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Jüdisches Volksblatt · 1904-02-12 · 7 (12.2.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 12. Februar 1904 Seite 3 Der restliche Teil des Erlasses bezieht sich auf die innere Einrichtung der Trafiken, während den Schluß des Erlasses die Ermächtigung an die Finanzdirektionen bildet, denjenigen Trafikanten, welchen die Lizenz wegen Nichteinhaltung der Verordnung vom Jahre 1902 entzogen wurde, dieselbe wieder einzuräumen, „wenn das Interesse des Aerars dies erfordert und andere hindernde Gründe dagegen nicht obwalten." Noch interessanter ist das Schreiben welches Finanzminister Lukacs unter Zahl 8263 zu gleicher Zeit an die orthodoxe Durchführungskanzlei gerichtet hat. Dasselbe lautet: „Meine in Angelegenheit des Offenhaltens der Geschäftslokale der Tabaktrafikanten israelitischer Religion am heutigen Tage unter obiger Zahl erlassene Zirkularverordming, übersende ich der Kanzlei mit dem Bemerken, daß ich mit den von mir getroffenen Verfügung zum Schutze der erworbenen Rechte der zur orthodoxen Konfession (?) gehörenden israelitischen Tabakverschleiher nunmehr bis zur äußersten Grenze gegangen bin. Nachdem aber mit gleichmäßigen Rechten auch gleichmäßige Pflichten verbunden sind, können auch partikulare Berechtigungen nicht cmfrechterhalten werden, wo eine für das ganze Land lautende Regulierung einheitlich festgestellt werden muß. Um daher jeder weiteren Intervention vorzubengen, erkläre ich schon jetzt, daß ich auf diejenigen Tabakverschleißer, welche nach dem 1. Oktober 1902 die Tabakverschleißlizenz erworben haben oder noch erwerben werden, unter keiner Bedingung die jetzt gewährte Begünstigung erstrecken werde. Ich darf nun wohl schon mit Recht wünschen, daß mit der gegenwärtigen Lösung diese Frage als endgiltig abgeschlossen angesehen werde, und ich erwarte vom Patriotismus der Kanzlei, daß sie in ihrem eigenen Wirkungskreise unter ihren Glaubensgenossen dahin wirke, daß die Kontinuität des Tabakverschleißcs gesichert und die Bedingungen der Erfordernisse der allgemeinen Reinlichkeit und Sanität eingehalten werden." Aus diesen beiden ministeriellen Reskripten ist vor allem ersichtlich, daß es sich bei dieser „Lösung" um einen Ausgleich zwischen den Ansichten des Grafen T i s z a und des Finanzministers Lukacs gehandelt habe. Es wäre jedenfalls vernünftiger gewesen, die Sache beim alten zu belassen, als diese ganz unverständliche und zum Teile das ganze Judentum verletzende Lösung herbeizuführen, denn dieser Beschluß bedeutet nichts anderes, als daß in Hinkunft ein strenggläubiger Jude von dem Genuffe einer Trafiklicenz ausgeschlossen bleibt und daß jeder Jude, der in Zukunft um eine solche ansuchen will, außer seiner rechtsverbindlichen Unterschrift auch noch gewissermaßen mors judaico die Versicherung wird geben müssen, daß er die eingegangenen Verpflichtungen auch einhalten werde. Mit Recht bemerkt ein Budapester orthodoxes Blatt: Die neue Verordnung dekretiert auch eine Art Judenstigmatisierung, wie sie nur in mittelalterlichen Zeiten Usus war. Daß die Finanzdirektion den um eine Trafiklicenz Ansuchenden auf alle mit derselben verbundenen Vorschriften aufmerksam mache, das findet Se. Exzellenz beim Juden als unzureichend. Der Jude muß sich „schriftlich verpflichten es wird für den Juden gewissermaßen der vermoderte gelbe Fleck restituiert. Czernowitzer Brief. Czernowitz, im Februar. <A«S dem Bukowinaex Blätterwalde. — Tran, schau wem. — Deutsche Treue.) Unsere Landeshauptstadt, die „deutsche Oase" des Ostens, wie sie die importierten Professoren des Westens getauft haben, sucht aus dem Milieu einer