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Jüdisches Volksblatt · 1904-02-12 · 7 (12.2.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag 12. Februar 1904 Nr. 7 Jodieehee Yolkebl&tt. wurde bedauert, daß die Nachrichteu von dort so langsam fließen, daß mau erst jetzt von den Exzessen, welche am 17. Dezember stattfanden, erfuhr, obwohl mehrere Schulen der Allianz in der Nähe liegen. Der Hilfsverein bewilligte sofort 2000 Mark, welche an -ie Anglo-Jewish-Association in London geschickt und durch den englischen Konsul in Casablanka verteilt werden. Die Juden in Bagdad. Ist unsere Gemeinde die größte Asiens, so ist sie auch die mit lieblichen und schönen Töchtern reich gesegnete, von denen die arabischen Dichter, wenn sich dieselben nur besingen liehen, sagen tvürden, „ihr Gesicht gleicht dem Vollmonde, dem der Abend- und Morgenstern zugleich als Auge dienen." Leider gehört die Mehrheit der Töchter unserer Gemeinde der Ärmeren hundert türkische Lire (gleich 2000 Mark ungefähr) mitgeben kann; aber in einem Lande, wo das Geld so knapp und auch so schiver aufzutreiben ist, wie bei uns in Mesopotamien, verursacht schon die Herbeischaffung dieser kleinen Summe grohcs Kopfzerbrechen und auch viel Schweitz. Sehr oft hört man daher hier eine zärtliche Mutter seufzen: Ach, wenn mir Gott nur das Glück gewähren wollte, meiner lieben Sarah oder Rebekka hundert Gcldlire mitgeben zu körmen I In neuester Zeit jedoch hat unser Nachbarland Indien begonnen, seine Blicke auf unsere hübschen Töchter zu werfen, und zwar sind es die Bene-Israel in Bombay, Cocin und anderen indischen Städten, welche mit Vorliebe Bagdader Judenmädchen als Gattinnen heimführen, die, da sie fast durchwegs von dunkelbrauner Gesichtsfarbe sind, sich schon glücklich fühlen, . wenn weihe Mädchen sich herbeilassen, ihnen als Gattinnen zu folgen, so dah sie nach der Mitgift gar nicht zu fragen »vagen. Dieselben tragen ihre Frauen auf Händen, betrachten sie als ihren und ihres Hauses guten Engel und sind immer bestrebt, deren Wünschen, wenn nur immerhin möglich, sogleich nachzukommen. Von einer Ehescheidung bei so einem durch die Hand einer hübschen Bagdaderin glücklich gewordenen Ben-Israel ist fast kein Gedanke; im Gegenteile, dieselben fühlen sich sogar noch überglücklich, da die Bigamie bei ihnen unter gewissen Bedingungen gestattet ist, wenn letztere es ihnen ermöglichen, nun auch eine Anverwandte der Gattin oder wenigstens eine Landsmännin derselben als zweite Frau heimführen können. Die Vermittelung der Ehen zwischen den Töchtern Bagdads und den Bene-Israel besorgen gewöhnlich die in den indischen Hafenstädten lebenden Bagdader Kaufleute, die es als eine grohe Mizwah (gottgefälliges Werk) betrachten, wenn sie eine Tochter ihrer Vaterstadt uitter die Haube, Pardon I wollte sagen, unter das Sammetkäppchen, da es bei uns keine Haube gibt, bringen können. Es ist sehr interessant, zu sehen, wie der Ben-Israel, der gewöhnlich nur tamulisch spricht und die Bagdaderin, die wieder nur arabisch spricht, so dah sie sich gar nicht verständigen können, bestrebt sind, durch Gestell und Mimen ihre Gedailken auszudrücken und sie ihrer Ehehälfte begreif- . sich zu machen. Merkwürdigerweise