinnigen Widmung versehen. Als Sprecher der Deputation fungierte Herr Edlhofer.. Ung.-Vrod. Am vergangenen Samstag feierte der Sohn unseres Rabbiners Dr. M. Jung sein Var-Mizlvah-Fest. Nachdem er in der Synagoge die Haftora vorgctragen, versammelte sich die Gesamtgemeinde in den Lokalitäten des Privat-Gymnasiuins, welches unter Leitung des Herrn Rabbiners steht. Dieses Bar- Mizwah-Fest hatte eine höhere Bedeutung als jedes andere in unserer Gemeinde. Jeder wollte sich selbst von der Lebensfähigkeit der Anstalt, die in der Vereinigung von jüdischem mit modernem Wissen ihren Zweck sieht, überzeugen. Der Var-Mizwah hat allen Erwartungen, die man an die Anstalt knüpfte, voll entsprochen. Zuerst behandelte er gelvandt ein schwieriges halachisches Thema, sodann hielt er seine eigentliche Bar-Mizwah-Rede, die sich durch Einfachheit der Sprache und Gedankenreichtum auszcichuete. Er betonte: Die Notwendigkeit der religiösen Tat als alleiniges Zeugnis für die Wahrheit der religiösen Gesinnung. Die Unerläßlichkeit des Durchdrungenseins vom Thorageiste bei der Ausübung der religiösen Tat. Ohne Tat entleibt man das Judentum, ohne Geist entseelt man cs. Er sprach von der Heiligkeit als Prinzip des Judentums, die von uns die Unterordnung des Sinnlichen unter das Thoragcseh fordert. Durch Heiligung unserer Sinnlichkeit erlangen tvir mit der Zeit jenen hohen Grad von Selbstverleugmlng, der die unerläszliche Voraussetzung der liebevollen Hingebung an das Wohl des Nächsten ist, welches die Thora im Gebote der Nächstenliebe von uns verlangt. Schließlich berührte er noch das jüdische Prinzip der Freude am Leben, die durch den angestrcbten Einklang unserer sinnlichen Genüsse mit dem göttlichen Willen der irdischen Sphäre entrückt, geadelt und geweiht Ivird. Der Bar- Mizlväh, welcher zu den Vorzugsschülern der jungen Anstalt gehört, hat cs zur Genüge betviesen,da s; bei ernstem Wollen, methodischem Unterrichte und liebevoller Pflege des jüdischen und modernen Wissens auf beiden Gebieten schöne Resultate erzielt werden können. Ehrenbürger. Bei der am 6. ds. in dem hiesigen Gemeindeamte stattgefundenen Gemeinderatssitzung wurde der hiesige sehr verdienstvolle und in allen Schichten der hiesigen Bevölkerung be träge wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Ausland Stimnrirngsbericht ans Rußland. (Orig.-Ber. des „I. B.") Die öffentliche Meinung ist natürlich vom Kriege beherrscht. Man war wohl auf den Krieg gefaßt, aber nicht auf den raschen Ausbruch. Als Pcäludium zu dem Krieg muß man auch das neuerliche überraschende Liebeswerben Plehwes um die Juden ansehen — Rußland braucht Geld. Die russischen Staatspapiere fallen rapid, Gründe genug, um selbst den allmächtigen Herrn von Plehwe zur Besinnung zu bringen. Er sucht die Gunst der baute finance noch int letzten Augenblick zu erwerben. Siehe das Interview in der „Neuen Freien Presse". Auch sonst find Gerüchte verbreitet, das einige Ausnahmsgesctze für die Juden aufgehoben werden sollen. So soll die Bestimmung, daß Juden auch iu den Gouvernements, wo sie das Wohnrecht haben, fünfzig Werst von der Grenze nicht wohnen dürfen, aufgehoben werden. In Odessa soll mit Bewilligung der Regierung ein der „Jca" nahestehendes Jargonblatt „Die Zeit" erscheinen. Kann dies alles aber Kischenew vergessen machen?! Betreffs der Schlappe des Admirals Alexejew in