Kleinstadt herauszukommen und „ü ber ihre Kraft" das Gepräge einer Großstadt anzunehmen. Klein- Wien nennen sie viele, die die Schöpfungen der letzten Jahre, die neue Wasserleitung, die elektrische Beleuchtung, die Tramway usw. zu würdigen wissen und mit dankbarem Herzen zu den arbeitswilligen Stadtvätern hinaufschauen, die Vieles und Neues, wie im traumhaften Fluge geschaffen haben. Aber auch in anderer Beziehung strebt unser Czernowitz das Großstädtische an: es will mich „journalistisch" glänzen. Wenn anderswo, so ist bei uns der Ausspruch berechtigt: Die Journalisten, wie die Blätter, schießen wie die Pilze aus dem Boden hervor. Hier lohnt es sich, etwas länger zu verbleiben. Als im Jahre 1901 die große Koalition zwischen „Deutsche" und „Rumänen" geschlossen wurde, erblickte das berüchtigte, auch Ihren Lesern sattsam bekannte „Bukowinaer Journal" das Licht der Welt, angeblich, um Rumänen und Deutsche näher aneinander zu bringen. Es war da ein Wettkampf zwischen mit Johannes dem Täufer unb einem anderen Bilde, das die Evangelisten darstellte, niederkniete. Sein Besucher folgte dem Beispiel, bemerkte aber: „Wir in China verehren unsere Ahnen. Das ist Rebekka mit ihren Söhnen, Jakob und Esau; aber warum werden ans dem anderen Bilde nur vier Söhne Jakobs verehrt; gibt es nicht zwölf?" Es wurden gegenseitig Erklärungen ausgetauscht. Der Gast war ein Israelit namens Ngai, der von K'ai-feng-fu, der alten Hauptstadt der Song-Dynastie, nach Peking gekommen war. Er erzählte, daß dort seine Gemeinde eine Synagoge hätte, die kürzlich wieder ausgebessert sei und in der eine bereits über 400 Jahre alte Gesetzesrvlle wäre. Er fügte hinzu, daß in Hang-tschau-fu in der Provinz Tsche-kiang eine noch größere Judengemeinde tväre, die auch eine Synagoge besäße. Es ist bekannt, daß sich Juden zur Zeit der Han-Dynastie (200 v. Chr. bis 220 n. Chr.) in China niedergelassen haben. Die Ansichten über das wirkliche Jahr der Niederlassung gehen allerdings auseinander. Manche Autoritäten nehmen 34 u. Chr. an, andere dagegen halten 60 n. Chr. für das wahrscheinlichere Datum — das will heißen: zur Zeit des Falles von Jerusalem. Jbn Batnta, ein Schreiber des 14. Jahrhunderts, bemerkt in seinem Bericht über die Stakst Häng-Tschan. „In der zweiten Hälfte wohnen Juden, Christen uub Türken. Diese sind zahlreich, aber ihre Zahl ist nicht bekannt; der schönste Teil der Stadt gehört ihnen. Ihre Straßen sind gut angelegt; ihre angesehenen Männer sind reich." Damals war K'ai-feng-fu eine große und blühende Stadt, ihre Wälle waren etwa 20 englische Meilen lang, während ihre Bevölkerung kaum weniger als eine Million Familien chetrggen haben kann. Dann wurde es ein großes Handelszentrum und 'illan/.daxf annehmen, daß wegeil des Handels große Massen Inden dahin kairÄll. ,/»,Jm Laufe der Zeit litt die Stadt durch Ueberschtvennmingen des Etelbflusses uub häufige Feuersbrünste drückten ihre Bedeutllng herab. Das Judenviertel war nicht mehr als 300 Fuß vom Flrißdamm entfernt und Flutschäden besonders ansgesetzt. 1642 »mißte die Stadt eine Belagerung von einem Monat durch beu Rebellenführer Li-ki-tseng bestehen, die den Fall der Stadt durch Ableitung des Gelbflusses zur Folge hatte, 100 000 Menschen gingen zu Grunde, viele hebräische Manuskripte wurden vernichtet. Die Synagoge wurde verschiedentlich wieder aufgebaut:, 1279, 1480, zu Allfang des 17. Jahrhunderts und bmm 1653." Nur allmählich wurde es den Inden in Europa bekannt, daß in Chilia eine Kolonie ihrer Brüder existiere. Es wurden dann verschiedene Versrlche gemacht, sie brieflich zli erreichen, zuerst 1760, dann 1815, endlich 1842. Diese Versuche hatten jedoch um* einen teilweise!! Erfolg. Eiir späterer Versuch lvar aber zufriedenstellender. 