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Jüdisches Volksblatt · 1904-02-05 · 6 (5.2.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
6 (5.2.1904)
Date
1904-02-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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I Seite $ Wien, Freitag Jüdische« Yolksblatt. 5. Februar 1904 Nr. 6 -stzrM un asq : usqziahpjsS Zun qaia, öanqKLsrsK K«iz rrewer Prozeß oft genannte Bürgermeister Schmidt, der so rückhaltlos und entschieden sich gegen die Exzesse und ihre Urheber ausgesprochen hatte, von seinem Amte zurückgetreten war, beschloß die Kischenewer Gemeinde, in Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste ihm zu Ehren eine Reihe von Festlichkeiten zu veranstalten. Der gewesene Vizegouverneur Ustrugow erblickte in diesem Beschlüsse eine Protestkundgebung gegen die Lokalbehörde und legte >er Durchführung der Festlichkeiten große Hindernisse in den Weg. Der Gemeinderat rekurrierte an das Ministerium des Innern in Petersburg, welches das umfassende Programm in seiner Gänze bestätigte. — Vor wenigen Tagen wurde der jüdische Untersuchungsrichter Teitcl in Samara nach fünfundzwanzigjähriger Dienstzeit -um Landesgerichtsrate in Saratow ernannt. Der Fall erregt deshalb Aufsehen, weil bisher die ohnedies in sehr geringer Zahl angestellten jüdischen Richter nicht zu Räten avancierten. Die Juden in Petersburg. Von dm 19 229 in Pe-tersbrrrg lebenden Juden beschäftigen sich 4748 mit dem Schneiderhandwerk oder dem Verkauf fertiger Kleidungsfiiücke, 11 125 arbeiten in Typographien und Lithographien und 1665 bearbeiten Steine und Metalle. Eine nicht geringe Rolle spielen die Inder: itn geistigen Loben der Residenz: 380 sind Aerzte, 190 Dentisten, 268 Apotheker, 208 Advokaten, 423 haben sich der Wissenschaft, Kunst oder Literatur gewidmet, 268 Juden dienen in der Armee und in der Flotte und 3 stehen im Pöllizeidienst. Der 7. internationale Kongreß für allgemeine Rcligionsgeschichtc wird vom 30. August bis 2. September in B a s e l tagen. Gleich dem Pariser Kongreß vom September 1900 während der Weltausstellung und dem Stockholmer Kongreß vom Jahre 1897 soll auch der Baseler Kongreß einen durchaus wissenschaftlichen Charakter tragen und der rein historischen Erforschung der Religionen dienen, und zwar unter grundsätzlichem Ausschluß aller konfessionellen Polemik. Ter Gouverneur von Beffarabien, Fürst S. D. Urussow ist in Petersburg eingetrofsen, um an den im Ministerium des Innern beginnenden Konferenzen über eine Erweiterung der Wohnrechte der Juden außerhalb des Ansiedlungsrayons und der eventuellen Erweiterung dieses Ravons selbst teilzunehmen. Wie verlautet, vertritt der Gouverneur von Kischenew den Standpunkt, daß der Ansiedlungsvayon der Juden entschieden zu erweitern ist, um die Spannung in den Beziehungen zwischen Christen und Juden zu mildern, weil dieselbe ökonomischen Ursachen entspringt. Die Dichtigkeit der Bevölkerung spannt den Kampf ums Dasein aufs äußerste an und es ist daher nichts Sonderbares, daß der Starke in diesem Kampfe um das tägliche Brot den Schwachen niederzutreten sucht. Fürst Urussow beabsichtigt, in dieser Hinsicht an die Humanität des Ministers des Innern zu appellieren und darauf zu dringen, daß den Juden ausgedehntere Wohnrechte gewährt werden. Die russischen Juden. Daß die Geschichte eine sehr schlechte Lehrmeisterm ist, ist eine altbekannte Tatsache, aber sie tritt uns immer aufs Neue vor Augen, wenn wir mit Verwunderung sehen, wie wenig die Völker und die Menschen aus