leben dieselben dennoch ganz harmonisch und einträchtig. Jeder von hier nach Bombay abgehende englische Dampfer pflegt daher immer auch etwa ein Dutzend Bagdader Mädchen mitzunehmen, um sie nicht nur einem indischen Hafen, sondern zugleich auch in den glücklichen Hafen der Ehe zu bringen. Uebrigens sind die Bene-Israel hier nicht gänzlich unbekannte Glaubensgenossen, denn wir haben oft das Vergnügen, einige derselben als schmucke englische Soldaten in unserer Stadt zu sehen. Der englische Konsul erhält nämlich von seiner Regierung zu seiner Bewachung zwölf Mann indische Soldaten mit einem Korporal, die alle drei Jahre durch andere ersetzt werden. Unter diesen angekündigten Vortrag über die Rechte und Pflichten der Leistungsveräuherer und Leistungserwerber nach den nationalsozialistischen Grundsätzen des Mosaismus. In dem zirka ztveiftündigen Vortrag führte der Redner u. a. aus, dah dem mosaische»» Arbeiterstatut nur ein Produzent bekailnt sei, der seineLeisturlgen einem Produktenhändler verkaufe, nur müsse der Produktenmarkt gesetzlich feste Preise haben. Der Sozialismus habe nicht die Aufgabe, gesunde Existenzen zu veqnichten, sonder», n»»r reale Existenzen zu schaffen. Die Sozialisten dürften keinen blinden Kampf um das individuelle Dasein führen, sondern sie müßten die Geineindewohlfahrt fördern. Der Vortrag war von zirka 800 Personen besucht. Momsen und die jüdische Geschichte. Der Tod hat Deutschland und der gesamter» gebildeten Welt den Altmeister der Geschichtschreibung, den glänzenden Darsteller versunkener Welten, der aus nahezu verwischten und verwitterten Inschriften eine grohe Vergangenheit vor unserem betmlndernden Auge erstehen lieh, entrissen. Mit Bewunderung lesen wir in dem fünften Band seiner „Römischen Geschichte", den er 1886 erscheinen lieh, in dem er dreißig Jahre nach der Veröffentlichung des dritten Bandes den Faden der Geschichte des römischer» Volkes, so schwer es ihm auch sei»» rnochte, dort aufnahm, wo er ihn fallen lassen muhte, wie er sich in der Vorrede zu seinem Bande selbst ausdrückt. Er schildert hier die römische»» Provinzen in der Kaiferzeit vo»» Cäsar bis Diokletian. Welche Summe von gelehrter Arbeit hier aufgespeichert ist, wie er ii» seiner glär»zei»de»» Schreibweise uns von Italic»» nach Spanien, von Galliei», Germanien, Britannien in die Doirauländer, dam» lvieder »»ach Griechenland und Kleinasien, an den Euphrat, de»» Jordan und den Nil, nach Aegypten und Nordafrika führt, uns überall Land und Leute kennen lernen läßt, das in dern Rahmen ei»»es Zeitmrgsartikels. darzustellei», ist wohl kaum möglich. „Gehe durch die Welt und sprich mit jedem," dieses Wort Firdusis, es prairgt als Motto auf dem Titelblattc des fünfte»» Bandes der römischen Geschichte, und es kennzeichnet ihn richtig. Das elfte Kapitel dieses Bandes beschäftigt sich nun mit „Judäa und den Juden" (von Seite 487 bis 552). Man kann, wenn mm» das »vahrhaft glänze»»de Kapitel lies», nicht gerade behaupten, der grohe Geschichtsschreiber sei von alle»» Vorurteilen frei geblieben, die rnan selbst bei Männern, j welche auf den Höhen der Wissenschaft wandeln, findet, »venu sie sich ' mit den Juden und ihrer Geschichte beschäftigen; er hat