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Jüdisches Volksblatt · 1904-02-12 · 7 (12.2.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit« 8 Wien, Freitag Jüdische« Volksblatt. 12. Februar 1904 Kr. 7 Die Jurisdiktion in Status- und besonders in Ehesachen wird vom Rabbiner-Konseil in ähnlichem Umfange wie vom griechischen Patriarchate ausgeübt; eine Berufung an die türkischen Tribunale kommt, infolge des strengen Exkommunikationsrechtcs, mit welchem jeder Ungehorsam geahndet wird, wohl nie vor. Im Einzelnen fällt die Regelung der testamentarischen Erbfolge in Mobilien in die Kompetenz des Rabbinatsgerichtes. Voraussetzung jedoch ist, daß das Testament in der vom mosaisch-rabbinischen Recht vorgeschri. denen Form errichtet, d. h. vor allem von zwei Rabbinern als Testamentszengen unterfertigt wurde. In Jntestat-Erbfällen ist nach der rechtlichen Theorie das ottomanische Recht maßgebend und sind die Scheriatgerichte zuständig. Doch lassen in der Praxis die Juden ihre Erbschaftssachen immer nach mosaischem Rechte ordnen. Da die Anwendung der oben erwähnten Organisation sich jedoch auf die Hauptstat Konstantinopel beschränkt, war man in der Provinz auf die Herbeiführung eigener Regelung der Verhältnisse angewiesen. In Salonik, wo die große Zahl der jüdischen Einwohner dies besonders dringend erheischte, sind in Nachbildung der beschriebenen Einrichtungen folgende hierarchische Instanzen geschaffen worden. An der Spitze steht ein Oberrabbiner, der aber dem Ghacham baschi zu Konstantinopel untergeordnet ist und als besten Vertreter angesehen werden kann. Der Ober-Rabbiner ernennt vier Rabbiner, welche den geistlichen Konseil bilden und die vorkommenden Fälle des Familien- und Erbrechtes entscheiden. Daneben besteht ein Laienkonseil von neuen Mitgliedern ander Zahl der türkischen Rayahs, welchem die Leitung der weltlichen Beziehungen zur Landesobrigkeit, also namentlich der Steuer-, sowie aller Kastensachen der Rayakörperschaft zusteht. Die Mitglieder des Laienkonseils werden gewählt durch eine Versammlung von siebenzig Notablen, deren Wahl selbst wieder aus einer Abstimmung sämtlicher Steuerzahler hervorgeht. Mit Rücksicht auf die zahlreichen jüdischen Einwohner nichttürkischer Staatsangehörigkeit ist ferner noch ein Gemeindekonseil von zwölf Mitgliedern ohne Unterschied der Untertanenschaft ins Leben gerufen worden, der ebenfalls aus der allgemeinen Abstimmung der für die Gemeinde Beträge steuernden Israeliten hervorgeht. Obwohl derselbe den Landesbehörden gegenüber keinen offiziellen Charakter besitzt, ist er doch mit der Verwaltung der Gemeindeangelegenheit betraut, namentlich beaufsichtigt er dir Tätigkeit des Laienkonseils, sowie im allgemeinen alle jüdischen frommen Stiftungen, Schulen und Hospitäler. Die in der Mitte des achten Jahrhundertes in Babylonien gegründete jüdische Sekte der Karaiten, welche den Talmud verwerfen und nur den Buchstaben des Pentateuches anerkennen, genoß einst eine besondere Gemeindeverfassung, verschwand aber später größtenteils aus der Türkei. Erst in neuester Zeit zeigen sich ihre Anhänger in Konstantinopel wieder rühriger. Nachdem Sultan Abdul Medschid 1840 ihrem Oberhaupt die Erlaubnis zur Anfertigung eines besonderen amtlichen Siegels erteilt hatte, erkannte eine Jrade Sultan Abdul Hamids vom 12. August 1316 — 25. August 1900 ihr Oberhaupt als selbständiges Osctiemaat baschi für Konstantinopel und die Provinzen ausdrücklich an und räumte ihm die gleiche Stellung wie den übrigen ruesai ruhanie ein; die Führung des amtlichen Siegels zu VerwaltungSangelegenheilen, sowie zur Beurkundung von Sachen des Familien- und Statusrechtes wurde ihm dabei besonders bestätigt. seinen Kenntnissen der politischen Oekonomie zu prahlen liebte und