Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2432763-2433023-2433028--2280-2436128- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Wien, Freitag tTüdiscfaes Volksblatt. 29. Jänner 1904 Seite 5 David Schey, Kassier; die Herren Professor Dr. S. Handel, Heinrich Kurti und Leopold Weihmann als Beiräte. In Durchführung -es oben angegebenen Zweckcs finden nun schon seit längerer Zeit regelmäßig zweimal' ivöchentlich die Gcschichts- und Sprachkurse in dem voll der hiesigen Jsr. Knltnsgcmeinde tu entgegenkommendster Weise zur Verfügung gestellten Lokale statt. Leiter dieser Kurse ist Herr I. Jufeld, der sich in uneigennützigster iknd aufopferungsvoller Weise dem Vereine zur Verfügung gestellt hat und durch seine interessanten Vorträge jedesmal aufs Neue den Dank seiner zahlreichen Zuhörer erwirbt. Von ganz besoilderer Bedeutung tvaren die zwei von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner innerhalb.kurzer Zeit vor zahlreichem Publikum im Sihungssaale gehaltenen ebenso geistvolleil lute formvollendeten Vorträge über „Die Makkabäer in Beziehung auf unsere Zeit" und über „Jüdische Zeitrechnung". Nicht minder interessant gestaltche sich der am.Sonntag« den 24. d. M. veranstaltete 1. Diskussionsabeud über „Prophetie"; wieder war es Herr Rabbiner W>. Reich, der als Referent in seiner geistreichen imb anregenden Weise die zahlreichen Zuhörer für das nicht leichte Thema fesselte. An der Diskussion beteiligten sich vor allem die Herren I. Jnfeld und Professor Dr. S. Handel, über dessen Anregung schliehlich auch der nächste Diskussionsabend, welche/, Soniltag den 7. Februar stattfindet, dem .Thema „Prophetie" zur Erschöpfung desselben Vorbehalte,t wurde. Jüdischer Arbcitertug. Dev Verband der jüdischen H and els a ng es teil tei i und Arbeiter Galiziens beruft für beit 22. und 23. Mai di. I. einen Tag. ein, mit; eine einheitliche Organisation auf jüdisch-nationaler Basis zu; begründen. Prag. Im Vereine zur Pflege der Wissenschaft des Judentums „A f i k e I c h u d a" hielt am 20. ds. Herr Rabb. Dr. G r ü n einen Vortrag über Prager Synagogen. Der Vortragende, welcher sich mit der Altertumskunde der Prager Gemeinde eingehend besaht, entrollte ein klares Geschichtsbild der Altneusynagoge, des Wahrzeichens der Prager Gemeinde. In tvissenschaftlicher W«eisc beivies er, daß die Altneusynagoge jüilger ist als die „Altschul", «vclche im Jahre 1868 niedergerissen wurde. Die Altneusynagoge blieb unverändert, wogegen andere nmgcbaut wurden. Auf de,l Namen übergehend, widerlegte er die sagenhaften Theorien, welche auf dem Worte „al—tenai" beruhen und stellte fest, dah der Name auf den Umstand zurückzuführen sei, dah die Synagoge durch Umbau einer alten entstand. Das Alter konnte nicht positiv sichergestcllt werden, da der untere Teil in romanischem und der obere in gothischcm Stile gebaut ist. Fest steht es, dah die Synagoge bereits vor dem Jahre 1818 stand. Die Gebetordnung weist mannigfache Abweichungen aus. So z. B. «vird der Sabbatpsalm „Mismor schir lejom haschabbos" zum Andenken an den sagenhaften Golem des Rabbi Lötv zweimal rezitiert. A m 2. A d a r werden zum Andenken an die Rettung vor den