vor allem das Wesen der jüdischen Tradition vcrkan»»t, »veil er sie gleich Schürer, Delitzsch und anderen nichtjüdischei» Gelehrten z»» wenig »oder gar nicht kannte, ihm ist die jüdische Staatengründung nach dern Ende des Exils eine „klerikale Restauration", das hasnronäische Staats- »oesen ein „K'irche»»unstaat", für die Bedeutung der Erhebung des Jrrdentums gegen die seleukidische und römische Fremdherrschaft hat er wenig Verständnis, nichtsdestolveiriger wird man gerade in unserer Zeit dieses Kapitel mit großem Interesse lesen, denn entbehrt es auch der Wärme und der Begeisterung, so erfreut es andererseits durch die ruhige Objektivität, mit welcher der wahre Geschichtschreiber von der hohe»» Zinne der Wissenschaftlichkeit die Geschichte des jüdischen Volkes bis z»»m Ausgange des dritten Jahrhunderts betrachtet, fern von jeder Polemik, aber auch Apologetik, die gerade die Behandlung jüdischer Geschichte oft ganz ungenießbar machten. Da ist es nun i»»teressant, zu lesen, wie Mommsen dem jüdischen Staate in Palästina die Juden in der Diaspora gegenüberstellt. Dort das starre Festhalte»» an der jüdischen Nationalität, hier die hellenisicrenden Tende»»zen. Wenn aber Mommsen von einer jüdischen Propaganda, engliich-mdychen Soldaten, die »mmer derGarnyon vonBoinbal) ent-j uon einem Bekehrungseifcr in dieser Zeit spricht und diesen dem des nommen werden, befinden sich oft auch e»mge Bene-Israel, d»e sich \ Christentums und des Islams »n.jpäterer Zeit gleichstellt, so könnte gerne nach Bagdad versetze»» lasten, um sich dann hier eine unserer dies aus dem jüdischen Schrifttum kaum ertviesen tverden. Die Töchter als Braut auswahlen zu können.! Rabbinen Judäas betrachteten den Tag, an dem die griechische Bibel- Ein jüdisches Dorf in Asien. Auf meiner Reise zwischen! Übersetzung, genannt Septuaginta, entstanden war,' als einen Un- Tiflis und Erivan — erzählt der bekannte Missionär Faber —' glückstag, und doch wurde die Bibel gerade durch diese Uebersetzung gelangte ich nach einer zwanzigstündigen Fahrt mit dem russi-- £et ganzen gebildeten Welt der damaligen Zeit zügärrglich. Wurde scher» Postlvagen an den See Goktscha. Die Straße steigt allmählich diese Uebersetzung von den Grrechych sprechenden Juden Aegyptens von der warmen Ebene nach einer schneebedeckten Hochregion auf. Der wunderbar gelegene See ist viel höher als irgend ein anderer Gebirgssee der Welt und viel größer als der Bodensee. Hart am gleichsam als der erste an das Heidentum gesandte Apostel betrachtet, so fürchteten die ettvas exklusiveren Lehrer Palästinas vo»» ihr eine Verkennung der wahren Lehren des Judentmns. Es »verden See, gegenüber einer kleinen Insel, auf welcher et»va zlvanzig Mönche ^hl andere^Motlve getvesen ^se»n, ^d»e^ damals 3 n r^ Verbreitung des ein abgeschiedenes, einsames und müßiggängerisches Leben führen, siegt Helenotvka, das merkwürdigste jüdische Dorf in der Welt. Sämtliche daselbst wohnenden Juden, die ungefähr 200 Familien t . .. rr . P1 . w .... . bilden, tvaren ehedem Christen. Sie haben alle das Aussehen von j uberhaudgeuommen, dag |tc schon fast tu aller» Landern ^"^nomrussischen Bauern. Ihre Vorahnen gehörten der russischen Religionsmcn ""£> die Be»»egten der» Siegern Gesetze geben I Auch d»e sekte der Subotniki an, d. h. der Sabbat-Beobachter, welche von dem edlem Ge»chlcchte entstammteGemahl»»» Neros, Poppaa Sabina, Äir-.