1850 sendete der Bischof von Hongkong, Dr. Smith, gemeindeil „Nachrichten", dem Organe der damals „n o ch" verkappten - Antisemiten einerseits unb dem „Journal" andererseits, in dem I Eifer, einander Weihrauch zu streuen und sich in wechselseitigen! Lobhudeleien zu überbieten. „Lobst du den „Deutschen" bis zllm Himmel, so lobe ich den „Rumänen" bis zirm siebenten Himmel", war die Devise der Deutschen geworden und der fortschrittliche Dr. S k e d l spazierte Arm in Arm mit den erzreaktionären Bojaren. So ging es zwei Jahre, bis die letzte Landtagssession einen Umschwung in den Verhältnissen brachte und den Freundschaftsbnnd ziemlich stark lockerte. Dr. S t r a u ch e r hatte in offener Sitzung den Führer der Bojareil, Dr. F l o n d o r, als Antisemiten entlarvt und ihil als Verfasser des Hehartikels „Zablotow" bezeichnet. Die Bombe war geplatzt und der so diskreditierte Flondor mußte wieder reingewaschen, rehabilitiert werdeu. Wer anders sollte da zu Hilfe kommen, als die bnndesgenössischen Deutschen? dachte Flondor und drailg auf die Einsetzung eines Mißbilligungsausschusses. Aber loelche Ellttänschung! „Das Hemd ist mir näher als der Rock" sagte sich Dr. Skedl, der von den Juden Sereths, Suczawas und Radautz gewählte „Deutsche" (fiel), und hielt wohlweislich feinen Klub von den Sitzungen ferne. Wutentbrannt warf sich jetzt Flondor auf seine Bundesgenossen, die ihn in den Zeiten der Not so schilöde im Stiche gelasseil und kündigte den Vertrag. Das „Journal", das das Vermittlungsorgan zwischen Deutsche und Rumänen sein sollte, hatte jetzt die Existenzberechtigung eingebüßt und ging den Weg aller Sterblichen. Wird ihm jemand eine Träne nachweinen? . . 1 Das eine ging und zwei andere kamen, farblose, von der Spezies der „N. F. P." in Wien, die von Hu-! manitätsduseleieil überfluten, die nationalen Gegensätze ausgleichen, Apostel des Friedens sein wollell. Wer sie gegründet? Ein Klein-Großstadt-sein-wollender Politiker, ein heißblütiger Konzipient, ein maßloser Streber. Er begann seine Laufbahn in den „liberalen" „Nachrichten", wo er rasch „Karriere" machte; er wurde Chefredakteur. Nun kam der Umschwung: Die Eigentümer wollten ein wenig beginncrl „zu mitisemiteln" und Dr. M., der lange Zeit jüdische Jdealpolitik uub christlich-deutsche Realpolitik betrieb, muhte schließlich gehen. Rasch ward ein Konsortium hergestellt und große Affiches kündigten das Erscheinen eines lreuen, angeblich „farblosen" Blattes an. In Wirklichkeit aber blieb Dr. M., auch hier Chefredakteur, im Deutschtlnn stecken und liebäugelte gerne mit den „Deutschen", die ihn „hinausgeekelt" hatten. Eine eigentümliche Spezies ist dieser Dr. M. Er übersprudelt förmlich von Nationalismus, ist Obmann des Zionsvereins in Czernowitz, will aber andererseits alle Nationalitäten versöhnen, vereinigen, bricht Lanzen für das Deutschtum und bekämpft den Dr. S t r a it ch e r mit seiner gesunden Realpolitik. Ein Unikum in seiner Art, fürwahr, ein Mann mit einem Janusgesichte, mit zwei Seelen, mit zweifachen Ideen . . . Kaum hatte Dr. M. dem neuen „Tagblatte" durch persönliche Agitation eine feste materielle Position gegeben, als er durch pepsöstliche Reibungen mit dem Eigentümer des Blattes aus dem Nedaktionsverbcmde schied und ein neues Organ voic derselben Farblosigkeit auf den Plan brachte. Dr. M. ist durch das Gründen von Blättern sprichwörtlich geworden; ob er sich jetzt nicht verrennen wird? . . . Endlich haben die verkappten Antisemiten die Maske fallen lassen und offene Farbe bekannt: die „Nachrichten" sind seit 1. Jänner