Ostasien wird allseits bemerkt, daß die Energie, die dieser Admiral bei der Ausweisung der Juden iu Wladiwostok bewiesen hat, sie bei dem Angriff der Japaner vermissen ließ. Es ist selbstverständlich unmöglich, heute etwas über den Ausgang des Krieges und die Folgen des Krieges für Rußland zu sagen, aber überall hat man das Gefühl, daß der Krieg von großer Bedeutung für die Zukunft Rußlands sein wird. Mathias Jakob Schleiden. Am 6. April werden es 100 Jahre, das; Mathias Jakob Schleiden, der große Reformator der Botanik, das Licht der Welt erblickt hat. In Schleiden verehren wir einen jener erleuchteten Geister des Christentums, welcher mit der Fackel der Wahrheit in die Dunkelkammern des Aberglaubens, des Neides und des Hasses geleuchtet haben. Seine botanischen Forschungen führten ihn auf das Gebiet der Geschichte der Naturwissenschaften. Hier fand er die großen Forscher des Judentums vor aus der Zeit der Araber in Spanien. Hier entdeckte er die Bedeutung der Juden für die Wissenschaften und ihre Renaissance im 13. und 16. Jahrhundert, dem Zeitalter des Humanismus und der beginnenden Reformation. Als ehrlicher Bekenner der Wahrheit liebte Bürgermeister Dr. Salomon Dawid einstimmig zum i h^t er die Resultate seiner Forschungen zusammöngetragen in Ehrenbürger der Stadt Podivoloczyska ernannt, einer Reihe von Aufsätzen, welche er unter dem Titel „Die Bedeu- Die Reform der gewerberechtlichen Verhältnisse des Gast-' tung der Juden für die Wissenschaften in den „Westermannnnd Schankgcwerl.es. Das Handelsministerium hat in übersichtlicher Wen Alustrierten Monatsheften" erscheinen ließ. Ihnen folg Weise die Materialien znsammengestellt, die zur Beurteilung der Frage der Neuregelung der gewerberechflichen Verhältnisse, des Gast- und Schankgewerbes dienen. Die Geschichte der Organisation der Gastwirte wird kurz erzählt und wie sich die bekannten Forderungen betreffs Befähigungsnachweis, Konzessionswesen und Flaschenbier ten bald an derselben Stelle eine Reihe von Aufsätzen über „die Romantik des Martyriums der Juden", in denen er die ergreifende Schicksalsträgödie des Judentums darstellte. Beide Artikel-Serien sind dann später auch als besondere Schriften erschienen. So klein dieselben sind, so viel bedeuten sie als eine eigenartige Zusammen Handel kristallisiert haben; die bekannten, im Abgeordnetenhause j ^Zung^aiis der gestellten Anträge werden zitiert und daran schließen sich als wich- ... . s"“." ''"r'L ”1“’“ " ar>~r-"r~” tigstes Aktenstück die Beschlüsse, die auf der Reichskonferenz der Gastwirte Oesterreichs im November vorigen Jahres gefaßt worden sind. Diese drei Beschlüsse, die in einer Petition dem Abgeordnetcnhanse mitgeteilt wurden, lauten: „1. Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen, Paragraph 38 G.-O. sei in folgender Weise abzuändern: Die Anmeldung eines Handelsgewerbes ohne Beschränkung auf bestimmte Waren oder bestimmte Artikel begreift das Recht zum Handel mit allen im freie:: Verkehr gestatteten und rücksichtlich des Verschleißes nicht an eine bestimmte Bewilligung (Konzession) gebündelten Waren in r! * <‘-ra "r.r,r.:c,»s von Bier, Wein und Gefäßen, welche Befugnis ausschließlich den Schankgewerbetreibsnden^vorbehalten ist. 2. Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen, daß für das Gast- und Schaukgewerbe in Städten und Märkten mit einer Bevölkerungszahl von mehr als 2000 Seelen, für Kur- und Badeorte sowie für Orte mit lebhaftem Fremdenverkehre als Autritisbediugung der selbständigen Gewerbeausübung ein Befähigungsnachweis in folgender Weise festgestellt werde: Der Bewerber um die Erlangung einer Konzession zum Betriebe eines Gastwirtegewerbes hat außer den durch das Gewevbegesetz geforderten allgemeinen Bedingungen noch entweder den Nachweis seiner Befähigung durch Vorlage eines Zeugnisses über den erfolgreichen Besuch einer bestehenden Fachschule und durch ein Zeugnis über eine mindestens zweijährige praktische Verwendung oder durch Vorlage eines entsprechend beglaubigten Zeugnisses über eine vierjährige praktische Verwendung im Gastwirtegewerbe zn erbringen. Beim Uebertritte von der Ausübung eines Gastgelverbes ans dem flachen Lande, wo ein Befähigungsnachweis nicht gefordert Ivird, zu einem solchen in Städten. Märkten und solchen Orten, wo die Erlangung des Gastwirtegewerbes an die Erbringung eines Befähigungsnachw-cises geknüpft wird, ist der Nachweis erforderlich, daß der Bewerber zumindest durch ebenso lange Zeit das Gastwirtegewerbe selbständig ausgeübt hat, als in den betreffenden Orten an Lehr- und Arbeitsdauer zur Erlangung des Befähigungsnachweises borgeschrieben ist. 3. Es sei bie gegenwärtig in Kraft stehende Gewerbeordnung dahin abzuändern, daß in die Paragraphen 18 und 20 die Bestimmung ausgenommen werde, daß die Gastwirtegenossenschaften vor Erteilung neuer Konzessionen sowie vor Bewilligung der Transferierungen und Erweiterungen bereits bestehende Konzessionen zu befragen seien und das Rekursvecht gegen alle in diesem Belange gefällten behördlichen Entscheidungen mit aufschiebender Wirkung zuerkannt werde." Das Handelsministerium hat infolgedessen eine schriftliche Expertise über die Petita der Rechiskonferenz der Gastwirte eingeleitet und gleichzeitig alle politischen Lanidesbehörden und alle' Handelst Wd 6-ewerbekammern cingeladen, Gutachten über die in der Petition dev Reichskonfereuz an das Abgeordnetenhaus gestellten Bitten zu erstatten.' Das Handelsministerium stellt in der vorliegenden Broschüre die eingelaufenen- Gutachten zrisammen. Die Israelitische Ungarische Literarische Gesellschaft hielt diese Tage unter dem Präsidium Adolf Agai's eine sehr' gut besuchte Vorlesesitzung. Der Ofen-Neustifter Prediger Dr. Bernhard Edelstein hielt über die Trennung des Christentums vom Judentum einen Vortrag. Er führte den Beweis, daß Jesus nicht bie Trennung des Christentums vom Judentum lehrte, da er doch keine gesonderten Feiertage anordnete. Er ließ den Sabbat halten. Erst Apostel Paulus begann die Trennung; er ordnete die Heiligung des wissenschaftlichen Forschers, dem nichts geht über die Wahrheit. Wir haben daher alle Ursache, diesem Manne ein freundliches Andenken zu bewahren. In Jena, an der Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit, soll ein Denkmal in Gestalt einer Büste seine Züge verewigen, und ist ein Aufruf, den Gelehrte aus der ganzen Welt unterzeichnet haben, zu diesem Zwecke erlassen worden. Danzig. Eine kostbare K u n st s a m m l u n g, die fortan jedermann und jederzeit zugänglich sein soll, ist in dem sogenannten „Brautzimmcr" der hiesigen Synagoge zur Aufstellung gekommen. Herr L. Gielbzinski hat aus den reichen Schätzen seiner Sammlung u sich, mit Ausnahme -des