Passauern im Jahre 1613 drei Selichoth von Abraham Lenczyez vorgctragen und der Tag ist als Fasttag bestimmt worden. Der Fasttag am 14. Che sch w a n bot dem Vortragenden Gelegenheit zu einem Rückblicke auf die Geschichte der Gemeinde. Dieser wurde zum Andenken an den göttlichen Schutz nach dem Fenstersturze und der Schlacht am Weihen Berge eingesetzt. Herr Dr. Grün erwähnte den Verfasser der Selichath für diesen Tag David Lippman, und las die Einleitung zu denselben in einer meisterhaften Uebersctzung vor. Von dieser ausgehend, schilderte er die Gnadcnakte Ferdinands des Zweiten gegen die Juden Böhmens. Im Jahre 1623 wurde den Juöen der Besitz von Häusern im Judenviertcl gestattet, 1622 imlvde Basfewi geadelt, 1627 wurde ihnen der Handel und das Wohne:, an allen Orten des Königreiches gestattet. Auch die fruchtlosen Versuche zur Bekehrung der Juden blieben nicht unerwähnt. Die Geschichte der denkwürdigen Fahne der Altneusynagoge bot ebenfalls Gelegenheit zu historischen Reminiszenzen. Von den kele kodesch lvurde die silberne, von Rabbi Ezechiel'Landau gespendete Krone erwähnt. Zum Schlüsse forderte der Vortragende zu.reger Arbeit für die. jiidische Wissenschaft auf, betonte die Nötigkeit eines Bcth-Hamidrasch für Prag und die Nötigkeit der Erhaltung der alten jüdischen Baudenkmäler. „Nicht niederreihen, sondern erhalten" sei die Devise. Reicher Beifall lohnte den Redner und im anschließenden gemütlichen Teile wurden dessen Verdienste in würzigen Tischreden richtig gewürdigt. Der Verein „Afike Jehuda" kann wieder auf einen gelungenen Abend zurückblicken. —!. Prag. Der Verein absolvierter jüdischer Handelsakademikec „Fväternitas" veranstaltete am 23. ds. in Heines Wintergarten ein .Kränzchen, das sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Der ansehnliche Reingewinn fällt dein llntcrstützungsfonds für jüdische Handelsakademiker zu. Eine katholische Knltnssteuer. Eine Korrespondenz versendet folgenden Bericht: „Wie bekannt, hat in den letzten Jahren die Erbauung von katholischen Kirchen aus Gemeindemitteln Anlah zu heftigen Erörterungen zwischen einzelnen gewählten Gemeindevertretern und den Behörden gegeben, in deren weiterer Folge sogar die Entscheidung des Verioaltungsgerichtshofes angerufen wurde, die dahin gjing, dah Idie Steuergelder der Gemeinden, welche cnis dem Säckel der Gesamtbevölkerung stammen, für die Bedürfnisse einer einzelnen Religionsgenossenschaft, wenn dieselbe auch die Majorität der Bevölkerung bildet, nicht herangezogen ioerden dürfen. Da nun die gegenwärtig Vorhai,denen Geldmittel auch nicht zum geringsten Teile genüge«,, für die Religionsbedürfnisse der Katholiken zu sorgen, so lvurde seitens der Regierung im Einverständnisse n,it den beteiligten Faktoren ein Gesetze«,tlvnrf i«, Vorberatung gezogen/ der bereits so wett gediehen ist, das; er schon der nächsten Session des Reichsrates zur Annahme vorgelcgt werden soll. Selbstverständlich wurden diese Vorberat,«>,gen und Verhandlungen, welche in die Sphäreninteressen der katholischen Bevölkerung stark einschneiden, streng geheim geführt. Durch dieses Gesetz sollen die Katholiken zu einer Kultussteuer herangezogen