mit Zitaten von Kautsch zu sprechen pflegte, die Gymnasiastin Fnnja Klerman, eine enragierte Anhängerin von Gorkji, Andrejew und von allem Fortschritt. Alte übrigen stellten nichts Hervorragendes vor. Es waren hier auch solche, welche gar keinem dieser Lager angehörten, wie z. B. Maser Sterman, welcher es liebte, Reden zu halten, übrigens aber ein guter Kerl war. Diese ganze Gesellschaft pflegte bis tief in die Nacht hinein zu streiten. Das Hauptthenra der Meinungsverschiedenheiten war beinahe immer der »Nationalismus". Hier entbrannten die Leidenschaften, die Gegner erhitzten sich, sie wurden aggressiv. Knperstein stritt sehr oft mit Klara. Er wollte ihre Phantastereien zerstören und sie bewegen, seiner Partei sich anzuschließen. Doch es wollte ihm durch keinen seiner weisen Beweggründe gelingen. Sie verstand seine Liebe zum Judentum, welches nach ihrer Meinung auf der Welt nichts mehr zu suchen harte, und zur jüdischen Sprache, welche „noch älter als das Griechische sei", nicht. — „Mögen Tote Tote begraben!" pflegte sie zu sagen und bemühte sich, ihn zu überzeugen. seinen reaktionärerr Hirngespinsten zu entsagen und sich mit der Verwirklichung ihres Ideals, welches allen Freiheit uild Glück versprach, zu befassen. Sie sprachen verschiedene Sprachen — sie verstanden einander rricht und konnten einander nicht verstehen .... * * * * Doch sie hatten eine gemeirrsame, ihnen beiden gleich verständliche Sprache, die Sprache der Natirr — das Gefühl. Hier verstanden sie einander. In ihre Beziehungen drang immer mehr, trotz der wiederholten Streitigkeiten, etwas, das ihre Herzen heftiger schlagen machte. O Jugend I .... Es war in einer klaren, mondhellen Winternacht. Sie gingen in vage süße Träume versunken; der Schnee krachte unter ihren Füßen. Das lachende Licht, der Sternenhimmel, die Nacht — alles tvar so schön, so lieb. In der Seele lvar es so wohlig, bis zu Tränen, bis zum Entzücken. Ihre Nähe berauschte ihn, erfüllte ihn mit einem neuen, rätselhaften Gefühle. Er wollte aufschreien, singen, durch irgend etlvas sein Elttzückeu, sein Glück ansdrücken. Er blickte ihr in die Augen. In ihnen erglänzte etwas, das ihm Glück verhieß. Er faßte ihre Hand und begann sie leidenschaftlich mit In den größeren Städten und namentlich in Salonik lebt ferner, ebenfalls in eigener Organisation, eine kleinere Anzahl von Nachkommen spanischer Juden, welche von den Türken 0önm68 oder Neamins (Konvertiten) genannt werde». Sie bekennen zwar äußerlich den Islam, gehen jedoch mit den übrigen Mohammedanern keine Ehen ein und huldigen, nach glaubwürdigen Mitteilungen, im Geheimen ihrem besonderen Kultus. Sie dürfen daher ebensowenig den Mohammedanern als den rechtgläubigen Juden zngezählt werden. Bei ihrer äitgstlicheu Vermeidung alles dessen, was den wahren Charakter ihres Glaubens verraten würde, ist es schwer, denselben zu erkennen. Vielleicht wirft ihre innere Uneinigkeit ein Licht darauf. Da sie nämlich in drei Sekten zerfallen (die sogenannten Berberis, Traschis und Terpuschis), welche sich gegenseitig in gleichem Maße verabscheuen und verfolgen, wie sie die orthodoxen Juden verketzern und von diesen verketzert werden, ist wohl anzunehmen, daß die vönmes von solchen Juden abstammeu, für die sich die israelitische Mestiasidee in ihren verschiedenen Sektenstiftern verwirklicht hat. In der Tat knüpft sich die Entstehung der größten der drei vomne-Gemeinden an die Person des Sabathai Zevi, welcher im Jahre 1666 als Messias auftrat, später aber dem ihm drohenden Tode durch den Pfahl entging, indem er den Islam annahm. Erwähnt seien ferner die Samaritaner (arabisch sarrure), der letzte, dem Aussterben nahe Ueberrest der Samariter der Bibel, in Nabulus (Sichern). In den alten mohammedanischen Scheriatbüchern