Handels und Verschleißes alles, was. auf Judentum und jüdischen Ritus Bezug hat, der ttii und geistigen Getränken in verschlossenen Flaschen jüdischen Gemeinde geschenkt und in Schränken übersichtlich zur .. " ' Aufstellung gebracht. Der Silberwert allein beziffert sich auf über 3000 Mark, der Kunstwert ist selbstverständlich erheblich höher. Man sieht dort kostbare Thoraaussätze, Chanuka- und Jomkippurleuchter. Viele Stücke sind heimische Arbeit, das Danziger Wappen ist mehrfach ornamental verwertet. Von besonderer Schönheit ist eine große Ritualschüssel in italienischer Majolika. Demnächst wird ein Katalog für die Sammlung herausgegeben werden, der namentlich den mit den Riten Unbekannten von großem Nutzen sein wird. Die Auswamderuug der Jude» ans Rumänien) nimmt solche Dimensionen an, daß selbst die rumänische Regierung stutzig zu werden beginnt. Noch im Jshre 1898/99 betrug die Zahl der nach den Vereinigten Staaten auSgewanderten rumänischen Jude« nur 1345. Sie ging aber infolge der famosen Handwerkergesetzes, das in diesem Jahre in Kraft getreten war, rasch in die Höhe und erreichte für daS Berichtsjahr 1899/1900 die Ziffer vo» 6459. Im folgenden Jahre 1900/01 erfuhr sie eine weitere Steigeruug auf 6589, um im letzten Berichtsjahre 1902/3 wiederum rapid auf 8011 zu steigen. Damit hat aber die AuSwanderuu-Slust der rumänischen Juden alle« Anscheine nach bei weitem noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Denn in den knapp 2 Monaten vom 24. Oktober bis 11. Dezember sind unter den Auspijien der J. G. A. wieder 1005 rumänische Jude« nach den Bereiuigte» Staaten ausgewandert. Im ganzen sind i« den letzte« 5 Jahren allein nach den Bereinigten Staaten nicht weniger als 31.000 rumänisch« Inden emigriert. Dazu kommt noch die Auswanderung nach Kanada, Südafrika, Frankreich «nd England. Endlich werden gewiß viele Hunderte rassische und österreichische Inden, die sich dauarnd in Rumänien niederzulassen die Absicht hatten, dem barbarischen Lande wieder den Rücken gekehrt und die frühere Heimat wieder aufgesucht habe». Wir glaube« mit Fug «nd Recht die Zahl der Juden, welche, in den letzten Jahren Rumänien verlassen haben, ans 50.000 schätzen zu können. E« ist das eine Ziffer, die geeignet ist, selbst evner rumänische« Regierung Besorgnis einzuflößen. Es ist zwar kan» z« erwarten, daß diese Besvrgni» Rumänien zu irgend einer jndensreunbliche« Gesetzgebung veranlassen werde, allein die Inden wandern doch nicht bloß zum Zweck au-, u» die Regierung einzuschüchtern. Sie gehen eben, weil sie van den rumänischen Barbaren mißhandelt werden und sehr gerne dem Sonntags anstatt des Samstags an und Paulus war es, der im Interesse der Entwicklung des Christentums eigene Feiertage organisierte. Aber selbst ihm gelang nicht die vollständige Trennung. — Der Ofner Oberrabhiner Dr. Arnold Kiss trug sein erzählendem , Gedicht.„Echod" vor. Es schildert die Verzweiflung einer Ntutter, Laude ihrer Peiniger den Rücken kehren. Aus Rußland. Ein Hebräer als Mitglied eines Bezirksgerichtes. Wie die „Russj" ganz besonders hervorhebt, sei der Untersuchungsrichter des Bezirksgerichtes in Ssainara, I. L. Teitek, ein Hebräer, der schon 23 Jahre als Uiitersiichiiiigsrichter gedient hatte, zum Mitglied des Ssaratower Bezirksgerichtes ernannt Ivordeu. Zur Erweiternng des hebräischen Ansiedlungsrayons. Einer im russischen „Reg.