werde«,, deren Erträgnis ausschlichlich nur zu katholischen Kultusbedürfnissen verwendet werden darf. Jede Geineinde soll durch vier Kirchenräte, ähillich de,, Senioren der protestantische«, Gemeinden, vertreten sein, welche die Geschäfte der katholischen Kultusgemeinde zu besorgen haben. Die Kultuösteuer zerfällt in vier Stufen, und zlvnr: Elfte Stufe: 3 K.; zweite Stufe: 10 K.; dritte Stufe: 100 K. und vierte Stufe: 1000 K. für das Familienoberhaupt, und in vier Unterstufen zu 1 K., 3 K., 30 K. und 300 K. für jedes weitere Familienmitglied. Das Gesetz, welches schon mit 1. Jänner 1906 in Kraft treten soll, sieht auch bereits einer allgemeinen Flucht aus der katholischen Kirche in die Konfessionslosigkeit vor und bestimmt, dah nur diejenigen einer Kultussteuer entgehen, welche vor dem 1. Juli d. I. konfessionslos sind, dagegen jene, tvelche nach diesem Tage sich konfessio«,slos erklären, trotzdem noch durch drei Jahre zur katholischen Kultussteuer herangezogen ioerden.'' Wenn auch einzelne Details dieses Berichtes unrichtig sein mögen, so scheint doch festzusteheu, dah die Eiufühcking einer katholischen Kultussteuer bevorsteht, was tvir bereits vor Wochen gemeldet habe«,. Vom jüdischen Standpunkt erheben wir die Forderung, dah bei Einführung solcher Reformen die Parität vollständig gctvahrt werde und dah insbesondere die Verpflichtung, auch nach dem Austritt aus einer Konfession die Steuern noch drei Jahre zu zahlen, auch auf die jüdische Konfession erstreckt werde. Wir nmchen ferner die jiidische Kultusgemeinde darauf aufinerksam, dah nach diesem Entwürfe Steuern von 10 Kronen, 3 Krvuen und il Krone vorgesehen sind, während unsere weise Gemeinde ein 'Steucrminimum von 20 Kronen, sage und schreibe ztvanzig Kronen kennt. Ung.-Hradisch. (Achiwah.) Der am 19. d. M. stattgcfnndene Generalkonvent der jüd. akad. Ferialverbiudung „Achiwah" ergab folgendes Wahlergebnis: cand. med. Isidor Löwy X, cand. jur. Edrn. Kohn XX, Phil. Beruh. Gausel x X X- Gcmeindelebcn tu Arad. Tout com me chcz nous! ruft man unwillkürlich auK, welin man von den jüngsten Vorgängen in der Araber Kültusgemeinde hört. Der Kultusvoüstyiid hat bei der jüngsten Steuerbemessung die Steuern der meisten Gemeindeinitglieder um ein Beträchtliches erhöht. Darob große Entrüstung unter den Mitgliedern. Da die cingebrachten Rekurse znm größten Teile erfolglos blieben, kam cs zu einer förmlichen Revolution, tvelche mit dem Exodus einer bedeutenden Anzahl von h a u p t s ä ch l i ch r e i ch> e n Mitglieder n aus der Neligionsgenofsenschaft ein trauriges Ende nahm. Erst meldeten acht Familien beim Oberrabbiner ihren Austritt an; ihnen folgten dann mehrere andere. Als nun der Seelenhirte sah, daß er allmählich! um seine fettesten Schafe kommii, begann er die „U n t c r h et n d l it nge u" mit den Dissidenten und es gelang ihm, einen Teil derselben zurückznerobern. Leider verschweigt die Chronik das wichtige Detail, unter welchen Bedingungen sich die ehrenwerten Juden mit ihrer Religion wieder aussöhnten. Die Steucrerhöhnng erfolgte übrigens, wie es heißt, um auf diese Weise die Kosten der neu zu erbauenden Synagoge hereinzubringen. Charakteristisch