den Erfahrungen früherer Geschlechter zu lernen geneigt sind. Das Verhalts der russischen Juden in der Krisis, die jetzt über' sie mit Sturmgewalt herein gebrochen, zeigt uns diese alte Wahrheit leider in neuem Gewände. Wäre die Geschichte eine bessere Lehrmeisterin, dann konnten ja, wie Ludwig Börne treffend sagt, die Völker Doktoren sein, während sie jetzt leider noch immer in der Masse der Quartaner sitzen müssen. Aber das, was die russischen Juden irr diesem Falle von ihren deutschen Glaubensbri'ldern lernen könnten, sind, streng genommen, noch nicht einmal geschichtliche Erfahrungen. Sie haben ja die Periode des Antisemitismus jüngst schaudernd miterleüt; sie haben ja gesehen an Kischenew und Homel, welche Verwüstungen diese Pest! angerichtet hat; sie haben gewiß über manche Schäden den Kopf geschüttelt, die sich bei diesem Anlaß innerhalb der russischen Judenheil zeigten. Allgemein ist jetzt hier die Mutlosigkeit, die Angst, die Bedenklichkeit, die traurige Ratlosigkeit. Niernand weiß, was angesichts der großen Erregung zu tun ist. Die Christen treten immer mehr aus und schleudern gegen die Inden heftige Anklagen und die Juden haben doch feine „Achidus". Es ist also heftig zu tadeln, daß die russischen reichen Juden für ihre unglücklichen Glaubensbrüder nicht den geringsten Eifer an den Tag legen. Es befindet sich mehr als ein Millionär, der vielleicht keine hundert Rubel gäbe, wenn mau zu ihm käme mit einer Kollekte zur Rettung seines ' ganzen Stammes. Nicht weniger betrübsam ist es also heute nach so vielen Unglückstagen, solche Hartherzigkeit zu sehen. Und nicht werriger notlvendig erscheint es, unter solchen Ver-, hältniss'Ln an diejenigen unserer Glaubensgenossen in Ruß-1 larrd, an die großen und edlen Männer des russischen Israel die Mahnung zu richten, daß -sie angesichts der drohenden Gefahr zu „Achdus" greifen. Würden' sie dabei Rücksicht und Umsicht ail den Tag legen, die sich wie bei Geld und Gut bewähren, so wäre dies die sicherste Bürgschaft,^ daß der Jammer nicht weiter bestehen kann. Warum sollen wir immerwährend an unsere gutherzigen Brüder in Deutschland und Oesterreich appellieren, wir haben hier in Rußland viele Millionäre, bereits in jeder Stadt, die^Mizwos Zizis, Mizwos Tesillin uird Mizwos Mesusos erfüllen, aber dem armen Bruder helfen sie nicht, verweisen ihn cm Deutschland, Amerika usw. Ich glaube, die hiesigen jüdi-1 scheu hartherzigen Millionäre fälschen auch die genanntm Mizwos wie eine falsche Hundert .Rubel-Note, nur liegt der Unterschied darin, daß eine gutgefälschte Hundert Rubel- Note Betrüger und Betrogene eine Jeitlang als echte kursieren lassen können, aber vor Gottes unbestechlichem Richterblick hält die Täuschung, welche mit gefälschten Mip wos geübt wird, auch nicht einen Augenblick vor. Möchten unsere Glaubensgenossen in Rußland meine Worte beherzigen! Braun. Reise-Utensilien für eine mittelalterliche Fahrt nach Jerusalem. .In dem Archiv für Kulturgeschichte I, 100:11 veröffentlicht Dr. Ulrich Schrnid ans einem Kodex des I Jahrhunderts in der Oettingeii-Walleustein'scheu Bibliothek >,u Mai hingen Notigen für eine Reise nach Jerusalem, die ein anschauliches Bild von der Umständlichkeit ci.v. j solchen UnUrnehinens in jener Zeit zu gebm per wögen. Auch das umfangreichste Gepäck, mit dem heute eine zahlreiche Familie in die Sommerfrische zieht, bedeutet nichts gegen den Ballast, mit dem sich der mittelalterliche Reisende auf einer solchen Fahrt versehen mußte, tvenn er nicht unterwegs den schtversten Entbehrungen