-r.... . ..— ~.«r. <— neigte dem Judenglauben zu und tvar eine eifrige Beschützer»»» der Judentums beitrugen, als das Heideiitum in gäitzlicher» Verfall geraten tvar. Seneka, der Lehrer des Kaisers Nero, ruft darüber klagend aus: „So weit hat die Lebensweise dieses schädlichen Volkes Glauben ausgingen, das Christentum habe einen Fehler begange»», dah es den Sonntag zum Ruhetag erklärte u»»d nicht wie die Juden den Sabbat feiert. In viel früherer Zeit hatte man diese Subotniki in Rußland hauptsächlich darum geduldet, »veil die Gemahlin des Juden, wie dies auch Sinkiewicz in seinem Ro»nan „Q»»o vadis" in nicht gerade vorurteilsfreier Weise darstellt. Ei»» Hatiptvertreter dieses jüdischen Helle»»ismus »r>ar der Alexandriner Philo, der das Zars Iwan des Grausamen ebenfalls dieser Sekte angehörte. Vor?ukeJ3.*Hm a"c(? ^)PKa»»er Kaligula zu bertreren berufen war. .l»»ch einigen sechzig Jahren jedoch wurden die Anhänger der Sekte aus, We»en d»eses Mannes ersaht mm» tvohl nicht richtig, wen»» man dem Innern Ruhla»»ds an die persische Grenze gebracht und wurde! bon »hm gleich Mommsen, mehr gelstvoll als richtig, sagt, „er stehe ihnen bei Todesstrafe die Rückkehr verboten. Die Leute »vuhten 3" esrelig»on »ncht viel a»»der^>, als Cicero zu der ro»msich bald in ihrem neuen Wohnsitze häuslich einzurichten, waren Lfm . Mit dem »pltznndige,» Advokaten Cicero, der auch »»n polit»- tätige, strebsame Bauern, tvelche durch ihre ausdauernde Arbeit ■ .^c.^,eu leuie allzu reinliche Rolle »p»esie »»»»d^der sich eine viele Dörfer gründeten, die in der Mitte von trägen Tarwren und i Phlloiophie aus de>» Weltanschal»u>ige>»griechischer Zenker 3"f{""5 gleichgiltigen Persern rasch emporblüten. Da die Subotniki nicht "»enstoppetle, darf man de»» »lberzeug»»ngvtreuen, »»ttlich-relne»» Philo mehr durch irgend ei»» Band m» eine christliche Kirche gebunden j mf0t an 1 mmnen,teilen, der turinhoch »iber den» Hellenisten waren, so bewegten sie sich vollkommen frei und es sind nun 28 § ""d '"A üanz ehrlichen Geschlchtsichre»bcr Josephiw Flavins, selw'n» Jahre, daß sie den letzten Schritt taten und orthodoxe Juden in des ^^as jüngeren Zeitgenoste»», steht. Philo »st das Haupt der sillc- Wortes strengstem Sinne wurden. Sie benutzen bei ihrem Gottesi ^r.,tcn, der gegen d»e Schmähungen eines Apw.» auftr»tt, den dienste die bei d einer Seite den Uebersetzung haben tage und Gebräuche der jüdischen Religion und es gewahrt einen, ,, . . . fr v-—< c -<*.......i ganz merkwürdigen Anblick, diese russischen Bauern an einem Sabbat! «llnd da verschreie»» d»e elenden sykophantcn das Judentiui» al^ zu beobachten, ivenn sie da in ihren kleiiten Synagoge,» in dichten L!u'^n^cu^u^' wahrend c-> ^od) fterabi mtf ßtdH 5tn»^!. F»c>- Reihen, jeder in den Talith eingehüllt, die vorgeschriebenei» Gebete j zwei ^vohiitcu »n Philo^' Dnist, der ludaisthc (siist uiiter verschiedenen, bei russischen Juden üblichen Körperbelvegiin-, ^^eerfc11_> bcv behenschtcn ihn mu berverrichten. Ohne dah mm, bisher etwas Bestimmtes übec diesen Üblich ,st Bemühen, bic c ®c«e«(o6c m @t HonB 3» 6ft Ocn. Gegenstand erfahren konnte, sind nunmehr über fiinftansend Christen ^aS t.hn,tnttuin allcrdmgv mns; hhilno chrfurchtvvoll grdrnken. da im Zeitraum der letzten 2° Jahre Inden geworden. — „Wir sind." , er -S ki-wes-n der zuerst d,- L°g°S-L-hrdie L-Hr,^^ v°j ta .