für den angeführten Fall ist die Tatsache, daß der 0 b errabbiner der Araber Kultusgemeinde jener Resormrabbrn,er Dr. Ros e n b ie x g ist, dem der zweifelhafte Ruhm gebührt!, der einzige Rabbiner sein, der die j ü d i s ch - ch r i st l i - ch iei n Mischehen dadurch fördern zu müssen glaubt, daß er ihre synagogale E i ti s e g n u n g nicht nur gestatte t, s o n d e r n a u ch sel b st v o r - n i m> m t. Schulinspektion des Schnlvereines im 9. Bezirke. Mit dem heurigen Schuljahre ist die Schule des jüd. Schulvereines im 9. Bez., Pramergasse 6, in das dritte Jahr ihrer segensreichen Wirksamkeit getreten. Daß diese jüd. Lehranstalt geradezu ein Bedürfnis für unsere Glaubensgenossen im 9. Bezirke ist, erhellt an: eklatantesten durch den regen, stets zunehmende,: Besuch der Schüler, welche seitens der Bewohner dieses Bezirkes dieser Anstalt zugeführt werden, was wohl andererseits gewiß nur dem Vertrauen, welches sich die Schule in der kurzen Zeit ihres Bestandes erworben, zuzuschreiben ist. Sonntag ain 24. d. M. lvurde nun diese Schule von dein Inspektor für den israelitischen Religionsunterricht, Herrn Professor M. K a n i tz, einer mehr als einstündigei: eingehenden und umsichtigen Jnspektio«: unterzogen. Nachdem sich derselbe von dem Leiter der Schule, Herrn Religionslchrer D. H. Oesterreicher, über die regelmäßige Frequenz der Schüler genaue Angaben geben ließ, lvurde die Abteilung, die gerade unterrichtet wurde, in den verschiedenen Lehrgegenständen einer icngchenden Prüfung unterzogen. Morris Rosenfeld im Ungarischen. Der Ofener Rabbiner Dr. Arnold- K i ß, dessen dichterisch,cir Leistungen in Ungarn große Anerkennung gezollt wirb, hat eine Auswahl der -Morris Rosenseld'schen Jargongedichte ins Ungarische übertragen imb dadurch diese Perlen echt jüdischer Poesie auch dem ungarischen Leserkreise zugänglich' gemacht. Eines seiner Lieder, „Wohin?", ha!t; den Tondichter Geza P o l g ei r dermaßen ergriffen, daß er es in Musik setzte. Die Musikkritiker Ungarns' äußern sich über diese Komposition in sehr schmeichelhafter Weise. Nun ist auch' die Tondichtung unter dem Titel: „Küz delem" (Der Kampf) im Druck erfdjiiemen. Das Titelblatt schmückt ein sehr stimmungsvolles Bilb des' talentierten Zeichners Geza K a c z i a> n y. Mmiifizeuz der Stadt Arad. Die Generalversamünlung der Stadt Arad hat gelegentlich der Beratung über, die Regulierung und Verschönerung der Stadt der dortigen israelitischen Geimeinde zu Templelbanzwecken einen entsprechenden! Grund rmentgelitlichi überlassen. Ausland König Viktor Emannel und der Zionismus. Wie dem „Piccolo" telegraphiert wird, wurde der Zionistenführer Dr. Theodor Herzl, der zur Zeit in Rom weilt, dieser Tage von König Viktor E m a n u e l in einer Privataudienz empfangen. Dr. Herzl erstattete dem König umfassenden Bericht über den Stand der Verhandlungen, die das Zionistenkomitee betreffend die Austvanderung der Juden ans Rußland eingeleitet hat. Die Regelung der Judenfrage in Nusstand. Wie aus Petersburg gemeldet wird, tritt die durch das russische Ministerium des Innern eingesetzte Kommission zur Regelung der Judenfrage in Rußland noch im Laufe des Monates