werden sie, neben den Christen und Juden, ausdrücklich als Kitabis (Völker mit einer geschriebenen Offenbarung) anerkannt, weshalb ihnen der Schutz der Zimmis zugesprochen wird. Nach altem Herkommen werden sie von der türkischen Regierung geduldet; ihre Vorsteher wurden wohl nie durch besonderen Akt anerkannt. Schließlich sei noch beigefügt, daß im Koran unter den Kitabis die religiöse Gemeinschaft der Sabier aufgeführt wird. Unter diesem Namen finden die in der Zahl von einigen tausend Mitgliedern verschiedene Ortschaften Südbabyloniens bewohnenden und einen korrumpierten chaldäisch-aramäischen Dialekt sprechenden Mandäer oder Sobbas bis auf den heutigen Tag der Duldung der türkischen Regierung. Da in ihrem Ritus die Taufe eine hervorragende Rolle spielt, glaubten die katholischen Missionäre des 17. Jahrhunderts, in ihnen die aus der altchristlichen Kirchengeschichte bekannten Johannes-Christen oder Hemerobaptisten wiedergefunden zu haben. Ihr Glaube ist aber ein so wunderbares Gemisch von altbabylonischem Gestirndienst, Parsismus, Manichäismus und jüdisch-christlicher Gnosis mit direkt juden- und christenfeindlicher Tendenz, daß diese Identifizierung als ein Irrtum betrachtet werden muß. Der Parlamentär. Budapester Brief. (Die Angelegenheit der jüdischen Trafikanten in Ungarn.) Wir haben wiederholt über die einzelnen Stadien der Angelegenheit der jüdischen Trafikanten in Ungarn berichtet. Bekanntlich hat Finanzmrnister L u k a c s noch unter der Regierung Szells eine Verordnung erlassen, durch welche der strenggläubige Jude vor die Alternative gestellt wurde, entweder den durch ihn stets streng gehaltenen Sabbat und die anderen jüdischen Feiertage zu entheiligen oder den Ruin seines Geschäftes herbeizuführen. Die Verordnung, welche ausschließlich an die Adresse der „Trafikbesitzer mosaischer Konfession" gerichtet war, verursachte damals große Konsternation im Lager der orthodoxen Inden Ungarns und nicht geringe Ueberraschung in christlichen liberalen Küssen zu bedecken. Sie lachte leise und freudig auf und sank an seine Brust. Mit zitternden Händen streichelte er ihren Kopf. Dann gingen sie lange, langsam, nachlässig. Sie sprachen kein Wort. Sie wollten ihren Festtag durch alltägliche Worte nickst entweihen. Das war ihr erster Frühling gewesen! Doch er war in seiner ganzen Schönheit bloß an ihnen vorbeigehnscht, duftend, herrlich, bezaubernd, mib war wieder verschwunden bei dem bloßen Hauche des erbarmungslosen, unerbittlichen Lebens, wie ein Phantasiegebildc, wie ein Traumgewebe. Lange Zeit vermieden sie, einander zu begegnen. Sie verstanden und sie fühlten, daß das erste Gespräch ihren Traum zertrümmern, ihren süßen Taumel zerstreuen würde. Ihre Ahnung ging in Erfüllung . . . Sie stritten lange, hartnäckig, ohne einander zu verstehen. Bon Zeit zu Zeit blitzten in ihren Augen boshafte Funken auf. Mit Wehmut tm Herzen mußten sie einsehen, daß die Kluft zwischen ihnen immer größer uiiib größer wurde. Sie Ivaren zu rein, um auf ein Koinproliriß eiiigeheu zu können. * * Er ging, und ein schwerer Gedanke durchbohrte sein Gehirn. Würde sie ihn wirklich niemals verstehen? Würde sie wirklich den ganzen Reichtum ihrer Seele, ihre Energie anderen, ihr fremden Menschen, einer anderen, fremden Idee hingeben? Sein Herz preßte sich vor Bitternis und Schmerz zusammen, um sie und um alle jungen Kräfte, welche die eigene, angestammte, heilige Sache verlassen, zu den andern. Fremden gehen und fruchtlos, ziellos arbeiten . . . lind er hätte in diesem Augenblicke laut aus allen Kräften ansrufen mögen: „Haltet ein! Warum gehet ihr fort, ivarmn verlaßt ihr euer leidendes, gequältes Volk?" Er wandte sich um und bohrte feine Augen gierig in die Finsternis, als hätte er btefeut