® sagt? mir einer der A-,testest dieses jüdischen Dorses. „rechte „Ge- S»h«« G-«-» -.»«ÄSÄ tim", wir stammen zwar nicht von tzlbraham dem Fleische nach ab.I ^rltr so dns; mau ihn iwt-Urcht als, den ersten sttechtN. aber wir halten getreulich die jüdische Religion, wie nur irgend ein! rstier bezcichintt. irahrrud rr im?"dentiune n, Är^esstnht I ge I . Jude der Welt." Unter allen Juden, diich ans meinen Reisen durch >-'« »» iechzehnien Jahrhnnde t A n >a de Ros i n Mode a n s-n,-t säst alle europäischen und einen groben Teil der asiatischen Länder i ..Augrml-nchtihn. wie u,an he te sagt, w-der a.wgrnb nd a kennen -emte. sind die jüdischen Proselh.en von Heleno.oka am Gokschichte des Jude>»tu»ns nicht ausscheide»» lassen, nicht gerade die Stärke des Kapitels, das Monunsen über das Jiidentum geschrieben hat. Wir vermissen in diesem Kapitel auch nähere Angaben über Josephlls, den jüdischen Geschichtsschreiber, den» »rir ja doch die 5kenntnis der gaitzen Zeit, die Mommsen schildext, verdaiiken. Ueber tscha-See die fanatischesten. Ihr ganzer Kultus geschieht in russischer Sprache, jedoch in toortgetreuer Uebersetzung des jüdischen Rituals. Diese judengetvordeneu Russen verheiraten sich oft mit den echten Juden. Während r»och vor zehn Jahren diese Proselyte,» von den jüdische»» (Glaubensgenossen nicht als »vahre Juden betrachtet wurden, ist dies heilte anders, »md jüdische Reisende, tvelche Helenotvka oder das passieren, »»ehmen an l^^ihren^Gottes^iensten^teil b^^i^all^^ * M” ^^ibei»13itievV^iuerbeit*'nnf tj*aee'*1 n mit Subotniki gepflogenen Gesprächen zeigten diese Leute fich 0»' SJÄÄUT iÄWjchKe jS|fÄnf toenn »nan sie silbotmk» nennt und wollen^ du»cha»ls als i"t»hre p^^tlich a»»s jenen Seiten unseres Kapitels, in ön\(l’u Mo»>»»l»se»» fnfIL mitwÜmVfnirVn russischen Zensus spezifisch jüdische EiurichtlNlgeu spricht, lote scher die des Syiiauch offiziell als solche anerkannt tvorden. j ^.hx^ns. Schon die Behauptung, daß im Synhedrion, jiidaisiert Buenos-Aires. (Israelitischer Arbeiter-Ver- Sailhedriui, „diesen» Rat der Aeltesteu", der Hohepriester den Vvreiu.) Auch hier, in der Hauptstadt Argeutiuiens, hat sich ein sitz führte, läßt sich ans der jüdischen Tradition nicht »»»»chtveiscn. israelitischer AAreiterverein gegründet und hielt der Rabbiner Dr. Hier »verden ganz bestimmte Männer ge»»a»»nt, die de»» Titel „Nassi" Hoffman»» in demselben am vergangenen 2. September 1903 den führten, »nährend ihre Stellvertreter „Ab bet Din" genannt tv»»rden, die das Präsidium in dieser höchsten Körperschaft des Volkeübernahmeii. Sie hatte das ga»»ze religiöse ititb sittliche Leben im Volke z»l regeln, sorgte für Schulen »,nd Gerichtsbarkeit, kurz war die höchste geistliche Behörde im Lmide, und ein ga»»zer Talmutraktat beschäftigt sich mit. ihrer Wirksamkeit, aus dem der Geschichtsschreiber der Jliderl mariches Belehreride schöpfen kann. Auch