Jänner (a. St.) zusammen, um die nunmehr brennende Frage einer Erlediguilg zuzuführen. I«: jüdischen Kreisel: Rußlands sieht mm: den Arbeiten und Beratungen dieser Konnnissiol: :nit begreiflicher Spannung entgegen. Mitglieder der Kommission sind: Fürst Obolenski, gewesener Gouverneur von Charkow, Beiräte: Graf Pah len, Goilvernenr von Wilrra, ferner die Gouverneure vo«: Kowno, W!arschall, Mohileiv u. a. m. Aus Petersburg wird über die polizeiliche Schließung des gewerbotechnischen Kongresses berichtet; der Kongreß «var vo«: technischen Lehranstalte«:, Gewerbekorporationen, Ha««delskaln:nern uslv. beschickt und genoß anfangs die Gunst der obersten Behörden. Die Petersburger Universität hatte für die Abhaltung des Kongresses ihre Aula hergegeben und die Vertreter der Negierung begrüßten den Kongreß sympathisch. Zu den Mitgliedern der Versammlung gehörte auch Stepanolv, der Vorsitzende der Gewerbekmnrner in Kischenew, einer der Haupthetzer bei den vorjährigen Utmtljcn. Als mit: Stepanow in einer Sitzung das Wort nahm, erhob sich ein S«ur1n der Entrüstung. Alle Anwesenden umringten ihn und riefen: „Pfui! Hinaus! Ihre Hä«:de sind mit Blut besudelt I" Stepauoiv mußte schleuriigst die Aula verlassen; auch solle» aufrührerische Rufe: „Fort mit der Autokratie!" gefalle» sein. Der Minister des Innern Plehwe, der dem Zaren sofort Vortrag hielt, löste nach diesen Vorgängen den Kongreß mlf. Leo N. Levi. Ei«: schinerzlichcr Verlust hat de«: unabhängigen Orden Bne Vrith, hat das ganze Judentum betroffen. Leo N. Levi, der Präsident des über die ganze Welt verbreiteten U. O. B. B. ist nach kurzein Krankenlager im Alter von 48 Jahren gcstorbe«:. Trotzdcin er nur wenige Jahre als Nachfolger des um den Orden hochverdienten Julius Bie,^ in seinen: Ehrcnaint tätig gelvesen, hat er es in dieser kurzen Zeit seiner Ainlsdaner verstanden, dem Orden i«: der ganzen Wett die ihm gebührende Stellung zu verschaffen. Er lvar es geivesen, der die Anregung zu der seinerzeit von den Inden Airierikas dem Präsidenten Rooscvelt übermittelte«: Petition in der Kischem'lvcr Affäre gegeben, er selbst «var der Verfasser dieser Petition, er selbst gehörte zu den Führern der Deputation, die in der erlvähnten Angelegenheit von: Präsidenten Rvosevelt empfangen tvurde. Leb: «vurde geboren an: 15. September 1856 in Viktoria (Staat Texas), lvo er zuerst die Elemeiitarschnke besuchte. In Neiv-Uork zunächst kaufmäimischem Berufe obliegend, wandte er sich bald dein Studimn der Rechtsivissenschaft zu, die er später praktisch als Advokat ausübte. Den: Interesse des Judenwms hat er sich alle Zeit gelvidmet. Viele Institutionen verdanken seiner Initiative ihre Entstehimg. Auch literarisch war er mehrfach tätig. Das älteste jüdisch-persische Dokument. Die älteste persische Prosahandschrift, die man bis jetzt kannte, stainmt aus dem 11. Jahrhundert; es ist eine Abhandlung des Mulvaffak Jb«: Ali von Herat und befindet sich in Wien. Nun hat Dr. A. Stein auf einer archäolögischen Reise in Chinesisch-Turkestan ei«: persisches Schriftstück entdeckt und crivorben, das in hebräischen Lettern geschrieben ist und dem frühen 8. Jahrhundert angehört, also über 200 Jahre