ein „Deutsches Tagblatt" geworden und der frühere Liberale Baron Fürth figuriert zusammen mit dem Redakteur der „O st d e u t s ch e n R u n d sch a u", H. Maye r auf demselben Blatte. Einige „Pröbchen", die Herr Mayer serviert hat, stehen in nichts seinen Hetzartikeln in der „Rundschau" nach. Und die Judenblätter? Bis auf die „P o st" hüllten sich alle in tiefes Schweigen oder schwebten über den Wassern und berührten die Deutschen bloß mit Glacehandschuhen. Am schmählichsten aber verhielt fick zu einem jüngst erschienenen Hetzartikel über den jüdischen Wucher in der Bukowina das am meisten verbreitete, von Juden abonnierte und von zwei abgekrachten jüdischen (?) Studenten, den Nachfolgern Dr. M.'s, redigierte „Tagblatt", das noch kein Sterbenswörtchen gegen. die neue Hetze brachte, wogegen es nicht unterläßt, über ein bei Biergelagen gefallenes Wort eines deutschen Professors lange Hallelujahs anzustimmen und laut in die Hcilsposaune zu blasen. Und nun kam der Pferdefuß! Das „Deutschs Tagblatt" brachte einige Tage fpäter einen Artikel, der die Hallelujahs dieser Hitzköpfe als Hirngespinste bezeichnete und mit den Worten schloß: „Möge man ja nicht Wvrte, die beim Glas Biere gesprochen ivurden, als Ernst lniinehmen." Tableau! Emes. Zettungsschau. Ueber die Juden in Japan, das durch den ostasiatischen Krieg die Oeffentlichkeit stark beschäftigt, erhalten jetzt die Blätter folgende, sehr interessante Mitteilungen : „Während wir mit Bestimmtheit annehmen sam mit der Londoner Missionsgesellschaft Boten nach K'ai-feng-ftl, die die Botschaft znrückbrachten, daß dort etwa 200 Juden lebten, die „in die allertiefste Armut und Verlassenheit gesunken wären", daß sie keine Shnagoge mehr hätten und daß „ihre Religion kaum noch dem Namen nach vorhanden wäre, sie aber doch noch von der heidnischen Menge ringsum trenne". Im Juni 1900 schrieben einige angesehene Juden in Schanghai an Herrn Powell in K'ai-feng-fu und baten ihn um eine Auskunft über ihre Glaubensgenossen. Herr Powell ailtwortete, daß es dort noch 140 Juden gäbe, die in 8 Klaus mit folgenden Namen geteilt ivären: Li (2 Klans tragen diesen Namen), Tschang, Ai, Tschao, Tuh, Schih und Kao. Diese 8 Klans umfassen Zufarmnen etwa 40 Familien. Allßerhalb K'ai-feng-fu selbst gibt es noch einige weitere Jriden; aber ihre Zahl ist außerordentlich gering. Obgleich einst begütert und sehr einflußreich, sind sie jetzt sehr arm. ihre soziale Stellung ist unbedeutend. „Einer von ihnen ist ein buddhistischer Priester lind hat die Stellung eines kleinen Ma»dari»en inue, d. h. er führt die Angelegenheiten der ailderei: Priester." Der Ork, wo einst ihre schöne Synagoge stand, ist jetzt ein Pfuhl mit schmutzigem Wasser, an dem ein Stein steht, der den Fleck angibt. Im 20. Band des „Chinese Repository" ist der Inhalt der Inschrift auf biefen Stein wie folgt angegeben: „Betreffs der israelitischen Religion lehren wir, daß unser erster Ahn Adam war. Der Gründer der Religion >var Abraham. Dann kam Moses, richtete das Gesetz auf und gab n'ns die heiligen Bücher. Während der Han-Dynastie kam diese Religion nach China. Im zweiten Jahre des Kaisers Hsiao-tsnllg von der Song-Dynastie (1164 n. Chr.) wurde die erste Synagoge in K'ai-feng-fu gebaut. Wer Gott dlrrch Idole oder Bilder darstellt, gibt sich mnsonst mit leeren Schemen ab. Wer die heiligen Schriften ehrt und ihnen gehorcht, kennt den Ursprung aller Dinge. Die ewige Vernunft und die heilige!» Schriften stützen sich gegenseitig, indem sie zeigen, woher die Menschen ihr Sein herleiten sollen. Alle, die diese Religion bekennen, bemühen sich, Gutes zu tun und hassen das Böse." Aber trotzdem