ausgesetzt sein wollte. Als Ausgangspunkt der Fahrt ist Venedig gedacht, dort also hatte sich der Reisende zunächst für die Weiterfahrt gründlich auszustaffieren. Von Venedig weiter wird folgende Reiseroute vorgeschrieben: Zara an der dalmatinischen Mste, Curzola, Ragusa, Korfu', Methoni, Kandia auf Kreta, Rhodus, Cypern — als Ort auf dieser Insel wird Salim angegeben (Salamis, Constantia, Hagios Sergios) —, Jaffa. Von hier geht es zu Lande über Ramleh, die übliche Station der Jerusalempilger -7in unserem Kodex „rome" (Romule) genannt — nach Jerusalem. In Venedig, dem Ausgangspunkt der Seereise für den mis Deutschland kommenden Pilger, lag also diesem, wie gesagt, zunächst als Hauptaufgabe ob, sich mit allem Notwendigen für die Weitcrfahrt auszurüsten. Sehen wir uns diese Utensilien nach den Vorschriften des obengenannten Kodex nunmehr genauer an: Zunächst gilt es, für den Magen zu sorgen und auch der Reiseapotheke nicht zu vergessen.^ Es wird also anzuschaffeu vorgeschricben: „Ingwer, der als magenstärkendes Mittel angewendet wurde, „triet", mit Wein getränkte und mit Gewürz, Zimmt und Zucker bestreute Weißbrotscheiben, Kandiszucker, Konfekt, weiter Zuckerrohr, Zucker, Weinbör (wohl Weingelee), Mandeln, „gagen", „zugade", beides wohl Gewürze, Muskatnuß, gestoßener Pfeffer, gestoßener Ingwer, Saffran, „carnesistela", vermutlich ein Heilmittel aus Feldkümmel, Zimmt, Theriak, das berühmte Universalmittel des Mittelalters, außerdem geweihte Brote, Reis, Käse, Zwieback- Nunmehr wird zu der übrigen Ausrüstung des Reisenden übcrgcgangen. Man höre, loas hier alles angeordnet wird: ein bequemer Stuhl, zwei Hemden —. gerade in diesem Artikel dürfte die Ausstattung für moderne Begriffe etwas dürftig erscheinen, Wasser war jedoch reichlich vorhanden, um überall eine Wäsche vornehmen zu können —; weiter zwei Näpfe, ein Wasserfäßlein, eine Truhe „also breit eure statt im schiff ist", eine Weinflasche, Teller und Löffel, Schüsseln, Tischtuch und Handtücher, ein Pokal, zwei Fläschchen, zwei große Flaschen, eine Schaulc, 'd. h. ein langes, weites, bis auf die Füße gehendes Oberkleid, ein Bett mit Zubehör, ein Kessel mit Deckel. Zum Schluß werden wieder noch Medikamente angepriesen, die also offenbar für die Reise eine sehr gekvichtige Rolle gespielt haben. Es werden da angeraten verschiedene Arten eines „pie troli" genannten Oeles, nämlich für das Fieber, für die Pestilenz, für das Haupt, für die rote Ruhr, schließlich wird auch das Pflaster für etwaige Wunden nicht vergessen. Die Vorräte und Utensilien des also in Venedig Ausgestatteten bedurften unterwegs jedoch immer wieder der Ergänzung und Vervollständigung, deshalb wird auch bei den Orten der weiteren Reiseroute überall angegeben, für Besorgungen welcher Art sie für den Touristen besonders zu empfehlen seien. Von Zara heißt es 3. B., daß man dort guten Palmwein finde, von Curzola sogar: „da fint man auch, wöß man bedarf". Aehulich heißt es bei Ragusa und Corfu. Von Methoni wird angemcrkt, daß man dort "cammer und all uoidurfft" finde. Kandia auf Kreta wird sein Malvasier besonders nachgerühmt, im übrigen heißt es von ihm, wie von Rhodus und Cypern, daß man alle Bedürfnisse befriedigen könne. Für Constantia auf Cypern ■ wird noch allerlei Konfekt besonders namhaft gemacht. Von Remleh ivie von Jerusalem heißt es endlich : „da findt man auch ze kauffen, iras man will." Für Jerusalem wird dann noch bemerkt, daß man sich dort auch „in Kost verdingen", also in Pension begeben könne, um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen. Mit: „Item darnach ffrt inan den menschen an 'all hailig stött", schließt dieser Ausschnitt eines mittelalterlichen Bädekers seine Bemerkungen über Jerusalem. Man wird jedenfalls aus dem Vorstehenden entnehmen können, daß es der Reisende von heute', wenn er sich mit „Stangen" oder einer beliebigen anderen Reisegesellschaft auf die jetzt wieder so beliebte Fahrt durch das Mittelmeer begibt, wesentlich bequemer hat, als es seinem mittelalterlichen Vorgänger beschieden war. Wenn ein Politiker unpolitisch handelt. Im Parlament von T r a n s v a a>1 gab's jüngst eine Judendebcite, die durch das unpolitische Vorgehen eines Juden 'hrirvorgeru-fen, wurde. Das jüdische Parlamentsmitglied Herr Salam-oin hat, wie ein Johannesburger.Korrespondent des „F r e u 11 d" meldet, auf Wunsch seiner Wähler den Antrag eiugebracht, wonach in Zukunft den „Fardigim" das Reisen mit „Weißen" in einem Eisenbahnwagen verboten werde. Hierzu ergriff das junge Parlameutsiniiglied Dr'. Ter n e r das Wort, um gegen. den Antrag Stellung zu nehmen nutz führte unter anderem aus: „Dev Rassenhaß ist bereits ein altes Nebel. So sehen wir z. B. in Rumänien und Galizien den Jndeuhaß in seiner stärksten Macht. Dort geht der Judenhaß so weit, daß er in Mord, Raub usw. zum Ausdruck kommt. In Frankreich trat der Judenhaß in Form des Dreysns-Prozesscs zutage. Bei uns besteht vorläufig nur der Haß gegen die „Schwarzen" und ich bin fest überzeugt, daß auch der Haß gegen die Inden nicht lange wird ans sich lvarten lassen. Um dies zu verhüten, wäre es vernünftiger, den „Farbigen" schon heute die Gleichberechtigung mit den anderen B ü r g e r n Z uz u s i ch e r n." Herr S a l a m 0 n hat wohl schlagfertig geantwortet und betont, daß er auf sein Judentum, stolz sei, er konnte es jedoch nicht mehr verhindern, daß sich eine regelrechte Judendebatto entspinne, und! daß die Blätter sich der Judenfrage bemächtigten, wobei es unter der Maske der Wohlmcinling auch die verfchiiedenften Anwürfe gegen das Judentum lind die Indengab. Herr Salainon hißte als guter Politiker, für welchen er in Transvaal gilt, dies voraussehen müssen. Und wenn er wirklich stolz ans Tein Judentum und sich dessenauch tatsächlich bewußt ist, so hätte er doch wissen müssen, daß dem Inden, s 0 ln i e sein e R e l i g i 0 n, als a u ch s e i n e g a n z e n a t i 011 a l e G c s ch i ch t e d i c II n t e r d r i) ck u n g 0 d e r M i n d e v b e w e r t u n g e i n c s a n d e r e n Volk e s a n s d r ii ck l i chv e r b i e t e t, und daß dieses Verbot schon in dev Bibel mit den Worten begleitet wird: „Denke daran, daß auch dn ein Fremdling warst in Aegypten!" Die deutschen Ausgrabungen' bei Mc'giddo in der Ebene Jesreel, die der deutsche Palästinaverein vernehmen läßt, hatten nennenswerte Cipebnisse. Nachdem der Wiener Professor Sellin reiche Anshente un Schntthügel von Taannk, der alten biblischen kanaanischei' Festung Thaanach, gesunden hasie, gelang es dem in Haifa ansässigen Jng-niienr Dr. Tchnhmacher und dem Archäologen Dr. Ben.singer, im Frühling und im Herbst 100:1 in dem benachbarten Hiiael Dell el Mntesellim eine uralte Festung aufzudeclen. Nicht tvenrger als IO Meter tief unter der Oberfläw.' stießen sie auf eine alte, bvrisraeliiisehe Mauer ans grvße», ungebrannten Lehmziegeln. Cs ist kein Zweifel mehr, daß hiermit die alle Festung Megiddo 111 d-äc ist. Al-er die Arbeit an dem riesigen Schntthägel, der noch Haber ist, als der des alten Trosn. ist nach langnicht vollendet. Blaßgeleat ist die uralie