älter ist als das bisher älteste jüdisch-persische Dokument in der Bodlciana zu Oxford. Da es zugleich das einzige Beispiel frühhebräischer Schrift in dieser Gegend ist, so berdie«:t es doppelte Beachtung, trotz seines geringen Umfanges. Infolge dieser seiner Wichtigkeit wird das mcrktvürdige Stück in dem letzter« Heft des Journal of the Roiial Asiatic Society «nitgeteilt und eingehend besprochen. Es ist ein Bittschreiben, das ein geivisser Uazid an den Jsvahbud, Fürste«: von Tabaristan, sandte, zugleich mit eine«:: Lederricmen als Geschenk, um seine Sühne zu bekunden. Daß die beiden Juden — dein: um solche handelt cs sich — miteinander persisch korrespondierten, hat nichts Auffallendes, wen«: man bedeilkt, daß auch arabische Schriftsteller ihren Personen persische Worte in den M:«i«d legen. Selbst die Gottheit wird in dem vorliege«:de«: Schreiben mit persischen Rainen bezeichnet, ein Beweis für die führende Stellung, die diese Sprache damals hi: vorder«: Orient einnähm. Das Schreiben selbst ist leider zu stark verstümmelt, als daß 'es einen zusammenhängenden Sinn ergäbe. Der größere Teil des Briefes beschäftigt sich nnt Ei«:zelheike«: des Verkaufs von Schafen, worin sich der Schreiber, offeicbar selbst ein Schafhäi:dler, über unredliche Behandlung zu beschweren scheint.^ Der Ton, in dem er schreibt, läßt erkenne«:, daß er sich an eine über ihm stehende Persöillichkeit lrendet, an ei«:en neuen Regiernngsverweser, den er bittet, einige ihn: übrig gebliebene Schafe zu verkmifen. London. Der jüngst i«: der jüdischen Heimstätte für:«nheilbare Kranke gestorbene Rabbiner I. Kohn-Zedck war ein im hebräischen Schrifttum g:«t betvandcrter jüdischer Gelehrter von hoher Abstammung. Im Jahre 1827 in Lemberg geboren, zählt er unter seinen Vorfahren Gelehrte und Rabbiner von großer Berühmtheit und schon im Talm:«d kommt der Name Mar Kohen Zedek vor. Bon seiner Kindheit an «vidmete er sich ernsthaften Studien und erhielt mit 24 Jahren einen Ehrenpreis vom Kaiser von Oesterreich. Er war ein äußerst fruchtbarer Schriftsteller und bediente sich mit Vorliebe der hebräische«: Sprache. Er war der erste Herausgeber einer deutsch-hebräischen Zeitmu: und besaß ein a::sgedeh«:tes Wissen in der jüdischen Geschichte. Vor einem Vierteljahrhundert etwa kam er nach England und arbeitete als Prediger unter seinen Gla«:bensgenossen im Ostende Londons, an den hohen Festtagen pflegte er regelmäßig zu predigen. Im Juli v. I. traf ihn der Schlag auf der Straße, auf dem Wege zum britischen Museum, wo er ein regelmäßiger Besucher war. Die Einwanderungsfrage in England. Landwirtschaftsministe^ Onslow hiel am 24. d. in Cantberwell eine Ansprache, in welcher er erklärte, die Regierung beabsichtige, sobald als möglich einen Gesetzentwurf ciirzubringen, der die Frage der unerwünschten Einlvmrderung von mittellose«: Ausländern behandeln soll. Jüdische Statistik. Am 20. Jäirner fand im „Mönchshof" zu Berlin die erste Plenarversammlung des „Vereins für jüdische Statistik" und im Anschluß an dieselbe eine größere Versammlung der jüdischen Jntellige«:z statt, welche die Herren Prof. Dr. M. Philchpson, Justizrat Timendorfer, Dr. Paul