heißt es in dem Bericht Powells: „Die Juden in K'aifeng-fn beobachten keine der Vorschriften ihrer Religion; aber mit Ausnahme jenes buddhistischen Priesters beobachten sie auch nicht alle ^götzendienerischen Praktiken der Heiden; jedoch gehen sie mit ihnen Heiraten ein." Gegenwärtig umchen die Inden in Schanghai noch einmal den Versuch, „diesen Rest der Vergangenheit zu entreißen". Sechs oder sieben wurden veranlaßt, nach Schanghai zu kommen. Es iverdewAiistrengniigen gemacht, das Geld zum Wiederaufbau der Synagoge aufzubringen. Es tvird interessant sein, zu erfahren, wie dieser letzte Versuch ausläuft. dürfen, daß in China schon in den frühesten Zeiten j Juden gewohnt haben, die sich aber im Laufe der Zeit mlt den Eingeborenen so vermischt haben, daß es jetzt schwer ist, sie herauszufinden, so haben wir dagegen über Anstedlungen von Juden in Japan in früheren Zeiten nicht den geringsten Anhaltspunkt. Der Grund, daß fast gar keine Einwanderungen, selbst aus den nächsten Nachbarländern, in Japan stattgefunden haben, wird wahrscheinlich in der Lage des Landes zu suchen sein. Erst seitdem Forscher und Missionäre die Wege nach Japan ebneten, sind auch einzelne Juden eingewandert. Die ersten, deren Namen bekannt sind, kamen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nach Japan; diese waren englische Juden, welche infolge der Geschäftsverbindung zwischen England und Japan dort hinkamen. Ein Mann aus der Familie Salomon war der erste, der größere Geschäfte mit Japan machte, und fpäter ließ er sich dort ganz nieder und ließ auch seine Bekannten und Verwandten zu sich kommen, stellte sie als Beamte in seinem Geschäfte an und bildete in seinem Hause ein eigenes Minjan. Außer den englischen Juden finden wir l jetzt auch einzelne französische Juden. In Tokio waren im Jahre 1880 zirka 20 jüdische Familien, indessen haben sie keine eigene Gemeinde gegründet. Die meisten sind nicht religiös, und deshalb liegt ihnen nicht viel daran, eine Gemeinde zu gründen, obwohl ihnen seitens der Regierung kein Hindernis in den Weg gelegt wurde. Denn seit 40 Jahren sind alle gesetzlichen Unterschiede zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionen geschwunden. Zwar gibt es noch politische Ausnahmen für die Ausländer, besonders in den Hafenstädten, doch in religiösen Fragen herrscht dort völlige Freiheit. Aber die Aufhebung selbst dieser politischen Einschränkungen ist nur noch eine Frage der Zeit. In Tokio und Aokohama finden wir gegenwärtig eine ansehnliche Zahl jüdischer Kaufleute, die das Recht und auch die Mittel dazu haben, Gemeinden zu gründen, aber der innere Trieb fehlt ihnen. Als Ansiedlungsland für die Juden ist Japan nicht geeignet, weil das Land so klein ist, daß es kaum die Eingeborenen fassen kann. In der letzten Zeit hat Japan sich mehr der Industrie zugewandt und könnten daher jüdische Unternehmer dort ein Arbeitsfeld finden; aber es dürfte doch sehr schwer halten, den tüchtigen und auf der Höhe der Zeit stehenden Japanern Konkurrenz zu machen. Dagegen gibt es dort ein großes Gebiet für Handeltreibende, und in den Grenzstädten, wie Korea rc. können auch jüdische Handwerker Beschäftigung finden. In Korea sind nur wenige Juden, welche in den letzten Jahren eingewandert sind. Auch in Söul gibt es einzelne Juden, aber infolge der seit Jahren herrschenden Unruhen ist die Tätigkeit dort gehemmt." jj, Eine jüdische Export - Gesellschaft für Palästina - Produkte. Wie die Budapester „Allgemeine Jüdische Zeitung" erfährt, ist dieser Tage in Hamburg eine jüdische Export-Gesellschaft für Palästina - Produkte zustande gekommen. Seit einigen Monaten weilt nämlich der Kommifftonär Herr Groß, ein in Jerusalem lebender Schwiegersohn des seligen Wiener Rabbiners Salamon Spitzer in Hamburg, um mehrere jüdische Finanziers für die Gründung der obbezeichneten Gesellschaft zu gewinnen. Die vorläufige Kapitalszeichnung beträgt 31.000 Mark und steht die Kompletierung dieser Summe auf 200.000 Mark in sicherer Aussicht. * « * Ueber den Bund der Antisemiten in Niederösterreich schreibt der -ö.