Stadrmaner in einer Höhe von i> Metern, ein Vorwerk, das in vier verstbiedenen Perioden emgebant worden war. und vor allem das alte Heiligtum chO. ein vorzüglich erhaltener Altar mit Brustwehr und Steinsanlen. Dazu kommen kleinere Funde in Menge. Man darf Uk ou Vollendung der Ausgrabungen, zu denen auch der Kaiser 26 000 Mark bewilligte, und auf ihre Ergebnisse für die altorientalische Geschichte gespannt sein. — Ende Oktober v. I. hatte Professor Dr. Dagobert Schönfeld aus Jena eine Forschungsreise von. Kairo nach der Smaihalbinsel angetreten; er wollte zunächst das Slnalgcblrge durchforschen und dann nordwärts über Petra und Kades-Barnea nach Hebron ziehen, wobei er versuchen wollte, die Wanderung der Israeliten und ihre Lagerplätze festzustellen. Wie Mitgctcilt wird, hat Professor Schönfeld diese Reise mit Ablauf des vorigen Jahres beendet. Er hat mit seiner Karawane auf einem Ritt von 1100 Kilometern das peträische Arabien von Suez über das Kcitharkloster nach Jerusalem durchzogen. Arabische Diener. Zelte und gestillte Proviantkisten brachte er aus Kairo mit, und auf dem asiatischen Ufer des Kanals ergänzte er seine Karawane durch Anwerbung eines Beduinenschcichs mit sechs Leuten und diirch jieben Lastkameelc. Seine Forschungen über die Frage des Serbal-Sud-Horeb und über die historische Bedeutung des alten Kades-Barnea, des heutigen Ain-Gadcs, versprechen manches Neue. Die Stimmung im Innern der Halbinsel den Europäern gegenüber war nicht freundlich, doch kam Professor Schönfeld ungefährdet durch. Die Reise in den Gebirgen war allerdings sehr beschwerlich, doch hatte er günstiges Wetter. Die Preise für Transportinittel waren im peträischen Arabien sehr hoch, höher als im ägyptischen Sudan. Kreuz und quer durch Palästina. Am gestrigen Vortragsabend der Deutschen Orientgesellschäft im Thcatersaal der königlichen Hochschule für Musik berichtete Dr. Hölscher aus Leipzig über seine mit Dr. Thicrsch aus München im Sommer des vorigen Jahres unternommene Forschungsreise durch Palästina. Dr. Thicrsch hatte, wie berichtet, de,, vorigen Abend der Deutschen Orientgesellschaft mit seinem Referat über diese interessanten Streifzüge durch das an Gegensätze so außerordentlich reiche Land der alten Israeliten ausgesüllt und nun unternahm es sein Reisegefährte, den Bericht über diese Forschungsreise von neuen Gesichtspunkten unter Zuhilfenahme von sehr auschaulicheu Lichtbildern zu erweitern und zu ergänzen. Der Vortragende» ebenso wie Dr. Thiersch im jüngeren Mannesalter stehend, gab in kurzen Zügen an Hand der Karte von Palästina einen Ucberblick über die mannigfaltig gewundene Reise durch Palästina, mit seinen in schärfstem Kontrast zu einander stehenden Landschaften, mit seinen Wüsten, Steinfeldern in Haurcm. dein fruchtbaren, paradiesischen Jordantal und den merkwürdigen Seegebilden, von denen das Tote Meer noch heute die Gemüter der Einheimischen durch seine abendliche Unheimlichkeit beschäftigt, während es an wolkenlosen Tagen mit seiner tiefen Bläue an italienische Binnenseen erinnert, namentlich wenn man von den hohen, steilen Felsnfern ans seine trägen Wasser hinunterblickt. Vom höchsten dkorden Palästinas ging die Reise mit' mancherlei Abstechern zum tiefsten Süden bis an die ägyptische Grenze, fast alle Lufttemperaturen, kalt und heiß, dabei durchmessend. In Jerusalem beschäftigten sich die beiden Reisenden vor allem mit der genaueren Untersuchung jenes Teiles der alten Stadt, der im Südosten vom heutigen Jerusalem nicht wieder bedeckt wird. Der Beschluß