der Traktat der Mischlm, der neuerlich von Strack in Berlin übersetzt ititb kommentiert wurde und der „Sprüche der Väter" heißt, gibt ikiis .Mtnde über die Grundsätze der „Nassi" (Fürst) gcnaiinten Vorsitzenden de- Synhedrions m»d ihrerStellvertreter, „Ab bet Din", das heißt„Vater des Gerichtshofes", geilaiiirt. Wir müssen aber auch in Mornmsens Darstellung des jüdischen Krieges den marigelndei» Einblick in jüdische Quelle»» leider konstatiere,». Es ist ja richtig, »venu Mornmsen die Schuld an dem großen Unglücke, »velches das jüdische Volk betroffen, indern es sein Staatslvesen ltnb seinen Tempel verlor, auch teilweise diesem selbst zuschreibt. Das Hohepriestertmn, das durch Herodes cntlvürdigt worden tvar, indem derjenige, der in der Kriecherei und Verlengnung des Nakionalgefühles am »veitesten ging, es erhielt, »var in gelvisscn Familien käuflich getvordei». Die Entsittlichung der fürstlichen »i»»d hohepriesterlicheu Geschlechter nahln immer inehr überhaud, äußere Frönimigkeit stand höher als Sittlichkeit; aber tvie »verden diese Zustände gerade von den Edelsten der Natio»» beklagt! Wenn man »»»»»» die Darstellung des Ausbruches jenes nnseligen Krieges, der znm Ul»tergange Jerusalems führte, bei Mommsen liest, so ist man erstaunt, zu hören, lvie er alle unlengbaren Sünden der Mächtigen in Juda, tvie ettva die des Arianias, des Nebedäus Sohn, hervorhebt und ihnen alle Schiild an dem unsäglichen Leid, das je eine Nation betroffen, zuschreibt und tvcnig Mitgefühl zu haben scheiiit mit einem Volke, das sich himrulische Hilfe erwartete bo>» dem schtveren Drucke, der auf ihm lastete. Wer nicht die im jüdischen Volke nie ausgestorbenen messianischen Hoffnungen in Betrachtung zieht, »vie dies Döllinger in seinem großen Werke „Judentum und Griecheutuln als Borhalle zum Christeutum" tut, der versteht »veder die Entstehuitg des neuen Glaubens, uoch den blutigen Krieg, in den das verzweifelte Volk getrieben ivurde. Weder Josephris noch alle Inschriften der Welt können hier allein als Quelle dienen. Auch de»» Aufstaud des Bar-Kochba unter Hadrian versteht man nicht, tvenn man »»icht die Hoffnung auf »nessianische Erlösung, die tief im Judenbolke »vurzelt, stets im Auge behält. Und so stehen denn Mommsen »n»d Gregorovius, in seiner sonst jo vortrefflichen Monographie über „Kaiser Hadrian", diesen Kmnpfen lvie Fremde, wie kalte Beobachtergegenüber. Gallier, Germaiien, Briten führten schwere Kämpfe gegen die Römer, sie kämpften für ihre Freiheit; aber die Judenkämpfe sind mehr, sie haben einen religiös-mcssiaiiischen Charakter. Ein Einblick in das Buch Daniel mit seinen Schivärmereien und Bildern, die damals vielfach auf das römische Reich bezogen tviirden, hätte den neueren nichtjüdischen Geschichtschreiber»» des jüdischen Volkes manches erklärt. So anregend »md belehrend, so interessant »u»i> anziehend Mommsens Schilderung von „Judäa nnb den Juden" auch sein mag, ihr fehlt das tiefere Eindringen in das Wesen dieses »ii»glücklichen Volkes, das ja doch nur aus seinem Schriftum erfaßt »verden kam». Die hervorragendsten Orientalisten tvie Franz Delitzsch oder Wünsche haben dies erkamit. U,»d wie einstens Reilchlimls scheuten sie sich nicht, zu jüdischen