-Anz." veröffentlichten Liste der Orte, die der Besiedlung durch Hebräer freigegcbeu sind, entnehmen wir folgende Ortsnamen: Gouvernement Wilna, Kreis Wilna: Jljinsk oder Kcrdejewzy; Kreis Lida: Saretschje, Okoliza, Dworzowaja Ssloboda; Kreis Troki: Kroni, Straweniki, Birscytany, Pioschuny, ttshilgost; Kreis Dissna: Nowy-Pogost,. Prosoroki, Miory, Jody; Kreis Wileiki: Kostenewitschi, Possadez, Olkowitschi, Parafianowo, Wolkolata, Mankowitschi, Liitschei; Kreis Swenzany: Jgnalino: Kreis Oschmany: Bakschty, Nikolajewo, Goiwerncmeiit Witcbsk, Kreis Lnzin: Possjolok Roseiiowskij, Gouvernement Minsk, Kreis Bobruisk: Staryja Dorogi, Falitschi, Daragaiiowo; Kreis Pinsk: Luniiiez, Stachow, Sscriiiki, Pkotniza; Kreis Mosyr: Ptitsch, Muljarowka, Shitkowitschi; Kreis Jgumny: Rowanitschskaja Ssloboda. Außerdem Skadolvsk im Olouvernemeitt Taurieu, 13 Ausiodluugen im Gouvernement Jekatcriiioslaw, 3 im Gouvernement Grodno. (Gorodisk, Tewli und Albertiii) und .Kameniiyi Brod im Gouvernement Wolhynien, Kreis Nowograd-Wolynskiy. Die Charkower Opposition. In den russischen Blättern, sowie in der ausländischen jüdischen Presse wird der Disput über die Haltung der Charkower Opposition und ihres Anhanges noch immer fortgesetzt. Verschärft wurden die Gegensätze in letzter Zeit noch dadurch, daß in den in Rußland erscheinenden Zeitungen „Hameliz" und „Woschod" Interviews mit Dr. Herzl veröffentlicht wurden, auf welche jetzt Belkowski in der letzten Nummer des „W o s ch o d" in äußerst scharfem Tone erwidert, indem er die im Interview aufgestellten Behauptungen widerlegt. Inmitten dieses Streites im Inneren des zionistischen Lagers, ist der Mahnruf des Führers der „Misrachi", Rabbiner Reines sehr beachtenswert. Rabbiner Reines fordert in der „H azefirah" die streitenden Parteien zur Abhaltung einer „Friedenskonferenz" auf, um die Streitpunkte in aller Ruhe zu besprechen, und zu versuchen, in Bezug auf dieselben zu einer Einigung zu gelangen. Die Mitglieder der Konferenz sollen im Sinne des Vorschlages Reines aus Vertretern der Charkower Opposition, der Misrachi und der „Freunde der Organisation" bestehen. Als Ort und Zeit der Friedenskonferenz ist Wilna und der 7. Adar (23. Februar) in Aussicht genommen. Ministerielle Entscheidung. Bei der Durchsicht der in der Praxis eutstandenen Frage, ob von den in den inneren Gouverneme ms des Reiches wohnenden Juden bei der Erteilung von Gewerbescheinen auf Grund des Paragraphen 12 der „Instruktion über die Verabfolgung von Zeugnissen und Bescheinigungen" das Vorzeigen einer polizeilichen Bescheinigung über die Berechtigung zur Ansässigkeit in der diesbezüglichen Ortschaft zu verlangen ist, oder ob dieser Verfügung nur gewisse Kategorien der Juden unterliegen, hat das Finanzministerium im Einverständnis mit dem Ministerium des Innern folgende Entscheidung gefällt: 1. Auf Grund des Paragraphen 83 „Der Verordnung über die Aufenthaltsscheine" sind diejenigen Juden, die das Recht genießen, im ganzen Reiche^ zu wohnen, nicht verpflichtet, der Polizei außer ihrem Aufenthaltsscheine noch eine Bescheinigung über das Recht, in der diesbezüglichen Ortschaft wohnen zu dürfen, vorzulegen; 2. die in Rede stehende Bescheinigung ist nur von Personen jüdischer Konfession zu fordern^, die eine höhere Lehrmistalt absolviert haben, zu welchen auch die Apothekergehilsen, die