der Reise bildete die Tour längs der Mittelmeerkllste, im Lande der Philister, wo die alten Städte bis auf ganz wenige vom Erdboden verschimmden sind. Den zweiten Teil seines Lichtbildervorträges widmete Dr. ' Hölscher den archäologischen Ergebnissen seiner Reise. Leider ist es heute nur noch nwglich, eine Zusammenstellung der vorhandenen Baudenkmäler Palästinas zu geben, jener gewaltigen Steindenkmale (Kultussteine), jener Dolmen in Gestalt von kleinen Toren, die im Alten Testament Gilgals genannt werden; ferner jener künstlichen Steinhöhlen und Tels und jener künstlichen Bcrgerhöhungen der alten Israeliten. Gewaltig sind die Ziegelmanern, die heute noch namentlich in Hauran gefunden werden, an die sich dort ägyptische Steinbilder anschließen. Israelitische Baudenkmäler sind selbst nur spärlich, von ihnen ist eigentlich nur noch der große Siloähkanal festzustellen, außerdem ein großer Stein init einer Inschrift des Königs Menhoah. In dieser primitiven Baukunst der alten Bewohner Palästinas mit ihrer unbeholfenen Steintechnik macht allein der Salomonische Tempel zu Jerusalem eine Ausnahme: aber auch er ist, so viel wir wissen, von einem syrischen Baumeister vollendet worden. Auch die anderen 5tünste waren bei den Israeliten wenig entwickelt, vieles ist von auswärts gekommen. Eine Malerei . haben die Israeliten überhaupt nicht gehabt. Einzig die Keramik wurde bei ihnen gepflegt und das allernieiste, was in Palästina heute an nennenswerten Funden gemacht wird, sind Erzeugnisse des keramischen Kimsthandwerks. Der Redner ließ dann die griechischen und mehr noch die römischen Einflüsse ans Palästina in Wort und Bild an der Versammlung vorüberziehen, auch die Anfänge der orientalischen Kunst und christliche Bauten ans dem Mittelalter wurden an einigen charakteristischen Beispielen vorgefürbt. Zum Schluß seines zweistündigen, übersichtlich gehaltenrn Vochrages skizzierte Dr. Hölscher die Ausgaben, die der europäischen Wissenschaft in Palästina erlvachsen; er trat für möglichst großen Schlitz der ileberreste jener alten Kultur ein. die heute unter dem Einfluß Feldes im rient ihre dankenswerte Aufmerksamkeit zu Teil werden Und der Vortrag des Referenten im Verein mit dem ersten von Dr. Thiersch beiriesen, daß dem so ist. VJTtfr'A'ftCl Tin-»■«UfUfllH 111 in Kundmachung. Hiir jüdische Uinder im schulpflichtigen Alter werden Mische pflegeparteien gesucht. Dieselben haben ihre verlrauenswürdigleit imchzuweisen Md erhalten bei gewissenhafter Mege der ihnen zugewiesenen Uinder einen Monatsbezug bis zu K 25 — per Mrrd. Schriftliche Ansuchen sind bis spätestens 20. Zebrnar $904 an das Mohltätigkeits Amt der israel. Ilultusgemeinde i., Seitenstettengasse 2 zu richten, woselbst vormittags mündliche Auskunft erteilt wird. Wien, am 21 Januar Der Vorstand der israel." ■ ■ man in i i m i ■■■!■■ »>»,,, i ■mini!■ IHM IIIIIII ■ 11111 11 I III« III fc*ciyittfsu/ant3Ki'LN.r.?ti Ans der Wiener jüdischen Tvynbee-Hnlle, 30. Bez., Knmjanf.asse 30. Vortragsordnnng: Samstag, 0. Februar: Konzert. Sonnlag, 7. Februar, Dr. Adolf Gelber: 1001 Nacht. Nkontag, Februar, Dr. Josef Jerusatc-ln: Oesterreichische Verfassnngsgescl>ichte. Dienstag, 0. Februar: Disknssio». Ac'ittivoch, 10. Februgc, Dr. Offer: Chemie der 'Nahrungsmittel. (Mit Demonstrationen.) Donnerstag. I I. Februar, Dr. Ludwig Kohn: Ans der deutschen Literaturgeschichte. Freitag, 12. Februar, Dr. Rosenmann: Bibelvortrag. Sa.nstag, 1H. Februar: Konzert. Unser Gesinnungs- 1011

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