dichten, schwarzen Dunkel die Seele der für ihn verlorenen Klara entreißen wollen. Ringsum tvar es finster. Die Schneeflocken legten sich sachte auf de» schlvarzen, klebrigen Kot. Der W'ind rasselte böse mit den Fensterläden. Die Straßenlaterne an der Ecke flackerte mit traurigem, gelbem, ersterbendem Lichte und erlosch .... ' Kreisen. Die einzelnen orthodoxen Fraktionen nahmen die An-! gelegenheit in die Hand, eine Landeskonferenz wurde einberufen, es wurden an den Finanzministnr verschiedentlich« mündliche und schriftliche Vorstellungen gemacht, aber man kam über platonische Versprechungen nicht hinaus, welche es jedoch nicht hinderten, daß die Finanzbehörden die ministerielle Verordnung mit aller Strenge handhabten und denjenigen Juden, welche nach altem, eingebürgerten Usus, am Sabbat eine Trafikverschleißerin bestellten, die Trafiklizenz entzogen. Da in den Dörfern die Trafik eigentlich nur einen Adnex zu irgendeinem anderen Geschäfte bildet, so litt durch den Verlust der Trafik das Hauptgeschäft selbst, und die in die großen Städte oder gar über die Landesgrenze strömenden, ruinierten jüdischen Existenzen nahmen immer mehr an Zahl zu. Inmitten der Aktion der strenggläubigen Inden gegen diese Einschränkung der Religionsfreiheit brach die große Krise über das Land herein, und die Aktion kam ins Stocken, aber nicht die Durchführung der L u k a c s 's ch e n Beordnung. Große Hoffnungen wurden an den Regierungsantritt des Grafen Stefan v. T i s z a geknüpft. Die Aktion der Juden setzte vom neuen ein, und auch die orthodoxe Dnrchführungskanzlei, welche als Vertreterin der Interessen der orthodoxen Juden Ungarns anerkannt ist, nahm sich der Angelegenheit mit größerer Energie, als dies ursprünglich der Fall war, an, und so kam jene neue Verordnung des auch der jetzigen ungarischen Regierung angehörenden Finauzministers Lukacs zustande, welche jetzt die orthodoxen Kreise Ungarns so lebhaft beschäftigt. Wir wollen hier zunächst den famosen Zirkular-Erlaß und das im Anschlüsse an denselben, an die Durchführungskanzlei gerichtete Schreiben in deutscher Uebersetznng wiedergeben: Der Erlaß lautet: „Vom köil. ung. Finanzministerium. Zahl 8253. Zirkularerlaß an sämtliche kön. urig. Finanzdirektionen und auch an diejenige von Agram, in Angelegenheit der Offenhaltung der Geschäftslokalitäten der Trafikverschleißer israelitischer Religion. Der Vollstreckung meiner in Angelegenheit des Offenhaltens der Geschüftslokalitäten seitens der Trafikanten am 22. September 1902 unter Zahl 42732 erlassene und im „Penzugyi Közlöny" Nr. 24 des Jahrganges 1002 veröffentlichten Verordnung werden seitens eines Teiles der Trafikanten israelitischer Religion fortwährcnd vom glaubensgrundsätzlichen Standpunkte Hindernisse entgegengestellt. Diese Umstände in Betracht ziehend und in Würdigung dessen, daß jene Trafikanten, welche vor Herausgabe der zitierten Verordnung die Lizenz erworben haben, mit den Erfordernissen der neuen Verfügungen noch nicht rechnen konnten, habe ich beschlossen, bezüglich eines Teiles der israelitischen Trafikanten von der rückwirkenden Kraft dieser Zirkularverordnung abzusehen. Demgenläß gestatte ich ausnahms- und übergangsweise, ohne indessen dadurch die . zitierte sowie meine in dieser Angelegenheit am 3. April 1903 unter Zahl 29210 erlassene Zirkularverordnung außer Kraft zu setzen, daß alle jene Trafikanten israelitischen Glaubens, welche vor dem Inkrafttreten der erstzitierten Zirkularverordmmg oder vor dem 1. Oktober 1902 die Lizenz erworben haben und in der Anwendung der neuen Ordnung vom Standpunkte ihrer orthodoxen Glaubensvorschriften einen Gewissenszwang und ein Hindernis zur freien Ausübung ihrer Religion erblicken, den Tabakverschleiß am Samstag und an den übrigen Feiertagen