Nathan, Sanitätsrat Maretzki, Dr. H. Hildesheimer, Reichstagsabgeordneter Ed. Bernstein, Dr. A. Nossig in Angelegenheiten der Statistik einberufen hatten. In seiner kurzen Eröffnungsansprache hob der Vorsitzende des Vereins, Dr. A. Nossig, auf eine vom Abg. ©b.. Bernstein hin gegebene Anregung hervor, daß der V. f. j. St. keinerlei separatistische Tendenzen verfolge, sondern sich im Sinne von Zm^iz mit der Statistik der Juden als einer geschichtlich gegebenen Kollekttvität befasse. Innerhalb des Judeittums hänge der Verein ebenfalls nicht mit dieser oder jener Gruppe zusammen, er stehe als lvissenschaftliche Organisation je«:seits aller Parteien. Der Geschäftsbericht faßte die aus den früheren Mitteilungen bekannten Tatsachei: der Ausbreiturig des Vereins in de«: verschiedenen Länden: zusammen. Aus den: Rechenschaftsbericht ging hervor, daß in dem Zeiträume vom-1. Mai 1902 bis 31. Dezember 1903 die Einnahmen des Vereins 6173,33 Mk., die Ausgaben 4856,76 M!» betrugen, woraus sich am Jahresschlüsse ein Ueberschuß von 1317,58 Mark ergibt. An dein Ankäufe der ersten Vereinspublikatton „Jüdische Statistik B. 1" nahmen die jüdischen. Organisationen und Grüßgemeinden in folgender Weise teil: Jewish Colonization Assoeiation 2800 Mk-, Alliance Jsraelite Universelle 200 Mk., Biwi-Brith Logen Deutschland' 376,65 Mk., Bnei-Brith Logen Oesterreich 100 Mk., Deutsch-Israelitischer Gemei«:debu«:d 120 Mk., Jüdische Geineinde Warschau 350 Mk., Jüdische Gemeinde Berlrn 140 Mk., Jüdische Geineinde Wien 100 Mk., Israelitische All:m:z Wie«: 70 Mk. In der Diskussion über die Tätigkeit des Vereins gab zunächst Sanitätsrat Dr. Maretzki unter «vanner Anerke«:nu«:g des bisher Geleisteten «vichtige Anregungen betreffs des wetteren Arbeitsplanes. Er ivies nameittlich auf die Gesundheitsstattsttr als jenes Gebiet hin, auf welchem das reichhaltigste Material bereits vorliege und durch eine systematische Bearbeittn:g gehoben werden müsse. Ferner betonte er die Notivendigkeit, auf die landes- und reichsstatistischeu Aemter eiuzufließeu, damit dieselben dev jüdischen Statistik schon in ihren Fragebogen größere Aufmerksamkett zutvenden mögen. Herr Eliasberg sprach vo«: der Wlchttgkett der jüdisch-statistischen Arbeiten in Rnhla«:d. wobei er auf das ernschlagige Werk des Staatsmts Bloch hinwies. Ueber de,«selbe«: PunM äußerten sich Dr- Hei«:rich Meyer-Cohn und Herr Leo Motzkin. Dr. Nossig teilte mit, daß der Vorstand sich bereits bemüht hatte, in dem vom Sanitätsrat Maretzki a«:gegebenen Sinne die offtzielle«: statistischen Arbeite«: zu beeinflussen. Daneben halte wdoch der Verei«: a«: seinem Hauptprogramm fest, welches dann bestehe, zunächst auf Grund des borhander:en Materials eine Gefamtstattsttik des Judentums herznstellen. Nach Erteilung des Absolutoriums wurden die von: Vorstand cntivorfeiwn Satzungen des Vere«:«s verlesen und mit geringen Aenderungen angenommen. Es folgte nun eine längere und angeregte Debatte über die sinanzielle Basierung des Vereins zum Zlvecke dev Schaffung dauenürer Aemter für Statistik der Juden und Anstellung fachmäiuiisch gebildeter Beamten. Das diesbezügliche Referat des Vorsitzenden gipfelte, nach kntrscher