Gelehrten zu gehen und sich von ih»»en über jüdisches Schrifttum belehren zu lassen. Dies »väre auch nottvendig gewesen, wenn Mommsens Darstellu»»g nicht nur blendend, sondern auch dem Charakter des jüdischen Volkes entsprechend hätte sein solle»». Ohne Kenntnis griechischer und römischer Quellen ist es schwer, griechische oder römische Geschichte zu schreiben, oh»»e die hebräischer jüdische Historie. Und doch sei den Manen des großen Meisters für daS Kapitel, das er der jüdische»» Geschichte gelvidmet, Dank gebracht. Dr. M. Grün selb. (N. F. P.) Mitteilungen nus dem Unblikum. Avis. Wir rnachen unsere ge sch. Leser auf die bestrenommierte Firma F e r d. S t r o h m a y e r, Wien, 1. Bez., Blume nst o ck g a s s e 6, gegr. 1830, beso,»ders aufincrksam. Diese Firma hat ein ungemen» großes Lager aller Spezialitäten in: Alabaster-, Modell-, Form-, St»lkkat»rr-, Bau- und Zement-Gips. Romai»-Zement (hydraulischer Kalk) zu Bauzwecken. K»»fsteii»er Roman-Zement (hydraulischer Kalk). Bester Patent-Portla»»d- Zement (Hydra»,lischer Kalk). Bester Pattent-Portland-Zemcnt. Englischer »veißcr Keencs Patent-Marmor-Zemeiit 1a nnb 2a ,k. a. m. Aus oben Angeführte»» ersieht mm», daß diese Firma auf diesem Gebiete die leistur»gsfähigfte ist und jedem, der mit diesen Waren zu tun hat, anf das Beste zu empfehlen ist. Erste Brttnner Mazzes-Fabrik. Die Anschaffung der Mazzes bat schoi» io mailchen» eine böse Stunde verursacht. Gar oft kommt es vor, das; man schlechte oder solche Mazzes tauft, tvelche nicht »llitcr ritueller Aufsicht erze»»gt werden. Als eine sehr Ie»stui»gsfähige und solide Firma ka»»»» die Mazzes-Bäckerei Rosa Keßler» Brünn, Dornichg. 19 empfohlen iverde»». Stampiglien h» jeder Größe und Form erzeugt zu den billigsten Preisen die bestbekannte und re,»ommierte Finna I. Le tv»ns o n. W »e n, 1. Bez., Adlergasse 10 und Odessa. Kanatna^a 12. Ei»» einmaliger Veffuch gc»»ügt, »nn sich voi» der Leist»mgssah»gke»t dieser Firma zu überze»»geu. Hriefkasten. X. in Y Vor allem steht es nicht fest, ob Prof. Poll, die Operation für »»otwendig oder »»»öglich findet. Sie »varen ja schon i»» Wien i»» Behmidlnng »»nd »verde»» tvissen, tvas man Jh»»en über den' Verlauf der Krankheit gesagt hat. Uns ist von dieser Methode der Operation nichts bekannt. Was sich Prof. P. rechnen können »vir »»atürlitch »»icht Voraussagen. Es sind a»»ßer Prof. P. tüchlige jüdische Spezialisten ii» Wien, z. B. die Doze»»te,» Doktor H a m,n c r s ch l a g und A l t, Nobiczek 5larbitz. Wege»» der Adresie des jüdische»» Mädche»»heims wolle,» Sie sich an Frau kais. Rat Dr. Kohn. 2. Bez., Stefaniestraße 2. wenden. Kundmachung. Ütlr jüdische Mnder im schulpflichtigen Alter werden jüdische Megevartelen gesucht. YieselbM Men löre Vertrauenswürdigkeit, nachzsliiveifen und erhalten bei gewissenhafter-MW der ihnen zugewiesenen ttinder einen MonatsöeM bis zu K 25 — per UindT" Schriftliche^ Ansuchen sind bis spätestens 2V. Februar 1904 an das Wohttütigkeits-Amt der Israel. Kultus« gemeinde i , Seltenstettengasse 2 zu richten, woselbst vormittags mündliche Auskunft erteilt wird. Wien, am 21 Januar MH. Oer Vorstand der israel. Kultusgemeinde.

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