ihrer Religion von nun an laut den alten Verfügungen ansüben können. Zugleich hebe ich hervor, daß die Konzession sich nicht auf jene Trafikanten bezieht, welche nach dem 1. Oktober 1902 die Lizenz erworben haben. Diesen gegenüber erwarte ich also die energische Kontrolle des pünktlichen Einhaltens der bestehenden Vorschriften und beauftrage strenge die Finanzdircktion vom Empfange dieser meiner gegenwärtigen Verordnung an nur solchen Bittstellern israelitischer Konfession die Trafikverschleißlizenz auszufolgen, welche zur Einhaltung der bezüglichen Vorschriften vorher die schriftliche Verpflichtung übernehmen, welche Erklärung, wenn sie im Gesuche selbst nicht enthalten, am zweckmäßigsten auf der Lokalbeschreibung anzubringen ist." Eine jüdische Kolonie in China. Es dürfte allen denen, die sich mit den Religlonsverhältnissen des chinesischen Volkes beschäftigen, bekannt sein, daß es mitten in China, in der Harrptstadt der Provinz Honan, K'ai-feng-fu, seit vielen, vielen hundert Jahren eine Kolonie voll Inden gibt; aber bisher wußte man verhältnismäßig recht wenig über die Schicksale dieser Juden. Der letzte, der sich eingehender mit ihnen beschäftigte, dürfte der bekannte amerikanische Missionar D. Martin, Präsident der Universität in Peking, sein, der sie 1866 besucht und über seine Erlebnisse anschaulich berichtet hat. Die Juden in K'ai-feng-fu haben einst zu Tausenden gezählt; jetzt sind ihrer nur iwch wenige. 'Sie sind vollständig verarmt und führen ein kümmerliches Dasein. Bon ihrer Synagoge ist kein Stein mehr vorhanden. Mit eigener Hand haben sie ihr heiliges und schönes Gotteshaus zerstört, da sie kein Geld hatten, es wieder aufzubauen, als es im Laufe der Zeit zu zerfallen begann. Ihre heilige Sprache kenneil sie »licht mehr; aber ihr Gesicht hat den charakteristischen Ausdruck ihrer Rasse behalten. Sie sind, tote D. Martin sagt, während ihres langen Aufenthaltes in China, wie ein Block geblieben, ein Block, gerissen vom Berge Zion durch eine große Katastrophe und geworfen mitten in China hinein, und dieser Block hat dort gestanden, während die Jahrhunderte dahinrollten, ehrwürdig drlrch sein Alter, ergaben in seiner Verlassenheit. Ueber diese jüdische Kolonie in China ist jetzt neue .Mrnde zu uns gedrmlgen. Wir verdanken sie vornehmlich dern Bericht eines Herrn R. Polvell in K'ai-feng-fu, den dieser einer Anzahl jüdischer Herren in Shanghai geliefert hat. Jl, der Märznnmmer des Organs der China-Jnland-Mission, „Chinas MilUons", werden zusammen mit diesem Bericht des Herrn R. Polvell alle Daten veröffentlicht, die wir über die Judenkolonie in K'ai-feng-fu haben. Wir geben diesen interessanten Artikel in folgendem in zum Teil freier Bearbeitung wieder. Wie unsere Leser ans den Schlußsätzen ersehen werden, scheint sich jetzt eine neue Hoffnung für diese Juden 3» eröffnen. Das Vorhandensein einer Jndenkolonie in China wurde der Welt zuerst bekannt zur Zeit der .Königin Elisabeth lind zwar durch eine Zahl römisch-katholischer Missionare. Pater Ricci, einer dieser Missionare, Ivnrde während seines Aufenthaltes in Peking von einem chinesischen Studenten besucht, der nach der Hauptstadt gekommen tvar. um sein Examen für eitlen Regiernngsposten zll bestehen. Der Kandidat tvüllschte dringend die Bekanntschaft eilies Ma»mes zu machen, der, wie er wähnte, ein Glaubensgenosse von ihm wäre; denn es lvar ihm gesagt lvordeti» daß Ricci nur eineil Gott, den Herrn des Himmels und der Erde verehre, ohile Mohammedaner zu fein. Ricci war betroffen durch die Gesichtszüge seines Besuchers, die von benen der gewöhnlichen Chinesen so verschieden lvaren und »mhm ihn mit in seine Betkalniner, tvo ec vor dem Bilde der heiligen Familie

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