Dentisten, Feldscher und Hebammen (Postberordnnng Paragraph 12 und Anmerkung 2), wie auch die aus dem Militärdienst entlassenen niederen Chargen jüdischer Konfession gehören (Rekrutenverordnung 3, Band 9, Ausgabe 1899); 3. bezüglich der Juden der übrigen Kategorien, welche das Recht genießen, außerhalb des Ansiedlungsrayons zu wohnen, ist der Paragraph 12 der Jnstrnktton anzuwenden. Ein hebräischer Sprachverein unter der Benennung „Sfae Zion" hat sich gebildet und bereits Früchte seiner Wirksamkeit gezeitigt. Viele Hunderte von Israeliten, hauptsächlich junge Leute, haben es sich zur Aufgabe gemacht, die hebräische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen. Man kann jetzt oft auf den Straßen, in den Konditoreien usw. die Wahrnehmung machen, wie sich Israeliten in dieser alten jüdischen Sprache unterhalten. Es sinh dies vorwiegend Leute, welche den besseren und zivilisierteren Kreisen unserer israelitischen Bevölkerung angehörcn. Der genannte Verein wurde vor zwei Jahren durch den hiesigen Bautechniker Herrn H. Dawidowicz gegründet und bis jetzt mit großem Eifer und tiefer Pietät gefördert und unterstützt. („Petersb. Herold".) Das Attentat ans Dr. Nordau. Der „Frankfurter Zeittmg" wird vom 3. d. aus Paris geschrieben: Die Untersuchrmg über den an Dr. Max Norhiau verübten Attentatsbersuch des Zionisten Luban geht ihrem Abschluß entgegen; die Angelegenheit kommt jedoch voraussichtlich nicht vors Schwurgericht, da Luban für unznrechnungsfähig erklärt werden dürfte. Der Untersuchungsrichter wollte Luban gestern mit seinem Opfer, dem jungen Kaufmann Ottotvesky, külffrsoiitieren, . der bekanntlich beim Attentat gegen Nordau von einer Kugel ins Bein getroffen wurde. Ottowesky, dessen Wunde anfangs ganz unbedeutend erschien, hat schwer gelitten; er mußte sich wiederholt operativen Eingriffen unterwerfen und konnte erst vor zwei Tagen ans dem Spital entlassen werden; er hinkt auch jetzt noch. Luban, der gestern mit Ottoweskh zusammen verhört werden sollte, bekam einen Tobsuchtsansall und mußte in eine Isolierzelle gebracht werden; die Gerichtsärzte, die ihn seit mehreren Wochen beobachten, sind einig darüber, daß Luban geistig gestört ist rmd sie sollen ihr Gutachten auf Unzurechiuuigsfähigkeit bereits abgegeben haben. Es ist so gut wie sicher, daß der Untersuchungsrichter des Falles angesichts des ärztlichen Gutachtens die Einstellung des Verfahrens beantragen wird. Hisfsverein der deutschen Juden. In der jüngsten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der deutschen Juden tvnrde ein Betrag von 10 000 Kronen jährlich bewilligt für die Erziehung jüdischer Knaben, welche in Galizien die Baron Hirsch-Schule» absolviert haben und in West-Oesterreich ein Hand-, werk erlernen werden. Ferner wurde dem Verein „L e m a a n Zion" zum Kauf und Betrieb von Maschinen für künstlühes Eis in Jerusalem eine Subvention von 500 Mark gewährt. Dagegen wurde der Antrag der „Jüdischen Orient-Gesellschaft" auf Bewilligung einer Subvention für Versuche in Chpern abgelehnt und' ebenso einige Anträge Ivegen Subventionierung der Herausgabe wissensckiafrlicher Werke. Den interessantesten^ Teil der Verhandlung bildete die Besprechung der neuen Ausschreittingen, die in Marokko gegen die dortigen Juden vorgekommen sind. Allseitig

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