-Korrespondent der Salzburger „Kath. Kirchen-Ztg.": Der Kampf gegen die Ausschreitungen des Judentums, die Abwehr auf religiösem, wirtschaftlichen und künstlerischen Boden ist nicht nur ein Recht, sondern geradezu eine Pflicht der Katholiken. Der antisemitische Zug hatte daher in der von Niederösterreich ausgehenden Bewegung der vereinigten Christen große Berechtigung und ungeheuere' Popularität. Leider fand der Antisemitismus innerhalb dieser Bewegung nicht die richtige Führung und Leitung. Sratt den Antisemitismus als einen Abwehrkcnupf gegen die Auswüchse des Judentums zu erklären, fand eine bedeutende Gruppe bald nur mehr im Rasseuautisemitismus unchristlicher Sorte einzig Heil und Rettung. Die Ilnterscheiduug des Abgeordneten E r n e st Schneider von Menschen und Juden fand lebhafte Zustimmung. Der katholische Flügel der Christlichsozialeu protestierte entschieden gegen diese Ausschreitungen, da durch dieselben denn praktischen Antisemitismus mehr geschadet als genützt und die christliche Moral verletzt wird. Bei den führenden Persönlichkeiten fand leider dieser radikale Autisemitenflügcl sorgsame Beachtung und nur zu oft wurden die katholischen Kreise zu Gunsten des anderen Flügels zuruckgesetzt und geschädigt. Die streng positiv christliche „Reichspost" wurde agitatorisch fast gar reicht unterstützt; dafür aber Vergani mit seinem „Deutschen Volksblatt" zmn Millionär gemacht und die mir antisemitische „Deutsche Zeitung" aus Parteimitteln allein am Leben erhalten. Die „Katholische Kircheu-Ztg." hat oft auf die Folgen dieser unglücklichen Taktik hingewiesen. Nun scheinen sie leider einzutreten. Kaum gelangten die ersten Gerüchte von einem ärgeren Unwohlsein des Bürgermeisters Doktor Lueger in die Oeffentlichkeit und von einem neuerlichen Urlaube, als die bisher so protegierten radikalen Antisemiten direft zu meutern begannen. Sie gründeten mm einen eigeneit Verein, „B und der A n t i - s e m i t e n i n 31 i e d e rä st e r r e i ch", der gleich von Anfang an die Protektion des „Deutschen Volksblatt" fand. Obmann wurde der frühere Zahtmarqueur, Straßenbahnkondukteur und Wirt Karl N a g o r ß a » ö k y, eine Persönlichkeit, die seinerzeit mit aller Entschiedenheit aus den Reihen der christlichsozialeu Arbeiterpartei gewiesen lvnrde. Die Leser der „Kirchen-Ztg." lverden sich an die -ü.-Korrespondenzen erinnern, die den Kampf STunfcCjafS, des Führers der christlichen Bewegung besprachen. Leider fand der aus der christlichsozialeu Arbeiterpartei gedrältgte Nagorzansky freundliche Aufnahme im Rathause. Gegen die ausdrückliche Erklärung der christlichen Arbeiter wurde Nagorzansky über spezielle Fürsprache des Bürgernteisters zum Gemeinderatskandidateu für Ottakring bestimmt und belvirkte so die Wahl des Sozialdemokraten Schuhmeier. Als eine Reihe strafgerichtlicher Verurteilungen Nagorzanskys eintrnten, erkannte mau, leider zu spät, wie richtig Kunschak die Persönlichkeit dieses Mannes beurteilt hatte. Und rum beginnt der Kampf dieses Mannes gegen seine früheren Gönner und Unterstiitzer. Hinter Nagorzansky steht das alte enfant terrible der christlichsozialeu Partei, der Landtagsabgeorduete und Gemeinde-

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